Siemens spart kräftig, Osram leuchtet bald solo (Update 28.11.)

Mit einem radikalen Sparprogramm will Siemens auf den gesunkenen Gewinn während des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahrs 2011/2012 reagieren. Rund sechs Milliarden Euro Kosten sollen in den nächsten beiden Jahren gekappt werden, wie Vorstandschef Peter Löscher diese Woche in Berlin erklärte. Unterdessen registrierte die Noch-Konzerntochter Osram eine Gewinnsteigerung und macht sich fit für die geplante Selbstständigkeit. Dazu gehören Friedensschlüsse mit südkoreanischen Konkurrenten und spektakuläre LED-Installationen.

Osram-Shed-Leuchten

Unter anderem solche individuell steuerbaren Osram-Multi-LED-Leuchten sind bereits in der „Städtischen Galerie im Lenbachhaus“ in München eingebaut und werden nach der Wiedereröffnung im Mai 2013 die Kunstwerke ins richtige Licht setzen. Als indirekte Beleuchtung in den Deckenkehlen (schematische Zeichnung unten) ergänzen oder ersetzen sie – je nach Tageszeit – das natürlich einfallende Licht. (Fotos/Grafik: Osram-PR)

Osram-Shed Lenbachhaus

Im Januar kommenden Jahres sollen die Siemens-Aktionäre über ein „Spin-off“ der Licht-Tochter Osram entscheiden. Siemens selbst will vermutlich nur knapp 20 Prozent einer ab Mai 2013 börsennotierten Dachgesellschaft namens „Osram Licht AG“ behalten (stimmt, siehe Update unten). Das wäre zwar weniger als die Sperrminorität, Osram müsste dann aber nicht mehr im Siemens-Konzernabschluss aufgeführt („konsolidiert“) werden. Formell ist das bereits jetzt der Fall, seit Osram offiziell den Börsengang anstrebt. Im aktuellen Siemens-Geschäftsbericht (pdf-Datei) liest sich das so:

Der Gewinn aus nicht fortgeführten Aktivitäten in Zusammenhang mit OSRAM betrug 87 Mio. €, nach 54 Mio. € in der Vorjahresperiode. OSRAM berichtete ein Umsatzwachstum von 3% im vierten Quartal. Auf vergleichbarer Basis ging der Umsatz um 3% zurück.

„Vergleichbare Basis“ bezieht sich hier auf die Bereinigung von Währungs- und Inflationseffekten. Noch ist die LED-Marktlage schwierig und der Kostendruck hoch. Auch der im seit Juli 2011 zu Osram gehörende Leuchtenhersteller Siteco hat die finanziellen Erwartungen nicht erfüllt. Insider berichten von knapp 100 Millionen Euro außerordentlichen Abschreibungen, um die Osram im Sommer 2012 den Bilanzwert kürzen musste. Offensichtlich ist auch das Geschäft mit den Siteco-Großkunden (Kommunen, Sportstätten, Industrie und Handel) nicht einträglich genug.

Siteco-Streetlight
LED-Straßenbeleuchtung von Siteco/Osram (unten links eine „Streetlight 10 micro LED“-Leuchte) – zahlreiche Städte scheuen trotz des enormen Stromsparpotenzials noch die hohen Investitionskosten. (Fotos: Siteco-PR)
Siteco Streetlight 10 micro LED
Der Osram-„Kriegsschauplatz Südkorea“ hat sich dagegen inzwischen in Wohlgefallen aufgelöst: Nach einer außergerichtlichen Einigung im mehrfachen LED-Patentstreit mit Konkurrent Samsung im August gelang das Gleiche jetzt auch mit „LG Electronics“ und „LG Innotek“. Künftig wolle man kooperativ miteinander umgehen und sich wechselseitig alte und neue Entwicklungen zugänglich machen.

Bravo! Dieser Friedensschluss dürfte zwar kollektives Heulen bei hochbezahlten Patentanwälten auslösen, kommt aber wegen der wegfallenden Patentverwertungs-Blockaden letztendlich der Entwicklung des LED-Markts und der Kundschaft zugute. Ich hatte ja deshalb in diesem Blog erst neulich einen verstärkten Komponenten-Austausch zwischen den Herstellern angeregt.

Statt sich im Patent-Gekabbel um die Zusammensetzung von Luminiszenz-Konversionsschichten oder ähnlichen Kleinkram zu verheddern, kann sich „Osram Opto Semiconductors“ nun unbelastet seinen zahlreichen Neuentwicklungen zur Steigerung von LED-Lichtqualität und -Effizienz widmen. Dazu gehören auch neuartige Leuchten für publikumswirksame Installationen im öffentlichen Raum.

Farbtreues Licht mit vier LED-Sorten

So wird nach umfangreicher Renovierung voraussichtlich im Mai kommenden Jahres die „Städtische Galerie im Lenbachhaus“ in München wiedereröffnet und laut Stadtratsbeschluss ausschließlich mit Osram-LEDs und Tageslicht erhellt. Die vorab veröffentlichten Bilder (siehe oben) und Informationen lassen die Vermutung zu, dass hier zumindest bei eine der drei Leuchtentypen durch die individuell steuerbare Kombination aus roten, grünen, blauen und „weißen“ „Oslon“-LED-Modulen ein außergewöhnlich farbtreues Kunstlicht erzeugt wird.

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Im Unterschied zu den üblichen Messkriterien für den Farbwiedergabeindex Ra, die sich auf Pastellfarben konzentrieren, legte Osram für die Galerie auch Wert auf die Wiedergabe der gesättigten Grundfarben. Nur dann erscheint beispielsweise ein sattes Rot in einem Gemälde so, wie es bei Tageslicht der Fall wäre. Allein mit weißen LEDs ist das aktuell noch nicht zu schaffen.

Das „Lenbachhaus“ dürfte dabei durchaus ein Referenzprojekt für andere Galerien und Museen sein; möglicherweise gibt diese Kombination aus vier verschiedenen LED-Farben auch dem Privatanwender-Markt neue Impulse. Ähnliche „Leuchtturm“-Installationen sind jedenfalls bereits in Planung: Vermutlich ab 2014 wird die weltbekannte Sixtinische Kapelle in Rom mit ihren legendären Gemälden und Fresken unter anderem im Licht von Osram-LEDs erstrahlen.

Update 28.11.: Heute berichtete die Siemens-Presseabteilung, dass Aufsichtsrat und Vorstand der Aktionärsversammlung am 23. Januar folgenden Vorschlag machen wollen: 80,5 Prozent von Osram sollen an die Siemens-Aktionäre verteilt werden – pro zehn Siemens-Aktien gibt’s eine von Osram. Die Siemens AG behält 17 Prozent, die Siemens-Pensionskasse weitere 2,5. Bei der Jahreshauptversammlung müssen mindestens drei Viertel der Anteilseigner diesem Plan zustimmen.

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24 Gedanken zu „Siemens spart kräftig, Osram leuchtet bald solo (Update 28.11.)

  1. @Johannes: Ich glaube nicht, dass die neu sind. Und 150 Lumen bei warm-weiß aus 4 Watt sind inzwischen auch effizienzmäßig nicht gerade der Überbrüller. Die 600 cd sind halt doch auf einen sehr kleinen Raumwinkel begrenzt, das passt nicht für jeden Einsatzzweck.

  2. @ Wolfgang:
    Der oben von mir genannte Spot war jetzt vielleicht nicht neu, aber laut Unterlagen und PDFs scheint bei Osram wirklich was in Bewegung zu sein, z. B. eine zweite, nicht dimmbare Superstar GU10 5,5 W, und GU10 7 W Versionen udgl.
    Vielleicht bekommst Du bei deinen Hersteller-Kontakten zufällig vorab schon mal mehr Infos bezüglich Verfügbarkeiten. Ist ja an sich erfreulich, dass vor der Light & Building 2013 schon was passiert… 😉
    .
    Ich hätte noch zumindest 3 GU10 Spots umzurüsten und die zwei Superstar 5,5 W, die ich bereits habe, können sich durchaus sehen lassen.

  3. @Johannes: Es gibt keine „light&building“ 2013 – erst wieder 2014. Zu den eventuellen neuen Osram-Lampen frage ich mal nach; die 282 pdf-Seiten sind mir jetzt zuviel und die Lampen im zweiten Link gibt’s ja schon.

  4. @ Wolfgang:
    Danke vorab für die Info und fürs Nachfragen. Ah ja, auf Seite 189 des PDF sieht man die offenbar neue zusätzliche Superstar GU10 😉 Bei den Lampen im zweiten Link (das war auf die Seite auf der Osram-Homepage mit der bestehenden Superstar GU10 5,5 W – kann ja jeder Interessierte selber nachschauen) erschienen weiter unten zum Durchklicken jedoch 7 W GU10 Versionen in erträglicher Baugröße – also ich finde es fortschrittlich…

  5. @ Wolfgang:
    Du musst bei Osram dezidiert die Professional GU10 Sparte auswählen, bei mir tauchten die 7 W Versionen dort jetzt auch auf. Es gibt offenbar auch neue 4 und 5 W Versionen. Beim Händler ‚voelkner.de‘ zB. tauchen diese (noch ohne Abbildung) zu recht stolzen Preisen bereits auf.
    .
    Es ist vielleicht eine gewagte Aussage, aber die Teile sind gesamthaft gesehen (Lichtleistung und zugleich günstige Baugröße) aktuell doch konkurrenzlos. Bei den LEDON 5 und 7 W Versionen, die noch am nächsten dorthin kommen, hatte ich auch schon fallweise Probleme mit diesem 1 cm hohen ‚Absatz‘ oben am Reflektor. Die Cd Werte sind identisch mit Osram Halogen GU10 50 W.

  6. @ Wolfgang:
    Das mit der Größe ist natürlich subjektiv je nach Erfahrung und Einsatzzweck.
    Mir geht es nicht um die Höhe der Lampe, sondern um den Schnitt der Gehäuseform.
    .
    Bei einem herkömmlichen Halogenreflektor verläuft die Gehäuselinie nach dem Abdeckglas sofort nach innen. Bei meinen Deckeneinbaustrahlern (und die werden europaweit wohl nicht die Einzigen ihrer Art sein…) verjüngt sich danach auch recht rasch das Strahlergehäuse, da steht eine Schraube (die, mit der das Gehäuse in die Rigipsplatte geschraubt ist) nur einige wenige mm in Richtung Spot. Wie gesagt, einem Halogenstrahler macht das auf Grund der Gehäuseform nichts aus. Beim LEDON 7 W Spot sorgte genau diese ‚Nicht-Einbuchtung‘, sondern der ca. 1 cm senkrecht verlaufende ‚Sockel‘ dafür, dass ich den Spot dann doch mit einiger Gewalt reinklemmen musste, aber ein paar Stk. sind jetzt mal eingelegt und registriert.
    .
    Da diese weißen LEDON GU10 noch recht neu sind, wird ein Redesign wohl auf sich warten lassen, aber die Anregung, dass dieser 1 cm Sockel oben fallweise ungünstig sein kann, kann ja auch für LEDON nur hilfreich sein. Die LEDON 5 und 7 W Spots sind sonst sehr gut, aber dieser Punkt ist etwas schade.
    .
    Der Osram Superstar 5,5 W war dagegen auf Grund der Einbuchtung gleich nach dem ‚Reflektorring‘ völlig problemlos. Der LCTW 7 W ist ja ähnlich aufgebaut.
    Wenn man sich Philips und nun auch Osram anschaut, kann der Trend bei GU10 nur in Richtung ‚möglichst halogenähnliche Form‘ gehen. Die Häuser mit den für Halogen konzipierten Strahlern sind nun mal gebaut – und viele bauen nur einmal 😉

  7. @Johannes: Okay, jetzt habe ich das Problem begriffen. Solche „verjüngenden“ Strahlergehäuse hatte ich bisher nämlich noch nicht – weder in den Aufbau- noch in den Einbauleuchten. Deshalb gab’s bei mir auch keine Probleme mit den verschiedenen Spot-Formen.

  8. @ Wolfgang:
    Also ideal in diesem meinem Fall wäre daher, wenn die LEDON GU10 5 und 7 W Spots auch im Gehäuse der weißen LEDON GU5.3 zu bekommen wären.
    .
    Meine Überlegung war soeben (da bei LCTW die 7 W Spots ja auch nur inoffiziell und eher für Geschäftskunden geführt werden), ob es vielleicht gar nicht so abwegig wäre, bei LEDON mal anzufragen, ob es inoffiziell oder für Geschäftskunden auch noch andere Spot-Formen gäbe…ist Dir dbzgl. etwas bekannt?

  9. @Johannes: Das leidige Problem bei diesen Hochvolt-Spots sind Platz und Kühlung. Die Niedervolt-Varianten haben weniger Bauteile und werden wohl auch nicht so warm – deshalb die Unterschiede bei den Bauformen.

    „Inoffiziell“ gibt’s bei LEDON meines Wissens nichts Zusätzliches (die Dornbirner sind ja schon froh, wenn sie die offiziell angekündigten Lampen einigermaßen zeitnah auf den Markt bringen können 😉

    Dezidiert für Industrie- und Gewerbekunden sind andere Zumtobel-Töchter zuständig – da kenne ich mich aber nicht aus.

  10. @ Wolfgang:
    Meine Überlegung war jetzt, dass technische Machbarkeit an sich gegeben sein müsste, der LCTW 7 W Spot steckt ja doch in einem den LEDON 5 und 7 W GU5.3 Spots sehr ähnlichen Gehäuse. Wobei allgemein festzustellen ist, dass LEDON mehr auf Reserven hinsichtlich Kühlung Wert legt, denn das silberne LCTW 5 W Spotgehäuse kommt bei LEDON nur bis 4 W zum Einsatz, danach stieg man auf die weißen, deutlich voluminöseren Gehäuse um. Was natürlich nichts dran ändert, dass auch die LCTWs als sehr gut gelten. Und diese LCTW 7 W Spots hast Du ja im Einsatz, die dürften demnach im kompakteren Gehäuse trotzdem haltbar sein, oder?
    Was der Markt nicht hergibt, kann man als Kunde eben nicht kaufen 😉

  11. @Johannes: Die 7W-LCTW-Hochvolt-Spot-Gehäuse sind meines Wissens insgesamt deutlich größer als die der LEDON-Niedervolt-Spots – allein bei der Gesamthöhe sind’s 4 mm Unterschied und unten herum sind sie ohnehin dicker.

  12. @ Wolfgang (H.G. Kucharski):
    Diese LCTW GU10 7W Spots werden ja ’nur‘ auf Nachfrage zugesandt. Gilt hier die 3-Jahres-Garantie laut den AGB der LCTW-Homepage auch? (Für Produkte des gewerblichen Gebrauchs liest man oft auch von verkürzten Garantiefristen).

  13. @Johannes: So, laut Auskunft von Osram gibt es zum Beispiel diese Spots seit September, Weiteres folgt.

    Das Problem ist halt, dass Osram allein bei der letzten „light + building“ rund 150 Neuheiten vorgestellt hat. Davon landeten nur ca. 40 in den Messeunterlagen, etwa 20 in den Pressemitteilungen und ganze vier waren letztendlich die „PR-Highlights“. Also gäbe es wohl noch jede Menge Neues und weniger Neues zu entdecken, von dem ich noch nie was gehört oder gesehen habe.

  14. @ Wolfgang:
    Der Großhandel weiß auch schon davon – mal sehen wie lange es dauert, bis die ersten Händler Bilder + technische Daten einstellen… 😉
    .
    Osram könnte es ja brauchen, gerade heute ging wieder die Meldung von massivem Stellenabbau ebendort durch die Medien.
    Die Fernost-Konkurrenz (ich nenne jetzt mal Samsung, …) soll den europäischen Herstellern doch sehr zusetzen. Da weiß man irgendwie auch wieder nicht, ob man sich über den LED-Preisverfall und -kampf eigentlich freuen soll. Ich denke, dass ich persönlich auch schon deshalb mit den Marken Osram, LEDON und Philips auskommen werde.

  15. @Johannes: Der Grund für den zusätzlichen Stellenabbau ist weniger die Fernost-Konkurrenz, sondern der Technologiewandel mit Schließung nicht mehr benötigter Produktionslinien von herkömmlichen Leuchtmitteln.

    Der weitere Ausbau der LED-Produktion kann diesen Wegfall nicht kompensieren, weil dort die Osram-Fertigungstiefe/-Wertschöpfungskette erheblich geringer ist (also mehr Fremdeinkauf von Komponenten statt eigener Produktion) – siehe die Pressemitteilung. Das betrifft aber tendenziell auch andere „Giganten“ wie Philips, die ebenfalls Personal reduzieren.

  16. @ Wolfgang:
    Danke für die Info.
    Und interessanterweise listet dieser folgende Händler unter den Osram GU10 (noch ohne Abbildung) eine 4W / 35W und 5W / 50W, jeweils dimmbar, auf – was ja effizienter als 7W wäre. Lieferzeit ist angegeben mit 7.12., bin gespannt was dann auftaucht…
    .
    http://www.voelkner.at/search/search.html?keywords=osram%2Bgu10
    .
    Was bei Osram allgemein etwas verwirrend ist, ist dass alle GU10 so ziemlich gleich grau ausschauen, und sehr viele 25° Abstrahlwinkel Versionen wenigen 35° Versionen gegenüberstehen… man muss da doch etwas aufpassen vor der Bestellung.

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