Test: Drei dekorative E27-LED-Lampen von Verbatim, Jooby und Carus

Kurz vor Weihnachten geht’s hier nochmal edel und festlich zu – mit drei besonderen, relativ teuren, dimmbaren E27-LED-Lampen von Verbatim, Jooby und Carus. Sie sollen mindestens so hell sein wie traditionelle 40-Watt-Glühlampen, aber mit ihren außergewöhnlichen Designs mehr als nur stromsparendes Licht bieten. Mein Vergleichstest berücksichtigt diesen Anspruch, enthüllt jedoch auch die im Profi-Labor gemessenen Leistungswerte.

Verbatim-Jooby-Carus-aus
Jede dieser E27-LED-Lampen ist auf ihre Art was Besonderes: Die „Clear Dome Mirageball“ von Verbatim (UVP 16,99 Euro), die „Décor by Jooby JL-02.04“ (12,99 €) und die grüne Variante der Carus „lookatme“ für 19,99 €. (von links, Fotos: W. Messer)

So unterschiedlich die drei Testkandidatinnen aussehen, haben sie doch ein paar Merkmale gemeinsam: Den E27-Schraubsockel, die Dimmbarkeit, eine „warmweiße“ Farbtemperatur, klare Plastikhauben, die mehr oder weniger ausgeprägte Rundstrahlcharakteristik und einen Nenn-Lichtstrom von mindestens 470 Lumen. Und natürlich die relativ hohen Preise, verbunden mit dem Anspruch, durch ihr außergewöhnlichen Designs aus der Masse der LED-Retrofits herauszuragen – auf jeweils eigene Weise. In jedem Fall wären diese drei „Birnen“ viel zu schade, um unter einem undurchsichtigen Leuchtenschirm verborgen zu werden – selbst im stromlosen Zustand.

Bei aller Liebe zu den ambitionierten Konzepten, Designs und Fertigungsmethoden: Die schnöden Messdaten aus dem Labor dürfen dennoch nicht fehlen. Schließlich sollen diese LED-Retrofits auch in ihrer puren Funktion als Leuchtmittel ein adäquater Ersatz für herkömmliche Glühlampen mit mindestens 40 Watt sein und dabei offiziell nur zwischen 4,2 und 8,8 Watt ziehen. Los geht’s mit einer „Neuheit“, die ich zum ersten Mal bereits im Frühjahr 2014 gesehen hatte:

Die asiatische „Luftspiegel-Kugel“

Verbatim-Mirageball-PackungBei der Fachmesse „Light + Building“ vor über eineinhalb Jahren waren die „Mirageball“-Lampen einer der Hingucker am Stand von Verbatim. Die „Mitsubishi Chemical“-Tochterfirma wollte mir damals auf Nachfrage zeitnah diverse Testexemplare aus ihrem kommenden LED-Sortiment liefern, was ihr bis heute noch nicht umfassend gelungen ist. Immerhin blieb die in Japan designte und in China produzierte „Luftspiegel-Kugel“ keine Fata Morgana, sondern landete jetzt tatsächlich auf dem europäischen Markt und bei mir.

Schon die offiziellen Daten erstaunen etwas: Die Farbtemperatur soll mit 2500 Kelvin besonders „warm“ sein, dafür wäre die Effizienz mit schlappen 490 Lumen aus 8,8 Watt äußerst dürftig (EU-Ökolabel A). Liegt die nominell magere Ausbeute von ca. 56 lm/W eventuell an einer besonders hohen Lichtqualität? Nein – der Farbwiedergabeindex wird nur mit Ra 80 angegeben.

Geringe Effizienz wegen „optischer Struktur“?

Meine entsprechende Nachfrage beim Verbatim-Produktmanagement wurde so beantwortet:

„Es gibt einen bestimmten Verlust bei LEDs mit warmen Lichtfarben und durch die optische Struktur. Das Produkt wurde vor allem mit dem Blick auf seinen optischen Effekt entworfen …“

Die „optische Struktur“ besteht hier aus einer sphärischen, runden „Dual Shot“-Spritzguss-Linse in der Mitte der klaren Kunststoffhaube, deren oberer, mattierter Teil aus Polycarbonat (PC) und lichtstreuendem Material und der klare/transparente untere Teil ausschließlich aus PC bestehen soll. Die sorgt tatsächlich für ein sehr rundes, prägnantes Leuchtbild, dem das Labor meines Blog-Kooperationspartners „David Communication“ einen Halbwertswinkel von knapp 247 Grad attestierte (pdf-Download des Diagramms) – also etwas mehr als die angegebenen 230°:

Verbatim-Mirageball-Leuchtbild

Um es vorweg zu nehmen: So einen homogen Lichtkegel wie die Verbatim-Lampe schaffen ihre zwei Test-Konkurrenten nicht. Der indirekte Lichteindruck ist sogar gleichmäßiger als bei vielen klaren LED-„Fadenlampen“. Ihre Wertigkeit unterstreicht die „Mirageball“ außerdem durch ein schweres, weißes Metallguss-Gehäuse, das bei 11,2 cm Gesamtlänge und 6 cm Maximaldurchmesser der Lampe für ein Gewicht von 128 Gramm sorgt. Die Nennlebensdauer wird mit 15.000 Leuchtstunden und 100.000 Schaltzyklen beziffert.

Mit dem ersten Licht kam auch der Nebel

Nach der ersten Inbetriebnahme in meiner offenen, hängenden Testfassung fiel mir ein leichter, schlierenförmiger Nebel-Niederschlag am oberen Haubenteil auf (Foto links). Verbatim-Mirageball-KondensatDarauf weist auch ein kleines Beiblatt in der Verpackung hin:

„Wenn das Leuchtmittel das erste Mal verwendet wird, kann es vereinzelt dazu kommen, dass die Oberfläche der Glaskolben beschlägt. Das ist nicht ungewöhnlich und wird sich nach einiger Zeit auflösen.“

Tatsächlich setzte sich das Kondensat nach dem Abkühlen und dürfte wohl nach längerem Betrieb komplett verdampfen – ein Phänomen, das ich schon häufiger bei klaren LED-Lampen beobachtet habe und keinen negativen Einfluss auf Funktion oder Lebensdauer hat.

Still, aber wohl nicht wirklich flimmerfrei

Nach zweistündigem Dauerlauf an einem normalen Schalter gab’s sonst keine Auffälligkeiten: Laut „ELV Energy Master“-Messgerät zog die Verbatim 8,2 Watt mit einem elektrischen Leistungsfaktor von 0,91, war völlig geräuschlos und wurde an der heißesten Stelle des Gehäuses maximal 62 Grad warm. Die Einschaltverzögerung blieb unter einer halben Sekunde; nach dem Ausschalten brauchten die LEDs rund eine Sekunde bis zur völligen Dunkelheit.

Verbatim-Mirageball-Schalter-FlimmerWeniger nett waren die Flimmer-Werte, die mir die mit einigen Unsicherheiten behaftetete „Flicker Tester“-App von „Viso Systems“ lieferte (Screenshot rechts): Index 0,2 und 53% bei einer Bezugsfrequenz von 100 Hertz sprechen sehr dafür, dass besonders sensible Menschen hier ein instabiles, störendes Licht wahrnehmen könnten.

Beim Anschluss an einen Dimmer und mittlerer Helligkeitseinstellung verstärkte sich dieser Effekt: Ich habe an einem Phasenabschnitt-Modell bis zu 64% und am Phasenanschnittdimmer sogar 71% gemessen (der Index blieb bei 0,2). Immerhin war das Display meiner Digitalkamera unbeeindruckt und bot ein flimmerfreies Bild.

Farbtreue etwas besser als angegeben

Verbatim-Mirageball-Daten-1Auch im Labor werden meine Testlampen erst nach zwei Betriebsstunden gemessen, weil Kaltlaufwerte für die Praxis wenig aussagen. Hier schaffte die Verbatim gut 477 Lumen und 2562 Kelvin mit einem Farbwiedergabindex von 83,3 (pdf-Download des gesamten Messprotokolls).

Das liegt im Toleranzbereich der Werksangaben (siehe Packungsaufdruck links), obwohl ich vor allem beim Einzelwert für die schwierige Zusatz-Messfarbe „Rot gesättigt“ (R9) etwas mehr als nur 17,2 erwartet hätte.

Denn bei der Beleuchtung meines Standard-Farbtreue-Motivs mit zwei Motorrädern im Kleinformat auf weißem Untergrund machte die „Mirageball“ keine schlechte Figur (Weißabgleich „Tageslicht“, ohne Nachbearbeitung):

Verbatim-Mirageball-Farbtreue

Okay – das sattrote Moped links wirkt eher rot-orange und die tiefblaue Yamaha wird ebenso wie die Unterlage in Richtung Gelb-Rot verschoben. Im unübersehbaren Reigen der „warmweißen“ Ra-80-LED-Leuchtmittel finde ich die Abbildung jedoch überdurchschnittlich gut und frei von störenden Farbstichen – zumal auch der Schattenwurf sehr klar definiert ist, ohne diffuse Mäander oder Multi-Schatten.

Das Spektraldiagramm mit der Energieverteilung in Milliwatt pro Nanometer Lichtwellenlänge zeigt die Farbspitze bei rund 609 nm und die Dominante bei ca. 586 nm. Die grün-gelbe Flanke nach links bis hin zum kleinen Bau-Hügel mischt sich nicht übermäßig stark ins Geschehen ein:

Verbatim-Mirageball-Spektrum

Insgesamt also ein recht angenehmes Licht, das auch die Glühlampen-Hardcore-Fraktion zufriedenstellen könnte. Fehlt nur noch die Sache mit der Dimmbarkeit. Die ist zwar grundsätzlich gegeben, kann jedoch je nach Dimmermodell unschöne Begleiterscheinungen wie Surren und/oder Flimmern verursachen (nicht zu verwechseln mit dem für alle sichtbaren Flackern – das gab’s bei korrekter Einstellung mit keinem Dimmer!).

Am Phasenabschnittdimmer weniger Lärm

Akustisch recht angenehm lief’s mit einem nicht justierbaren „Ehmann be“-Phasenabschnittdimmer aus dem Baumarkt, an dem die Verbatim-Lampe in stiller Umgebung bis maximal 10 cm Distanz surrte. Die Regelspanne betrug 3,9 bis 10,2 Watt (Gesamtleistung Dimmer + Lampe), was etwa 25 bis 100% der Helligkeit entsprach. Der wirksame Regelbereich lag vor allem in der unteren Hälfte des Wegs; oben herum änderte sich kaum noch was. Bei dunkler bis mittlerer Voreinstellung verlängerte sich die Einschaltverzögerung auf über eine halbe Sekunde und die „Flicker Tester“-App meldete bis zu 64% Flimmern.

Gleichmäßiger funktionierte die Regelung mit einem justierbaren Phasenanschnittdimmer von Jung, an dem die „Mirageball“ keine verlängerte Reaktionszeit benötigte und der eine flackerfreie Spanne zwischen 3,6 und 10,6 W erlaubte. Allerdings surrten Lampe und Dimmer bis zu einer Entfernung von rund einem Meter – vor allem bei mittlerer Reglerstellung. Das ist ebensowenig akzeptabel wie der „Flicker“-Wert von maximal 71%.

Mein Testurteil:

Verbatim-Mirageball-AufdruckRund 17 Euro für eine dimmbare LED-Lampe „designed in Japan“ und „made in China“ (Lampenaufdruck rechts) – mit von uns gemessenen knapp 480 Lumen: Das dürfte für viele potenzielle Kunden weit jenseits der Schmerzgrenze liegen.

Zwar können optische Anmutung, Lichtfarbe, Abstrahlcharakteristik und Materialqualität überzeugen – sonst setzt sich die Verbatim aber nicht nennenswert von der deutlich billigeren, dimmbaren Konkurrenz in der 470-lm-„Birnen“-Klasse ab, zumal die gemessene Effizienz von rund 59 Lumen/Watt sehr unterdurchschnittlich ausfällt – auch bei Berücksichtigung der besonders „warmen“ Lichtfarbe. Zum Vergleich: Schon vor über zweieinhalb Jahren schaffte eine Verbatim-„Birne“ mit 3000 Kelvin satte 82 lm/W.

Zum Zeitpunkt ihrer Messe-Premiere im Frühjahr 2014 war die „Mirageball“ sicher noch was Besonderes – inzwischen eher nicht mehr. Meine strenge LED-Bewertungsskala rückt dafür nicht mehr ’raus als
zwei Sterne.

Die „Mini-Birne“ aus der Ukraine

Jooby-Decor-an-DetailSo was wie das, was mir da vor Kurzem die Unternehmensgruppe Infomir aus Frankfurt/M. unaufgefordert schickte, hatte ich bis dato noch nie gesehen: Eine E27-LED-Lampe im Kleinformat – nur 8,6 cm lang, 3,8 cm Durchmesser, 44 Gramm – mit klarer Haube und insgesamt 64 Lichtpunkten, verteilt auf vier Stelen-artige, vertikale, leicht schräg gestellte Streifen.

Das erinnerte mich an die bekannten LED-Fadenlampen und funktioniert wohl auch nach einem sehr ähnlichen Prinzip, bei dem zahlreiche kleine CoB-Chips dicht aneinander gereiht werden und in der Summe ziemlich helles Licht mit überdurchschnittlicher Effizienz erzeugen. „Décor by Jooby“ nennt sich die Retrofit-Serie, die sich laut Packungsaufdruck (unten links) mit dem besten EU-Ökolabel A++ schmückt und bei „Telecommunication Technologies“ im ukrainischen Odessa hergestellt wird.

Die „Jooby“ ist nur äußerlich klein

Jooby-Decor-Label-AdresseNun sind LED-Lampen aus der Ukraine an sich nichts Besonderes – trotz Krieg und Krisen. Philips lässt dort beispielsweise Teile seines Sortiments produzieren, Osram ebenso. Ein derart außergewöhnliches, kompakt gebautes Design hätte ich jedoch von dort nicht unbedingt erwartet.

Lassen Sie sich nicht von den Dimensionen täuschen: Dieses kleine Ding aus schlagfestem Polycarbonat und weißem Aluguss ist nur äußerlich der Zwerg unter den drei Testkandidatinnen. Offiziell haut das Birnchen aus 4,2 Watt 470 Lumen Lichtstrom ’raus, mit einer „warmweißen“ Farbtemperatur von 2700 Kelvin und Farbwiedergabeindex Ra >80. Sogar dimmbar soll es sein sowie irgendwo und irgendwann ab Anfang 2016 für knapp 13 Euro auch zu kaufen.

In meiner hängenden Testfassung lieferte die „Jooby“ an einem dimmerlosen Schalter nach kaum merklicher Verzögerung kräftiges, fast blendend helles Licht, gab nur ein sehr leises Surren von sich (in stiller Umgebung auf ca. 5 cm Distanz hörbar), zog nach zwei Stunden Dauerleuchten 4,2 Watt mit einem elektrischen Leistungsfaktor von 0,80 und wurde an der heißesten Stelle nahe des Sockels maximal 47 Grad warm. Nach dem Ausschalten gab es rund eine Sekunde „Ausfaden“ bis zur völligen Dunkelheit.

Lichtkeule in Schmetterlings-Form

Jooby-E27-Flimmer-SchalterMein Kamera-Display zeigte während der Foto-Sessions kein Flimmern oder „Shutter-Streifen“; die „Flicker Tester“-App sah das etwas kritischer: Index 0,1 und 33 Prozent bei einer Bezugsfrequenz von 100 Hertz sind zumindest ein Indiz für ein nicht ganz perfekt stabiles Licht, zumal diese Werte auf 0,2 und 50% steigen können, wenn ein Phasenanschnittdimmer ins Spiel kommt und auf etwa halbe Helligkeit gedreht wird. Spätestens dann könnten entsprechend sensible Menschen ein Flimmern wahrnehmen, muss aber nicht sein.

Das wäre auch schade, weil die „Décor by Jooby“ sonst durchaus angenehm leuchtet, solange Sie nicht direkt ins ungedimmte Licht gucken. Das gilt beispielsweise für die Abstrahlcharakteristik, deren Diagramm so eine Art Schmetterlingsform mit einem Halbwertswinkel von ca. 264 Grad darstellt (pdf-Download). In der Realität sieht das so aus:

Jooby-Decor-Leuchtbild

Am hellsten wird’s also zu den Seiten hin, nach oben und unten findet eine leichte Abschattung statt. Jooby-Decor-Daten-1So ähnlich war das ja bei der Positionierung der LEDs auch zu erwarten – die Werksangabe von 280° „Beam angle“ ist etwas zu optimistisch (Packungsaufdruck rechts). Unter einem diffundierenden Leuchtenschirm nivelliert und homogenisiert sich die Lichtkeule natürlich etwas, ebenso bei der Variante mit matter Haube, dann jedoch mit leicht reduziertem Lichtstrom.

Etwas bessere Werte als offiziell angegeben

Jooby-Decor-Daten-2Das klare Testexemplar bot gut 485 Lumen mit 2559 Kelvin und Ra 82,1 – war also etwas heller, „wärmer“ und farbtreuer als angegeben (Aufdruck links, pdf-Download des Messprotokolls). Der Zusatz-Messwert für „Rot gesättigt“ (R9) lässt mit 13,9 keine Wunderdinge erwarten und sortiert sich etwas unter der Lichtqualität der oben getesteten Verbatim-„Mirageball“ ein. Die Unterschiede bei meinem Standard-Farbtreue-Motiv sind jedoch minimal:

Jooby-Decor-E27-Farbtreue

Die Schatten sind etwas zerfaserter, aber noch relativ klar definiert, Rot und Weiß werden ein Quäntchen mehr in Richtung Gelb verschoben, dafür wirkt das Tiefblau der Yamaha unter dem „Jooby“-Licht etwas lebendiger und strahlender. Tatsächlich sehen Sie in ihrem Spektraldiagramm eine nach rechts in Richtung Rot steiler abfallende Flanke, während es links vom Gelb-Orange-Berg sanfter ins Tal geht und sich ein etwas spitzerer Blau-Hügel anschließt:

Jooby-Decor-Spektrum

Bitte nicht falsch verstehen: Wir reden hier von Nuancen, die vermutlich 95% aller Lichtkunden selbst im direkten Vergleich nicht unterscheiden könnten. Die meisten Beobachter würden das Licht beider Lampen wohl als ziemlich Glühlampen-ähnlich und frei von unangenehmen Farbstichen wahrnehmen. So vermute ich das jedenfalls.

Je nach Dimmer unterschiedliche Resultate

Bleibt noch der Dimmer-Check, der zwei sehr unterschiedliche Ergebnisse lieferte: Am nicht justierbaren Ehmann-Phasenanschnittdimmer blieb der Regelbereich mit 2,1 bis 4,6 Watt Gesamtleistung zwar sehr eng (entspricht etwa 40 bis 100% Helligkeit). Dafür gab’s gegenüber dem Schalterbetrieb keinen nennenswerten Anstieg von Einschaltverzögerung, Flimmer-Wert oder Geräuschentwicklung. Das Surren war in stiller Umgebung bis maximal 15 cm wahrnehmbar – für die meisten Anwendungen unproblematisch.

Der justierbare Jung-Phasenanschnittdimmer holte bei optimaler Voreinstellung das ganze Regelpotenzial dieser Ukrainerin heraus: 0,6 (fast unsichtbares Licht) bis 5,1 Watt Gesamtleistung (100%) – super! Allerdings verstärkten sich vor allem in der mittleren Einstellungsregion das Flimmern (Index 0,2, Rate 50%) sowie die Surrgeräusche von Lampe und Dimmer (bis ca. 50 cm gut zu hören) zu kaum akzeptablen Werten. Außerdem ließ sich das Licht bei dunkler Reglerstellung bis zu drei Sekunden Zeit, bis es nach dem Einschalten „hochgefahren“ war.

Sehr optimistische Nennlebensdauer

Jooby-Decor-Detail-ausDer Königsweg für die „Décor by Jooby“ (links der Blick von oben auf die LED-„Stelen“) wäre also die Anschaffung eines justierbaren Phasenabschnittdimmers sowie eine moderate Einstellung des Schräubchens, die nicht die ganze Spanne nach unten ausnutzt. Das sollte dann für die meisten Anforderungen ausreichen und gut funktionieren.

Äußerst optimistisch ist Infomir bei der Nennlebensdauer: Über 50.000 Leuchtstunden und mindestens 100.000 Schaltzyklen – das traut sich kaum ein Hersteller. Skeptiker will „Jooby“ mit drei Jahren Garantie beruhigen – fünf wären natürlich besser bei einer LED-Retrofit mit zweistelligem Preis.

Mein Testurteil:

Jooby-Decor-PackungSuperkompakt, sehr effizient (fast 113 Lumen/Watt!) und hell, originelles Design mit „Wow-Effekt“, angenehme Lichtfarbe, enorm lange Nenlebensdauer: Das sind die besten Eigenschaften der „Décor by Jooby“ mit klarer Haube, E27-Sockel und der Modellnummer JL-02.04.

Deswegen heißt’s aber noch lange nicht: „L’Ukraine – douze points!“ Dazu müsste diese LED-Retrofit farbtreuer sein, eine gleichmäßigere Abstrahlung haben sowie an Dimmern verschiedener Art flimmerfreies, reaktionsschnelles Licht ohne Surren und mit weiter Regelspanne liefern. 13 Euro sind schließlich in der 470-Lumen-Klasse kein Pappenstiel  – da darf man schon was erwarten.

Zumindest im Vergleich mit der Verbatim-Lampe oben kann sich die „Jooby“ ein wenig absetzen, weil sie flimmerärmer, erheblich effizienter, teils geräuschärmer und spektakulärer designt ist (Vorsicht: Streng subjektive B-Note!). Deshalb holt meine LED-Bewertungsskala ein halbes Pünktchen mehr ’raus und spendiert
LED-SternLED-SternLED-Stern halbzweieinhalb Sterne.

Das luftige, grüne E27-Designobjekt aus Hessen

Carus-lookatme-anEigentlich müsste ich diese Lampe gar nicht mehr testen, weil sie im Wesentlichen einem dimmbaren Modell entspricht, das diese Prozedur schon Anfang des Jahres absolviert hat.

Weil aber die Marburger Mutterfirma Seidel im November eine in Fronhausen montierte Sonderserie namens „Carus lookatme“ mit acht verschiedenfarbig eloxierten Gehäusen und klarer Polycarbonathülle auf den Markt gebracht hat, dafür statt knapp 7 fast 20 Euro verlangt (natürlich pro Stück, nicht alle zusammen), kann man ja mal nachschauen, ob die ihr Geld wert sind.

Zum Ausprobieren kam die grüne Variante in einer großen, schwarzen, geriffelten Kartonverpackung mit schlichtem Aufdruck Carus-lookatme-Packung(Foto links) und machte schon ausgeschaltet optisch deutlich mehr her als ihre schnöde Schwester mit dem großen, weißen Gehäuse-Unterteil. Die transparente Umhüllung der eingefärbten Aluminiumteile verleiht der E27-„Birne“ was Luftig-Schwebendes – bei einem Gesamtgewicht von nur 75 Gramm bei 10,8 cm Länge und bis zu 6 cm Durchmesser kann ja auch gefühlt kaum mehr als Luft drin sein. Sind sogar nachgemessene 2 Gramm weniger als bei meiner Januar-Testlampe – heureka!

Diesmal kein Kondensat unter der Haube

Carus-lookatme-Flimmer-SchalterAuch bei den Innereien hat man wohl bei Carus seit Januar etwas nachgearbeitet; jedenfalls scheint dieses neue Modell geringfügig leistungsfähiger sowie optisch und akustisch etwas weniger auffällig zu sein. Erstes Indiz: Beim Testleuchten gab es diesmal keinen sichtbaren Niederschlag unter der Haube. Zweiter Hinweis: Im Kamera-Display blieb das Bild bei den Leucht-Aufnahmen flimmerfrei.

Die „Flicker Tester“-App zeigte beim Betrieb an einem normalen Schalter zwar keinen Top-Wert, blieb jedoch mit Index 0,1 und 28% Flimmer-Rate bei einer Bezugsfrequenz von 100 Hertz im moderaten Bereich (Screenshot rechts). Noch besser: Auch beim Dimmer-Anschluss ging dieser Wert nicht über 40% hinaus. Damit holt sich die Carus zumindest in diesem Test-Trio und Einzel-Kriterium schon mal die Spitzenposition.

In meiner offenen, hängenden Testfassung gab’s mit dem Schalter nach rund einer halben Sekunde die volle Helligkeit – ohne Störgeräusch. Nach zwei Stunden Dauerlauf habe ich 8,8 Watt bei einem exzellenten elektrischen Leistungsfaktor von 0,95 gemessen (Profi-Labor: 8,5 W, PF 0,96) sowie maximal 66 Grad an der heißesten Gehäusestelle. Nach dem Ausschalten wird das Licht innerhalb von knapp drei Sekunden ausgeblendet, was für einen fetten Speicher-/Sieb-Kondensator spricht.

Die Carus leuchtet eine Liga höher

Carus-lookatme-AufdruckDass die „lookatme“ eine Liga oberhalb der beiden Konkurrentinnen spielt, wird bei den Labor-Messwerten deutlich: 640 Lumen (statt der offiziellen 600 lm [siehe Lampenaufdruck links] und den zuletzt ermittelten 616 lm), 2635 Kelvin Farbtemperatur und Farbwiedergabeindex Ra 92,6 (pdf-Download des Messprotokolls).

Die Helligkeit entspricht nun etwa einer (imaginären) 50-Watt-Glühlampe. Leicht verbessert gegenüber dem weißen Januar-Modell zeigt sich auch der Wert für die besonders heikle Zusatz-Messfarbe „Rot gesättigt“ (R9). Der liegt jetzt bei 58,8 und kommt natürlich vor allem der roten Ducati in meinem Standard-Farbtreue-Motiv zugute:

Carus-lookatme-Farbtreue

Trotz der bei „warmweißen“ Lampen üblichen Gelb-Verschiebung wirkt dieses Bild merklich neutraler als bei der Verbatim und der „Jooby“; die beiden Mopeds setzen sich deutlicher vom Untergrund ab; die Farben sind besser zu identifizieren. Kleiner Nachteil: Der Schattenwurf ist wegen der ringförmigen Anordnung der Einzel-LEDs unter der klaren Haube etwas indifferenter, weil sich hier mehrere Einzelschatten überlagern.

Die Farbspitze liegt weiter rechts

Das Spektraldiagramm zeigt den Lichtqualitäts-Klassenunterschied zwischen der Carus und ihren Konkurrentinnen: Zwar ist die Farbdominante mit ca. 584 Nanometer etwa auf gleicher Höhe, der „Color Peak“ liegt jedoch mit 620 nm weiter rechts; die Flanke geht flacher und weiter in den Dunkelrot-Bereich hinein.

Carus-lookatme-Spektrum

Das ist natürlich noch ein ganzes Stück vom gleichmäßig von links nach rechts ansteigenden Spektralverlauf einer Glühlampe entfernt, bietet aber eine akzeptable Imitation ohne unangenehme Grün-, Blau- oder Rosa-Farbstiche und verzichtet auf die weitgehend unnützen, teils sogar schädlichen UV- und Infrarot-Anteile herkömmlicher Leuchtmittel.

Hier geht’s nicht so richtig rund

Leider bietet die Carus aber auch weniger Rundstrahlung als Lampen mit Wolframdraht oder LED-Filaments. Versprochen werden 240 Grad, gemessen haben wir nur gut 192° Halbwertswinkel (pdf-Abstrahldiagramm). Beim Blick von der Seite ergibt sich eine Lichtkeule, die entfernt an einen Manta-Rochen erinnert und im Leuchtbild so aussieht:

Carus-lookatme-Leuchtbild

Gut erkennbar sind die von den Einzel-LEDs und der inneren, kreisförmigen Optik verursachten, strahlenförmigen Ausbuchtungen, während sich nach unten in Richtung Sockel relativ wenig Helligkeit ausbreitet. Ihre optimale Lichtwirkung entfaltet also auch die „lookatme“ entweder hängend in Deckennähe oder stehend bei möglichst tiefer Position im Raum – beispielsweise auf Tischhöhe.

Braucht denn niemand einen Dimmer?

An dieser Stelle wird’s natürlich wieder Zeit für die obligatorischen Dimmer-Tests, obwohl mir vergangene Nacht ein Blogleser schrieb:

„Bzgl. der Tests an unterschiedlichen Dimmern frage ich mich, warum Sie soviel Arbeit dorthinein stecken. Sind Sie persönlich ein Freund von Dimmern? Sind Dimmer aus Ihrer Sicht weit verbreitet? Mir fällt in meinem Freundes- und Bekanntenkreis niemand ein, der noch einen hat. Das ’noch‘ bezieht sich darauf, dass das in den 90er Jahren noch anders war. Ich persönlich habe nie einen besessen.

Aus Energieersparnisgründen lohnt sich Dimmen bei LED-Lampen m. E. nicht. Für gedämpfte Beleuchtung empfinde ich speziell dafür vorgesehene Leuchten besser geeignet als gedimmte Leuchten, die eigentlich für die Abgabe von hohen Lichtmengen konstruiert sind.“

So unterschiedlich können individuelle Wahrnehmungen und Bekanntenkreise sein. In deutschen Haushalten dürfte wohl eine zweistellige Millionenzahl verschiedenster Dimmertypen werkeln (nicht gerechnet die vielen „Smart Lighting“-Systeme, die ebenfalls dimmen können).

ich selbst nutze Dimmer sehr gerne zur bedarfs- und situationsabhängigen Helligkeits- bzw. Farbtemperatureinstellung und mutmaßlich mindestens die Hälfte der Leser hier tut das wohl ebenfalls. Hauselektronik-Anbieter produzieren ihre zahlreichen Dimmer-Modelle zu Hunderttausenden sicher nicht zum Spaß und für die Müllhalde – Gleiches gilt für die großen LED-Hersteller, die alle einen erheblichen Anteil dimmbarer Lampen und Leuchten im Sortiment haben.

Auch hier lieber Phasenabschnittdimmer nehmen

Dazu meine klare Ansage für die „lookatme“ von Carus: Finger weg von Phasenanschnittdimmern! Hier ist zwar eine flackerfreie und ziemlich gleichmäßige, weite Regelspanne möglich – bei meinem justierbaren Jung-Modell ging das von 2,4 bis 10,3 Watt Gesamtleistung oder ca. 10 bis 100% der maximalen Helligkeit. Vor allem bei mittlerer Einstellung nervte jedoch ein lautstarkes Dauer-Surren von Lampe und Dimmer, das in stiller Umgebung bis gut einen Meter Distanz hörbar bleibt. So was will man beispielsweise im Schlafzimmer sicher nicht haben.

Viel ruhiger war’s am Ehmann-Phasenabschnittdimmer: Hier hörte ich von der Lampe ein gepulstes Surrgeräusch bis in etwa 15 cm Entfernung, während der Dimmer selbst still blieb. Trotz fehlendem Justierschräubchen war die Regelspanne mit 2,4 bis 10 Watt noch ausreichend groß. Allerdings änderte sich die Helligkeit nicht wirklich proportional – die größten Änderungen passierten sehr zügig im unteren Regelbereich, während sich oben herum nicht mehr viel tat. Die Einschaltverzögerung reichte von gut einer Sekunde bei dunkler Voreinstellung bis ca. eine halbe Sekunde bei vollem Lichtstrom.

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Leider nur gesetzliche Gewährleistung

Das weiße Carus-Modell war beim Test im Januar übrigens an allen Dimmern deutlich lauter. Entweder bin ich also seither noch schwerhöriger geworden oder es wurde ein wenig an der Elektronik der Lampenserie geschraubt. Auf der Carus-Produktseite gibt es einen Link, der zu einer pdf-Liste mit kompatiblen Dimmern führen soll. Dort finde ich aber leider nur eine weiße Seite – sehen Sie mehr? Dann schreiben Sie’s mir bitte unten in die Kommentare ’rein.

Bleiben noch die dürren Daten: Gemessene Effizienz 75 Lumen/Watt, EU-Ökolabel A+, Nennlebensdauer 25.000 Leuchtstunden und Schaltzyklen, keine verlängerte Garantie – nur die gesetzliche Gewährleistungsfrist. Vor allem Letzteres ist doch ziemlich schwach für eine LED-Lampe, die schwindelerregende 19,99 Euro kostet. „Verbraucherfreundlich“ geht anders, wie diverse Mitbewerber schon seit einiger Zeit mit Garantiezeiten von bis zu fünf Jahren demonstrieren.

Mein Testurteil:

Carus-lookatme-oben-ausBesonderes hat seinen Preis – auch bei LED-Retrofits. Die „lookatme“-Serie von Carus ist tatsächlich was Besonderes: Großteils inmitten von Deutschland entworfen und produziert, sehr farbtreu, angenehme Lichtfarbe, unverwechselbares Erscheinungsbild, das sich mit seiner Farbgebung und der optischen Gestaltung der Lichtquelle stark vom Üblichen absetzt (rechts der Blick von oben). Das Adjektiv von „Hessen“ ist nun mal nicht „hesslich“ oder so ähnlich – ich muss das wissen, weil ich selbst aus diesem schönen Bundesland stamme.

Gegenüber dem von mir im Januar getesteten, normalen Modell für 6,99 Euro wurden möglicherweise auch einige elektronische Innereien verbessert – mit einem passenden Dimmermodell ist die Lampe jedenfalls recht gut, geräusch- und flimmerarm regelbar. Ob das alles aber einen heftigen Aufpreis von 13 Euro rechtfertigt? Könnte natürlich sein, dass Sie solche Summen locker aus der Portokasse bezahlen – mit „sparsamer Beleuchtung“ hat das aber wenig zu tun.

Die „lookatme“-E27-LED-Lampen aus Hessen sind mit ihrer sehr eigenwilligen Optik und Abstrahlcharakterstik eher Statussymbole oder Designobjekte, die stolz und offen präsentiert werden wollen – insofern vielleicht sogar ideal als edle Weihnachtsgeschenke geeignet. Deshalb vergibt meine bis 5 reichende LED-Bewertungsskala diesmal wohlwollende
LED-Stern halbdreieinhalb Sterne.

(Offenlegung: Die Testlampen wurden von den Herstellern gratis zur Verfügung gestellt und bleiben zum Dauer-Praxistest bei mir.)

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2 Gedanken zu „Test: Drei dekorative E27-LED-Lampen von Verbatim, Jooby und Carus

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