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Resterampe: Song Contest, Schlingensief, Steuersünder-CD, Glühbirnen

Meine prophetischen Fähigkeiten scheinen doch etwas beschränkt zu sein: Zwar ist tatsächlich auch Berlin im Quartett der Bewerberstädte für den Lenavision Eurovision Song Contest 2011 - neben Hamburg, Düsseldorf und Lenas Heimatstadt Hannover. Das Finale wird aber nicht, wie ich’s vermutet hatte, am 21., sondern schon am 14. Mai sein. Diese Terminverschiebung der EBU (European Broadcasting Union) könnte allerdings ein Indiz dafür sein, dass letztendlich doch Berlin den Zuschlag erhält. Denn am 21. Mai 2011 hätte es eine Terminkollision mit dem DFB-Pokalfinale der Männer gegeben, das ebenfalls in der Hauptstadt gespielt wird. Am 14. wäre dagegen kein anderes Großereignis im Weg.

Der Tod von Christoph Schlingensief hat mich sehr bewegt, obwohl er über zwei Jahre nach der Lungenkrebs-Diagnose eigentlich nicht überraschen konnte. 49 Jahre alt ist der weitab vom Mainstream arbeitende Multi-Künstler geworden - kaum älter als ich, ebenfalls kräftiger Raucher. Sollte eigentlich ein Anlass sein, das potenziell tödliche Laster endlich loszuwerden, zünde mir trotzdem wieder eine an. Der Geist ist nicht willig und das Fleisch ohnehin schwach.

Mein Heimatland Baden-Württemberg weigert sich mal wieder, eine “Steuersünder-CD” zu kaufen. Offiziell ist die Rede von “rechtlichen Bedenken”. Es darf aber vermutet werden, dass der unselige Länderfinanzausgleich eine große Rolle spielt. Als Nettozahler hätte das vergleichsweise “reiche” Baden-Württemberg nämlich nur wenig von den Mehreinnahmen durch die Nachzahlungen und Bußgelder der Steuerhinterzieher, müsste aber die Kosten für Ankauf und Auswertung weitgehend selbst tragen. Also wozu der ganze Aufwand, wenn am Schluss doch nichts im Landeshaushalt bleibt?

Diverse Baumärkte und Discounter spekulieren mal wieder mit der Dummheit der Kunden und Medien. Ab morgen können Sie herkömmliche klare Glühbirnen bis 75 Watt spottbillig und in rauen Mengen hamstern. Denn mit ziemlicher Sicherheit lesen Sie kommende Woche wieder in der “Qualitätspresse”, dass dieses Glühobst ab 1. September nicht mehr verkauft werden dürfe. Das ist zwar grottenfalsch, wird aber trotzdem von vielen geglaubt. Dabei wäre auch ohne die zweite Stufe des EU-Herstellungs- und Vertriebsverbots eine Neuanschaffung dieser veralteten Leuchttechnik saudumm - egal, wie billig die “Birnen” sind.

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Der große Reibach am Ring

Nein, das geht eigentlich nicht. In Deutschland hat noch kein Rennstreckenbetreiber nennenswerte Gewinne erzielen können; im Gegenteil. Der EuroSpeedway Lausitz in Brandenburg war schon zwei Jahre nach der Eröffnung des erste Mal pleite, das Land Baden-Württemberg und die Gemeinde Hockenheim buttern seit Jahren Steuergelder in den Hockenheimring, Rheinland-Pfalz versenkte unter dubiosen Umständen hunderte Millionen in den unrentablen Nürburgring-Umbau.

Aber einer hat es möglicherweise geschafft, seinen Reibach mit dem Ring in der Eifel zu machen: Der Düsseldorfer “Projektentwickler” Kai Richter und seine GmbH Mediinvest sollen nach SWR-Informationen mit Hilfe von Steuermitteln mehrere Millionen Gewinn aus dem Projekt “Erlebniswelt Nürburgring” gezogen haben.

Nach Erkenntnissen des Landesrechnungshofs gelang dies mit direkt erhaltenen Honoraren, aber auch mit Zinsgewinnen aus “durchgeleiteten” und zeitweise “geparkten” Investitionsmitteln des Landes. Hier ist offenbar mal wieder der Traum eines jeden Abzockers wahr geworden: Verluste sozialisiert, Gewinne privatisiert.

Die ganze Geschichte gibt’s heute abend zuerst im Radio (SWR 1 Rheinland-Pfalz, “Thema heute Landespolitik”, ab 19.30 Uhr) und dann im TV (SWR-Fernsehen Rheinland-Pfalz, “Ländersache”, ab 20.15 Uhr).

Update 20.8.: Wer’s verpasst hat, kann den TV-Beitrag in der SWR-Mediathek sehen.

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TV-Quoten-Quatsch für “Zielgruppen”-Hörige

Mal eben geguckt, wie viele Menschen außer mir gestern “Mord mit Aussicht” im “Ersten” geschaut haben: Es waren über 6,2 Millionen, ein tolles Ergebnis für eine sehr gelungene Serie. Die Zuschauerzahl und der Marktanteil von 20,5 Prozent waren einsame Spitze quer durch alle Sendungen und Programme am Dienstag.

Aber: Beim “Kress-Quotencheck” (und nicht nur dort) reicht’s nur für Platz 13. Denn hier zählt für die Platzierung ausschließlich die ominöse “Zielgruppe 14-49 Jahre”, und da waren’s nur 1,36 Millionen Zuschauer und 11,9 Prozent Marktanteil. Die rund 4,8 Millionen anderen Fans der Serie aus den Altersklassen darüber und darunter fallen durch den Rost und interessieren offenbar nicht - in diesem Fall besonders absurd.

Kress-Screenshot Quotencharts
Screenshot: Kress.de

Die alte und willkürliche Marketing-Erfindung der “werberelevanten” 14-49jährigen (unter anderem vom damaligen RTL-Chef Helmut Thoma) wird aber inzwischen weder von der werbenden Wirtschaft noch von den Sendern so richtig ernst genommen. Auch Thoma selbst hält sie heutzutage für überholt. Immerhin versammelt sich schon seit vielen Jahren eine riesige Kaufkraft bei den über 49jährigen (und teils auch bei den unter 14jährigen), die im Übrigen auch durchaus empfänglich für Werbebotschaften und neue Produkte sind.

Das hindert aber diverse Marketing-Fuzzis und vermeintlich “hippe” Medienredakteure nicht daran, diesen 14-49-Quatsch immer noch als Maßstab für ihre Quoten-Charts zu nehmen. Offenbar sind diese Jungspunde bei ihrer Methodik weitaus weniger flexibel als die “Alten” bei ihren Kaufentscheidungen.

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Für dumm verkauft

Ich bin, ehrlich gesagt, heilfroh, dass ich zur Zeit nicht mehr als öffentlich-rechtlicher Radiomoderator das harte Tagesgeschäft mit der Aufarbeitung des aktuellen Geschehens vom Wochenende absolvieren muss. Es würde mir sehr schwer fallen, eine distanzierte und annähernd objektive Haltung zu wahren - etwa zur Loveparade-Katastrophe in Duisburg und zur Formel-1-Farce in Hockenheim.

Bei aller Unterschiedlichkeit der Ereignisse haben sie doch etwas gemeinsam: Die jeweils Verantwortlichen versuchen auf bizarren Pressekonferenzen, mit hanebüchenen und absurden Ausreden ihr eigenes Fehlverhalten zu beschönigen; in der Hoffnung, damit heil aus der Affäre zu kommen. Und leider zeigen Beispiele aus der Vergangenheit, dass diese Hoffnung gar nicht so unberechtigt ist.

In Duisburg erklärt der Oberbürgermeister Adolf Sauerland auf der Sonntags-PK, er sei bei der Planung der Loveparade nicht involviert gewesen. Die größte Veranstaltung in der Geschichte der Stadt fand also ohne konkrete Beteiligung des OB statt - erstaunlich.  Der kommissarische Polizeipräsident Detlef von Schmeling betont, man könne bei Weitem nicht von den vom Veranstalter Lopavent zuvor genannten 1,4 Millionen Besuchern ausgehen, er rechne eher mit rund einem Zehntel dieser Zahl. Das Veranstaltungsgelände war für 250.000 Raver ausgelegt, also aus Sicht der Genehmigungsbehörden eine völlig problemlose Angelegenheit; auch das Konzept der Zu- und Abwege über die beiden Tunnelhälften und die einzige Rampe zum Gelände sei absolut in Ordnung gewesen.

Rätselhaft, wie es da zu 19 20 21 Toten und weit über 500 Verletzten (Update Stand 28.7.) kommen konnte. OB Sauerland hatte am Samstagabend in einer ersten Erklärung sogar von einem Fehlverhalten der betroffenen Besucher gesprochen, Reichs-Obermoralistin Eva Herman sah die Schuld in der Verkommenheit der Veranstaltung, ihrer Besucher und dem unseligen Erbe der 68er-Generation. Der aktiv in die Veranstaltung eingebundene WDR pflegte nach der Katastrophe stundenlangen Betroffenheitsjournalismus mit Techno-Beats im Hintergrund; auch die geplante 1 Live-Aftershow-Party des WDR-Hörfunks fand - offenbar auf Bitte der Polizei - noch statt in der Nacht zum Sonntag. Nachher (zurecht) über die verkorkste Planung mosern, aber vorher als enger Partner der Veranstalter das Maul nicht aufmachen, wenn das Konzept, für jeden erkennbar, nicht aufgehen kann? Liebe Leute, für wie doof haltet Ihr uns?

Offenbar für strohdoof, wie am Sonntag auch beim Formel-1-Grand-Prix in Hockenheim klar wurde. Dieser - für echte Motorsportler ohnehin fragwürdige - Zirkus geriet vollends zur Farce, als die beiden führenden Ferrari in der 49. Runde erkennbar kampflos die Plätze tauschten, nachdem Renningenieur Rob Smedley per Funk Felipe Massa erklärt hatte, der hinter ihm fahrende Fernando Alonso sei schneller und ob Massa das bestätigen könne. Das tat er und führte bald darauf diese verkappte Stallorder aus, in dem er nach der Spitzkehre nur schwach beschleunigte (was durch das Data-Recording bestätigt werden wird) und damit von Alonso vor dem nächsten Rechtsknick (geht voll, weiß ich aus eigener Erfahrung) problemlos überholt werden konnte.

Erste Konsequenzen: Ein erbostes Publikum und eine von den Rennkommissaren verordnete lächerliche 100.000 US-Dollar-Strafe wegen verbotener Stallorder. Weitere Konsequenzen: Unklar, weil der Automobilsport-Weltverband FIA von Ex-Ferrari-Sportchef Jean Todt geführt wird und wahrscheinlich keine angemessene Sanktion (mindestens Disqualifikation beider Ferrari) beschließen wird.

Peinlich genug war die nachträgliche Erklärung von Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali: „Wir haben nichts gemacht. Wir haben Felipe keine Anweisung gegeben. Wir haben ihn nur über die Situation informiert.” Noch peinlicher der Einwand vom Drittplatzierten Sebastian Vettel bei der Pressekonferenz: “Das Wichtigste ist, dass du an dein Team denkst. Wir kriegen die Schecks ja von unseren Arbeitgebern und nicht von euch Journalisten”. Sorry, Herr Vettel, aber damit haben Sie meine Sympathien verspielt und sich als Ignorant geoutet.

Die Schecks für die Fahrer werden zwar von den Teams überreicht, aber - in umgekehrter Reihenfolge - von den Sponsoren, von Bernie Ecclestones Formel-1-Organisation, den übertragenden TV-Anstalten, deren Werbekunden und damit letztendlich von uns als Konsumenten der Produkte gedeckt. Ein paar Prozent kommen noch indirekt von den Renstreckenbetreibern über Eintritts- und Steuergelder dazu, also ebenfalls von uns. Wir Zuschauer und Steuerzahler sorgen also für Eure Schecks, Ihr verarscht uns nach Strich und Faden und findet es auch noch in Ordnung? Danke, damit hat sich das Thema “Formel 1″ für mich endgültig erledigt.

Dabei geht’s doch anders: Ein zwar unüberlegter und mit Kleinholz endender, aber dafür echter Kampf auf der Rennstrecke - so wie der von Vettel und Teamkollege Webber in Istanbul: Das ist Motorsport ohne Stallregie und Taktiererei, das ist glaubwürdig. Alles andere hat nur Trash-TV-Niveau und sollte nicht mehr von Werbepartnern und Politikern unterstützt werden.

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TV-Tipp: “Die letzten 30 Jahre”

Nein, Sie müssen - nach der Fußball-WM und wegen des traditionell etwas kümmerlichen Fernsehprogramms in den Sommermonaten mit unzähligen Wiederholungen - nicht jeden Tag die Existenzberechtigung Ihres TV-Geräts hinterfragen. Ab und zu lohnt sich auch im Juli und August noch das Einschalten, zum Beispiel an diesem Freitag (16. Juli) ab 20.15 Uhr bei ARTE. Die Kurz-Inhaltsangabe des 88-Minuten-Films “Die letzten 30 Jahre” bei Arte.tv liest sich zwar ein wenig nüchtern…

Die bürgerliche Jurastudentin Resa verliebt sich in den linksradikalen Oskar, der allerdings seinen politischen Aktivitäten einen höheren Stellenwert beimisst als der Liebe zu Resa. 30 Jahre später stoßen beide wieder aufeinander…

…, die 2009 gedrehte und nun zum ersten Mal ausgestrahlte Produktion von ARTE, Odeon Pictures und WDR hat aber weit mehr zu bieten als Links-Nostalgie mit Klassenkampf-Phantasien. Das beginnt bei der Besetzung, vor allem mit der von mir hochgeschätzten Barbara Auer und dem Grimme-Preisträger August Zirner in den Rollen des älteren “Immer-noch-Liebespaars” Resa und Oskar, aber auch mit der hervorragenden Rosalie Thomass als junge Resa.

Barbara Auer
Spielt die ältere “Resa” in “Die letzten 30 Jahre”: Barbara Auer. (Foto: Rainer Lück@Wikimedia Commons)

Autorin Ruth Toma und Regisseur Michael Gutmann gelingt mit einer gut aufgelegten Crew und dem passenden 70er-Jahre-Soundtrack (zum Beispiel von James Brown, den Rolling Stones, Dexy’s Midnight Runners und David Bowie) ein stimmiger Spagat zwischen Anspruch und Unterhaltung, zwischen Drama und Romantik, der bei vielen Zuschauern sicher auch das eine oder andere nostalgische Gefühl aufkommen lässt - nicht nur bei Altlinken und Kommunarden. Denn natürlich gibt es da eine politische Ebene, eng verwoben mit der auch mir wohlbekannten, in den 1970ern virulenten und vorwiegend linken Oppositionshaltung der Nach-68er-Generation; viel wichtiger ist aber die von konkreten Zeitläuften völlig unabhängige persönliche Ebene.

Was bleibt nach Jahrzehnten von der Anziehungskraft zwischen zwei Menschen, wenn das frühere gemeinsame Ziel (der Feind meines Feindes ist mein Freund) bedeutungslos geworden ist? Wenn sich beide auf eigenen Wegen in unterschiedliche Richtungen weiterentwickelt haben? Wenn die Ideale der Jugend nicht mehr zählen, vielleicht sogar - gewollt oder nicht - völlig negiert werden? Diese Fragen berühren auch Menschen, die nicht in den 1960ern oder 1970ern groß geworden sind, die sich nicht politisch engagiert haben - der Einfluss von Zeit und Entwicklung auf Liebe und Leidenschaft ist universell.

Ein Klassentreffen oder eine zufällige Begegnung nach Jahrzehnten, bei der man feststellt, dass eine Jugendliebe immer noch eine überraschend mächtige Anziehungskraft hat - das sind keine Einzelfälle, das haben wohl schon viele ehemalige Paare erlebt und können sich sehr gut in die Gefühlswelt von Resa und Oskar hineinversetzen. Es dürfte ein stimmungsvoller und vielleicht auch ein wenig wehmütiger Fernsehabend werden an diesem Freitag ab 20.15 Uhr bei ARTE.

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Alles Müller, oder was?/Update 4.7.


ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein macht seit Januar 2010 Werbung für die Molkerei Weihenstephan, die seit dem Jahr 2000 zur Gruppe Theo Müller (”Müllermilch”) gehört - das hat bisher niemand groß aufgeregt und war offenbar im Herbst 2009 noch mit dem damaligen ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender abgesprochen (oder doch nicht? / siehe Update 4.7. unten). Nun klagte aber sein Nachfolger Peter Frey - bis dahin wohl uninformiert - auf Nachfrage des Branchenblatts “medium magazin“:

Ihr Internet-Auftritt auf den Seiten von Weihenstephan ist nicht glücklich und kann so nicht bleiben.

Diese harsche Kritik schlug umgehend hohe Wellen in der Medienszene, weil Müller-Hohenstein derzeit durch ihren Einsatz bei der Fußball-WM in Südafrika hohe Bildschirmpräsenz genießt und generell die privaten Werbeaktivitäten von öffentlich-rechtlich bezahlten Moderatoren kritisch betrachtet werden sollten.

Die veröffentlichten Fakten sind jedoch nicht die ganze Wahrheit. Die Werbeaktivitäten von Katrin Müller-Hohenstein für die Molkerei Weihenstephan beschränken sich nicht auf den Internet-Auftritt, sie war ebenso als “Schirmherrin des Qualitätsbeirats” in Radio-Spots zu hören (auch in ARD-Stationen, was Peter Frey offenbar ebenfalls entgangen ist). Als freie Mitarbeiterin des ZDF (ohne Pensionsansprüche) wollte sie hier wohl die gleichen Rechte haben wie etwa ZDF-Kollege Thomas Gottschalk als Werbebotschafter für “Haribo“. Chefredakteur Frey sieht das jedoch anders:

 Der Vertrag enspricht nicht den Vorstellungen des ZDF von Auftritten seiner journalistischen Köpfe. Ich gehe davon aus, dass dieser Internet-Auftritt schon bald Geschichte ist.

Kein Wort darüber, dass auch die Wettervorhersagen im ZDF-Morgenmagazin von der Molkerei Weihenstephan präsentiert wurden, obwohl sich diese noch bis 2008 irreführend als “Staatliche Molkerei Weihenstephan” bezeichnet hatte und illegal das bayerische Staatswappen verwendet hatte. Kein Wort auch darüber, warum sich ein durch knallharte politische Intervention ins Amt gehievter Chefredakteur öffentlich Gedanken über die möglicherweise fehlende Unabhängigkeit oder Glaubwürdigkeit von “Journalisten” machen muss.

Immerhin hat das ZDF ja auch kein Problem damit, dass seine WM-Berichterstattung teilweise durch Sponsoren finanziert wird und dass der Experte an der Seite von Katrin Müller-Hohenstein, Oliver Kahn, hochgeschätzter Werbepartner von Unternehmen wie Boehringer Ingelheim, DWS Investments, Riva-Verlag und Sonax ist. In diesem Umfeld dürfte es öffentlich-rechtlichen Sender schwerfallen, eine Grenze zwischen “hui” und “pfui” zu ziehen; bisherige Versuche erinnern eher an eine diffuse Doppelmoral. Peter Frey erklärte im medium magazin dazu:

Wir müssen, vielleicht in einer Art Selbstverpflichtung, uns die Kriterien noch klarer machen.

Vielleicht sollte beim ZDF auch mal über die unternehmensinterne Kommunikation geredet werden. Katrin Müller-Hohenstein will nämlich laut Spiegel-Online erst an diesem Freitag telefonisch von Peter Frey über dessen Kritik unterrichtet worden sein, als die Vorwürfe schon längst publik gemacht worden waren. Und weil sie ihren Job beim ZDF natürlich ungern verlieren will, muss sie sich jetzt hektisch darum bemühen, den noch bis Jahresende laufenden Vertrag mit der Molkerei Weihenstephan vorzeitig aufzulösen.

Update 13.30 Uhr: Inzwischen hat sich KMH für ihren Werbeauftritt entschuldigt und ihre “Schirmherrschaft” niedergelegt: „Das Engagement war ein Fehler, den ich bedaure“, erklärte sie an diesem Samstag dem “Spiegel“.

Update 4.7.: Ebenfalls im “Spiegel” widersprach sie allerdings auch ihrem eigenen Management, das (wie oben geschrieben) dem “medium magazin” von einer vorherigen Absprache mit Nikolaus Brender berichtet hatte. Brender selbst erklärte dem “Spiegel”, er habe die Genehmigung “für die Mitwirkung bei einer unabhängigen Stiftung zur gesunden Ernährung von Kindern” erteilt: “Eine Aktion für irgendein Produkt hätte ich niemals genehmigt.” Nach eigenen Angaben war Katrin Müller-Hohenstein selbst nicht klar, dass sie für Werbezwecke verwendet werden würde, was allerdings für einen Medienprofi sehr naiv wäre. Spätestens bei der Umsetzung der Zusammenarbeit (wie bereits erwähnt auch mit Werbespots im Radio) hätte sie es wissen müssen.

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TV-Tipp: “betrifft: Nürburgring”

An diesem Mittwochabend ist zwischendurch mal Platz und Zeit für was Fußballfernes und sehr Empfehlenswertes im Fernsehen: Der SWR sendet in seinem “Dritten” ab 20.15 Uhr die Dokumentation “betrifft: Nürburgring“. Spätestens um 21 Uhr dürfte auch dem letzten Laien klar sein, dass der “Ring” weit mehr ist als nur eine Rennstrecke und ein Mythos - er war und ist auch Schauplatz für einen mindestens 330 Millionen Euro teuren Halbwelt-Krimi namens “Nürburgring-Affäre“, der zu einem finanziellen und politischen Debakel führte.

Nürburgring-Luftbild 2004
Der Nürburgring - wie auf diesem Luftbild liegt auch hinter den Kulissen Einiges im Halbdunkel. (Foto: Stahlkocher@WikimediasCommons)

Besonders weh tat mir diese Entwicklung in den letzten Jahren gerade auch als aktiver Motorsport-Freund; ich hatte das Vergnügen, noch vor dem monströsen Umbau zum Erlebnis- und Freizeitpark einen Tag lang auf dem Grand-Prix-Kurs herumzukurven - bei typisch wechselhaftem Eifelwetter, aber unbelästigt von der pannenträchtigen “schnellsten Achterbahn der Welt” und den zahlreichen neuen und nicht immer geschmackssicheren Gebäuden. Ich gehöre halt zu den unverbesserlichen Puristen, die eine Rennstrecke primär als Sportplatz sehen und nicht als Hallodri-Zirkus für die ganze Familie.

NSX@Nürburgring
August 2004: Der Autor dieses Blogs im Honda NSX auf dem Nürburgring-GP-Kurs. (Foto: PVW - Michael Pietsch)

Der damalige Nürburgring-GmbH-Geschäftsführer Dr. Walter Kafitz galt unter Motorsportlern bis 2009 noch als ehrenwerter, engagierter Mann, der nichts unversucht ließ, die Anlage zu vermarkten und das schon traditionelle Defizit zu minimieren. Inzwischen wurde Kafitz fristlos entlassen und soll rund 7 Millionen Euro Schadenersatz an die GmbH bezahlen. Das allein macht schon die Dimension des Debakels deutlich, ist aber nur ein kleines Puzzleteil des Skandals, in den die SPD-geführte Landesregierung ebenso verwickelt ist wie dubiose Investoren und Geschäftemacher im Halbdunkeln.

Die Finanzierung der “Erlebniswelt Nürburgring” war von Anfang an eine Luftnummer, aber alle, die den Crash hätten verhindern können, schauten weg, kassierten vielleicht sogar mit und waschen nun ihre Hände in Unschuld. Die ganze Komplexität der Ereignisse kann eine 45minütige TV-Sendung natürlich nicht beleuchten - wahrscheinlich gelingt das nicht mal den damit befassten Ermittlungsbehörden und Gerichten -, aber der Film von Christoph Würzburger gibt einen erhellenden Einblick in den unfassbaren Finanz- und Polit-Krimi rund um die “grüne Hölle”.

Gäbe es da nicht die einzigartige Nordschleife und den ebenfalls sehr unterhaltsamen Grand-Prix-Kurs, man müsste den Nürburgring in diesem Licht leider den “Ring, der nie gelungen” nennen.

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Der Rubel rollt beim Rudelgucken

FIFA-Funktionäre haben bekanntlich einen nicht zu unterschätzenden Finanzbedarf, den sie auch schon mal gerne mit - sagen wir mal - etwas unkonventionellen Mitteln zu decken versuchten. Dabei bieten aber auch die durch FIFA-Chef Joseph Blatter erschlossenen konventionellen Wege durchaus erkleckliche Summen; etwa durch die eigene Produktion und Vermarktung der Fernsehbilder von der Fußball-WM 2010 (die offiziell sogar FIFA WM 2010™ heißt).

Dazu gehören in diesem Jahr auch die direkt an den Weltfußballverband zu zahlenden Lizenzgebühren für das so genannte Public Viewing. Für welche Art der Veranstaltung hier Gebühren fällig werden, war im Vorfeld heftig umstritten. Klar ist laut den FIFA-Regeln, dass “nichtkommerzielle” Vorführungen gebührenfrei sind. Hier dürfen weder Eintrittsgelder und Mindestverzehr verlangt werden, noch Sponsoren herangezogen werden. Das finanzielle Risiko liegt damit allein bei den Veranstaltern, die auf gutes Wetter, das Weiterkommen der deutschen Mannschaft und damit auf großen Publikumszuspruch bauen müssen. Nach FIFA-Angaben sind von den rund 1.600 in Deutschland gemeldeten Events “die allermeisten” nichtkommerziell.

Public Viewing
Public Viewing bei der WM 2006 im Münchener Olympiapark. (Foto: René Stark@Wikimedia Commons)

Anders sieht es beim kommerziellem Public Viewing aus: Zwischen 1.000 und 14.000 US-Dollar sind dann pro Veranstaltung an die FIFA zu bezahlen - das muss erst mal erwirtschaftet werden. Wahrscheinlich waren deshalb auch viele deutsche Stadtverwaltungen sehr zurückhaltend bei der Planung. In Baden-Baden wird es zum Beispiel erst ab dem Halbfinale “Rudelgucken” auf dem Marktplatz bei der Stiftskirche geben - und auch nur, falls Jogis Jungs die Runde der letzten Vier erreichen sollten. In einem Kommentar des Badischen Tagblatts in Baden-Baden schreibt Sarah Breuer dazu:

Grund für die Entscheidung, erst spät und damit - man muss es ja trotz aller Euphorie einmal erwähnen - eventuell auch überhaupt nicht mehr in die Weltmeisterschaft einzusteigen, seien die Kosten gewesen, heißt es im Rathaus. Dabei hätten sich doch sicherlich Sponsoren gefunden.

Das zeugt leider von mangelnder Berücksichtigung des oben beschriebenen Regelsystems, denn was nutzt ein Sponsor, der zum Beispiel 2.000 Euro bezahlt, wenn im Gegenzug dann 2.000 Euro FIFA-Lizenzgebühren fällig würden? Unabhängig von verlangten Eintrittsgeldern wäre ja durch den Sponsor aus einer lizenzfreien eine gebührenpflichtige kommerzielle Veranstaltung geworden. Und diese hätte nach den FIFA-Regeln auch schon spätestens am 7. Mai angemeldet werden müssen.

Noch mehr Löcher in die Kassen reißt übrigens nicht nur die übliche Kostenbilanz solch einer öffentlichen Veranstaltung (Material, Logistik, Sicherheit, Energie etc.), sondern auch die Verwertungsgesellschaft GEMA: Sie hat zwar relativ günstige Sondertarife für Gastwirte, verlangt aber für’s sonstige Public Viewing je nach Größe und Dauer vier- bis fünfstellige Lizenzgebühren.  Zusätzliche Ausgaben dieser Größenordnung sind in Zeiten knapper Stadtkassen häufig nicht zu stemmen und dem Steuerzahler auch kaum vermittelbar.

Trösten wir uns in diesen mageren Zeiten ständig steigender Kindergartengebühren und sonstiger Kommunalabgaben doch damit, dass es nicht allen Menschen schlecht geht. Immerhin gelingt es FIFA-Boss Sepp Blatter und seiner Entourage noch, einen gewissen Mindest-Lebensstandard zu halten.

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Rumpelkick im “Stahlbad”/Update 28.6.

Toll, dass jetzt auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Südafrika bei meiner Sommer-Aktion “Alles außer Fußball” mitmacht. Das Gerumpel gegen Serbien blieb keine Eintagsfliege, sie gelang auch gegen Ghana - und zwar so nachhaltig, dass kaum noch jemand hinsehen wollte. Selbst gestandene Sportjournalisten wie Jens Weinreich wanden sich mit Grausen ab und Unterhaltsamerem zu.

Welche Tätigkeit üben Lahm, Schweinsteiger & Co. derzeit eigentlich aus? Bundestrainer Joachim Löw konnte immerhin ein wenig zur Aufklärung beitragen:

“Für so eine junge Mannschaft ist es gut, durch so ein Stahlbad gegangen zu sein”.

Aha - das hatte also was mit Metallerzeugung zu tun…

Thyssen-Hochofen
Per Mertesacker im “Stahlbad” (Foto: Bundesarchiv@Wikimedia Commons)

Oder geht’s eher um kriegerische Auseinandersetzungen? Schon im vergangenen Jahrhundert fabulierten etwa die Militärs Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff vom “gesunden Stahlbad des Krieges für das Volk”. Und dafür spricht natürlich auch, was die britische Boulevardzeitung The Sun zum kommenden Spiel Deutschland-England schreibt:

„Macht Euch bereit für die deutsche Kriegsmaschine – der alte Feind hat das Achtelfinale gegen England gebucht“.

Wie ich schon vermutet habe: Alles außer Fußball dort unten in Südafrika.

Update 28.6.: Mit dem gestrigen 4:1 im Achtelfinale gegen England hat sich das DFB-Team nun doch eindeutig aus meiner Rubrik “Alles außer Fußball” hinausgeschossen. Einfach zu gut gewesen, die Jungs, bravo! Stattdessen nehmen jetzt Wayne Rooney und Co. ihren Platz ein.

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ZDF verpasst “Lena”-Coup

Das wäre doch die Chance für das ZDF gewesen, sich jüngere Zuschauer zu verschaffen: Ab Herbst gibt’s 240 Folgen der neuen Telenovela “Lena - Liebe meines Lebens” und wer spielt die Hauptrolle? Da bietet sich doch eigentlich nur eine an:
Lena Meyer-Landrut
(Foto: Daniel Kruczynski@Wikimedia Commons)

Lena spielt Lena - ein Riesen-Coup! Aber nein, eine Daily-Soap-erfahrene 29jährige Blonde namens Jessica Ginkel (war mir bisher völlig unbekannt) wird die Titelrolle übernehmen - wie langweilig. Natürlich hat das Drehbuch nichts mit der “echten” Lena zu tun und stammt leider auch nicht von Lukas Heinser, dem jungen Mann, der sicher ein paar originelle Plots schreiben könnte, neben Lena ganz schön ins Schwitzen kommt und den Serientitel wahrscheinlich schon längere Zeit als privaten Traum pflegt. Wie schade…

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