Neue „Classic A 40 ADV“: Osram-LED-Lampe für Preisfüchse

Zu den ersten Osram-LED-Neuerscheinungen 2013 gehört ein Modell, das mit „warm-weißer“ Lichtfarbe herkömmliche 40-Watt-Glühlampen ersetzen soll, eine ordentliche Farbtreue aufweist, dimmbar ist und dennoch für unter 20 Euro angeboten wird: Die „Parathom Classic A 40 7.5 W/827 E27“. Was sie von ihren teureren und etwas älteren Schwestern unterscheidet, klärt der Test.

Osram Classic A 40 ADV Modell
Kleiner Kopf, riesiger Kühlkörper: Die neue 7,5 Watt starke „Mid budget“-LED-Lampe von Osram (oben) hebt sich schon äußerlich sehr von ihrer teureren, aber fast gleichnamigen Schwester „Parathom Classic A 40 320° ADV 8 W/827 E27“ (rechts unten) ab. (Fotos: W. Messer [2] & Osram-PR [1])
Osram Classic A40 320°
Versuchen Sie mal, eine anständige rundstrahlende, „warm-weiße“, dimmbare E27-LED-Lampe mit 470 Lumen Lichtstrom zu kriegen. Das ist schwieriger als gedacht; noch nicht mal Lichtgigant Philips oder der „Retrofit“-Spezialist LEDON haben exakt so was aktuell im Programm.

Meist werden nur die stärkeren und weitaus teureren LED-Lampen mit dem „Luxus-Feature“ Dimmbarkeit ausgestattet – etwa die Äquivalente für 60- und 75-Watt-Glühlampen. Fündig werden Sie eine Leistungs-Etage tiefer eher punktuell und bei kleineren Anbietern, inzwischen allerdings auch bei Osram – und das ab sofort gleich doppelt.

Beide Modelle nennen sich „Parathom Classic A 40 Advanced“, können nach EU-Norm 40-Watt-Glühlampen ersetzen, leuchten mit einer Farbtemperatur von 2700 Kelvin, sind mit 116 mm Länge und 62 mm Durchmesser gleich groß, sollen mit 30.000 Leuchtstunden und 200.000 Schaltzyklen die gleiche Lebensdauer haben und glänzen mit vier Jahren Herstellergarantie.

Differenzen bei Watt, Farbtreue und Preis

Damit enden jedoch die Gemeinsamkeiten. Der genaue Blick auf die Typenbezeichnungen enthüllt, dass das neue Modell ohne Grad-Angabe auskommt und 7,5 Watt Leistungsaufnahme hat, während das ältere „320°“ im Namen trägt und 8 Watt schluckt. Außerdem verraten die technischen Daten eine kleine Differenz beim Farbwiedergabeindex: Ra 80 bei der Neuen, Ra 82 bei der Älteren.

Diesen Unterschied werden wohl nur Experten erkennen, was anderes dagegen jeder auf Anhieb: Die Lampen sehen ziemlich unterschiedlich aus und kosten auch nicht das Gleiche. Das „Grad-lose“-Modell ist für unter 20 Euro zu kaufen, das andere für deutlich mehr. Wo liegt denn da der Hund begraben? Müssen Preisfüchse bei der billigeren Lampe etwa auf was verzichten? Ja, müssen sie – ist aber meistens nicht so schlimm.

Der Abstrahlwinkel macht’s

Das teurere Modell hat – wie die bereits von mir getestete, stärkere „A 75 Advanced“-Version – einen weitgehend runden, homogenen Abstrahlwinkel. Dafür steht die Angabe „320°“, also fast ein 360-Grad-Vollkreis. Um diese fast Glühlampen-identische Charakteristik zu erreichen, muss bei LED-Lampen ein hoher technischer Aufwand betrieben werden – mit zahlreichen Einzel-Chips rundum im Lampenkopf.

Etwas einfacher wird’s, wenn nur um die 200 Grad Halbwertswinkel gebraucht werden. Dann genügen weniger LEDs und für die Lichtstreuung sorgt ein mattes Lampenglas mit entsprechender Optik. Beim 7,5-Watt-Osram-Modell sieht das Ergebnis im Leuchtbild so aus:

Osram A 40 Classic Adv. Leuchtbild

Das ist kein perfekter Rundstrahler; rund 80% des Lichts werden laut Datenblatt nach oben und seitlich abgegeben, nur etwa 20 Prozent nach unten. Der Packungsaufdruck „Surround Light“ mit einer gleichmäßig verteilten Anzahl von Pfeilen um eine stilisierte Lampe ist also eher irreführend. Wenn die Lampe anders herum als im Bild montiert wird – beispielsweise hängend unter der Decke -, leuchtet sie ein Zimmer prima aus, während die Decke selbst nur schwach erhellt wird. In vielen Fällen wird so aber der Nachteil der mangelnden Rundstrahlung zum Vorteil: Weil sich ein größerer Teil der 470 Lumen Lichtstrom über einen kleineren Raumwinkel verteilt, ist die Lichtstärke dort so hoch, dass eventuell sogar eine 60-Watt-Glühlampe ersetzt werden kann.

Nicht jeder mag sie „nackt“ sehen

Sie dürfen jedoch nicht erwarten, dass die Osram-LED-Lampe wirklich die gleiche Lichtfarbe wie eine „Glühbirne“ hat, auch wenn die Farbtemperatur mit 2700 Kelvin nominell ähnlich ist. Sie wirkt beim Blick auf den Lampenkopf etwas weißer und „kälter“. Die von ihr angestrahlten Objekte und Raumteile sehen aber dennoch fast so aus, als würden sie von einer herkömmlichen Glühlampe angestrahlt.

Ideal für Freunde des wohnlich-gemütlichen Lichts wäre also der Einsatz in einer Leuchte, die diesen direkten Einblick verhindert oder etwas abschwächt. Das gilt übrigens ebenso für das teurere 8-Watt-Modell. Da die Wahrnehmung von Licht aber sehr subjektiv ist, dürfte es andererseits auch jede Menge Menschen geben, die kein Problem mit einer „nackt“ montierten „Classic A 40“ und ihrer durchaus beeindruckenden Helligkeit haben.

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Mit einem Dimmer kann man diese bei Bedarf reduzieren – die möglichen Spannen sind je nach Dimmermodell sehr unterschiedlich: Teils geht das von 0 bis 98 Prozent des maximalen Lichtstroms (MK S1535), teils nur von 11 bis 81% (PEHA 433HAB) und teils nur schlecht mit Flackern und Surren (Baumarkt-Wald- und Wiesen-Phasenanschnittdimmer mit zu hoher Mindestlast). Die von Osram mit dieser Lampenversion getesteten Dimmer stehen im ausführlichen, englischsprachigen Datenblatt (pdf-Download).

Über 80% Sparpotenzial

Apropos surrende Lampe: Häufig ist dieses Geräusch nur kurz nach dem Einschalten gut hörbar und wird schon nach kurzer Erwärmung deutlich leiser. Nach meinen Messungen gibt’s übrigens nach längerem Dauerbetrieb höchstens moderate 50 Grad am mittleren Gehäuseteil in der Nähe des Tc-Punktes“ – der Lampenkopf bleibt unter 30 Grad und somit ungefährlich für Kinderhände. Die Energieeffizienz liegt mit rund 63 Lumen/Watt im oberen Mittelfeld von dimmbaren LED-Lampen, das Sparpotenzial gegenüber einer 40-Watt-Glühlampe bei über 80%.

Eine nennenswerte Einschaltverzögerung gibt es nicht, nur eine kurze dynamische Anpassung an die aktuelle Dimmereinstellung. Wenn Sie beispielsweise den Regler auf „halb“ stehen haben und dann die Lampe mit einem separaten Schalter aktivieren, regelt sie kurz von „null“ auf „voll“ und erst dann wieder zurück auf „halb“. Das läuft etwa innerhalb einer Sekunde ab. Beim Ausschalten benötigt sie rund zwei Sekunden, um völlig dunkel zu werden – sie leuchtet also ein wenig nach (gab’s so was nicht früher auch bei Glühlampen? Ich erinnere mich kaum noch 😉 ).

Kurzes Fazit:

Wer keinen perfekten Rundstrahler und nicht mehr als 470 Lumen braucht, dennoch Wert auf Dimmbarkeit und gute Lichtqualität legt, der findet jetzt bei Osram eine bezahlbare LED-Alternative – zwar trotz „made in China“ nicht wirklich billig, aber mit unter 20 Euro durchaus preiswert. Auf meiner Bewertungsskala für LED-Angebote von 1 bis 5 bekommt die Neuerscheinung
LED-Stern halbviereinhalb Sterne.

(Disclaimer: Osram hat mir die 7,5-Watt-Testlampe gratis zur Verfügung gestellt)

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3 Gedanken zu „Neue „Classic A 40 ADV“: Osram-LED-Lampe für Preisfüchse

  1. Die neue Osram 2013er Serie macht aber einen sehr guten eindruck Osram setzt wohl wieder mehr auf qualität !

    Ich habe die verschieden Osram E27 Modele unter anderen auch die 470 Lumen OSRAM Superstar aus den Jahr 2011 die der neuen sehr ähnlich sieht,
    erwähnen sollte man auch das noch andere Ausführungen gibt z.b. 810 Lumen OSRAM Superstar Classic A60 ADV 12W.

    PS:Schön Herr Messer das es ihnen wohl gesundheitlich etwas besser geht freue mich schon auf viele neue Beiträge.

    frankkl

  2. @ Wolfgang:
    Habe ebenfalls kürzlich festgestellt, dass auch neue E27 Varianten auf der Osram-Homepage sind.
    .
    Zunächst bin ich ja etwas erschrocken, und fragte mich, ob diese neuen Lampen mit dem üblichen, hohen Kühlkörper nun langsam aber sicher die professionellen 320° Varianten ersetzen sollen (die 8 W 320° Variante ist unter Privatkunden sicher nicht der Verkaufsrenner und geht neben den 12 und 14.5 W Varianten nach meiner Einschätzung etwas unter). Ich habe selber die Parathom Classic Advanced 8 W 320° in einer Tischleuchte und muss sagen, diese ist, wenn maximale Rundstrahlung zur Deko- bzw. Effektbeleuchtung erwünscht ist, einfach top und wie von dir bereits erwähnt, aktuell wohl konkurrenzlos vom 320° Prinzip her.
    .
    Dass die Hersteller zunehmend preisgünstigere LED-Serien auf den Markt bringen, finde ich an sich natürlich auch sehr positiv.
    Wie sich dann mittelfristig die Konkurrenzsituation zu den teureren Lampen verhält, wird die Zukunft zeigen: In einem anderen LED-Fachforum meinte ein Teilnehmer (vom Fach), dass seiner Meinung nach die ‚richtig guten und teuren‘ LED-Lampen mit Betriebsstunden zwischen 25.000 und 40.000 langsam aber sicher weniger am Markt vertreten sein werden zugunsten von preisgünstigeren, aber eben auch nicht mehr ganz so hochwertigen Lampen. Für LED-Fans wie mich, die sich durchaus an einer € 30,- Osram Parathom Classic Advanced 8 W 320° in einer Tischleuchte erfreuen können (die sich wahrscheinlich nie rentiert, aber dafür jeden Lampenschirm schattenfrei ausleuchtet) wäre diese Zukunftspersepektive natürlich schade – aber der Markt wird nun mal von der großen Masse bestimmt und die 30.000 Betriebsstunden müssen auch erst mal erreicht werden 😉

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