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10.5.2012 von Wolfgang Messer.
Fangen wir mit einem Lob an: Der Elektronikversender ELV hat bereits in seinem aktuellen Mai/Juni-Werbebrief einen kuriosen Fehler korrigiert, von dem ich im April berichtete. Damals war in der Beschreibung einer “Delock”-LED-Lampe von “28 roten LEDs unter Silikontropfen” und “16 weißen LEDs” die Rede - eine völlig unsinnige Kombination für eine “Retrofit”-Lampe. Auf einen entsprechenden Hinweis schrieb mir ein ELV-Kundenbetreuer:
Der zuständige Produktmanager hat sich direkt im Anschluss mit unserem Lieferanten der Delock-Lampe in Verbindung gesetzt. Dieser hat Ihre Aussage bestätigt, dass es sich um 16 rote und 28 weiße LEDs handeln müsste (sehr ärgerlich, da wir uns damals sogar das Bild durch den Lieferanten haben freigeben lassen). Wir werden das Bild umgehend anpassen, damit dies in unserem Online-Shop bzw. bei künftigen Werbungen richtig ist.
Und tatsächlich - jetzt stimmen Grafik und Zuordnung:

Leider geht aber auf der selben Seite des Prospektes wieder was daneben. Beworben wird nämlich eine 10-Watt-LED-Lampe (Ausschnitt links), die einer anderen (PR-Bild rechts) zum Verwechseln ähnlich sieht:

Nein, das sind nicht die gleichen, obwohl sie beide mit 10 Watt LED-Power herkömmliche 60-Watt-Glühlampen ersetzen können und auch etwa gleich teuer sind. Sie sind noch nicht mal vom selben Produzenten, obwohl sich auch deren Namen kaum unterscheiden. Die linke Lampe ist von “Ledxon” aus Bayern, die rechte eine “G95″ des österreichischen Unternehmens “Ledon” - ohne “x” in der Mitte.
“Ledon”-Marketingleiter Erik Nielsen hatte mir auf Anfrage schon vor einigen Wochen erklärt, dass er - wie auch in anderen Fällen - keinen Anlass für juristische Auseinandersetzungen wegen der Produkt- und Namensähnlichkeiten sehe. Weder die Gestaltung noch die Firmierung seien global patent- oder markenrechtlich geschützt. Die “Zumtobel”-Tochter Ledon GmbH werde aber künftig konsequent auf eine eigene “Wellen-Design”-Linie setzen, um sich von Konkurrenzprodukten zu unterscheiden.
Offenbar waren auch die ELV-Produktmanager ein wenig verwirrt, denn direkt über der “Ledxon”-Lampe ist im Prospekt dieser Vergleich zu sehen:

Preisfrage: Was wird hier verglichen? Eine 10W-“ledon”-LED-Lampe oder eine 10W-“ledxon”-LED-Lampe? Zu Ihrer Beruhigung: Es spielt bei dieser Rechnung keine Rolle, weil sie in beiden Fällen stimmt - auch wenn die “Ledon”-Lampe nominell etwas weniger Lichtstrom abgibt (600 Lumen statt 720). Prinzipiell sollte den Kunden aber schon deutlich gemacht werden, das “Ledxon” und “Ledon” zwei verschiedene Paar Stiefel sind.
Nächster Lernschritt also für die ELV-Fachleute (”Kompetent in Elektronik”): Ein “X” steht nicht immer für “Nix”.
Update (21.15 Uhr): Die ELV-Kundenbetreuung hat bereits reagiert und schreibt:
“Wir bedauern, dass tatsächlich in dem von Ihnen aufgezeigten Ausschnitt das “x” über dem Rechenbeispiel nicht aufgeführt ist. Das Rechenbeispiel bezieht sich auf das Produkt mit der ELV-Artikelnummer 106111, bei welchem es sich um eine ledxon Lampe handelt. Das zur ELV-Artikelnummer 106111 passende Bild hatten wir ursprünglich von vorgenanntem Hersteller erhalten. Unsere Agentur hat dementsprechend nach leichter Bearbeitung für die Druckvorlagen des Mediums ein aus unserer Sicht passendes Foto eingesetzt.”
Das Foto ist eigentlich kein Problem und war auch nicht von mir kritisiert worden. Die im Prospekt gezeigte Lampe ist tatsächlich - bearbeitet oder nicht - ein Produkt von “Ledxon”, auch wenn sie der von “Ledon” sehr ähnelt.
Geschrieben in LED-Beleuchtung, Werbung, Technik, Kurioses | Drucken | 2 Kommentare »
8.5.2012 von Wolfgang Messer.
Falls sich der eine oder andere Blog-Leser wundert, warum ich hier schon lange keine LED-Beleuchtungs-Sonderangebote aus Bau-, Supermärkten und Discountern mehr unter die Lupe genommen habe: Es gab in den vergangenen Wochen keine; abgesehen von LED-Taschenlampen oder den saisonüblichen Solar-LED-Gartenleuchten und -Gimmicks. Das ist für den ins Stocken geratenen LED-Konsumentenmarkt kein gutes Zeichen. Schlagzeilen machen zur Zeit auch nicht bezahlbare Produkte für Privatanwender, sondern gewerbliche Großprojekte und teure “Glühbirnen”-Ersatz-Entwicklungen mit immer neuen Helligkeitsrekorden, aber meines Erachtens begrenzter Sinnhaftigkeit.

Die Fassade des EM-Fußballstadions in Warschau wird mit 1700 digital gesteuerten LED-Leuchten der Osram-Tochter “Traxon” zu einem riesigen Farbbildschirm. (Foto: Osram-PR)
Morgen (9. Mai) startet in Las Vegas die nach eigenen Angaben größte Messe und Konferenz für Architektur- und Gewerbebeleuchtung, die “Lightfair International” (Twitter-Hashtag #LFI2012). Vordergründig werden dort die Protagonisten der Szene - wie Cree, Nichia, Philips, Osram, General Electric und Toshiba - voller Stolz neue Entwicklungen und Leistungsrekorde präsentieren. Im Hintergrund schwelt aber die ungünstige Gemengelage aus Wirtschaftskrise und Umbruch im Lichtmarkt.
Zwar haben die europäischen Beleuchtungs-Marktführer Osram und Philips schon begonnen, ihre Strukturen und Produktionsstätten mit Millionen-Investitionen und umfangreichem Arbeitsplatzabbau auf LED- und OLED-Technik umzustellen. 2011 machte LED-Beleuchtung aber nur rund zwei Prozent des Lichtmarkts in Deutschland aus. Wir reden also immer noch von einer teuren Nischentechnologie, die von privaten Haushalten nur zögernd angenommen wird (die Gründe habe ich bereits in einem anderen Blogbeitrag ausführlich erläutert).
Dass ich in den vergangenen Wochen nur wenige LED-Sonderangebote in den Prospekten der “Mainstream”-Händler (OBI, Aldi, Lidl, Bauhaus etc.) gefunden habe, liegt vermutlich nicht daran, dass sie’s wegen meiner ständigen Meckerei über mangelnde oder falsche Produktbeschreibungen und teils zu dunkle Leuchten und Lampen aufgegeben haben. Was in diesem Blog steht, interessiert wahrscheinlich in der Kohlenstoff-Welt der Beilagenbastler und Marketing-Meetings fast niemanden. Die Wahrheit ist viel unspektakulärer: Baumärkte und Discounter arbeiten in der Regel nach dem “Darwin-Prinzip” - was sich nicht schnell und massenhaft verkauft (”dreht”), fliegt gnadenlos aus dem Sortiment. Nur so kann auch mit günstigen Preisen Rendite erzielt werden.
Das gilt vor allem für Produkte, die schnell veralten. Bei LED-Lampen beträgt dieser Zyklus laut Osram-Chef Wolfgang Dehen teils nur ein halbes Jahr. Gleichzeitig liege der Preisverfall für LED-basierte Produkte bei 15 bis 20 Prozent pro Jahr. Das Problem für die Unternehmen ist also, dass sie ständig teure Neuentwicklungen auf den Markt bringen müssen, die bei geringeren Kosten mehr leisten als die jeweiligen Vorgängermodelle. Der Handel wiederum hat massive Probleme, seine Kundschaft zum schnellen und wiederholten Kauf von Lampen zu überreden, die trotz fallender Preise rund 20- bis 40mal teurer sind als die bekannten “Glühbirnen” und teilweise auch noch Qualitätsprobleme haben.
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft bei einigen Herstellern noch eine große Lücke. So sehnt sich Siemens-Tochter Osram vor dem geplanten Börsengang trotz schwieriger Marktlage nach höheren Umsatzrenditen, oder Philips entwickelte eine preisgekrönte “L-Prize”-LED-Lampe, die aber letztendlich mehr als doppelt so teuer verkauft wird wie geplant (seit April in den USA, bei uns noch nicht). Und selbst diese horrenden Preise dürften den Herstellern wegen der hohen Entwicklungs- und Produktionskosten bei begrenzten Stückzahlen nur geringe Gewinne bescheren.
Ich frage mich ernsthaft, in wie vielen Haushalten noch herkömmliche 75 oder 100 Watt starke Glühlampen mit E27-Fassung in nennenswerter Zahl im Einsatz sind, die durch LED-Lampen ersetzt werden könnten. Gibt es wirklich einen auskömmlichen Markt für weit über 50 Euro teure LED-“Retrofit”-Lampen mit deutlich mehr als 1400 Lumen Lichtstrom, wie sie aktuell von Philips und General Electric angekündigt werden?

Der in Las Vegas vorgestellte Prototyp einer 27 Watt starken LED-Lampe von “GE”, die mit über 1600 Lumen Lichtstrom heller leuchtet als eine traditionelle 100-Watt-”Glühbirne”. Geplanter Verkaufsstart: 1. Halbjahr 2013. (Foto: GE-PR)

23 Watt hat die kommende Version der Philips-”EnduraLED”. Auch sie soll mit fast 1700 Lumen herkömmliche 100-Watt-Glühlampen übertrumpfen. Die Markteinführung ist für diesen Herbst geplant. (Foto: Philips-PR)
Ich würde fast jede Wette annehmen, dass Sie bis Juni 2013 keine dieser beiden Lampen in ihrem Baumarkt finden werden. Stattdessen werden sie als “Leuchttürme” im Sortiment von diversen Online-Shops und dem gehobenen Fachhandel dienen - Luxusprodukte für Spezialisten und “Geeks”. Dem durchschnittlichen Lampenkäufer dürften sie am Allerwertesten vorbei gehen - ebenso wie die vermeintliche Werbewirkung von LED-erleuchteten Fußballstadien in Polen und der Ukraine, die bei “Otto Normalverbraucher” wohl kaum als Vorbild zur Umstellung der heimischen Beleuchtung dienen werden.
Allenfalls die Assoziation “LED-Licht ist hochwertig, edel und teuer” dürfte nach der Fußball-Europameisterschaft hängenbleiben, unter Umständen auch der eine oder andere negative Beigeschmack. Denn wer - wie zum Beispiel Osram in den Stadien Kiew und Lemberg - gute LED-Geschäfte mit dem pseudo-demokratischen Regime in der Ukraine macht, profitiert derzeit nicht unbedingt von einem positiven Image-Transfer auf seine Produkte.
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