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26.6.2010 von Wolfgang.
FIFA-Funktionäre haben bekanntlich einen nicht zu unterschätzenden Finanzbedarf, den sie auch schon mal gerne mit - sagen wir mal - etwas unkonventionellen Mitteln zu decken versuchten. Dabei bieten aber auch die durch FIFA-Chef Joseph Blatter erschlossenen konventionellen Wege durchaus erkleckliche Summen; etwa durch die eigene Produktion und Vermarktung der Fernsehbilder von der Fußball-WM 2010 (die offiziell sogar FIFA WM 2010™ heißt).
Dazu gehören in diesem Jahr auch die direkt an den Weltfußballverband zu zahlenden Lizenzgebühren für das so genannte Public Viewing. Für welche Art der Veranstaltung hier Gebühren fällig werden, war im Vorfeld heftig umstritten. Klar ist laut den FIFA-Regeln, dass “nichtkommerzielle” Vorführungen gebührenfrei sind. Hier dürfen weder Eintrittsgelder und Mindestverzehr verlangt werden, noch Sponsoren herangezogen werden. Das finanzielle Risiko liegt damit allein bei den Veranstaltern, die auf gutes Wetter, das Weiterkommen der deutschen Mannschaft und damit auf großen Publikumszuspruch bauen müssen. Nach FIFA-Angaben sind von den rund 1.600 in Deutschland gemeldeten Events “die allermeisten” nichtkommerziell.

Public Viewing bei der WM 2006 im Münchener Olympiapark. (Foto: René Stark@Wikimedia Commons)
Anders sieht es beim kommerziellem Public Viewing aus: Zwischen 1.000 und 14.000 US-Dollar sind dann pro Veranstaltung an die FIFA zu bezahlen - das muss erst mal erwirtschaftet werden. Wahrscheinlich waren deshalb auch viele deutsche Stadtverwaltungen sehr zurückhaltend bei der Planung. In Baden-Baden wird es zum Beispiel erst ab dem Halbfinale “Rudelgucken” auf dem Marktplatz bei der Stiftskirche geben - und auch nur, falls Jogis Jungs die Runde der letzten Vier erreichen sollten. In einem Kommentar des Badischen Tagblatts in Baden-Baden schreibt Sarah Breuer dazu:
Grund für die Entscheidung, erst spät und damit - man muss es ja trotz aller Euphorie einmal erwähnen - eventuell auch überhaupt nicht mehr in die Weltmeisterschaft einzusteigen, seien die Kosten gewesen, heißt es im Rathaus. Dabei hätten sich doch sicherlich Sponsoren gefunden.
Das zeugt leider von mangelnder Berücksichtigung des oben beschriebenen Regelsystems, denn was nutzt ein Sponsor, der zum Beispiel 2.000 Euro bezahlt, wenn im Gegenzug dann 2.000 Euro FIFA-Lizenzgebühren fällig würden? Unabhängig von verlangten Eintrittsgeldern wäre ja durch den Sponsor aus einer lizenzfreien eine gebührenpflichtige kommerzielle Veranstaltung geworden. Und diese hätte nach den FIFA-Regeln auch schon spätestens am 7. Mai angemeldet werden müssen.
Noch mehr Löcher in die Kassen reißt übrigens nicht nur die übliche Kostenbilanz solch einer öffentlichen Veranstaltung (Material, Logistik, Sicherheit, Energie etc.), sondern auch die Verwertungsgesellschaft GEMA: Sie hat zwar relativ günstige Sondertarife für Gastwirte, verlangt aber für’s sonstige Public Viewing je nach Größe und Dauer vier- bis fünfstellige Lizenzgebühren. Zusätzliche Ausgaben dieser Größenordnung sind in Zeiten knapper Stadtkassen häufig nicht zu stemmen und dem Steuerzahler auch kaum vermittelbar.
Trösten wir uns in diesen mageren Zeiten ständig steigender Kindergartengebühren und sonstiger Kommunalabgaben doch damit, dass es nicht allen Menschen schlecht geht. Immerhin gelingt es FIFA-Boss Sepp Blatter und seiner Entourage noch, einen gewissen Mindest-Lebensstandard zu halten.
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15.6.2010 von Wolfgang.
Dieser Sommer wird der vorerst letzte für das legendäre “Schlosshotel Bühlerhöhe” im Schwarzwald bei Baden-Baden. Zum 31. August soll der Betrieb eingestellt werden; der Vertrag zwischen Eigentümer Dietmar Hopp und dem Betreiber, der spanischen Hotelkette NH Hoteles, wird “in beiderseitigem Einvernehmen” zum 30. September aufgelöst. So richtig überraschend kam diese Nachricht gestern allerdings nicht, sie bedeutet eher das vorläufige Ende eines jahrelangen Siechtums.

Das Schlosshotel Bühlerhöhe von der Talseite aus gesehen. (Foto: Ichneumon@Wikimedia Commons)
Es ist kein Geheimnis, dass die Nobelherberge in über 95 Jahren nie einen Gewinn eingefahren hat - sie war immer ein teures Stück Liebhaberei für betuchte Unternehmer. 1986 war es Rundfunkgeräte-Pionier Max Grundig, der das heruntergewirtschaftete Hotel mit seiner nach ihm benannten Stiftung übernahm und es aufwändig umbauen ließ, inklusive dem Gourmet-Restaurant “Imperial”. Die Neueröffnung der Bühlerhöhe 1989 (über die ich damals noch als Privatradio-Moderator mit einer Sondersendung vor Ort berichtete) war der letzte Höhepunkt seines Lebens, das im selben Jahr endete. Seine Witwe Chantal führte die Max-Grundig-Stiftung und damit den Hotelbetrieb bis Mitte der 1990er-Jahre ohne großes persönliches Interesse weiter, nach erneutem Besitzer- und Managementwechsel kaufte SAP-Mitgründer Dietmar Hopp 1999 das Hotel und die angeschlossene Luxus-Klinik mit Computertomograph.

Hobby-Hotelbesitzer Dietmar Hopp (Foto: Smalltown Boy@Wikimedia Commons)
Für den milliardenschweren Unternehmer und Mäzen war die Bühlerhöhe durchaus eine Herzensangelegenheit. Er setzte den schweizer Fachmann Reto Schumacher als Hoteldirektor ein, der Hotel und Edelrestaurant wieder zu einer der ersten Adressen in Deutschland machte. Als Betreiber verpflichtete Hopp zuerst die deutsche Astron-Hotelgesellschaft, die 2002 von der wenig renommierten spanische Hotelkette NH Hoteles (Branchenspott: “Never heard”) übernommen wurde. Eigentlich hätte Hopp schon damals die Reißleine ziehen müssen: Die eher im 3-Sterne-Mittelklasse-Segment erfahrene Gesellschaft wollte massiv Kosten sparen und das Niveau des Luxushotels massenkompatibler machen.
Die Intention des Eigentümers war eine völlig andere und der unausweichliche Zoff von NH mit Hopp gipfelte im September 2005 in einem öffentlich ausgetragenen Streit um die Entlassung des Hoteldirektors Schumacher. Unvergessen ist in der Branche die damals verschickte Pressemitteilung der Familie Hopp, bei der aus jeder Zeile ungebremst Wut und Ärger tropfte. Schon damals war die Rede von rund 17 Millionen Euro “Instandsetzungs-Rückständen”, Hopp wollte die Spanier wieder los werden; es gelang nicht und die Misere nahm ihren Lauf: Mehrfach wechselndes Management, erst abgewirtschaftetes, dann geschlossenes “Imperial”, weiterer Renovierungsstau und Personalabbau bis jenseits der Schmerzgrenze.
Positive Schlagzeilen machte die Bühlerhöhe noch einmal im Sommer 2006, als hier die englische Fußballnationalmannschaft ihr Quartier für die WM in Deutschland nahm - “Beckham auf der Bühlerhöhe” schien noch ein gutes Omen zu sein für das 5-Sterne-Haus. Das ehemalige Traumschloss blieb aber, trotz einiger reicher Klienten - vorzugsweise aus Osteuropa - und eher mittelprächtiger Kongressgäste, mit Belegungsquoten von weit unter 50 Prozent ein Millionengrab.
Vorbei die glorreichen Zeiten, als hier Adenauer, Heisenberg, Orff, Heidegger und später auch diverse Scheichs logierten und defilierten auf 800 bis 850 Meter Höhe über NN. Die Finanzen waren dagegen auch damals nie über “Normal Null”. Zu teuer und aufwändig war schon der Bau von Hotel und Sanatorium 1911 bis 1914, und allein die Umbau- und Renovierungsarbeiten in in der Ära Grundig summierten sich auf rund 200 Millionen Mark.
Wie es weiter geht, ist völlig offen - genau so wie die derzeitigen Machtverhältnisse beim Hotelbetreiber. So wird heute noch in zahlreichen Agentur- und Pressemeldungen Jan Hein Simons als Geschäftsführer von NH Hoteles Deutschland bezeichnet, eine Recherche im Handelsregister Berlin-Charlottenburg ergibt aber, das Simons diesen Posten bereits seit dem 10. bzw. 11. Juni bei mindestens zwei NH-Gesellschaften nicht mehr hat. So heißt es z. B. zu “NH Hoteles Deutschland GmbH”:
Amtsgericht Charlottenburg (Berlin).
Aktenzeichen: HRB 89131 B Bekannt gemacht am: 15.06.2010 12:00 UhrIn () gesetzte Angaben der Anschrift und des Geschäftszweiges erfolgen ohne Gewähr:
Veränderungen
11.06.2010
NH Hoteles Deutschland GmbH, Berlin, Friedrichstraße 76, 10117 Berlin. Nicht mehr Geschäftsführer:; 6. Simons, Jan Hein; Geschäftsführer:; 7. Markus, Martinus, *04.07.1965, Heemstede/Niederlande; Geschäftsführer:; 8. Ruf, Philipp, *29.06.1978, Hennigsdorf.
Bis zur “Qualitätspresse” und ins Impressum von NH Hoteles Deutschland ist dieser Wechsel aber offenbar noch nicht durchgedrungen.
Update 16.6.: Die Fachpresse wusste hingegen schon vor gut einem Monat, dass Jan Hein Simons künftig für die “NH Hoteles”-Häuser in Benelux, Frankreich, Großbritannien und Afrika verantwortlich ist.
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13.6.2010 von Wolfgang.
Wie schon kurz angekündigt, hier der erste Gast-Blog-Beitrag in unserer sommerlichen “Alles außer Fußball”-Reihe. Christiane Renye ist eine liebe Freundin und Kollegin, die in Baden-Baden für die SWR-Nachrichten (auch Abteilung “Zentrale Information” genannt) arbeitet und privat im Baden-Badener Stadtteil Steinbach zusammen mit ihrem Freund (aus der Tontechnik- und Veranstaltungsbranche) das Abenteuer “Wohnen und Arbeiten im Gewerbegebiet” wagt. Und was sie dort erlebt, das lässt ihr immer mal wieder die Haare zu Berg stehen, wie ihr Brief an einen anonymen Neugierigen zeigt:

Tourismus-Geheimtipp: Ein idyllisches Gewerbegebiet bei Baden-Baden. (Foto: Google Earth)
Ah, da sind Sie ja wieder, Sie unliebsamer, uneingeladener Gast!
Da heben Sie das Bein, um über meinen Zaun zu steigen, auf meinem Parkplatz zu stehen und mein Haus zu beäugen. Ja, kommen Sie ruhig näher! Das ist unsere Lagerhalle, und ja, da ist ein kleines Fenster, durch das Sie unbedingt hineinspähen sollten, um zu sehen, was sich darin befindet. Sie sollten auch unbedingt wissen, dass darin gerade ein Tonstudio gebaut wird. Spannend, gell?
Sie möchten auch mein Haus sehen? Aber gerne! Das hier ist unser Wohnzimmer, bitte entschuldigen Sie, dass da noch die Flaschen und Gläser von gestern Abend herumstehen. Ich bin einfach noch nicht zum Aufräumen gekommen, weil schon sechs andere Neugierige eine Hausbesichtigung vornehmen wollten. Wie? Nein, ich will mein Haus nicht weitervermieten oder verkaufen. Es ist nur offenbar von großem Interesse für die Menschen am Ort. Die aus den stinknormalen Wohngebieten, mit ihren kleinen Vorgärtchen, mit ihren schicken Carports und den pittoresken Reh-Gemälden an der Hauswand.
Da gibt es natürlich nicht so viel zu gucken wie im Gewerbegebiet, wo die Häuser selten, die Lagergebäude geheimnisvoll und die Grundstücke weitläufig sind. Und wo Zäune oder andere Absperrungen offenbar kein Hindernis für den Voyeurismus des Alteingesessenen darstellen. Schließlich muss er ja wissen, was sich im Gewerbegebiet so tut. Und so pilgert er in Scharen am Wochenende ins Naherholungsgebiet Steinbach-West, um hier bauliche Neuerungen oder wirtschaftliche Niedergänge in Augenschein zu nehmen.
Natürlich rechnet er nicht damit, dass hier Menschen leben, die vielleicht sogar Wert auf ein Privatleben legen. Wenn keiner da ist, darf man ja schließlich mal gucken. Oder?
Mal ‘nen Blick riskieren: Was da wohl zu sehen ist hinter den Jalousien? (Foto: M. Paha)Aber hiermit tue ich kund und zu wissen: ICH wohne hier und ich lege Wert auf meine Privatsphäre. Deshalb habe ich einen Zaun, an dem sogar ein Schild hängt: Privatgrundstück. Das habe ich wegen Ihnen da hingehängt, lieber unliebsamer und uneingeladener Gast. Und trotzdem erdreisten Sie sich, das Bein zu heben und drüberzusteigen. Darf ich Ihnen sagen, dass ich das dreist finde, unhöflich und respektlos? Ich denke schon.
Aber vielleicht mache ich am nächsten Wochenende mal einen Ausflug ins Wohngebiet. Dann werde ich mich durch Ihre Kirschlorbeerhecke drängeln und an Ihrer Küchentür stehen. Ob Sie mir dann einen Tee anbieten und mir Ihr Schlafzimmer zeigen? Ich glaube nicht. Im schlimmsten Fall gibt´s eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs. Denn genau das ist es. Und daran denken Sie doch bitte mal, wenn Sie sich am Sonntag wieder ein Ausflugsziel suchen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Christiane Renye
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11.6.2010 von Wolfgang.
Ein etwas anderer Autotest…

Das Ford-Spezialmodell Jokus RRV für den Härtetest “BAB 5“. (Foto: RX-Guru@Wikipedia)
Eigentlich hätte ja schon längst jemand darauf kommen können - Mercedes zum Beispiel oder VW; jetzt aber hat Ford das erste Spezialmodell auf den Markt gebracht, das den Abschnitt der Bundesautobahn 5 zwischen Baden-Baden und Offenburg meistern kann, ohne in Einzelteile zu zerbröseln und ohne seine Insassen zu Invaliden zu machen.
Der Ford Jokus “Rallyecross Rhine Valley“ (kurz RRV) ist eine Weiterentwicklung und die straßenzugelassene Quintessenz der bisher für Offroad-Wettbewerbe entwickelten Modelle der Kölner Autobauer. Ausgangspunkt für die Konstruktion waren die speziellen Herausforderungen, die die A 5 derzeit zu bieten hat: Dutzende Meter lange und bis zu einem halben Meter tiefe Schlaglöcher, die innerhalb von Minuten aufbrechen können, abrupt aufplatzende Fahrbahnnähte, Dreck und enge Fahrspuren in den Baustellenbereichen sowie heftige Slalommanöver wegen diverser überraschend auftauchender, fester oder rollender Hindernisse.
Ein stabiler Leiterrahmen bildet deshalb zusammen mit den Starrachsen das Rückgrat des Fahrwerks, ergänzt durch schluckfreudige Lindsay-Lohan-Längsblattfedern und Pamela Anderson-Doppel-Stoßdämpfer. Der Federweg wurde dem Einsatzzweck entsprechend auf 80 Zentimeter erhöht, die Wattiefe (wichtig bei Fahrbahnüberflutungen) liegt bei satten 1,20 Meter. Die Luftzufuhr für Motor und Fahrgastraum wurde dazu auf das Dach verlegt (siehe Foto oben). Felgen und Karosserie sind aus hochfestem Stahl, wie er auch in den Radkränzen des ICE-Hochgeschwindigkeitszuges zum Einsatz kommt, die Scheiben aus bruch- und rissfestem Panzerglas und die Reifen aus Kevlargewebe mit Moosgummi-Einlage aus dem Rallyesport. Platzende Pneus gehören somit der Vergangenheit an.
“Bei der Reifenprofilierung und -Mischung haben wir weniger Wert auf Trockengrip gelegt,” erklärt Entwicklungsingenieur Björn Acker, “stattdessen war uns die Traktion auf Kies, Sand, Wasser und Schlamm wichtiger und die Auflagefläche sollte natürlich mindestens viermal die Strecke Baden-Baden/Offenburg und zurück aushalten, ohne die Profilblöcke abzuwerfen”. Keine leichte Aufgabe also und tatsächlich ist der RRV auch ein wenig schwerer geraten als die üblichen Mittelklasse-Limousinen: Knapp vier Tonnen bringt er auf die Waage. Allerdings sind hier bereits die beiden transportablen zwei Meter langen Auf- und Überfahrtsrampen im üppigen Kofferraum enthalten, mit denen sonst unpassierbare Fahrbahnlücken und Schlaglöcher überwunden werden können.
Beim Fastvoice-Test konnte der Jokus RRV trotz seines hohen Gewichts mit überzeugenden Fahrleistungen glänzen: Dank des knapp 300 PS starken 4,6-Liter-V8-Motors aus dem Ford Explorer beschleunigt der RRV auch auf losem Untergrund in nur 2 Sekunden von 0 auf das Tempolimit von 40 km/h zwischen Achern und Appenweier; die Motorleistung wird durch den Allradantrieb mit starrem Durchtrieb und fester 50:50-Kraftverteilung meisterhaft in Vortrieb umgesetzt. Beeindruckend ist das Schluckvermögen der Federung: Während den bedauernswerten Insassen der Fahrzeuge neben uns ständig die Plomben aus den Zähnen fliegen, die Bandscheiben zerbröseln und die Fahrbahn von abgeschüttelten Karosserieteilen anderer Autos übersät ist, bleibt im RRV sogar die Brille auf der Nase sitzen.

Schlaglöcher wie dieses schluckt der Ford Jokus RRV wie nix. (Foto: Wikimedia Commons)
Wunder sollten Sie allerdings nicht erwarten: Essen und Trinken ist während der Fahrt auf der Marterstrecke A 5 auch im RRV nicht ohne nachhaltige Verschmutzung des Innenraums und der Kleidung möglich. Aber selbst wenn es am Ziel der Reise in Offenburg innen aussehen sollte “wie Sau”: Das Fahrzeug macht außen noch einen recht propperen Eindruck, derweil die ursprünglichen Formen herkömmlicher Automodelle nach derselben Tortur nur noch ansatzweise zu erkennen sind und der Besitz eines intakten Auspufftopfs, einer ungesplitterten Windschutzscheibe, vier runder Felgen und luftgefüllter Reifen einen seltenen Luxus darstellt.
Ford empfiehlt allerdings nach jeweils 20 Kilometern auf der A 5 das Nachziehen aller Radmuttern, alle 40 km eine kleine Inspektion mit Kontrolle der tragenden Teile und alle 80 Kilometer den Ersatz der Radnaben, des vorderen “Bullenfängers” und der Außenspiegel.
Das Fazit: Ford hat erkannt, dass es bei dem maroden Zustand unseres Straßennetzes und der öffentlichen Haushalte keines tiefergelegten Supersportlers in Leichtbauweise mit teurer und ineffizienter Energiespartechnik bedarf. Hier sind andere Qualitäten gefragt und die hat Ford konsequent in seinem RRV umgesetzt und eingebaut. Klasse gemacht! Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Kunden diesen Ansatz würdigen und die Konkurrenz im üblichen deutschen Innovationstempo nachzieht - vermutlich schon in drei bis vier Jahren, wenn die A 5 zwischen Baden-Baden und Offenburg schon längst komplett saniert und auf sechs Spuren erweitert worden ist.
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11.6.2010 von Wolfgang.
Da sich in den nächsten Wochen alles um die “Grashüpfer” in Südafrika dreht und das Interesse am normalen Leben erfahrungsgemäß spürbar nachlässt (auch bei den Blog-Lesern), werde ich hier bis Ende Juli das Spielfeld für ein paar alternative “Freistöße” öffnen: Abseitiges, Kurioses, Privates, Unglaubliches, Unerhörtes und jede Menge mehr, was hier sonst eher nicht stattfindet.
Dazu gehören auch Gastbeiträge (der erste kommt schon in Kürze, weitere Vorschläge bitte hier einwerfen), Lokales und Regionales aus dem Bereich Karlsruhe/Baden-Baden/Offenburg und das eine oder andere nicht ganz Ernstzunehmende. Vielleicht finden sich ja ein paar Leser, die’s interessiert.
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4.6.2010 von Wolfgang.
Eigentlich müssten wir als Besitzer von drei Freigänger-Katern jeden Tag in totaler Angst leben, denn in den letzten Wochen sind angeblich mal wieder kriminelle Katzenfänger in unserer Region Baden-Baden/Rastatt unterwegs und haben schon Dutzende von armen, unschuldigen Miezen erwischt. Wenn man verängstigten, verzweifelten und verstörten Tierbesitzern glaubt, werden ihre verschwundenen Lieblinge wahlweise als Labortiere oder für “schwarze Messen” missbraucht, zu Rheumadeckchen oder gar exotischen Gerichten verarbeitet. Panikattacken verursachen da schon Altkleider- und Schuhsammlungen, bei denen laut selbsternannten “Experten” die mit Lockstoffen präparierten gelben oder orangefarbenen, leeren Sammeleimer von dubiosen Gestalten (in weißen Lieferwagen mit verdunkelten Scheiben) offenbar an bestimmten Stellen vor Häusern abgestellt werden, in denen Katzen vermutet werden.

Zwei unserer drei Freigänger spähen von der Terrassentür aus nach Katzenfängern - entdeckt haben sie bisher noch keine. (Foto: W.Messer)
Warum wir trotzdem guten Gewissens unsere Katzen ins Freie lassen? Weil ich diese Horrorgeschichten für eine Urban Myth (Moderne Sage) halte, ähnlich wie die “Spinne in der Yucca-Palme” (die Yucca ist übrigens keine Palme, sondern ein Spargelgewächs, aber das nur am Rande) oder den eisenhaltigen Spinat oder die “Bonsai-Katzen“-Legende. Wenn nämlich die deutsche Polizei in jedem Bereich der Kriminalität eine so katastrophal niedrige Aufklärungsquote hätte wie bei illegalen Tierfängern, könnte sie ihren Laden genauso gut zumachen - kein Gauner würde je gefasst. Auch wenn “Tierschützer” es häufig anders behaupten: In Deutschland wurde noch nie ein Tierfänger-Ring ausgehoben und in der Regel ermittelt die Polizei bei verschwundenen Katzen auch nicht gegen “unbekannte Tierfänger”; von wenigen Ausnahmen abgesehen, die aber allesamt ins Leere liefen und teils nachträglich für sinnlos erklärt wurden. Auch gezielte Durchsuchungen von Kleintransportern, in denen angeblich die gefangenen Katzen kläglich miauten, blieben allesamt ergebnislos.
Seriöse Tierschutzorganisationen haben sich schon mehrfach mit der Thematik befasst, Sammelbehälter auf Lockstoffe untersucht (nichts gefunden), bei den kommerziellen Kleidersammlern nachgehakt, Vermisstenfälle recherchiert und vermeintliche Diebstahl-Zeugen befragt. Ergebnis: Gleich null. Selbst wenn in einer Region mal eine merkwürdige Häufung von verschwundenen Katzen verzeichnet wurde, gab es nie eine konkrete Spur zu Katzenfängern, sondern meist eine andere Erklärung. Aber wer sich mal auf einen Glauben versteift hat, der lässt sich natürlich nicht von der lästigen Realität davon abbringen. Nichts gefunden? Also bitte, das liegt natürlich nicht daran, dass es keine Katzenfänger gibt, sondern dass eben nicht gründlich genug gesucht wurde.
Das Ausmaß an Ignoranz, Angstmacherei und manchmal auch purer Dummheit, das einem aus diversen Internet-Foren entgegenschlägt, ist schier unfassbar. Da hilft es noch nicht mal, wenn selbst der Vorsitzende des Landestierschutzverbandes Baden-Württemberg, Herbert Lawo, die Katzenfänger-Theorie massiv bezweifelt: “Es gibt viele Punkte, die dagegen sprechen und keine Beweise dafür”. So würden Labortiere speziell gezüchtet, um eine genetische Vergleichbarkeit bei den Versuchen gewährleisten zu können und das Verarbeiten heimischer Tiere zu Rheumadecken sei zu teuer.
Seltsamerweise scheint das der Deutsche Tierschutzbund etwas anders zu sehen. Er hält es laut seiner Website durchaus für möglich, dass gestohlene Tiere zu illegalen Tierversuchen eingesetzt oder ins europäische Ausland exportiert werden, fordert zu möglichst konkreten Anzeigen bei der Polizei auf und bittet um Spenden für sein 1999 eingerichtetes Tierdiebstahlregister.
Viel wahrscheinlicher als Tierversuche und Pelzverwertung ist aber, dass die Tiere durch Jäger oder im im Straßenverkehr zu Tode kommen, vor allem in der Brunftzeit ihr Stammrevier verlassen und nicht mehr zurück finden oder irgendwo eingesperrt und später ohne Wissen des Besitzers in ein Tierheim gebracht werden. In der Statistik der vermissten Tiere werden die tot oder lebend wiedergefundenen Katzen allerdings nicht gegengerechnet, deshalb kann man die jährlich rund 2000 verschwundenen Katzen in Deutschland nicht insgesamt als “ungeklärte Fälle” bezeichnen oder gar ohne weitere Prüfung vermeintlichen Dieben anlasten.
Ich persönlich fände es auch nachvollziebar, dass manche Tiere die Schnauze voll hatten von ihren geistig benachteiligten Besitzer(inne)n und das Weite suchten. Ich würde mich jedenfalls als Katze schämen, zu einer Person zu gehören, die solchen Unsinn verzapft und vielleicht auch noch glaubt, dass Behörden, Polizei, Wissenschaft, Industrie und Altkleidersammler eine mafiöse Verschwörung zum massenhaften Katzenfang gebildet haben (deshalb auch die Null-Prozent-Aufklärungsquote, logisch).
Selbstverständlich sind bei diesem Niveau auch die hartnäckigen Gerüchte über den Verzehr von Katzenfleisch in Deutschland nicht aus der Welt zu schaffen. Dass jedoch ausgerechnet auf der Website chefkoch.de besonders heißblütig über Katzendiebstahl diskutiert wird, sollte mir vielleicht doch zu denken geben. Allerdings werden dort keine passenden Rezepte angeboten.

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