Im Test: LED-Stiftsockellampen von LCTW – gelungene Premiere

Anständiges, einigermaßen helles Licht aus kleinen LED-Stiftsockellampen – geht das? Häufig nicht; „LED’s change the world“ (LCTW) ist der erste Versuch mit G9- und G4-Retrofits jedoch gelungen – sogar besser als der Konkurrenz.

LCTW-Stiftlampen-Kombi
Die neuen, nicht dimmbaren LCTW-LED-Stiftsockellampen und ihre Verpackungen: Schon die Daten lassen auf recht viel Helligkeit aus kleinstem Raum hoffen. (Fotos: W. Messer)

Eigentlich müssten die Chips und Elektronikbauteile in LED-Stiftsockellampen unter chronischer Klaustrophobie und ständigen Hitzschlägen leiden – so eng, wie der Platz in diesen kleinen Bauformen ist. Viele Hersteller haben ein Einsehen und machen die Gehäuse solcher G9- und G4-Lämpchen einfach deutlich größer als bei den Halogen-Vorbildern. Das hat aber den Riesen-Nachteil, dass die sparsamen LED-Leuchtmittel in viele Hoch- und Niedervolt-Leuchten nicht mehr ‚reinpassen und daher keine echten Retrofits sind.

LCTW-G9-LabelAndere Anbieter versuchen’s bei annähernd gleichen Dimensionen mit weniger Leistung oder etwas „kühleren“ Lichtfarben (sprich: höhere Effizienz), um wenigstens das Hitzeproblem zu minimieren. Helligkeitshungrige „Licht-Feinschmecker“ werden damit auf Dauer nicht unbedingt glücklich.

Mein Blog-Werbepartner „LED’s change the world“ (LCTW) aus Königswinter hat bei seinen ersten LED-Stiftsockellampen „Made in P. R.C.“ (Volksrepublik China) deshalb einen Kompromiss versucht: Etwas größer als die 15- und 20-Watt-Halogen-Opas, nicht dimmbar, aber mit vergleichbarer Helligkeit und Glühlampen-ähnlicher, „warm-weißer“ Farbtemperatur. Sogar der Abstrahlwinkel soll ähnlich breit sein – und das alles für jeweils nur 4,95 Euro, mit dem zweitbesten EU-Ökolabel A+ (Packungsausschnitt links oben – bei beiden Varianten gleich) und einer Nennlebensdauer von mindestens 15.000 Leuchtstunden sowie über 100.000 Schaltzyklen. Haut das hin oder geht’s in die Hose?

G9-Lichtwunder mit Keramikhülle

LCTW-G9-aus51,5 mm Gesamtlänge, maximal 17,2 mm Durchmesser und laut meiner Waage nur 12 Gramm leicht (offiziell 20 g): Das sind die Dimensionen des nominell 2,8 Watt und 200 Lumen starken G9-Hochvolt-Lämpchens von LCTW. Sockel und Prismenoptik sind aus Kunststoff; der große Gehäuseteil dazwischen besteht aus Keramik, das die Hitze der Elektronik darunter sehr gut ableiten kann. Leichte Ähnlichkeiten mit einem im Sommer getesteten LEDON-Modell sind vermutlich nicht zufällig – das gilt analog übrigens auch für die G4-Varianten der beiden Konkurrenten.

Unter der Haube offenbaren sich allerdings deutliche Unterschiede: Bei der LCTW-G9 leuchten nur drei statt sechs SMD-LED-Chips und die konkave Linsenoptik ist stark geriffelt mit einem Zackenkranz oben. Kaum zu glauben, dass mit der kleinen Lichtaustrittsfläche und dem Prisma ein recht breiter Halbwertswinkel von 200 Grad erreicht werden soll, wo doch LEDON mit ähnlicher Bauform nur 130 Grad verspricht. Wird das von meinem Leuchtbild und den Laborwerten bestätigt?

Stilles Licht, aber leider nicht flimmerfrei

LCTW-G9-Packung-SeiteSehen wir gleich – jetzt kommen wir erstmal zu meinen Praxisversuchen in einer offenen, hängenden Testfassung. Dort startete die LCTW mit maximal einer Viertelsekunde Verzögerung und zog nach zwei Stunden Dauerleuchten 3,2 Watt mit einem elektrischen Leistungsfaktor von 0,63 (im Profi-Labor waren’s 2,9 W und Faktor 0,42). Dabei blieb sie absolut still, wurde jedoch mit maximal 63 Grad an der heißesten Gehäusestelle oben merklich warm. Nach dem Ausschalten „glühten“ die LED-Chips noch rund zwei Sekunden nach. Bis hierhin also kein Problem; die Packungsaufschrift „Instant Full Light/sofort hell“ (Foto links) können wir gelten lassen.

Weniger schön wird’s jedoch, wenn Sie sich das Licht der G9-Lampe auf dem Display einer Digitalkamera anschauen oder über besonders sensible Augen verfügen: Dann offenbart sich leider ein starkes Flimmern, weil die Glättung der Stromversorgung bzw. die Schaltfrequenz der Helligkeitsregelung wohl aus Platzgründen zu grob ausgefallen sind. Das kann sich auch für „Normalsichtige“ bemerkbar machen, wenn Sie beispielsweise beim Licht der LED-Stiftsockellampe Schuhe putzen und die schnellen Handbewegungen mit Bürste oder Wischlappen abgehackt erscheinen – wie unter einem Stroboskop.

Kein wirklich rundes Leuchtbild

Nicht wirklich gleichmäßig oder gar rund präsentierte sich das Leuchtbild. Je nach Drehung der Lampe bekommen Sie eine etwas andere Abstrahlcharakteristik in Blickrichtung. Die Linsenoptik kann das von den drei LEDs gelieferte Licht also nur begrenzt homogenisieren. Immerhin geht in jedem Fall noch eine große Portion Helligkeit in Richtung Sockel – also bei hängender Montage nach oben. Das Labor meines Kooperationspartners „David Communication“ bescheinigt mit gemessenen 216 Grad sogar einen breiteren Halbwertswinkel als angegeben (pdf-Download des Diagramms):

LCTW-G9-Leuchtbild

Und wie sieht’s mit der Lichtqualität aus? Offiziell sollen beide LCTW-Stiftsockellampen 2700 Kelvin Farbtemperatur und eine Farbtreue von über Ra 80 haben – das würde für die meisten Einsatzbereiche zuhause genügen. Bei meinem Standard-Farbtreuebild mit einer sattroten Ducati 916 im Kleinformat auf weißem Untergrund (Weißabgleich „bewölkter Himmel“, ohne Nachbearbeitung) macht sich neben der Halogenlampen-ähnlichen Gelb-Orange-Einfärbung subjektiv ein ganz leichter Grünstich bemerkbar; das Rot wird nicht wirklich toll wiedergegeben:

LCTW-G9-Farbtreue

Im Messlabor präsentiert sich die Farbtemperatur deutlich „wärmer“ als angegeben: 2607 Kelvin. Der nominelle „allgemeine Farbwiedergabeindex“ Ra wird mit 81,7 leicht übertroffen; der Einzelwert für die zusätzliche Messfarbe R9 („rot gesättigt“) erreicht allerdings nur schwache 6,9 und bestätigt meinen subjektiven Eindruck (pdf-Download des Messprotokolls).

Das Diagramm der Strahlungsleistung über das sichtbare Lichtspektrum (in Milliwatt/Nanometer) zeigt einen ziemlich schmalen Berg mit der Spitze bei 608 nM Wellenlänge und einer steil abfallenden Flanke in Richtung dunkelrot:

LCTW-G9-Spektrum

Dass LCTW das auch besser kann, sehen Sie bereits in diesem Beitrag weiter unten. Immerhin gelingt der G9-Lampe beim Lichtstrom eine Punktlandung: Gut 202 Lumen entprechen der offiziellen Helligkeit.

Mein Testurteil

LCTW-G9-topOptimal ist es noch nicht, was uns die erste G9-LED-Lampe von LCTW bietet. Abstrahlcharakteristik, Lichtqualität (vor allem die Rot-Wiedergabe), Hitzeentwicklung und Flimmern lassen noch Raum für Verbesserungen.

Dafür stimmen Helligkeit, Sparpotenzial (Effizienz >71 Lumen/Watt, ca. 85% besser als 20-W-Halogenlampe), Verarbeitungsqualität, Materialauswahl und Preis (4,95 Euro) – vor allem angesichts der kompakten Dimensionen und dem, was häufig sonst allerlei Fragwürdiges in der LED-Stiftsockel-Liga angeboten wird.

Insgesamt darf die Premiere als ziemlich gelungen gelten – deshalb spendiert meine neue, strenge LED-Bewertungsskala eine der besseren Benotungen für nicht dimmbare Leuchtmittel:
zwei Sterne.

Der (fast) flimmerfreie G4-Zwerg

LCTW-G4-ausWas soll denn da bitteschön an Licht ‚rauskommen – aus einem weißen Zwerg-Zylinder aus Aluguss und Kunststoff mit nur 36 mm Höhe, 14 mm Durchmesser (siehe Packungsaufdruck unten), 6 Gramm Gewicht und schlanken 2,1 Watt Netto-Leistungsaufnahme für 4,95 Euro? Laut LCTW-Online-Shop sollen es immerhin „warm-weiße“ 2700 Kelvin und 140 Lumen sein, mit denen Sie mindestens 15-W-Niedervolt-Halogenlämpchen ersetzen können.

Dazu brauchen Sie natürlich eine passende Stromversorgung, die auch mit derart sparsamen LED-Retrofits zurecht kommt (Stichwort Mindestlast!). Allerdings stellt der nicht dimmbare G4-Zwerg keine allzu hohen Ansprüche: Er verkraftet sowohl 12-Volt-Wechsel (AC)- als auch Gleichspannung (DC). In der Praxis hat beides Vor- und Nachteile.

LCTW-G4-Packung-Seite

Bei Gleichspannung flimmerfrei und still

Am Osram-„Halotronic“-AC-Trafo startete die Lampe bei mir ohne merkliche Einschaltverzögerung; die Kombination zog nach zwei Stunden „Einschwingen“ 3,4 Watt bei einem elektrischen Leistungsfaktor von 0,64 (im Messlabor hatte die Lampe „solo“ 2,18 W und Faktor 0,71). Beide Geräte surrten dabei aber etwas – in stiller Umgebung war das auf maximal 5-10 cm Distanz hörbar. Außerdem zeigte das Display meiner Digitalkamera ein leichtes Flimmern.

Am „Meanwell LPF-60D-12“-DC-Trafo blieb alles komplett flimmerfrei und still. Jedoch genehmigte sich dieses Duo bis zu rund eine Sekunde Bedenkzeit beim Einschalten und teils über eine Sekunde Reaktionszeit beim Ausschalten. Das dürfte aber eher vom Trafo und seiner hohen Kondensatorkapazität als von der Lampe herrühren. Die Gesamtwerte: 3,8 W und Leistungsfaktor 0,42.

Moderate Maximaltemperatur am Gehäuse

LCTW-G4-topDass eine Niedervolt-LED-Lampe einen Teil ihrer Arbeit an einen externen Dienstleister (Trafo) abgibt, sehen Sie an der Hitzeentwicklung nach längerem Dauerleuchten in der offenen, hängenden Testfassung: Maximal 52 Grad habe ich mit dem IR-Thermometer an der heißesten Gehäusestelle gemessen – es bleibt also deutlich kühler als bei der etwas leistungsfähigeren G9-Schwester. Das spricht für die voraussichtliche Dauerhaltbarkeit.

Auch bei der G4-Variante leuchten drei (allerdings kleinere) SMD-LEDs unter einer konkaven Linse. Hier ist die Plastikoptik jedoch klar statt geriffelt (Bild oben links). Das sorgt für ein stark abgegrenztes, ziemlich prägnantes Leuchtbild, das an die Form eines Schmetterlings oder ein Tintenklecks-Muster aus dem Rorschachtest erinnert:

LCTW-G4-Leuchtbild

Kommt Ihnen bekannt vor? Ja, so ähnlich sieht’s auch beim aktuellen LEDON-G4-Lämpchen aus. Die LCTW hat dennoch die Nase vorn, weil sie trotz etwas kleinerer Abmessungen fast 50 Prozent heller und laut meines Partnerlabors auch mit einem erheblich breiteren Halbwertswinkel von 209 Grad leuchtet (pdf-Download des Diagramms).

Durchschnittliche Farbwiedergabe

Keine wesentlichen Besonderheiten offenbart mein Farbtreue-Standardbild mit einer sattroten Ducati 916 im Kleinformat auf weißen Untergrund (Weißabgleich „bewölkter Himmel“, ohne Nachbearbeitung). Die Kamera muss zwar wegen der überschaubaren Helligkeit die Blende aufreißen und ziemlich lange belichten, kann das Objekt aber einigermaßen gut durchzeichnen:

LCTW-G4-Farbtreue

Die Gelb-Orange-Verschiebung scheint hier einen Tick stärker zu sein als bei der oben getesteten G9-Variante oder der LEDON-G4; das Gesamtbild wirkt etwas „schwammiger“, aber nicht wirklich unangenehm. Die später vom Labor gelieferten Messdaten (pdf-Download des Protokolls) passen ganz gut zu diesem ersten Eindruck: 166 Lumen Lichtstrom, nur 2575 statt der offiziellen 2700 Kelvin Farbtemperatur; Farbwiedergabeindex Ra 82,3, anständige 19 für den Zusatz-Messwert R9 („rot gesättigt“) sowie ein etwas ausgeglicheneres Spektraldiagramm als bei der LCTW-G9-Lampe:

LCTW-G4-Spektrum

Die Flanken der recht breiten Gelb-Orange-Spitze um 600 Nanometer Wellenlänge fallen in Richtung Rot und Gelb-Grün nicht so stark ab; dafür gibt’s links ein etwas tieferes Tal im Hellblau-Bereich sowie einen spitzeren „Tiefblau-Hügel“. Für eine ordentliche „warm-weiße“ LED-Retrofit ist so eine Kurve typisch; Freunde des „neutral-“ oder „kalt-weißen“ LED-Lichts sind ohnehin im LCTW-„Consumer“-Sortiment traditionell falsch.

Apropos Farbe: Viele Leuchten für solche Niedervolt-Stiftsockellampen haben Chrom-, Silber- oder Aluminium-Farbtöne. Hier sehen weiße Retrofits nicht besonders toll aus – eine silberfarbene Variante würde optisch besser passen. Diese Anregung stieß bei LCTW bereits auf offene Ohren; sie wurde an den chinesischen Hersteller Sengled weitergegeben. Update 23.12.: Leider sieht man das dort anders. Eine entsprechende Lackierung sei im Handling zu aufwendig und würde einen deutlich höheren Verkaufspreis verursachen. Schade.

Eigenwerbung Juni 2014

Mein Testurteil

Das neue G4-12-Volt-Lämpchen von „LEDs change the world“ für 4,95 Euro kann mich stärker überzeugen als das G9-Hochvolt-Modell. Das nominelle Sparpotenzial (ca. 80% gegenüber einer ähnlich hellen 15-W-Halogenlampe) ist zwar wegen der addierten Verlustleistung des erforderlichen Trafos etwas geringer, bringt jedoch bei der Stromrechnung keinen nennenswerten Nachteil.

Dafür punktet der Zwerg mit kompakten Dimensionen, etwas mehr Helligkeit als angegeben, ordentlicher Lichtqualität mit akzeptabler Rot-Wiedergabe, weitgehender Flimmer- und Geräuscharmut sowie mit moderater Hitzeentwicklung. Deshalb rückt meine LED-Bewertungsskala noch einen halben Punkt zusätzlich ‚raus als oben und vergibt
LED-SternLED-SternLED-Stern halbzweieinhalb Sterne.

Offenlegung: LCTW hat mir die Lampen gratis zur Verfügung gestellt; sie bleiben zum Langzeittest bei mir.

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