LED-Markt: Große Projekte, kleine Renditen

Falls sich der eine oder andere Blog-Leser wundert, warum ich hier schon lange keine LED-Beleuchtungs-Sonderangebote aus Bau-, Supermärkten und Discountern mehr unter die Lupe genommen habe: Es gab in den vergangenen Wochen keine; abgesehen von LED-Taschenlampen oder den saisonüblichen Solar-LED-Gartenleuchten und -Gimmicks. Das ist für den ins Stocken geratenen LED-Konsumentenmarkt kein gutes Zeichen. Schlagzeilen machen zur Zeit auch nicht bezahlbare Produkte für Privatanwender, sondern gewerbliche Großprojekte und teure „Glühbirnen“-Ersatz-Entwicklungen mit immer neuen Helligkeitsrekorden, aber meines Erachtens begrenzter Sinnhaftigkeit.

Stadionfassade Warschau
Die Fassade des EM-Fußballstadions in Warschau wird mit 1700 digital gesteuerten LED-Leuchten der Osram-Tochter „Traxon“ zu einem riesigen Farbbildschirm. (Foto: Osram-PR

Morgen (9. Mai) startet in Las Vegas die nach eigenen Angaben größte Messe und Konferenz für Architektur- und Gewerbebeleuchtung, die „Lightfair International“ (Twitter-Hashtag #LFI2012). Vordergründig werden dort die Protagonisten der Szene – wie Cree, Nichia, Philips, Osram, General Electric und Toshiba – voller Stolz neue Entwicklungen und Leistungsrekorde präsentieren. Im Hintergrund schwelt aber die ungünstige Gemengelage aus Wirtschaftskrise und Umbruch im Lichtmarkt.

Zwar haben die europäischen Beleuchtungs-Marktführer Osram und Philips schon begonnen, ihre Strukturen und Produktionsstätten mit Millionen-Investitionen und umfangreichem Arbeitsplatzabbau auf LED- und OLED-Technik umzustellen. 2011 machte LED-Beleuchtung aber nur rund zwei Prozent des Lichtmarkts in Deutschland aus. Wir reden also immer noch von einer teuren Nischentechnologie, die von privaten Haushalten nur zögernd angenommen wird (die Gründe habe ich bereits in einem anderen Blogbeitrag ausführlich erläutert).

LED-Lampen sind keine „Schnelldreher“

Dass ich in den vergangenen Wochen nur wenige LED-Sonderangebote in den Prospekten der „Mainstream“-Händler (OBI, Aldi, Lidl, Bauhaus etc.) gefunden habe, liegt vermutlich nicht daran, dass sie’s wegen meiner ständigen Meckerei über mangelnde oder falsche Produktbeschreibungen und teils zu dunkle Leuchten und Lampen aufgegeben haben. Was in diesem Blog steht, interessiert wahrscheinlich in der Kohlenstoff-Welt der Beilagenbastler und Marketing-Meetings fast niemanden. Die Wahrheit ist viel unspektakulärer: Baumärkte und Discounter arbeiten in der Regel nach dem „Darwin-Prinzip“ – was sich nicht schnell und massenhaft verkauft („dreht“), fliegt gnadenlos aus dem Sortiment. Nur so kann auch mit günstigen Preisen Rendite erzielt werden.

Das gilt vor allem für Produkte, die schnell veralten. Bei LED-Lampen beträgt dieser Zyklus laut Osram-Chef Wolfgang Dehen teils nur ein halbes Jahr. Gleichzeitig liege der Preisverfall für LED-basierte Produkte bei 15 bis 20 Prozent pro Jahr. Die Herausforderung für die Unternehmen ist also, dass sie ständig teure Neuentwicklungen auf den Markt bringen müssen, die bei geringeren Kosten mehr leisten als die jeweiligen Vorgängermodelle. Der Handel wiederum hat massive Probleme, seine Kundschaft zum schnellen und wiederholten Kauf von Lampen zu überreden, die trotz fallender Preise rund 20- bis 40mal teurer sind als die bekannten „Glühbirnen“ und teilweise auch noch Qualitätsprobleme haben.

Wer braucht Luxus-„Retrofit“-LEDs?

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft bei einigen Herstellern noch eine große Lücke. So sehnt sich Siemens-Tochter Osram vor dem geplanten Börsengang trotz schwieriger Marktlage nach höheren Umsatzrenditen, oder Philips entwickelte eine preisgekrönte „L-Prize“-LED-Lampe, die aber letztendlich mehr als doppelt so teuer verkauft wird wie geplant (seit April in den USA, bei uns noch nicht). Und selbst diese horrenden Preise dürften den Herstellern wegen der hohen Entwicklungs- und Produktionskosten bei begrenzten Stückzahlen nur geringe Gewinne bescheren.

Ich frage mich ernsthaft, in wie vielen Haushalten noch herkömmliche 75 oder 100 Watt starke Glühlampen mit E27-Fassung in nennenswerter Zahl im Einsatz sind, die durch LED-Lampen ersetzt werden könnten. Gibt es wirklich einen auskömmlichen Markt für weit über 50 Euro teure LED-„Retrofit“-Lampen mit deutlich mehr als 1400 Lumen Lichtstrom, wie sie aktuell von Philips und General Electric angekündigt werden?
GE27Watt
Der in Las Vegas vorgestellte Prototyp einer 27 Watt starken LED-Lampe von „GE“, die mit über 1600 Lumen Lichtstrom heller leuchtet als eine traditionelle 100-Watt-„Glühbirne“. Geplanter Verkaufsstart: 1. Halbjahr 2013. (Foto: GE-PR)
Philips23Watt
23 Watt hat die kommende Version der Philips-„EnduraLED“. Auch sie soll mit fast 1700 Lumen herkömmliche 100-Watt-Glühlampen übertrumpfen. Die Markteinführung ist für diesen Herbst geplant. (Foto: Philips-PR)

Ich würde fast jede Wette annehmen, dass Sie bis Juni 2013 keine dieser beiden Lampen in ihrem Baumarkt finden werden. Stattdessen werden sie als „Leuchttürme“ im Sortiment von diversen Online-Shops und dem gehobenen Fachhandel dienen – Luxusprodukte für Spezialisten und „Geeks“. Dem durchschnittlichen Lampenkäufer dürften sie am Allerwertesten vorbei gehen – ebenso wie die vermeintliche Werbewirkung von LED-erleuchteten Fußballstadien in Polen und der Ukraine, die bei „Otto Normalverbraucher“ wohl kaum als Vorbild zur Umstellung der heimischen Beleuchtung dienen werden.

Allenfalls die Assoziation „LED-Licht ist hochwertig, edel und teuer“ dürfte nach der Fußball-Europameisterschaft hängenbleiben, unter Umständen auch der eine oder andere negative Beigeschmack. Denn wer – wie zum Beispiel Osram in den Stadien Kiew und Lemberg – gute LED-Geschäfte mit dem pseudo-demokratischen Regime in der Ukraine macht, profitiert derzeit nicht unbedingt von einem positiven Image-Transfer auf seine Produkte.

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11 Gedanken zu „LED-Markt: Große Projekte, kleine Renditen

  1. @ Wolfgang:
    Danke für den Bericht.
    Da staunte ich jetzt aber nicht schlecht. Auf dem von Dir eingefügten Link
    http://www.n24.de/news/newsitem_7850051.html
    schreibt einer einen Kommentar bezüglich der Firma ABC Technology – 1 Stk. GU10 LED um 80 € (?!).
    Dagegen sind die aktuellen Ledon, ebenfalls mit CREE-LED richtige Sonderangebote!
    Philips hat seine GU10 Palette wieder mal ausgetauscht, ich frage mich, ob da nicht mehr oder weniger dieselbe Technik mal wieder in ein anderes (nicht unbedingt schöneres) Gehäuse kommt. Im Gegensatz dazu hat Ledon seine E27 Retrofits schon jahrelang unverändert im Sortiment…

    Gruß Johannes

  2. @Johannes: Danke für den Hinweis, die Kommentare hatte ich dort nicht gelesen. Den Preis hast Du vermutlich direkt von der ABC-Shop-Seite:
    http://www.abc-technology-shop.de/LED-Spots/Spot-7W-dimmbar-GU10-Sockel.html

    Ein Hammer – vor allem, weil ich dort außer der Leistungsaufnahme keinerlei technische Daten finde (Lumen, Abstrahlwinkel, Farbtreue etc.).

    LEDON stellt übrigens die Produktlinie nach und nach auf das neue „Wave-Design“ um – ein paar Lampen haben das schon und das wird künftig auch die E27-„Globes“ und -„Bulbs“ betreffen.

  3. „@ Wolfgang: Der Handel wiederum hat massive Probleme, seine Kundschaft zum schnellen und wiederholten Kauf von Lampen zu überreden, die trotz fallender Preise rund 20- bis 40mal teurer sind als die bekannten “Glühbirnen” und teilweise auch noch Qualitätsprobleme haben.“

    Es scheint da Unterschiede je nach Lampentyp zu geben. Die ‚fertig entwickelten‘ GU10 LED (50W Halogenersatz) scheinen gut zu gehen, im Ledon-Shop ist die 7W Version mal ausverkauft (wäre interessant, wann wieder welche eintreffen).
    Bei den E27 scheint das etwas anders, die sind noch lange nicht fertig entwickelt – meine Entscheidung zwischen der Osram Parathom und der Philips MasterLED steht ja zwangsläufig auch noch aus.
    Wenn die Lampen ihre prognostizierte Lebensdauer nur zur Hälfte erreichen, verbleiben sie recht lange im Haushalt, da kann sich etwas warten schon lohnen.
    Und wenn man mal ein paar vernünftige Lampen hat, muss man ja selber wissen, ob die bei jeder Neuerscheinung wieder getauscht werden muss…

    Gruß Johannes

  4. @Chris: Das sieht mir nach einem 3:0 für Osram aus:
    *Früher in den Läden (Die GE soll ja auch in Nordamerika erst Anfang 2013 kommen)
    *Erheblich effizienter (20 statt 27 Watt)
    *Glühlampen-ähnlichere Farbtemperatur
    Daran ändert auch das verbesserte GE-Design wenig. Update: Am GE-Design hat sich offensichtlich doch nichts geändert – das Bild von der Prototypenversion hier im Beitrag zeigt die Lampe in eine Fassung eingedreht, das neue bei Gizmag die gleiche ohne Fassung. Ich kann sonst keinen Unterschied erkennen.
    Davon abgesehen gilt das, was ich im Beitrag geschrieben habe: Solche „Monster-Birnen“ sind zwar tolle „Leuchttürme“ zum Beweis der technischen Kompetenz, aber nix für’s Massengeschäft.

  5. P. S.: Der zweite von Dir verlinkte gizmag-Artikel über die GE ist gar nicht neu, sondern bereits vom 8. Mai – wurde also am gleichen Tag wie dieser hier veröffentlicht. Logisch, dass es dann auch die gleiche Lampenversion ist – einmal mit Fassung und angeschaltet (hier), einmal ohne Fassung und aus (gizmag). Ob seither was am Design geändert wurde, weiß ich nicht.
    Der erste verlinkte gizmag-Beitrag über die Osram-Lampe ist übrigens auch schon über einen Monat alt – bisher ist darüber hier in Deutschland allerdings noch nichts Offizielles von Osram-PR berichtet worden.

  6. @Wolfgang:
    Der Herbst ist bald vorüber, wann kommt nun die 1700lm EnduraLED LED-Lampe von Philips?
    Wohl zuerst wieder in Übersee…

  7. @Wolfgang
    Wie meinst du das, es gibt die 1100lm Version nicht offiziell? Die heisst halt LED Lampe 17 W (75 W) und hat „nur“ 1055lm
    Oder hab ich was übersehen?

Kommentare sind geschlossen.