Haben Sie sich schon mal über eine neu gekaufte LED-Lampe geärgert, die beim Leuchten nicht still sein kann? Die brummt, summt, surrt oder sirrt? Kein Einzelfall – das kann Ihnen vor allem mit dimmbaren Modellen passieren. Dabei spielen weniger Preis oder Marke der Lampe eine Rolle, sondern eher zufällig auftretende Bedingungen am Einsatzort und ihre Einflüsse auf die Vorschaltelektronik.

Der freigelegte Treiber eines Osram-”Superstar”-GU10-LED-Spots. Rechts und in der Mitte zwei Transformatoren, die durch hörbare Resonanzen auffallen könnten. Wegen des besseren Einblicks habe ich beim großen Trafo rechts die äußere Metall- und Kunststoffabschirmung entfernt. (Fotos: W. Messer)
In letzter Zeit sind bei mir immer mal wieder dimmbare LED-“Retrofit”-Lampen gelandet, wo’s beim Test unschöne Geräusche gab – teils vom Dimmer, häufiger aus der Lampe selbst. Das klang beispielweise bei einem 5 Watt starken Osram-GU10-”Superstar advanced”-Spot so:
Surrender Osram-”Superstar”-LED-Spot
In stiller Umgebung war dieses “Sirren” noch in etwa zwei Meter Entfernung hörbar, beim direkten Anschluss an einen geschalteten Stromkreis ohne Dimmer höchstens in wenigen Zentimetern Abstand. Ähnlich war es bei anderen getesteten Modellen etwa von Osram und LEDON – alles keine Billigware. Dagegen blieben einige preisgünstige, nicht dimmbare “no name”-Discounter-Lampen bei meinen Kurz-Tests völlig still. Klingt paradox, ergibt aber bei genauer Untersuchung doch einen Sinn.
Meistens schicke ich “auffällige” Gratis-Testlampen auf meine Kosten zur Nachprüfung zurück an den Hersteller/Händler. Wenn’s dumm läuft, ist die Lampe dann auf Nimmerwiedersehen weg, das Porto auch und ich mache mit einem Blog-Test ein echtes Verlustgeschäft. Häufig kriege ich dann noch nachträglich zu hören, dass die von mir wahrgenommenen Geräusche beim Anbieter nicht reproduzierbar seien. Ist Ihnen das als “normalem” LED-Shop-Kunden auch schon so ergangen?
Doppelt ärgerlich: Da freuen Sie sich, dass es eine energiesparende Alternative beispielsweise zu lautstark brummenden Leuchtstoffröhren gibt, Sie zahlen ohne Murren für Ihre Leuchtmittel einen ordentlichen Batzen mehr als früher … und haben dennoch keine Ruhe in der Bude. Woran liegt’s? Bei der Spurensuche könnten sich mehrere Indizien ergeben:
- Ihre surrende LED-Lampe verhält sich schon im Nachbarhaus akustisch völlig unauffällig.
- Ihr nagelneuer, dimmbarer LED-Spot flackert nicht beim Dimmen und lässt sich stufenlos von sehr hell bis sehr dunkel regeln – im Gegensatz zum Vorgängermodell.
- Ihr älterer Spot surrt seltsamerweise im selben Stromkreis nicht, flackert aber bei manchen Dimmerstellungen und verursacht leichte elektromagnetische Störungen.
- Die neue, dimmbare Luxus-LED mit E27-Standardfassung und über 1000 Lumen mosert lautstark über mindestens die Hälfte der handelsüblichen Dimmer-Modelle. Sie lässt sich aber ansonsten problemlos und flackerfrei regeln.
Grundlegende Unverträglichkeit
Das grundlegende Problem liegt wohl an der Arbeitsweise der herkömmlichen Haushaltsdimmer. Die kommen wundervoll mit Glüh- und Halogenlampen klar, sollten aber für LEDs besondere Bedingungen erfüllen und stellen dennoch deren Treiber vor heftige Herausforderungen. Mit immer aufwändigeren Schaltungen versuchen die Entwickler, diese prinzipielle Unverträglichkeit abzumildern – mit wechselndem Erfolg.

Meist der akustisch unauffälligste Teil eines LED-Spots: Die Platine im Lampenkopf – hier die einer 5-Watt-Osram-”Superstar” mit Gleichrichterdiode, zwei Widerständen, drei Kondensatoren und drei LED-Chips.
Wie uns ein LEDON-Entwicklungsingenieur in einem Blog-Kommentar mal erklärte, gibt es durch die Arbeitsweise der Dimmer bedingte kurze Stromspitzen – sowohl im Dimmer als auch in der Lampe. Diese Spitzen entstehen 100mal pro Sekunde (Frequenz 100 Hertz) und können Vibrationen von Bauteilen der Vorschaltelektronik verursachen.
Betroffen sind teils Spulen oder Drosseln (Induktivitäten) zur Unterdrückung von elektromagnetischen Störungen, teils die kleinen Transformatoren in den Lampen, die die angelieferte Wechselspannung auf den benötigten Wert umformen. Die Wicklungen dieser Trafos können für die 100-Hertz-Stromspitzen wie ein kleiner Lautsprecher wirken. Sie werden zwar mit Lacken oder Harzen getränkt, um solche Effekte zu unterbinden; das gelingt aber je nach Stärke der Stromspitzen oder durch Fertigungstoleranzen nicht vollständig. Teilweise geben auch die Kondensatoren zum Puffern der Stromversorgung Geräusche von sich.
Je nach Bauart der Leuchte, in die eine LED-Lampe verbaut wird, kann dieser Effekt verstärkt oder abgeschwächt werden. Leiser wird’s häufig, wenn die Lampe eine Weile geleuchtet hat und betriebswarm ist. Die Lacke/Harze werden dann etwas weicher und dämpfen eventuell besser.
Mehr Aufwand erhöht das Risiko
Kurz gesagt: Je aufwändiger, EMV-störungsfreier und langlebiger eine LED-Elektronik aufgebaut ist, desto größer ist auch das potenzielle Risiko für unerwünschte Geräusche (das Surren/Sirren selbst senkt die Lebensdauer der Lampe nicht). Und beim Blick in den Sockel einer modernen LED-Markenlampe offenbart sich eine derartige Bauteile-Sammlung, wie man sie eher in einem kompletten Handy oder einer Mini-Drohne vermuten würde und nicht in einem Ding, das im Wesentlichen nur leuchten kann.

Der “gestrippte” Osram-Spot aus einer anderen Perspektive. Auf der Unterseite werkeln außerdem noch einige Mikrochips – der Lampensockel ist mit Elektronik regelrecht vollgestopft. Im Hintergrund die Platine aus dem Kopf der Lampe mit drei LED-Chips.
So gesehen, müsste wohl jedes dieser High-Tech-Wunderwerke surren, sirren oder brummen. Tut’s aber nicht immer und überall. Auf Nachfrage erklärte mir die Osram-Pressestelle, dass der Effekt von zahlreichen Faktoren abhängig sei. Die Bauweise des Dimmers spiele natürlich eine Rolle, dazu aber auch die Länge der Stromleitungen und die Art der Leuchte. Kaum einen Einfluss habe dagegen die Auslegung der Hauselektronik. Geräusche könnten sowohl bei neuen als auch bei älteren Installationen auftreten. Eine genaue Vorhersage sei nicht möglich, weil am Einsatzort sehr viel vom Zufall abhänge.
Spannung bei “Lampentausch-Abenden”
Halten wir fest: Die Industrie kann vor allem bei dimmbaren LED-Lampen nicht garantieren, dass sie exakt bei Ihnen zuhause ohne Nebengeräusche leuchten. Das eröffnet ganz neue Kommunikationsmöglichkeiten: Etablieren Sie doch “Lampentauschringe” am Ort, mit “LED-Test-Abenden” in verschiedenen Haushalten. Jeder bringt die Lampen mit, die bei ihm zuhause surren, probiert aus, ob sie das auch woanders tun, und nimmt im Gegenzug die Lampen von dort zum Testen mit nach Hause. Das macht Spaß, sorgt für Geselligkeit und Spannung. Vielleicht hat ja nur wenige Monate später jeder Teilnehmer ausschließlich “stille” Leuchtmittel im Haus.
Danke, genug gelacht, machen wir’s lieber anders. Jeder seriöse Hersteller nimmt nämlich innerhalb der Garantiezeit surrende/brummende LED-Lampen anstandslos zurück. Bei Osram beispielsweise können das bis zu vier Jahre sein. Zwar steht dort in den Garantiebedingungen nur was von einer “ausfallenden Lampe wegen eines Produktfehlers”. Die Pressestelle hat mir aber versichert, dass eine Rücksendung auch bei akustischen Auffälligkeiten möglich sein. Das Porto gehe zwar erst mal zu Lasten des Kunden, werde aber nachträglich erstattet – und eine neue Lampe gebe es selbstverständlich auch.
Philips umschreibt elegant den Zufall
Premium-“Retrofit”-Hersteller LEDON handhabt das erwartungsgemäß ähnlich, will aber vor einer Rücksendung angerufen werden. Bei Philips könnte das etwas schwieriger werden. Hier schreibt man unter eine Liste von mit Philips-Leuchten getesteten Dimmern:
Es kann im Einzelfall aufgrund technischer Spezifikationen (z.B. Treiber, Verkabelung, Schaltung, etc.) dazu kommen, dass eine konkrete Kombination aus Dimmer und LED Lampe nicht funktioniert. Philips übernimmt daher weder eine Garantie oder Gewährleistung dafür, dass eine konkrete Kombination aus Dimmer und LED Lampe in jedem Einzelfall funktioniert, noch übernimmt Philips eine Haftung für Schäden, die aus der Anwendung der hier wiedergegebenen Informationen resultieren könnten.
Ich übersetze das mal ähnlich wie bei Osram: “Ob’s klappt, hängt vom Zufall ab.” Die Standardgarantie (pdf-Download) läuft hier zwei Jahre, außerdem gibt es im Philips-Online-Shop eine dreiwöchige “Geld-zurück-Garantie”. Diese Zeit sollte eigentlich reichen, um mal ein Ohr an’s Leuchtmittel zu halten.
Falls sie die surrende LED-Lampe in einem Laden oder nicht Hersteller-gebundenen Online-Shop gekauft haben, müsste ein Umtausch auch dort möglich sein. Schließlich ist ja der Verkäufer ihr direkter Vertragspartner und nicht der Hersteller des Produkts. Kein seriöser Mitspieler in der Licht-Branche kann es sich auf Dauer leisten, genervte LED-Käufer im Regen stehen zu lassen, selbst wenn es nur einzelne sein sollten. So was würde sich ‘rumsprechen, beispielsweise in den Rezensionen von Verbraucherportalen und Online-Verkaufsplattformen – und auch hier in diesem Blog.
(Disclaimer: Bei der Produktion dieses Beitrags kam der gezeigte dimmbare Osram-LED-Spot irreparabel zu Schaden. Er wird nie wieder surren – und auch nicht mehr leuchten. Falls jemand – aus München oder anderswo – ein Exemplar spenden will, das noch leuchtet und nicht surrt, bitte an die im Impressum genannte Adresse schicken – danke!)
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Hallo
vielen dank für die wertvollen Infos. Ich hatte auch so eine LED Röhre die ständig gebrummt hat. Hab sie direkt beim Hesteller reklamiert und eine neue nicht brummende LED Röhre erhalten. Also anscheinend ist es von Röhre zu Röhre unterschiedlich.
Gruß Christian
@Wolfgang:
Nichts für ungut, aber die kommentarlose Löschung meines Posts kann ich nicht ganz nachvollziehen, zumal ein Smilie dabei war, der das als ‘vielleicht nicht ganz todernst gemeint’ kennzeichnen sollte.
Aber vielleicht darfst ja nur Du hier den Vorschlag bringen, dass man Dir Lampen senden könnte/sollte. Was die Blogleser davon haben, wenn man dir 1:1 wieder dieselbe Osram spendiert, verstehe ich nicht ganz – und eine mutwillig zerstörte Lampe wird auch kaum unter Garantie fallen…
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Aber wie gesagt, nichts für ungut, eine Erklärung wäre natürlich trotzdem erfreulich – ich muss ja auch nicht alles verstehen, was hier jetzt definitiv der Fall ist.
@Johannes: Ich habe keine Posts gelöscht. Hast Du Deinen Kommentar versehentlich unter einen anderen Beitrag geschrieben? Eventuell dort?
http://fastvoice.net/2013/02/10/neuer-osram-superstar-spot-das-led-fernlicht/#comments
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Im Übrigen mag ich diesen Tonfall nicht. Ich habe den Osram-Spot zur Illustration des Themas auseinander gebaut und fotografiert – davon haben die Blog-Leser meines Erachtens durchaus was. Dafür habe ich jetzt einen Spot weniger. Wenn ich einen neuen bekäme, hätte ich wieder einen. Davon haben dann zwar die Blog-Leser nichts, müssen sie aber auch nicht. Das hier ist meine Privatveranstaltung – niemand kann hier irgendwelche Ansprüche an mich stellen. Wem’s nicht passt, darf gerne woanders lesen.
@ Wolfgang:
Danke für die rasche Info. Also wenn Du nichts gelöscht hast – ich war zwar sehr sicher der Meinung mein Post sei erschienen – dann lässt sich der genaue Hergang auch nicht mehr nachvollziehen, also nehme ich das zurück.
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Mein Vorschlag (wohlgemerkt mit Smilie) war dahingehend, ob es nicht sinnvoller wäre, auch im Sinne des Testarchivs, dass Du ggf. nicht wieder denselben Spot bekommst. Auch den hättest Du dann.
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Damit stelle ich denke ich keine Ansprüche, sondern schlage nur was vor. Dass das hier Deine Privatveranstaltung ist, hatten wir auch schon mal geklärt, nur glaube ich keinem Blogautor, dass er nicht mit dem Hintergedanken schreibt, gelesen zu werden – sonst wären’s nämlich öffentlich gemachte Selbstgespräche.
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Aber lassen wir das Thema, ich denke es war ein Missverständnis und Thema sollte hier in erster Linie LED sein. Danke nochmals für die Klärung und schönen Abend noch!
Meine freie Zeit zum Schreiben von ausführlichen Lampentests ist begrenzt. Wenn ich den gleichen Spot wieder bekäme, müsste ich keinen neuen Test schreiben – so einfach ist das. Außerdem wär’s ja ganz interessant zu wissen, ob ein anderes Exemplar der gleichen Baureihe ebenfalls akustisch auffällt oder vielleicht auch nicht.
Vielen Dank für das Bild des zerlegten Spots. Ich mag sowas.
Unter http://www.pavouk.org/hw/lamp/en_index.html findet man z.B. eine Sammlung liebevoll zerlegter Energieparlampen. Die Schaltungen haben zumindest im Eingangsteil Änhlichkeit mit einer LED-Ansteuerung.
Bereits bei den nichtdimmbaren LED-Lampen findet man zwei prinzipiell unterschiedliche Ansätze: Die einfachen Lampen, die für eine bestimmte Spannung ausgelegt sind und praktisch nur ein Kondensatornetzteil enthalten. Hier ist die Gefahr einer akustischen Entgleisung gering. Auch hier findet man Beschreibungen im Netz, z.B. http://www.circuitstoday.com/mains-operated-led-circuit/mains-led und http://www.circuitstoday.com/led-lamp-from-scrap.
Jene Lampen, die für einen breiteren Spannungsbereich ausgelegt sind, enthalten meist ein Schaltnetzteil wie im Bild gezeigt. Hier wird die Netzspannung erst einmal gleichgerichtet und mit einem Elektrolytkondensator geglättet. Eine mehr oder weniger aufwendige Schaltung formt daraus einen “hochfrequenten” Strom, der in einem Trafo in den passenden LED-Strom umtransformiert wird.
Besonders die kostengünstigen Transformatoren und Drosseln sind potentielle Lautsprecher. Nicht nur bei unvergossenen Spulen, sondern auch wegen einer Materialeigenschaft, die bei manchen Kernmaterialien stark ausgeprägt ist – der Magnetostriktion. Hierbei sorgt das Magnetfeld selbst für eine minimale Dimensionsänderung des Kerns. Dadurch wird dieser zum Lautsprecher.
Das Dimmen von LED-Leuchtmittel mit Haushaltsdimmern oder Universaldimmer, Phasenan- oder -abschnittsdimmern ist leider eine sehr unglücklich “Krücke”, die der Bestandinstallation geschuldet ist.
Für Neuanlagen würde man eine andere Installationsweise vorsehen: Versorgungsspannung an die Lampe, die die Ansteuerung der Leuchtmittel selbst vornimmt. Dazu benötigt sie noch einen Kommunikationskanal zur Haussteuerung, im einfachsten Fall ein 0 bis 10V Spannungssignal wie bei dimmbaren Leuchtstoffröhren.
Ich denke, spätestens wenn das “Retrofit-Geschäft” abgearbeitet ist, wird sich hier ein Standard herauskristallisieren. In einer guten Kommunikation der Leuchten mit der Hausautomatisierung steckt noch sehr viel Potential. Anwesenheitsdetektion, verschiedene Farben, Stimmungen und Ausleuchtungsmuster.
@Juergen: Danke für diese ausführliche Ergänzung des Themas – bestätigt meinen Verdacht, dass manchmal die billigeren Lampen die leiseren sind.
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Zum Thema “Was kommt nach Retrofit?” habe ich vor einiger Zeit mal was Längeres geschrieben.
Bei integrierter Beleuchtung und flexibler Lichtsteuerung wird ganz sicher noch eine Menge passieren – teilweise sind da schon hübsche Ideen verwirklicht worden.