LED-Flächenstrahler für den Flughafen München

Wo extrem viel Strom für Beleuchtung verbraucht wird, kann durch Umstellung auf LED-Technik auch besonders viel gespart werden. Diese Binsenweisheit hat sich bei Industrie, Gewerbe und Kommunen schon herumgesprochen. Eines der neuesten großen „Leuchtturm“-Projekte ist der Austausch von Natriumdampf-Hochdrucklampen in der Vorfeldbeleuchtung des Münchener Flughafens durch LED-Flächenstrahler. Das Stromsparpotenzial: Rund 46 Prozent.

LED-Strahler Flughafen München
Vier der auf LED-Technik umgerüsteten, 34 Meter hohen Flutlichtmasten auf einem Vorfeld des Münchener Flughafens. Hier gibt’s jetzt energiesparendes Licht mit einer neutral-weißen Farbtemperatur von 4500 Kelvin. (Foto: Werner Hennies, Flughafen München GmbH)

Leuchtdioden taugen längst nicht nur zum Erhellen einer Wohnung oder eines Supermarkts. Inzwischen hat die Halbleiter-Lichttechnologie auch die raue Außenwelt erobert: In Straßenleuchten, in Strahlern an Kirchengebäuden, auf Parkplätzen, in Sportstadien und Tankstellen – die Liste ist fast endlos. Etwas LED-„unterbelichtet“ sind allerdings noch viele Orte, an denen besonders viel Licht gebraucht wird – dort, wo es auch in der Nacht taghell sein muss, weil dort rund um die Uhr gearbeitet wird.

Solche Extremaufgaben werden weitgehend noch durch Natriumdampf-Hochdrucklampen übernommen, die bereits erheblich effizienter sind als unsere traditionellen Haushaltslampen und auch höchste Helligkeitsansprüche erfüllen. Dass aber selbst in dieser Liga LED-Chips mithalten können, beweist aktuell die Flughafen München GmbH (FMG) zusammen mit dem Südtiroler Unternehmen „ewo“. Die FMG hat nach umfangreichen Tests begonnen, die herkömmliche Vorfeld- und Außenbeleuchtung gegen LED-Technik auszutauschen.

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Auf Teilen der Vorfelder im Nordosten des Airports, an mehreren Straßen und Parkplätzen sind die Leuchtdioden schon im Einsatz. Die auf dem Münchner Airport verwendeten LED-Lampen brauchen nach FMG-Angaben nur etwa halb so viel Energie wie die herkömmliche Beleuchtung und halten mit rund 17 Jahren rund eineinhalbmal länger. So könnten bereits jetzt, nach der ersten Phase der Umstellung, jährlich rund 122.000 Kilowattstunden Strom und damit 70 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Langfristig sei nach der Umrüstung aller 3000 Lampen der Vorfeld- und 10.200 Lampen der Außenbeleuchtung eine jährliche Einsparung von mehr als 5.000 Tonnen CO2 möglich.

ewo-F32-LED-FlutlichtÜber 20 Kilowatt weniger

Rund 46% Einsparpotenzial hat „ewo“ für 33.000 Quadratmeter Vorfeldfläche und die dort installierten sieben Flutlichtmasten berechnet: Die alten Natriumlampen zogen 38,5 kW, die neuen LED-Leuchten brauchen nur 18 kW (pdf-Download der Projektbeschreibung). Dort werden „F32“-LED-Flächenstrahler (pdf-Download der Produktvorstellung) in zwei verschiedenen Konfigurationen und mit individuellen Linsenoptiken eingesetzt – zum Beispiel, um auch den hinter dem Vorfeld liegenden „Taxiway“ anständig erhellen zu können (im Bild rechts ein Mast mit sechs Panels, Foto: ewo-PR).

In jedem der größeren Panels mit 542 Watt Anschlussleistung leuchten 288 „XP-G“-LEDs der US-Firma „Cree mit jeweils 130 Lumen Lichtstrom und der „outdoor white“ genannten Farbtemperatur von 4500 Kelvin – macht über 37.400 Lumen pro Strahler. Die kleineren 405-Watt-Systeme bestehen aus insgesamt 216 LEDs (rund 28.000 Lumen). Die Lebensdauer wird mit rund 50.000 Leuchtstunden beziffert.

Erheblich höhere Farbtreue

Um die mit der Zeit nachlassende Effizienz der Chips (anfangs ca. 70 lm/W) zu kompensieren, gibt es eine automatische Lichtstrom-Nachregelung. Zusätzlich ist eine Fernwartung über den Steuerungsstandard „DALI“ und eine Nachtabsenkung möglich. Beides ging mit der vorher verbauten Technik nicht. Ebenfalls verbessert hat sich der Farbwiedergabeindex. Der liegt mit den „Cree“-LEDs bei CRI 70, während herkömmliche Natriumdampf-Hochdrucklampen weniger als die Hälfte und selbst farboptimierte Spezialversionen nicht über CRI 60 schaffen (zum Vergleich: Traditionelle Glühlampen haben Ra/CRI 100).

Wer immer noch glaubt, LED-Lampen und -Leuchten seien für ernsthafte Beleuchtungsaufgaben prinzipiell zu lichtschwach und könnten deshalb noch nicht die Technik aus dem 20. und 19. Jahrhundert ersetzen, der sollte mal frühmorgens oder spätabends einen Blick auf’s Vorfeld des Münchener Flughafens werfen und staunend registrieren, wie sich seine Vorurteile flugs in Luft auflösen.

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