Im Test: Was bei Philips-„hue“ Spaß macht – und was nicht so

Die Philips-„hue“-Familie umfasst immer mehr kabellos via App fernsteuerbare LED-Lampen und -Leuchten. Ein normaler, kurzer Test wird ihren unzähligen Möglichkeiten nicht gerecht; Messwerte helfen auch nur begrenzt weiter. Ins Labor mussten die E27-RGB-„Birnen“ und die neue „hue Go“ aber dennoch.

hue-E27-rot-blau-gruen-violett
Schon die ersten E27-RGB-Lampen der „hue“-Familie konnten jede Menge Farb- und Lichtspielereien – inzwischen sind sie aber keine LED-technische Avantgarde mehr. (Fotos: W. Messer)

hue-Go-Regal3
Die mobile Philips-„hue Go“-Leuchte in neutral-weißer Einstellung – hier als dekoratives Lichtobjekt für’s Wandregal.

Die Bemusterungspraxis von „Philips Lighting“ macht das Leben eines LED-Bloggers echt spannend: Retrofit-Lampen, die ich gerne testen würde, kriege ich meistens nicht und muss sie irgendwo anders besorgen – häufig auf meine Kosten. Dafür kann es aber passieren, dass plötzlich ein Paket geliefert wird, das ich nie bestellt hatte und nach einer großzügig bemessenen Frist nach Hamburg zurück schicken soll. „Spielen Sie doch mal ausführlich damit herum, probieren Sie alles aus – vor allem die Programmierungs-, Automatisierungs- und Vernetzungsmöglichkeiten“, lautete die freundlich-anspornende Ansage des Pressesprechers.

hue-App-SzenenUnd wenn auf den beiden Kartons im Paket „hue“ (das englische Wort für Farbton) draufsteht, ist klar: Da gibt’s ’ne Menge zum Herumspielen. Als eines der ersten Blogs weltweit hatte ich schon im Oktober 2012 ausführlich über die Philips-Innovation „Personal Wireless Lighting“ berichtet, die auf die Kombination aus Lampen mit „ZigBee“-Modul, einem LAN-Interface („Bridge“), einer Internet-„Cloud“ und einer Steuerungs-App für Smartphones und Pads setzt.

Um’s nochmal kurz zusammenzufassen: Ein „hue“-Netzwerk kann zuhause oder von sonstwo auf der Welt kontrolliert werden, steuert „Lichtszenen“ (Beispiel-Screenshot rechts), bestimmt individuell Helligkeit und/oder Farbe jedes eingebundenen Leuchtmittels, reagiert automatisch auf fast alle denkbaren IFTTT-Vorgaben („if this then that“).

Offen auch für Fremdfabrikate

Und weil die Steuerungs-Software als offene Plattform konzipiert wurde, gibt es nicht nur die beiden offiziellen Philips-Apps für die Betriebssysteme iOS und Android, sondern hunderte – programmiert von privaten und gewerblichen „hue“-Enthusiasten. Herkömmliche, teure Wand-Dimmer mit all ihren LED-Kompatibilitätsproblemen brauchen Sie dann nicht mehr. Sogar Lampen, Leuchten und Elektronikgeräte anderer Hersteller lassen sich so in ein „Smart Home“-Netzwerk integrieren.

Die Ersteinrichtung funktioniert tatsächlich ziemlich problemlos, wenn Sie ein fabrikneues „Starter-Kit“ und eventuell weitere „hue“-Lichtquellen haben, die vorher noch nie an einer anderen „Bridge“ angemeldet waren. Die App erkennt dann automatisch alles, was einbindungsfähig ist, und ordnet es in einer Geräteliste. Etwas komplizierter wird’s, falls Sie gebraucht gekaufte „hue“-Leuchtmittel addieren wollen. Dann müssen Sie möglicherweise die jeweiligen Seriennummern manuell eingeben, um sie für Ihre „Bridge“ anzulernen.

Konto-Anmeldung, Ortung? Ohne mich!

Zum Ausnutzen des vollen Funktionsumfangs inklusive „Geofencing“-Aktionen sollten Sie ein „hue“-Konto anlegen sowie den Ortungsdienst („Location Service“) in Ihrem Smartphone aktivieren – beides kommt für mich aus grundsätzlichen Erwägungen nicht in Frage. Alle Möglichkeiten des Systems auszuprobieren, wäre wegen der schieren Menge jedoch ohnehin unmöglich gewesen.

Wichtiger erschienen mir die grundsätzlichen Merkmale und Funktionen: Sind die teuren Lampen und Leuchten adäquat verarbeitet? Liefern sie die gewünschten Lichtfarben in ordentlicher Qualität? Gibt’s Einschaltverzögerungen, Flackern, Flimmern oder Surren? Lassen sie sich stufenlos und über eine ausreichend große Spanne über die App dimmen? Stimmen die offiziellen Leistungsdaten? Wie viel Strom brauchen die Leuchtmittel noch, wenn sie nicht leuchten? Werden sie im Dauerbetrieb zu heiß? Also eigentlich alles, was auch bei meinen Tests von herkömmlichen LED-Lampen wichtig ist.

Das E27-Trio für Einsteiger

hue-E27-Packungsinhalt

In diesem Set für 150 bis ca. 190 Euro ist fast alles drin, was Sie für Ihre ersten „hue“-Versuche brauchen: Die runde „Bridge“, ein Netzwerkkabel zum Anschluss an Ihren Router, ein Steckernetzteil (3 Watt Leistungsaufnahme im Betrieb) mit Verbindungskabel und drei RGB-LED-Lampen „made in China“ mit E27-Schraubsockel. Smartphone oder Pad fehlen natürlich – die „hue“-Apps können Sie immerhin gratis herunterladen.

Die nominell rund 9 Watt starken Lampen mit silbernem Korpus und matter Kunststoffhaube sind 11 cm lang und maximal 6,2 cm breit, wiegen nach meiner Messung 120 Gramm und sehen auf den ersten Blick ganz hübsch aus. Bei näherem Hinsehen fallen dem Fachmann aber zwei Merkwürdigkeiten auf: Die Verklebung war bei allen drei Exemplaren unsauber – stellenweise trat das Material zwischen Haube und Gehäuse aus.

hue-E27-Klebung

hue-E27-AufdruckSo sollten LED-Lampen, die einzeln fast 60 Euro kosten, nicht aussehen. Außerdem entspricht der Lampenaufdruck (Foto links) in einem kleinen Detail nicht den Vorgaben der WEEE-Richtlinie.

Dort heißt es: „Das Symbol für die getrennte Sammlung von Elektro- und Elektronikgeräten stellt eine durchgestrichene Abfalltonne auf Rädern dar. Es ist außerdem ein Hinweis auf dem Produkt anzubringen, dass das Gerät nach dem 13. August 2005 – in Deutschland nach dem 23. März 2006 – in Verkehr gebracht wurde: Durch das Datum der Herstellung bzw. des Inverkehrbringens WEEE-Zeichen-neuoder durch die Kennzeichnung des Balkens unter der durchkreuzten Abfalltonne.“

Die „hue“-Lampen wurden im Herbst 2012 auf den Markt gebracht; also gilt für sie diese aktuelle Vorgabe. Tatsächlich finden Sie das korrekte Zeichen (Grafik rechts) auf den meisten Marken-LED-Lampen in Deutschland – theoretisch wäre eine andere Abbildung oder gar das Fehlen dieses Logos abmahnfähig.

Die „hue“-Lampen leuchten auch ohne App

Dem normalen Kunden kann so was natürlich piepegal sein; den interessiert eher, wie sich die Lampen an ganz normalen Lichtschaltern verhalten – ganz ohne App-Eingriff. Da starten sie mit rund einer halben Sekunde Einschaltverzögerung und bieten dann als „Default“-Einstellung „warm-weißes“ Licht mit etwa 2700 Kelvin Farbtemperatur und ca. 470 Lumen Lichtstrom. Das entspricht der EU-Vorgabe für den Ersatz von 40-Watt-Glühlampen.

In einer meiner offenen Testfassungen war dabei in stiller Umgebung bis auf 10 cm Distanz ein leises Surren zu hören; in einer anderen gab’s ein hochfrequentes, weit reichendes Pfeifen, das auch noch in zwei Meter Entfernung störte. Das lag aber nicht an der Fassung, sondern am elektronischen Umfeld: Dutzende Geräte bzw. Netzteile in unmittelbarer Nachbarschaft sorgten hier offensichtlich für Einstrahlstörungen und Resonanzfrequenzen in der Lampen-Vorschaltelektronik.

Lichtfarbe leider nicht einheitlich

Die Leistungsaufnahme stieg von 0,2 Watt im Leerlauf auf 6,8 W bis 6,9 W (je nach Lampe) bei einem elektrischen Leistungsfaktor um rund 0,55. Bei hängender Montage wurde die heißeste Gehäusestelle oben etwa 67 Grad warm; unten blieb’s mit 27 Grad annähernd bei Zimmertemperatur.

Spontan fiel mir bei zwei in direkter Nachbarschaft leuchtenden Lampen eine leichte Differenz bei Helligkeit und Farbtemperatur auf:

hue-E27-Duett

Tatsächlich bestätigte mir später auch das Labor meines Kooperationspartners „David Communication“, dass eins der drei Exemplare nach jeweils zwei Stunden „Einschwingen“ merklich „wärmer“ leuchtete als die beiden anderen: 2605 statt rund 2700 Kelvin, außerdem nur knapp 465 Lumen statt etwa 477 lm (pdf-Download des Messprotokolls).

Es ist halt nicht ganz einfach, aus der Kombination von vier rot-orange-farbenen, fünf „limonengrünen“ und zwei „royal-blauen“ LED-Chips unter allen Bedingungen exakt die gleiche „weiße“ Lichtfarbe zu zaubern – absolut konsistent über eine komplette Serie hinweg. Zumindest innerhalb eines Dreier-Sets sollte jedoch ein anständiges „Binning“ möglich sein, damit bei gemeinsamer App-Voreinstellung auch wirklich das identische Licht aus jeder Lampe strahlt.

Hervorragender Farbwiedergabeindex

Ein Riesen-Vorteil dieser RGB-LED-Kombi ist allerdings die gemeinsam erzielbare Farbtreue. Beim besten „hue“-Exemplar ermittelte das Labor bei 2703 Kelvin einen hervorragenden Ra-Wert für den „allgemeinen Farbwiedergabeindex“ von 96,8 (pdf-Download des Protokolls) – mit Superwerten bei den Zusatz-Messfarben R9 („Rot gesättigt“ = 88,9) und R13 („Hautfarbe Rosa“ = 97,4). Das qualifiziert die Lampen auch für sehr sensible Beleuchtungsaufgaben (Kosmetik, Garderobe, Restaurant, Bar etc.). Mein Standard-Farbtreue-Modell – eine sattrote Ducati 916 im Kleinformat auf weißem Untergrund – präsentierte sich beim Fototermin in lebendigen, sehr Glühlampen-ähnlichen Farben (Weißabgleich „bewölkter Himmel“, ohne Nachbearbeitung):

hue-E27-Farbtreue

Der Blick auf’s Spektraldiagramm mit seiner starken Spitze bei ca. 629 Nanometer Wellenlänge macht überdeutlich, welchen Anteil die Rot-Orange-LEDs an dieser Farbtreue haben:

hue-E27-Spektrum-warm-weiss

Der steile Abfall der Kurve nach rechts ist allerdings auch symptomatisch für nicht-„weiße“ Einstellungen: Ein sattes Tiefrot dürfen Sie auch bei extremer App-Farben-Wahl von den „hue“-Lampen nicht erwarten. Ähnliches gilt für die Grün- und Blautöne. Die Auswahl der drei LED-Chip-Typen wurden offensichtlich gezielt für die Erzeugung von schönem „weißen“ Licht optimiert und kann deshalb nur ein Kompromiss sein.

RGBW-Mischungen sind flexibler

Prinzipiell besser gelöst wird dieser Zielkonflikt mit RGBW-Kombinationen, bei denen neben roten, grünen und blauen zumindest noch eine „weiße“ Chip-Sorte leuchtet – besser noch zwei, die in beliebiger Mischung die Spanne zwischen „warm-weiß“ und „kalt-weiß“ abdecken können. Wie gut das funktionieren kann, demonstriert die „hue Go“-Leuchte im Test weiter unten.

Recht ordentlich schlagen sich die E27-Lampen bei einer „neutral-weißen“ Einstellung (4100 Kelvin). Hier liefern sie deutlich über 620 Lumen (etwas mehr als die offizielle Angabe) und in Sachen Farbtreue noch befriedigende Werte: Ra 82,7, R9 = 22,3, R13 = 83,0 (pdf-Download des Protokolls). Der schmalbandige „Peak“ bei 453 nm ist das Werk der zwei königsblauen LED-Chips:

hue-E27-Spektrum-neutral-weiss

Für Arbeitsumgebungen wie Küche, Schreibtisch oder Werkbank eignet sich dieses Licht sehr gut – wer’s etwas „wärmer“ oder „kälter“ mag, kann sich das ja stufenlos und individuell anpassen.

Dimmen klappt bis ca. 5 Prozent

Und wie sieht’s mit der Helligkeitsregelung aus? Bitte nicht an einem Haushaltsdimmer ausprobieren – auch wenn es Philips-Mitarbeiter geben soll, die das schon seit Jahren ohne Probleme und Defekte tun. Offiziell sind diese Lampen nur für normale Schalter-Stromkreise im Innenbereich geeignet und sollen ausschließlich via App gedimmt werden. Die Regelspanne ist zwischen 100 und etwa 5% (siehe Packungsaufdruck unten); darunter wird’s schlagartig dunkel.

hue-E27-Daten-Label

Unabhängig von der jeweiligen Helligkeitseinstellung ist mir beim Fotografieren und Filmen ein seltsamer Effekt aufgefallen: Die sehr hochfrequente Regelung der Vorschaltelektronik sorgte für Streifen im Kamera-Display – gut erkennbar auch in diesem Video:


(Wenn Sie keinen Film sehen, bitte hier klicken)

hue-E27-FlickerEin sichtbares Flimmern gab’s dagegen nicht – weder mit bloßem Auge noch mit der Kamera. Die nur eingeschränkt aussagekräftige „Flicker Tester“-App von „Viso Systems“ fällte allerdings ein ziemlich gnadenloses Urteil, weil sie bei einer Bezugsfrequenz von 100 Hertz heftige 100% Flimmerrate und Index 0,3 registrierte (Screenshot links). Das bedeutet, dass die LED-Chips zur Erzeugung einer mittleren Helligkeit in sehr schneller Folge abwechselnd komplett dunkel und doppelt so hell sind.

Vermutlich ist die Verschlussgeschwindigkeit der für die Messung verwendeten iPod-Kamera einfach zu gering, um korrekte Rückschlüsse auf die tatsächliche Wirkung der Pulsweitenmodulation auf besonders flimmersensible Menschen zuzulassen. Andererseits erklärt die hochfrequente Regelung möglicherweise das Pfeifen, das unter ungünstigen Umständen beim Betrieb der Lampen auftreten kann.

Kein optimaler Rundstrahler, aber noch okay

Vermisst haben Sie jetzt wahrscheinlich das übliche Leuchtbild, das bei der „hue“-Lampe nicht ganz so breitflächig ausfällt wie bei der äußerlich sehr ähnlichen „Master LEDbulb“ von Philips. Das Labor maß nur 189 Grad Halbwertswinkel (pdf-Download des Diagramms), was aber nicht heißt, dass es in Richtung Sockel duster wird:

hue-E27-Leuchtbild

Für die meisten Einsatzgebiete dürfte das rundstrahlend und homogen genug sein, auch wenn hier die für viele LED-„Birnen“ übliche Faustregel gilt: Hängend unter der Decke montiert, gibt’s mehr Licht nach unten als nach oben, stehend montiert – etwa in einer Tischleuchte – ist es umgekehrt.

Mein Testurteil:

Einrichtung, Bedienung, Reichweite, Funktionsumfang und Zuverlässigkeit des „hue Starter-Kit“ für aktuell rund 180 bis 190 Euro geben auch dank der regelmäßigen Software-Updates und der zahlreichen Apps und Lichtrezepte von Drittanbietern keinen Anlass zum Meckern. Man merkt aber schon, dass die Hardware teils auf dem Stand von Ende 2012 ist.

hue-E27-anRGB-LED-Lampen sind halt – technisch-physikalisch bedingt – keine Alleskönner. Entweder schaffen sie satte Farben oder qualitativ hochwertiges „weißes Licht“. Der Fokus der ersten „hue“-E27-Lampen lag eindeutig bei Letzterem. Dafür, sowie wegen der nicht optimalen Verarbeitung und Kennzeichnung, sind sie angesichts des aktuellen LED-Preisniveaus deutlich zu teuer – zumal die Nennlebensdauer von 15.000 Leuchtstunden und 25.000 Schaltzyklen allenfalls durchschnittlich ist.

Inzwischen gibt es immerhin eine ganze Familie von Philips-Leuchten, die mit Hilfe einer umfangreicheren Chip-Bestückung erheblich flexibler sind, während die „hue“-Retrofit-Lampen unter platzbedingten Einschränkungen zu leiden haben und teils sogar nur gedimmt werden können – ohne jede Farbsteuerung. Deshalb rückt meine strenge LED-Bewertungsskala für das Päckchen mit den drei RGB-Funk-„Birnen“ moderate
drei Sterne ’raus.


hue-Go-Aufmacher

Vieles von dem, was ich oben bei den „hue“-Lampen kritisiert habe, kontert die relativ neue „hue Go“-Leuchte aus polnischer Produktion für 99,95 Euro (UVP) mit links: Sie surrt im Netz- und Akkubetrieb nur sehr leise (in stiller Umgebung bis maximal 5 cm hörbar), pfeift selbst bei ungünstigen elektromagnetischen Einflüssen nicht, liefert auf Verlangen auch satte Lichtfarben (Fotomontage unten) und schwächelt trotzdem nicht bei „weißen“ Farbtemperaturen (oben bei „warm-weißer“ Einstellung).

hue-Go-weinrot-blau-gruen-orange

Als mobiles Deko-Licht unterliegt die 518 Gramm schwere „hue Go“ nicht den EU-Vorgaben für „Allgemeinbeleuchtung“; deshalb finden Sie auf der Packung auch keine Angaben zum EU-Ökolabel oder zur Nennlebensdauer. Stattdessen gibt’s auf der Rückseite (Foto unten) sowie in einer beiliegenden Broschüre jede Menge Hinweise zur Nutzung der Leuchte mit und ohne App-Steuerung. Tatsächlich können Sie mit einem einzigen Druckknopf auf der Rückseite nicht nur die Presets „Cozy Candle“ (mit dezentem Kerzenflackereffekt), „Sunday Coffee“, „Meditation“, „Enchanted Forest“ und „Night Adventure“ abrufen, sondern auch jede der 16 Millionen möglichen Farbnuancen.

hue-Go-Packung-hinten

Stufenloses Dimmen, dynamische Szenen und alle Farbtemperaturen zwischen „warm-weiß“ und „kalt-weiß“ sind allerdings nur mit Anmeldung an einer „hue-Bridge“ (nicht im Lieferumfang enthalten) und der App möglich. Um die maximal mögliche Helligkeit zu erzielen, muss das Netzteil angeschlossen sein. Im reinen Akkubetrieb wird nämlich die Helligkeit – kaum merklich – innerhalb von rund 10 Sekunden auf 40% gedimmt. Umgekehrt dauert es auch ein Weilchen, bis nach dem erneuten Anschluss ans Stromnetz wieder der volle Lichtstrom geliefert wird. Prinzipiell wird das Licht beim Einschalten innerhalb einer guten Sekunde sanft hoch- und nach dem Ausschalten ebenso sanft „heruntergefahren“.

Etwa drei Stunden Licht im Akkubetrieb

hue-Go-ausPhilips verspricht nach eineinhalb Stunden Ladezeit eine mobile Leuchtdauer von rund drei Stunden – real hängt das natürlich sehr von der gewählten Lichtfarben-Einstellung und Dimmung ab. Selbstverständlich können Sie die Leuchte auch ständig am Netz und dauerhaft in Betrieb lassen.

Das schränkt jedoch leider die Positionierung ein, weil die Anschlussbuchse im lichtdurchlässigen Acrylgehäuse sehr unglücklich platziert wurde (Foto unten) und bei eingestöpseltem Netzteilstecker eine eigentlich vorgesehene, schräge Aufstellung (Foto links) fast unmöglich macht.

hue-Go-Anschluss

Stromverbrauch kann stark differieren

hue-Go-NetzteilSchwierig ist bei LED-Leuchten dieser Art die Beurteilung des Stromverbrauchs. Sicher ist: Das chinesische Netzteil (Foto rechts) hat primär 16,5 VA Leistungsaufnahme und sekundär bis zu 12 W Kapazität (bei konstanten 24 Volt Gleichspannung), zieht laut meiner Messung im Leerlauf nur 0,1 W; der elektrische Leistungsfaktor mitsamt maximal aufgedrehter Leuchte liegt bei 0,53; die Leistungsaufnahme bei „neutral-weißer“ Farbtemperatur und etwa 338 Lumen Lichtstrom beträgt laut Profi-Labor 10,15 Watt – also erheblich mehr als die 6-W-Werksangabe. Allerdings gesteht auch Philips 12 Watt zu, wenn gleichzeitig der Akku geladen wird.

Mit den Werks-Presets (ohne App-Steuerung) und vollem Akku habe ich eine Spanne zwischen 1,6 und 5 Watt gemessen – hier lag der durchschnittliche Leistungsfaktor bei 0,47. Im Vergleich zu normalen LED-Retrofits erscheint die Lumen/Watt-Effizienz also insgesamt sehr schwach.

Hier sollte man aber nicht vergessen, dass beispielsweise tiefrote und dunkelblaue LEDs von Haus aus nur schwache Werte liefern können, weil die Lumen-Berechnung auf der menschlichen Sehkurve basiert, die bei diesen Farben in den Keller geht (und zwar nicht zum Lachen). Vermeintlich hohe Effizienz bieten dagegen grüne LEDs. Außerdem tragen der „ZigBee“-Transceiver und die aufwendige Vorschaltelektronik zum vergleichsweise hohen Stromverbrauch bei – die üblichen LED-Lampen haben so was nicht.

Exzellente Farbtreue entschädigt für geringe Effizienz

Zum Ausgleich bekommen Sie aber eine sehr gute Farbtreue, die weit über das hinaus geht, was Sie sonst von LED-Deko-Leuchten erwarten können: Eine „warm-weiße“ Einstellung mit 7,25 Watt Leistungsaufnahme, 2632 Kelvin und knapp 233 Lumen bot einen Farbwiedergabeindex von exzellenten 92,1 (pdf-Download des Messprotokolls) – mit sehr guten Werten auch für die Zusatz-Messfarben „Rot gesättigt“ (R9 = 74,8) und „Hautfarbe Rosa“ (R13 = 96,8). Mein Standard-Farbtreue-Foto dazu sieht so aus:

hue-Go-Farbtreue

Vor allem bei der Rot-Wiedergabe bleiben hier wohl keine Wünsche offen; Belichtungsautomatik und Autofokus der Kamera hatten allerdings mit der sehr überschaubaren Lichtstärke zu kämpfen. Das Spektraldiagramm zeigt, dass selbst die Spitze bei 624 Nanometer Wellenlänge nicht über 11 Milliwatt Strahlungsleistung hinaus geht:

hue-Go-Spektrum-warm-white

Insgesamt etwas ausgeglichener wird’s bei der „natural white“-Programmierung mit knapp 3800 Kelvin:

hue-Go-neutral-weiss

Der Farbwiedergabeindex ist hier immer noch im „grünen Bereich“: Ra 84,1; dazu knapp 60 für R9 und 87,3 für R13 (pdf-Download des Protokolls). Ich kenne jede Menge „warm-weiße“ LED-Retrofits, die solche Messwerte für die besonders schwierigen satten bzw. gemischten Farben nicht mal annähernd schaffen.

Und wie sieht der Lichtkegel aus?

Einen Halbwertswinkel konnte das Labor aus montagetechnischen Gründen nicht messen; der ist jedoch für eine Deko-Leuchte mit transluzenter Rückseite sicher okay: Nicht wirklich rundstrahlend, aber auch kein eng fokussiertes Spotlight. Kippen wir das Teil im Regal doch einfach mal nach hinten und begutachten, was dann zu sehen ist:

hue-Go-Regal1

Damit kann man doch sehr gut leben, oder? Nennenswerte Hitze lässt das rund 7 cm hohe und maximal etwa 12 cm breite Gehäuse übrigens nicht nach außen dringen – es bleibt auch nach zwei Stunden Dauerleuchten überall gefahrlos berührbar und erreicht höchstens 20 Grad mehr als die jeweilige Umgebungstemperatur.

Video-Streifen kennen Sie schon vom Test weiter oben

hue-go-kaltweiss-FlickerBleibt noch der Flimmer-Test mit Kamera und „Flicker Tester“-App (Screenshot links bei „kalt-weißer“ Farbtemperatur und 40% Helligkeit). Hier trat ein ähnliches Phänomen auf wie bei den E27-„hue“-Lampen oben: Die sehr hochfrequente PWM-Regelung der Vorschaltelektronik sorgte selbst bei einer niedrigen 100-Hertz-Kalibrierung der App für eine Flimmerrate von 58% und Index 0,2.

Vermutlich nehmen das selbst sehr flimmersensible Menschen in der Praxis nicht wahr; ob solche unwissenschaftlichen App-Messwerte für sie eine unterbewusste Relevanz haben, kann ich nicht ermitteln. Einziges Indiz, dass auch bei dieser „hue“-Leuchte was nicht ganz optimal läuft, sind wieder schmale Querstreifen im Kamera-Display und im Video:


(Wenn Sie keinen Film sehen, bitte hier klicken)

Mein Testurteil:

Im direkten Vergleich zu den E27-„hue“-Lampen ist die mobile „hue Go“ von Philips zwar das dunklere, aber meiner Meinung nach dennoch das bessere LED-Leuchtmittel. hue-Go-PackungsinhaltBei gemeinsamer App-Vorgabe von identischen virtuellen Farben bietet sie deutlich sattere, lebendigere Farbeindrücke.

„Weiße“ Farbtemperaturen wirken ähnlich stimmig wie bei den „Birnen“ – trotz teils leichter Messwert-Nachteile beim Farbwiedergabeindex operiert die „hue Go“ insgesamt auf überdurchschnittlich hohem Farbtreue-Niveau. Das erklärt wohl auch zum Teil die ziemlich geringe Effizienz. Einen großen Teil ihrer Fähigkeiten kann sie ganz ohne „Bridge“ und Fernsteuerung zeigen – dank Ein-Knopf-Bedienung könnten damit sogar Kinder herumspielen.

Kleine Wermutstropfen sind die womöglich nicht optimale Glättung der Helligkeitsregelung, fehlende Wetterfestigkeit (Schutzart IP20) sowie die ungeschickte Positionierung der Netzanschlussbuchse. Im Reigen der unzähligen LED-Dekoleuchten ist die „hue Go“ jedenfalls mit ihrer Flexibilität, qualitativ und mit knapp 100 Euro auch preislich eine Ausnahmeerscheinung – meine persönliche Sympathie und die bis Fünf reichende LED-Bewertungsskala belohnen das mit
LED-Stern halbviereinhalb Sternen.

(Offenlegung: Alle Produkte wurden mir von Philips Deutschland leihweise zur Verfügung gestellt und sind schon wieder auf dem Rückweg. Vermutlich sind diese Tests nicht exakt das, was sich die Presseabteilung vorgestellt hat – aber davon sollte man sich bei einem unabhängigen, privaten Blog nicht überraschen lassen.)

Mehr zum Thema:

Philips-„hue“-Lampen ab heute bei Apple

„Smart Home“, „Smart Lighting“: Warum der Durchbruch auf sich warten lässt

„lux“, „tap“ und „3D-printed“: Philips erweitert sein „hue“-Sortiment

LED-Lichtkomposition: Je flexibler, desto besser

Jetzt auch „hue“-GU10-LED-Spots – mit ein paar Fragezeichen

Diesen Beitrag drucken

LED-Tagebuch (KW 26): Ampelpärchen, LEDON-Garantie, Ra 90 bei Aldi Süd

Immer wieder sonntags: Eine Wochen-Rückschau auf die Kurzmeldungen im „Blog-Telegramm“ und in der Google+-Community „LED-Beleuchtung“ – als LED-Tagebuch mit Updates und Ergänzungen.


Swarco-Ampelpaerchen221.06.: Die berühmten „Wiener Ampelpärchen(Swarco-PR-Foto) haben jetzt auch den Weg nach Salzburg gefunden. Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete, seien diese Woche sechs Ampeln an den Staatsbrückenköpfen der Mozartstadt mit neuen Schablonen ausgerüstet worden. Sie zeigen schwule, lesbische und Hetero-Paare.

Die Urheberrechte am Design liegen zwar bei der Stadt Wien; die Nutzungsrechte erhielt Salzburg jedoch gratis. Die LED-Ampeln und Symbolmasken werden von der „Swarco Futurit Verkehrssignalsysteme Ges.m.b.H.“ im burgenländischen Neutal produziert.


LEDON-Downlight-klein22.06.: Vor knapp einem Jahr schrieb ich im Test eines LEDON-LED-Downlights (Foto oben: W. Messer): „Unzureichend erscheint mir allerdings die standardmäßig eingeräumte gesetzliche Gewährleistungsfrist von zwei Jahren, die nur mit einer ,LEDON Club’-Mitgliedschaft und einer Registrierung auf drei Jahre Garantie erweitert werden kann. Was spricht eigentlich dagegen, bei so einer integrierten LED-Leuchte für vorwiegend gewerbliche Abnehmer gleich vier oder fünf Jahre Garantie zu gewähren – ohne Wenn und Aber?“

Offenbar nichts. LEDON-Logo-2015Denn vergangene Woche teilte LEDON via Twitter mit, dass man ab sofort fünf Jahre Herstellergarantie auf die gesamte LED-Produktpalette biete – also nicht nur bei integrierten Leuchten für Profis, sondern auch für das große Retrofit-Sortiment. Während es in den „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“ bei der gesetzlichen Gewährleistung bleibt, wurde die Garantieseite an die neue, freiwillige Zusage angepasst. Gleichzeitig verschwand der „LEDON Club“ folgerichtig im Nirwana.


EKZ-LED-Steuerung2
23.06.: Für manche Bewohner ist einer von zwei LED-Straßenleuchten-Tests im Schweizer Kanton Zürich eher nervig als nützlich. Auf einem nur schwach bebauten Teilstück in Regensdorf untersuchten die Elektrizitätswerke des Kantons (EKZ) ein Jahr lang eine Radar-Sensor-gesteuerte „Vorausbeleuchtung“, die ohne Verkehr nur auf ca. 50 Prozent der Maximalleistung läuft.

Bei Annäherung von Fußgängern oder Fahrzeugen werden die nächsten voraus stehenden, miteinander vernetzten Leuchten temporär auf volle Power geschaltet (PR-Fotos oben und unten; ein EKZ-Demo-Video gibt’s hier). Das System registriert unterschiedliche Geschwindigkeiten, kann so zwischen Auto, Fahrrad und Fußgänger unterscheiden und erhellt nur das nötige Sichtfeld. Stromspareffekt: Rund 25%, Beschwerden: Eine.
EKZ-LED-Steuerung

Seit November 2014 testet das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) am Rand von Affoltern ein ähnliches System mit Helligkeitsstufen von 40 (Ruhe), 70 (Fußgänger, Radfahrer) und 100 Prozent (Autos). Die unregelmäßigen „Lichtwellen“ wirken sich dort jedoch laut Medienberichten teils störend auf die Nachtruhe einiger Anlieger aus.

Hier spielen allerdings weitere Faktoren eine Rolle: Den Erfassungsbereich der Sensoren hatte die Stadt zuvor von Büschen und Bäumen „gesäubert“, so dass das Licht jetzt ohne Abschattung in einige Schlaf- und Wohnzimmer strahlen kann. Außerdem ist die Farbtemperatur der weißen LED-Leuchten erheblich „kälter“ als die der vorherigen, gelb scheinenden Natriumdampflampen und wird deshalb als unangenehmer empfunden.

Die Initiatoren schließen daraus, dass sich „vorauseilendes“ LED-Licht besonders für wenig befahrene Straßen außerhalb von Wohngebieten eignet: „Dort sind die Einsparungen am größten und Anwohner kaum tangiert.“


Sydney-Airport-Qantas
24.06.: Die australische Fluggesellschaft „Qantas Airways“ rüstet nach eigenen Angaben in den nächsten 18 Monaten alle seine Gebäude und Einrichtungen am Boden des Staates (oben in einer Abfertigungshalle des Sydney-Airport, Foto: Jnpet @ Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0) auf LED-Beleuchtung um. Das betrifft überwiegend die Leuchtstoffröhren in Flughäfen, Hangars, Rampenbereichen, Lagerhäusern und Flugsimulatoren.

Qantas erhofft sich vom Halbleiterlicht die fünffache Lebensdauer und rund 70% weniger Stromverbrauch. Pro Jahr sollen so künftig 13 Millionen Kilowattstunden eingespart werden. Auf Nachfrage teilte das Unternehmen mit, dass in einem Großteil seiner Flugzeugflotte bereits LED-Leuchten eingebaut seien (Qantas-PR-Foto unten) – einschließlich den zwölf Großraum-Jets Airbus A380 und den überarbeiteten A330-Modellen.
Qantas-Kabine


Civilight-Sunwhite-7W-Eye-Care25.06.: Einen herausragend hohen Farbwiedergabeindex von Ra 99 sollen die neuen „Sunwhite“- und „Eye Care“-LED-Lampen des chinesischen Herstellers Civilight bieten (siehe SIGOR-LED-Katalog).

Das dimmbare E27-Modell mit 7 Watt, 470 Lumen, „warm-weißen“ 2700 Kelvin Farbtemperatur und 270 Grad Halbwertswinkel (im PR-Bild links) ist bereits jetzt für 14,95 Euro bei ELV lieferbar; spätestens ab August soll es dort für vermutlich knapp 20 Euro auch eine 10,5 W/810-lm-Variante geben, die in einer Pressemitteilung allerdings EU-regelwidrig als Ersatz für 75-W-Glühlampen beworben wird. (Update 26.06.: ELV hat den Fehler auf Nachfrage eingeräumt und erklärt, dass die als 75-W-Äquivalent dienende LED-Lampe mit 1055 lm nur Ra 90 haben werde).

Die nicht dimmbare Civilight-„Eye Care“-E27-Retrofit mit 9 W, 600 lm und 300° Abstrahlwinkel (oben rechts) hat nach Herstellerangaben „nahezu keinen Blaulichtanteil“ und sei „100% flickerfrei“. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei stolzen 39,90 €; ELV verkauft sie via Amazon für 35,95 €.


Eigen-Banner-03-15


Aldi-Sued-LED-07-15-mittel26.06.: Weitgehend Nur auf den ersten Blick weitgehend identisch (siehe Update) mit einer Aktion im Februar sind die LED-Lampen-Angebote von Aldi Süd ab Donnerstag, 2. Juli (Prospektausschnitt rechts, zum Vergrößern anklicken). Diesmal werden 26 „warm-weiße“ Retrofit-Varianten von „Müller-Licht“ mit einem sehr guten Farbwiedergabeindex von mindestens Ra 80 90 und E27-, E14, GU10-, GU5.3- sowie GU4-Sockeln beworben.

Nicht dimmbare Lampen gibt’s schon für knapp 5 Euro – einzeln oder sogar im Doppelpack (also nur rund 2,50 € pro Stück); dimmbare kosten 5,99 € bzw. 7,99 €. Leider nennt Aldi Süd mal wieder nicht alle relevanten Leistungsdaten; auch die überdurchschnittliche Farbtreue wird mit keinem Wort erwähnt.

Update 02.07.: Nach dem Hinweis eines Bloglesers bekam ich auf Nachfrage bei „Müller-Licht“ die Auskunft, dass die aktuelle Aktion ausschließlich aus Ra-90-Modellen bestehe, die in großen Stückzahlen exklusiv an Aldi Süd geliefert wurden und nicht im normalen „Müller-Licht“-Sortiment auftauchen werden. Das lässt die Preise natürlich in noch besserem, die Aldi-Süd-Informationspolitik dagegen in einem schlechten Licht erscheinen. Aldi Nord gelingt die Werbung bei ähnlichen Aktionen mit „MeLiTec“-Ra-90-LED-Lampen deutlich besser.


OBI-Philips-06-15
26.06.: Im Vergleich zum Aldi-Süd-Angebot verlangen die OBI-Baumärkte aktuell wahre Luxuspreise für nicht dimmbare Philips-„CorePro“-LED-Lampen mit Farbwiedergabeindex Ra 80 (Prospektausschnitt oben, gültig bis 5. Juli).

Die 6 Watt starken E14-„Kerzen“ und -„Tropfen“ mit matter Haube und 470 Lumen dienen als Ersatz für 40-W-Glühlampen, strahlen jedoch nicht so rund und sind mit knapp 7 Euro kein echtes Schnäppchen. Über die Farbtemperatur und das EU-Ökolabel streiten sich Werbebeilage (3000 Kelvin, A) und Online-Beschreibungen (2700 K, A+); wahrscheinlich sind die Prospektangaben falsch.

„Warm-weißes“ Licht mit 2700 K spenden jedenfalls die matten E27-„Birnen“ im 11,99-€-Doppelpack mit 150 Grad Halbwertswinkel. Stückpreis-Aufschlag bei OBI zu den „Müller-Licht“-Lampen bei Aldi Süd mit ebenfalls ca. 810 lm, aber rund 200° Abstrahlwinkel: Satte 3,50 € – nennt sich dennoch „2er-Vorteilspack“.


China-LED-Lampen-Sammlung
27.06.: Importierte Billig-LED-Leuchtmittel aus Asien bleiben immer häufiger im Netz der deutschen Zoll- und Marktüberwachungs-Behörden hängen (oben eine zufällige Auswahl dubioser Produkte; Fotos: M. Stöcken/David Communication, mit freundlicher Genehmigung). Die im Regierungspräsidium Tübingen angesiedelte zentrale „Marktüberwachung Baden-Württemberg“ berichtete jetzt von einer 95prozentigen Beanstandungsquote in diesem Segment zwischen Januar und Mai 2015.

GU10-CE-China-Export-LogoWie mir die Pressestelle auf Nachfrage erklärte, bedeutet das, dass nahezu alle vom Zoll abgefangenen und zur Begutachtung vorgelegten Import-Lampen bereits „wegen formaler Mängel (z. B. fehlende oder falsche Kennzeichnungen, fehlende oder unvollständige Begleitunterlagen etc.) als nicht konform zu bewerten und damit nicht einfuhrfähig“ waren (rechts ein GU10-LED-Spot ohne Datenaufdruck; das „CE“-Logo ist nicht die offizielle Kennzeichnung für die Verkehrsfähigkeit in der EU, sondern steht nur für „China Export“).

Weiter gehende technische Überprüfungen auf Produktsicherheit oder EU-konforme Einhaltung von Leistungsversprechen waren somit überflüssig. In den meisten Fällen seien private Einfuhrversuche aus Fernost betroffen gewesen. Der genaue Check von LED-Leuchtmitteln soll 2016 eine „Jahresschwerpunktaktion“ der Tübinger Behörde werden.


Mehr zum Thema:

Was hinter den Wiener Ampelpärchen verborgen ist

Im Test: Die erste integrierte LED-Leuchte von LEDON

Apps und Sensoren: Wie „intelligent“ kann LED-Lichtsteuerung sein?

LED-Splitter: Lichtsteuerung gegen Jetlag …

LED-Flächenstrahler für den Flughafen München

Gastbeitrag: Netzhaut-Risiko „blue hazard“ bei LED-Licht

Leuchtender Rosenmontag – mit LED-Schnäppchen bei Aldi

LED-Tagebuch (KW 08): … Fernost-Müll

Diesen Beitrag drucken