Im Test: „Candlelight“-LED-Lampe von LEDON – dezentes Stimmungslicht

Besonders „warmes“ Licht bieten drei neue „Candlelight“-LED-Lampen von LEDON. Mit nur 2000 Kelvin Fabtemperatur sollen sie den Farbeindruck einer Wachskerze oder einer stark gedimmten Glühlampe vermitteln. Ob das gelungen ist, klärt ein Test mit der dimmbaren, 7 Watt starken E27-„Birne“.

LEDON-7W-Candlelight-Leuchtbild
Sorgt fast für Lagerfeuer-Atmosphäre: Die ziemlich rund strahlende, „ultra-warm-weiße“ 350-Lumen-Lampe aus der neuen „Candlelight“-Serie von LEDON. (Fotos: W. Messer)

Nein, diese LED-„Candlelights“ flackern nicht wie Wachskerzen oder die LED-Kerzen-Imitate, die’s für ein paar Cent in jedem Baumarkt gibt. Diese neuen, weitgehend in China gefertigten LEDON-Retrofits verstehen sich als echte, wenn auch sehr besondere Beleuchtung. Dafür sprechen jedenfalls die offiziellen Daten: Die klare E14-“Kerze” kommt in zwei Varianten – mit 5 Watt, nicht dimmbaren 250 Lumen Lichtstrom und 230 Grad Halbwertswinkel für UVP 9,99 Euro (pdf-Datenblatt), sowie mit 6 W, dimmbaren 350 lm und ebenfalls 230° für 16,99 € (Datenblatt). Das sind immerhin ähnliche Helligkeitswerte wie bei Glühlampen mit 25 bzw. 32 Watt.

Die A60-Version mit E27-Sockel und matter Haube, 7 W, 350 lm und 260° gibt’s bisher nur dimmbar mit einer Preisempfehlung von 11,99 €, Datenblatt) – sie ist hier die stellvertretende Testkandidatin. Allen Varianten gemeinsam sind der Farbwiedergabeindex Ra 80, das EU-Effizienzlabel A und die Nennlebensdauer von 25.000 Leuchtstunden sowie 100.000 Schaltzyklen.

Weihnachtsstimmung mit Halbleiterlicht

LEDON-7W-Candle-aus-Packung
Die ausgeschaltete 7-Watt-Lampe allein verrät oberflächlich noch nichts über ihre Besonderheit; erst die Verpackung gibt uns ein paar grafische und schriftliche Hinweise, dass hier keine normale LED-„Birne“ drin steckt.

111 mm lang, maximal 6 cm breit, 105 Gramm schwer, eine Kombination aus weißem Aluguss-Gehäuse, matter Kunststoffhaube und E27-Metallschraubsockel – bis hierhin könnte das eine der üblichen, „warm-weißen“ LED-Retrofits sein. LEDON-7W-Candlelight-AufdruckWer aber genauer hinschaut und ein bißchen Ahnung von Farbtemperaturen hat, dem bietet der kleine Korpus-Aufdruck (Foto rechts) schon ein Aha-Erlebnis: „2000 K“ sind satte 700 Kelvin weniger als bei normalen, ungedimmten „Glühbirnen“ und liegen ungefähr im Bereich der altbekannten LEDON-„Sunset Dimming“-Lampe, bei der auf unterster Dimmstufe statt der vier „warm-weißen“ und vier roten Halbleiter nur noch ein bernsteinfarbener LED-Chip leuchtet.

LEDON-7W-Candlelight-anIn der neuen „Candlelight“-Baureihe gibt es laut LEDON-Auskunft nur eine Chip-Version mit spezieller Beschichtung, keine Mischung aus drei verschiedenen Lichtfarben. Beim Dimmen ändert sich die Farbtemperatur also nicht – sie bleibt so wie im Bild links; es ändert sich nur die Helligkeit.

Mein erster Praxistest ist immer der Betrieb an einem normalen Schalter mit einer offenen, hängenden Fassung. Hier gab es maximal eine halbe Sekunde Einschaltverzögerung bis zur vollen Leistung und ein leises Surren, das in stiller Umgebung höchstens 10 cm weit zu hören war. Das Display der Digitalkamera zeigte keinerlei Flimmern oder Flackern.

Mein Amateur-Energiemessgerät attestierte nach zwei Stunden „Einschwingen“ 7,2 Watt Leistungsaufnahme bei einem elektrischen Leistungsfaktor von 0,97 (im Profi-Partnerlabor waren’s 6,9 W und Faktor 0,82). Die Haube blieb dabei nur handwarm; dafür kletterte die Temperatur an der heißesten Gehäusestelle oben auf 74 Grad – das ist etwas mehr als bei einer im Juli 2013 getesteten, „normalen“ 7-W-LEDON-Lampe.

Surren und Flimmern am Dimmer

Nicht optimal waren die Ergebnisse der Dimmer-Tests: Am nicht justierbaren Phasenabschnittdimmer aus dem Baumarkt verstärkte sich das Surren etwas und war bei dunkelster Einstellung auf rund 15 cm Distanz hörbar. Hier gab’s im Kamera-Display auch ein merkliches Flimmern, das sich bei helleren Reglerstellungen abschwächte. Die Einschaltverzögerung blieb bei maximal 0,5 s; beim Ausschalten leuchtete die Lampe maximal noch eine Sekunde nach. Immerhin ließ sich die Leistungsaufnahme zwischen 2,7 und 8,4 Watt (Dimmer plus Lampe) stufenlos und flackerfrei regeln – das entspricht etwa einem Helligkeitsbereich zwischen 20 und 100 Prozent.

Der justierbare Jung-Phasenanschnittdimmer ermöglichte mit 1,8 bis 8,4 Watt (ca. 10 bis 100%) ein breiteres Regelspektrum. Allerdings surrte er bei dunkelster Einstellung ähnlich vernehmbar wie die Lampe bis etwa 50 cm Entfernung. Außerdem startete die „Candlelight“ hier mit einem kurzen Flackern, bis die interne Regelelektronik die niedrige Helligkeitsanforderung korrekt identifizierte und die LEDs nach rund einer Sekunde stabil leuchten ließ – abgesehen vom erneuten Flimmern, das manche Menschen auch ohne technische Hilfsmittel wahrnehmen. Bei helleren Dimmerstellungen wurde es schwächer, die Ein- und Ausschaltverzögerungen reduzierten sich auf ca. eine halbe Sekunde und auch das Surren wurde erheblich leiser.

Mein Tipp: Wenn Sie die LEDON-„Candlelight“ im Schlafzimmer einsetzen wollen, nehmen Sie entweder nur einen Schalter oder einen justierbaren Phasenabschnittdimmer – das gilt übrigens für fast alle bisher getesteten dimmbaren LED-Lampen, weil’s damit meistens die geringsten Probleme gibt.

Eigenwerbung Juni 2014

Der Farbeindruck ist gewöhnungsbedürftig

Und wie sieht’s mit dem Lichteindruck und der Farbwiedergabe aus? Positiv ist in jedem Fall die Abstrahlcharakteristik, wie auch das Leuchtbild ganz oben zeigt: Sehr schön gleichmäßig und rund – weitgehend mit einer Glühlampe vergleichbar. „David Communication“ hat in meinem Auftrag knapp 273 Grad Halbwertswinkel gemessen (pdf-Download des Diagramms). Auch die Helligkeit übertrifft laut Labor mit rund 378 Lumen die Herstellerangabe von 350 lm (pdf-Download des Messprotokolls).

Der Farbeindruck kann nach meiner Einschätzung allerdings nicht ganz mit dem einer gedimmten „Sunset Dimming“-Lampe mithalten. Das „Ultra-Warm-Weiß“ scheint mir vor allem beim direkten Blick auf die Haube einen leichten Rosa-Stich zu haben. Beim Standard-Farbtreue-Foto mit einer roten Ducati 916 auf weißem Untergrund (Weißabgleich „bewölkter Himmel“, ohne Nachbearbeitung) fällt das aber kaum auf:

LEDON-7W-Candlelight-Farbtreue

Logisch: Die beabsichtigte, starke Orange-Rot-Verschiebung ist unübersehbar; der Farbtemperatur-Nennwert wird mit gemessenen 1977 Kelvin bestätigt. Erstaunlich gut fällt das Labor-Urteil für die Farbwiedergabe aus: Ra 85,1 – außerdem überdurchschnittliche 32,4 für die Zusatz-Messfarbe R9 („Rot gesättigt“, für „weiße“ LEDs die schwerste Herausforderung) und erstaunlicherweise auch saubere 87,4 für R12 („Blau gesättigt“). Das hätte man einer LED-Lampe dieser besonderen Art nicht auf Anhieb zugetraut.

Das dazugehörige Spektraldiagramm (Strahlungsleistung in Milliwatt pro Nanometer Wellenlänge) macht mit seiner breiten „Bergspitze“ um 620 nM, den nicht sehr steil abfallenden Flanken und der rechts weit in Richtung „Tiefrot“ reichenden Kurve einen wirklich guten Eindruck:

LEDON-7W-Candlelight-Spektrum

Das kleine Hügelchen bei ca. 460 nM erinnert daran, dass selbst diese „ultra-warm-weißen“ LEDs ursprünglich blau leuchtende Chips waren, bevor sie mit einer Blaufilter-Luminiszenz-Konversionsschicht aus Silikon überzogen wurden.

Mein Testurteil:

LEDON-Candlelight-aus2Die neue 7-Watt-„Candlelight“-Lampe von LEDON kann man sicher nicht mit den üblichen Maßstäben für LED-Beleuchtung beurteilen. Trotz extrem „warmer“ Farbtemperatur und daher recht schwacher Effizienz (ca. 50 Lumen/Watt) bietet sie jedoch wirklich nutzbare, dezente Helligkeit mit sehr ordentlicher Farbtreue für stimmungsvolle (Weihnachts-)Stunden – im Gegensatz zu ähnlichen Retrofits der Konkurrenz, die sich also reines Deko-Licht verstehen. Ob Ihnen knapp 12 Euro dafür zu viel sind, ist wohl ebenso Geschmackssache wie die leicht gewöhnungsbedürftige Lichtfarbe.

Die prinzipiell mögliche Helligkeitsregelung empfehle ich wegen eventueller Geräuschentwicklung und Flimmer-Effekte nur mit wirklich geeigneten Dimmern – LEDON gibt dazu einige Produktempfehlungen. Überdurchschnittlich sind Nennlebensdauer, Materialgüte und Verarbeitung; der österreichische Mittelständler achtet als Premium-LED-Anbieter schon traditionell auf qualitativ hochwertige Arbeit seiner Zulieferer. Insgesamt sortiert sich die „Candlelight“ deshalb in der Mitte des Spektrums meiner neuen, strengen LED-Bewertungsskala ein und bekommt
LED-SternLED-SternLED-Stern halbzweieinhalb Sterne.

Offenlegung: LEDON hat mit mir die Lampe gratis zur Verfügung gestellt; sie bleibt zum üblichen Dauertest bei mir.

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5 Gedanken zu „Im Test: „Candlelight“-LED-Lampe von LEDON – dezentes Stimmungslicht

  1. Diese Lichtfarbe wurde bzw. wird in den Niederlanden seit Jahren (und mit allen jeweiligen Techniken Glühlampe, KLL und LED) als „Flame“ verkauft. Sehr gemütlich in Wohn- und Schlafräumen. Es werden meist 2200 oder 2300 K angegeben. Im Baumarkt gibts es z.B. diese Pharox.

  2. Wie auch meine noch vorhandenen Kompaktleuchtstofflampen wechseln auch die in meinem Haushalt immer mehr werdenden LED-Lampen hin und wieder ihren Einsatzort — sei es, weil bestimmte Steh- oder Tischleuchten durch eine andere Beleuchtung ersetzt wurden oder weil ich einfach Lust auf eine Veränderung habe. 🙂

    Auch wenn ich eine etwas wärmere Farbtemperatur als die von Glühlampen gewohnten 2700 Kelvin in bestimmten Situationen ganz nett finde, würde ich mir jedoch nie ein Leuchtmittel kaufen, das von Haus aus nur eine deutlich wärmere Lichtfarbe abstrahlen kann und damit subjektiv dunkler erscheint. Eine „Wiederverwertung“ eines derartigen Leuchtmittels an einer anderen Stelle außerhalb z. B. des Schlafzimmers wäre für mich nur bedingt möglich. Dass ich mir für den geforderten Preis gleich zwei LED-Lampen mit Ra ~ 90 kaufen könnte, sei nur nebenbei erwähnt.

    Wenn die Farbtemperatur einer 2700-Kelvin-LED-Lampe dann aber doch ein wenig gemütlicher wirken soll, würde ich je nach Möglichkeit einfach einen anderen Lampenschirm benutzen oder schlichtweg ein Stück gefärbtes Pergamentpapier über die Lampenhaube stülpen.

  3. Ich möchte Max insofern beipflichten, dass ein geeigneter Lampenschirm seit altersher die Lichtfarbe beeinflusst und dem Einsatzzweck entsprechend gewählt wird. Ein 6000 Kelvin-Fehlkauf tut bei mir unter einem mattgelben Schirm seinen Dienst und wandelt wie durch Zauberhand das eigentlich unerträglich kalte Licht in ein wunderbar warmes, aber lichtstarkes Leuchtbild ab. Ob also ein industriell heruntergepimtes Lämpchen für nicht wenig Geld sein muss, mag jeder selbst entscheiden.

  4. Hallo zusammen,

    kennt jemand auch im Strahlerbereich eine qualitativ hochwertige, extra warmweiße GU10-Variante? Sie dürfte gerne auch Blendarm sein, das wäre noch interessanter…

    Was oben erwähnt wurde, ist sicherlich richtig. Man kann eine solch warmweiße Farbe nur bedingt einsetzten. In meinem Fall wäre das sehr gut möglich, weil in diesem Raum noch andere Kreise mit anderen LED-Strahlern verbaut sind und ich ggf. Licht mit ca. 2750 Kelvin hinzuschalten könnte…

    Über nen Tipp wo ich was Gutes kriegen kann würde ich mich sehr freuen.

    p.s. Ra90 wäre natürlich das i-Tüpfelchen 😉

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