Wie Osram demonstriert, was seine Soleriq-LED-Module können

Die Hälfte des Dorfs mitten in der Nacht hell bestrahlen – aus einer Leuchtfläche mit nur 19 mm Durchmesser: Das schaffen Soleriq-LED-Module von Osram problemlos. Ein Demonstrationskoffer zeigt Geschäftspartnern die Einsatzmöglichkeiten einiger “CoB-Package”-Varianten.

Osram-Demokoffer-S19
Ein “Soleriq-S 19″-CoB-Modul inmitten eines Musteraufbaus mit facettiertem Reflektor von Almeco (oben) – die größte der vier Lichtquellen im Osram-Demo-Koffer. (Fotos: W. Messer)

Osram-Demokoffer-JuliVergessen Sie mal alles, was Ihnen sonst so an LED-Lampen- und Leuchten hier im Blog begegnet – jetzt kommen die wahren Licht-Giganten für Profis! Diesen unscheinbaren grauen Demo-Koffer mit Stromanschluss und vier extrem starken Soleriq-Modulen bis 38 Watt Leistung (Bild rechts) bekommen normalerweise nur Geschäftspartner des “LED Light for you”-Netzwerks zu sehen, die mit den “Packages” von Osram Opto Semiconductors komplette Leuchtmittel designen und produzieren wollen.

Die Presseabteilung des Regensburger Halbleiterlicht-Produzenten war aber so mutig, mir eines dieser raren Exemplare leihweise zu überlassen – und das, obwohl eines der Zhaga-kompatiblen Module darin erst im August offiziell vorgestellt werden soll. Das Bild des Koffers habe ich entsprechend bearbeitet, um das kleine Ding unten rechts nicht vorzeitig zu enthüllen. Natürlich werden Sie in diesem Beitrag auch noch keine Infos zum neuesten Mitglied der Soleriq-LED-Familie finden.

Bei CoB geht’s oft auch ohne Löten

Aber keine Angst, die anderen drei Plättchen mit zahlreichen Einzel-LEDs sind schon spektakulär genug. Das größte haben Sie oben schon gesehen: “Soleriq S 19″ heist es, weil die Leuchtfläche 19 mm Durchmesser hat. Es steckt in einem “Package” mit 24 Quadratmillimeter Fläche und 1,33 mm Dicke und stellt wie die anderen eine “Chip on Board” (CoB)-Lösung dar. Soleriq-LED-Module können direkt auf einen Träger geklebt, geschraubt oder in einen Halter geklipst werden. Je nach Art der Befestigung werden anschließend die elektrischen Anschlüsse gelötet, oder die Verbindung ist bereits Teil des Halters – dann hat der Lötkolben Pause.

Prinzipiell benötigen Sie noch fünf weitere Teile, um eine komplette Leuchte zu basteln: Ein “Interface” zur thermischen Verbindung des “Packages” mit einem Kühlkörper, einen Reflektor, eine obere Linsen-/Streuscheiben-Abdeckung und natürlich einen LED-geeigneten Konstantstrom-Treiber. Im Demo-Koffer ist das ein großer “Optotronic”-Trafo von Osram mit maximal 38 Watt – und die werden auch vollzählig gebraucht.

Osram-Demokoffer-TreiberDie Trafo-Leistung würde nicht ausreichen, um alle vier Demo-Module gleichzeitig mit genug “Saft” zu versorgen. Deshalb gibt es in der Trägerplatte des Koffers einen Drehschalter, mit dem Sie jeweils eines der Leuchtobjekte vorwählen können. Tatsächlich aktiviert wird es dann erst durch einen Taster – und auch nur, so lange Sie draufdrücken. Auf einen Schalter hat man offenbar bewusst verzichtet, weil der Demo-Koffer ohne Kühlkörper thermisch nicht für einen Dauerbetrieb der Hochleistungs-Module ausgelegt ist und die enorme Helligkeit der Module bei längeren, direkten Blicken zu Augenschäden führen könnte.

4350 Lumen aus 38 Watt

Bei der “S 19″-Variante, die im Koffer mit einer “neutral-weißen” Farbtemperatur von 4000 Kelvin leuchten darf und mit rund 700 mA bestromt wird, sind es immerhin rund 4000 bis 4350 Lumen Lichtstrom (bei 85 bzw. 25 Grad am Lötpunkt) mit Farbwiedergabeindex Ra 80 – erzeugt aus von mir gemessenen 38,1 Watt bei einem elektrischen Leistungsfaktor von 0,97. Dazu wird das Licht dank des italienischen Almeco-Reflektors mit nominell 19 Grad Halbwertswinkel sehr eng gebündelt, was im Idealfall eine enorme Lichtstärke von über 40.000 Candela ermöglicht.

Beim Leuchtbild musste meine Digicam jedenfalls die Belichtung kräftig nach unten korrigieren, um nicht alles zu überstrahlen:

S19-Leuchtbild

Wie weit dieser Lichtkegel reicht, lässt sich in einem normal großen Haus nicht ergründen. Ich habe deshalb mal mitten in der Nacht spaßeshalber vom Fenster aus in einen unbeleuchten Teil des Dorfs gestrahlt und hätte noch in 300 Meter Entfernung eine Gartenparty ausreichend erhellen können. So was wäre super als Autoscheinwerfer, wenn nur nicht der massiv geblendete Gegenverkehr vor Schreck in den Straßengraben oder an die nächste Hauswand fahren würde.

“S 13″ – etwas kompakter, aber trotzdem sehr hell

Osram-Demokoffer-S13Geht’s vielleicht auch ‘ne Nummer kleiner? Aber sicher – beispielsweise mit der 30 Einzel-LEDs umfassenden “Soleriq S 13″ (Bild rechts). Die kennen Sie eventuell schon von der ausführlichen Vorstellung im August 2013.

Üblicherweise schafft dieses LED-“Array” mit 13,5 mm Leuchtflächen-Durchmesser, 18 x 18 x 1,55 mm “Package”-Größe, 15 Watt, 500 mA und Ra 80 etwa 1400 bis 1650 Lumen – je nach Farb- und Lötpunkttemperatur.

Als Anschauungsbeispiel ist es im Demo-Koffer mit einem glatten “Ledil Angelina-S-B“-Reflektor mit nominell 20 Grad Halbwertswinkel bestückt und wird wohl etwas höher bestromt. Das Leuchtbild sah jedenfalls nach über 2000 Lumen aus:

S13-Leuchtbild

Der gesamte Lichtkegel hat zwar eher 90 Grad, aber offenbar nur innerhalb eines kleinen Teils davon mindestens die Hälfte der maximalen Lichtstärke. Dieser Bereich ist natürlich auch der weitreichendste. Als Einsatzgebiete nennt Osram beispielsweise Lounges, Hotels, Restaurants und Shops – aber auch Spot- und Ambient-Beleuchtung im trauten Heim. Je nach Anwendung dürfen Sie aus sieben Farbtemperatur-Varianten zwischen 2700 und 6500 K wählen.

“P 9″ – kleinere Leuchtfläche mit mehr Lumen

Osram-P9-DetailWenn Ihnen als Lampen-Designer der “S”-Zweig der Soleriq-Familie zu platzraubend sein sollte, dann sollten Sie einen Blick auf die “P”-CoB-Module werfen. Die haben nämlich noch kleinere Leuchtflächen sowie “Package”-Dimensionen und sind dennoch teils heller. Bereits auf den ersten Blick unterscheiden sie sich durch die einzeln abgegrenzten LEDs – es ist keine durchgehende Leuchtfläche zu sehen wie bei den “S 19″- und “S 13″-Modulen.

So können Sie bei der hier abgebildeten “P 9″ problemlos 20 Lichtpunkte abzählen – verteilt auf einer Fläche mit nur 9 mm Durchmesser – im März hätte ich darüber schon kurz berichtet. Das komplette Modul misst nur 15 x 15 mm x 1,5 mm, liefert aber mehr Licht als die “S 13″-Variante: Bei 700 mA sind es knapp 1600 bis über 2400 Lumen. Wie viel genau, hängt von der Betriebstemperatur, der Lichtfarben- und Farbtreue-Version ab.

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Hier haben Sie nämlich nicht nur die Wahl zwischen fünf Farbtemperaturen von 2700 bis 5000 K mit einem Farbwiedergabeindex von Ra/CRI 82, sondern können sich auch bei vier Varianten zwischen 2700 und 4000 K mit jeweils Ra 95 bedienen. Hier sind wir dann schon im Bereich der exzellenten Shop- oder museumstauglichen LED-Beleuchtung.

Ohne Reflektor gibt’s eine 120-Grad-Lichtkeule

Wie breit oder weit dieses kleine Helligkeits-”Monster” strahlt, hängt natürlich vom Gehäuse und der Optik ab, unter der Sie es stecken. Für’s Foto habe ich den im Koffer montierten “Almeco”-Reflektor abgeschraubt und das Modul “solo” leuchten lassen:

P9-Leuchtbild-pur

Beim Leuchtbild offenbaren sich die “neutral-weißen” 4000 Kelvin und der für “rohe” LED-Chips typische 120-Grad-Abstrahlwinkel, in diesem Fall extrem gut ausgeleuchtet – viel heller, als es die Belichtungsautomatik der Kamera vermittelt. Immerhin reden wir hier von einem Lichtstrom, der etwa dem eines 150-Watt-Hochvolt-Halogenstrahlers gleichkommt. Laut meinem Hobby-Messgerät genügten dem “Soleriq P 9″-LED-Modul dafür 25,3 Watt (inklusive Verlustleistung des Treibers) bei einem fast idealen Leistungsfaktor von 0,93. Das Stromsparpotenzial liegt also bei fast 85 Prozent, die Effizienz bei rund 95 lm/W.

Die Muster sind keine Testexemplare

Falls Sie jetzt die üblichen Farbtreue- und Dimmertests vermissen: “Osram Opto Semiconductors”-Pressesprecherin Marion Reichl hatte mir schon im Vorfeld erklärt, dass dieser Demokoffer als “Anschauungs-Muster” gedacht ist, …

“… um unsere CoB-Produktfamilie mal leuchten zu sehen, denn sonst sind Musterteile ja nicht bestromt. Für lichttechnische Vergleiche ist er nicht wirklich ausgelegt, denn den genauen Kundenanforderungen entsprechende Umsetzungen/Demoaufbauten werden meist mit dem Kunden in Projekt erstellt. Im Koffer sind jeweils LEDs mit 4000 K in den CRI-80-Varianten verbaut. Die wahrgenommenen Farbtemperaturen können visuell leicht unterschiedlich ausfallen, vor allem aufgrund der unterschiedlichen Helligkeit: Nicht alle CoB sind hier beim Binning-Strom betrieben, nicht alle bei gleicher Temperatur gebinnt. Der Lichtstrom hängt ja auch von der Temperatur ab und kann aus den Datenblättern errechnet werden.”

Mit der entsprechenden Vorschalt- und Regelelektronik wären die Soleriq-Module natürlich auch dimmbar  – die fehlt aber im Demo-Koffer. Und zu den Leuchtbildern, die teils breitere Lichtkegel zeigen, als nominell zu erwarten wäre:

“Im Koffer ist aber auch ein Prototypenhalter verbaut. Hier kann es sein, dass bauhöhenbedingt die Optik-Performance nicht 100% dem eigentlichen Design entspricht. Ziel war hier zu zeigen, dass es nicht nur die 5mm hohen Standardhalter gibt, sondern auch weitaus flachere. Die “Accessoires” sind eine Momentaufnahme; da wird seitens der verschiedenen Herstellern gerade viel auf den Markt gebracht. Wir wollten damit auch einen Gesamt-Eindruck vermitteln, was es gibt und was möglich ist.”

Ein regelrechter Testbericht wäre hier also aus mehreren Gründen sinnlos gewesen. Der Demo-Koffer hinterließ bei mir aber trotzdem einen nachhaltigen Eindruck, zumal es bei all meinen Versuch keinerlei Surrgeräusche aus Trafo oder Leuchtmitteln gab und meine Digicam durchweg flimmerfreies Licht zeigte. Und dieses eine, geheimnisvolle neue Modul, das ich hier noch nicht enthüllen durfte, das sehen Sie dann irgendwann Anfang August. Versprochen!

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Im Test: Dimmbare vosLED-Fadenlampe – Effizienz-Wunder mit Macken

Dimmbar, besonders farbtreu und effizient sollen die “vosLED-Glühbirnen” mit LED-Fäden sein. Mein Test und die Laborwerte zeigen, ob das stimmt und ob die hohen Preise des “vosla”-Fadenlampen-Sortiments gerechtfertigt sind.

vosLED-aus-Faeden
Die stromlose “vosLED”-Fadenlampe (links) und ein Blick auf die vier leuchtenden LED-Fäden (rechts). Sie spiegeln sich in der Glaskuppel und offenbaren eine Mischung aus “warm-weißen” und roten Chips. Unten rechts sehen Sie das im Detaillbild eines einzelnen Fadens: Jeder fünfte Leuchtpunkt ist rot. (Fotos: W. Messer)
VosLED-Faden
Schon im März hatte ich hier eine LED-Fadenlampe aus China im Test. Die war allerdings nicht dimmbar und hatte nur einen allgemeinen Farbwiedergabeindex von Ra 81 – wie die meisten “Birnen” dieser Art auf dem Markt. Die Firma “vosla” aus Plauen in Sachsen entstand aus dem schon aus DDR-Zeiten bekannten Leuchtmittelhersteller Narva und positioniert sich mit ihren “vosLED-Glübirnen” eine Etage höher. Die Vogtländer versprechen für ihr E27/E14-Retrofit-Sortiment neuerdings Dimmbarkeit, mindestens Ra 90 sowie Glühlampen-ähnliche Lichtfarbe und Abstrahlcharakteristik.

Das schlägt sich auch in den Preisen nieder: Über 25 Euro kostet beispielsweise die klare 3,5-Watt-Testlampe mit “mindestens 370 Lumen”, deren Gesamthelligkeit laut EU-Vergleichstabelle zwischen der von 25- und 40-Watt-Glühlampen liegt. Sie hat mit knapp 11 cm Gesamtlänge, 6 cm Maximaldurchmesser und 37 Gramm Gewicht exakt die Dimensionen der im März getesteten Fadenlampe, ist somit nicht wesentlich größer als ihre stromfressenden Ahnen und auch mit matter Haube lieferbar.

VosLED-DetailIm E27-Schraubsockel verbirgt sich die Vorschaltelektronik (im Bild links beim Blick von oben teilweise zu sehen); unter der klaren Glaskuppel leuchten vier Fäden mit jeweils rund 30 Mini-CoB-LEDs, eingehüllt in ein Kühlgas, das für besonders moderate Betriebstemperaturen sorgen soll. Kühlrippen oder -öffnungen sind nicht notwendig.

Drei Fragen zu den offiziellen Daten

VosLED-DatenEin paar Fragen provozieren allerdings die Packungsangaben (Ausschnitt rechts): Kann diese Lampe tatsächlich einen perfekt runden Abstrahlwinkel von 360 Grad liefern, wo doch selbst herkömmliche Glühlampen wegen der Abschattung durch den Sockel allenfalls 320 Grad schaffen? Wieso steht da “Dimmbar: nein”, während ein Aufkleber auf der Oberseite “dimmbar” verspricht? Und kann eine “warm-weiße” LED-Lampe gleichzeitig eine sehr hohe Farbtreue (Ra/CRI >90) und Effizienz (ca. 106 lm/W) haben?

Die Antworten auf die Fragen 1 und 3 liefert das Lichtlabor meines Kooperationspartners “David Communication”. Es ermittelte einen Halbwertswinkel von 292,8 Grad mit nierenförmiger Charakteristik (pdf-Download des Abstrahldiagramms) – die offizielle 360-Grad-Angabe ist definitiv falsch.

Mein Leuchtbild zeigt die Auswirkungen in der Praxis: Das meiste Licht wird seitlich abgestrahlt; nach oben macht sich durch die vertikale Anordnung der LED-Fäden, in Form eines auf dem Kopf stehenden V, eine merkliche Abschattung bemerkbar; nach unten gibt’s deutlich mehr Helligkeit als bei den meisten anderen E27-LED-”Birnen” auf dem Markt:

VosLED-Leuchtbild1

In Richtung Lampenspitze kriegen Sie also weniger Helligkeit als bei einer vergleichbaren traditionellen Lampe, in der die Glühfäden horizontal angeordnet sind. Sie sehen das beispielsweise im direkten Vergleich bei hängender Montage in einer Leuchte über’m Esstisch. Allerdings ermittelte die Ulbricht-Kugel beeindruckende 395 Lumen Lichtstrom bei einem Verbrauch von 3,37 Watt (pdf-Download des Messprotokolls). Daraus ergibt sich eine Wahnsinns-Effizienz von 117 lm/W.

VosLED-Label-LichtfarbeDas Sparpotenzial gegenüber einer ähnlich hellen “Glühbirne” beträgt somit rund 90% – ein sehr selten erreichter Wert bei “Consumer”-LED-Lampen. Den Energieeffizienzindex (EEI) habe ich mit 0,09 berechnet – deutlich unter dem oberen Grenzwert von 0,11 für das EU-Ökolabel A++. Die Zuordnung zur besten Effizienzklasse für Lampen ist also absolut berechtigt und auch auf einer Packungsseite zu sehen - zusammen mit einer etwas kryptischen Farbtemperatur-Grafik (Bild links – keine Ahnung, was “ow” heißen soll).

Frage 2 lässt sich nicht so einfach beantworten, weil mein Standard-Testaufbau hier teilweise versagte. Zwar startete die Lampe an einem schlichten Schalter noch ohne Verzögerung, blieb absolut still, zog nach zwei Stunden Dauerlauf laut meines Hobby-Messgeräts 3,7 Watt mit einem elektrischen Leistungsfaktor von 0,63 (exakt den gleichen Wert hatte übrigens auch das Labor ermittelt) und wurde in meiner offenen Testfassung an der heißesten Stelle nur 35 Grad warm.

Das Messgerät zeigte Phantasiewerte

Schon beim Anschluss der “vosLED” an einen Standard-Phasenabschnittdimmer (ohne Justierschraube, 20 W Mindestlast) war der Verbrauchsanzeige aber kein realistischer Wert mehr zu entlocken – zum ersten Mal nach über 100 LED-Testlampen und -leuchten. Je nach Reglerstellung pendelte der Watt-Wert wild zwischen 0 und 1,7 – das konnte mit dem tatsächlichen Strombedarf nichts zu tun haben. Offenbar wurde das Messgerät von der “vosLED”-Vorschaltelektronik nachhaltig verwirrt. Dazu protestierte die Lampe vor allem bei tiefen Dimmer-Einstellungen mit heftigen Helligkeitssprüngen und rhythmischem Flackern.

Dennoch war im mittleren Regelbereich ein recht ordentliches, flackerfreies Dimmen möglich – geschätzt zwischen 10 und 100% des Maximal-Lichtstroms. Erheblich besser klappte das nach dem parallelen Anschluss einer 60-Watt-Glühlampe: Kein Flackern mehr und eine konstante Regelung zwischen völliger Dunkelheit und größter Helligkeit. Offensichtlich müssen Sie bei den “vosLED”-Lampen streng auf das Erreichen der Dimmer-Mindestlast achten – 3,5 Watt waren eindeutig zu wenig für das 20-315-Watt-Modell.

Eigenwerbung Juni 2014

Zum selben Schluss kam ich nach Versuchen mit einem justierbaren Jung-Phasenanschnittdimmer (20-500 Watt). Ohne zusätzliche Glühlampe blieb die “vosLED” immer gleich hell – unabhängig von der Dimmer-Stellung. Nach dem Überschreiten der Mindestlast konnte ich den Regler immerhin so justieren, dass die Helligkeit zwischen geschätzt rund 100 und 25% gedimmt wurde. Dunklere Voreinstellungen quittierte die LED-Lampe mit Flackern.

“vosla” empfiehlt einen Eltako-Dimmer

VosLED-dimmbarBei keinem dieser Dimmer-Versuche gab’s übrigens ein unerwünschtes Surren oder merkliche Einschaltverzögerungen – der runde “dimmbar”-Aufkleber (Bild links) hat also einen gewissen Wahrheitsgehalt, wenn auch nicht unter allen Umständen. “vosla” selbst empfiehlt einen Eltako-Universaldimmer, der mit fast allen Lampentypen bis 400 Watt zurechtkommen soll und keine Mindestlast hat.

Ein Vertriebsmitarbeiter erklärte mir auf Anfrage, dass man sich bei den ursprünglichen Verpackungen noch nicht getraut habe, bei “Dimmbarkeit” ein klares “Ja” zu drucken, weil es vor allem wegen des Mindestlast-Problems bei der Kundschaft eventuell teils zu Enttäuschungen gekommen wäre. Auf den künftigen Packungen werde die Dimmbarkeit versprochen, allerdings mit einem erklärenden Kommentar und dem Verweis auf eine Dimmer-Referenzliste. Damit wäre jetzt endlich auch Frage 2 von oben beantwortet.

Der Ra-Wert liegt tatsächlich über 90

Bleibt noch die Verifizierung der überdurchschnittlichen Lichtqualität. Die wird eindeutig von den 30 roten Mini-LEDs im Verein mit den rund acht Dutzend “weißen” Chips geprägt, wie auch das Spektraldiagramm mit der Spitze im Rot-Bereich um 640 Nanometer beweist:

VosLED-Spektraldiagramm
Die vertikale Achse beschreibt die Strahlungsleistung in Milliwatt, die horizontale die Lichtwellenlänge in Nanometer.

Bei ausschließlich “weißen” LEDs wäre wohl nur ein allgemeiner Farbwiedergabeindex Ra von etwas über 80 möglich – in diesem Fall sind es aber gemessene 91,6. Dazu kommt ein Wert von 63,4 bei der Zusatz-Referenzfarbe “Rot gesättigt” (R9). Hier habe ich allerdings selbst bei Discounter-LED-Lampen schon weit bessere Resultate gesehen. Mein Standard-Bild für diese Disziplin mit einer sattroten Ducati 916 im Kleinformat auf weißem Untergrund (Weißabgleich “bewölkter Himmel”, ohne Nachbearbeitung) ist jedenfalls ganz ordentlich ausgefallen, aber nicht sensationell gut:

VosLED-Farbtreue

Die gemessene Farbtemperatur von 2699 Kelvin entspricht dem Nennwert. Subjektiv scheinen sich jedoch ein paar seltsame, leichte Farbstiche einzuschmuggeln. Die machen das Licht zwar nicht wirklich unangenehm, könnten möglicherweise aber auch Laien auffallen.

Interessanterweise ergaben die Farbwiedergabe-Messungen die höchsten Werte bei den Einzelfarben “Gelbgrün” (R3 = 97,8) und “Blattgrün” (R14 = 97,7) – das sind genau die Bereiche, für die das menschliche Auge besonders empfindlich ist und die deshalb auch mit der besten Lumen-Ausbeute belohnt werden. Von irgendwo her muss sie ja kommen, die extrem hohe Effizienz der “vosLED”. Und wir sehen mal wieder: Messwerte liefern nur einen Teil der Wahrheit.

Hier flimmert’s leider sehr stark

Wo wir schon beim Meckern sind: Das Display der Digitalkamera zeigte bei den Aufnahmen ein starkes Lichtflimmern, das auf eine zu grobe interne Helligkeitsregelung der Lampe hinweist. Die meisten Käufer werden das mit bloßem Auge normalerweise nicht wahrnehmen – für einige besonders Flimmer-sensible Menschen und bei schnell bewegten Objekten im Lichtstrahl macht sich das jedoch als nerviger Stroboskop-Effekt bemerkbar. Mit einer besseren Glättung der Stromzufuhr kriegt man das bei LED-Lampen normalerweise gut in den Griff.

vosLED-PackungEbenfalls suboptimal erscheint mir die Verarbeitungsqualität. Zumindest bei meinem Testexemplar sitzt das Oberteil der Lampe – mit Glashaube und weißem Zwischenring – nicht exakt lotrecht auf dem Metall-Schraubsockel. Schauen Sie sich nochmal das Bild ganz oben links in diesem Beitrag an – wahrscheinlich sehen Sie’s dann auch.

Außerdem betreibt “vosla” aktuell ein wenig Etikettenschwindel: Auf der Verpackung (Bild rechts) steht mehrfach  “German Lighting”. Tatsächlich geschieht aber der größte Teil der Wertschöpfung noch in China, wo auch die Patentrechte für das LED-Fadenlampen-Prinzip liegen, wie mir ein “vosla”-Mitarbeiter erklärte. In Deutschland werde im Moment hauptsächlich das Qualitätsmanagement der Leuchtmittel erledigt. Erst ab Spätherbst würden voraussichtlich in Plauen komplette Lampen montiert.

Die “Red Dot”-Lampe gibt’s noch nicht zu kaufen

Im vierten Quartal dürften möglicherweise auch “normale” Kunden Zugriff auf jene neue Modellvariante haben, für die “vosla” diesen Monat mit einer “Best of the Best”-Auszeichnung beim “Red Dot Design Award 2014″ belohnt wurde – übrigens eine Ehre, die der Gewinner selbst teuer bezahlen muss. vosLED-neuDie preisgekrönte “vosLED” hat statt des weißen Mittelrings einen transparenten Übergang zwischen Sockel und Glashaube – sieht also der traditionellen Glühlampe noch ähnlicher (siehe “vosla”-PR-Foto).

Die Jury würdigte die LED-Fadenlampe …

“… als eine Hommage an die Glühbirne, deren Form sie nur wenig hinzufügen will. Die Gestaltung lehnt sich deshalb nah an die Form einer Glühbirne an und versieht sie mit den Möglichkeiten der LED-Technologie. Beeindruckend ist ihre minimalistische Formensprache, mit der sie sich in alle Umgebungen einfügen kann. Die Gestaltung der vosLED verwirklicht damit eine schlüssige formale Evolution der klassischen Glühbirne: Eine vertraute Tradition wird bewusst weitergeführt, um etwas Neues entstehen zu lassen.”

Das kann man im Ansatz sicher unterschreiben; es bleibt aber sicher noch jede Menge Verbesserungspotenzial bei der technischen Umsetzung.

Mein Testurteil:

Fadenlampe hin oder her – rund 25,50 Euro sind für eine eingeschränkt dimmbare, stark flimmernde E27-LED-Lampe mit knapp 400 Lumen und gesetzlicher Gewährleistung -  ohne verlängerte Garantie – zu viel. Daran können auch die überdurchschnittliche Farbtreue, die Nennlebensdauer von 25.000 Leuchtstunden bzw. über 30.000 Schaltzyklen, die enorm hohe Effizienz und die geringe Hitzeentwicklung nichts ändern. Außerdem erwarte ich in dieser Preisklasse einwandfreie, konsistente Produktionsqualität und keine schief montierten Sockel.

Normalerweise hätte die klare 3,5-Watt-”vosLED”-Lampe locker vier Sterne von meiner neuen, strengeren LED-Bewertungsskala abräumen können – wegen der beschriebenen Macken gibt’s aber kräftige Abzüge in der B-Note und deshalb nur
drei Sterne.

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