LED-Tagebuch (KW 16): Lidl-Leuchte, Osram-Vorstand, LFI, Bodenampeln

Immer wieder sonntags: Eine Wochen-Rückschau auf die Kurzmeldungen im „Blog-Telegramm“ und in der Google+-Community „LED-Beleuchtung“ – als LED-Tagebuch mit Updates und Ergänzungen.


Lidl-LED-Pendelleuchte-04-16
17.04.: 15 Euro billiger als im Herbst 2015 sind jetzt zwei LED-Pendelleuchten bei Lidl (Screenshot oben, nachbearbeitet). Die nur online für jetzt 34,99 Euro plus 4,95 € Versand lieferbaren „Livarno Lux“-Modelle kommen von „Briloner Leuchten“ aus dem Sauerland, sind 88 cm breit, zwischen 80 und 150 cm höhenverstellbar, haben vier fest verbaute Module à 12 bzw. 24 LEDs, mutmaßlich einen Halbwertswinkel von rund 120 Grad sowie Farbwiedergabeindex Ra 80 und strahlen mit insgesamt bis zu 1600 Lumen aus 22 Watt etwa so hell wie eine 100-W-Halogenleuchte.

Variante 1 hat eine feste Farbtemperatur von 3000 Kelvin („Warmweiß“) und kann mit einem integrierten Taster geschaltet und stufenlos gedimmt werden. Variante 2 (gilt aktuell als „ausverkauft“) ist nicht dimmbar, wechselt aber auf Befehl des seitlich platzierten Schalters die Lichtfarbe zwischen 3000, 4000 („Neutralweiß“) und 5000 K („Kaltweiß“). Die Lebenserwartung beider Modelle wird mit mindestens 20.000 Leuchtstunden und 15.000 Schaltzyklen angegeben. Hohe Anforderungen an die Verarbeitungs- und Lichtqualität dürfen Sie allerdings in dieser Discounter-LED-Preisklasse nicht stellen, wie einige Online-Rezensionen nahelegen.


real-LED-4-fuer-3-04-1618.04.: Vier LED-Lampen in beliebiger Sortierung zum Preis von drei (11,97 Euro) bietet „real,-“ in seiner aktuellen Werbebeilage an (Ausschnitt rechts, gültig vom 18. bis 23. April). Die Aktion gilt offensichtlich nur in den Warenhäusern; online kosten die drei nicht dimmbaren „No Name“-Modelle mit EU-Ökolabel A+ regulär jeweils 3,99 € plus Versand statt umgerechnete 2,99 €.

Sie haben die Auswahl zwischen einer E27-„Classic“ mit 8,8 Watt und 806 Lumen (Ersatz für 60-Watt-Glühlampe), einer E14-„Kerze“ mit 3,1 W und 250 lm (25-W-Ersatz) – jeweils mit matter Haube – sowie einem 5 W starken GU10-„Reflektor“-Strahler mit zentralem LED-Modul und 380 lm (50 W/PAR16-Halogen-Äquivalent).

Die Watt-Zahlen auf der „real,-“-Website sind allerdings durchweg falsch und nennen nur die EU-Referenzwerte für traditionelle Leuchtmittel. Außerdem fehlen sowohl online als auch im Prospekt die Pflichtangaben zu Farbtemperatur, Farbwiedergabeindex, Abstrahlwinkel, Farbkonsistenz und Nennlebensdauer. Schlamperei oder Vorsatz? Egal – in dieser Form ist die Werbung jedenfalls abmahnfähig.


Sigalux-12W-DC-WW-NW
19.04.: Wesentlich billiger als noch im Sommer 2015 kriegen Sie jetzt die rund 11,5 Watt starke Sigalux-„Double Click CCT“-LED-Lampe, die mittels normalem Lichtschalter zwischen zwei Farbtemperaturen wechseln kann (oben links „Warmweiß“, rechts „Neutralweiß“, Fotos: W. Messer): ELV bietet die nicht dimmbare „Birne“ aktuell für nur 2,95 statt 14,95 Euro an (+ 5,95 € Versand).

Da sie im Messlabor ihren Lichtstrom-Nennwert von 806 Lumen in beiden Einstellungen weit übertraf, können Sie wohl annähernd die Helligkeit einer 75-Watt-Glühlampe erwarten, müssen allerdings mit einem relativ engen Halbwertswinkel von ca. 160 Grad leben.


Eigen-Banner-03-15


Stefan-Kampmann-Bosch20.04.: Die Osram Licht AG baut ihren Vorstand um. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, beschloss der Aufsichtsrat die Verpflichtung des bisherigen Robert-Bosch-GmbH-Bereichsvorstands Stefan Kampmann (52, PR-Foto rechts) zum 1. Juli als Technikvorstand (CTO).

Er soll auf der neu geschaffenen Position im frisch umstrukturierten Konzern die Bereiche Forschung, Entwicklung, Technik sowie Innovation verantworten und parallel für bereichsübergreifende Themen wie die Qualitätssicherung zuständig sein.

Außerdem habe der Osram-Aufsichtsrat am Dienstag entschieden, die Stelle des Finanzvorstands (CFO) neu zu besetzen – „aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die strategische Entwicklung des Unternehmens“. klaus-patzakKeine echte Überraschung: Ex-Siemens-Manager Klaus Patzak (50, PR-Foto links) wurde in jüngster Zeit ein kritisch-distanziertes Verhältnis zum Vorstandsvorsitzenden Olaf Berlien und dessen ehrgeizige, teure Investitionspläne nachgesagt.

„Im besten Einvernehmen“ mit Patzak, der das Amt bis zu einer Vertragsauflösung vorläufig weiter ausübe, werde nun ein Nachfolger gesucht. Vor einem Jahr hatte das Kontrollgremium seinen Kontrakt noch vorzeitig bis zum 1. April 2021 verlängert. Das dürfte jetzt für eine ansehnliche Abfindung sorgen.


SylCone-Retro-Ensemble
21.04.: Einen ähnlichen Licht-Designansatz wie die bekannten „Plumen“-Leuchten aus Großbritannien verfolgt die neue „ToLEDo SylCone Retro“-Serie von „Feilo Sylvania“ (früher „Havells Sylvania“). Hier dienen ausladende, mundgeblasene E27-LED-Fadenlampen aus Glas gleichzeitig als Leuchtenkörper – SylCone Retro-GC200nur durch schlichte Pendelfassungen mit Decke und Stromnetz verbunden.

Die drei dimmbaren, 20 cm breiten, bis 17,5 cm hohen, ca. 200 Gramm schweren und rund 62 Euro teuren Retrofit-Varianten (PR-Fotos oben und rechts) holen aus 4,5 Watt und sechs CoB-„Filaments“ 470 Lumen (EU-Ökolabel A++) mit einer extra-„warmweißen“ Farbtemperatur von 2000 Kelvin, Farbwiedergabeindex Ra 80 und ca. 300 Grad Halbwertswinkel. Nennlebensdauer: 15.000 Leuchtstunden und über 50.000 Schaltzyklen.

Passend dazu gibt es von „Feilo Sylvania“ Pendel mit schwarzer, messing-, kupfer- oder nickelfarbener Fassung, außerdem Aufhängungen zum Einsatz als Decken- und Tischleuchte. Selbstverständlich funktionieren die Lampen aber auch mit jeder anderen E27-Fassung und 230 Volt Haushaltsstrom.


San-Diego-Convention Center
22.04.: Im sonnigen Kalifornien treffen sich ab diesem Sonntag Teile der globalen Licht-Branche. Das „San Diego Convention Center(PR-Foto oben) ist vom 24. bis 28. April erstmals Schauplatz der an wechselnden Orten abgehaltenen LFI-16-LogoUS-Fachmesse „Lightfair International(Hashtag #LFI2016, Logo links).

Los geht’s am Sonntag und Montag mit der „Pre Conference“; von Dienstag bis Donnerstag schließen sich eine große Ausstellung und ein umfangreiches Konferenzprogramm an. Zu der nach eigenen Angaben weltweit größten unter den jährlich stattfindenden Messen ihrer Art werden über 140 Referenten, rund 600 Aussteller und ca. 30.000 Besucher erwartet.

Einer der Höhepunkte ist die Vergabe der „LFI Innovation Awards“ an die bemerkenswertesten Kunstlicht-Produkte, -Erfindungen und -Designs der vergangenen zwölf Monate. Außerdem können Sie an einer Exkursion zur Stadtbahnhaltestelle „America Plaza station“ teilnehmen, die gerade mit einem dynamischen LED-Beleuchtungskonzept aufgehübscht wurde (Philips-PR-Foto unten).
America-Plaza-station


Tram-LED-Signal-Augsburg23.04.: Mal wieder ein neues LED-Projekt der Stadtwerke Augsburg (swa): Weil zahlreiche Smartphone-Nutzer beim Laufen den Blick häufig nicht nach vorn, sondern stur nach unten auf’s Display richten (typisches „Smombie“-Verhalten), übersehen sie beispielsweise Fußgängerampeln und Straßenbahnen.

An zwei Tram-Übergängen der Stadt, wo besonders viele Schüler und Studenten unterwegs sind, wurden deshalb diese Woche für insgesamt rund 20.000 Euro testweise rote LED-Leuchten entlang des Bordsteins in den Boden eingelassen (im swa-PR-Foto von Thomas Hosemann oben links zu sehen). Sie blinken gleichzeitig mit dem roten Ampelsignal und sollen so Kollisionen verhindern. Wer da noch in eine Straßenbahn ’reinläuft, dem ist wohl nicht mehr zu helfen.

Die Idee mit den „Bodenampeln“ ist übrigens nicht neu: Schon vor rund eineinhalb Jahren wurde sie als „i-level+“-System von den Kölner Verkehrsbetrieben testweise an drei Überwegen umgesetzt, nachdem es dort mehrere tödliche Unfälle gegegen hatte.


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Jux und Tollerei bei den aktuellen LED-Sonderangeboten von „toom“

Offenbar ist bei der Medikamentenausgabe für die „toom“-Baumarkt-Werbeleute neulich irgendwas schief gelaufen – oder es waren die Nachwirkungen einer wilden Party, die für die teils wirren Beschreibungen der aktuellen LED-Sonderangebote verantwortlich sind. Anders ist beispielsweise ein LED-Fluter mit „robustem Kunststoffgehäuse aus Metall“ kaum zu erklären.

toom-LED-Deckenleuchte-04-16

Fangen wir mit etwas relativ Harmlosen aus der aktuellen „toom“-Werbung an (KW 17, Prospektausschnitte, gültig vom 23. bis 29. April, regional unterschiedlich): Eine dank Schutzart IP44 Feuchtraum-geeignete, nicht dimmbare LED-Deckenleuchte für knapp 15 Euro soll jetzt 25% billiger sein als sonst. So weit, so gut.

Tatsächlich war diese „No Name“-Leuchte mit festverbauten LED-Modulen aber erst kürzlich ein „4-Wochen-Dauersparpreis“-Angebot – bis zum 26. März für 14,99 Euro. Wenn Sie also jetzt statt damals zuschlagen, sparen Sie ziemlich exakt null Prozent. Der Preis ist für die gebotenenen 850 Lumen Lichtstrom (deutlich heller als eine 60-Watt-Glühlampe, strahlt „kälter“ und stärker gebündelt) dennoch ganz okay.

Die Leistungsdaten gibt’s nur online

toom-LED-Fluter-04-16Eine Mischung aus Verwirrung, Erstaunen und Amüsement löst ein weiteres „toom“-Sonderangebot aus: Wetterfeste, 10 Watt starke LED-Fluter mit Schutzart IP54 gibt’s aktuell in drei Varianten für 11,99 bzw 16,99 Euro (statt 13,49, 17,49 und 19,99 €). Was genau Sie da jeweils bekommen, bleibt für Leser der Werbebeilage leider unklar, weil die Prospektangaben lückenhaft, teils falsch und teilweise sogar völlig absurd sind.

Die Online-Beschreibungen helfen immerhin etwas weiter – dort erfahren wir lobenswerterweise alle wichtigen Leistungsdaten: 800 Lumen, 6500 Kelvin Farbtemperatur („kaltweiß“), 110 Grad Halbwertswinkel, Farbwiedergabeindex mindestens Ra 80, 350 Candela maximale Lichtstärke, 25.000 Leuchtstunden bzw. 15.000 Schaltzyklen Nennlebensdauer. Falsch ist jedoch die beworbene Energieeffizienzklasse A. Bei Leuchten mit fest eingebauten LEDs ist nämlich nur die Angabe der Spanne „A bis A++“ zulässig.

Kunststoff mit Metall gemischt?

On- und offline bleibt ein Mysterium völlig im Dunkeln: Was sollen wir unter einem „robusten Kunststoffgehäuse aus Metall“ verstehen? Ist das etwa so ein neumodisches High-Tech-Hybrid-Polymer-Zeug aus der Weltraumforschung – eine geniale, sauteure Voodoo-Mischung aus Plastik und Blech, die sich auf verschlungenen Wegen konspirativ und in ein billiges Baumarkt-Sortiment verirrt hat? Ähm … nö.

Mein Vermutung: Das reine Leuchtengehäuse mit den 18 LED-Chips unter der Abdeckscheibe ist fast komplett aus Kunststoff, während Montagebügel und Tragegestell aus irgend einem Metall bestehen. Das würde jedenfalls weitaus eher einen Sinn ergeben als die kryptische „toom“-Werbung.

Wo genau gibt’s das Gestell mit Tragegriff?

toom-LED-Fluter-mit-SensorBleiben noch zwei Rätsel: Hat schon das billigste Modell so ein Metallgestell mit gepolsterten Griff, obwohl es bei der um 5 Euro teureren Version nochmal extra erwähnt wird? Und wird die im Prospekt nicht abgebildete Variante mit Bewegungsmelder ebenfalls inklusive Tragehilfe geliefert?

Ein Foto auf der „toom“-Website trägt zur Aufklärung bei (Screenshot links): Diese Sensor-gesteuerte Leuchte für rund 17 Euro hat offensichtlich nur einen verstellbaren Bügel zur Montage – etwa an der Außenwand Ihres Hauses. Das gilt mit ziemlicher Sicherheit ebenso für das sensorlose 11,99-Euro-Modell, obwohl die Beschreibung („mit gepolstertem Griff, mit Tragegestell“) was anderes suggeriert.

LED-Außenleuchte so teuer wie vor einem Jahr

Noch was aus dem Universum der zügellosen Marketing-Phantasie: Die „Up & Down“-LED-Außenleuchte soll jetzt mit knapp 13 Euro nur noch rund halb so teuer sein als sonst („statt 24,99 €“) und sogar das allerbeste EU-Ökolabel A++ haben:

toom-LED-aussenleuchten-04-16

Aufmerksame Blogleser werden sich jedoch daran erinnern, dass exakt dieses Modell schon vor einem Jahr bei „toom“ für 12,99 Euro zu haben war. Damals war auch die Beschreibung etwas klarer als heute: Im Gegensatz zur 9,99-Euro-„Down“-Variante steckt hier nicht nur ein Leuchtmittel drin, sondern zwei auswechselbare, nicht dimmfähige GU10-LED-Spots, die jeweils aus 3 Watt 200 Lumen mit „warm-weißen“ 3000 Kelvin und unbekanntem Abstrahlwinkel produzieren – insgesamt also 400 lm.

Deren Energieeffizienzklasse wurde im April 2015 noch mit A+ beworben. Dieses Jahr war das den enthusiastischen Prospektmagiern offenbar zu bescheiden – sie legten noch ein „Plus“ drauf, was man als humorloser Käufer durchaus für eine Verbraucherverwirrung halten könnte. Tatsächlich sind die 230-Volt-Strahler unbekannter Herkunft mit einem Energieeffizienzindex von rund 0,13 ein Grenzfall, wo schon ein paar Lümchen mehr oder weniger den Unterschied zwischen A+ und A++ ausmachen können. Und wie heißt es so schön in den On- und Offline-Werbungen? „Irrtümer u. Preisänderungen vorbehalten“. Es muss also nichts von dem stimmen, was da im Prospekt steht.

Deko-LED-Leuchte mit Solarstrom-Versorgung

Keine Ökolabel-Pflicht gibt es für die im Prospektausschnitt oben rechts abgebildeten LED-Außen-Wandleuchte mit Solarpanel oben drauf für 14,99 Euro. Die soll dank eingebautem Akku rund acht Stunden lang bis zu 25 Lumen „kaltweißes“ Licht liefern. Die fest eingebaute Leuchtdiode hat also mutmaßlich rund 0,3 Watt, wird von einem Dämmerungssensor aktiviert und strahlt dann maximal so hell wie eine 5-W-Glühlampe. Das taugt natürlich nur als Deko- oder Positionslicht, keinesfalls zur wirklichen, unfallverhütenden Ausleuchtung eines Fußwegs am Haus oder im Garten.

Die angegebene Leuchtdauer kann sowieso nur erreicht werden, wenn der Akku eine echte Kapazität von mindestens 2400 mAh hat und vom kleinen Panel tagsüber voll aufgeladen wird. Das dürfte wohl nur bei Idealbedingungen im Hochsommer und an durchweg schattenfreien Stellen möglich sein – wozu Hauswände definitiv nicht gehören. Vermutlich können Sie schon froh sein, wenn die Leuchte nachts sechs Stunden lang durchhält.

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