LED-Angebote bei „toom“: Vier gewinnt nicht

Unter anderem vier „warmweiße“, nicht dimmbare Retrofit-LED-Lampenversionen von „Paulmann“ bietet die Baumarktkette „toom“ in seiner neuen Werbebeilage an (Ausschnitt unten, gültig bis 17. November, nur in teilnehmenden Märkten). Obwohl weniger anspruchsvolle Kunden damit durchaus zufrieden sein könnten, gibt es dennoch was zu meckern bei Leistung und Preisen (wär‘ ja auch langweilig, wenn’s nicht so wäre).

toom-LED-Lampen 11/12

So wird’s duster im Kühlschrank

Fangen wir von links an: Ein LED-Ersatz für eine Glühlampe im Kühlschrank ist an sich eine tolle Sache – wenn auch nicht unbedingt aus Energiespar-Gründen. Er darf aber nicht wesentlich dunkler sein als beispielsweise eine serienmäßig eingebaute 15-Watt-Standardlampe. Ein Lichtstrom von 50 Lumen reicht dafür natürlich nicht aus (der Prospekt vergleicht das sehr bescheiden mit einer „5-W-Glühbirne“), mindestens 100 sollten’s schon sein.

Besser als „warmweiß“ (Farbtemperatur laut Paulmann: 3000 Kelvin) ist nach meinen Erfahrungen für diesen Zweck auch eine kältere Lichtfarbe – die wirkt bei gleichem Lumenwert heller und gibt viele Lebensmittelfarben besser wieder. Den Farbwiedergabeindex finden Sie in der „toom“-Werbebeilage nicht; die „Paulmann“-Angabe auf der Website könnte mit einer Spanne von Ra 70-79 das Produkt einer groben Schätzung und großen Serienstreuung zu sein. Dort werden übrigens auch die Lebensdauer mit rund 30.000 Leuchtstunden beziffert und 100.000 Schaltzyklen bis zum vorzeitigen Ausfall garantiert.

Für das Gebotene erscheint mir der Preis von knapp 5 Euro für die 1-Watt-Lampe deutlich zu hoch. Für nur 2 Euro mehr (plus Versandkosten) gibt’s woanders beispielsweise „kalt-weiße“ 3-Watt-E14-LED-Lampen mit satten 200 Lumen. Da entgeht Ihnen kein Verfallsdatum oder Schimmel mehr im Kühlschrank.

LED-Spot: Viel Candela, wenig Lumen

Ungefähr in der Größenordnung von 220 Lumen liegt der Lichtstrom des 4-Watt-GU10-Spots rechts daneben, obwohl der Nennwert „800 cd“ höhere Weihen suggeriert. Das sind aber nur die vom Abstrahlwinkel abhängigen Candela der Lichtstärke. Je kleiner dieser Winkel bei gleichem Lichtstrom, desto mehr Candela gibt’s. Der „Paulmann“-Spot bei „toom“ leuchtet mit einer 25-Grad-Keule deutlich enger als ein herkömmlicher Halogenspot (rund 35 Grad).

Vom gesamten Lichtstrom her taugt dieser Spot mit drei LED-Chips allenfalls als recht weit reichender, aber eng begrenzter Richtstrahler in der Größenordnung eines 35-Watt-Halogenspots. Der Vergleich mit einem „50-Watt-Reflektor“ suggeriert ein unrealistisches Energiesparpotenzial von über 90 Prozent und stimmt so nicht.

Auch bei dieser Lampe müssen Sie für weitere Werte die „Paulmann“-Website konsultieren: Farbtemperatur 3000 K (Halogenstrahler: ca. 2800 K), beim Farbwiedergabeindex können Sie sich einen Wert zwischen Ra 80 und 89 heraussuchen (Halo: 100), 15.000 Stunden Lebensdauer und relativ magere 60.000 Schaltzyklen. 14,99 Euro sind dafür zu viel – in dieser Preisklasse gibt’s bereits dimmbare Marken-Spots renommierter Hersteller, mit dem „toom“-Angebot vergleichbare, nicht dimmbare Exemplare sogar für rund 10 Euro. Völlig absurd ist übrigens der Preis dieses Spots im „Paulmann“-Webshop: Knapp 24 Euro.

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„Standardlampe“ mit Einschränkung

Genau so teuer und mit den gleichen Werten für Lichtfarbe, Farbtreue, Lebensdauer und Schaltzyklen beschrieben ist dort auch der nächste Kandidat im „toom“-Prospekt: Die 7-Watt-E27-Lampe in „Standardform“ mit 470 Lumen. Der Vergleich mit einer 40-Watt-Glühlampe (die 42,5-W-Angabe ist sehr theoretisch) kommt einigermaßen hin – abgesehen vom Abstrahlwinkel: Während traditionelle Lampen ihr Licht weitgehend im Vollkreis (360 Grad) abgeben, ist die Bauart dieses LED-„Retrofits“ für maximal rund 200 Grad gut.

In Richtung Sockel tut sich also nicht viel, das sollten Sie bei der Wahl des Einsatzortes berücksichtigen: Bei hängender Montage geht das meiste Licht nach unten, bei stehender nach oben. Das gilt auch für viele E27-LED-Lampen anderer Hersteller, die gibt’s aber häufig günstiger als die 14,99 Euro bei „toom“ und dazu noch mit Glühlampen-ähnlicherer Farbtemperatur von ca. 2700 K.

Hier gewinnt nicht der Kunde

Preisfrage: Was hat 330 Lumen bei 4 Watt, einen E14-Sockel, warmweißes Licht mit rund 2700 Kelvin, einen Farbwiedergabeindex von über Ra/CRI 85 und kostet nur knapp 10 Euro? Nein, nichts aus dem aktuellen „toom“-Prospekt, es ist eine „low budget“-LED-„Kerze“ von Philips. So, und jetzt vergleichen Sie das mal mit dem 300-Lumen/5-Watt-Teil von „Paulmann“: Schlechtere Effizienz, kältere Lichtfarbe (3000 K), unterdurchschnittliche Farbtreue zwischen RA 70 und 79, aber bei „toom“ 5 Euro teurer und bei „Paulmann“ sogar fast 13 Euro über dem Philips-Preis.

Sehen Sie da eine tiefere Logik? Ich nicht, außer die offensichtlich sehr hohen Anforderungen an die Gewinnspanne der angebotenen Lampen. Kundenfreundliche LED-„Sonderangebote“ gehen anders, aber das kennen wir ja schon von „toom“.

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