LED-Sonderangebote beim Discounter: Weder top noch Flop

Immer häufiger und günstiger sind jetzt wieder die LED-Sonderangebote der Discounter und Baumärkte. Ist das nun gut für die Kunden und schlecht für die anderen LED-Anbieter – oder gar ein Unheil für den ganzen Lichtmarkt, weil hier Billig-Schrott verkloppt wird? Nein, so einfach ist es nicht.

Discounter-LED-Mix
Ein paar der jüngsten LED-Deals diverser Discounter und Baumärkte – die Collage repräsentiert nur einen Bruchteil der unzähligen aktuellen Sonderangebote.

LED-Lampen für 2,50 Euro pro Stück, richtig hübsche und helle LED-Komplettleuchten für unter 20 Euro – von solchen Preisen haben wir Halbleiterlicht-Fans vor eins, zwei Jahren noch nicht mal zu träumen gewagt. Sie sind aber jetzt zum Start in die neue “Lichtsaison” fast tägliche Realität in den LED-Sonderangeboten der vergangenen und kommenden Wochen.

Auf einige dieser Deals weise ich regelmäßig in meinem “Blog-Telegramm” oder in ausführlichen Beitragen hin. Das findet nicht jeder gut. Ab und zu höre ich mehr oder weniger leise Beschwerden von kleineren LED-Anbietern, die ihr Geschäft von dieser Billigkonkurrenz akut bedroht sehen und deren mangelnde Produktqualität und/oder Beratungskompetenz kritisieren. Neulich hat mir sogar ein Shop-Betreiber mitgeteilt, dass er den Betrieb ganz aufgebe und mir seine Ulbricht-Kugel samt umfangreicher Peripherie zum Kauf anbieten wolle.

Eigenwerbung Juni 2014

“Garantien” machen nicht mehr viel her

Wirklich überraschend ist das nicht. Auf den LED-Preisverfall und die damit verbundene Marktbereinigung hatte ich schon im Januar im meinem Ausblick auf das Jahr 2014 hingewiesen. Nicht voraussehen konnte ich natürlich, dass der Möbelriese IKEA noch einen Mega-Klops draufsetzt und für seit 25. August gekaufte Waren ein lebenslanges Rückgaberecht einräumt – auch für “Ledare”-LED-Lampen und -Leuchten. Das setzt alle kleinen und großen Konkurrenten, die bisher nur zwei bis fünf Jahre lange und meistens auch noch stark beschränkte Garantien/Gewährleistungen anbieten, kräftig unter Druck.

Dabei wäre es viel zu kurz gesprungen, IKEA, Aldi, Lidl & Co. im Gegenzug nur für ihre lückenhaften Datenangaben in den Werbebeilagen und Online-Produktseiten oder wegen der fehlenden Fachberatung vor Ort zu geißeln. Ich kenne einige Online-Shops und Offline-Lampenverkäufer, die’s leider auch nicht besser können. Es hilft ebenso wenig, die sehr preiswerten Discounter-Produkte pauschal als “Schrott” zu diffamieren. Teilweise ist nämlich das Gegenteil der Fall, wie einige sehr farbtreue IKEA-Lampen oder manche LED-Retrofits der Discounter-Zulieferer “MeLiTec” und “Müller-Licht” schon bewiesen haben.

Lidl-LED-Sonderangebote im Labortest

Lidl-3W-E14-ausNehmen wir mal als aktuelles Beispiel die “Livarno Lux”-LED-Lampen von Lidl aus dem Sonderangebot vom 8. September. Da kostete beispielsweise ein nicht dimmbarer, “warm-weißer” E14-Strahler (Bild links, alle Fotos: M. Sinne/David Communication) mit 3 Watt, nominell 230 Lumen Lichtstrom und 110 Grad Abstrahlwinkel nur 3,99 Euro. Mit sowas können Sie problemlos einen herkömmlichen 25-Watt-Glühlampen-Strahler ersetzen – eine Stromersparnis von fast 90 Prozent.

Lidl-3W-E14-Daten

Im Labor meines Kooperationspartners “David Communication” wurden die offiziellen Daten (Packungsausschnitt oben) mehr als bestätigt. 3,05 Watt Leistungsaufnahme zeigt das Messprotokoll (pdf-Download); die zwölf SMD-Chips liefern 241 Lumen bei einer Farbtemperatur von 2927 Kelvin und einem “allgemeinen Farbwiedergabeindex” Ra 81,2. Der Abstrahlwinkel des Spots entspricht mit knapp 113 Grad ebenfalls weitgehend den Vorgaben (pdf-Download des Diagramms).

Kein gutes Licht für Kosmetik-Feinarbeit

Zwei kleine Pferdefüße gibt’s allerdings: Der elektrische Leistungsfaktor ist mit nur 0,43 ziemlich mies, ebenso der Einzelwert für die zusätzliche Referenzfarbe “Rot gesättigt” (R9 = 2,5). Erstes spielt in der Praxis keine große Rolle, Zweites macht sich durch die stark abweichende Wiedergabe von Rot-Tönen bemerkbar. Wenn’s also auf umfassende Farbtreue ankommen soll – etwa bei der Beleuchtung von Lebensmitteln in der Küche oder Schmink-Aktionen im Badezimmer, dann ist dieser von “Briloner Leuchten” zugelieferte Strahler sicher keine gute Wahl.

An Einsatzorten mit geringeren Ansprüchen – etwa in einer Nachttisch-Leseleuchte – können Sie damit aber vermutlich ganz gut und ziemlich lang zurechtkommen; die Nennlebensdauer von 25.000 Leuchtstunden und über 15.000 Schaltzyklen ist angesichts des günstigen Preises absolut okay. Auf meiner bis 5 reichenden LED-Bewertungsskala würde das insgesamt noch für zwei Sterne reichen.

Der “OWIM”-Niedervolt-LED-Spot

Lidl-5W-GU53-Daten

Lidl-5W-GU53-ausNoch ‘ne Stichprobe: Ein nicht dimmbarer GU5.3/12-Volt-LED-Spot der Neckarsulmer Lidl-Handelsmarke “OWIM” für 4,99 Euro (Bild links). Er soll 320 Lumen aus 5 bzw. 6 Watt erzeugen (Packungsdaten oben), wäre damit laut EU-Verordnung mindestens ein Ersatz für 35-Watt-Niedervolt-Halogenstrahler und trägt das zweitbeste EU-Ökolabel A+. Im Labor wurde er zur Lichtmessung mit Gleichspannung versorgt; mit Wechselspannung zog er 4,95 Watt bei einem Leistungsfaktor von 0,6.

Über den Vollwinkel sammelte die Ulbricht-Kugel gut 334 Lumen ein. Der Lichtstrom darf bei solchen Spots jedoch nur über einen 90-Grad-Bemessungswinkel angegeben werden – und da waren’s nur 285 statt 320 lm (pdf-Download des Messprotokolls). Keine Probleme dagegen bei Farbtemperatur (3036 Kelvin), Farbwiedergabeindex (Ra 82,6) und Abstrahlwinkel (knapp 35 Grad, Download des Diagramms).

Ähnlich wie beim 3-Watt-Strahler oben, dürfen Sie auch hier keine Großtaten bei der Zusatz-Messfarbe “Rot gesättigt” erwarten – der R9-Wert liegt bei nur 8,5. Das Spektraldiagramm mit seinen Spitzen bei Blau und Gelb/Orange ist typisch für solche “warm-weißen” LED-Lampen mit einem Ra-Wert knapp über 80:

Lidl-5W-GU53-Spektrum
Die Energieverteilung des “OWIM”-Spots (in Milliwatt/Nanometer) über das gesamte Licht-Wellenlängen-Spektrum.

Dass die Leistungsaufnahme mit 5 Watt, auf dem EU-Ökolabel aber mit 6 kWh/1000 Stunden angegeben wird, liegt am vorgegebenen Umrechnungsfaktor für Niedervolt-Lampen, die von einem Trafo/Treiber abhängig sind. Hier müssen 10% zur Nettoleistung addiert und dann auf die nächste volle Wattzahl aufgerundet werden.

25.000 Leuchtstunden sowie 50.000 Schaltzyklen Nennlebensdauer und das Stromsparpotenzial von gut 80% haben Markenlampen-Niveau, die Lichtqualität ist durchschnittlich, die Helligkeit etwa 11% geringer als versprochen, aber noch ausreichend. Viel mehr kann man derzeit für knapp 5 Euro nicht erwarten.

11-W-“Livarno Lux”-Lampe mit Lichtstrom-Leck

Lidl-11W-E27-ausBleibt Kandidat Nummer drei: Die offiziell 1000 Lumen starke, nicht dimmbare 11-Watt/E27-“Birne” von “OWIM” für 5,99 Euro (Bild rechts). Auch hier ist mit “warm-weiß” nicht ein Glühlampen-ähnlicher Wert von rund 2700 Kelvin gemeint, sondern laut Packungsangabe etwas “kühlere” 3000 K. Ein wirklich vollwertiger Ersatz für eine traditionelle 75-Watt-Glühlampe ist das also nicht.

Dagegen sprechen auch die vom Labor ermittelten 904 Lumen, der schwache elektrische Leistungsfaktor 0,58 bei 11,71 Watt Leistungsaufnahme, der Farbwiedergabeindex Ra 82,7 und der R9-Zusatzwert 7,9 für sattes Rot (pdf-Download des Messprotokolls). Glühlampen schaffen hier jeweils um die 100, sind problemlos dimmbar und haben einen etwa doppelt so runden Halbwertswinkel wie die ziemlich eng strahlende Lidl-Lampe (knapp 157 Grad, pdf-Download des Diagramms).

Das Spektraldiagramm und die Farbtreue-Einzelwerte weisen zudem auf eine leicht grün-gelblich erscheinende Lichtfarbe hin, die sicher keine hohen Ansprüche an die “Wohnlichkeit” oder “Gemütlichkeit” von häuslicher Beleuchtung erfüllen kann. Die Farbtemperatur laut Labor: 3040 Kelvin – das entspricht weitgehend der Herstellerangabe.

Sparen? Nicht um jeden Preis!

Lidl-11W-E27-DatenSpätestens hier stellt sich die Frage, ob der günstige Preis von knapp 6 Euro wirklich das entscheidende Kauf-Argument sein kann. Meine Antwort: Ja, wenn Sie die “OWIM”-Lampe beispielsweise im Treppenhaus, Keller oder in der Abstellkammer einsetzen wollen, wo bisher 60-Watt-Glühlampen im Einsatz waren.

Nein, wenn sie in häufig genutzten Wohnbereichen und etwa so hell wie eine 75-Watt-Glühlampe leuchten soll. Dann sollten Sie lieber etwas mehr ausgeben für eine leistungsstarke LED-Lampe mit besserer Lichtqualität – schließlich ist das ja bei einer Nennlebensdauer von 35.000 Leuchtstunden bzw. 50.0000 Schaltzyklen (siehe Packungsausschnitt oben) eine sehr langfristig nachwirkende Entscheidung.

LED-Sonderangebote sind kein Teufelswerk

Und was lernen wir aus diesen Stichproben und meinen bisherigen Tests der LED-Sonderangebote von Discountern, Möbel- und Baumärkten?

  • Billiglampen sind nicht per se schlecht, teils gleichwertig mit vielen Markenlampen und in einigen Fällen sogar besser. Ja – es gibt natürlich auch Ausreißer nach unten.
  • Wer weniger als 6 Euro ausgeben will, muss derzeit noch häufig Abstriche bei Lichtqualität und Dimmbarkeit hinnehmen. Kann aber je nach Einsatzbereich egal sein.
  • Discounter und artverwandte Anbieter müssen mit ihren LED-Sonderangeboten kein Geld verdienen, treiben den Rest des Marktes im Preiskampf vor sich her und leisten so einen großen Beitrag zur “Mainstream”-Verbreitung von LED-Beleuchtung.
  • Wer hier gegenhalten will, muss was Besonderes bieten – und da ist kein ruinöser Sonderpreis gemeint, eher besondere Qualität, kompetente, individuelle Beratung, ein Online-Angebot mit umfassenden, transparenten Daten der Lampen und Leuchten.
  • Insgesamt können wir Verbraucher also von dieser Entwicklung profitieren – stromsparende Licht-Umrüstung wird immer günstiger, einfacher und komfortabler.

(Offenlegung: Die Testlampen wurden von “David Communication” regulär in einer Lidl-Filiale gekauft. Alle Messungen wurden anschließend nach gut zwei Stunden “Einschwingzeit” vorgenommen – so habe ich es dem Labor verbindlich vorgegeben. Ich selbst hatte die Lampen bisher noch nicht in der Hand.)

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Im Test: Verbatim-LED-Downlight – der helle Edel-Strahler

Hübsch anzuschauen und enorm hell präsentiert sich das neue, dimmbare Verbatim-LED-Downlight mit nominell 12 Watt. Als integrierte Leuchte inklusive Treiber und Einbaurahmen ist der Strahler eine “ready to use”-Komplettlösung, die sich auch für professionelle Einsätze im Innenbereich anbietet.

Verbatim-DL-Kombi
Das Verbatim-LED-Downlight in edler Aluminium-/Chrom-Optik mit schwenkbarem Mittelteil und einem dimmbaren 56-Volt/250-mA-Konstantstrom-Treiber. (Fotos: W. Messer)

Verbatim-DL-PackungDass “Mitsubishi Chemical”-Tochter Verbatim neuerdings nicht nur LED-Retrofit-Lampen, sondern auch integrierte Komplettleuchten “made in China” anbietet, konnten Sie bei mir schon im August lesen.

Allerdings ist nur eine dieser frischen Modellreihen auch dimmbar: Die offiziell 12 Watt starken Downlights in weiß oder Alu/Chrom – wahlweise mit 25 oder 40 Grad Abstrahlwinkel und zum Einheitspreis von 69,90 Euro (UVP). Für den Test hat mir “Verbatim Europe” eine silbern glänzende 40°-Variante geschickt; in einer extem schlichten, weißen (Vorserien?-)Verpackung mit zwei Aufklebern (Bild oben rechts).

Nur wenige Daten auf der Packung

Bei näherem Hinsehen erkennen Sie ein paar dürre Daten, aber kein EU-Ökolabel und leider auch keine Angaben zum “allgemeinen Farbwiedergabeindex” (Ra/CRI 80), zur Lichtstärke (1200 Candela) oder zur Schaltfestigkeit (60.000 Zyklen):

Verbatim-DL-Daten

Interessanterweise verrät die Produkt-Website erheblich mehr, offenbart aber auch kleine Differenzen. So ist dort von 30.000 Leuchtstunden Lebensdauer die Rede und nicht nur von 25.000. Online wird auch der Gesamt-Lichtstrom verraten (710 lm) und nicht nur der EU-konforme Bemessungswert über einen Kegelwinkel von 90 Grad (675 lm). Verbatim-DL-LabelAußerdem sehen Sie dort das Effizienz-Label (Bild rechts), das den EU-Vorgaben für Lichtquellen mit nicht auswechselbaren Leuchtmitteln entspricht und deshalb leider keine exakte Klassifizierung ermöglicht. Wenn Sie’s genau wissen wollen: Nach meinen Berechnungen schafft das Downlight als Richtstrahler einen Energieeffizienzindex (EEI) von 0,23 und gehört damit in die “A”-Klasse (zwischen 0,40 und 0,19). Mit Schutzart IP20 ist es auf den Einsatz im trockenen Innenbereich beschränkt.

Verpolungssichere Steckverbindung

In der Packung ruhen die 188 Gramm leichte Aluminium-Leuchte mit komplettem Einbaurahmen (Außendurchmesser 11,2 cm) und schwenkbarem Innenteil, sowie ein 160 Gramm wiegender 14-Watt-Treiber aus Kunststoff mit 250 Milliampère Konstantstrom und maximal 56 Volt. Der passt dank 12,5 cm Länge, nur 4 cm Breite und 3,2 cm Höhe auch in kleine Bohrungen einer abgehängten Decke. Die beiden 230-Volt-Primäranschlüsse müssen Sie selbst festschrauben, die Sekundärspannung läuft auf der anderen Seite über ein fest montiertes Kabel und einen verpolungssicheren Stecker zum Gegenstück am ebenfalls fixen Leuchtenkabel. Insgesamt können rund 29 cm Distanz zwischen Treiber und Leuchte überbrückt werden.

Die Bohrlöcher für sonst übliche GU10/GU5,3-Spotrahmen reichen allerdings nicht für die Verbatim-Leuchte. Sie braucht mit gut 75 mm Einbau-Durchmesser rund einen Zentimeter mehr. Hinter der Decke sollte mindestens 6 cm Luft sein, weil die “Kühl-Stacheln” auf der Rückseite des Leuchtenkopfs beim Verstellen mitschwenken.

Verbatim-DL-Unterseite
Bei gerader Einstellung ragt die Leuchten-Rückseite 5,5 cm heraus, bei maximaler Verschwenkung wird’s inklusive der Kabelzuführung etwas mehr.

Vorteil dieser Bauweise mit speziell aufeinander abgestimmten Elementen: Auch im Dauerbetrieb entsteht keine kritische Temperatur. Ich habe maximal 46 Grad an der heißesten Stelle des Treibers und nur 44 Grad am Strahler gemessen. Diverse Retrofit-Spots werden selbst bei viel geringerer Leistung häufig deutlich wärmer. Immerhin zieht die integrierte Verbatim-Kombination laut meines Hobby-Messgerätes an einem normalen Schalter 13,3 Watt bei einem elektrischen Leistungsfaktor von 0,90.

Seltsamerweise hatte der Treiber im Leerlauf bereits 2,3 Watt Verbrauch (Leistungsfaktor 0,85). Falls dieser Messwert stimmt, würde er nicht mehr die seit 1. September geltenden, neuen EU-Effizienzbestimmungen erfüllen, die maximal 1 Watt “Standby”-Leistung erlauben.

Lumenwert eher unter- als übertrieben

Am Schalter gab es keine merkliche Einschaltverzögerung, sondern nur ein rund drei Sekunden dauerndes “Fading” beim Ausschalten. Treiber und Leuchte blieben still – keine Surrgeräusche trübten den guten Eindruck, den das erzeugte Licht machte: Sehr hell und weitreichend, angenehme Lichtfarbe und dank 40 Grad Halbwertswinkel eine Halogenspot-ähnliche Abstrahlchrakteristik – aber mit weniger Streulicht:

Verbatim-DL-Leuchtbild
Hier leuchtet das “Downlight” für’s Foto mal sehr fokussiert nach oben – in der Praxis dürfte es meist anders herum sein.

Verbatim-DL-anDie nominellen 3000 Kelvin für die Farbtemperatur sind glaubhaft, die genannten 710 Lumen für den Gesamt-Lichtstrom erschienen mir eher untertrieben. Das Hochleistungs-COB-Modul inmitten eines facettierten Verbatim-“Diamond Cut”-Reflektors (Bild rechts) erhellt die Umgebung auch noch auf Distanzen, die selbst ein sehr großes Wohnzimmer nicht bieten kann.

Aus einem Fenster im Obergeschoss konnte ich jedenfalls den über 15 Meter entfernten Garten großflächig erleuchten. Zeitunglesen sollte in dieser Entfernung von der Lichtquelle noch recht gut klappen. Besitzer von Hotel-Lobbys, Restaurants oder Shops mit sehr hohen Decken dürfen also damit rechnen, dass unten mehr als ausreichend Licht ankommt.

Anständige Farbwiedergabe

Gepflegtes Understatement herrscht beim Verbatim-LED-Downlight vermutlich auch in Sachen Farbtreue. Die Abbildung meines Standard-Modells in dieser Disziplin – einer sattroten Ducati 916 im Kleinformat auf weißem Untergrund, fotografiert mit Weißabgleich “bewölkter Himmel”, ohne Nachbearbeitung – lässt auf einen “allgemeinen Farbwiedergabeindex” von etwas mehr als dem offiziellen Ra/CRI-80-Wert schließen:

Verbatim-DL-Farbtreue

Die für “warm-weiße” Leuchtmittel typische Gelb-/Orange-Verschiebung der Farben ist nicht übermäßig stark, das Rot als solches noch gut erkennbar. “Frei Schnauze” würde ich auf etwa Ra 82-85 und einen Einzelwert von mindestens 20 für die Zusatz-Messfarbe R9 (“Rot gesättigt”)  tippen. Zahlreiche Ra-80-LED-Lampen schaffen hier nicht mal die Hälfte – und das sieht man dann auch. Ebenfalls okay: Der Bildschirm der Digitalkamera zeigte beim Licht des Verbatim-Strahlers nur ein sehr schwaches Flimmern. Selbst extrem sensible Augen werden es in der Praxis kaum wahrnehmen.

Kurze Bedenkzeit am Dimmer

Das blieb auch bei meinen Dimmer-Tests so. Ein Flackern oder Flimmern gab’s nur bei vorsätzlichen Fehl-Voreinstellungen meines justierbaren Jung-Phasenanschnittdimmers; am nicht justierbaren Phasenabschnittdimmer aus dem Baumarkt war das Licht nach einer mehr oder weniger kurzen Anlaufphase durchweg stabil. Bei dunkelster Einstellung regelte sich hier die Leuchte nach dem Einschalten innerhalb etwa einer halben Sekunde hoch. Diese Bedenkzeit braucht die Vorschaltelektronik, um die angebotene Spannung zu analysieren und das LED-Modul entsprechend flackerfrei zu regeln – ein bekanntes und verbreitetes Phänomen bei modernen Leuchtmitteln dieser Art. Auf hellster Stufe tendierte die Verzögerung aber gegen Null.

Die Gesamtleistung der Kombination aus Phasenabschnittdimmer, Treiber und Leuchte ließ sich von 4 bis 12,9 Watt steuern – bei einem maximalen Leistungsfaktor von 0,84. In Helligkeit ausgedrückt, bedeutet das ungefähr einen Regelbereich zwischen 30 und 95 Prozent des maximalen Lichtstroms. Dabei blieb die Leuchte in jeder Phase still, während der Treiber auf maximal 5 cm Distanz leise surrte.

Breite Regelspanne dank Justierschraube

Am Phasenanschnittdimmer wurde der Trafo vor allem bei mittleren Einstellungen erheblich lauter und war auf rund 50 cm noch gut hörbar. Bei “sehr dunkel” und “volle Helligkeit” reduzierte sich das Surren auf das vom Abschnittdimmer vorgelegte Niveau. In der Praxis dürfte das jedoch kaum eine Rolle spielen, weil der Treiber meist unter einer Decke verschwindet und die Leuchte selbst keine störenden Geräusche erzeugt.

Dank Justierschräubchen und entsprechend angepasster Voreinstellung vergrößerte sich der flackerfreie, stufenlose Regelbereich mit dem Jung-Dimmer auf 1,6 bis 13,4 Watt bei einem maximalem Leistungsfaktor von 0,9. Das dürfte so etwa die Spanne zwischen 10 und 100% der maximalen Helligkeit abdecken – ein sehr ordentliches Ergebnis für ein dimmbares LED-Leuchtmittel. Kleiner Wermutstropfen: Die Anlaufzeit verlängerte sich bei der dunkelsten Einstellung auf rund eine Sekunde. Das schon am Schalter auftretende 3-Sekunden-“Ausfaden” nach dem Kappen der Stromversorgung blieb übrigens auch mit den beiden Dimmern weitgehend identisch.

Verbatim selbst empfiehlt eine Reihe von Phasenanschnittdimmern für sein LED-Downlight (in der Auswahlmaske die Produktnummer 52407 eingeben). Ich würde Ihnen dennoch einen justierbaren Phasenabschnittdimmer mit möglichst geringer Mindestlast ans Herz legen, weil damit generell die Gefahr der Geräuschentwicklung am Dimmer oder Treiber minimiert wird.

Verbatim-DL-Oberseite
Das Verbatim-LED-Downlight mit maximaler Schwenkung des Leuchtenkopfs (links) und bei planer Ausrichtung (rechts).

Mein Testurteil:

Knapp 70 Euro (UVP) sind für einen integrierten LED-Strahler kein Pappenstiel. Helligkeit, Dimmbarkeit, Lichtqualität, Optik und Nennlebensdauer des Verbatim-Downlights können aber auch höhere Ansprüche erfüllen, wie sie beim gewerblichen Einsatz oder in Design-orientierten, großen Privathaushalten gestellt werden. Im Gegensatz zu anderen Leuchten dieser Art müssen Sie keinen zusätzlichen Einbaurahmen kaufen – es ist alles komplett gebrauchsfertig in der Packung.

Die Energieeffizienz – vor allem des Treibers – ist verbesserungswürdig, ebenso die dreijährige, eingeschränkte Verbatim-Garantie für LED-Leuchtmittel. Das Stromsparpotenzial gegenüber einem Halogenspot mit ähnlich hoher Lichtstärke liegt bei rund 80 Prozent. Auf meiner bis Fünf reichenden, neuen und sehr strengen LED-Bewertungsskala genügt das insgesamt jedoch locker für
LED-SternLED-SternLED-Sterndrei Sterne.

(Offenlegung: Verbatim Europe hat mir nacheinander zwei kostenlose Testexemplare zur Verfügung gestellt. Das erste war ein offensichtlich mangelhaftes Vorserienmodell, das nach längerem Betrieb beim erneuten Aus- und Einschalten bis zu zehn Sekunden lang wild flackerte, bevor es wieder stabil leuchtete – ohne Beteiligung eines Dimmers. Dieser Strahler ging deshalb zur Nachprüfung umgehend zurück. Der Fehler konnte dort seltsamerweise bisher nicht nachvollzogen werden. Das zweite Exemplar funktioniert bisher einwandfrei und bleibt zum Langzeit-Praxistest bei mir.)

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