LED-Tagebuch (KW 43): „Brightbox“, Kaufland-Irrtum, LED-Trafo-Brand?

Immer wieder sonntags: Eine Wochen-Rückschau auf die Kurzmeldungen im „Blog-Telegramm“ und in der Google+-Community „LED-Beleuchtung“ – als LED-Tagebuch mit Updates und Ergänzungen.


Brightbox-Philips
18.10.: Wie mit Hilfe von LED-Pflanzenleuchten platzsparendes, vertikales „Indoor Farming“ möglich wird, zeigte das ARD-TV-Magazin „W wie Wissen“ gestern Nachmittag (Beitrag in der Mediathek). So werden seit Mai dieses Jahres in einer Versuchsanlage namens „Brightbox“ im niederländischen Venlo blaue, rote und tief- oder infrarote Philips-LED-Leuchten zur Aufzucht von Salaten, Radieschen und Kräutern genutzt (Philips-PR-Foto oben).

Die Pflanzen wachsen auf sieben Etagen in speziell komponierten Nährstofflösungen. Die Mischung der Licht-Wellenlängen beeinflusst Wuchs, Aussehen und Geschmack – wie genau, das ist eines der Forschungsziele der federführenden „HAS University of Applied Sciences“. Außer solchen Versuchsanlagen gibt es weltweit schon weit über 200 kommerzielle „Pflanzenfabriken“ mit LED-Beleuchtung und Etagen-Anbau, die weitaus meisten stehen in Japan.


Osram-Lighthouse19.10.: In seinem Münchener „Lighthouse“ (PR-Foto rechts) wird Osram am 11. November die vorläufigen Zahlen für das am 30. September beendete Geschäftsjahr 2015 präsentieren. An der Jahrespressekonferenz am Morgen des Martinstags nehmen auch Vorstandschef Dr. Olaf Berlien und Finanzvorstand Dr. Klaus Patzak teil. Sehr wahrscheinlich wird man von ihnen einige Worte zur geplanten Auslagerung von rund 40% des Konzernumsatzes sowie der künftigen Unternehmensstrategie hören.

Laut Branchengerüchten sollen neben diversen Finanzinvestoren mindestens drei chinesische Unternehmen am Osram-Geschäft mit traditionellen Leuchtmitteln und einfachen LED-Retrofits (ohne „Lightify“) interessiert sein. Darunter ist wohl auch die „Foshan Electrical and Lighting Co., Ltd.“ (Felco), wo Osram bis vor Kurzem noch als 13,5-Prozent-Anteilseigner mit im Boot war.


Kaufland-Philips-10-1520.10.: Als „Super-Weekend-Sonderposten“ für 3,99 Euro verkauft Kaufland ab Donnerstag eine matte E27-Philips-LED-Lampe (Prospektausschnitt links, nur gültig vom 22. bis 24.10.). Beschrieben wird eine mutmaßlich 9 Watt starke, nicht dimmbare „Birne“, die mit 806 Lumen und 2700 Kelvin herkömmliche 60-Watt-Glühlampen ersetzt, aber nur einen engen Halbwertswinkel von rund 150 Grad und Farbwiedergabeindex Ra/CRI 80 hat.

Das alles verrät Kaufland EU-regelwidrig on- und offline nicht. Von der Nennlebensdauer erfahren sie lediglich 15.000 Leuchtstunden; die mindestens 100.000 schadlosen Schaltzyklen der beschriebenen Philips-Lampe werden bescheiden verschwiegen. Noch gravierender: Die Abbildung zeigt nicht die zu Daten passende Retrofit, sondern ein Philips-E27-7W-Pack-vorn-kleinneues, genau so helles 7-Watt-Modell von Philips mit deutlich höherer Effizienz (EU-Ökolabel A++) und runderem Lichtkegel (ca. 300 Grad). Rechts ein Blick auf die Vorderseite der Verpackung (Fotos: W. Messer).

Update 22.10.: Eine Blogleserin berichtete heute aus Trier, dass es dort tatsächlich die im Prospekt und hier abgebildete, brandneue 7-Watt-Lampe zum beworbenen Sonderpreis von 3,99 Euro gibt – eine faustdicke Überraschung! Allerdings kriegen Sie hier nur eine Nennlebensdauer von 10.000 Betriebsstunden und 20.000 Schaltzyklen.

Philips-E27-7W-an-kleinUpdate 23.10.: Auch in unserem Kaufland in Baden-Baden war statt der beschriebenen A+-Lampe das neue 7-W-/A++-Modell „made in Poland“ mit großer Glashaube im Angebot. Habe ich mir natürlich gleich mitbringen lassen.

Im Leuchtbild links können Sie schon den inneren Aufbau erahnen: Rund um einen „Filament-Tower“ sind acht vertikale Reihen mit jeweils drei SMD-LEDs montiert, die für eine halbwegs homogene und ziemlich runde Abstrahlung sorgen (so was Ähnliches kennen wir schon von den ersten „Cree“-LED-Lampen). Die einzelnen Leuchtpunkte sind allerdings durch die teiltransparente Haube noch gut erkennbar.

Die Vorschaltelektronik steckt dagegen weitgehend unsichtbar im Sockel, was sehr kompakte Maße ermöglicht: Nach meiner Messung ca. 10,5 cm Länge und rund 5,7 cm Maximaldurchmesser. Die Packungsangaben (110 x 61 mm) und Philips-Website-Daten (110 x 60 mm) sind definitiv falsch. Die „Energy Master“-Werte nach zwei Stunden Warmlaufen: 6,9 Watt, elektrischer Leistungsfaktor 0,57. Einen ausführlichen Test mit Profilabor-Daten können Sie jetzt hier lesen.


Sebson-E27-Globe-15W22.10.: Ungefähr so hell wie eine 100-Watt-Glühlampe leuchtet das neueste E27-LED-Retrofit-Modell im Sortiment meines Werbepartners Sebson. Die nicht dimmbare „Globe G95“ für knapp 12 Euro (PR-Foto rechts) liefert aus knapp 15 Watt und matter Haube 1450 Lumen Lichtstrom mit einer „warmweißen“ Farbtemperatur von 3000 Kelvin und einem Halbwertswinkel von 160 Grad.

Wegen ihrer Länge von 13,5 cm und bis zu 9,5 cm Durchmesser passt sie natürlich nur in größere Leuchtengehäuse. Der Farbwiedergabeindex soll bei Ra >80 liegen; die Nennlebensdauer beträgt mindestens 25.000 Leuchtstunden und über 12.500 Schaltzyklen.


23.10.: War der „Trafo für eine LED-Lampe“ Ursache eines großen Brandes am 26. September im mittelsächsischen Leisnig? So zumindest zitiert die „Sächsische Zeitung“ die Besitzerin des betroffenen Wohn- und Geschäftshauses, die sich nach eigenen Angaben dank ihrer „verrückt spielenden Katze“ am frühen Morgen mitsamt Familie rechtzeitig retten konnte.

LED-Einbauleuchte-ZollTatsächlich tauchen immer mal wieder brand- oder lebensgefährliche LED-Lampen und -Leuchten aus Asien auf dem mitteleuropäischen Markt bzw. bei den Zollbehörden auf (links eine vom Hauptzollamt Regensburg abgefangene LED-Einbauleuchte mit externem Trafo ohne CE-Kennzeichnung).

Meine Nachfrage bei der zuständigen Kriminalpolizei in Chemnitz ergab allerdings, dass die Ermittlungen noch gar nicht abgeschlossen und deshalb keine offiziellen Angaben zur Brandursache möglich sind. Wir setzen übrigens sicherheitshalber nicht nur unsere drei Kater als potenzielle Lebensretter ein, sondern auch zahlreiche Rauchmelder.


Megaman-Liliput-2015-200524.10.: Unter anderem eine neue, ultraschlanke E27-LED-Lampe wird Megaman vom 27. bis 30. Oktober bei der Herbstausgabe der „Hong Kong International Lighting Fair“ präsentieren (im PR-Foto links).

Sie soll mit 7 Watt und 600 Lumen, EU-Ökolabel A+, 15.000 Stunden Nennlebensdauer, 10,4 cm Länge sowie nur 4 cm Durchmesser beispielsweise 11-W-Kompaktleuchtstofflampen wie die „Liliput Plus(PR-Foto rechts, nicht maßstabsgetreu) ersetzen können.

Mit den vor zehn Jahren auf den Markt gebrachten und längst nicht mehr produzierten „Liliput“-Modellen hat die neue Lampe den grün eingefärbten Isolator am Sockel gemeinsam, der seither von Megaman als Öko-Kennzeichen verwendet wird und Geschmacksmuster-geschützt ist. Weitere „grüne“ Messe-Neuheiten finden Sie auf diesem pdf-Flyer. Bei LEDON gibt’s so einen Farbring übrigens auch – allerdings in blau.


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2 Gedanken zu „LED-Tagebuch (KW 43): „Brightbox“, Kaufland-Irrtum, LED-Trafo-Brand?

  1. Wie sie auch immer erwähnen halten sich fast alle Discounter und Co. nicht an die Pflichtangaben und handeln EU-regelwidrig. Haben Sie schon einmal gedacht dagegen zu klagen? Wäre sicherlich eine 99,9 %ige Erfolgschance, aber wohl sehr zeit- und nervenintensiv. Naja vielleicht folgt jemand dem positiven Beispiel von Maximilian Schrems.

    • Das sollen mal schön die Verbraucherschutzverbände und die darauf spezialisierten Anwälte machen. Ich habe auch ohne solches juristisches Gezänk mehr als genug Arbeit.

      Und wenn – wie oben beschrieben – teils noch nicht mal die Hersteller wissen, was für Lampen sie genau anbieten (Maße!), fehlen mir sowieso die Worte.

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