LED-Tagebuch (KW 42): Helle OLEDs, XXXL-Aktion, Osram-Orange, Attralux

Immer wieder sonntags: Eine Wochen-Rückschau auf die Kurzmeldungen im “Blog-Telegramm” und in der Google+-Community “LED-Beleuchtung” – als LED-Tagebuch mit aktuellen Updates und Ergänzungen.
Lumiblade-brite-FL300
12.10.: “Innerhalb der nächsten sieben Tage” sollen die neuen, nur 1,4 bis 3 Millimeter dünnen “Brite FL300″-OLED-Kacheln aus Aachen (PR-Foto oben im Größenvergleich mit einem Streichholz) für 140 bis 160 Euro regulär im “Technology sample webshop” zu kaufen sein. Das hat mir die Philips-Tochterfirma “Lumiblade” heute auf Nachfrage mitgeteilt. Die schon im Frühjahr vorgestellten dimmbaren 6,5-Watt-Panels empfehlen sich mit bis zu 300 Lumen, einer Effizienz von ca. 50 lm/Watt, Farbwiedergabeindex Ra >80 und einer Nennlebensdauer von 10.000 Leuchtstunden (bei voller Leistung) erstmals für wirklich helle Beleuchtung (pdf-Download des Datenblatts).

Vorerst wird es sie mit einer “warm-weißen” Farbtemperatur von 3000 Kelvin und in drei Integrationsstufen geben (“nackt” mit 12 x 12 cm Größe und 1,4 mm Dicke; inklusive thermischer Rückplatte und Verkabelung oder im Gehäuse mit Verkabelung, 2,1 bzw. 3 mm dünn, jeweils 12,7 x 12,7 cm). Schon jetzt soll die Nachfrage nach großen Mengen aller Varianten riesig sein. Etwas später wird eine “neutral-weiße” 4000-K-Version auf den Markt kommen. Passende Treiber für 35 bis 110 € bietet “Lumiblade” natürlich ebenfalls an.

Update 21.10.: Mit leichter Verspätung sind die OLED-Panels nun wirklich im Webshop zu sehen.

Henrik Holen14.10.: Eine grundsätzlich andere Sicht auf “Smart Home”-Konzepte forderte diese Woche Henrik Holen (PR-Foto rechts), Geschäftsführer der norwegischen Spezialfirma “Viva Labs“. In einem Beitrag für “The Next Web” erklärte Holen, dass die Entwickler solcher Systeme lernen müssten, aus der Benutzerperspektive zu denken und nicht als Ingenieure oder ausgesprochene Technologie-Fans.

Das betreffe auch vernetzte oder “intelligente” Beleuchtung: “Nur weil etwas analog ist, heißt das nicht, dass es nicht funktioniert, und nicht alles benötigt eine Internetverbindung. Lichtschalter funktionieren beispielsweise gut und Sie werden den Umgang der Leute damit nicht ändern.”

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xxxl-10-14-Lampen-klein14.10.: Für LED-Fans könnten sich ab Donnerstag (16.10.) auch etwas weitere Wege nach Karlsruhe lohnen. Zur Wiedereröffnung nach einem größeren Umbau haut das Möbelhaus “XXXL Mann Mobilia” nämlich mit dem dicken Hämmerchen auf einige Lampen- und Leuchtenpreise.

Die Spanne der Aktionsangebote reicht von E14-LED-Retrofits mit 3 Watt und 198 Lumen Lichtstrom für 2 Euro über einen fernsteuerbaren LED-Strip für 19 € sowie einer 33,5-W-LED-Deckenleiste mit 2375 lm für 49 € bis zu dimmbaren, integrierten Leuchten ab 39 €. Die hellsten davon haben ca. 40 Watt, 4000 oder insgesamt bis zu 4470 lm und kosten 125 bzw. 199 € (Prospektausschnitte oben, rechts und unten, zum Vergrößern bitte anklicken). Gegenüber den normalen “XXXL”-Preisen sparen Sie zwischen 41 und 71 Prozent. Außerdem gibt’s dank einer speziellen Aktion derzeit fünf Jahre Garantie auf LED-Leuchten (LED-Lampen sind offensichtlich nicht gemeint).
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Kleine Warnung: Die beworbene 9,5-Watt-Philips-“Birne” für 5 Euro hat natürlich keine 1806 Lumen, sondern nur die üblichen 806 lm als Äquivalent einer 60-W-Glühlampe. War ein Beilagen-Setzfehler; im internen “XXXL”-System steht’s richtig, wie mir auf Nachfrage versichert wurde. Die Sonderaktion läuft bis zum 26. Oktober und ausschließlich in Karlsruhe. Sie müssen allerdings damit rechnen, dass wegen der großen Nachfrage einige der Leuchten und Lampen schon vorher ausverkauft sind.

Osram-Opel-Adam
15.10.: Fünf Kleinwagen und 100 “Lightify”-Starter-Kits können Sie ab sofort und bis Ende Mai 2015 gewinnen, wenn Sie Osram-LED-Lampen “made in Germany” kaufen. Der Clou: Die 100 Preisträger werden per Zufallsprinzip durch speziell angefertigte und im Vertriebsweg eingestreute Exemplare ermittelt. Sie leuchten nicht mit der üblichen “warm-” oder “neutral-weißen” Farbtemperatur, sondern in der markanten Osram-Hausfarbe Orange (PR-Foto oben).

Der Verdacht liegt nahe, dass unter der Haube ausschließlich bernsteinfarbene Oslon-LEDs werkeln. Wer die präparierten “Birnen” zuhause ‘reinschraubt und anschaltet, weiß also sofort, dass er oder sie zu den Gewinnern der Promo-Aktion zählt – falls der entsprechende Hinweis auf der Verpackung verstanden und nicht irrtümlich ein Produktfehler vermutet wird.

Eigenwerbung Juni 2014

16.10.: Die hier im August veröffentlichte Suche einer Blogleserin nach “warm-weißen” LED-Außenstrahlern und den dazu passenden Bewegungsmeldern war offenbar erfolgreich. Solche “LED-Happy-Ends” freuen mich natürlich besonders, zumal die Leserin auf meinen Vorschlag hin statt eines “Erfolgshonorars” eine schöne zweistellige Spende an “Ärzte ohne Grenzen” überwiesen hat.

Kaufland-Attralux
17.10.: Vier nicht dimmbare LED-Lampen der Philips-Leuchtmittel-Zweitmarke “Attralux” – mit “warm-weißer” Farbtemperatur von 2700 Kelvin, Farbwiedergabeindex Ra 80, ca. 12.000 Leuchtstunden Nennlebensdauer und EU-Ökolabel A+ – bekommen Sie ab Montag (20.10.) zu Sonderpreisen in den Filialen von “Kaufland(Online-Screenshot oben).

Offiziell jeweils 3,99 Euro kosten die GU10-Spots mit 36 Grad Abstrahlwinkel und 4,5 Watt/345 Lumen (Ersatz für 50-W-Halogenstrahler) bzw. 3,5 W/240 lm (35-W-Ersatz). Knapp 5 Euro zahlen Sie für E27-“Birnen” mit 9,5 W/806 lm (ersetzt 60-W-Glühlampen) oder 7 W/470 lm (40-W-Ersatz). Sie haben mit ca. 150 Grad den gleichen, relativ engen Halbwertswinkel wie ihre Philips-Schwestermodelle. In einzelnen “Kaufland”-Märkten sind diese vier Aktionslampen eventuell sogar jeweils einen Euro billiger.

nanoroehre17.10.: Mit einem ähnlichen “Kathodenstrahl”-Prinzip wie alte Röhrenbildschirme arbeitet die Nanoröhren-Leuchte eines Forscherteams der japanischen Tōhoku-Universität. Im Labor sei es jetzt gelungen, dank einer optimierten, kostengünstigen Produktionsmethode flackerfreies und homogenes Licht mit einer Effizienz von 60 Lumen/Watt zu erzeugen.

Das äußerlich einem OLED-Panel ähnliche 0,1-Watt-“Leuchtplättchen” (PR-Foto: Norihiro Shimoi) besteht aus einer ultradünnen Schicht hochkristalliner, einwandiger Kohlenstoff-Nanoröhren auf einer positiven Trägerelektrode, die sehr schnelle Elektronenstrahlen aussenden (Kathode). Darüber liegt ein dünner Vakuum-Hohlraum und eine grüne Phosphorschicht, die zugleich Anode und Licht-Emitter ist. Die in diversen Veröffentlichungen aufgestellte Rechnung, dass dieser 6-Lumen-Prototyp rund 100mal sparsamer als LEDs sei, ist allerdings blanker Unsinn und wurde von den japanischen Wissenschaftlern auch nie behauptet.

Mueller-HD-Ledare-13W-klein18.10.: Hatte ich Anfang des Monats beim Test einer “Müller-Licht-HD-LED”-Lampe (Foto links: W. Messer) einen Ausreißer bzw. ein “Montagsmodell” erwischt? Statt der offiziell versprochenen 810 konnte die 13-Watt-E27-“Birne” in der Ulbricht-Kugel meines Partnerlabors “David Communication” nach der üblichen zweistündigen “Warmlaufzeit” nur 688 Lumen Lichtstrom liefern (pdf-Download des Messprotokolls). “Müller-Licht” teilte mir jetzt mit, dass man daraufhin intern bisher drei Lampen aus der gleichen Charge (EB1400398) gemessen habe und kein Helligkeitsmangel nachweisbar gewesen sei. Weitere Muster aus der Produktion seien angefordert worden.

18.10.: Unter schwierigen politischen Rahmenbedingungen findet Ende des Monats die Herbstausgabe der 16. “Hong Kong International Lighting Fair” statt. Die chinesische Sonderverwaltungszone erwartet vom 27. bis 30. Oktober rund 40.000 Besucher zu einer der weltweit größten Lichtmessen. Unter den etwa 2500 Ausstellern aus 37 Ländern werden auch einige deutsche LED-Anbieter mit Absatzmärkten und/oder Fertigungsstätten in Asien sein.

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LED-Tagebuch (KW 24): XXXL-Leuchten, Osram 2019 …

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Doppeltest: Müller-Licht-HD-LED contra IKEA-Ledare-“Birne” (Update)

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Die zehn zähsten Märchen und Mythen über Lampen und Leuchten

Bei vielen Verbrauchern halten sich hartnäckig diverse Märchen und Mythen über Lampen und Leuchten, beispielsweise: “Glühlampen heizen im Winter die Wohnung!” – “LED-Licht ist zu dunkel und sieht grauenhaft aus!” – “Leuchten mit fest eingebauten LED-Modulen sind Fehlkäufe!” – “Mit Sparlampen sparst Du gar kein Geld!” Ist irgendwas davon wahr – wenigstens ein bißchen?

Gluehlampe-Ausschnitt
Hat noch viele treue Fans: Die stromfressende Lampe mit heißen Glühfadenwendeln. Ist aber als Heizung dennoch kaum geeignet. (Fotos: W. Messer)

1. “Glühlampen sind tolle Heizkörper!”

Eher nicht. Zwar werden bei traditionellen Lampen mit Glühwendeln tatsächlich rund 95% der zugeführten (Strom-)Energie nur in Wärme- oder andere unsichtbare Strahlungsenergie umgesetzt und die Glashauben deshalb über 200 Grad heiß. Diese Hitze trägt aber nicht weit und ist in der Summe auch sehr gering. Schon eine Person mehr sorgt für einen stärkeren Temperaturanstieg im Zimmer als eine 100-Watt-“Birne”.

Außerdem ist das Heizen mit Strom mehr als doppelt so teuer wie jede andere Wärmeerzeugung – mal abgesehen von einem Lagerfeuer im Zimmer mit anschließendem Vollbrand des Hauses. Und in warmen Sommernächten sind Lampen als zusätzliche Wärmeerzeuger sowieso kontraproduktiv. Steigen Sie also lieber auf LED-Licht um und laden im Winter möglichst viele Freunde und Nachbarn zur Besichtigung ein. Dann kann sogar die Öl- oder Gasheizung komplett aus bleiben, obwohl die LEDs “nur” rund 70 Prozent des Stroms in Wärme umwandeln und weder Infrarot- noch Ultraviolettstrahlen liefern.

2. “Glühlampen leuchten schöner als Sparlampen!”

Das ist wirklich in vielen Fällen so. Glüh- und Halogenlampen haben nämlich einen ziemlich idealen Farbwiedergabeindex um Ra 100. Das heißt, dass die Farben von angestrahlten Lebewesen und Gegenständen gut erkennbar sind und ordentlich abgebildet werden. Zwar werden diese durch die “warme” Farbtemperatur dieser herkömmlichen Leuchtmittel (zwischen 2500 und 3000 Kelvin) gelb-orange bis rötlich eingefärbt. Unser Gehirn hat aber einen automatischen “Weißabgleich”, der diese Farbverschiebung subjektiv korrigiert.

Segula-E14-Abstrahlung

Viele LED- und Kompaktleuchtstoff-Lampen wirken trotz ähnlicher Kelvin-Zahlen “kühler”, fahler oder grünlicher, weil ihr Lichtspektrum ungleichmäßiger ist und vor allem bei sattem Rot ziemlich schwach ist – wie die Segula-E14-“Kerze” im Bild oben. Immer mehr LED-Leuchmittel schaffen heutzutage jedoch Farbtreuewerte über Ra 90 – ohne große Lücken im Rot-Bereich – und taugen problemlos als stromsparende Glühlampen-Alternativen. Selbst offiziell mit “Ra 80″ angegebene LED-Lampen sehen inzwischen häufig viel besser aus als noch 2012.

Nach meinen Erfahrungen wirkt das LED-Licht beim direkten Blick auf die Lampe übrigens meistens “kälter” als die indirekt auf Objekte abgestrahlte Helligkeit. Wenn also beispielsweise eine “Birne” von einem Leuchtenschirm verhüllt ist, können Sie kaum einen Lichtqualitäts-oder Farb-Unterschied zwischen anständigen “warm-weißen” LEDs und einem Glühfaden feststellen.

3. “Glüh- und Halogenlampen sind heller als LEDs!”

Das kommt auf den Vergleichswert an. Eine 10-Watt-Glühlampe schafft weniger als 100 Lumen Lichtstrom, eine 10-W-LED-“Birne” aber häufig über 800. Strom sparen Sie da beim Austausch nicht; es wird aber mit den LEDs etwa achtmal heller in der Bude. Wenn Sie allerdings eine 60-W-Glühlampe (ca. 680 lm) durch ein LED-Pendant mit nur 600 lm ersetzen, gibt’s natürlich – über den Vollwinkel gesehen – leichte Helligkeitseinbußen.

Da jedoch LED-Lampen ihr Licht meistens stärker fokussieren (mit Halbwertswinkeln um 200 Grad wie bei der unten abgebildeten 12-W-LEDON-Lampe statt ca. 320 Grad bei Glühlampen), sind sie innerhalb ihrer Hauptabstrahlkeule heller. Die Gleichsetzung von “rundstrahlenden” 600-Lumen-LED-“Birnen” mit 60-W-Glühlampen ist dennoch in der EU verboten – dafür werden hier mindestens 806 Lumen gefordert. Dieser Aufschlag von etwa 14% gilt auch für die anderen gängigen Wattzahlen.

LEDON-12W-horizontal

Anders sieht es bei Richtstrahlern aus. Weil LED-Spots durch ihren relativ scharf definierten Lichtkegel weniger Streulicht und Verluste haben als Halogenstrahler, brauchen sie für die gleiche Lichtstärke nicht so viel Lichtstrom. Da reichen laut EU-Vorgaben beispielsweise 200 LED-Lumen als Ersatz für einen 35-Watt-GU10/PAR16-Halogenspot mit rund 400 Lumen. Ich empfehle Ihnen jedoch, sich lieber 100 lm mehr als die offiziellen Vergleichswerte zu gönnen, wenn Sie auf LED-Strahler mit ca. 40° Halbwertswinkel umsteigen – eventuell dimmbar, damit Sie ihren Helligkeitsbedarf individuell nach Einsatzgebiet, Anlass und Tageszeit regulieren können.

4. “Mit Sparlampen sparst Du kein Geld!”

Das galt teils noch bis vor ein paar Jahren, weil hochwertige LED-Lampen anfangs sehr teuer waren. Um Anschaffungskosten von teils über 40 Euro über die leicht gesunkene Stromrechnung und die erheblich längere Lebensdauer der LED-Technik wieder einzuspielen, brauchte es viele tausend Leuchtstunden oder mehrere Jahre. Inzwischen gibt’s aber schon anständige LED-Leuchtmittel für 5 bis 10 Euro und da sieht die Rechnung viel besser aus.

Bei durchschnittlich drei Leuchtstunden pro Tag verbraucht eine 10-Watt-LED-Lampe mit 806 Lumen rund 11 Kilowattstunden im Jahr. Bei einem statistisch gemittelten Strompreis für deutsche Privathaushalte von rund 29 Cent pro kWh kostet das 3,19 Euro. Eine etwas dunklere 60-Watt-Glühlampe zieht in dieser Zeit fast 66 kWh und rund 19 Euro aus Ihrer Haushaltskasse. Damit hat sich die LED-Lampe schon mehr als amortisiert. Und weil sie mindestens 15mal länger hält als ihre Vorgänger, entfallen auch die ständigen Neukäufe. In Zukunft wird diese Kalkulation noch günstiger ausfallen, weil LED-Leuchtmittel immer billiger und effizienter werden, der Strompreis aber weiterhin steigt.

Eigenwerbung Juni 2014

5. “LED-Lampen sind umweltschädlicher als Glühbirnen!”

Für die Produktion von LED-Lampen braucht man tatsächlich viel mehr Ressourcen als für ziemlich simple Glühfaden-Leuchtmittel mit Sockel und Glashaube. Da stecken viele Chips und andere Elektronikbauteile drin; die Gehäuse sind – auch aus thermischen Gründen – größer, schwerer und aufwendiger. Das schlägt natürlich negativ auf die Ökobilanz, ebenso in geringerem Maß der Transport der Bauteile und fertigen Lampen sowie die meist aufwendigere Verpackung. Bis dahin haben Glüh- und Halogenlampen umwelttechnisch die Nase vorn.

Weil aber die Stromerzeugung ebenfalls die Umwelt belastet, LED-Lampen viel weniger davon verbrauchen und erheblich länger halten (siehe eins weiter oben), kehrt sich diese Rechnung schnell wieder um. Tatsächlich sind LED-Leuchtmittel über ihre durchschnittliche Lebensdauer weitaus umweltfreundlicher und nachhaltiger als die alten Stromfresser.

6. “EU-Bürokraten haben uns die Glühlampen geklaut!”

Nein, haben sie nicht. Erstens war es 2007 vor allem der damalige deutsche Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, der die EU-Kommission dazu aufforderte, diverse Verordnungen zugunsten von Sparlampen zu erlassen. Zweitens können Sie bei uns bis heute problemlos Glühl- und Halogenlampen in fast allen Stärken und Mengen kriegen, weil der Verkauf von offenbar unerschöpflichen “Lagerbeständen” in der EU erlaubt ist. Auch ihr Betrieb wird nicht von Brüssel bestraft, sondern nur von Ihrem Stromversorger. Bei vielen “Speziallampen” und Leuchtmitteln für besondere Einsatzzwecke gibt’s zudem wegen zahlreicher Ausnahmeregelungen noch nicht mal ein Herstellungs- und Vertriebsverbot.

7. “LED-Lampen brauchen mehr Watt als draufsteht!

Bei meinen bisherigen Tests mit über 100 LED-Lampenmodellen war das nur selten der Fall – und wenn, dann höchstens bis ca. 10% Mehrleistung. Es gibt aber Leute, deren “Energiekostenmessgerät” beispielsweise 3-Watt-LED-Lampen satte 8, 9 oder gar 10,8 Watt attestiert – quer über’s ganze Sortiment.

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Das kommt daher, dass einige Billig-Messgeräte nicht zwischen “Scheinleistung” und “Wirkleistung” unterscheiden können. Letzterer ist der Wert, den Ihr Haushalts-Stromzähler registriert und der auch für Ihre Stromrechnung herangezogen wird. LED-Lampen haben aber als “kapazitive Verbraucher” einen “Blindleistungs”-Anteil (Einheit: Var), der für eine höhere Scheinleistung sorgt. Hersteller und Anbieter müssen das Verhältnis Wirkleistung/Scheinleistung als “elektrischer Leistungsfaktor” angeben.

Beispiel: Ein 5-Watt-LED-Spot hat einen Leistungsfaktor von 0,5. Dann beträgt die Wirkleistung zwar nur 5 Watt, aber die Scheinleistung 10 VA (Update: Warum die Blindleistung hier nicht – wie man annehmen würde – 5 W beträgt, sondern 8,66 Var, haben mir fachkundige Leser ausführlich unten in die Kommentare geschrieben). Diese Scheinleistung spielt zwar für die Stromrechnung keine Rolle, verunsichert aber manche Verbraucher und spielt unsinnigerweise auch bei manchen “LED-Tests” eine entscheidende Rolle.

8. “Bloß keine fest eingebauten LED-Module!”

Das Retrofit-Prinzip mit den allseits bekannten Sockeltypen wie E27, E14, GU10 etc. war und ist eine prima Möglichkeit, schnell und problemlos auf LED-Beleuchtung umzusteigen: Alte Lampe ‘rausdrehen, LED-Lampe ‘rein – fertig! Es hat aber seine Grenzen, weil einige Lampenformen zu wenig Platz für die moderne Technik und deren Wärmeabfuhr bieten. Deshalb bekommen Sie für manche Varianten wie R7s, G9, G4 oder G23 bis heute nur selten adäquaten, empfehlenswerten LED-Ersatz.

Viel besser funktioniert das mit kompletten, “integrierten” Leuchten, die von vornherein für LED-Module und deren Bedürfnisse konstruiert wurden und diese auch fest eingebaut haben. Solche Leuchten gibt’s inzwischen wie Sand am Meer – sogar in Discountern oder Baumärkten und teils auch recht günstig. Die Nachteile: Wenn ein fest eingebautes LED-Modul ausfällt, können Sie es nicht selbst ersetzen – im schlimmsten Fall ist die komplette Leuchte Abfall. Wenn Ihnen die Lichtqualität nicht (mehr) gefällt, ist ebenfalls kein schneller Ersatz durch ein besseres Modul möglich.

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Das fest verbaute Philips-LED-Modul einer integrierten “massive”-Pendelleuchte.

Bei hochwertigen Markenleuchten wird immerhin versucht, durch herstellerübergreifende Standardisierung (Stichwort: “Zhaga”) einen einfachen Austausch einzelner Bauteile zu ermöglichen. Billigleuchten sind Sie aber meistens auf Gedeih und Verderb ausgeliefert; also – wenn möglich – lieber erst mal zuhause ausprobieren und bei Nichtgefallen zurückgeben.

Die Angst vor Komplettversagen ist jedoch meistens unbegründet. Durch die thermisch “gesündere” Grundkonstruktion leben ordentliche integrierte LED-Leuchten länger als viele LED-Retrofits. Ich selbst hatte bisher noch keinen einzigen Ausfall bei solchen Produkten, während gleichzeitig schon über ein Dutzend LED-Lampen im Elektromüll oder bei “Lightcycle” landeten. Übrigens bedeuten Nennlebensdauer-Angaben wie “25.000 Leuchtstunden” nicht, dass es danach völlig duster wird, sondern nur, dass die LEDs noch mit mindestens 70 oder gar 80% ihrer anfänglichen Helligkeit leuchten.

9. “LEDs flackern, blitzen, glimmen und flimmern!”

Das ist leider nicht ganz falsch und gilt sogar für viele hochwertige Markenlampen. Für jeden sichtbares, starkes Flackern gibt’s häufig bei dimmbaren LED-Leuchtmitteln, wenn ein inkompatibler Dimmer verwendet oder dessen Regelbereich zu “dunkel” eingestellt wird. Flackerfrei herunterdimmen lassen sich viele Lampen aber nur bis zu einem Wert von ca. 20 bis 25 Prozent des maximalen Lichtstroms. Darunter hat die Vorschalt-Messelektronik häufig Probleme, die angebotene Spannung in die richtige Helligkeit zu “übersetzen”.

Auch nicht selten: Trotz “Schalter aus” glimmen vor allem sehr schwache LED-Lampen unbeirrt weiter, als ob sie den Benutzerwunsch nach völliger Dunkelheit vorsätzlich ignorieren wollten. Noch perfider sind Modelle, die sich nach dem Ausschalten jeweils nur sehr kurz, aber mit nerviger Regelmäßigkeit immer wieder durch ein Aufblitzen bemerkbar machen.

Der Grund für beides ist gleich: Ein schwacher Reststrom in der Leitung, verursacht durch elektrische Spezialeffekte und Merkwürdigkeiten in der Hausinstallation – vor allem bei “Wechselschaltungen” mit mehreren Schaltern. Glüh- und Halogenlampen schlucken den souverän und ohne Leuchtzeichen weg, die wesentlich sparsameren LED-Lampen schaffen das teils nicht. Elektro-Fachkräfte kriegen das allerdings mit etwas Glück, kleinen Zusatz-Bauteilen oder anderen Schaltertypen in den Griff.


Ein Osram-“Parathom Pro”-Spot am Dimmer. Das Blinken wird durch die unterschiedlichen Frequenzen der LED-Helligkeitsregelung und der Film-Bildwiederholrate verursacht. Wenn Sie kein Video sehen, bitte hier klicken.

Keine Bastellösung gibt’s dagegen für das hochfrequente Flimmern vieler LED-Leuchtmittel, das von einem kleinen Teil der Menschheit auch ohne technische Hilfsmittel sichtbar ist, für den Rest beim Blick auf Video-Mitschnitte, auf’s Display einer Digitalkamera oder durch einen Stroboskob-Effekt bei schneller Bewegung von Objekten im Lichtschein. Hier macht sich eine zu grobe interne Helligkeitsregelung unangenehm bemerkbar – auch bei nicht dimmbaren LED-Lampen und -Leuchten.

Wirklich flimmerfreie LED-Leuchtmittel gibt’s natürlich auch – die erfordern aber einen hohen elektronischen Aufwand, der sich auf den Preis schlägt. Nicht umsonst hat es sehr lange gedauert, bis einigermaßen bezahlbares LED-Stadionflutlicht zur Verfügung stand, bei dem auch TV-Übertragungen in HD-Qualität und mit Zeitlupen-Wiederholungen möglich sind.

10. “Lichtfirmen bereichern sich auf unsere Kosten!”

Mit Verweis auf das aktenkundige Phoebuskartell vor dem 2. Weltkrieg stehen die Lampenproduzenten auch heute wieder bei einigen Verschwörungstheoretikern unter Generalverdacht. Sie würden sich untereinander absprechen und die Lebensdauer ihrer LED-Leuchtmittel gezielt begrenzen – “geplante Obsoleszenz” nennt man das.

Osram-LighthouseWahr ist, dass jede Firma auf Kosten ihrer Kunden Geld verdienen möchte – sonst wäre sie nicht gegründet worden. Wahr ist auch, dass die Nennlebensdauer-Angaben bei manchen, besonders günstigen LED-Lampenbaureihen reduziert wurden – teils auf nur 10.000 oder 15.000 Leuchtstunden. Klingt schon mal verdächtig nach Gewinnmaximierung.

Ebenso wahr ist allerdings, dass die LED-“Straßenpreise” stetig und schnell fallen – Experten der Unternehmensberatung Roland Berger rechnen derzeit mit bis zu unfassbaren 40% pro Jahr. Und es stimmt auch, dass sogar Giganten wie Philips und Osram (das PR-Foto zeigt die Zentrale in München) massive Sparrunden und Umstrukturierungen hinlegen müssen, weil Umsätze und Gewinne im Lichtgeschäft weit unter den früheren Erwartungen blieben. Für kleinere Anbieter ist dieser Trend akut lebensbedrohlich, so lange die Discounter- und Baumarkt-Verkaufspreise teils noch unter den sonst am Markt üblichen Einkaufspreisen liegen. Das mit dem “Bereichern” klappt also im Moment nicht so toll – im Gegenteil.

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