Philips-„Mini“-LED-Leuchte mit Maxi-Helligkeit

Dass LED-Beleuchtung vor allem im gewerblich-industriellen Bereich ordentliche Zuwachsraten hat, ist eine Binsenweisheit und war auch schon mehrfach hier in diesem Blog zu lesen. Abschreibungs- und Einsparmöglichkeiten bei hohen Investitionskosten sind dort meist deutlich besser als für Privatleute. Dass zum Beispiel eine neue Studie jährliche Wachstumsraten des globalen LED-Chip-Marktes von über 21 Prozent zwischen 2011 und 2015 kalkuliert, ist danach eher den sparsamen und stetig beliebteren LED-Hinterleuchtungen („Backlights“) in TV-Geräten zu verdanken als den „Retrofit“-LED-Umrüstungen in Privathaushalten. Kein Wunder, dass auch Philips immer wieder gerne attraktive Neuheiten für Gewerbekunden anbietet.

Aktuelles Beispiel: Die „Mini 300 LED“-Serie mit individueller Steuerung und einem Lichtstrom von bis zu 9240 Lumen pro Leuchte. Das entspricht etwa der Gesamthelligkeit einer herkömmlichen 500-Watt-Hochvolt-Halogenlampe, verbraucht aber weniger als 140 Watt.
Philips Mini 300 LED
Wahlweise 84 oder 112 Hochleistungs-Einzel-LEDs werkeln in der rund 34 cm breiten Einbauversion „BBP300“ der „Mini 300 LED“-Serie von Philips – das PR-Bild zeigt einen Prototypen mit optionalem Sensor, die Serienfertigung hat bereits begonnen.

Die „Mini 300“-Leuchtenserie von Philips ist an sich nichts Neues. Zahlreiche Exemplare erhellen schon seit Jahren Industrie- und Gewerbeobjekte weltweit – allerdings bisher bestückt mit Hochdruck-Gasentladungslampen (auch als „HID“ bekannt). Sie lassen an Helligkeit und Farbtreue (Farbwiedergabeindex bis über Ra 90) nichts zu wünschen übrig; die von Philips erfundenen CDM-Halogen-Metalldampflampen sind sogar mit über 100 Lumen pro Watt extrem effizient. Dieser Lampentyp leidet aber unter einem kleinen Manko: Bis zur vollen Helligkeit können nach dem Einschalten mehrere Minuten vergehen.

Für Beleuchtungssysteme, die abends mit Einbruch der Dunkelheit an- und erst am Morgen wieder ausgeschaltet werden, weil sie durchgehend mit maximaler Leistung benötigt werden, spielt diese Einschränkung keine Rolle. Wenn jedoch intelligente Lichtsteuerung gefragt ist, die nur bei Bedarf den vollen Strom zieht, dann aber sofort taghelle Beleuchtung liefern kann, eignen sich HID-Lampen nicht.

Nur „Ein“ oder „Aus“ genügt nicht

Typisches Beispiel: Eine durchgehend geöffnete Tankstelle an der Autobahn. Hier muss der Bereich der Zapfsäulen eigentlich nur dann sehr hell sein, wenn ein Kunde tanken will. Der Einsatz von HID-Strahlern und normalen Bewegungsmeldern mit Ein-/Aus-Schaltung wäre nicht zu empfehlen, weil die Tankstelle nachts völlig ohne Außenbeleuchtung von der Straße bzw. Autobahn optisch kaum auffallen würde und ein trotzdem zufällig einfahrender Kunde minutenlang warten müsste, bis er etwa die Aufschrift und das Display der Zapfsäule wirklich gut lesen kann. Da greift der arme Kerl womöglich zur „Super“-Pistole und „erschießt“ damit seinen Dieselmotor.

Dimmbare LED-Leuchten können dieses Manko beheben, weil sie problemlos in Sekundenbruchteilen auf die gewünschten Helligkeitswerte zu regeln sind. Philips nutzt diesen Vorteil in seiner neuen „Mini 300 LED“-Serie mit Hilfe verschiedener Sensoren und Einstellungsmöglichkeiten aus. Je nach Version aktiviert ein Bewegungsmelder oder ein intelligenter Videosensor voreingestellte Minimal- und Maximal-Szenarien. Als Demonstrationsobjekt dient aktuell die erste auf LED-Beleuchtung umgerüstete BP-Tankstelle in Österreich.

Tankstelle Tauernalm LED
22 Einbaustrahler der  Philips-„Mini 300 LED“-Serie erhellen die Zapfanlagen der BP-Tankstelle „Tauernalm“ bei Flachau an der Tauernautobahn. Foto: Philips-PR

Mitten in einer beliebten Skiregion gelegen, hat die „Tauernalm“ eine durchgehend hohe Kundenfrequenz, die laut Philips gut geeignet ist, die Praxistauglichkeit der Leuchten und ihrer Steuerung zu beweisen. Umfangreiche Messungen gingen der Installation voraus. So musste ermittelt werden, welche Beleuchtungsstärken in den unterschiedlichen Bereichen benötigt werden, um eine optimale Ausleuchtung zu erzielen und gleichzeitig möglichst viel Strom zu sparen.

Berücksichtigt wurden Anordnung und Anzahl der Zapfsäulen und Tankinseln, die horizontale Ausleuchtung der Fahrspuren und die vertikale der Zapfsäulen (wegen der Lesbarkeit der Displays, davon hatten wir’s schon). Außerdem wurde geklärt, auf welches Minimalniveau die Lichtstromwerte reduziert werden können, wenn gerade keine Kunden da sind. Die Sichtbarkeit der Tankstelle von der Autobahn aus und „ein ansprechendes Gesamtbild“ sollte dabei erhalten werden.

Jede Leuchte kann einzeln mit DIP-Schaltern auf einen Minimal- und Maximalwert eingestellt werden. Registriert der Bewegungsmelder für eine bestimmte Zeit keine Aktivität, dimmt das Licht auf das Minimalniveau. Sobald ein Kunde die Tankstelle anfährt, wird die Beleuchtung sofort auf den maximalen Wert geregelt. Da dies für jeden Bereich der Zapfanlagen individuell erfolgt, wird praktisch nie die volle Leistung aller 22 Leuchten benötigt, sondern meist nur ein kleiner Teil davon. Deshalb liegt das Einsparpotenzial der LED-Leuchten gegenüber durchgehend brennenden, klassischen HID-Lampen bei bis zu 85 Prozent, obwohl sie eigentlich mit rund 64 bzw. 67 Lumen/Watt weniger effizient als CDM-Lampen sind.

„Lebenslang versiegeltes“ Optikmodul

Falls Sie auch vor Ihrer Tankstelle oder Taverne keine dunklen Gestalten mehr haben wollen, ohne deshalb gleich an der Stromrechnung pleite zu gehen: Erhältlich sind die Leuchten der „Mini 300 LED“-Serie als Ein- und Aufbauversion und in vier Leistungsstufen zwischen 94 und 137 Watt bzw. zwischen 6838 und 9240 Lumen. Philips gibt bei allen Versionen eine („kalt-weiße“, tageslichtähnliche) Lichtfarbe von 5500 Kelvin, einen Farbwiedergabeindex von Ra 70 und eine Leuchtdauer von mindestens 50.000 Stunden bis zur Degradation auf 70% des ursprünglichen Lichtstroms an (pdf-Download der ausführlichen Beschreibung).

Die Abstrahlwinkel sind wählbar zwischen „rotationssymmetrisch“ (also rund) und „asymmetrisch“ (versetzt von der Vertikalachse) mit jeweils 32, 42 oder 55 Grad. Das optische Modul im Aluminiumdruckguss-Gehäuse mit Kollimator und Reflektor sowie einer Abdeckung aus thermisch gehärtetem, 4 mm dickem Glas, ist „lebenslang versiegelt“ und benötigt laut Philips keine Innenreinigung.

Da die Ein- und Aufbaumaße der quadratischen LED-Leuchten denen der bisherigen „Mini 300“-Serien entsprechen (die „BBP 300“ z. B. ist nur 33,5 cm breit und 14,6 cm tief), können sie die alten Strahler problemlos und ohne weiteren Installationsaufwand ersetzen – es sind also eine Art „LED-Retrofit-Lampen“. Konkrete Preise für die einzelnen Versionen hat Philips noch nicht publiziert; auf „Baumarkt-Niveau“ dürfen Sie aber keinesfalls hoffen.

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5 Gedanken zu „Philips-„Mini“-LED-Leuchte mit Maxi-Helligkeit

  1. Coole Sache. Und wenn die Lampen in der ungenutzten Zeit herunter geregelt werden, verringert es auch die Lichtverschmutzung deutlich.
    Schön wäre jetzt noch eine Straßenlaterne auf dieser Basis. Es gibt schließlich genug Straßenzüge, bei denen eine durchgängige Beleuchtung mit voller Kraft nicht nötig bzw. völlig unsinnig ist. Der Bewegungsmelder sorgt dann dafür, dass man sich immer in einem hellen Bereich bewegt und im Rest der Straße kann die Beleuchtung auf ein Minimum (Fußraumbeleuchtung im Kino während einer Vorstellung ;-)) gedimmt werden. Die Städte freuen sich über die geringere Stromrechnung, Anwohner und Tierwelt über die geringere Lichtverschmutzung.

  2. @Rolf
    gibt es alles schon: unter dem Technologienamen LumiMotion auch in Göttingen als Pilot schon im Einsatz:
    http://tinyurl.com/bshr6bt UND
    http://tinyurl.com/c6eux3w
    Zitat: „…der wahre Clou der Anlage in einer neuartigen Lichtsteuerung namens LumiMotion, die die Leuchten steuert und untereinander vernetzt. Sie sind mit intelligenten Sensoren ausgestattet, die es ermöglichen, ihre Leistung immer dann bis auf 20 Prozent, das entspricht einer Leistungsaufnahme von etwa acht Watt, herunter zu dimmen, wenn sich ohnehin niemand in der Nähe befindet…“

    außerdem gibt es noch beleuchtungssysteme, die nicht mit sensoren funktionieren, aber über ein zentrales System tageszeitabhängig jedezeit geregelt/gesteuert werden können. Stichwort Millionen Intelligenter Lichtpunkte:
    BITTE MAL HIER GUCKEN:
    http://smartlightliving.de/tag/citytouch/

    Grüße
    Philipp Hinz, Philips Unternehmenskommunikation

  3. @Philipp Hinz:
    Ich wiederhole mich, aber: Coole Sache. Jetzt muss man es nur noch schaffen, seine Stadt zur Umrüstung zu überreden…

Kommentare sind geschlossen.