LED-Tagebuch (KW 18): Lidl-Lapsus, Osram-Prüfauftrag, Lumiblade-Verkauf

Immer wieder sonntags: Eine Wochen-Rückschau auf die Kurzmeldungen im “Blog-Telegramm” und in der Google+-Community “LED-Beleuchtung” – als LED-Tagebuch mit Updates und Ergänzungen.


Lidl-Solar-04-15-print-gross
26.04.: Eigentlich sollte es ab morgen (27.04.) in den Lidl-Filialen LED-Solarleuchten-Sets der Eigenmarke “Livarno Lux” in Steinoptik geben. Für jeweils knapp 9 Euro waren ursprünglich Dreier- und Sechser-Sets im Angebot (Prospektausschnitt oben). Mitte vergangener Woche kam online jedoch der Rückzieher – mit dem Hinweis: “Leider können wir diesen Artikel nicht anbieten, da er unsere hohen Qualitätsstandards nicht erfüllen konnte. Ihr Lidl-Team” (Screenshot).

Meine Vermutung: Solche Billig-Solarsteine sind häufig wegen mangelnder Abdichtung nicht für einen dauerhaften, ungeschützten Außeneinsatz geeignet, obwohl sie in der Werbung als “witterungsbeständig und spritzwassergeschützt (IPX4)” bezeichnet werden. Wir haben jedenfalls in den letzten Jahren immer wieder negative Erfahrungen mit verschiedenen Modellen dieser Art gemacht: Schon nach kurzer Zeit Kondenswasser auf der Innenseite der Abdeckscheiben; später massive Wasseransammlungen im Gehäuse und Batteriefach, dadurch komplett verrostete Elektrik und Akkus; die Mini-Solar-Panels werden durch Sonneneinstrahlung “blind” und allmählich wirkungslos.

Das erfüllt nicht mal niedrigste “Qualitätsstandards”, was wohl auch den Lidl-Einkäufern aufgefallen ist – leider erst, nachdem die aktuellen Werbebeilagen schon gedruckt waren.


Bauhaus-Solarsteine-04-15-klein27.04.: Anstelle des kurzfristig stornierten Lidl-Angebots (siehe oben) können risikofreudige LED-Solarstein-Fans ab heute eine aktuelle “Bauhaus”-Aktion nutzen: In den Märkten und im Online-Shop gibt’s bis zum 23. Mai ein Dreier-Set mit grauen “Starlux Rock”-Leuchten für 10,95 Euro (Beilagenausschnitt links, zum Vergrößern anklicken).

Die jeweils vier “kalt-weißen” LEDs sollen bei voller 600-Milliampèrestunden-Akku-Ladung nachts bis zu sechs Stunden hell bleiben. Die Schutzart wird mit IP44 angegeben; wie wasserdicht sie in der Langzeit-Praxis sind, dürfen Sie selbst herausfinden. Die im Prospekt genannten Maße stimmen jedenfalls wohl nicht; tatsächlich dürften die Leuchtsteine nur bis zu 13,6 cm breit, 10,2 cm tief und 10,6 cm hoch sein.


28.04.: Der Osram-Aufsichtsrat hat heute nach Agenturberichten noch keine Entscheidung über die Pläne zur Abspaltung des schwierigen Geschäfts mit Lampen für die “Allgemeinbeleuchtung” gefällt. Vorstandschef Olaf Berlien hatte dem Gremium seine Vorstellungen präsentiert.

klaus-patzakWeil sich die rund 12.000 Mitarbeiter in den betroffenen Unternehmensbereichen massiv um die Zukunft ihrer Jobs sorgen, hätten vor allem die Arbeitnehmervertreter den Vorstand zunächst mit der Prüfung der Auswirkungen auf die Mitarbeiter beauftragt. Offenbar gab es dazu im Kontrollgremium noch zahlreiche offene Fragen. In der selben Sitzung wurde laut Pressemitteilung der Vertrag von Finanzvorstand Klaus Patzak (Osram-PR-Foto links) vorzeitig –  mit Wirkung ab 1. April 2016 – peter-bauer-Osram-ARum weitere fünf Jahre verlängert.

Morgen vormittag sollen im Rahmen der Vorstellung der neuesten Quartalszahlen weitere Details der geplanten Abspaltung veröffentlicht werden. Der Osram-Aufsichtsratsvorsitzende Peter Bauer (PR-Foto rechts) gilt jedenfalls seit seiner Zeit auf dem Infineon-Chefsessel als erfahrener und entschlossener Sanierer. Update 29.04.: Eine ausführliche Analyse dazu finden Sie jetzt dort.


Westnetz Kantine Dortmund
Westnetz Kantine Dortmund, Essbereich28.04.: Eine Synthese aus Akustikdecke und LED-Panels beleuchtet die neue Kantine des Verteilnetzbetreibers Westnetz in Dortmund (oben die Ruhezone, rechts der Essbereich, PR-Fotos: Philips Lighting, © Jörg Hempel). Das System “Soundlight Comfort” entstand in Kooperation von Philips mit der Saint-Gobain-Tochterfirma Ecophon.

Die Deckensegel wurden über einzeln justierbare Seilabhängungen in drei Ebenen abgependelt. Im ausgeschalteten Zustand unterscheiden sich die Glaswolle-gefüllten, DALI-steuerbaren LED-Panels optisch nicht von den anderen Deckenteilen und tragen ebenso zur Schall-Absorption bei. Sie ziehen je nach Größe 10 oder 20 Watt (ohne das externe Vorschaltgerät), liefern bis zu 1400 Lumen Lichtstrom mit einem Halbwertswinkel von 108 Grad und wahlweise 3000 oder 4000 Kelvin Farbtemperatur.

Laut Philips-Pressemitteilung wurden so in der Westnetz-Kantine “eine ausgewogene Akustik, gute Sehbedingungen und interessante architektonische Gestaltungsmöglichkeiten der Raumdecke” erreicht. Stimmen und Geräusche von Nachbartischen würden durch die Begrenzung der Schallausbreitung deutlich reduziert, während der direkte Gesprächspartner am Tisch gut zu verstehen sei.


Jake-Dyson-CSYS29.04.: Voraussichtlich ab 2016 wird Dyson auch im D-A-CH-Raum Profi-LED-Leuchten aus dem absoluten Hochpreis-Segment anbieten. Schon seit diesem Monat haben die britischen Staubsauger-Spezialisten nach der Firmenübernahme das Sortiment von “Jake Dyson Lighting” in Großbritannien, USA und Japan im Programm.

Dazu gehören die “Ariel“-Pendelleuchten mit jeweils nur einem Cree-CoB-LED-Modul (die Variante “Downlight” hat rund 7000 Lumen aus 66 Watt, “Uplight” bietet ca. 8800 lm aus 101 W, jeweils etwa 2000 Euro) und die 490-lm-/9-W-Schreibtischleuchte “CSYS” (knapp 700 Euro, im PR-Foto oben mit Jake Dyson, dem Sohn des Dyson-Gründers James). Sie sollen dank hocheffizienter Hitzeableitung selbst im Dauerbetrieb eine Lebensdauer von rund vier Jahrzehnten schaffen und wurden bisher über eigene Vertriebskanäle verkauft.


OLED_FL300 and L30.04.: Die zum Verkauf stehende Philips-OLED-Tochterfirma “Lumiblade” präsentiert kommende Woche auf der Fachmesse “Lightfair International” in New York erstmals eine neue Variante der aktuellen “Brite FL 300″-Panels. Sie trägt den Zusatz “L” und ist rechteckig statt quadratisch (im PR-Bild rechts). Ohne Rückplatte und Verkabelung misst sie ca. 24 x 6,3 cm bei nur 1,1 mm Dicke.

Die Leistungsdaten sind weitgehend identisch mit denen der bisherigen Leuchtplättchen: 7,4 Watt, 300 Lumen Lichtstrom (dimmbar), 3000 Kelvin Farbtemperatur, Farbwiedergabeindex Ra 80, 10.000 Leuchtstunden Nennlebensdauer bei Vollleistung. Die Markteinführung in zwei Integrationsstufen ist für den Herbst geplant.

Dietmar_Thomas-Portrait-kleinUpdate: Am Vormittag teilte mir “Lumiblade”-Kommunikations-Chef Dietmar Thomas (PR-Foto links) mit, dass man für die Philips-OLED-Division und einige damit zusammen hängende Patent- und Markenrechte bereits einen Käufer gefunden habe: Das US-Unternehmen “OLEDWorks” werde Teile der in Aachen ansässigen Entwicklungs- und Fertigungsaktivitäten übernehmen.

Vor der Übernahme müssten jedoch noch “einschneidende Restrukturierungen erfolgen”. Geplant sei eine Aufspaltung, bei der von den aktuell rund 100 Vollzeitmitarbeitern nur etwa 35 von “OLEDWorks” übernommen werden. Etwa 65 Arbeitsplätze würden abgebaut.

Die OLED-Panels könnten dank einer Lizenzvereinbarung auch nach Abschluss der Übernahme unter der Marke Philips sowie über die Philips-Vertriebskanäle verkauft werden. Die aktuelle Planung sehe vor, die Restrukturierung bis Ende Juni umzusetzen und die rechtliche Übertragung der verbleibenden OLED-Teilaktivitäten an “OLEDWorks” zum 1. Juli zu vollziehen.


LEDON-jubilaeums-led-lampe02.05.: Noch bis 10. Mai können Sie für nur knapp 5 Euro eine spezielle LEDON-LED-Lampe kaufen (PR-Foto rechts). Die 11 Watt starke, nicht dimmbare E27-“Birne” kann mit 700 Lumen Lichtstrom, “warm-weißen” 2800 Kelvin und Farbwiedergabeindex Ra 90 herkömmliche Glühlampen mit rund 60 W ersetzen, bündelt das Licht mit einem Halbwertswinkel von 156 Grad allerdings weit stärker in eine Richtung (pdf-Download des Datenblatts).

Die Bauart mit Aluguss-Gehäuse und Glashaube sowie die Nennlebensdauer von 25.000 Leuchtstunden und 100.000 Schaltzyklen entsprechen den altbekannten LEDON-A65-Modellen. Anlass der Sonderaktion: Das jeweils dreijährige Jubiläum des LEDON-Online-Shops und des Newsletters.


Lumiblade-LivingShapes-klein02.05.: Noch ‘ne Jubiläumsaktion: Die Philips-OLED-Marke “Lumiblade” hat zum zehnjährigen Bestehen und kurz vor dem Verkauf der Sparte an “OLEDWorks” (siehe oben) den Preis ihres interaktiven Leucht-Spiegels “LivingShapes(PR-Foto links) radikal gesenkt. Statt für ursprünglich rund 3000 Euro (Oktober 2012) kriegen Sie das stylische Teil mit 64 einzeln dimmbaren Panels, maximal 400 Lumen Lichtstrom, 75 cm Kantenlänge und knapp 5 cm Dicke jetzt für nur 699 €. Das Angebot ist allerdings auf 60 Stück limitiert und läuft bis maximal 30. Juni.


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Osram setzt im Licht-Markt auf Technologie statt Masse – andere auch

Gute Geschäfte auf dem Licht-Markt sind nicht mehr mit Massenprodukten wie Glühlampen oder einfachen LED-Retrofits möglich, sondern nur noch mit technologisch hochwertigen Komplettlösungen. Osram und andere Anbieter ziehen daraus die Konsequenzen – mit harten, teils schmerzhaften Schnitten.

LED-Beleuchtung in Mailand
Einer der zukunftsträchtigen Technologiemärkte: “Intelligente” LED-Beleuchtung im öffentlichen Raum – hier an der “Bastioni di Porta Venezia” in Mailand mit “Optotronic 3Dim”-Steuerung und “AstroDim”-Funktion von Osram. (Foto: Osram-PR/Marco Di Lauro/Getty Images Reportage)

Olaf-Berlien-kleinOsram-Vorstandschef Olaf Berlien (PR-Foto rechts) macht sich keine Illusionen über die Realitäten des globalen Geschäfts mit künstlicher Beleuchtung:

“Der Lichtmarkt ist im Wesentlichen von zwei Geschäftsmodellen mit unterschiedlichen Dynamiken und Anforderungen geprägt: Einerseits den Massenmärkten, in denen gleichbleibend hohe Qualität und Kosteneffizienz wettbewerbsentscheidend sind. Auf der anderen Seite gibt es die Technologiemärkte, die sich durch Innovation, kundenspezifische Lösungen und nachhaltiges Wachstum auszeichnen. Diese Technologiemärkte sollen künftig das Kerngeschäft von Osram bilden.”

Seine Konsequenz: Rund 40% des aktuellen Osram-Geschäfts sollen in eine rechtlich eigenständige Gesellschaft ausgelagert werden. Dazu gehören vor allem traditionelle Leuchtmittel wie Glüh-, Halogen- und Kompaktleuchtstofflampen, aber auch einfache LED-Retrofits ohne besondere Fähigkeiten. In einer Präsentationsgrafik zum aktuellen Quartalsbericht sehen Berliens Zukunftspläne so aus:

Osram-Segmente

Geert van der MeerDie Sparten “optische Halbleiter”, “Automobil- und Spezialbeleuchtung” sowie “Leuchten, Systeme und Lösungen” sollen in der “Osram Licht AG” (bisher die Nummer 2 des globalen Licht-Markts) bleiben und entstünden teils durch eine Neuaufteilung der bisherigen Segmente – etwa des erst im Mai 2014 gebildeten Unternehmensteils “LED Lamps & Systems” mit Geert van der Meer an der Spitze (Osram-PR-Foto links). Dazu gehört auch der Bereich der “Smart Lighting”-Lampen und -Leuchten – etwa die “Lightify”- und “Lightify Pro”-Produkte.

Es wird also nicht alles ausgelagert, das leuchtet, aussieht wie eine “Birne” oder ein Strahler und das als Retrofit in klassischen Lampenfassungen eingesetzt werden kann. Entsprechende Medienberichte waren da häufig etwas missverständlich. Das Segment oben rechts, mit einfachen Leuchtmitteln und rund 2 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2014, soll dagegen komplett abgespaltet werden – ähnlich wie’s die Finanzbranche mit ihren “Bad Banks” getan hat.

Über die Methode wurde nicht entschieden

In welcher Form dies genau geschehen soll, wurde bei der Aufsichtsratssitzung gestern in München noch nicht entschieden. Nach den Vorstellungen des Vorstands soll die Sparte “als eigenständige Einheit freier am Markt agieren und strategische Optionen, wie zum Beispiel Partnerschaften, leichter realisieren” können als bisher. Theoretisch wäre das mit einem “Spin-Off” möglich, bei dem es beispielsweise für jeweils zehn “Osram Licht AG”-Aktien automatisch vier Anteile des abgespaltenen, neuen Unternehmens gibt. So ähnlich lief im Juli 2013 auch die Osram-Trennung von Siemens.

Willkommen wäre wohl ebenso der Einstieg von großen Investoren – etwa LED-Herstellern und Lampenproduzenten aus dem asiatischen Raum. In beiden Fällen könnten die Leuchtmittel auch künftig die eingeführten Markennamen “Osram”, “Radium”, “Neolux” oder “Osram Sylvania” (Nordamerika) tragen. Berlien schloss jedenfalls schon einen klassischen Börsengang (IPO) mit dem komplett freien Verkauf neuer Aktien aus.

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Erstmal prüfen, dann abspalten

Bevor es jedoch so weit kommt, müssen die mutmaßlichen Folgen auf die Produktionsstätten und Arbeitsplätze im Konzern genau geprüft werden. Diese Bremse traten die Arbeitnehmervertreter im Kontrollgremium gestern mit aller Kraft. Schließlich sind bei insgesamt guten Umsatzzahlen und Gewinnen bisher schon tausende Jobs verloren gegangen, weitere 6600 Vollzeitstellen sollen im Rahmen des Transformationsprogramms “Push” noch bis Ende 2017 wegfallen.

Offiziell verkündete der aktuelle Osram-Vorstandsvorsitzende Berlien zwar, dass er durch die geplante Aufspaltung des Konzerns vorerst keine zusätzlichen negativen Auswirkungen auf die Arbeitsplätze sehe. Da der Prozess bis zur Trennung aber schon mindestens ein Jahr benötigen wird, sind Vorhersagen für die Zeit danach eher Kaffeesatzleserei. Normalerweise werden zum Verkauf stehende Firmensparten nochmal “aufgehübscht”, um Investoren zu ködern. Das bedeutet häufig Personalabbau, wie auch im aktuellen Fall der Übernahme der Philips-OLED-Division “Lumiblade” durch das US-Unternehmen “OLEDWorks”: Von 100 Vollzeitstellen in Aachen sollen bis 1. Juli 65 wegfallen.

LED-Produkte haben schon 41% Umsatzanteil

So übel sich das anhört, so unvermeidbar ist der harte Schnitt auch bei Osram: Das Segment “Classic Lamps & Ballasts” mit traditionellen Leuchtmitteln verzeichnete im vergangenen Geschäftsquartal wieder einen massiven Umsatzrückgang auf rund 471 Millionen Euro – ca. 8,5% weniger als im Vorjahresquartal, auf vergleichbarer Basis sogar 16%. Dagegen sorgten die LED-basierten Produkte für teils 43prozentige Steigerungen (auf vergleichbarer Basis im Segment “LED Lamps & Systems”) und machten bereits 41% des Gesamtumsatzes aus (bei Philips waren’s im abgelaufenen Quartal 39%). Die vorläufigen Osram-Quartalszahlen waren teils bereits Mitte April veröffentlicht worden.

Osram-17W-aus-kleinChips, Module, Lampen und Leuchten mit Halbleitertechnik werden mit einem erheblich größeren Automatisierungsgrad produziert als herkömmliche Leuchtmittel – und zu einem großen Teil in asiatischen Werken, wo die Lohnkosten nur einen Bruchteil der europäischen ausmachen.

Die Produktzyklen werden immer kürzer; ein neu lanciertes Leuchtmittel (links die 17 Watt starke Osram “LED Star Classic A100″, Foto: W. Messer) kann in wenigen Monaten bereits veraltet sein. Zwei weitere Faktoren drücken auf die Rentabilität in den mitteleuropäischen Märkten: Der anhaltend schwache Euro-Kurs und der starke Preisverfall der tendenziell besser werdenden “Consumer”-LED-Retrofits.

Samsung und “Telefunken Licht” sind ‘raus

QisDesign-Flamenca-WallDie Folge: Immer mehr Anbieter ziehen sich aus diesem Teil des Licht-Markts zurück. Samsung verkündete den harten Schnitt im Herbst 2014, Toshiba, LG, Verbatim und BenQ (mit der Marke “QisDESIGN”, im PR-Foto rechts die neue LED-Wandleuchte “Flamenca Wall”) konzentrieren sich zunehmend auf teure integrierte Leuchten oder die Profi-Kundschaft, Philips lagert nach und nach sogar als Nummer 1 der Branche das komplette Lichtgeschäft aus, “GE” (Nummer 3) verschlankt seine Unternehmensstruktur.

Gerade heute wurde auch das Auslaufen der Marke “Telefunken Licht” verkündet. Bis zum Jahresende würden noch die Restbestände der wenig profitablen “Consumer”-Lampen verkauft, ansonsten werde man ab 1. Mai das “Kernsortiment, LED-Leuchten für gewerbliche Nutzungen, als bewährtes, wettbewerbsfähiges und wertiges Produktsortiment unter der Marke “en:gate” fortführen.

Für Kenner kommt das nicht überraschend

Wirklich überraschend ist das für Kenner der Marktes (und fleißige Blogleser) nicht. Diese Entwicklung war schon vor Jahren abzusehen; die Zeichen der Zeit und aktuelle Trends wurden aber nicht von jedem Manager schnell genug erkannt und antizipiert. So soll der ehemalige Osram-Chef Wolfgang Dehen nach Meinung von Branchen-Insidern zu zögerlich bei der Neuaufstellung des Unternehmens agiert haben. Möglicherweise habe er das Tempo der LED-Durchdringung und Technologisierung der künstlichen Beleuchtung sowie die daraus resultierende rasante Abwärtsentwicklung der traditionellen Leuchtmittel unterschätzt. Wer anderer Meinung war, musste den Hut nehmen.

Jetzt ist 2015 schon das Jahr, in dem der Umbruch des globalen Licht-Markts mit voller Wucht auf die Unternehmen durchschlägt: Preis- und Konkurrenzdruck, hohe Transformationskosten, sinkende Gewinne, Anbieter-Konzentration durch Marktbereinigung, Arbeitsplatzverluste.

Was macht der Licht-Markt mit privaten Kunden?

Was das letztendlich für uns als private LED-Kunden bedeutet? Mittelfristig vermutlich eine schrumpfende (echte) Vielfalt in den Baumärkten und Discounter-Filialen; dank “Badge-Engineering” könnte in Lampen mit verschiedenen Markennamen zunehmend die jeweils gleiche Technik weniger großer Produzenten stecken; Qualität und Lebensdauer leiden womöglich unter dem Kostendruck der Hersteller.

Mit Sicherheit wird es zwar noch lange Osram-, “GE Lighting”- und Philips-LED-Lampen in den Läden und Online-Shops geben. Wirklich originäre Technik dieser Marken finden Sie dann jedoch nur noch in den hochwertigen Profi-Komplettleuchten und den vergleichsweise teuren “Smart Lighting”-Produkten, nicht mehr im Retrofit-Massenmarkt. Der wird von Leuchtmitteln dominiert, wie sie beispielsweise IKEA als besonders günstige “Ledare”, “Media Markt” und Saturn als “ISY” oder Lidl als “Livarno Lux” für ein paar Euro anbieten. Dazwischen agieren die überlebenden Mittelständler und LED-Spezialanbieter wie Megaman, MeLiTec, Heitronic, Paulmann, Müller-Licht, Bioledex, Sebson, “LED’s change the world” (mit Sengled aus Shanghai als Hauptanteilseigner) oder LEDON, für die die Luft aber auch immer dünner werden wird.

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