“Stiftung Warentest” prüft LED-Lampen jetzt schneller, aber kaum besser

Heute schon online, ab morgen am Kiosk: Das neue “test”-Heft 04/2015 der “Stiftung Warentest” mit 15 nicht dimmbaren E27-LED-Lampen, die 60-Watt-“Glühbirnen” ersetzen sollen. Die Modelle sind aktueller als bei früheren Tests, weil die Dauerprüfung auf 1500 Leuchtstunden reduziert wurde.

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Eine der drei Siegerlampen im aktuellen “test”-Heft (Cover-Ausschnitt unten rechts) und eine der “Verliererinnen”: Links die superhelle “ISY LED Bulb”, rechts die früh schwächelnde Bioledex-“Araxa” von DEL-KO. (Fotos: “Media Markt”-PR/W. Messer)

cover-test-04-15-AusschnittKlingt erstmal absurd, hat aber seine Berechtigung: Früher wurden Leuchtmittel nur selten getestet, inzwischen gibt es zahlreiche LED-Lampentests – online und gedruckt. Und seit einiger Zeit müssen sich manche dieser Checks auch noch der Kritik eines kleinen, privaten Bloggers stellen. Warum? Weil beispielsweise die teils steuerfinanzierte “Stiftung Warentest” eine große publizistische und wirtschaftliche Macht hat, weil sie das Kaufverhalten der Kundschaft massiv beeinflussen kann.

Da ist es nur fair, wenn etwa die Ergebnisse ihrer LED-Lampentests kritisch hinterfragt und im Detail “beleuchtet” werden. “Warentest” lässt solche Kritik offensichtlich nicht ganz unbeeindruckt. Im aktuellen Test von 15 nicht dimmbaren, “warm-weißen” E27-Retrofits mit nominell mindestens 800 Lumen Lichtstrom finden sich beispielsweise nach eigenen Angaben nur noch drei Modelle, die in der geprüften Variante nicht mehr auf dem Markt sind oder gerade auslaufen (Samsung “LED Classic”). Ich tippe aktuell eher auf vier bis sechs, weil teils auch von anderen Kandidaten bereits effizientere Nachfolger verkauft werden.

Weniger Leuchtstunden, kürzerer Testzeitraum

Bisher war dieser Anteil veralteter Lampen jedoch deutlich höher, weil die Probanden vor der Veröffentlichung unter anderem 6000 Leuchtstunden Dauerbelastung absolvieren mussten und der Testzeitraum entsprechend länger ausfiel. Jetzt waren es nur noch 1500 Stunden und der Bericht konnte nach “Stiftung Warentest”-Angaben ein halbes Jahr früher als gewöhnlich erscheinen.

Nachteil: Spätausfälle könnten nicht mehr erkannt werden, seien aber nach den bisherigen Erfahrungen ohnehin sehr selten. Schlechte LED- Lampen machten relativ schnell schlapp, gute hielten weit länger durch als 6000 Stunden. Besonders negativ fielen diesmal Retrofits von “XQ-Lite” (Handelsmarke der Ranex GmbH), Bioledex und Conrad/Renkforce auf, die bereits nach 1500 Leuchtstunden statt 810 nur noch 610, 550 bzw. 500 Lumen lieferten.

“ISY LED” rund 17% heller als angegeben

Deutlich heller als versprochen blieben nach dieser Zeit die “ISY LED” von “Media Markt” und Saturn (950 lm), die “E-Core LED A60″ von Toshiba (880 lm), die Megaman-“LED Classic” (860 lm), die Paulmann-Lampe sowie die “LED Klassik” von Hellweg/Flector (beide 840 lm). Den 25.000-Schaltzyklen-Test bestanden dagegen alle Kandidaten. Ein paar Fragen hätte ich jedoch dazu:

  • Warum wurde ausgerechnet bei der Lumen-Siegerin ISY die “Helligkeit bei hoher Temperatur” (im 50-Grad-Klimaschrank) nur mit “befriedigend” beurteilt? Wie dunkel wurde sie denn dort?
  • War die Toshiba tatsächlich die effizienteste Lampe im Test mit 105 Lumen/Watt, wenn doch nur ihre deklarierte Leistungsaufnahme von 9,5 Watt angegeben wird und kein nachgemessener Verbrauchswert?

Viele Lampen mit sehr engem Halbwertswinkel

Osram-LED-Star-Classic-A60-ausProjektleiter Dr. Peter Schick konnte ich bisher noch nicht erreichen, um hier Licht ins Dunkel zu bringen. Bemerkenswert erscheinen mir ebenso die erstmals auch bei LED-“Birnen” von “Stiftung Warentest” veröffentlichten Halbwertswinkel. Bisher gab’s das nur bei Spot-Tests. Die offiziell mit 220 Grad angegebene Osram-Lampe (Foto links: W. Messer) soll im Labor nur schlappe 120 Grad erreicht haben. Zwar ist es richtig, dass ältere Bauformen von vorgeblich “rundstrahlenden” LED-“Birnen” selten mehr schaffen. Inzwischen gelingt es aber mit ausgefeilten optischen Konzepten sehr häufig, diese LED-Chip-bedingte Einschränkung weitgehend aufzuheben.

Teils leuchten dazu unter der Haube mehrere Module in unterschiedliche Richtungen, teils wird das Licht der von unten nach oben strahlenden Chips durch aufwendige Linsen und/oder die matte Abdeckung breiter gestreut. Hier haben wir bei E27-Lampen schon Halbwertswinkel bis über 290 Grad gemessen. So sah bei mir das Leuchtbild der – bis auf die geringere Helligkeit baugleichen – Osram-“LED Star Classic” mit 6,2 Watt aus:

Osram-LED-Star-Leuchtbild

Die “Stiftung Warentest” beurteilte die Lampe so: “Sie eignet sich vor allem für gerichtete Leuchten zum Lesen”. Wirklich? Für mich bietet die Osram in Richtung Sockel noch jede Menge Licht. Echte 120 Grad Halbwertswinkel sehen normalerweise ganz anders aus. Kleines Trostpflaster: Im Test landete die Lampe mit Gesamtnote 1,6 trotzdem ganz vorne auf Platz 1 – ebenso wie die “ISY” und die Toshiba-“E-Core”.

Weit unter dem Nennwert blieb auch die Bioledex-“Araxa”. Statt 240° attestierten die Prüfer nur 185 Grad. So sah die Lampe vor einem Jahr bei meinem Test aus:

Araxa-810lm-Leuchtbild

Das würde ich für LED-Verhältnisse als weitgehend “rundstrahlend” bezeichnen, wobei schon die offizielle Halbwertswinkel-Angabe irreführend sein kann. Schließlich wird hier nur der Kegelwinkel berücksichtigt, in dem mindestens die Hälfte der maximalen Lichtstärke (Candela) abgestrahlt wird. Der Wert bedeutet also keinesfalls, dass es jenseits dessen komplett dunkel bleibt.

Auch der Testsieger schaffte nur 165 Grad

Bei vielen LED-Lampen des aktuellen Testfelds fehlte diese Werksangabe – sie ist laut EU-Regelung auch nur für Leuchtmittel mit gerichtetem Licht (Akzentbeleuchtung) vorgeschrieben. Aber dort, wo dieser Wert auf einer Verpackung stand, wurde er von den “Stiftung Warentest”-Messungen fast immer weit unterboten. Selbst beim Testsieger “ISY LED Bulb” kamen statt 280 nur 165 Grad heraus. Der praktische Nutzen der publizierten Werte erscheint mir in diesem Fall fragwürdig, bestenfalls überschaubar.

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Das gilt ebenso für die aus früheren Tests bereits bekannte Darstellung der Farbtreuewerte. Hier wird einerseits der “allgemeine Farbwiedergabeindex” Ra/CRI genannt, der diesmal zwischen 80 und 84 lag, aber nur Pastellfarben berücksichtigt. Andererseits publiziert “Stiftung Warentest” den Durchschnitt aus insgesamt 15 Referenzfarben, die zusätzlich auch satte Töne umfassen (plus einen Grau-Ton, der bei meinen Tests fehlt). Die gemessene Spanne hier: zwischen 74 und 79. Was lernen wir daraus? Fast nichts.

Frisches oder fahles LED-Licht?

Häufig sind nämlich selbst unterdurchschnittliche Halbleiter-Leuchtmittel in der Lage, etwa bei der Einzelfarbe R14 (“Blattgrün”) Super-Werte nahe 100 zu erzielen, schaffen aber bei der für “warm-weiße” LEDs besonders schwierigen Farbe R9 (“Rot gesättigt”) noch nicht mal 20. 14 Einzelwerte veröffentliche ich bei jedem meiner Tests, sofern mir die Ergebnisse des Partnerlabors vorliegen; im “test”-Heft suchen Sie sie vergeblich. Tatsächlich kommt es aber gerade auf die Rot-Wiedergabe an, ob das Licht frisch und Glühlampen-ähnlich wirkt statt unausgewogen und fahl.

Einen großen Einfluss auf diesen Eindruck hat auch die tatsächliche Farbtemperatur. Die differierte im Test zwischen gemessenen 2650 und 3400 Kelvin – leider ohne Gegenüberstellung mit dem jeweils deklarierten Lichtfarbenwert. Das für diesen Vergleich geltende Kriterium “warm-weiß” umfasst schließlich eine sehr große Spanne zwischen ca. 2600 und 3300 K.

Nur Bewertungen zwischen Minus und Doppel-Plus, aber keine Messwerte gab’s für die Disziplinen “Flimmern” und “Geräusche”. Die meisten Kandidaten waren hier wohl weitgehend unauffällig, was bei nicht dimmbaren LED-Lampen auch eher zu erwarten ist als bei dimmbaren.

Amortisation teils schon nach einem halben Jahr

“Noch nie waren LED-Lampen so billig und so gut” lautet das Resümee der Prüfer. Dabei hatten sie mit 6 bis 10 Euro weder die billigsten, noch die besten des Marktangebotes im Test. Außerdem gab’s auch früher schon sehr gute LED-Lampen – allerdings um ein Mehrfaches teurer als die aktuellen Tiefpreise. Und so stimmt ein weiteres Fazit von “Stiftung Warentest” in jedem Fall:

“Jede LED, die an die Stelle einer 60-Watt-Glühbirne tritt, spart bei täglich drei Stunden Brenndauer etwa 15 Euro im Jahr. … So rechnet sich der Umstieg mitunter schon nach einem halben Jahr.”

Den Test gibt’s dort in Kurzversion, hier komplett als kostenpflichtigen pdf-Download, ab morgen (27.3.) auch für 5,30 Euro gedruckt beim Zeitschriftenhändler; die Testkriterien finden Sie auf dieser Seite. Den nächsten LED-Lampen-Check gibt’s bei “Stiftung Warentest” meinen Informationen nach im Herbst. Dann geht es wohl um “Kerzen” mit E14-Sockel – vermutlich in Heft 10/2015.

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LED-Trends bei der “eltefa”: Flexible Lichtsteuerung, höhere Effizienz

Rund 80 Anbieter aus der Licht-Branche waren unter den 479 Ausstellern der Elektro-Fachmesse “eltefa 2015″ in Stuttgart. Bei ihnen ging es fast ausschließlich um LED-Beleuchtung und ihre vielfältigen Möglichkeiten, aber auch um den aktuell schwierigen Markt, wie mein Messe-Rundgang mit darüber schwebender Meta-Ebene zeigte.

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Treffpunkt nicht nur für Elektro-Fachhändler und -Installateure: Die “eltefa 2015″ vergangene Woche in Stuttgart. (Fotos: W. Messer)

Vor zweieinhalb Jahren hatte ich in diesem Blogbeitrag – anlässlich des damals neuen “hue”-Systems von Philips – unter anderem das hier geschrieben:

“Der herstellerunabhängige, teils sogar offene Zhaga-Standard für die Verbindungen der einzelnen Lampenbestandteile sowie die immer leistungsfähigeren Multi-“Die”-Module eröffnen jede Menge Möglichkeiten für eine neue, bezahlbare Flexibilität und Wertigkeit von LED-Beleuchtung. Das sollten die Unternehmen ohne falschen Stolz in enger globaler Kooperation nutzen.”

Jetzt schreiben wir 2015 und an fast jedem Licht-Messestand in Halle 7 der “eltefa” waren flexibel steuerbare LED-Lampen und -Leuchten zu sehen – wenn auch nicht unbedingt mit Multi-LED-(COB)-Chips, aber egal. Helligkeitsregelung per Fernbedienung gehört schon zu den Basics, schalt- oder stufenlos regelbare Farbtemperatur und/oder bunte Lichtfarben zur Standard-Kür für anspruchsvolle Sortimente.

Profi-Technik auch für “Consumer”-Leuchten

Und dabei reden wir nicht nur über’s hochpreisige (Profi-)Segment, passend zur gewerblich-industriellen Haupt-Zielgruppe dieser Fachmesse, sondern ebenso über bezahlbare Produkte von Marken, die auch im Consumer-Bereich aktiv und bekannt sind:

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Per Funk-Controller dimmbar und stufenlos von “warm-weiß” bis “neutral-weiß” zu regeln: 4-Watt-LED-Einbaustrahler “Dynamic FQ-68-LED” von Heitronic mit 240 Lumen und 110 Grad Abstrahlwinkel (Artikel-Nr. 23619 eingeben, keine direkte Verlinkung möglich).

naeve-WandleuchteWas vor ein paar Jahren noch ein absoluter Luxus war, setzt sich inzwischen auch im Baumarkt-Regal durch. So werden Sie in wenigen Wochen in den Filialen einer bestimmten Kette LED-Wand-/Deckenleuchten von “näve Objektlicht” aus dem baden-württembergischen Forchtenberg sehen – mit 60 cm Durchmesser, ausreichend Licht beispielsweise für’s Treppenhaus sowie per Fernbedienung steuerbarer Helligkeit und Farbtemperatur (Bild links).

Osram und Philips, die beiden Giganten des weltweiten Lichtmarkts und bei der “eltefa” direkt nebeneinander platziert, setzen weiterhin nicht auf solche Insellösungen, sondern auf relativ komplexe und vernetzte Systeme wie “hue” und “Lightify”, die Interfaces, WLAN und Internet benötigen, um das komplette Potenzial ausnutzen zu können. Osrams Vorteil ist dabei die integrierte Kombination von bis zu fünf LED-Typen in einem Leuchtmittel: Drei farbige (RGB) und zwei “weiße” (“kalt” und “warm”), mit denen so ziemlich jedes Wunsch-Licht erzeugt werden kann:

Osram-Lightify-eltefa

Bei “hue” von Philips kriegen Sie flexible “weiße” Farbtemperaturen nur in speziellen, teuren Leuchten, nicht in der Retrofit-Lampenform. Noch ausgefeilter ist das “Lightify Pro”-System von Osram, das mit seinem Leuchtensortiment, den zahlreichen Steuerungs-, Sensorik- und Automatisierungs-Möglichkeiten sowie der Preisgestaltung auf Büro-und Industrie-Anwendungen zugeschnitten ist:

Osram-Lightify-Pro-eltefa

Klar, dass Sie damit auch die Stromschienen-LED-Strahler von Osram/Siteco fernsteuern können – auch sie gibt es teils mit flexibler Farbtemperatur und bei Bedarf sogar mit museumstauglicher Farbtreue:

Osram-Schienenstrahler-eltefa

Licht-Management für den Biorhythmus

Professionelle Helligkeits- und Farbtemperatur-Steuersysteme auf DALI-Basis bekommen Sie unter anderem auch von RZB in Bamberg (“light control +3″) oder Trilux aus Arnsberg. Hier können ebenfalls manuelle, sensorgesteuerte oder automatische Lichtszenen erstellt werden – etwa zur Unterstützung der circadianen Rhythmik. Die gezielte Beeinflussung des Tag-Nacht-Biorhythmus’ hat positive Effekte beispielsweise für Arbeitsplätze oder in Pflege- und Seniorenheimen. Vor allem Demenzpatienten mit schwindendem Zeitgefühl bekommen durch das unmerklich wechselnde, tagsüber “kältere” und hellere, abends “wärmere” und dunklere Licht eine unterschwellig wirksame Synchronisationshilfe für die innere Uhr.

Hübsch aussehen darf professionelle Beleuchtung natürlich auch, wie etwa Trilux mit seiner “PolaronIQ”-Wand- und Deckenleuchtenserie auf der “eltefa” demonstrierte:

Trilux-PolaronIQ-Deckenleuchten

Unterschiedliche Meinungen zur LED-Farbwiedergabe

Osram-Ra90-Demo-eltefaUnd wie sieht’s mit der Farbtreue aus? Dazu habe ich auf der Messe – je nach Anbieter – sehr unterschiedliche Ansichten gehört. Manche halten einen “allgemeinen Farbwiedergabeindex” von mindestens Ra 80 unter den meisten Umständen für ausreichend, weil die meisten Kunden den Unterschied zu höherer Lichtqualität ohnehin nicht wahrnehmen würden und Ra-90+-Leuchtmittel normalerweise viel teurer und ineffizienter seien. Unter den Philips-“Consumer”-Retrofit-Neuheiten finden sich deshalb auch diesen März nur Lampen mit Ra 80 oder etwas mehr.

Andere demonstrieren anschaulich die gegenteilige Philosophie – wie Osram mit einem besonders farbtreuen “Parathom”-GU10-LED-Spot und einer angestrahlten Farbskala (Bild rechts), die allerdings auf meinem Foto trotz Weißabgleich “bewölkter Himmel” nicht wirklich gut ‘rüberkommt. Da ist mir mein Ducati-Standard-Farbtreue-“Model” echt lieber.

Vermutlich sind beide Ansichten berechtigt

Megaman-R9-DemoMegaman hatte zeitweise zuhause in Langenselbold nicht mehr alle Tassen im Schrank, weil ein paar davon in Stuttgart Modell stehen und liegen mussten – als Objekte für die professionelle “LED R9″-Serie (Bild links). Diese Downlights protzen nicht nur mit mindestens Ra 94, sondern auch mit besonders guter Wiedergabe von gesättigtem Rot (Zusatz-Einzelwert R9 >76) und anderen satten Farben. Das maximiere “die visuelle Wirkung von Fleisch, frischem Obst und Gemüse” und sei deshalb besonders für den Lebensmittelhandel und die Gastronomie zu empfehlen.

Wahrscheinlich haben beide Lager recht: Gut designte Ra->80-Lampen mit anständiger Rot-Wiedergabe (ich empfehle R9 >25) sind durchaus für viele Einsatzbereiche in Privathaushalten, Gewerbe und Industrie akzeptabel; hier genügt meistens der punktuelle Einsatz von Ra-90-Leuchtmitteln an besonders heiklen Einsatzorten. Oder man geht den Mittelweg und bietet Modelle mit mindestens Ra 85 an, wie es Trilux beispielsweise mit den “Taro”-Hängeleuchten tut – in Stuttgart dekorativ über einem bunten Blumenstrauß auf einer Bartheke in Szene gesetzt:

Trilux-Bar-Taro

“Effizienz” hat im LED-Markt zwei Bedeutungen

Apropos Effizienz – auch die war ein großes Thema in Halle 7. Einerseits geht’s bei diesem Begriff um das immer bessere Lumen-/Watt-Verhältnis der LED-Leuchtmittel, das häufig schon serienmäßig über 100 liegt – inklusive Vorschaltelektronik. Andererseits müssen Hersteller und Händler aktuell extrem auf Kosteneffizienz achten.

Der schwache Euro-Kurs hat die Material- und Einkaufskosten teils um bis zu 30% nach oben gejagt; der Markt würde jedoch keine adäquaten Endpreis-Anstiege akzeptieren. Also muss irgendwo gespart werden – beim Personal, beim technischen Design, den Produktions- und Vertriebsabläufen und hoffentlich nicht bei der Produktqualität. Manche Verhandlungen mit Zulieferern aus Asien und Großkunden in Europa sind derzeit vermutlich selbst mit dem Begriff “brutal” noch zurückhaltend beschrieben.

Die LED-Marktführer drücken ihre Preise immer weiter, um Marktanteile zu halten oder zurückzugewinnen – auf Kosten der Gewinnmargen und Arbeitsplätze; Discounter wie Aldi und Lidl setzen die Schwelle im “Consumer”-Segment noch weiter ‘runter und zahlreiche Vertriebsleute hören von ihrer Großhandels-Kundschaft unangenehme Fragen dieser Art: “Wieso sind Eure Lampen für uns im Einkauf netto teurer als die Brutto-Verkaufspreise von Müller-Licht-LED-Fadenlampen im Media-Markt?” Da soll noch jemand vernünftig argumentieren …

Mit sehr großen Stückzahlen funktioniert’s

DEL-KO-Stand

Für viele kleinere Anbieter geht’s ums nackte Überleben; größere haben es leichter, weil sie teilweise in Deutschland produzieren und dazu containerweise speziell für sie gefertigte Produkte aus China importieren können. Beispiel gefällig? Nehmen wir mal eine integrierte Bioledex-“Vego”-Wand- und -Deckenleuchte der DEL-KO GmbH aus Augsburg (Messestand oben) mit 16 Watt und 1100 Lumen. Die gibt’s mit oder ohne Mikrowellen-Bewegungssensor – links mit Haube, rechts der Blick darunter:

Bioledex-Vego-Haube-innen-an

Was glauben Sie, in welcher Preisregion die unterwegs ist? Die unverbindlichen Preisempfehlungen liegen bei 24,99 Euro bzw. 49,99 Euro (mit Sensor); die tatsächlich aufgerufenen Preise sind teils noch niedriger. Noch vor zwei Jahren wäre so was unmöglich gewesen, aber DEL-KO hat mir glaubhaft versichert, dass das Unternehmen und seine Händler dennoch gute Gewinne erzielen und stetig wachsen könnten. Möglich machten das die sehr großen Stückzahlen und die seither stark gesunkenen Kosten für LED-Chips.

(Anmerkung: In einer früheren Fassung des Beitrags hätte der völlig falsche Eindruck entstehen können, dass DEL-KO wegen des schwachen Euros ums Überleben kämpfen müsste. Deshalb habe ich diesen Teil überarbeitet.)

Manche suchen sich einträgliche Nischen

LEDON-Weiss-Dual-Color2Von diesem Preiskampf koppeln sich vorwiegend mittelständische und kleine LED-Anbieter dennoch lieber ab und setzen stattdessen auf Nischen, in denen nicht nach Riesen-Rabatten gefragt wird.

Beispielsweise setzt LEDON aus Vorarlberg auf höherpreisige Premium-Qualität (links der neue Geschäftsführer Reinhard Weiss und die ebenfalls neue “Dual Color”-LED-Lampe) und beeindruckte auf der “eltefa” – passend zum Anspruch – mit der mutmaßlich attraktivsten Hostess der kompletten Messe (leider nicht fotografiert). Auch “Nordlicht Beleuchtungssysteme” aus Niebüll in Nordfriesland (Logo rechts unten) ist in diesen Regionen unterwegs und legt zudem Wert auf enge Kontakte mit Architekten und Elektrohandwerk.

Nordlicht-LogoDessen Chef Oliver Kuberek sagt: “Wir verkaufen keine einzelnen LED-Lampen, sondern komplett gebrauchsfertige Licht-Lösungen made in Germany.” Den größten Teil der Arbeitszeit nehmen dort Beratungs- und Serviceleistungen ein, weil das LED-Wissen von Gebäudeplanern und Installateuren fast durchweg nur sehr schwach ausgeprägt sei. Häufig würden sogar immer noch dreiadrige Stromkabel verlegt (Kuberek: “Die gehören verboten!”) statt den kaum teureren fünfadrigen, die gegebenenfalls selbst eine nachträgliche Installation von Licht-Management-Systemen wie DALI erlauben.

LED-Fachleute finden sich selten beim Installateur

Natürlich geht’s in dieser Marktnische letztendlich um Betriebe und Haushalte, die nicht auf jeden Cent achten müssen, eine hohe Preistoleranz haben und niemals eine LED-Lampe bei Aldi kaufen würden. Solchen Unternehmern und Bauherren ist es vor allem wichtig, dass ihnen jemand Ihre Wunsch-Beleuchtung von den Augen ablesen und adäquat von A bis Z in die Realität umsetzen kann. Um die Details der vielen Schritte auf dem Weg dorthin sollen sich bitteschön Fachleute kümmern. Die sind jedoch selten im Handwerk zu finden, sondern eher bei Spezialanbietern wie “Nordlicht”, “abalight”, “Wir sind heller” oder “dotlux”.

Letztere punkten sogar mit teilweiser Fertigung in Bayern – etwa beim LED-Hallenstrahler “Lightshower”, der seinen Namen wirklich verdient: Je nach Variante holt er 9800 Lumen “kalt-weißes” Licht aus maximal 80 Watt oder gar 18.900 lm aus ca. 140 W. Zwei pfiffige Detaillösungen fallen hier auf: Der externe “Meanwell”-Treiber aus China sitzt verschraubt quer im Sockel und kann einfach ausgetauscht werden …

dotlux-lightshower-rueckseite

… und in der Mitte der LED-Trägerplatte sorgen ein paar kleine Löchlein dafür, dass Kondenswasser nach oben verdunsten kann und sich nicht als Film oder Tropfen am (wahlweise gefrosteten) Abdeckglas niederschlägt:

dotlux-lightshower-Detail

Ähnlichen Ersatz für die ab Mitte April in der EU auslaufenden Quecksilber-Hochdrucklampen (HQL) gibt’s natürlich auch bei “abalight” aus Billerbeck – den “LED Highbay SUN 135″-Strahler:

abalight-strahler-aus

Und wer sich am Stand von Megaman umschaute, ….

Megaman-Stand

Megaman-Downlight-transluzent… konnte beispielsweise den Konzept-Prototyp eines riesigen LED-“High-bay”-Hallenstrahlers mit transluzentem Prismen-Reflektor entdecken (Bild rechts) – als 110-Watt/11.000-Lumen-Ersatz für bisherige Metalldampflampen.

In der Mitte sieht’s zwar so aus, als würde da nur eine schlichte E27-Retrofit-“Birne” mit matter Haube drin stecken. In Wirklichkeit ist es aber eine halbrunde Opalglasabdeckung, die das Licht breiter streut und die Blendwirkung der starken Lichtquelle reduziert.

LED-freie, kleine Nische bei Heitronic

Wem das alles jetzt zu hell, zu High-Tech und zu teuer war, für den hatte Heitronic noch ‘ne besondere Nische zu bieten: “Vintage”-Glühlampen zur dekorativen Beleuchtung – ohne LED-“Fäden”, mit echten Glühdrähten, fettem Stromverbrauch (bis 60 Watt), wenig Lumen (maximal 240), kurzer Nennlebensdauer (ca. 3000 Leuchtstunden), extra-warmer Farbtemperatur (2200 Kelvin), breitem Abstrahlwinkel (330 Grad) und ohne Scheu vor den direkt dahinter platzierten LED-Retrofits:

Heitronic-Vintage-Lampen

P. S.: Falls jemand nach OLED-Leuchten fragt – ich habe kein einziges Panel dieser Art auf der Messe in Stuttgart gesehen. Falls doch noch irgendwo eins versteckt war, bitte unten in die Kommentare schreiben.

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