Apps und Sensoren: Wie “intelligent” kann LED-Lichtsteuerung sein?

Funksysteme wie Osram-“Lightify”, Philips-“hue” oder “MiLight”, vorgeschaltete Bewegungs- oder Präsenzmelder: Es gibt viele Möglichkeiten der LED-Lichtsteuerung. Aber wie sinnvoll und “intelligent” sind sie wirklich?

Osram-Lightify-App-Lampe
Mit der Osram-“Lightify”-App können entsprechend ausgerüstete LED-Lampen und -Leuchten nicht nur die Helligkeit, sondern auch ihre Farbtemperatur verändern oder sogar unzählige Lichtfarben erzeugen. (Fotos: Osram-PR)

Wenn man diversen Marketing-Phantasien glauben darf, scheinen spezielle LED-Leuchtmittel gute Chancen zu haben, einen IQ-Testvergleich gegen manche ihrer künftigen Besitzer knapp zu gewinnen. “Intelligenten” Autos gelingt dieser Coup ja nachweisbar schon häufig – dank elektronischer Helferlein wie ESP, ABS, Abstandsradar, Spurassistent, Licht- oder Scheibenwischer-Automatik. Warum sollte das nicht ebenso mit technisch ziemlich komplexen LED-Lampen und -Leuchten funktionieren – wenn auch in kleinerem Maßstab?

Osram-Lightify-SurfaceZeit genug zur Entwicklung hatten die Hersteller ja. Das Philips-“hue”-System ist schon seit zwei Jahren auf dem Markt und wird ständig erweitert und verbessert; Osram-“Lightify” und -“Lightify Pro” durften nach der Vorstellung im März 2014 noch rund sieben Monate “reifen” – bis zur tatsächlichen Markteinführung in diesem Herbst (im Osram-PR-Bild rechts die brandneue “Lightify Surface Light Tunable White”-Leuchte mit 28 Watt, bis zu 2000 Lumen und zwischen 2700 und 6500 Kelvin steuerbar).

“Intelligente LED-Lichtsteuerung”?

Viele weitere Anbieter sind mit Bluetooth-, W-LAN- oder “ZigBee Light Link”-Produkten bereits präsent, am Start oder wollen es zumindest bald sein. Allen Konzepten gemeinsam ist grundsätzlich die Notwendigkeit einer externen Steuerzentrale und/oder dezentralen Geräten wie Smartphone oder Tablet-Computer. Aus dieser Verknüpfung leiten einige Hersteller die Bezeichnung “intelligentes Licht” ab, obwohl es eigentlich nur relativ simple “regelbasierte Systeme” sind, die mit humaner oder “künstlicher Intelligenz” (KI) wenig bis nichts zu tun haben. Aber “Intelligenz” kann natürlich teurer verkauft werden.

Eigenwerbung Juni 2014

Warum geht’s denn überhaupt? Auf die Essenz eingedampft: Das Licht soll passend zu Anlass, Ort und Zeit in optimaler Menge, Farbe bzw. Farbtemperatur sowie möglichst automatisiert zur Verfügung stehen und auch noch bezahlbar und stromsparend sein. App-gesteuerte LED-Systeme scheitern jedoch in der Praxis häufig an diesem Lackmustest – etwa, weil sie mit horrend teuren Leuchtmitteln arbeiten, nicht alle relevanten Parameter berücksichtigen (beispielsweise die Zeitumstellungen zweimal pro Jahr oder besondere Wetterlagen), ohne direkten manuellen Zugriff nicht flexibel genug sind oder nur auf jene Nutzer beschränkt sind, die gerade via Smartphone und Georeferenzierung als anwesend und steuerungsberechtigt identifiziert werden.

Die “Basics” sind relativ einfach

Dabei sind die meisten Alltagsanforderungen recht simpel: Das LED-Licht wird prinzipiell nur angeschaltet, wenn es sonst zu dunkel wäre – also nicht bei ausreichendem Naturlicht. Die Helligkeit muss stufenlos gedimmt werden können; beispielsweise als Additiv zum Tageslicht. Die Lichtfarbe sollte chronobiologisch zur Tages- und Nachtzeit passen – also “kälter” bei Aktivität und “wärmer” bei Passivität der Bewohner. Jedes Familienmitglied im halbwegs zurechnungsfähigen Alter sollte problemlos mit der grundlegenden Bedienung klarkommen. Alles andere – etwa die Einstellung von zigtausend verschiedenen RGB-Farbtönen – ist mehr Spielerei als Notwendigkeit und verliert ohnehin schnell seinen Reiz.

Philips-hue-tapTheoretisch wären die Regel-Basics schon mit kleinen Modifikationen der vorhandenen Hausinstallation in den Griff zu kriegen. Osram bietet dafür in seinem “Lightify Pro”-System einen “Push-Button-Koppler”, der unsichtbar unter dem herkömmlichen Lichtschalter angeschlossen wird, Philips den ortsunabhängigen “hue tap”-Controller (PR-Foto rechts) als vermutlich achte bis zehnte Funkfernsteuerung im Haushalt. Wirklich “intelligent” oder “automatisch” machen solche Geräte die Lampen und Leuchten im Haushalt allerdings nicht.

LED-kompatible Sensorsteuerungen tun’s auch

PEHA-PraesenzmelderFür die meisten, teils automatisierten Lichtsteuerungsaufgaben dürften schon normale Schalter, Dimmer, Bewegungs- oder Präsenzmelder mit zusätzlichen Dämmerungssensoren und Zeitschaltern ausreichen, sofern sie mit LED-Beleuchtung kompatibel sind (im PR-Bild links ein PEHA-Präsenzmelder).

Je nach Anforderung registrieren Infrarot-, Ultraschall-, Mikro- bzw. Radarwellen die Annäherung bzw. Anwesenheit von Personen, aktivieren die angeschlossenen Leuchtmittel und schalten sie nach einer voreinstellbaren Zeitspanne oder bei ausbleibender Aktivität im Erfassungsbereich wieder aus. Einfachstes Beispiel sind die verbreiteten Sensor-LED-Außenstrahler, etwas komplexer die dimmbaren und teils vernetzten LED-Straßenleuchten.

App, Smartphone und Tablet brauchen Sie hier im “Consumer”-Bereich meistens gar nicht, höchstens mal für die Erstinstallation und -Inbetriebnahme, danach geht’s auch ohne. Häufig sind nicht mal zentrale Steuergeräte erforderlich, weil jeder Stromkreis oder jede Leuchte autark funktioniert und die jeweilige Umgebungshelligkeit individuell berücksichtigen kann. Auf Zusatz-Komfortmerkmale wie Fernsteuerung via W-LAN und Internet müssen Sie dann allerdings verzichten.

Das intelligenteste Licht ist das unauffälligste

Merke: LED-Lichtsteuerung darf kein Selbstzweck sein – allenfalls für den verschwindend geringen Prozentsatz technikverliebter “Geeks” und “Nerds”, die vermutlich einen überproportionalen Anteil der Blogleser hier bilden, immer die neuesten “Gadgets” kaufen, die aktuellsten Steuer-App-Updates herunterladen, im Zimmer pro Minute ein Dutzend Farbszenarien ausprobieren und damit jeden normal veranlagten Besucher ganz fix in die Flucht schlagen – Besucherinnen sogar noch schneller.

Das beste, “intelligenteste” LED-Licht wäre für die allermeisten Haushalte wohl jenes, das wirklich automatisch, flexibel, antizipierend, im Optimalfall unmerklich ins Geschehen eingreift und sich genau so unauffällig wieder verabschiedet, wenn es nicht mehr gebraucht wird. Diesen hohen Anspruch erfüllt meines Erachtens noch kein bezahlbares Steuerungssystem auf dem Markt, obwohl damit sicher über 90% Stromersparnis gegenüber traditioneller Glühlampen- und Schaltertechnik möglich wäre – sogar mit ordentlichem Helligkeits- und Komfortgewinn.

P. S.: Vielleicht ist ja die neue “Alba”-Lampe des US-Startups “Stack” schon ein Schritt in die richtige Richtung.

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Penny-LED-Deals: Mut zur Lücke

Mit einem bunten, lückenhaften und teils falschen Daten-Wirrwarr bespaßt uns der Marken-Discounter “Penny” bei seinen LED-Sonderangeboten diese Woche (Prospektausschnitte unten, gültig vom Donnerstag, 23.10, bis Samstag, 26.10.).

Penny-LED-Leuchten-10-14-mittel

Penny-LED-Aussenleuchte-10-14Bei den integrierten LED-Leuchten der Handelsmarke “Style Fair” für knapp 30, 50 und 70 Euro müssen Sie sich die Gesamthelligkeit teils selbst zusammenrechnen (820, 984, 1808 bzw. 1920 Lumen). Lichtfarbe, Farbwiedergabeindex, Halbwertswinkel (vermutlich alle 120 Grad) und Nennlebensdauer werden on- und offline überhaupt nicht verraten.

Die konkret genannten EU-Effizienzklassen A+ und A++ sind für solche Leuchten mit fest verbauten LED-Modulen gar nicht vorgesehen (die korrekten Labels müssten eigentlich so aussehen) und bei der LED-Außenleuchte mit Sensor (oben rechts) auch noch falsch angegeben.

Die kann nämlich mit ihren 20 Watt, gut 1800 Lumen und mutmaßlich “kalt-weißer” Farbtemperatur zwar ungefähr einen 150-Watt-Halogenstrahler ersetzen, schafft jedoch höchstens den Energieeffizienzindex (EEI) 0,15. Und das reicht selbst bei Richtstrahlern (120 Grad Hauptabstrahlwinkel) leider nur für A+ statt A++. Solche Daten-, Label- und Kalkulationsschwächen zeigen die “Penny”-Prospektbastler nicht zum ersten Mal. Vermutlich können Sie ab Donnerstag auf den Verpackungen der Leucnten die korrekten Angaben sehen – Hinweise dazu bitte unten in die Kommentare schreiben.

Philips-LED-Lampen im Doppelpack

Penny-Philips-10-14-kleinRelativ günstig sind die Zweierpacks mit Philips-Retrofits (E14-, GU10- und E27-Sockel, links, zum Vergrößern anklicken) ab 7,99 Euro. Die “Penny”-Leistungsangaben von 25, 35, 40 und 60 Watt repräsentieren natürlich die zulässigen Äquivalenzwerte für ähnlich helle Glühlampen bzw. Halogenspots – tatsächlich ziehen die sparsamen LED-Nachfolger nur 3 bis 9,5 Watt.

Schon nach kurzer Internet-Suche werden Sie diese “Sonderangebote” allerdings anderswo sogar als Einzelexemplare billiger oder ähnlich preiswert entdecken. Eine sehr ähnliche Philips-Doppelpack-Aktionen gab’s übrigens bereits Anfang Oktober in den OBI-Baumärkten.

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