LED-Tagebuch (KW 37): Discounter-Deals, IKEA-Umsatz, Fanbots, Vorurteile

Immer wieder sonntags: Eine Wochen-Rückschau auf die Kurzmeldungen im “Blog-Telegramm” und in der Google+-Community “LED-Beleuchtung” – als LED-Tagebuch mit aktuellen Updates und Ergänzungen.

Kaufland-LED-Tischleuchte-09-1408.09.: Auch “Kaufland” will jetzt im Spätsommer was vom LED-Kuchen abbekommen. Diese Woche gibt’s dort als Sonderangebot unter anderem eine LED-Tischleuchte für knapp 13 Euro mit fest montiertem 3-Watt-Leuchtmittel und 3000 Kelvin Farbtemperatur. Lichtstrom, EU-Ökolabel und Abstrahlwinkel werden regelwidrig nicht verraten – es dürften wohl rund 250 Lumen und ca. 90 Grad sein.

Als “Top-Artikel” bewirbt “Kaufland” eine nicht dimmbare E27-LED-Lampe mit 10 Watt, 810 Lumen und 200 Grad Halbwertswinkel (Prospektausschnitte oben und rechts, gültig bis 13.9., regional unterschiedlich). Kaufland-LED-XQ-lite-09-14Diese ziemlich rund strahlende “Birne” der Handelsmarke “XQ-lite” soll herkömmliche 60-Watt-Glühlampen ersetzen, in die Energieeffizienzklasse A+ gehören und ca. 25.000 Leuchtstunden halten. Sie kommt von der Firma Ranex GmbH im westfälischen Arnsberg, die zur niederländischen Firma “smartwares safety & lighting” gehört, welche ihre “made in China”-LED-Leuchtmittel wohl von “Alcom electronics” (ebenfalls Niederlande) bezieht.

Das “Sonderposten”-Angebot ist günstiger, als es auf den ersten Blick aussieht: Für knapp 9 Euro kriegen Sie nämlich gleich zwei Exemplare – Stückpreis also rund 4,50 Euro. Dennoch hielt sich die Begeisterung eines Bloglesers über die Lampen in Grenzen.

Penny-LED-09-14-klein08.09.: “Penny” schließt sich am Donnerstag, 11.9., der großen Discounter-Schnäppchen-Offensive für die beginnende “Lichtsaison” an. Zahlreiche LED-Retrofits ab 4,99 Euro und diverse Leuchtenvarianten ab 9,99 Euro von Osram und der Handelsmarke “Style Fair” schmücken die aktuelle Werbebeilage (Ausschnitt oben, für größere Darstellung hier klicken). Die “warm-weißen”, nicht dimmbaren Haushaltslampen in “verschiedenen Ausführungen” sollen durchweg das EU-Ökolabel A+ tragen.

Im Prospekt erfahren Sie jedoch nichts über Helligkeit, Halbwertswinkel, genaue Farbtemperatur oder den Farbwiedergabeindex der Retrofits. Etwas mitteilsamer ist “Penny” bei den ein- bis vierflammigen Deckenleuchten mit auswechselbaren 3-Watt-GU10-LED-Spots: Pro Leuchtmittel werden 270 Lumen versprochen – das entspricht etwa der Helligkeit von 25-Watt-Hochvolt-Halogenstrahlern. Allerdings verteilen die “Style Fair”-Spots ihr Licht über einen mehr als doppelt so breiten Abstrahlwinkel und bieten deshalb viel weniger Lichtstärke und Reichweite.

Eigenwerbung Juni 2014

09.09.: Einen exzellenten Farbwiedergabeindex von Ra/CRI 93 verspricht “BAB Lighting” aus Löhne für die Spitzenvariante seiner neuen “terra Pantria”-LED-Panels (PR-Fotos mit Blick von oben und unten). Aus 36 Watt generieren sie blendungsarm rund 3700 Lumen Lichtstrom in einem Halbwertswinkel von 113 Grad. Wählbar sind Versionen mit 3000, 3500, 4000 und 5000 Kelvin Farbtemperatur. Gedimmt werden können die Panels mit 1-10 Volt Steuerspannung bzw. automatisch mit einem optionalen Lichtsensor.
terra-Pantria-Kombi-gross
Die in Europa gefertigten Leuchten sind in den üblichen Einbau-Rastermaßen 625 x 625 mm (deutsch) und 595 x 595 mm (international) sowie als Sondermaß 1240 x 310 mm (inklusive Rahmen) lieferbar und sollen bis zu 50.000 Leuchtstunden durchhalten. “BAB Lighting” gewährt immerhin fünf Jahre Garantie. Für die besonders farbtreue Variante müssen Sie 299 Euro brutto löhnen; die Panel-Version mit Ra/CRI >85 kostet nur 249 Euro.

10.09.: Um 5,9% konnte IKEA seinen globalen Umsatz gegenüber dem vorherigen Geschäftsjahr steigern (währungsbereinigt). Ikea-Logo-kleinIm Bilanzzeitraum 1. September 2013 bis 31. August 2014 wurden laut Pressemitteilung umgerechnet insgesamt 28,7 Milliarden Euro eingenommen. Detaillierte Zahlen soll’s Mitte Oktober bei der Präsentation des Jahresabsschlusses geben. Besonders starke Zuwächse verzeichnete das Online-Geschäft – unter anderem mit LED-Lampen und -Leuchten. IKEA-Konzernchef Peter Agnefjäll erklärte dazu, dass solche Artikel fester Bestandteil der Wachstumsstrategie des Unternehmens seien:

“Unser Ziel ist, Nachhaltigkeit erschwinglich und attraktiv zu machen. Hierbei erzielen wir gute Fortschritte. Indem wir Preisinvestitionen auf energiesparende Produkte wie LED-Beleuchtung lenken, können wir mehr Menschen dazu verhelfen, ihre Stromrechnung zu senken und zu Hause nachhaltiger zu leben.

Mit Sicherheit wird diese Strategie durch die seit 25. August geltende lebenslange Rücknahmegarantie nachhaltig gestützt. Sie umfasst nämlich auch die “Ledare”-LED-Lampen und Leuchten mit LED-Technik.


11.09.: Nicht ganz frisch, aber immer noch witzig: Ein südkoreanischer Baseball-Club ersetzt jetzt laut aktuellem Bericht von “Stadionwelt.de” fehlende Zuschauer im Stadion durch “Fanbots” (Präsentationsvideo oben, alternativ hier klicken). Dank LED-Technik können die Roboter-Puppen die Gesichter von abwesenden Fans anzeigen und ihre Kurznachrichten auf einer hochgehaltenen Tafel präsentieren.

Eventuell auch ein schöner Ansatz für deutsche Fußballvereine, die aus Sicherheits- und Hygienegründen statt echter nur noch virtuelle Hooligans und Ultras auf ihren Rängen dulden wollen. Zusätzliche Lautsprecher in den “Fanbots” könnten dann auch die gewohnten, dumpfen Pöbel-Parolen übertragen.

11.09.: Der Ledaxo-Geschäftsführer Matthias Röder kontert in einem Interview mit der Online-Ausgabe von “elektrotechnik” die zehn häufigsten Vorurteile über die Umrüstung gewerblich genutzter Beleuchtung auf LED-Technik. Gilt übrigens prinzipiell auch für Privathaushalte – siehe diesen Blogbeitrag.

Aldi-Sued-LED-Roehren-09-1412.09.: Ein Jahr ist schnell vergangen – wie schon im September 2013 hat Aldi Süd “Müller-Licht”-LED-Röhren in seiner Werbebeilage für die kommende Woche (Ausschnitt links, gültig ab 18.9.). Diesmal sind es jedoch nur zwei Versionen: 1,20 m lang, 18 Watt und 1700 Lumen Lichtstrom für 14,99 Euro sowie 1,50 m, 22 Watt, 2000 Lumen für 19,99 €.

Vor einem Jahr kosteten diese nicht dimmbaren, “neutral-weißen” Röhren mit 4000 Kelvin Farbtemperatur, Farbwiedergabeindex Ra >80 und ca. 150 Grad Halbwertswinkel noch jeweils 5 Euro mehr – bei gleichen Leistungsdaten. Nicht im Angebot ist diesmal die 60-cm-Variante mit 10 Watt und 850 Lumen. Noch ein Unterschied: Zwar soll die Nennlebensdauer immer noch 30.000 Leuchtstunden betragen; die nominelle Schaltfestigkeit wurde aber drastisch erhöht – von >15.000 auf >100.000.

Damals wie heute sind diese LED-Retrofits nur für Leuchten mit konventionellem Vorschaltgerät (KVG) und Einzelschaltung geeignet. Sie werden mit entsprechenden “Dummys” geliefert, die statt des Leuchtstoffröhren-Starters eingesetzt werden müssen. EVG- und Tandemleuchten können damit nicht bestückt werden – nur nach einem größeren Umbau durch Fachkräfte und erneuter VDE-Zertifizierung. Laien sollten sich daran nicht versuchen.

Lidl-Prospekt-09-14-klein13.09.: Noch’n Discounter-LED-Deal zur “Lichtsaison”: Ab Montag, 15.9., hat Lidl on- und offline insgesamt vier integrierte LED-Leuchten von “Briloner” im Sonderangebot (Prospektausschnitt rechts, für größere Darstellung hier klicken).

Die zwei Stehleuchten-Varianten für knapp 30 Euro sind mit je zwei fest montierten 5-Watt-Modulen ausgerüstet, die zusammen 800 Lumen Lichtstrom mit einer Farbtemperatur von 3000 Kelvin liefern sollen. Das entspricht etwa der Helligkeit einer 60-W-Glühlampe, wirkt aber “kühler” und ist mit ca. 120 Grad Abstrahlwinkel erheblich fokussierter. Der auf den Werbefotos sichtbare Grünstich der Lichtfarbe dürfte auch in der Realität erkennbar sein.

Doppelt so hell sind die vierflammigen LED-Pendelleuchten für rund 50 Euro. Hier gehen insgesamt 22 Watt ‘rein und 1600 Lumen ‘raus – ebenfalls mit 3000 K und mutmaßlich 120 Grad. Das Lichtstrom/Euro-Verhältnis ist also deutlich besser als bei einem ähnlichen Sonderangebot von Aldi Süd im April. Alle vier “Livarno Lux”-Leuchten sind zwar dreh-, schwenk- oder höhenverstellbar, können aber nicht gedimmt werden.

KiK-LED-Gluehbirne14.09.: Wenn es für die Glühlampe schon ein Grabmal gäbe – das hier wäre wohl ein adäquater Schmuck: Textil-Discounter KiK bietet das gerahmte, 30 x 30 cm große “LED-Glühbirne”-Wandbild für 4,99 Euro plus 4,95 € Versand an (PR-Bild).

Zwei AA-Batterien (nicht mit dabei) liefern den Strom für die fünf integrierten, abschaltbaren Leuchtdioden. Das leuchtende Bild ist aus Holz sowie Kunststoff und kann nur im Innenbereich aufgehängt werden.

Mehr zum Thema:

LED-Außenleuchten bei Aldi Süd: Ein Fall für Daten-Detektive

LED-Deckenfluter bei “Penny”: Die Daten gibt’s erst im Laden

“Unsichtbare” Tageslicht-Simulation: Der große LED-Zukunftstrend?

LED-Tagebuch (KW 36): IKEA-Rückgabe, Angebote, Cree-Spots, “Hue Beyond”

LED-Lampen immer besser und billiger – wann lohnt sich der Kauf?

Premiere bei Aldi Süd: LED-Röhren in drei Stärken und Längen

Diesen Beitrag drucken

LED-Sonderangebote beim Discounter: Weder top noch Flop

Immer häufiger und günstiger sind jetzt wieder die LED-Sonderangebote der Discounter und Baumärkte. Ist das nun gut für die Kunden und schlecht für die anderen LED-Anbieter – oder gar ein Unheil für den ganzen Lichtmarkt, weil hier Billig-Schrott verkloppt wird? Nein, so einfach ist es nicht.

Discounter-LED-Mix
Ein paar der jüngsten LED-Deals diverser Discounter und Baumärkte – die Collage repräsentiert nur einen Bruchteil der unzähligen aktuellen Sonderangebote.

LED-Lampen für 2,50 Euro pro Stück, richtig hübsche und helle LED-Komplettleuchten für unter 20 Euro – von solchen Preisen haben wir Halbleiterlicht-Fans vor eins, zwei Jahren noch nicht mal zu träumen gewagt. Sie sind aber jetzt zum Start in die neue “Lichtsaison” fast tägliche Realität in den LED-Sonderangeboten der vergangenen und kommenden Wochen.

Auf einige dieser Deals weise ich regelmäßig in meinem “Blog-Telegramm” oder in ausführlichen Beitragen hin. Das findet nicht jeder gut. Ab und zu höre ich mehr oder weniger leise Beschwerden von kleineren LED-Anbietern, die ihr Geschäft von dieser Billigkonkurrenz akut bedroht sehen und deren mangelnde Produktqualität und/oder Beratungskompetenz kritisieren. Neulich hat mir sogar ein Shop-Betreiber mitgeteilt, dass er den Betrieb ganz aufgebe und mir seine Ulbricht-Kugel samt umfangreicher Peripherie zum Kauf anbieten wolle.

Eigenwerbung Juni 2014

“Garantien” machen nicht mehr viel her

Wirklich überraschend ist das nicht. Auf den LED-Preisverfall und die damit verbundene Marktbereinigung hatte ich schon im Januar im meinem Ausblick auf das Jahr 2014 hingewiesen. Nicht voraussehen konnte ich natürlich, dass der Möbelriese IKEA noch einen Mega-Klops draufsetzt und für seit 25. August gekaufte Waren ein lebenslanges Rückgaberecht einräumt – auch für “Ledare”-LED-Lampen und -Leuchten. Das setzt alle kleinen und großen Konkurrenten, die bisher nur zwei bis fünf Jahre lange und meistens auch noch stark beschränkte Garantien/Gewährleistungen anbieten, kräftig unter Druck.

Dabei wäre es viel zu kurz gesprungen, IKEA, Aldi, Lidl & Co. im Gegenzug nur für ihre lückenhaften Datenangaben in den Werbebeilagen und Online-Produktseiten oder wegen der fehlenden Fachberatung vor Ort zu geißeln. Ich kenne einige Online-Shops und Offline-Lampenverkäufer, die’s leider auch nicht besser können. Es hilft ebenso wenig, die sehr preiswerten Discounter-Produkte pauschal als “Schrott” zu diffamieren. Teilweise ist nämlich das Gegenteil der Fall, wie einige sehr farbtreue IKEA-Lampen oder manche LED-Retrofits der Discounter-Zulieferer “MeLiTec” und “Müller-Licht” schon bewiesen haben.

Lidl-LED-Sonderangebote im Labortest

Lidl-3W-E14-ausNehmen wir mal als aktuelles Beispiel die “Livarno Lux”-LED-Lampen von Lidl aus dem Sonderangebot vom 8. September. Da kostete beispielsweise ein nicht dimmbarer, “warm-weißer” E14-Strahler (Bild links, alle Fotos: M. Sinne/David Communication) mit 3 Watt, nominell 230 Lumen Lichtstrom und 110 Grad Abstrahlwinkel nur 3,99 Euro. Mit sowas können Sie problemlos einen herkömmlichen 25-Watt-Glühlampen-Strahler ersetzen – eine Stromersparnis von fast 90 Prozent.

Lidl-3W-E14-Daten

Im Labor meines Kooperationspartners “David Communication” wurden die offiziellen Daten (Packungsausschnitt oben) mehr als bestätigt. 3,05 Watt Leistungsaufnahme zeigt das Messprotokoll (pdf-Download); die zwölf SMD-Chips liefern 241 Lumen bei einer Farbtemperatur von 2927 Kelvin und einem “allgemeinen Farbwiedergabeindex” Ra 81,2. Der Abstrahlwinkel des Spots entspricht mit knapp 113 Grad ebenfalls weitgehend den Vorgaben (pdf-Download des Diagramms).

Kein gutes Licht für Kosmetik-Feinarbeit

Zwei kleine Pferdefüße gibt’s allerdings: Der elektrische Leistungsfaktor ist mit nur 0,43 ziemlich mies, ebenso der Einzelwert für die zusätzliche Referenzfarbe “Rot gesättigt” (R9 = 2,5). Erstes spielt in der Praxis keine große Rolle, Zweites macht sich durch die stark abweichende Wiedergabe von Rot-Tönen bemerkbar. Wenn’s also auf umfassende Farbtreue ankommen soll – etwa bei der Beleuchtung von Lebensmitteln in der Küche oder Schmink-Aktionen im Badezimmer, dann ist dieser von “Briloner Leuchten” zugelieferte Strahler sicher keine gute Wahl.

An Einsatzorten mit geringeren Ansprüchen – etwa in einer Nachttisch-Leseleuchte – können Sie damit aber vermutlich ganz gut und ziemlich lang zurechtkommen; die Nennlebensdauer von 25.000 Leuchtstunden und über 15.000 Schaltzyklen ist angesichts des günstigen Preises absolut okay. Auf meiner bis 5 reichenden LED-Bewertungsskala würde das insgesamt noch für zwei Sterne reichen.

Der “OWIM”-Niedervolt-LED-Spot

Lidl-5W-GU53-Daten

Lidl-5W-GU53-ausNoch ‘ne Stichprobe: Ein nicht dimmbarer GU5.3/12-Volt-LED-Spot der Neckarsulmer Lidl-Handelsmarke “OWIM” für 4,99 Euro (Bild links). Er soll 320 Lumen aus 5 bzw. 6 Watt erzeugen (Packungsdaten oben), wäre damit laut EU-Verordnung mindestens ein Ersatz für 35-Watt-Niedervolt-Halogenstrahler und trägt das zweitbeste EU-Ökolabel A+. Im Labor wurde er zur Lichtmessung mit Gleichspannung versorgt; mit Wechselspannung zog er 4,95 Watt bei einem Leistungsfaktor von 0,6.

Über den Vollwinkel sammelte die Ulbricht-Kugel gut 334 Lumen ein. Der Lichtstrom darf bei solchen Spots jedoch nur über einen 90-Grad-Bemessungswinkel angegeben werden – und da waren’s nur 285 statt 320 lm (pdf-Download des Messprotokolls). Keine Probleme dagegen bei Farbtemperatur (3036 Kelvin), Farbwiedergabeindex (Ra 82,6) und Abstrahlwinkel (knapp 35 Grad, Download des Diagramms).

Ähnlich wie beim 3-Watt-Strahler oben, dürfen Sie auch hier keine Großtaten bei der Zusatz-Messfarbe “Rot gesättigt” erwarten – der R9-Wert liegt bei nur 8,5. Das Spektraldiagramm mit seinen Spitzen bei Blau und Gelb/Orange ist typisch für solche “warm-weißen” LED-Lampen mit einem Ra-Wert knapp über 80:

Lidl-5W-GU53-Spektrum
Die Energieverteilung des “OWIM”-Spots (in Milliwatt/Nanometer) über das gesamte Licht-Wellenlängen-Spektrum.

Dass die Leistungsaufnahme mit 5 Watt, auf dem EU-Ökolabel aber mit 6 kWh/1000 Stunden angegeben wird, liegt am vorgegebenen Umrechnungsfaktor für Niedervolt-Lampen, die von einem Trafo/Treiber abhängig sind. Hier müssen 10% zur Nettoleistung addiert und dann auf die nächste volle Wattzahl aufgerundet werden.

25.000 Leuchtstunden sowie 50.000 Schaltzyklen Nennlebensdauer und das Stromsparpotenzial von gut 80% haben Markenlampen-Niveau, die Lichtqualität ist durchschnittlich, die Helligkeit etwa 11% geringer als versprochen, aber noch ausreichend. Viel mehr kann man derzeit für knapp 5 Euro nicht erwarten.

11-W-“Livarno Lux”-Lampe mit Lichtstrom-Leck

Lidl-11W-E27-ausBleibt Kandidat Nummer drei: Die offiziell 1000 Lumen starke, nicht dimmbare 11-Watt/E27-“Birne” von “OWIM” für 5,99 Euro (Bild rechts). Auch hier ist mit “warm-weiß” nicht ein Glühlampen-ähnlicher Wert von rund 2700 Kelvin gemeint, sondern laut Packungsangabe etwas “kühlere” 3000 K. Ein wirklich vollwertiger Ersatz für eine traditionelle 75-Watt-Glühlampe ist das also nicht.

Dagegen sprechen auch die vom Labor ermittelten 904 Lumen, der schwache elektrische Leistungsfaktor 0,58 bei 11,71 Watt Leistungsaufnahme, der Farbwiedergabeindex Ra 82,7 und der R9-Zusatzwert 7,9 für sattes Rot (pdf-Download des Messprotokolls). Glühlampen schaffen hier jeweils um die 100, sind problemlos dimmbar und haben einen etwa doppelt so runden Halbwertswinkel wie die ziemlich eng strahlende Lidl-Lampe (knapp 157 Grad, pdf-Download des Diagramms).

Das Spektraldiagramm und die Farbtreue-Einzelwerte weisen zudem auf eine leicht grün-gelblich erscheinende Lichtfarbe hin, die sicher keine hohen Ansprüche an die “Wohnlichkeit” oder “Gemütlichkeit” von häuslicher Beleuchtung erfüllen kann. Die Farbtemperatur laut Labor: 3040 Kelvin – das entspricht weitgehend der Herstellerangabe.

Sparen? Nicht um jeden Preis!

Lidl-11W-E27-DatenSpätestens hier stellt sich die Frage, ob der günstige Preis von knapp 6 Euro wirklich das entscheidende Kauf-Argument sein kann. Meine Antwort: Ja, wenn Sie die “OWIM”-Lampe beispielsweise im Treppenhaus, Keller oder in der Abstellkammer einsetzen wollen, wo bisher 60-Watt-Glühlampen im Einsatz waren.

Nein, wenn sie in häufig genutzten Wohnbereichen und etwa so hell wie eine 75-Watt-Glühlampe leuchten soll. Dann sollten Sie lieber etwas mehr ausgeben für eine leistungsstarke LED-Lampe mit besserer Lichtqualität – schließlich ist das ja bei einer Nennlebensdauer von 35.000 Leuchtstunden bzw. 50.0000 Schaltzyklen (siehe Packungsausschnitt oben) eine sehr langfristig nachwirkende Entscheidung.

LED-Sonderangebote sind kein Teufelswerk

Und was lernen wir aus diesen Stichproben und meinen bisherigen Tests der LED-Sonderangebote von Discountern, Möbel- und Baumärkten?

  • Billiglampen sind nicht per se schlecht, teils gleichwertig mit vielen Markenlampen und in einigen Fällen sogar besser. Ja – es gibt natürlich auch Ausreißer nach unten.
  • Wer weniger als 6 Euro ausgeben will, muss derzeit noch häufig Abstriche bei Lichtqualität und Dimmbarkeit hinnehmen. Kann aber je nach Einsatzbereich egal sein.
  • Discounter und artverwandte Anbieter müssen mit ihren LED-Sonderangeboten kein Geld verdienen, treiben den Rest des Marktes im Preiskampf vor sich her und leisten so einen großen Beitrag zur “Mainstream”-Verbreitung von LED-Beleuchtung.
  • Wer hier gegenhalten will, muss was Besonderes bieten – und da ist kein ruinöser Sonderpreis gemeint, eher besondere Qualität, kompetente, individuelle Beratung, ein Online-Angebot mit umfassenden, transparenten Daten der Lampen und Leuchten.
  • Insgesamt können wir Verbraucher also von dieser Entwicklung profitieren – stromsparende Licht-Umrüstung wird immer günstiger, einfacher und komfortabler.

(Offenlegung: Die Testlampen wurden von “David Communication” regulär in einer Lidl-Filiale gekauft. Alle Messungen wurden anschließend nach gut zwei Stunden “Einschwingzeit” vorgenommen – so habe ich es dem Labor verbindlich vorgegeben. Ich selbst hatte die Lampen bisher noch nicht in der Hand.)

Mehr zum Thema:

LED-Tagebuch (KW 36): IKEA-Rückgabe, Angebote …

Was 2014 auf dem LED-Markt passiert

Leuchtende Zukunft? Wie LED-Anbieter überleben können

Preisrutsch bei LED-Lampen sorgt für Risiken und Chancen

Diesen Beitrag drucken