Osram-LED „Classic A 75 Advanced“: Sehr helles Köpfchen

Eine der bemerkenswertesten Neuerscheinungen des Jahres 2012 war sicher die bis dato hellste „Retrofit“-LED-Lampe von Osram. 36 Einzel-Chips liefern mit nur 14,5 Watt einen wirklich hellen, rundstrahlenden und dimmbaren Ersatz für eine 75-Watt-Glühlampe. Ihr vollständiger Name ist fast so lang wie die Liste ihrer Besonderheiten: Parathom Classic A 75 320° Advanced 14.5 W/827 E27“.

Osram A 75 Advanced Abstrahlbild
Weitgehend kreisförmiger Kegel: Das Leuchtbild der 14,5 Watt starken Osram-„A 75“-LED-Lampe. (Fotos: W. Messer)
Osram A 75 außen 2
In vielen tausend europäischen Wohnungen und Büros leuchtet sie schon, diverse Online-Shops haben mir dieses Jahr von ihrer außergewöhnlichen Beliebtheit bei der Kundschaft berichtet. Dabei war ich ziemlich skeptisch, was die Sinnhaftigkeit von LED-Lampen mit über 1000 Lumen Lichtstrom angeht. Werden bei uns wirklich noch so viele traditionelle 75- und 100-Watt-Glühlampen benutzt, die durch stromsparende Alternativen ersetzt werden müssen?

Die Antwort haben mir einige Hersteller auf der anderen Seite des Atlantiks 2012 ganz konkret vor den Latz geknallt: Sie entwickelten noch stärkere LED-Lampen mit über 1600 Lumen – zuletzt die bisher nur in den USA verkaufte „ULTRA LED omnidirectional A21 bulb“ des dortigen Firmenablegers „Osram Sylvania“.

Die hiesige „A 75 Advanced“ basiert auf dem gleichen Konzept: Unter den fünf Seitenschalen des Lampenkopfes sowie an der Spitze leuchten jeweils sechs blaue Einzel-LEDs mit Luminiszenz-Konversionsschicht, um eine möglichst runde, Glühlampen-ähnliche Abstrahlcharakteristik (320 Grad, fast ein Vollkreis) und Farbtemperatur zu erzeugen.
Osram Advanced innen
Das Osram-PR-Bild (links) zeigt die Verteilung der Chips bei einer geöffneten „A 60“, die wie die „A 75“ 36 LEDs beherbergt. Zum Vergleich: Die amerikanische „A21 bulb“ hat satte 66. Zwischen den Modulplatinen sitzen Metallrippen zur Wärmeableitung.

Dazu arbeitet im unteren Lampenkörper des zwischen 40 und 50 Euro teuren europäischen Osram-LED-Flaggschiffs eine hochwertige, langlebige Vorschaltelektronik; dimmbar soll die Lampe natürlich auch sein.

Und? Funktioniert das alles so problemlos wie erwartet? Jein. Ohne Dimmer gibt’s nicht viel zu meckern: Das Ding strahlt wirklich sehr rund und tierisch hell; die offiziell 1055 Lumen sind weit kräftiger als das Licht einer 75-Watt-Glühlampe (laut EU-Vergleichsvorgabe muss das auch so sein).

Zur „blendenden“ Helligkeit trägt ebenso der etwas „weißere“ Farbeindruck bei. Die von Osram angegebenen 2700 Kelvin wirken merklich „kälter“ als beispielsweise die nominell gleichen 2700 K einer schwächeren Philips-E14-LED-„Kerze“. Der Farbwiedergabeindex von Ra 82 ist glaubhaft, wie mein Standard-Farbtreue-Test mit dem beleuchteten Modell einer Ducati 916 „Biposto“ zeigt:

Osram A 75 Advanced Farbwiedergabe

Die roten Flächen bekommen zwar eine leichte Gelb/Grün-Färbung, sind aber dennoch als kräftiges Rot zu erkennen – gerade in diesem Farbbereich schwächeln viele LED-Lampen. Hautfarben werden ziemlich naturgetreu wiedergegeben; auch das ist eine hohe Hürde und lässt auf eine sorgfältig „komponierte“ Phosphor-Konversionsbeschichtung der LEDs schließen. Es gibt keine merkliche Einschaltverzögerung, nur ein kurzes „Fading“ beim Ausschalten.

Osram A 75 PackungSehr ordentlich auch die Energieeffizienz: Knapp 73 Lumen pro Watt versprechen eine Einsparung von rund 80 Prozent gegenüber einer 75-Watt-Glühlampe. Die Lebensdauer wird mit mindestens 30.000 Leuchtstunden angegeben, bei bis zu 200.000 Schaltzyklen. Auf Fabrikationsfehler gewährt Osram vier Jahre Garantie.

Der Packungsaufdruck (Bild rechts) ist umfassend, informativ und verrät beispielsweise, dass die „A 75“ im Freien nur in Außenleuchten mit mindestens Schutzart IP 65 eingesetzt werden darf. Dabei sollte die empfohlene Spanne der Umgebungstemperatur eingehalten werden: Zwischen minus 20 und plus 40 Grad Celsius.

Bis zu 63 Grad am Gehäuse

Die Lampe selbst kann deutlich wärmer werden: Nach etwa einer Stunde habe ich an der heißesten Stelle des Gehäuses ca. 63 Grad gemessen – eine deutliche Erinnerung daran, dass auch LED-Lampen nur rund 20 bis 30 Prozent der zugeführten Energie in Licht umsetzen. Ich würde die Osram nicht unbedingt im direkten Kontakt mit einem Papier-„Lampenschirm“ betreiben.

Außerdem passt sie möglicherweise nicht in alle Ihre Leuchten, weil sie mit 11,6 cm Länge und 6,2 cm Durchmesser etwas größer ist als ihre Vorfahren mit Glühfaden und mit rund 200 Gramm zudem erheblich schwerer (der bei Amazon genannte Wert von rund 450 Gramm gehört allerdings ins Reich der Fabel). Ihr Metall-/Kunststoff-Mix vermittelt den Eindruck von Solidität und Wertigkeit. Vermutlich könnten Sie mit dieser LED-Lampe auch ein Fenster einwerfen und sie anschließend unbeschadet wieder ‚reinschrauben.

Beim Dimmen gehen die Probleme los

Etwas kritischer wird’s allerdings bei der Dimmbarkeit. Bei meinem Test-Pool von drei zufällig ausgewählten Haushaltsdimmern gab es einmal im unteren Leistungsbereich ein deutlich vernehmbares „Sirren“ und mit dem zweiten sogar ein nerviges Flackern der Lampe.

Dimmer Nummer drei war schon von den „Papierwerten“ her (Phasenabschnitt mit einem Lastbereich zwischen 20 und 315 Watt) geeigneter als die andern beiden und vertrug sich tatsächlich besser mit der Osram-Lampe: Das Regeln klappte stufen- und problemlos. Dennoch gab’s auch hier ein leises Surren, hörbar bis zu einem Abstand von etwa 50 cm. Außerdem blieb die Lampe auch bei dunkelster Einstellung noch recht hell – mit schätzungsweise rund 25 Prozent der Maximalleistung.

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Nicht umsonst bietet Osram auf dem Datenblatt eine Liste von getesteten Dimmern samt der möglichen Minimal- und Maximalhelligkeit. Da geht’s teilweise nur ‚runter bis 32 Prozent oder ‚rauf auf gerade mal 65 Prozent des eigentlich möglichen Lichtstroms. Je nach Dimmermodell kann es Ihnen also passieren, dass Sie statt 1055 maximal knapp 690 Lumen aus der „A 75“ kriegen. Und das mit dem „Sirren“ im Dimmer oder der Lampe gibt’s unter Umständen noch als „Sahnehäubchen“ oben drauf, wie diverse Erfahrungsberichte nahelegen.

„Vibratoren“, wo man sie nicht braucht

Das ist jedoch überhaupt kein spezielles Osram-Problem, sondern ein generelles, wie LEDON-Entwicklungsingenieur Thomas Mayer hier kürzlich in einem Blog-Kommentar erklärte:

Viele Dimmer tendieren zu diesem Surren/Sirren, ob mit LED-Lampen oder Glühbirnen. Auch in den LED-Lampen kann ein leichtes Sirren auftreten, abhängig vom verwendeten Dimmer. Die Ursache für diese Geräusche sind durch die Arbeitsweise der Dimmer bedingte kurze Stromspitzen, sowohl im Dimmer als auch in der Lampe.

Solche Stromspitzen, welche mit einer Frequenz von 100 Hertz entstehen, können dazu führen, dass es zu Vibrationen von Bauteilen kommt. Solche Vibrationen können z. B. in den Induktivitäten auftreten, welche in der Lampe zur Unterdrückung von elektromagnetischen Störungen verbaut sind, oder auch in dem kleinen Trafo in der Lampe. Die Wicklungen des Trafos können wie ein kleiner Lautsprecher wirken. Solche Bauteile werden zwar mit Lacken oder Harzen getränkt, um eben solche Effekte zu unterbinden. Je nach Stärke der Stromspitzen oder durch Toleranzen beim Tränken können aber immer noch Geräusche entstehen. Auch Kondensatoren können betroffen sein.

Wir haben bereits viel Aufwand betrieben, um solche Geräuschquellen zu minimieren. Dazu haben wir auch eng mit den Herstellern von Induktivitäten, Trafos und Kondensatoren zusammen gearbeitet. Ganz unterbinden lässt sich das aber nicht, und je nachdem, in welcher Leuchte die LED-Lampe verbaut wird, kann diese den Effekt akustisch verstärken.

Zwei Trostpflästerchen hatte Thomas Mayer immerhin noch für uns leidgeprüfte LED-Fans:

Meist nehmen solche Geräusche ab, wenn die Lampe betriebswarm ist. Die Lacke werden dann etwas weicher und dämpfen besser. Auf Funktion oder Lebensdauer hat das Sirren keinen Einfluss.

Mein Fazit:

Die bittere Wahrheit bleibt: Selbst dimmbare Luxus-LED-Lampen für über 40 Euro vertragen sich nicht mit allem, was so an Helligkeitsreglern bei Ihnen zuhause in der Wand steckt. Machen Sie sich deshalb nach dem Rausschmiss Ihrer Glühlampen auf einen weiteren Austausch gefasst – am besten gegen einen LED-geeigneten Dimmereinsatz mit Justierschraube. Erst damit können Sie vermutlich das komplette Potenzial der Osram-Lampe ausschöpfen. Verdient hätte sie’s.

Abgesehen von dieser generell verbreiteten Dimmer-Sensibilität und dem hohen Preis gehört die Osram „Parathom Classic A 75 320° Advanced“ zu den sehr erfreulichen Neuerscheinungen 2012. Sie kann auch viele hartgesottene Glühlampen-Freunde überzeugen und bekommt deshalb auf meiner Bewertungsskala für LED-Angebote
LED-Stern halbviereinhalb von fünf Sternen.

(Disclaimer: Osram hat mir die Testlampe im Dezember kostenlos zur Verfügung gestellt, vielen Dank!)

Mehr zum Thema:

Klassiker-Test: Osram-LED-Lampe „A 75 Advanced“ – heute noch wie neu

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5 Gedanken zu „Osram-LED „Classic A 75 Advanced“: Sehr helles Köpfchen

  1. Ich hatte die besagte Osram A75 auch mal bestellt. Der Bericht bestätigt meine Erfahrung, es ist eine top Lampe, sofern die Dimmerkompatibilität passt. Dies kann je nach Lampenschirm bei unpassendem Dimmer sogar in Richtung Knattergeräusche gehen.
    An der vorgesehenen Hängeleuchte gab sich dann eine PhilipsMaster LED 12W ganz dimmertolerabel, und allgemeine Fakten wie die deutlich längere Dimmerkompatibilitätsliste der Philips sowie auch diverse Kundenreaktionen bescheinigen dieser tendenziell eine etwas genügsamere Dimmersakezptanz als der Osram.
    Nichtdestotrotz ist bei mir die kleinere dieser Osram Variante, die A40, in einer Tischleuchte ungedimmt zu finden bzw. nach mehreren Versuchen die erste ungedimmte LED, die unter einer 180° geschlossenen Glaskuppel komplett lautlos bleibt – also die Lampenkonstruktion selber muss sehr gut sein und Wolfgangs Sternebewertung kann ich daher 100%ig unterschreiben 😉

  2. Da die LEDs idR den Farbton beim Dimmen eh wenig bis gar nicht ändern, bin ich bei meiner LED-Umsrüstung dazu übergegangen, aufs Dimmen weitestgehend zu verzichten, und die Lampenleistung (zB. über dem TV-Gerät) einfach etwas schwächer zu wählen (hier mit PhilipsMaster LED GU10 4W). Ich war auch vorher schon einer, der bei Halogen nicht ständig an den Dimmern herumdrehte, zumal Halos ja durchs Dimmen nicht länger leben und auch die Dimmer bei Leuten mit starker Verwendung recht oft getauscht werden mussten, was jedesmal so 40 bis 50 € machte…
    Dass viele Leute (zu denen gehöre ich ja auch) für eine gute LED ruhig mal etwas tiefer in die Tasche greifen finde ich an sich nur lobenswert, dies geht etwas gegen den Trend dieses ‚Geiz ist geil Trends‘, der sich quer durch alle Konsumgüter immer breiter gemacht hat. Wenn man Kundenrückmeldungen liest, dann liest man auch sehr oft davon, dass dem Kauf hochwertiger LEDs zunächst mal eine ordentliche Enttäuschung über preisgünstige LEDs vorangeht.
    Und solche allgegenwärtigen ‚Probleme‘ im Wohnraum, wie eine schlechte Couch, nerviges Licht usw. – das scheinen nun mal viele nicht einfach so hinzunehmen 😉
    .
    Auch geraten die LED-Unmsteiger denke ich in eine Art ‚positiven Teufelskreis‘. Zuerst werden billige Lampen gekauft, mit der entsprechenden Enttäuschung. Und dann stellt sich die Frage: Zurück zu den Stromfressern oder gleich was Ordentliches in Sachen LED. Der Bequemlichkeitsfaktor, dass man die Lampen (vermeintlich…) bedenkenlos brennen lassen kann (es sieht ja doch besser aus, in der Wohnzimmerecke zu sitzen und die beleuchtete Designer-Kochnische zu sehen, anstatt einen dunklen Fleck wegen den zwanghaft auszuschaltenden, stromfressenden Halos) spielt auch mit rein 😉

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