Doppeltest: Neue GU10-LED-Spots von Philips mit „DimTone“ und Ra 90

Zwei dimmbare GU10-LED-Spots habe ich aus dem Neuheiten-Sortiment von Philips zum Test ausgewählt: Den rund 4 Watt starken „DimTone“-Strahler mit stufenlos regelbarer Lichtfarbe und eine besonders farbtreue Lampe, die mit nur knapp 6 Watt herkömmliche 50-Watt-Halogenspots ersetzen kann. Auch die Laborwerte bestätigen: Beide werden ihren Ansprüchen weitgehend gerecht.

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Etwas über 10 Euro kostet der „Master LEDspot MV DimTone“ (links), knapp 12 Euro der „Master LEDspot Value CRI90“ mit offiziell 378 Lumen. (Fotos: W. Messer)

Standard-LED-Spots mit „warm-weißer“ Lichtfarbe, einem Farbwiedergabeindex von Ra 80 oder knapp darüber und zu Preisen um oder unter 5 Euro gibt’s inzwischen wie Sand am Meer – viel zu zahlreich und beliebig, um hier im Blog auch nur ansatzweise einen Überblick zu geben. Ausführliche Tests solcher 08/15-Strahler wären außerdem heutzutage wohl ähnlich spannend wie eine Analyse von destilliertem Wasser.

Schon aus Zeitgründen konzentriere ich mich deshalb auf LED-Retrofits mit besonderen Merkmalen, die’s eben nicht an jeder Ecke gibt und die gerne etwas teurer als der große Rest sein dürfen. Diverse neue „Master LEDspot“-Modelle von Philips mit zweifarbigem Gehäuse (unten anthrazit, oben dunkles Silber) erfüllen diese Ansprüche – zwei davon „made in China“ habe ich herausgepickt und regulär zum Testen gekauft.

Der 4-Watt-Halogen-Imitator

Philips-GU10-DT-Front„DimTone“-LED-Lampen von Philips gab es schon vor vier Jahren, wurden aber in letzter Zeit nicht mehr offensiv beworben. Das Prinzip: Beim Herunterdimmen sollen sie sich ähnlich wie Glüh- und Halogenlampen verhalten – also nicht nur dunkler werden, sondern auch immer „wärmer“ leuchten. Gibt’s natürlich nicht nur von Philips, sondern beispielsweise auch auch als „Sunset Dimming“ von LEDON oder als „Dim-to-Warm“ von Megaman.

In den USA promotet Philips solche Retrofits seit Kurzem wieder als „Warm Glow“, bei uns heißen die neuen Modelle nach wie vor „DimTone“, sind aber jetzt in bezahlbaren „Consumer“-Preisregionen gelandet und orientieren sich auch bei den Maßen an ihren traditionellen Vorbildern. So hat der nominell 4 Watt starke GU10-Spot 5 cm Durchmesser, 5,6 cm Gesamtlänge (mit Pins) und wiegt trotz stabilem Aluguss-Gehäuseunterteil und jeder Menge Elektronik drin nur 47 Gramm.

Fünf LEDs, eine tanzt aus der Reihe

Philips-GU10-Dimtone-top-anOben stecken unter einer Linsen/Streuscheiben-Kombination mit Bienenwaben-Struktur vier „warm-weiße“ SMD-Chips und in der Mitte eine bernsteinfarbenes Exemplar („Amber“), das bei hellster Einstellung komplett dunkel bleibt, sich erst beim Dimmen nach und nach ins Geschehen einmischt und auf unterster Stufe im Alleingang leuchten darf.

Die Packungsangabe „0% bis 100%“ trifft deshalb nicht ganz die Wahrheit; tatsächlich kriegen Sie je nach Dimmermodell auch bei kleinster Einstellung noch ein paar Lümchen Lichtstrom. Das Labor meines Blog-Kooperationspartners „David Communication“ ermittelte nach zwei Stunden „Einschwingen“ jedenfalls eine Spanne zwischen gut 338 Lumen bei 4,3 Watt (bzw. 283 lm innerhalb des EU-konformen Bemessungswinkels von 90 Grad, pdf-Download des Messprotokolls) und knapp 8 lm (pdf-Download). Eine Watt-Angabe wäre hier ziemlich sinnlos, weil dann in jedem Fall der Dimmer viel mehr Leistung frisst als die Lampe. Offiziell schafft der Spot maximal 280 Lumen Lichtstrom bzw. 600 Candela Lichtstärke.

Lichtfarben-Spanne sehr nahe an der Vorgabe

Philips-GU10-Dimtone-AufdruckDie Farbtemperatur konnte im Labor stufenlos zwischen ca. 2660 und 2160 Kelvin verändert werden. Das liegt ausreichend nahe an der nominellen Spanne von 2700 bis 2200 K (siehe Lampenaufdruck rechts) und am Eindruck eines Halogenstrahlers. Interessanterweise war die „DimTone“ im gedimmten Zustand auch noch einen Tick farbtreuer – zumindest laut den Laborwerten: Ra 84,6 statt Ra 82,4 – zudem mit klaren Vorteil bei der Wiedergabe von sattem Rot (Zusatz-Messfarbe R9 = 21,2 statt 11,4) und erstaunlicherweise auch bei „Blau gesättigt“ (R 12 = 88,3 gegen 72,5).

Vergleichen wir mal meine neuen Farbtreue-Standardmotive – eine rote Ducati „1199 Panigale“ und eine blaue Yamaha „YZF-R1“ auf weißem Untergrund, aufgenommen mit Weißabgleich „Tageslicht“, ohne Nachbearbeitung. Zuerst die hellste Stufe – ohne Mitwirkung der bernsteinfarbenen LED:

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Das wirkt durchschnittlich farbtreu, nicht wirklich sensationell – so wie bei den meisten LED-Spots der Ra-80-Klasse. Auffällig sind aber die irritierenden Multi-Schatten durch die vier unterschiedlich positionierten Chips. Das können „Single LED“-Strahler mit Reflektor-Optik besser. Und jetzt nochmal in „extra-warm-weiß“ mit nur einer aktivierten LED und sehr wenig Licht:

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Natürlich hatte hier die Belichtungsautomatik der Kamera ihre liebe Mühe, noch was Verwertbares zu zaubern und lässt vor allem das blaue Moped ziemlich im Dunkeln verhungern. Dennoch wird deutlich: Das Rot wirkt röter; der Hintergrund tendiert viel mehr nach Orange und es gibt nur einen, klar definierten Schattenwurf.

Lichtkegel teils enger als erwartet

Auch die Spektraldiagramme mit der Strahlungsverteilung in Milliwatt pro Nanometer Wellenlänge zeigen die Unterschiede. Hier die „DimTone“ bei voller Leistung:

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Und hier als „Bernstein-Funzel“ auf unterster Dimmstufe:

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Der „Color Peak“ rutscht ein Stückchen von ca. 608 nm nach gut 618 nm in Richtung Rot; die kleinere Bergspitze bei Königsblau schrumpft zu einem Mini-Hügel. Soweit war das alles zu erwarten. Überraschender dagegen die Unterschiede beim Abstrahlverhalten, die sich erst durch die Kenntnis der LED-Chip-Positionierung erklären. Der nominelle Halbwertswinkel von 40 Grad wird in keinem Fall erreicht – das Labor ermittelte maximal 35,4 Grad (pdf-Download des Diagramms). Tatsächlich wirkt aber der Lichtkegel mit den vier äußeren LEDs zumindest im ersten Drittel ziemlich breit:

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Erheblich fokussierter wird der Eindruck, wenn nur die mittlere „Amber“-LED leuchtet:

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Die Hell-Dunkel-Grenzen sind stärker definiert; es fällt prozentual weniger Streulicht an. Also ändert der „DimTone“-Spot beim Dimmen gleich vier Parameter stufenlos: Helligkeit, Farbtemperatur, Abstrahlcharakteristik und Schattenwurf.

Richtig dunkel wurde es mit keinem Test-Dimmer

Apropos Dimmbarkeit: Ich habe die Lampe mit vier sehr unterschiedlichen Reglermodellen umfassend ausprobiert – von nicht justierbaren Ehmann-„be“-Phasenabschnittdimmer aus dem Baumarkt bis hin zum umschalt- und justierbaren Merten-Universaldimmer. Dazu könnte ich locker 100 Zeilen schreiben; ich fasse es aber mal so zusammen: An Phasenabschnittdimmern surrte der Spot vor allem bei dunkelster Einstellung ziemlich leise. In stiller Umgebung war das maximal bis 10 cm Distanz hörbar.

Teilweise blieb aber die Regelspanne etwas zu eingeschränkt, so dass die „wärmste“ Farbtemperatur nicht erreichbar war. In keinem Fall war die „DimTone“ problemlos bis zur völligen Dunkelheit regelbar. Je nach Reglerstellung „fadete“ das Licht nach dem Einschalten innerhalb etwa einer Sekunde ein (die „Amber“-LED etwas schneller als die vier anderen Chips) und benötigte nach dem Ausschalten etwa zwei Sekunden zum völligen Erlöschen.

Mit Phasenanschnitt-Dimmung verstärkte sich das Surren erheblich. Bei dunkler Voreinstellung reichte das für über 50 cm Distanz, dazu meldeten sich die Dimmer selbst teils mit noch lauterem Störgeräusch – vor allem ein Modell von Jung, wenn die untere Schwelle sehr niedrig justiert war.

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Flimmern ist vermutlich hier kein Thema

Unabhängig vom Dimmermodell war immerhin eine ziemlich gleichmäßige und stufenlose Regelung möglich; das Kamera-Display zeigte in keinem Fall ein Flackern oder Flimmern. Die „Flicker Tester“-App von Viso Systems registrierte bei der 100-Hertz-Bezugsfrequenz eine Spanne zwischen Index 0,0 sowie fast optimalen 10% (bei hellster Stellung des Jung-Dimmers) und 0,1 sowie schlechte 50% (dunkelste Stellung, ebenfalls beim Jung). Inzwischen haben die dänischen Messgerätehersteller jedoch gegenüber einem Fastvoice-Blogleser eingeräumt, dass in ihrer App offenbar eine Fehlkalkulation steckt; deshalb können Sie wahrscheinlich zumindest die höheren Werte getrost ignorieren.

Natürlich leuchtete der Spot bei mir aus messtechnischen Gründen auch an einem stinknormalen Schalter, obwohl das in der Praxis keinen Sinn machen würde. Hier zog er nach zwei Stunden Dauerbetrieb 4,4 Watt bei einem elektrischen Leistungsfaktor von 0,82, blieb komplett still und wurde in meiner offenen, hängenden Testfassung an der heißesten Gehäusestelle am Sockel maximal 50 Grad warm. Am Lichtaustritt blieb’s bei moderaten 30 Grad. Die Einschaltverzögerung betrug höchstens eine Viertelsekunde, das „Fading“ nach dem Ausschalten dauerte gut zwei Sekunden – wie an den Dimmern.

Mein Testurteil:

Philips-GU10-DT-DatenSchön, dass es die „DimTone“-Technik von Philips jetzt auch in echten Retrofit-Maßen und zu vernünftigen Preisen gibt. Solche LED-Lampen waren früher mal viel länger und teurer.

Wer das Dimmverhalten von Halogenstrahlern liebt, wird auch mit diesem gut 4 Watt starken LED-Spot für rund 10 Euro gut klarkommen. Die Nennlebensdauer von 50.000 Leuchstunden und Schaltzyklen (siehe Packungsausschnitt) ist überdurchschnittlich; die Helligkeit von über 280 Lumen übertrifft die EU-Äquivalenzvorgabe für 35-Watt-PAR16-Halos (200 lm) erheblich. Das Stromsparpotenzial liegt deshalb bei rund 90% und das EU-Ökolabel A+ wird problemlos erreicht.

Als kleine Kritikpunkte bleiben die eher durchschnittliche Farbtreue, die teils eingeschränkte und nicht wirklich lautlose Dimmbarkeit sowie die Änderungen von Lichtkegel und Schattenwurf beim Dimmen. Auf meiner strengen LED-Bewertungsskala reicht das locker für
drei Sterne.

Der kompakte Farbtreue-Meister

Philips-GU10-5,4W-FrontBis zu 8 cm lang waren bisher die besonders farbtreuen, dimmbaren Profi-LED-Spots von Philips – gar nicht zu reden von den horrenden Preisen. Die kompakteren Strahler beließen es dagegen bei Farbwiedergabeindex Ra 80. Jetzt gibt’s aber endlich helle „Master LEDspot“-GU10-Lampen mit offiziellen Ra 90, nur 5,7 cm Gesamtlänge (inkl. Pins), 5 cm Maximaldurchmesser, 45 Gramm Gewicht und für knapp 12 Euro.

Die offiziellen 378 Lumen sind weit mehr, als die EU für den Ersatz von 50-Watt-PAR16-Halos verlangt; die „warm-weiße“ Farbtemperatur von ca. 2700 Kelvin entspricht etwa der ihrer Vorbilder. Um Welten länger ist jedoch die Nennlebensdauer dieser LED-Retrofit: 50.000 Leuchtstunden und Schaltzyklen. Sollte also bei durchschnittlicher Nutzung mehrere Jahrzehnte halten, wenn uns Philips hier nicht anschwindelt.

Der passt gut in viele Strahlergehäuse

Philips-GU10-Spots-PassungTatsächlich sind die überprüfbaren Angaben überwiegend realitätsnah: „Perfect Fit“ stimmt sogar bei meinen kurzen Zwillings-Strahlergehäusen, wie das Foto links zeigt – oben der nur leicht herausragende 5,4-Watt-Spot, unten der etwas kürzere „DimTone“-Strahler.

Das Silbergrau passt ebenfalls ganz gut zu zahlreichen Leuchtentypen; den anthrazitfarbenen Sockel sieht man meistens sowieso nicht. Unter der Kunststoff-Abdeckhaube mit peripherer Bienenwaben-Streuscheibe werkelt eine völlig andere LED-Technik als beim oben getesteten Strahler. Statt mehrerer SMD-Chips leuchtet hier inmitten einer Reflektor-Optik Philips-GU10-5,4W-top-anein kompaktes „CoB-Array“ aus zahlreichen Einzel-LEDs, die in der Summe eine weitgehend homogene Lichtfläche erzeugen.

Der nähere Blick von oben demonstriert das Prinzip, das inzwischen bei immer mehr LED-Strahlern verschiedener Hersteller angewendet wird. Einer der großen Vorteile ist die Halogen-ähnliche Anmutung des Lichtkegels und die Vermeidung von mehrfachen Schattenwürfen, wie sie häufig bei Multi-LED-Spots auftreten (siehe das erste Farbtreue-Foto der „DimTone“ oben).

Brilliant leuchtende Farben von Rot bis Blau

Sehr klar definiert sind dagegen die Schatten bei diesem Strahler, der noch dazu für einen „Wow!“-Effekt bei der brillianten Abbildung der beiden Modell-Mopeds sorgt (Weißabgleich „Tageslicht“, ohne Nachbearbeitung):

Philips-GU10-5,4W-Farbtreue

Das nenne ich mal eine wirklich gelungene Farbwiedergabe, die zwar das satte Rot ein wenig ins Orange zieht, aber auch bei Tiefblau nicht schlapp macht, den weißen Untergrund vergleichsweise minimal einfärbt und die schwarzen Teile glänzen lässt. Das Profi-Labor bestätigte meinen Eindruck nach zwei Stunden „Einschwingen“ mit den Messwerten Ra 93,8 für den „allgemeinen Farbwiedergabeindex“, 85,3 für die Zusatzfarbe „Blau gesättigt“ (R12), 58,4 für „Rot gesättigt“ (R9), 96,1 für „Hautfarbe Rosa“ (R13) und 2649 Kelvin für die Farbtemperatur (pdf-Download des Messprotokolls).

Das Spektraldiagramm zeigt eine etwas wellige, aber breit gespannte Linie – mit einer Farbspitze bei rund 624 Nanometer und einer für „warm-weiße“ LED-Lampen typischen Dominante bei knapp 584 nm:

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Hier spielt sich auch nach rechts in Richtung Tiefrot mehr ab als bei der „DimTone“ im „extra-warm-weißen“ Modus, ohne dass das Licht irgendwie übertrieben rötlich erscheinen würde.

Hier gibt’s zwei Lichtkegel zum Preis von einem

Beim Dimmen ändert sich diesmal auch nichts an der Abstrahlcharakteristik, die laut Labor einen recht engen Halbwertswinkel von 34,7 Grad aufweist (pdf-Download des Diagramms) und damit etwas unter der Werksvorgabe von 40° bleibt. In meinem Leuchtbild sieht das so aus:

Philips-GU10-5,4W-Leuchtbild

Sie kriegen also von einer Lampe zwei Lichtkegel: Einen schwachen und recht breiten direkt am Lichtaustritt (verursacht durch den „Bienenwaben“-Streuscheibenkranz), und einen sehr starken, engeren und weit reichenden in der Mitte, wo sich die CoB-LED gebündelt austoben kann.

Philips-GU10-5,4W-AufdruckDie Ulbricht-Kugel sammelte innerhalb des EU-konformen 90-Grad-Winkels für Akzentbeleuchtung 370 Lumen Lichtstrom ein; insgesamt waren es knapp 409 lm. Das kleine Delta von rund 40 lm spricht also für einen ziemlich geringen Streulichtanteil, und die Werksvorgabe von 378 lm (siehe Lampenaufdruck rechts) wird bei Berücksichtigung der Messtoleranz erreicht. Glaubhaft ist deshalb auch der offizielle Lichtstärke-Wert von 800 Candela, der selbst in mehr als fünf Meter Entfernung auf der 0-Grad-Achse noch eine problemlose Buchlektüre ermöglicht.

Watt-Angabe wird nur leicht übertroffen

Philips-GU10-5,4W-LabelDafür braucht dieser „Master LEDspot“ jedoch ein Fitzelchen mehr Strom als versprochen: Statt 5,4 waren’s im Labor 5,8 Watt mit einem elektrischen Leistungsfaktor von 0,87; bei mir hatte ich 5,7 W und 0,85 gemessen. An der Einstufung in die EU-Effizienzklasse A+ (Label links) ändert das jedoch nichts; die aufgerundete Pflicht-Verbrauchsangabe „6 kWh/1000h“ passt sowieso.

In meiner offenen, hängenden Testfassung nahm der Strahler an einem normalen Schalter nach knapp 0,5 Sekunden Bedenkzeit seine Arbeit auf, wurde nach zwei Stunden an der heißesten Stelle nahe des Sockels höchstens 60 Grad warm – unten an der Streuscheibe waren’s maximal 30° – und zeigte keine nennenswerte Ausschaltverzögerung.

Teilweise sehr lange Einschaltverzögerung

Philips-GU10-5,4W-DatenLetzteres gilt auch für den Einsatz am Dimmer; dafür steigt aber die Einschaltverzögerung bei sehr dunkler Voreinstellung auf teils bis zwei Sekunden an (Merten-Universaldimmer im Phasenabschnittmodus). Die Packungsangabe „Instant 100%“ (siehe Ausschnitt rechts) trifft also nicht die Realität. Hier ist es allerdings bei justierbaren Dimmermodellen teilweise sogar möglich, den Spot analog zum Herstellerversprechen zwischen 0 und 100 Prozent zu regeln (gilt beispielsweise für Jung-Phasenanschnittdimmer sowie Merten im Phasenanschnitt-Modus).

Bei Phasenabschnitt-Regelung sank die Leistungsaufnahme aber selbst bei den justierbaren Modellen nie unter 2 Watt (Merten, Gesamtleistung inklusive Dimmer), was zumindest noch für ein paar Lumen reichte. Eine seltsame „Nachlauf“-Tendenz zeigte der Jung-Dimmer: Bei ihm reagierte der Philips-Spot teils mit über einer Sekunde Verzögerung auf Schalt- und Regelbefehle.

Surren ist ein Thema, Flimmern eher nicht

In Sachen Surren gilt in etwa das Gleiche wie beim Philips-„DimTone“-Strahler: Phasenanschnittdimmer sorgen für erheblich lautere Geräusche, die bei dunklen Einstellungen und stiller Umgebung bis zu 75 cm (Dimmer) bzw. 50 cm (Spot) Distanz hörbar sind. Mit Phasenanschnittdimmern blieb’s dagegen komplett still (Sygonix) oder fast geräuschlos. Beim nicht justierbaren Ehmann-„be T46“-Abschnittdimmer aus dem Baumarkt konnten aber weder die Regelspanne (2,4 bis 5,9 W Gesamtleistung) noch die Charakteristik überzeugen: Im unteren Helligkeitsbereich viel zu grob, im oberen Spektrum sehr feinfühlig. Hier machte sich die fehlende Justierbarkeit bemerkbar – einer der seltenen Fälle der jüngsten Tests, bei dem dieser Dimmer nicht meine erste Wahl wäre.

Weitgehend proportional zu den Surrgeräuschen verliefen die Flimmer-Messkurven der dänischen „Flicker Tester“-App. Während es am Schalter sowie bei sehr hellen Dimmereinstellungen Werte zwischen Index 0,0 sowie hervorragende 10% Rate und 0,1 sowie 24% gab, kletterten sie bei sehr dunklen Stufen auf bis zu Index 0,2 sowie 55% Rate. Faustregel: Je dunkler der Dimmer regeln konnte, desto schlechter fielen die Flimmer-Werte aus. Tatsächlich zeigte das Display meiner Kamera jedoch bei keiner Konstellation ein merkliches Flimmern des Bildes. Mit dem bloßen Auge war ebenfalls nichts Nachteiliges zu sehen – vermutlich wieder ein Beispiel für die unzuverlässigen Messungen dieser Gratis-App.

Mein Testurteil:

Philips-GU10-5,4W-FrontHelligkeit, Farbwiedergabe, Nennlebensdauer und Abstrahlcharakeristik sind die Stärken des neuen GU10-„Master LEDspot Value CRI90“ von Philips. Die Hitzeentwicklung ist moderat, Effizienz (ca. 65 Lumen/Watt) und Stromsparpotenzial (rund 90% gegenüber 50-Watt-Halogenstrahlern) überdurchschnittlich. Dass es je nach Dimmermodell auch mal ein unerwünschte Geräusche und Effekte (Einschaltverzögerung!) geben kann, ist in der LED-Welt immer noch die Regel und leider mit herkömmlicher Regeltechnik nur schwer in den Griff zu kriegen.

Wem Leistungsbedarf, Abstrahlwinkel oder die „warm-weiße“ Farbtemperatur des Testmodells nicht gefallen, hat die Auswahl zwischen weiteren Ra->90-Varianten von Philips mit 4 Watt, 25 Grad und/oder 3000 und 4000 Kelvin. Der „Straßenpreis“ von knapp 12 Euro ist – verglichen mit diversen Konkurrenz-Strahlern – für einen dimmbaren Spot mit einem Ra-Wert von knapp 94 und in dieser Leistungsklasse derzeit absolut okay. Dafür rückt meine bis „Fünf“ reichende LED-Bewertungsskala doch gerne
LED-SternLED-SternLED-SternLED-Sternvier Sterne ’raus.

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Im Test: Sigalux-„Double Click“-Lampe – darf’s ein bisschen mehr sein?

Normale LED-„Birnen“ haben eine bestimmte Lichtfarbe und lassen sich eventuell auch dimmen. Die Sigalux-„Double Click“-E27-Retrofit kann etwas mehr und braucht dazu nur einen simplen Lichtschalter. Der aktiviert – je nach Ihrem Wunsch – zwei Farbtemperatur-Stufen mit unterschiedlicher Helligkeit.

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Bei der Sigalux-„Double Click CCT DIM“-Lampe können Sie mit einem doppelten, schnellen Schalterdruck zwischen „warm-weißer“ (links) und „neutral-weißer“ Lichtfarbe wechseln. (Fotos: W. Messer)

Sigalux-12W-DC-ausDas „Double Click“-Prinzip ist natürlich keine originäre Erfindung des Kölner LED-Importeurs Sigalux oder des anonymen chinesischen Herstellers der Testlampe. LEDON nutzt beispielsweise die wiederholte, schnelle Schalterbetätigung schon lange zur Einstellung verschiedener Helligkeitsstufen einiger LED-Lampenmodelle und kündigte bereits im März zwei dimmbare E27-„Dual Color“-Varianten mit je zwei auf Knopfdruck wählbaren Farbtemperaturen an (2700/4000 Kelvin bzw. 2000/2700 K).

Bis jetzt ist mir diese Neuheit allerdings nur auf der Fachmesse „eltefa“ in Stuttgart begegnet und noch nicht im offiziellen Sortiment. Das nicht dimmbare Sigalux-Pendant (Bild rechts) gibt’s dagegen seit einiger Zeit völlig problemlos im Handel gegen aktuell rund 15 Euro Ablösesumme (UVP: 19,99 €). Was genau Sie dafür bekommen, wird beim Blick auf die Verpackung jedoch nicht in jedem Fall klar. Während Ihnen nämlich oben 806 Lumen Lichtstrom im „warm-weißen“ 2700-K-Modus versprochen werden …

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Sigalux-Pack1… können Sie auf einer Packungsseite in der englischen „Operation Instruction“ (Bedienungsanleitung, Abbildung links) ganz andere Werte lesen: 780 lm bei 2700 K und 920 lm bei 4000 K. Um es vorweg zu nehmen: Nichts davon trifft exakt die im Profi-Labor von „David Communication“ ermittelten Werte. Die Sigalux ist nämlich eine Streber-LED-Lampe, die besser sein will als ihre offiziellen Daten.

Das geht schon bei der nominellen Leistungsaufnahme von 12 Watt los. Die unterbietet sie nach zwei Stunden Dauerleuchten in beiden Modi (11,5 bei „warm-weiß“, 11,4 W bei „neutral-weiß“). Der elektrische Leistungsfaktor lag sowohl im Labor als auch laut meinem „Energy Master Profi-2″ zwischen 0,52 und 0,53. In der offenen, hängenden Testfassung zeigte das Infrarot-Thermometer an der heißesten Stelle des Gehäuses – nahe des Sockels – 72 Grad, an der Haube unten waren’s gefahrlos berührbare 32 Grad.

Schnelle Reaktion, kein Flimmern, fast lautlos

Im kalten Zustand gab es nach dem Einschalten nach maximal einer halben Sekunde volles Licht; eine merkliche Verzögerung beim Umschalten zwischen den beiden Lichtfarben müssen Sie genau so wenig befürchten. Akustisch spielt die Sigalux ebenfalls fast die Musterschülerin: Selbst in absolut stiller Umgebung ist nur ein minimales Surren bis ca. 5 cm Distanz zu hören.

Sigalux-12"-DC-Flicker-wwBei meinen Foto-Sessions zeigte das Kamera-Display keinerlei Flimmern; auch die „Flicker Tester“-App von „Viso Systems“ stellte der „Double Click“ ein sehr gutes Zeugnis aus. Die bei „warm-weißer“ Einstellung gemessenen Werte Index 0,0 und nur 3% Flimmer-Rate (Screenshot rechts) waren im „neutral-weißen“ Modus identisch.

Bis hierhin agierte die Sigalux-Lampe also vorbildlich. Wie wär’s zur Abwechslung mal mit einem kleinen Haar in der Suppe? Puh – das wird schwierig! Vielleicht finden wir das ja beim voluminösen (12 cm lang, bis 6 cm breit) und schweren (190 Gramm) weißen Metallgehäuse? Dessen Bauform mit relativ kleiner, lückenlos aufgesetzter Haube erinnert mich an leistungsstarke Osram-„LED Star Classic“-Retrofits.

Einen runden Lichtkegel kriegen Sie nicht

Nachteil dieses Designs: Die Abstrahlung kann trotz der Streuwirkung des matten Lampenglases nicht wirklich rund ausfallen. Tatsächlich ermittelte das Labor nur rund 161 Grad Halbwertswinkel (pdf-Download des Diagramms), was sich in meinem Leuchtbild so auswirkt:

Sigalux-12W-DC-Leuchtbild

Viel Lichtstärke also nach oben und zu den Seiten, aber nur wenig nach unten in Richtung Sockel. Wenn Sie diese Lampe hängend über dem Tisch leuchten lassen, kehrt sich die Wirkung natürlich um: Dort, wie Sie’s brauchen, wird’s überdurchschnittlich hell (übrigens auch deutlich heller als mit einer traditionellen 60-Watt-Glühlampe) – dagegen kriegt die Decke kaum was ab. Das war’s aber auch schon mit der Kritik an der Sigalux-„Double Click CCT DIM“ – ab jetzt wird wieder gelobhudelt.

Helleres und farbtreueres Licht als versprochen

Sigalux-Pack2Was die Ulbricht-Kugel bei beiden Farbtemperaturen an Lichtstrom einsammelte, übertraf alle Erwartungen: Gut 888 Lumen waren’s bei fast exakt 2700 Kelvin (pdf-Download des Messprotokolls) und fast 964 lm bei 3810 K (pdf-Download). Dass die zweite Lichtfarbe etwas wärmer ausfiel als die offiziellen 4000 K, fällt in der Praxis nicht groß auf. Als ziemlich neutrales Arbeitslicht – beispielsweise über’m Schreibtisch – taugt es dennoch.

Kurioserweise präsentierte sich die Sigalux im „neutral-weißen“ Modus sogar als die insgesamt bessere LED-Lampe, weil sie nicht nur deutlich heller, sondern auch farbtreuer leuchtete: Farbwiedergabeindex Ra 85 („warm-weiß“: Ra 83) – mit anständigen Werten bei den schwierigen Zusatz-Messfarben „Rot gesättigt“ (R9 = 23,2 gegen schlappe 9,7) und „Hautfarbe Rosa“ (R13 = 85,4 gegen 84,9).

In den Standard-Farbtreue-Fotos mit der roten Ducati 916 im Kleinformat auf weißem Untergrund zeigt sich das so (Weißabgleich „Tageslicht“, ohne Nachbearbeitung, links „warm-weiß“, rechts „neutral-weiß“):

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Links tendiert das Rot stark nach Orange, rechts wird es realitätsnäher abgebildet; die schwarze Sitzbank und die weiße Unterlage kommen dort erwartungsgemäß sowieso besser zur Geltung. Noch eindeutiger wird der Vorsprung der „kälteren“ Farbtemperatur, wenn das abgebildete Objekt überwiegend tiefblau ist:

Sigalux-12W-ww-nw-Farbtreue-blau

Links wird deutlich, dass die „warm-weiße“ Einstellung erhebliche Schwächen bei der Blau-Wiedergabe hat und keine annähernd realistische Darstellung der Farbe liefern kann. Die dazu gehörenden Spektraldiagramme offenbaren, dass der „neutral-weiße“ Modus insgesamt ausgeglichener erscheint und auch nach rechts in Richtung Rot nicht schwächelt. Die „Color Peaks“ liegen mit ca. 593 Nanometer (ww, erste Grafik) und rund 607 (nw, zweite Grafik) recht nahe beieinander, die „Color Dominants“ mit 580 und 585 nm noch mehr:

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Sigalux-DC-Spektrum-nw

Der Unterschied liegt hauptsächlich in der Extraportion Blau der unteren Kurve. In der „neutral-weißen“ Einstellung kriegen Sie also von fast allem mehr: Mehr Helligkeit, mehr Farbtreue, mehr Effizienz – aber nicht mehr Stromverbrauch, weil sich die Leistungsaufnahme beim Umschalten nicht nennenswert ändert.

Mein Testurteil:

Sigalux-Pack-vorneNatürlich können Sie sich fern- und variabel Farb– oder Farbtemperatur-steuerbare LED-Lampen mit gekoppelter Helligkeitsregelung kaufen, wenn sie Ihre Lichtszenarien maximal flexibel gestalten wollen. Kostet halt entsprechend Kohle.

Wenn Ihnen aber zwei weiße Lichtfarben und Helligkeitsstufen sowie eine schlichte Elektroinstallation mit Schaltern genügen, wenn Sie’s gerne einfach und übersichtlich haben wollen, dann könnten Sie mit der Sigalux-„Double Click CCT DIM“ für knapp 16 Euro glücklich werden.

Helligkeit und Farbtreue übertreffen die offiziellen Werte; die Nennlebensdauer ist mit 25.000 Leuchtstunden und 30.000 Schaltzyklen absolut okay. Einzige Einschränkung: Diese LED-Retrofit ist nicht wirklich rundstrahlend, sondern lässt den Raum unter dem E27-Schraubsockel unterbelichtet. Dafür gibt’s nach oben und seitlich mehr Schmackes – vor allem im „neutral-weißen“ Modus kann die Lampe deshalb locker eine 75-Watt-Glühlampe ersetzen. Das auf der Packung versprochene Stromsparpotenzial von ca. 85% ist also auch nicht übertrieben und die Sigalux verdient sich auf meiner strengen LED-Bewertungsskala solide
drei Sterne.

(Offenlegung: Ich habe die Lampe auf eigene Kosten regulär gekauft und werde sie künftig Alltags-dauertesten.)

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