LED-Tagebuch (KW 08/15*): ELV-Deals, Leucht-Wodka, Soraa-“Light Engines”

Immer wieder sonntags: Eine Wochen-Rückschau auf die Kurzmeldungen im “Blog-Telegramm” und in der Google+-Community “LED-Beleuchtung” – als LED-Tagebuch mit Updates und Ergänzungen.

LED-Kalender 2015


15.02.: Vielleicht sollten LED-Händler ihre Lampen nicht mehr mit konkreten Euro-Beträgen, sondern nur noch “zum Tagespreis” anbieten, wie’s bei frischem Spargel im Frühsommer üblich ist. Was nämlich gestern noch ein Sonderangebot war, könnte heute schon zu teuer sein.

ELV-LED-02-15-kleinZwei Beispiele aus dem neuesten Werbe-Flyer des Elektronik-Versenders ELV: Bei den “Beleuchtungs-Highlights” (Ausschnitt rechts, zum Vergrößern anklicken) sehen Sie “Müller-Licht”-E27-LED-“Birnen mit 810 Lumen. Das nicht dimmbare Modell soll 5,95 € einzeln bzw. 16,95 € im Dreierpack kosten (Stückpreis 5,65 €), die dimmbare Variante 8,95 €. Günstig? Eher nicht, wenn Sie sich die gleichen Lampen ab morgen bei Aldi Süd für 4,99 € im Doppelpack (nicht dimmbar, Stückpreis knapp 2,50 €) bzw. 7,99 € (dimmbar) holen können.

Teilweise konkurrenzfähig ist ELV bei den Zweiersets mit nicht dimmbaren Osram-“LED Star”-GU10-Spots. Umgerechnet knapp 4 Euro für ein Exemplar mit 4 Watt und 230 Lumen sind auf Marktniveau; rund 5 € für die helleren Winter-Palace-LED-Wodka5-W-Strahler werden anderswo schon unterboten. Immerhin behauptet sich ELV damit noch knapp gegen den aktuellen Aldi-Deal.


16.02.: Wie feiern LED-Fans einen feucht-fröhlichen Rosenmontag? Vielleicht zuerst mit einem Lampen-Großeinkauf bei Aldi Süd und anschließend mit einem Fläschchen “Winter Palace”-Wodka für rund 16 Euro (PR-Foto links). Dieses original russische, vierfach destillierte Wässerchen der höchsten Qualitätsstufe hat 40 Vo-Lumen-Prozent, ein Bergmotiv mit Struktur im Glas und ein LED-Modul im Boden.

Das macht in Kooperation mit der Flüssigkeit nicht nur blau, sondern auf Knopfdruck im Wechsel auch rot, grün und irgendwas dazwischen (die subjektiv empfundene Lichtfarbe und Farbtreue kann sich mit fortschreitender Leerung des Inhalts massiv ändern). Genügsamere Trinker kriegen den gleichen Effekt für ein paar Euro weniger mit der 0,7- oder Halb-Liter-Flasche. Mein Tipp: Wenn Sie keinen Bock auf harten Alkohol haben oder einfach nur Modell-unabhängige Lichteffekte bevorzugen, tut’s natürlich auch ein simpler LED-Untersetzer mit Farbwechsel.


17.02.: 280 Mitglieder hat jetzt die Google+-Community “LED-Beleuchtung” (Logo unten rechts) – gut zwei Jahre nach den ersten bescheidenen Anfängen. Seit November 2014 bedeutet das einen satten Zuwachs von 40%. Google+-02-15In den Rubriken “Diskussion”, “Neuheiten”, “Fragen”, “Beitrags-/Artikel-Hinweise” und “Aktuelle Sonderangebote” gibt es fast täglich kurze Beiträge mit Links zu aktuellen LED-Themen, die von allen Community-Mitgliedern gepostet und kommentiert werden können.

Inzwischen sind dort sogar individuelle “Multiple Choice”-Umfragen möglich. Theoretisch könnte damit beispielsweise ein LED-Anbieter spezielle Produktwünsche oder im Vorfeld die Resonanz auf geplante Leuchten- und Lampenmodelle erforschen.


Eigenwerbung Juni 2014


LEDON-G9-G4-neu-PR18.02.: Der österreichische LED-Spezialist LEDON bringt diese Woche stark verbesserte Nachfolger seiner “warm-weißen”, nicht dimmbaren Stiftsockellampen auf den Markt. Statt Ra 80 haben sie jetzt einen sehr guten Farbwiedergabeindex Ra 90, dennoch eine ordentliche Effizienz (EU-Ökolabel A+), mehr Helligkeit und erheblich breitere Abstrahlwinkel – zu gleichen Preisen wie die Vorgänger.

Die neue 3,5-W-G9-“Kapsel” (im PR-Bild links, nicht maßstabsgetreu, Datenblatt) bietet für knapp 10 Euro jetzt 200 statt 170 Lumen Lichtstrom mit 240° Halbwertswinkel und wird ab Freitag verfügbar sein. Die 1,5 W starke G4-Lampe (rechts, Datenblatt) ist bereits für 8,99 € bestellbar – mit 110 statt 100 lm und einer doppelt so breiten Hauptlichtkeule von 260°. Testexemplare erwarte ich in den nächsten Tagen.


Soraa-Light-Engines
19.02.: US-LED-Spezialist Soraa steigt laut Medienberichten ins Geschäft mit “Light Engines” ein (PR-Foto oben). Die Strahlerköpfe werden ohne Vorschaltelektronik an Leuchtenhersteller geliefert und sind mit handelsüblichen LED-Treibern kompatibel. Künftig wird es also die “GaN-on-GaN”-Technologie der besonders farbtreuen Soraa-“Vivid”-LED-Spots (Ra/CRI und R9 – “Rot gesättigt” – mit jeweils mindestens 95) auch von anderen Anbietern und nicht nur in LED-Retrofits geben.

Die “Light Engines” sind zum Marktstart in drei Größen erhältlich, mit 500 oder 1000 Lumen, vier Abstrahlwinkeln zwischen 4 und 36 Grad sowie vier Farbtemperaturen zwischen 2700 und 5000 Kelvin – auf Wunsch auch mit Kühlkörpern. Außerdem kann das von den Soraa-Retrofits her bekannte magnetische “Snap System” mit diversen Aufsatzscheiben übernommen werden, das in Sekundenschnelle flexible Lichtfarben- und Halbwertswinkel-Anpassungen erlaubt.


20.02.: Seit Dienstag bei YouTube zu sehen: Ein Werbevideo des “VDI Zentrum Ressourceneffizienz” über die “materialeffiziente Produktion von LED-Lampen”. Im Wesentlichen geht’s um die Entwicklung und Fertigung bei der hessischen Firma “carus”. Wer genau hinschaut, kann sogar einen Blick auf die Hitzeentwicklung der direkt nebeneinander zum Dauertest aufgereihten “Birnen” werfen:
Carus-Waermebild
Die “Fluke”-Wärmebildkamera (Video-Ausschnitt) zeigt in mehreren Filmeinstellungen rund 87 Grad als heißeste Kühlkörpertemperatur, bis zu 46 Grad auf den matten Hauben und 24 bis 25 Grad Umgebungstemperatur. Bei meinem Doppeltest erreichte die knapp 9 Watt starke “carus”-Lampe in einer hängenden, offenen Fassung laut IR-Thermometer maximal 75 Grad.


Philips-LEDcandle-Harrod1
Philips-LEDcandle-Harrods221.02.: Zwei Anläufe brauchte das Londoner Warenhaus “Harrods” für die LED-Umrüstung der Kristall-Kronleuchter seiner “Wedgwood“-Abteilung. Beim ersten Versuch waren die 208 Halogenlampen à 15 Watt wegen zu heftiger Hitzeentwicklung durch “normale LED-Kerzen” ersetzt worden. Die ließen aber laut Pressemitteilung das benötigte “funkelnde Licht” vermissen.

Jetzt seien dort ca. 4 W starke, warm-weiße “Master LEDcandle”-Lampen von Philips mit 250 Lumen Lichtstrom, 2700 Kelvin Farbtemperatur, klarer Haube und spezieller Prismenoptik im Einsatz (PR-Fotos oben und rechts). Mark Fleming, technischer Leiter von “Harrods”: “Die Lotuslinsentechnologie brachte den gewünschten Lichteffekt. Die Kronleuchter sehen jetzt brillant aus”. Außerdem spare man direkt 74% Strom und habe zusätzlich den Energieverbrauch der Klimaanlage reduziert.


* Diesmal mit etwas ausführlicherer Bezeichnung – als Reminiszenz an eine Redewendung, eine Roman-Trilogie von Hans Hellmut Kirst und die daraus entstandene Filmreihe.

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Doppeltest: Carus-LED-Lampen aus Hessen – teils besser als versprochen

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Schwacher Euro: Werden LED-Lampen jetzt teurer?

Rund 18 Prozent weniger wert als vor einem Jahr ist der Euro aktuell gegenüber Renmimbi/Yuan und US-Dollar. Weil ein großer Teil der LED-Lampen aus China kommt und globale Geschäfte häufig auf Dollar-Basis abgerechnet werden, müsste der schwache Kurs eigentlich die Preise bei uns hoch treiben. Tut er aber (noch) nicht – aus verschiedenen Gründen.

LED-Wechselkurs1
Kein sanftes Ruhekissen für LED-Lampenpreise: Chinesische, US-amerikanische und Euro-Geldscheine – mit teils großen Kursschwankungen. (Foto: W. Messer)

Ein Branchen-Insider erklärte mir voller Überzeugung: “So eine Discounter-Aktion mit Preisen wie Ende Januar bei Aldi Nord kann es in nächster Zeit erstmal nicht mehr geben. Dieser Deal wurde vermutlich schon im September 2014 vorbereitet, als der Euro noch stärker war.” Denn rein mathematisch ist die Sache klar: Ein schwacher Kurs macht Exporte aus dem Euro-Raum für andere Länder billiger, aber Importe zu uns teurer.

Wer also in Mitteleuropa LED-Lampen und -Leuchten anbieten will, die beispielsweise in China produziert wurden, würde aktuell mit erheblich höheren Kosten konfrontiert und hätte kaum noch Spielraum bei der Kalkulation von attraktiven Preisen. Eine Steigerung der Produktions- bzw. Einkaufsmenge – sonst ein beliebtes Mittel zur Senkung der Stückkosten – ist in diesem Fall keine Option, weil der Markt ohnehin schon mehr als gesättigt ist und die Absatzmenge nicht beliebig erhöht werden kann.

Branche spricht von “sensiblem, heiklem” Thema

In der Praxis ist der Zusammenhang “Devisen/Verbraucherpreise” jedoch nicht ganz so simpel, sondern “ein “sensibles” oder gar “heikles” Thema, wie es ein mittelständischer Anbieter und ein großer LED-Hersteller beschrieben. Keiner meiner Gesprächspartner wollte explizit genannt werden; auch deren Firmennamen kann ich nicht verraten. Branchenprimus Philips antwortete auf meine entsprechende Anfrage überhaupt nicht; die Osram-Presseabteilung zog ein ursprünglich öffentlich sichtbares Statement nachträglich zurück.

Immerhin könnte man vermuten, dass die Nummer zwei des weltweiten Lichtmarkts mit ihren Standorten recht gut aufgestellt ist: Der Münchener Konzern produziert seine LED-Retrofits schon seit längerer Zeit nicht nur in Fernost, sondern beispielsweise auch im italienischen Treviso und im bayerischen Eichstätt, wo Dollar- oder Renmimbi-Kurse nur beim Teile-Zukauf eine Rolle spielen. Dazu kommt, dass Osram Opto Semiconductors seine LED-Komponenten und -Module unter anderem in Regensburg fertigt. Das alles federt einen Teil der aktuell ungünstigen Währungseffekte ab.

Chancen für deutsche Produktionsanlagen

Carus-Halle Fronhausen

Diverse deutsche LED-Distributoren und -Importeure schauen sich deshalb seit einiger Zeit verstärkt europäische Zulieferer an, die eventuell chinesische Hersteller ersetzen könnten. Große Chancen eröffnen sich also unter anderem für LED-Lampen-Produzenten, die ohnehin schon einen großen Teil der Wertschöpfung in Deutschland haben – etwa “Carus” in Hessen (PR-Foto oben: Die neue Fertigungshalle in Fronhausen, siehe dazu auch dieses VDI-Video) oder “vosla” in Sachsen.

Während Sie diesen Beitrag hier lesen, läuft in Fernost, Europa und den USA eine ausgedehnte “Reisediplomatie” – mit harten Verhandlungsrunden, bei denen um jeden Stückkosten-Cent gefeilscht wird (aktuell etwas behindert durch die mindestens zweiwöchigen chinesischen Neujahrs-Feierlichkeiten). Dabei geht es in der Konsequenz allerdings nicht um die Ladenpreise in diesem Frühjahr, sondern vor allem um jene der nächsten “Lichtsaison” ab Spätsommer und Herbst.

Kurzfristig werden wir LED-Verbraucher nämlich kaum was merken von den Währungs-Wirren: “Die Endpreise bleiben erstmal weitgehend gleich; einen Anstieg erwarte ich nicht”, erklärte mir der Einkäufer eines Importeurs. Allenfalls werde sich der starke Preisverfall der letzten Monate und Jahre abschwächen. Preissteigerungen seien auf dem hart umkämpften LED-Lampen-Markt derzeit ohnehin kaum durchzusetzen.

Eigenwerbung Juni 2014

Absicherung mit “Devisen-Hedging”

Dass die zeitliche Kopplung zwischen Einkaufs- und Verkaufspreisen ähnlich träge ist wie die Wendigkeit eines Ozeandampfers, liegt auch an den langfristigen Kontrakten. Häufig werden Listenpreise für ein Jahr voraus festgelegt, Komponenten schon ein halbes Jahr vor dem Verkauf finanziert und Leuchten-Deals mit Industriekunden spätestens drei Monate vor Lieferung festgeklopft. Großaufträge können zudem mit “Devisen-Hedging” abgesichert werden, um das Risiko von Kursschwankungen langfristig auszuschalten.

Je nachdem, zu welchem Termin und bei welchem Kurs ein Einkäufer die Preise des Lieferanten fixiert oder währungstechnisch abgesichert hat, kann er selbst beim derzeit schwachen Euro prima LED-Geschäfte machen und günstige Endpreise anbieten. Möglich ist jedoch auch der umgekehrte Fall: So hatte die Fluggesellschaft Ryanair 90 Prozent des bis März 2016 benötigten Kerosins schon zu einer Zeit eingekauft, als der Ölpreis noch fast doppelt so teuer war wie im Moment. Die Folge: Der aktuelle Treibstoffpreis-Tiefflug geht fast spurlos an der Airline und ihren Passagieren vorbei – noch über ein Jahr lang.

Schweizer LED-Händler müssen massiv Preise senken

Richtig dumm läuft’s deshalb auch für viele LED-Händler in der Schweiz. Mit dem Ende des 1,20-CHF/Euro-Mindestkurses im Januar wurde der Franken plötzlich rund 20 Prozent teurer. Die heimische Kundschaft konnte also im benachbarten Euro-Ausland auf einen Schlag rechnerisch 20% billiger einkaufen als zuhause; die schweizerischen Shop-Preise wurden damit natürlich auch für deutsche, österreichische, französische oder italienische Käufer völlig unattraktiv.

Relativ gut dran ist höchstens, wer jetzt als Schweizer LED-Importeur keine langfristigen Kontrakte hat, mit dem starken Franken in Fernost ad hoc billiger einkauft als bisher und die CHF-Verkaufspreise entsprechend massiv senken kann, um einigermaßen konkurrenzfähig zu bleiben.

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