Lampen, Trafos, Steuergeräte: EU verlangt höhere Effizienz

Ab Montag, 1. September, gelten in der EU erweiterte und teils strengere Leistungs- und Kennzeichnungsregeln für Leuchtmittel. Richtstrahlende Lampen unter einer bestimmten Effizienz sowie stromfressende Vorschaltgeräte mit zu hohem Leerlaufverbrauch sollen vom Markt verbannt werden.

12V-LED-Trafos
12-Volt-Konstantspannungs-Trafos und ein GU5.3-Niedervolt-LED-Spot – solche Kombinationen sollen künftig effizienter arbeiten und weniger Leerlaufstrom verbrauchen. (Fotos: W. Messer)

Das Wichtigste zuerst: Als “normaler” Verbraucher ändert sich für Sie mit der ab Montag geltenden 2. Stufe der “Verordnung Nr. 1194/2012 zur Durchführung der Richtlinie 2009/125/EG” vorerst nichts. Sie werden weiterhin all jene richtstrahlenden Leuchtstoff-, Halogen-, Glüh- oder Hochdruckentladungslampen sowie Vorschaltgeräte für Niedervolt-Leuchtmittel kaufen können, die auch diese Woche noch angeboten wurden. Der Abverkauf von Lagerbeständen ist nämlich erlaubt. Betroffen sind nur ineffiziente Produkte, die nach dem 1. September 2014 neu “in Verkehr gebracht werden”. Man kennt das ja noch von den vor Jahren vermeintlich “verbotenen Glühbirnen”, die’s immer noch gibt.

Apropos: Ohne Bedeutung ist die Nummer “1194/2012″ auch für diese rundstrahlenden “Allgebrauchslampen”. Ihre Mindestanforderungen wurden bereits mit der “EG-Verordnung 244/2009″ schrittweise verschärft. Dort gilt die nächste Stufe, die nur noch Lampen mit mindestens EU-Energieeffizienzklasse B erlaubt, ab September 2016 – eventuell mit Ausnahmen für einige Klasse-C-Halogenlampen, falls es für sie bis dahin noch keinen adäquaten Ersatz auf dem Markt gibt.

LED-Benutzer können gelassen bleiben

Wenn Sie Ihre Beleuchtung schon auf LED-Technik umgestellt haben, dürfen Sie einen Großteil der neuen Regeln ohnehin vergessen. LED-Lampen und -Leuchten schaffen als ziemlich effiziente Lichtquellen entweder problemlos die Ökolabel-A-Hürde oder gelten als “Spezialprodukte”, die nicht für echte Beleuchtungszwecke gedacht sind und deshalb außen vor bleiben.

Allmählich verschwinden sollen aber ab 1. September zahlreiche richtstrahlende Leuchtmittel mit ineffizienter Technik. Als “Lampe mit gebündeltem Licht” gilt dabei alles, was mindestens 80% des maximalen Lichtstroms innerhalb eines Kegelwinkels von höchstens 120 Grad abstrahlt. Betroffen sind “Netzspannungsglühlampen” mit einem Energieeffizienzindex (EEI) von >1,75 (entspricht dem EU-Ökolabel E, beispielsweise herkömmliche R63/E27-Strahler), “sonstige Glühlampen” mit EEI >0,95 (Label C, etwa 12-Volt-Halogenspots) sowie Hochdruckentladungslampen und “sonstige Lampen” mit EEI >0,50 (liegt innerhalb des Labels B, gilt auch für manche Kompaktleuchtstofflampen).

E14-GU10-Strahler
Strahler und Spots ohne LED-Technik: Viele solcher Lampen schaffen die neuen EU-Energieeffizienz-Vorgaben nicht und werden nach und nach vom Markt verschwinden.

Verschärft wird außerdem die Lebensdauer-Vorgabe von “sonstigen Lampen mit gebündeltem Licht” (mit Ausnahme von LED-, Kompaktleuchtstoff- und Hochdruckentladungslampen). Sie müssen dann mindestens 2000 Leuchtstunden durchhalten – bisher waren’s nur 1000. Das dürfte auch einem Teil der aktuell angebotenen GU10- und GU5.3-Halogenstrahler schwer zu schaffen machen.

Vorschaltgeräte müssen sparsam und kompatibel sein

Bleibt noch ein Teil der neuen EU-Verordnungsstufe, der auch für LED-Leuchtmittel-Kunden relevant sein kann: Die Leerlaufleistung (der “Standby”-Verbrauch) eines Betriebsgeräts für Lampen, das “für den Einsatz zwischen dem Netz und dem Schalter für das Ein- und Ausschalten der Lampenlast bestimmt ist”, darf künftig nicht mehr als 1 Watt betragen. Gemeint sind hier vermutlich Trafos für Niedervolt-Leuchtmittel. Ab Stufe 3 (1. September 2016) liegt der “Standby”-Grenzwert sogar nur bei 0,5 W.

Geräte, die für die Installation zwischen dem Netz und den Lampen ausgelegt sind, müssen außerdem ab 1. September 2014 “dem Stand der Technik entsprechende Anforderungen an die Kompatibilität” mit Retrofit-Leuchtmitteln erfüllen, die das neue EU-Ökolabel A oder ein besseres tragen (gilt aber nicht für komplette Leuchten).

Neue Pflichthinweise der Anbieter

Wenn diese Trafos/Steuer- oder Vorschaltgeräte nicht mit stromsparenden Lampen kompatibel sind – etwa wegen zu hoher Mindestlast, muss der Anbieter einen Warnhinweis “auf öffentlich und frei zugänglichen Internetseiten und in anderer dem Hersteller zweckmäßig erscheinenden Form” publizieren. Gleiches gilt für den Pflichthinweis, dass das Produkt als Betriebsgerät für Lampen bestimmt ist, und gegebenenfalls auch für die Information, dass das Produkt im Leerlauf betrieben werden kann.

Eigenwerbung Juni 2014

Ebenfalls ab Stufe 2 muss der Wirkungsgrad eines Betriebsgeräts für Halogenlampen bei Volllast mindestens 0,91 erreichen. Das wären also maximal 9% Verlustleistung. Häufig werden solche Trafos nach einer Umrüstung der heimischen Beleuchtung auf LED-Technik weiterverwendet. Eine gute Effizienz ist deshalb durchaus willkommen.

Für LED-Fans weitgehend irrelevant ist dagegen diese ab Montag geltende EU-Vorgabe: Wenn ein “Lichtstrom-Steuergerät” (Dimmer) in seiner niedrigsten Einstellung eingeschaltet wird, in der die angeschlossenen Lampen noch Strom verbrauchen, müssen jene mindestens 1% ihres Maximal-Lichtstroms liefern. So weit herunter können die meisten dimmbaren LED-Lampen aber ohnehin nicht geregelt werden. Häufig ist schon bei 10 bis 20% Helligkeit Schluss; bei kleinerer Einstellung beginnt das große Flackern oder es wird komplett dunkel.

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Im Test: Neue preiswerte LED-Röhren von Philips (Update)

Nur zwischen knapp 15 und 28 Euro (UVP) kosten die neuen Philips-LED-Röhren für Leuchten mit konventionellem Vorschaltgerät. Mit 10, 20 und 25 Watt sowie “neutral-weißer” Farbtemperatur sollen sie eine stromsparende Alternative für T8-Leuchtstoffröhren mit 18, 36 und 58 Watt sein.

Philips-LED-tube-Detail
“LEDtube” nennt Philips die drei Varianten seiner neuen T8-Halbleiterlicht-Röhren mit G13-Sockeln. Sie sind rund 60, 120 und 150 cm lang und haben einen Standard-Durchmesser von 28 mm. (Fotos: W. Messer)

Philips-LED-tubes-Kombi
Das Philips-Trio in seinen Verpackungen (oben), ausgepackt mit einem der Starter-Dummys (Mitte) und die 10-Watt/60-cm-Röhre in Aktion (unten). Unten links sehen Sie einen Ausschnitt der Verpackungs-Rückseiten mit zahlreichen Piktogrammen und Daten.

Philips-LED-tubes-Packungen-hintenHochwertige Marken-LED-Röhren mit Farbwiedergabeindex Ra >80 waren in Mitteleuropa bisher kaum für unter 20 Euro zu bekommen. Bei seiner neuen “LEDtube”-Serie “made in China” lässt Philips die unverbindlichen Preisempfehlungen nun schon bei 14,99 Euro beginnen und erreicht damit ungefähr Discounter-Niveau.

Was Sie für diesen Preis nicht bekommen: Beispielsweise Dimmbarkeit, universelle Verwendungsmöglichkeiten oder schwere Glas-/Keramikgehäuse. Hier ist fast alles aus leichtem Kunststoff; die LED-Röhren wiegen nur 152 (60 cm), 260 (120 cm) und 430 Gramm (150 cm).

Explizit ausgeschlossen wird der Einsatz in Gehäusen mit elektronischen Vorschaltgeräten (EVG) und Tandemleuchten mit zwei Röhren pro Stromkreis. Dafür hat Philips andere, teurere Modelle im Angebot – etwa die “InstantFit”-LED-Röhren. Es muss also eine Einzelleuchte mit konventionellem Vorschaltgerät (KVG) und Starter sein, wenn Sie die “LEDtubes” als echte Retrofits – ohne gefährliche Experimente, Umverdrahtungen und dem damit verbundenen Verlust der VDE-Zulassung – nutzen wollen.

Update: Höchst problematisch kann auch der Einbau in speziellen Leuchtengehäusen sein, die vom Anbieter bereits für bestimmte T8-LED-Röhren umgerüstet wurden. Offensichtlich unterscheidet sich hier – je nach Fabrikat und Bauweise – die Beschaltung, was bei fehlender PPTC-Sicherung in der Röhre zu Kurzschlüssen und fatalen Folgen führen kann. Jedenfalls habe ich nach dem Test eine der “LEDtubes” bei einem solchen Versuchseinsatz unabsichtlich zerstört – mit lautem Knall und Brandgeruch.

Die Umrüstung ist schnell erledigt

Die Reihenfolge beim Austausch:

  • Lichtschalter aus, am besten auch die Sicherung deaktivieren;
  • alte Leuchtstoffröhre ‘rausdrehen;
  • Philips-LED-tube-Starter-Dummyden runden Starter mit Bajonettsockel aus der Leuchte entfernen, dort den mitgelieferten weißen “EMP 100″-Starter-Dummy einsetzen (Bild rechts, er schließt die Pins kurz);
  • weiße Schutzkappe von den N/L-Stiften auf einer Seite der Röhre entfernen (dort nie direkt Strom anlegen – Kurzschluss!);
  • LED-Röhre mit matter Lichthaube nach unten einsetzen (Links-/Rechts-Ausrichtung ist trotz einseitiger Einspeisung egal, die holt sich dank des Starter-Dummys ihre 230 Volt in jedem Fall);
  • Sicherung/Lichtschalter an.

Zusätzlich können Sie einen englischsprachigen Warnaufkleber an der Leuchte anbringen, der auf die Umrüstung hinweist und den weiteren Einsatz von Leuchtstoffröhren ausschließt. Eine erneute VDE-Zertifizierung der Leuchte ist nach meinen Informationen nicht notwendig, weil der beschriebene Austausch als “Wartung” und nicht als “Umbau” gilt. Die deutsche Philips-Installationsanleitung ist aber leider sehr knapp gehalten und nicht so ausführlich wie hier.

Wenn alles passt und korrekt ausgeführt wurde, müssten Sie anschließend nach weniger als einer halben Sekunde Einschaltverzögerung ein ziemlich breit strahlendes, “neutral-weißes”, flackerfreies Licht sehen, das sich subjektiv kaum von dem der üblichen Leuchtstoffröhren unterscheidet. Offiziell gibt Philips den Halbwertswinkel mit 150 Grad und die Farbtemperatur mit 4000 Kelvin an. Die Bezeichung “cool white” auf den Packungen ist missverständlich und sollte eigentlich für Werte oberhalb 5000 K reserviert sein.

Der Lichtkegel ist runder als vermutet

Und wer glaubt, die Lichtkeule sei nun wesentlich enger als mit den rundstrahlenden alten Röhren, dürfte vom Leuchtbild positiv überrascht werden. Es ist nämlich insgesamt weitaus breiter, als der nominelle Abstrahlwinkel und die Labormessung (145,6 Grad mit mindestens der Hälfte der maximalen Lichtstärke, pdf-Download des Diagramms) vermuten lassen:

Philips-LED-tube-Leuchtbild
Hier leuchtet die 60-cm-Röhre stellvertretend für das Trio. Die Lichtkeule ist trotz knapp 150 Grad Halbwertswinkel sehr homogen, ziemlich breitflächig und reicht auch nach unten in Richtung Boden. Einzelne Lichtquellen sind nicht zu erkennen.

Was ebenfalls noch auffällt: Die zahlreichen SMD-Einzel-LEDs (22 bei der kleinsten, 44 bei der mittleren, 55 bei der längsten) sind nicht auf die gesamte Länge der Röhren verteilt – links und rechts bleiben wegen des Platzbedarfs der Vorschaltelektroniken ein paar Zentimeter weitgehend dunkel (siehe Bild unten). Die “echte” Leuchtfläche ist bei allen drei Varianten an jeder Seite rund 7,5 cm kürzer als die Gesamtlänge inklusive Sockel.

In der Praxis hat das jedoch keinen nennenswerten Einfluss auf die Ausleuchtung Ihres Büros, Keller- oder Werkstattraums, weil die matte Haube das Licht breiter streut als die rund 120 Grad Halbwertswinkel der “nackten” LEDs.

Philips-LEDtube-innen-Kombi
Blick von beiden Enden in die geöffnete 120-cm-Röhre – mit 44 SMD-LEDs auf einer Platine, die in einer Alu-Schiene steckt. Unten sehen Sie die Seite mit den im Text beschriebenen N/L-Pins und einem Teil der Vorschaltelektronik.

Die Lichtfarbe ist nicht unangenehm

Stattdessen werden Sie vermutlich Verbesserungen bei der Lichtqualität beobachten. Der offizielle “allgemeine Farbwiedergabeindex” von Ra >80 ist offensichtlich keine Übertreibung der Niederländer. Sogar rötliche Farbtöne werden akzeptabel abgebildet, weiße sowieso, wie auch mein Standard-Farbtreuebild mit einer sattroten Ducati 916 im Kleinformat auf weißem Untergrund zeigt:

Philips-LED-tube-Farbtreue

Die leichten Farbverschiebungen sind typisch für 4000-Kelvin-LED-Leuchtmittel. Glüh- oder Halogenlampen-ähnliche “Wärme” dürfen Sie hier nicht erwarten. Es ist halt ein nüchternes, neutrales Zweck- und Arbeitslicht ohne Anspruch auf stimmungsvolle, wohnliche Intimbeleuchtung zur Verführung potenziell paarungswilliger Besucher(innen). In diesem LED-Röhren-Segment habe ich schon weniger Überzeugendes als die Lichtqualität der Philips-”LEDtubes” gesehen.

Dazu passt auch das Spektraldiagramm aus meinem Partnerlabor bei “David Communication” – mit einer Spitze im Blau-Bereich und einem sehr bauchigen Hügel zwischen Grün und Rot:

Philips-LEDtube-Spektrum
Die Energieverteilung des “LEDtube”-Lichts (in Milliwatt pro Nanometer) über den Wellenlängenbereich zwischen 400 und 800 nM.

Die Farbtemperatur- und -Treue-Vorgaben wurden im Labor locker erfüllt: 4059 Kelvin und Ra 82 als Mittelwert der Messfarben R1 bis R8 (Download des gesamten Messprotokolls). Bei den sechs Zusatz-Referenzfarben fällt die Wiedergabe von “Hautfarbe Rosa” (R13=81,5) und “Blattgrün” (R14=94,5) positiv auf. Erwartungsgemäß schwächer sieht’s zwar bei “Rot gesättigt” (R9=17,4) aus – hier schaffen jedoch sogar “warm-weiße” Ra-80-LED-Lampen teils deutlich weniger. Insgesamt sind die Einzelwerte angesichts der “neutral-weißen” Lichtfarbe absolut okay.

Wie viel Licht aus wie viel Watt?

Philips-LED-tube-10W-Daten

Die Tests der drei Röhren-Varianten liefen ohne Vorschaltgerät mit Direktanschluss an 230 Volt Wechselspannung. KVG-Leuchten würden wegen ihres Eigenverbrauchs die puren Messungen verfälschen. So zog die nominell 10 Watt starke 60-cm-Röhre (Packungsdaten links) bei mir nach zwei Stunden “Einschwingen” 9,9 Watt bei einem sehr guten elektrischen Leistungsfaktor von 0,94. Das Labor ermittelte mit 9,93 W bei 0,94 identische Werte. Dabei blieb die “LEDtube” – ebenso wie ihre größeren Geschwister – absolut still und wurde an der heißesten Gehäusestelle weniger als 40 Grad warm.

Die genannten 800 Lumen Lichtstrom erschienen mir glaubhaft und entsprechen etwa einer 60-Watt-Glühlampe. In der Ulbricht-Kugel meldeten sich dann sogar 844 lm zum Dienst – eine Soll-Übererfüllung von immerhin gut fünf Prozent.

Philips-LED-tube-20W-Daten Eine gleich große, “neutral-weiße” Philips-Leuchtstoffröhre mit 18 Watt und Ra 80 hat allerdings rund 1350 Lumen. Dieses krasse Missverhältnis gibt immer wieder Anlass zu heftigen Diskussionen über die Sinnhaftigkeit solcher LED-Röhren. Dennoch können sie ein adäquater Ersatz sein, weil sie nicht auf die häufig mangelnde Effizienz von Reflektoren in einer Leuchte angewiesen sind, sondern ihre gesamte Helligkeit gleich in die gewünschte Richtung abstrahlen und dadurch geringere Einbußen bei der Lichtstärke verursachen, als man erwarten würde.

Das gilt natürlich auch für die 1200-mm-Röhre, die mit nominell 1600 Lumen (Packungsaufdruck rechts) ebenfalls deutlich hinter den gleich großen 36-Watt-Leuchtstoff-Konkurrenten zurück bleibt. Dafür schluckt sie laut meinem Messgerät auch nur 19,3 Watt bei einem fast idealen Leistungsfaktor von 0,99. Durch die Größe scheint sich die Betriebswärme besser zu verteilen; an der heißesten Stelle waren’s im Dauerbetrieb maximal 35 Grad.

Still, aber nicht flimmerfrei

Philips-LED-tube-25W-DatenGenau so “cool” blieb die 1500-mm-Variante, die laut Messgerät 24,7 Watt bei einem perfekten Leistungsfaktor von 1,0 zog. Ihre 2000 Lumen Lichtstrom (siehe Packungsaufdruck links) entsprechen ungefähr zwei 75-Watt-Glühlampen, aber keinesfalls der Gesamthelligkeit einer “neutral-weißen” 58-Watt/1,50 m-Leuchtstoffröhre (über 5000 lm). Dafür gibt’s keine Surrgeräusche, keine nennenswerte Einschaltverzögerung und kein anfängliches Flackern, wie man es von vielen Leuchtstofflampen kennt.

Alle drei Varianten verursachten jedoch bei den Digicam-Aufnahmen ein wahrnehmbares, leichtes Flimmern auf dem Kontroll-Screen. Am stärksten erschien mir das bei der kürzesten Röhre. Dieser Effekt ist auf die Regelfrequenz der Lampenelektronik im Zusammenspiel mit der Bildwiederholrate der Kamera zurückzuführen und sollte den meisten Menschen mit bloßem Auge nicht auffallen. Flimmer-sensible Betrachter nehmen es möglicherweise wahr – vor allem, wenn Objekte im Lichtschein schnell bewegt und Stroboskop-artig erhellt werden.

Zum Vergleich: Zwei der auf ähnlichem Preisniveau angebotenen “Müller-Licht”-Röhren sind bei uns seit Herbst 2013 im Einsatz und komplett flimmerfrei. Experten können jetzt natürlich darüber spekulieren, ob sich die Philips-Lampen den unschönen Effekt eventuell durch eine aufwendigere elektromagnetische Entstörung eingehandelt haben. Das wäre theoretisch möglich, kann ich aber nicht nachweisen.

Keine hohe Lumen/Watt-Effizienz

Die Effizienz der “LEDtubes” von durchweg 80 lm/W ist angesichts der “kühlen” Farbtemperatur allenfalls durchschnittlich, führt aber wegen der komplizierten Umrechnungsformel für den Energieeffizienzindex (EEI) zu verschiedenen EU-Ökolabel-Einstufungen:

Philips-LED-tubes-Labels

Hier ist mal wieder klar zu sehen, dass die EU-Vorgabe stärkere Lampen benachteiligt und teils zu absurden Ergebnissen führt. Die 25- und 20-Watt-Röhren haben nämlich einen von mir berechneten EEI knapp über dem “A+”-Grenzwert von 0,17; der 10-Watt-”Benjamin” glänzt dagegen trotz gleicher Effizienz mit 0,16. Das hat Philips auf der Packung (Bild oben rechts) korrekt wiedergegeben, aber auf der Produkt-Website verbaselt. Dort ist nämlich nur von “Energieeffizienzklasse A” die Rede.

Eigenwerbung Juni 2014

Mindestens doppelte Lebensdauer

Die Nennlebensdauer der Modellreihe geht mit 20.000 Leuchtstunden und 50.000 Schaltzyklen in Ordnung und dürfte mindestens das Doppelte der durchschnittlichen Lebenserwartung von Leuchtstoffröhren betragen. Im direkten Vergleich sollten Sie außerdem berücksichtigen, dass die LED-Röhren nach diesen 20.000 Stunden nicht komplett dunkel sein sollten, sondern laut Industriestandard noch mindestens 70% ihrer anfänglichen Helligkeit liefern müssen (Lichtstromerhalt 0,7).

Bis dahin wären im Dauerbetrieb schon zweieinviertel Jahre vergangen, bei durchschnittlicher Nutzung von ca. drei Stunden täglich sogar rund 20 Jahre. Leider scheint Philips dennoch keine längere Garantie zu geben, die über die gesetzlichen zwei Jahre Gewährleistung hinausgeht. Vor allem Gewerbebetriebe, die solche Röhren gleich dutzend- oder hundertfach kaufen, würden sich vermutlich eine derartige vertrauensbildende Maßnahme wünschen.

Mein Testurteil:

Philips-LED-tube-10W-ausDie Entscheidung von Philips, Marken-LED-Röhren mit Starter-Dummy (Bild oben) für schlanke UVPs von knapp 15, 20 und 28 Euro anzubieten, verdient Respekt. Klar, dass Sie dafür derzeit noch keine Dimmbarkeit, exzellente Farbwiedergabe über Ra 90, EVG-Kompatibilität oder herausragende Effizienzwerte über 100 lm/W erwarten können. Oder ähnlich viel Lichtstrom wie bei den jeweils gleich langen, allerdings erheblich stromhungrigeren Leuchtstoffröhren.

Die Philips-”LEDtubes” sind einfache, nüchterne, “neutral-weiße” Lichtquellen, die ihre offiziellen Datenvorgaben teils leicht übertreffen. Ausgehend von der Messung der 60-cm-Röhre, können Sie vermutlich von ca. 850, 1680 und 2100 Lumen ausgehen. Klingt nicht sehr glamourös, ist aber schon viel mehr, als diverse Billig-”No name”-Lampen aus Fernost bieten können, die ihre ersten Niederlagen bei Labor-Nachmessungen erleben und ihre finale Schlappe nach relativ kurzer Zeit im harten, häufig auch gewerblichen Alltagseinsatz.

Weniger Flimmern und längere Garantie wäre für die Philips-LED-Röhren natürlich wünschenswert – insgesamt reicht es aber bei meiner neuen, bis fünf Sterne reichenden und sehr strengen LED-Bewertungsskala noch für
LED-SternLED-Sternzwei Sterne.

(Offenlegung: Die drei LED-Röhren hat mir “click-licht.de” gratis zum Testen gegeben.)

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