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2.9.2010 von Wolfgang.
“Lies das Kleingedruckte!” muss man sich immer wieder sagen, wenn Mobilfunk- und Internet-Provider wahnsinnig supergünstige Flatrates bewerben, die sich bei näherem Hinsehen als doch nicht so wahnsinnig günstig entpuppen. Dieses “nähere Hinsehen” ist schon unter normalen Umständen äußerst schwierig, weil die Schriftgrößen etwa Fliegendreck-Format haben. Wenn allerdings die lesbaren Sätze dann noch offenkundig unvollständig, zerstückelt und somit unverständlich sind, wird’s richtig heftig, wie gesehen auf den Seiten 46/47 der “Spiegel”-Ausgabe Nr. 35 vom 30. August:

Das Kleingedruckte einer Anzeige von 1&1 - für größere Darstellung auf’s Bild klicken.
Ich nehme mal an, das muss man jeweils komplett von links nach rechts über den Seitenbruch hinweg lesen und nicht spaltenweise pro Seite. Es ergibt jedoch auch so wenig Sinn (Bemerkungen in eckigen Klammern von mir):
1&1 All-Net-Flat inkl. 1&1 Internet-Flat in den ersten 12 Monaten für 19,90 €/Monat (bei [hier ist der Seitenbruch] eines Smartphones entfällt der Preisvorteil von 10.-€/Monat in den ersten 12 Monaten). 1&1 Internet-Flat: Mobil surfen mit bis zu 7.200 kBit/2, ab 250 MB Datenvolumen/Monat mit bis zu 64 bis zu 64 kBit/s. Bei Mitnahme ihrer Rufnummer erhalten Sie 25.-€ Wechslerbonus. Kostenlose Mailbox-Abfrage.[Seitenbruch] agslaufzeit. Einmalige Bereitstellungsgebühr 29,90 €, keine Versandkosten.
Puh - da fehlt doch was. Beim ersten Seitenbruch möglicherweise das Wort “Kauf”, beim zweiten stehe ich auf dem Schlauch. Grundsätzlich ist mir klar, dass die Superpreise nur ein Jahr lang gelten und teilweise auch nur Download-Geschwindigkeiten aus der Telefonmodem-Ära garantieren. Aber was ist mit der “agslaufzeit”? Vielleicht war der Text auch für die 1&1-Anzeigen-Layouter deutlich zu klein.
Disclaimer: Ich bin seit vielen Jahren 1&1-Kunde und dies ist ein von 1&1 gehostetes Blog. Ich hoffe mal, dass hier sportlich reagiert, nicht zensiert und vielleicht sogar aufgeklärt wird.
Update 7.9.: Das Rätsel wurde jetzt von 1&1 zumindest teilweise gelöst - siehe in den Kommentaren.
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24.8.2010 von Wolfgang.
“Mut und Realismus für Deutschlands Energiezukunft” ist eine doppelseitige Anzeige betitelt, die diese Woche in diversen Medien erscheint - verantwortet von einem Verein (in Gründung) namens “Energiezukunft für Deutschland“. Zu den Unterzeichnern des Appells für eine längere Laufzeit der Atomkraftwerke in Deutschland gehören die üblichen Verdächtigen wie die Chefs der Energie-Oligopole EnBW, E.On, Vattenfall, RWE und CDU-Politiker wie Dr. Michael Fuchs, aber auch branchenfremde Prominente wie DFB-Manager Oliver Bierhoff und Dr. Eckhard Cordes, Chef der Metro-Gruppe.

Anzeigen-Ausriss (für größere Darstellung auf’s Bild klicken)
Schön, dass man nun genau sieht, wer außer den ohnehin bekannten Protagonisten noch so alles zu den energiepolitischen Dinosauriern und Atomkraft-Hasardeuren zählt. Denn es sind natürlich viele der Mächtigen im Land, die in elitären Kreisen auskungeln, wie sie ihren Gewinn ohne Rücksicht auf das Staatswesen mehren können, sie sind aber nicht unantastbar. Schließlich sind Atomkraftgegner auch Konsumenten und können ein klein wenig Gegendruck ausüben.
Nehmen wir zum Beispiel den Metro-Konzern. Zu dem gehören der Cash & Carry-Großhandel, die Elektronikfachmarkt-Ketten Media Markt und Saturn sowie die Real-Warenhäuser. Vor allem Letztere fallen mir häufig dadurch auf, dass sie massenhaft veraltete Stromfresser verramschen wie etwa Plasma-Flachbild-Fernsehgeräte. Mit jedem verkauften Exemplar wird die Zukunft der deutschen Atomindustrie weiter gesichert. Das ist höchst effektive “Real-Politik”: Wer braucht denn so was Dubioses wie erneuerbare Energie, so lange sie bei Weitem noch nicht in der Lage ist, unseren immensen Stromverbrauch kostengünstig und umfassend zu decken? Das können halt nur Atomkraft und Kohle, suggeriert der Appell:
Ein vorzeitiger Ausstieg würde Kapital in Milliardenhöhe vernichten – zu Lasten der Umwelt, der Volkswirtschaft und der Menschen in unserem Land
Ähnlicher Meinung scheint auch der Unterzeichner Kasper Rorsted zu sein, Vorstandsvorsitzender des Henkel-Konzerns. Zu ihm gehören Marken wie Persil, Weißer Riese, Perwoll, Spee, Dixan, Vernel, Somat, Sidolin, Bref, dato, Schauma, Taft, Gliss Kur, Diadermine, Seborin, Pritt, Ponal, Pattex,Teroson und Loctite. Kann man alles kaufen, muss man aber nicht. Schließlich darf doch erlaubt sein, durch selektives Kaufverhalten zumindest symbolisch etwas ökologisches Bewusstsein zu zeigen. Weitere Ansatzpunkte aus zahlreichen Branchen lassen sich in der langen Liste der Unterstützer finden.
Vielleicht fragen Sie ja auch mal als Einkäufer oder Verbraucher Ihre Stamm-Lieferanten und -Geschäfte, wie die dazu stehen, und passen Ihr Einkaufsverhalten entsprechend an. Das Böse ist schließlich nicht überall zuhause; es gibt sogar durchaus Industrievertreter, denen der Appell des Vereins i. G. überhaupt nicht behagt. Selbst aus CDU-Kreisen ist angesichts der Unterschrift des Unions-Fraktionsvizes Fuchs vereinzelt Kritik zu hören.
Und selbstverständlich können Sie selbst durch konsequentes Energiesparen und die intelligente Auswahl Ihres Stromversorgers die Geschäftsgrundlage der Atomkraft-Lobby etwas ausdünnen. Ich bin zum Beispiel seit einiger Zeit zufriedener Kunde der Energiewerke Schönau.
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18.8.2010 von Wolfgang.
Mal eben geguckt, wie viele Menschen außer mir gestern “Mord mit Aussicht” im “Ersten” geschaut haben: Es waren über 6,2 Millionen, ein tolles Ergebnis für eine sehr gelungene Serie. Die Zuschauerzahl und der Marktanteil von 20,5 Prozent waren einsame Spitze quer durch alle Sendungen und Programme am Dienstag.
Aber: Beim “Kress-Quotencheck” (und nicht nur dort) reicht’s nur für Platz 13. Denn hier zählt für die Platzierung ausschließlich die ominöse “Zielgruppe 14-49 Jahre”, und da waren’s nur 1,36 Millionen Zuschauer und 11,9 Prozent Marktanteil. Die rund 4,8 Millionen anderen Fans der Serie aus den Altersklassen darüber und darunter fallen durch den Rost und interessieren offenbar nicht - in diesem Fall besonders absurd.

Screenshot: Kress.de
Die alte und willkürliche Marketing-Erfindung der “werberelevanten” 14-49jährigen (unter anderem vom damaligen RTL-Chef Helmut Thoma) wird aber inzwischen weder von der werbenden Wirtschaft noch von den Sendern so richtig ernst genommen. Auch Thoma selbst hält sie heutzutage für überholt. Immerhin versammelt sich schon seit vielen Jahren eine riesige Kaufkraft bei den über 49jährigen (und teils auch bei den unter 14jährigen), die im Übrigen auch durchaus empfänglich für Werbebotschaften und neue Produkte sind.
Das hindert aber diverse Marketing-Fuzzis und vermeintlich “hippe” Medienredakteure nicht daran, diesen 14-49-Quatsch immer noch als Maßstab für ihre Quoten-Charts zu nehmen. Offenbar sind diese Jungspunde bei ihrer Methodik weitaus weniger flexibel als die “Alten” bei ihren Kaufentscheidungen.
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12.8.2010 von Wolfgang.
Jede Menge Energie sparen können Sie zur Zeit mit Tchibo-Produkten - wenn man Tchibo glauben kann. Sollten Sie aber nicht uneingeschränkt tun, vor allem nicht bei den seit gestern angebotenen Leuchten und LED-Lampen. So werden die Decken- und Tischleuchte ohne Leuchtmittel geliefert (toll, so brauchen sie überhaupt keinen Strom), aber immerhin mit dem Hinweis versehen:
Auch für LED- und Energiespar-Leuchtmittel geeignet
Passende LED-Lampen gibt’s natürlich auch bei Tchibo - an sich lobenswert, ich singe ja immer mal wieder hier das große Loblied auf die LEDs: Für die Tischleuchte bieten die Kaffeeröster und Schnäppchenspezialisten eine 2-Watt-Kerze mit E14-Fassung an, für die Deckenleuchte eine 3-Watt-Birne mit E27-Fassung - jeweils in “warmweiß”. Die Farbtemperatur wird mit 3000 Kelvin beziffert, das deutet eher auf weiß mit Blauanteil als auf gelblich “warm”.
Die Watt-Angaben sehen Sie im Online-Angebot nicht in der Produktbeschreibung, sondern nur auf den Fotos der Verpackungen. Auf den Packungen selbst fehlen wiederum aber die eminent wichtigen Lumen-Werte (das Maß für den Lichtstrom, also vereinfacht die Helligkeit). Und weder auf der Website noch auf den Packungen gibt’s irgend eine Information über Menge und Art der verwendeten LEDs (gilt übrigens auch für alle angebotenen LED-Solarleuchten).
Im Tchibo-Online-Angebot wird die LED-Kerze mit 110 Lumen angegeben, das entspreche einer herkömmlichen 20-Watt-Glühlampe. Keine Ahnung, wie man auf so einen Vergleich kommen kann. 110 Lumen sind nämlich schon mit einer 15-Watt-Glühkerze erreichbar. Wer auf mehr als dieses Äquivalent hofft, dürfte von der LED schwer enttäuscht werden.
Besser sieht’s bei der 3-Watt-LED-Birne aus. Hier soll der Lichtstrom von 220 Lumen einer 25-Watt-”Glühbirne” entsprechen. Das wäre einigermaßen korrekt, sofern die Lumen-Angabe der LED tatsächlich stimmt. Immerhin glänzt die Lampe offiziell mit rund 73 Lumen pro Watt - kein Spitzenwert, aber deutlich mehr als die eher ärmlichen 55 Lumen/Watt bei der LED-Kerze.
Das Tchibo-Angebot ist trotzdem eher kalter Kaffee: Für 14,90 Euro bekommen Sie woanders schon 4-Watt-LED-”Birnen” mit 340 Lumen. Wenn Sie statt 9,90 Euro (das Tchibo-Angebot für die E14-Kerze) zwei Euro mehr anlegen, kriegen Sie problemlos eine 2-Watt-LED-Kerze mit 150 Lumen (das entspricht dann wirklich dem 20-Watt-Glühobst). Mit der Tchibo-Kerze vergleichbare 2-Watt-LED-Lampen werden bei anderen Anbietern deutlich billiger gehandelt - teils für 5,95 Euro, weil die geringe Leistungsausbeute schon längst nicht mehr zeitgemäß ist.
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31.7.2010 von Wolfgang.
Fast jeder von uns hat es schon erlebt, viele sogar mehrfach oder andauernd: Unerwünschte Werbe- oder Betrügeranrufe, häufig mit unterdrückter Nummer, immer häufiger auch durch Automaten mit aufgezeichneten Stimmen. Das ist nicht nur verboten und lästig, sondern kann bei Gutgläubigen auch zum Verlust hoher Geldbeträge führen. Um mitzuhelfen, dieses üble Treiben mittelfristig zu verhindern, melde ich regelmäßig solche Anrufe per Formblatt an die Bundesnetzagentur in Bonn.

Eingang zur Bundesnetzagentur am Bonner Tulpenfeld. Hier versickern offenbar zahlreiche Beschwerden im Behörden- und Ermittlungsdickicht (Foto: Leit@Wikimedia Commons).
Das ist ein wenig mühsam, erfordert manchmal auch etwas Recherche oder das Geschick, dem Call-Center-Mitarbeiter während des Cold Calls ein paar Angaben zu entlocken. Ich habe bisher aber immer die Hoffnung gehegt, dass das illegale Tun früher oder später in irgend einer Form geahndet wir. Das ist nach Angaben der Bundesnetzagentur zwar tatsächlich ab und zu der Fall, scheint aber trotz erheblich gestiegener Fallzahlen wohl nur in homöopathischen Dosen möglich zu sein. Ein von der “Süddeutschen Zeitung” am Samstag publizierter “interner Bericht” der Behörde wird zum Beispiel von der Agentur afp unter anderem so zitiert:
An die mutmaßlichen Täter kommt die Netzagentur … meist gar nicht heran. Viele Hintermänner säßen im Ausland, wo sie Scheinfirmen gegründet hätten. Versuche, Bußgelder zu vollstrecken, liefen regelmäßig “ins Leere”. Die Bundesnetzagentur beklagt in ihrem Bericht laut “SZ” auch das mangelnde und unkoordinierte Durchgreifen von Polizei und Justiz: Selbst bei großen Betrugsfällen finde “faktisch keine Strafverfolgung statt”. Viele Ermittlungsverfahren würden “sanktionslos” eingestellt - dies sei eine “untragbare Situation”.
Bereits am Donnerstag veröffentlichte die Bundesnetzagentur allerdings eine themengleiche und ganz und gar nicht interne Pressemitteilung, in der sich Präsident Matthias Kurth unter anderem darüber bitter beklagte:
“Von August 2009 bis April 2010 sind bei uns über 57.000 schriftliche Beschwerden allein wegen unerlaubter Telefonwerbung eingegangen. Wir können nicht alle Beschwerden aufgreifen, weil ein Teil nicht als unerlaubte Telefonwerbung verfolgt werden kann. Dies ist z. B. bei klassischen Meinungsumfragen, beim Abfragen von Kontodaten ohne Werbebezug oder bei automatisierten Werbeanrufen, bei denen keine Person am Telefon ist, der Fall.”
Dieser Teil der Pressemitteilung ist ziemlich weit unten zu finden und wurde deshalb wohl auch konsequent verschwiegen - wer kann schon so viel Text auf einmal lesen? Wenn ich Kurth aber richtig verstanden habe, dann zählen automatisierte Cold Calls offenbar nicht zu den illegalen Praktiken. Hallo, geht’s noch? Gerade bei solchen Anrufen wird dreist versucht, die Adressaten mit Gewinnversprechen zum Wählen einer teuren 0900-Nummer zu verleiten, bei der es aber nichts zu gewinnen, sondern viel zu verlieren gibt. Und das darf nicht als unerlaubte Telefonwerbung verfolgt werden (mal davon abgesehen, dass natürlich die Beweislage bei Automaten-Anrufen etwas dünn ist)?
Und wenn dann doch eine der zahlreichen Beschwerden (über 66.000 allein von Januar bis April 2010, davon - wie oben zitiert - mehr als 57.000 in schriftlicher Form) an die Ermittlungsbehörden weitergegeben wird, dann scheint meist nichts zu passieren. Das führt zwangsläufig zum Frust bei den genervten Beschwerdeführern und zu wachsender Frechheit bei den Betrügern. Denen ist es ja ohnehin egal, ob sie sich auf dem Boden des Gesetzes bewegen; sie können aber auch in den meisten Fällen damit rechnen, ihre dreisten Abzockereien ungestraft durchzuziehen. Und wenn’s mal nicht klappt, dann ist es auch nur eine Ordnungswidrigkeit und die verhängte Geldbuße möglicherweise weit geringer als der bereits erzielte Gewinn.
Damit aber ist die Bundesnetzagentur ein zahnloser Tiger und das “Gesetz zur Bekämpfung unerlaubter Telefonwerbung und zur Verbesserung des Verbraucherschutzes bei besonderen Vertriebsformen” ein Placebo, das nur der Sedierung der ahnungslosen Konsumenten aus wahlkampftaktischen Gründen dient. An diesem Mittwoch wird das Gesetz ein Jahr alt, einen Grund zum Feiern gibt’s nicht.
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3.7.2010 von Wolfgang.
Identitätsdiebstahl, dubiose Werbung und Geschäftemacherei sind im Internet längst Alltag, beschränken sich allerdings auch nicht auf’s Netz. So hat vor einiger Zeit mal ein Unbekannter in meinem Namen auf eBay nicht existierende Fotoapparate an ahnungslose Kunden verkauft, die dann von mir ihr Geld zurückhaben wollten. Dabei war ich nie bei eBay angemeldet. Es hat viel Mühe und Zeit gekostet, um das gefälschte eBay-Konto löschen zu lassen. Bis heute ist mir nicht klar, mit welchen Dokumenten der Unbekannte diesen Account eröffnen konnte.
Heute gab’s wieder eine unangenehme Überraschung dieser Art: Die britische Wettbörse Betfair schickte mir einen personalisierten Werbebrief (laut Umschlag “per Luftpost”), in dem mir für die Anmeldung gedankt und ein Benutzername zugewiesen wurde. Damit gehörte ich jetzt zu den über zwei Millionen Kunden weltweit.
Der Betfair-Werbebrief - Adresse und Benutzername habe ich gelöscht (für größere Ansicht draufklicken).
Natürlich habe ich mich niemals bei Betfair angemeldet und kann mir deshalb den Ursprung dieses Schreibens nicht erklären. In einer Mail an das Unternehmen bat ich um Aufklärung, die sofortige Löschung eines eventuell auf meinen Namen lautenden Kontos und kündigte rechtliche Schritte an. Falls es noch weitere “Opfer” dieser Aktion gibt, bitte in den Kommentaren melden.
Update 13.15 Uhr: Schon jetzt gab’s eine Antwort vom Betfair-Kundenservice:
“…., vielen Dank für Ihre e-mail.
Wir haben das Konto fuer Sie geschlossen.
Sollten Sie weitere Fragen haben, zögern Sie bitte nicht, sich erneut an uns zu wenden.”
Das lässt darauf schließen, dass tatsächlich ein Konto auf meinen Namen existierte, das aber nie von mir eingerichtet wurde. Stellt sich die nächste Frage: Wer war’s? Betfair selbst ist offenbar nicht sehr an der Aufklärung interessiert. Auf meine erneute Anfrage hieß es:
“Sie können eine Anzeige bei der Polizei erstatten und diese dann an uns per Fax an 00442070747320 faxen. Das Schreiben sollte in englisch sein.”
Ahja - ich soll also die deutsche Polizei dazu überreden, die Anzeige mal ausnahmsweise auf Englisch zu schreiben? Sehr lustig. Zu diesem seltsamen Bild passt auch eine Veröffentlichung des deutschen Betfair-Pressebüros (”wbpr Public Relations” in Berlin), die mit Grammatik- und Kommafehlern gespickt ist, aber immerhin die Information bereit hält, dass Betfair nun über drei Millionen Kunden habe (passt nicht so ganz zu den “über zwei Millionen” im Werbebrief). Eine Pressemitteilung eines seriösen Unternehmens sieht in der Regel jedenfalls anders aus.

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3.7.2010 von Wolfgang.
ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein macht seit Januar 2010 Werbung für die Molkerei Weihenstephan, die seit dem Jahr 2000 zur Gruppe Theo Müller (”Müllermilch”) gehört - das hat bisher niemand groß aufgeregt und war offenbar im Herbst 2009 noch mit dem damaligen ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender abgesprochen (oder doch nicht? / siehe Update 4.7. unten). Nun klagte aber sein Nachfolger Peter Frey - bis dahin wohl uninformiert - auf Nachfrage des Branchenblatts “medium magazin“:
Ihr Internet-Auftritt auf den Seiten von Weihenstephan ist nicht glücklich und kann so nicht bleiben.
Diese harsche Kritik schlug umgehend hohe Wellen in der Medienszene, weil Müller-Hohenstein derzeit durch ihren Einsatz bei der Fußball-WM in Südafrika hohe Bildschirmpräsenz genießt und generell die privaten Werbeaktivitäten von öffentlich-rechtlich bezahlten Moderatoren kritisch betrachtet werden sollten.
Die veröffentlichten Fakten sind jedoch nicht die ganze Wahrheit. Die Werbeaktivitäten von Katrin Müller-Hohenstein für die Molkerei Weihenstephan beschränken sich nicht auf den Internet-Auftritt, sie war ebenso als “Schirmherrin des Qualitätsbeirats” in Radio-Spots zu hören (auch in ARD-Stationen, was Peter Frey offenbar ebenfalls entgangen ist). Als freie Mitarbeiterin des ZDF (ohne Pensionsansprüche) wollte sie hier wohl die gleichen Rechte haben wie etwa ZDF-Kollege Thomas Gottschalk als Werbebotschafter für “Haribo“. Chefredakteur Frey sieht das jedoch anders:
Der Vertrag enspricht nicht den Vorstellungen des ZDF von Auftritten seiner journalistischen Köpfe. Ich gehe davon aus, dass dieser Internet-Auftritt schon bald Geschichte ist.
Kein Wort darüber, dass auch die Wettervorhersagen im ZDF-Morgenmagazin von der Molkerei Weihenstephan präsentiert wurden, obwohl sich diese noch bis 2008 irreführend als “Staatliche Molkerei Weihenstephan” bezeichnet hatte und illegal das bayerische Staatswappen verwendet hatte. Kein Wort auch darüber, warum sich ein durch knallharte politische Intervention ins Amt gehievter Chefredakteur öffentlich Gedanken über die möglicherweise fehlende Unabhängigkeit oder Glaubwürdigkeit von “Journalisten” machen muss.
Immerhin hat das ZDF ja auch kein Problem damit, dass seine WM-Berichterstattung teilweise durch Sponsoren finanziert wird und dass der Experte an der Seite von Katrin Müller-Hohenstein, Oliver Kahn, hochgeschätzter Werbepartner von Unternehmen wie Boehringer Ingelheim, DWS Investments, Riva-Verlag und Sonax ist. In diesem Umfeld dürfte es öffentlich-rechtlichen Sender schwerfallen, eine Grenze zwischen “hui” und “pfui” zu ziehen; bisherige Versuche erinnern eher an eine diffuse Doppelmoral. Peter Frey erklärte im medium magazin dazu:
Wir müssen, vielleicht in einer Art Selbstverpflichtung, uns die Kriterien noch klarer machen.
Vielleicht sollte beim ZDF auch mal über die unternehmensinterne Kommunikation geredet werden. Katrin Müller-Hohenstein will nämlich laut Spiegel-Online erst an diesem Freitag telefonisch von Peter Frey über dessen Kritik unterrichtet worden sein, als die Vorwürfe schon längst publik gemacht worden waren. Und weil sie ihren Job beim ZDF natürlich ungern verlieren will, muss sie sich jetzt hektisch darum bemühen, den noch bis Jahresende laufenden Vertrag mit der Molkerei Weihenstephan vorzeitig aufzulösen.
Update 13.30 Uhr: Inzwischen hat sich KMH für ihren Werbeauftritt entschuldigt und ihre “Schirmherrschaft” niedergelegt: „Das Engagement war ein Fehler, den ich bedaure“, erklärte sie an diesem Samstag dem “Spiegel“.
Update 4.7.: Ebenfalls im “Spiegel” widersprach sie allerdings auch ihrem eigenen Management, das (wie oben geschrieben) dem “medium magazin” von einer vorherigen Absprache mit Nikolaus Brender berichtet hatte. Brender selbst erklärte dem “Spiegel”, er habe die Genehmigung “für die Mitwirkung bei einer unabhängigen Stiftung zur gesunden Ernährung von Kindern” erteilt: “Eine Aktion für irgendein Produkt hätte ich niemals genehmigt.” Nach eigenen Angaben war Katrin Müller-Hohenstein selbst nicht klar, dass sie für Werbezwecke verwendet werden würde, was allerdings für einen Medienprofi sehr naiv wäre. Spätestens bei der Umsetzung der Zusammenarbeit (wie bereits erwähnt auch mit Werbespots im Radio) hätte sie es wissen müssen.
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18.5.2010 von Wolfgang.
Mal ehrlich: Zur Zeit verdient fast niemand nennenswert Geld mit Internet-Angeboten; abgesehen von ein paar weltweit agierenden Platzhirschen wie Google, Facebook oder eBay, die aber auch schon ordentlich Federn lassen mussten, deshalb teilweise mit ihren Quartalsgewinnen Altschulden abbauen und immer noch die Personaldecke ausdünnen müssen.
Sehr traurig sieht es vor allem auf nationaler Ebene aus. In Deutschland sind selbst Klickzahl-Giganten wie Bild.de, Spiegel-Online oder StudiVZ kaum in der Lage, sich nennenswert zu refinanzieren. Die Preise für Online-Werbeformen wie Banner oder Pop-Ups sind im Keller - unter anderem, weil viele Benutzer diverse Ad-Blocker in ihren Browsern aktiviert haben und die Werbung ohnehin nicht wahrnehmen.
Andere Geschäftsmodelle, bei denen die Konsumenten für Content bezahlen müssen, haben sich ebenfalls nicht flächendeckend durchgesetzt; abgesehen von Apples florierenden iTunes- und App-Stores. Die profitieren aber davon, dass hier auch die Anbieter ihr Scherflein beitragen müssen mit Lizenzgebühren oder reduzierten Margen. Insofern ist das also ein erweitertes B2B-Modell, bei dem Apple gleich auf zwei Seiten verdient - good job, Mr. Jobs!
Außer Frage stehen auch die Online-Handelsplattformen, die nicht mit dem eigenen Content Umsatz generieren, sondern nur Vehikel für andere Produkte und Dienstleistungen sind. Hier hängt der Erfolg also von einem proprietären Angebot ab und nicht primär von der Website an sich. Die taucht in der Bilanz meist nur als Vertriebskostenfaktor auf und muss keine Einnahmen erwirtschaften.
Trotzdem repräsentiert eine Website wie Otto.de einen erheblichen Wert; allein schon durch ihre Bekanntheit, den Alexa-Traffic Rank und den Google-PageRank. Das also ist die wahre Währung des World Wide Web: Aufmerksamkeit, Bekanntheit und Reputation durch zahlreiche Verlinkungen von außen. In Zeiten, in denen immer mehr Medien und Namen um die begrenzte öffentliche Wahrnehmungsfähigkeit kämpfen, wird diese Währung stetig wertvoller. Und das gilt nicht nur für große Handelsplattformen, sondern auch für kleine und kleinste Webseiten.

“Website verkaufen und zur Ruhe setzen” scheint noch keine echte Alternative zu sein. Allerdings sind die täglichen Seitenabrufe in Wirklichkeit etwa um den Faktor 200 höher als hier dargestellt. (Screenshot: bizinformation.org)
Markus Beckedahl zum Beispiel betreibt das Blog netzpolitik.org und erklärt im Interview mit carta.info, dass er sein Angebot nur durch Querfinanzierung am Leben erhalten kann - das Geld kommt überwiegend von seiner Agentur Newthinking und seinen Beratertätigkeiten. Die wiederum profitieren von der Reputation und Bekanntheit von netzpolitik.org, bekommen also einen Gegenwert für die Subventionen. Ähnliches gilt auch für andere Blogs - etwa von freien Journalisten, Buchautoren oder IT-Dienstleistern. Das Gratis-Angebot ist jeweils ein Vehikel für das andere, kostenpflichtige.
Und das ist im Moment neben der Selbstausbeutung offenbar das einzige Internet-Geschäftsmodell, das auch im Kleinen funktioniert. Unabdingbare Voraussetzung ist allerdings, dass das primäre Geschäft genug Gewinn abwirft, um das Sekundärangebot zu finanzieren oder einfach nur den Betreiber nicht verhungern zu lassen.

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13.4.2010 von Wolfgang.
Das “SWR 3 New Pop Festival” in Baden-Baden hat dieses Jahr einen neuen Sponsor. Es ist “das einzig Wahre - … (hier bitte den Namen einsetzen, der Ihnen spontan einfällt)”. Ein Musik-Festival im Schwarzwald mit junger Zielgruppe lässt sich also von einem Alkoholproduzenten aus dem Sauerland finanzieren - ein “Plopp” zum Pop - das perlt.
Andererseits war der alte “New Pop”-Sponsor auch nicht grade ein Vorbild für die junge Generation; scheint schwer, heutzutage jemanden zu finden, der keinen Dreck am Stecken hat.
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4.2.2010 von Wolfgang.
Ja doch, das Apple iPad ist ein ganz nettes Gadget und könnte den Medien neue Darstellungsformen ermöglichen. Aber Euphorie löst das Ding dann doch nicht bei mir aus. Steve Jobs’ Behauptungen, das Gerät sei besser zum Webseiten- , Video- und Bilder-Angucken als ein Laptop, besser zum Musikhören geeignet als ein iPod und sowieso viel besser als jedes Netbook, werden durch die Fakten nicht gestützt.
Das iPad hat keine eingebaute Kamera, kein Mikrofon und telefonieren kann man damit auch nicht (höchstens mit zusätzlichem Headset und via Skype o. ä.). Die Darstellungsqualität des knapp 10 Zoll großen Touchscreens ist auch nicht besser als bei einem 13-Zoll-MacBook, also wozu die ganze Aufregung?
Aufregen kann man sich allerdings über die Preispolitik von Apple. Noch sind nur die US-Preise in Dollar bekannt (ab $ 499.–) und nicht die für den Euro-Raum, aber ich gehe jede Wette ein, dass bei der Markteinführung im März mal wieder die Apple-übliche Beinahe-Gleichsetzung von Äpfel und Birnen zum Tragen kommt: 1 Dollar ist fast genau so viel wert wie 1 Euro.
Beim billigsten iPod touch-Modell entsprechen zum Beispiel laut Apple 199 Dollar 189 Euro; ein kursbereinigter Aufschlag von rund 33 Prozent. Damit würde das billigste iPad etwa 479 Euro kosten statt 359 (bei einem korrekten Umrechnungskurs) - oder wie es Apple auf seiner deutschen Webseite schreibt: “iPad - Unsere fortschrittlichste Technologie in einem magischen und revolutionären Gerät zu einem unglaublichen Preis.” Ja, wirklich ziemlich unglaublich.
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