Im Test: Girard Sudron A70 – superhelle E27-LED-Fadenlampe aus Frankreich

Mit bauchiger, satinierter Glashaube und einer sagenhaften Effizienz von fast 140 Lumen pro Watt beeindruckt eine französische E27-LED-Filament-„Birne“: Die nur knapp 8 Watt starke A70 von Girard Sudron leuchtete im Test etwa so hell und rund wie eine herkömmliche, matte 75-Watt-Glühlampe. Für einen Sieg auf ganzer Linie reicht das aber dennoch nicht.

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Die rund 15 Euro teure A70-Lampe von „Girard Sudron“ ist knapp 12 cm lang und satte 7 cm breit. Unter der satinierten, leicht ungleichmäßig geformten Glashaube leuchten sechs relativ kurze LED-Ketten ähnlich wie traditionelle Glühlampen-Fäden. (Fotos: W. Messer)

Ich hatte ja schon einige LED-Filament-Lampen im Test, müsste aber noch hunderte mehr von davon unter die Lupe nehmen, um wenigstens einen Bruchteil dieses immer größer werdenden Retrofit-Segments abzudecken. Völlig illusorisch und eigentlich auch unnötig. Denn worauf es bei einer guten LED-„Fadenlampe“ ankommt, wissen wir doch schon: Anständige Verarbeitung und Materialqualität, lange Lebensdauer, ausreichend helles, homogenes, „gemütliches“, rundstrahlendes Licht ohne blendende Reflexe oder Lichtstärke-Spitzen, ordentliche Farbtreue ohne Schwächen bei der Rot-Wiedergabe, eventuell auch problemlose Dimmarbeit und natürlich ein fairer Preis.

Aktuell habe ich den Verdacht, dass viele Anbieter diesen Retro-Design-Trend der CoB-LED-Ketten unter klaren Glashauben schamlos ausnutzen, um mit suboptimal produzierten, seltsam leuchtenden, flimmernden und überteuerten Lampen den schnellen Euro zu machen. Vielleicht brauchen die Firmen ja die Kohle für die derzeit noch tobenden Patent- und Lizenz-Streitigkeiten um diese von Forschern aus der Volksrepublik China und Taiwan erfundene Filament-LED-Imitation, an die sich inzwischen fast jeder kleine und große LED-Hersteller drangehängt hat. Da kann und muss ich wirklich nicht alles testen; vieles erledigt sich schon von selbst.

Blog-Premiere für „Girard Sudron“

Ein französisches Unternehmen, von dem sie hier im Blog bisher noch nie was lesen konnten, ist schon seit über 120 Jahren im Leuchmittelgeschäft und bietet weltweit unter anderem eine Riesen-Palette von LED-„Fadenlampen“ an: „Girard Sudron“ aus Paris. Die Firma hat zwar noch nicht mal einen eigenen Wikipedia-Eintrag, zählt aber dennoch zu den größeren Playern im Licht-Markt. Höchste Zeit also, ein besonderes, sehr leistungsfähiges Modell aus deren Sortiment zum Test zu bitten:

Girard-Sudron-8W-Pack-vornEine nicht dimmbare A70-Filament-„Birne“ mit E27-Sockel, Gardemaß, matt-satinierter Glashaube, 2700 Kelvin Farbtemperatur und offiziell 950 Lumen Lichtstrom (siehe Packungs-Vorderseite rechts) werden Sie woanders auf die Schnelle kaum finden – auch nicht bei den Marktführern Philips, Osram oder „GE Lighting“. Dort ist normalerweise spätestens beim LED-Ersatz für 60-Watt-Glühlampen Schicht im Schacht – also bei rund 800 Lumen.

„Girard Sudron“ protzt bei seiner 42 Gramm leichten Lampe „made in P. R.C.“ (Volksrepublik China) für rund 15 Euro mit dem besten EU-Ökolabel A++ (Packungsausschnitt unten links), nur 8 Watt Leistungsaufnahme und einem Stromsparpotenzial von 90 Prozent. Die spinnen, die Gallier, oder? Nö, Leute, lasst Euch sagen: Hier flunkern die Franzosen nicht. Im Gegenteil – sie sind sogar noch etwas zu bescheiden.

Reaktionsschnelle, leise und „coole“ Französin

Girard-Sudron-8W-LabelIn einer offenen, hängenden Fassung startete die Französin mit chinesischem Emigrationshintergrund ohne merkliche Leuchtverzögerung, gab nur ein leises Surren von sich – bei stiller Umgebung auf maximal 2 cm Distanz vernehmbar – und wurde nach zwei Stunden Dauerbetrieb an der heißesten Stelle, oben am Sockel, maximal 49 Grad warm, unten an der Haube waren’s 25 bis 30 Grad.

Da kannte ich schon wesentlich lautere und heißere Französinnen – aber das ist ein ganz anderes Thema. Verantwortlich für den moderaten Temperaturhaushalt ist wahrscheinlich ein Helium-basiertes Kühlgasgemisch im Innern der luftdichten Lampe.

Gute Lampe für flimmersensible Menschen

Girard-Sudron-8W-FlickerHochfrequentes Lichtflimmern ist vor allem bei klaren LED-Filament-Retrofits ein sehr heikler und häufiger Aspekt. Erstens sieht man’s da eher als bei matten Hauben, zweitens sparen die Hersteller dort gerne bei der Vorschaltelektronik, damit die Bauteile im kleinen Sockel Platz haben und möglichst billig im Einkauf sind.

Da können durchaus schon mal fette zweistellige Prozentwerte ’rauskommen bei einer Messung mit der „Flicker Tester“-App von Viso Systems aus Dänemark. Nicht so bei der „Girard Sudron A70“: Index 0,0 und eine sehr niedrige 3%-Rate bei 100-Hertz-Bezugsfrequenz (Screenshot rechts) – hervorragend! Auch im Kamera-Display habe ich während der Foto-Sessions keine störenden Effekte gesehen.

Das Labor misst eine sensationelle Effizienz

Girard-Sudron-8W-DatenDen Stromverbrauch messen das Labor und ich ebenfalls immer erst nach zwei Stunden „Einschwingen“ – in diesem Fall kamen weitgehend gleiche Werte heraus: 7,6 Watt bei einem elektrischen Leistungsfaktor von 0,56 bzw. 0,58. Die Lampe ist also noch einen Tick sparsamer als angegeben (siehe Packungsdaten links). Leuchtet Sie deshalb im betriebswarmen Zustand auch weniger hell?

Die Ulbricht-Kugel bei meinem Kooperationspartner „David Communication“ räumt diesen Verdacht mit Schmackes aus: Gut 1061 Lumen mit einer Farbtemperatur von 2647 Kelvin und einem Farbwiedergabeindex Ra 82,9 waren kaum zu erwarten (pdf-Download des Messprotokolls). Immerhin kommen wir so auf eine Effizienz von knapp 140 Lumen/Watt – für eine „warm-weiße“ LED-Retrofit ist das absolut sensationell.

Spektralverteilung verbessert die Lumen-Ausbeute

Okay – ein bisschen haben die Franzosen getrickst, wie das Spektraldiagramm mit der Strahlungsverteilung in Milliwatt pro Nanometer Lichtwellenlänge offenbart. Schauen Sie mal zwischen dem kleinen Blau-Hügel und der Orange-Spitze bei rund 609 nm auf die saftige Hochebene im Grün-Bereich – dort ist das Tag-adaptierte Auge am lichtempfindlichsten; deshalb können hier auch überproportional viele Lumen ’rausgeholt werden:

Girard-Sudron-8W-Spektrum

Nach rechts in Richtung Tiefrot ist die Französin deutlich schüchterner; die Flanke fällt ziemlich steil ab. Und das macht sich beispielsweise beim Zusatz-Messwert für die Wiedergabe von „Rot gesättigt“ (R9) bemerkbar. Der liegt nur bei schwachen 8,2. Zum Vergleich: Aktuelle farbtreue LED-Lampen schaffen hier problemlos Werte über 60. Auch andere Töne der 14-Farben-Palette schwächeln teilweise: 57,0 für „Fliederviolett“ (R8), 73,7 für „Blau gesättigt“ (R12). Hervorragend schneiden dagegen „Blattgrün“ (R14 = 97,7) und „Gelbgrün“ (R3 = 94,1) ab.

Höchstens durchschnittliche Lichtqualität

Was also macht die A70-Lampe mit meinem Standard-Farbtreue-Motiv – zwei Motorrädern im Kleinformat auf weißem Untergrund, das eine sattrot, das andere tiefblau (Weißabgleich „Tageslicht“, ohne Nachbearbeitung)?

Girard-Sudron-8W-Farbtreue

Sie färbt erwartungsgemäß alles Gelb-Orange ein, schiebt das Rot in Richtung Ocker, Schwarz in ein dunkles Braun und das Blau ins Unbestimmte. Einen nennenswerten Grünstich habe ich überraschenderweise nicht entdeckt. So oder ähnlich tun leuchten auch viele „normale“, billige, „warm-weiße“ LED-Lampen aus dem Discounter oder Baumarkt.

Insofern also ein bestenfalls durchschnittliches Ergebnis, mit dem allerdings die meisten „Normalverbraucher“ vermutlich gut leben können, so lange am Einsatzort keine hohe Farbtreue nötig ist. Positiv anzumerken: Die Schattenzeichnung der „Girard Sudron“ ist sehr weich, dennoch recht gut abgegrenzt, ohne große Zerfaserung. Es gibt weder harte Schlag- noch Mehrfachschatten.

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Lichtkeule wirkt fast Glühlampen-identisch

Und damit sind wir schon bei einem der wichtigsten Punkte für LED-Fadenlampen: Der Abstrahlcharakteristik. Die sollte möglichst rund um homogen sein, wofür die helle Französin auch gute Voraussetzungen mitbringt. Die mutmaßlich acht sechs Saphir-Filaments mit rundherum angeordneten Mini-CoB-LEDs (laut Auskunft der deutschen „Girard Sudron“-Vertretung – siehe auch das Foto eines Bloglesers) verteilen das Licht schon innerhalb der Haube recht gleichmäßig; das teiltransparente, satinierte Glas diffundiert es noch etwas homogener und sorgt für einen Halbwertswinkel von über 303 Grad (pdf-Download des Diagramms).

Die offizielle „360 Grad“-Angabe kann sich also höchstens auf den Feld- oder „Cut-off“-Winkel beziehen; diese Differenz spielt in der Praxis aber diesmal keine große Rolle. Der Eindruck kommt dem einer matten Glühlampe wirklich sehr nah, wie mein Leuchtbild-Foto beweist:

Girard-Sudron-8W-Leuchtbild

Hängend, stehend, horizontal montiert – egal: In jeder Lage wird es rundherum so hell wie mit einer alten 75-Watt-Glühfaden-„Birne“. Störende Blendreflexe durch einzelne LED-Fäden oder ein schiefer Lichtkegel wegen nicht exakt lotrechter Filament-Montage? Fehlanzeige – beim Foto ist mir nur die Fassung leicht aus der Waagerechten gekippt. Was allerdings auffällt, ist die asymmetrisch geformte Glashaube. Man könnte fast glauben, die Lampe wäre in Handarbeit und mundgeblasen produziert worden. Vielleicht ist ja wirklich jedes Exemplar der Serie ein klein wenig anders geformt und somit ein Unikat. 😉

Die von „Girard Sudron“ publizierte Nennlebensdauer ist ein zweischneidiges Schwert: 25.000 Leuchtstunden klingen für eine LED-Fadenlampe zwar überdurchschnittlich lang – viele Konkurrenten ziehen die Grenze, bis zu der noch 70% der Ursprungshelligkeit vorhanden ist, offiziell schon bei 15.000 Stunden. Die Anzahl der schadlosen Schaltzyklen wird jedoch mit nur mindestens 15.000 beziffert und die Garantiezeit beträgt gerade mal zwei Jahre. Da sollte wesentlich mehr drin sein.

Mein Testurteil:

Girard-Sudron-8W-ausDie knapp 8 Watt starke, nicht dimmbare „Girard Sudron A70“ ist mit rund 1060 gemessenen Lumen und fast 140 lm/W wohl aktuell eine der hellsten und effizientesten unter den „warmweißen“ LED-Standard-„Fadenlampen“ mit E27-Sockel. Sie kann Glühlampen mit bis zu 75 W ersetzen, hat somit ein Stromsparpotenzial von über 90%, passt allerdings mit 118 mm Länge und 70 mm Maximaldurchmesser nicht in jedes Leuchtengehäuse.

Lichtqualität und Verarbeitung sind allenfalls durchschnittlich; die schwache Rot-Wiedergabe und die ungleichmäßig geformte Haube unübersehbar. Sonst leistet sich die große „Birne“ aber keine nennenswerten Schwächen – der „Straßenpreis“ von rund 15 Euro erscheint mir daher (noch) angemessen. Meine LED-Bewertungsskala zeigt nach Würdigung aller Stärken und Schwächen frankophile „deux et demi étoiles“ – auf Deutsch:
LED-SternLED-SternLED-Stern halbzweieinhalb Sterne.

(Offenlegung: Ich habe mir die Lampe regulär auf eigene Kosten besorgt und verdiene nichts daran, wenn Sie sie ebenfalls kaufen.)

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28 Gedanken zu „Im Test: Girard Sudron A70 – superhelle E27-LED-Fadenlampe aus Frankreich

  1. Wie ist denn der Eindruck zu Farbstich? Nach meiner Erfahrung sind da rote und blaue Referenzflächen weniger hilfreich als eine weiße Wand und eine klassische Glühbirne als Referenz.

    Filament-LEDs (drei verschiedene Marken ausprobiert, inkl. der Ra90-Exemplare von Melitec) zeigen nach meinen Erfahrungen allesamt einen Stich ins Gelbe oder Grüne.

      • Ich bin mir nicht sicher, ob der weiße Hintergrund mit bunten Gegenständen der richtige Test ist. Erstens, weil die bunten Gegenstände subjektiv ablenken, zweitens weil ich mit einer einzigen Lichtquelle jedes Weiß als solches empfinde und drittens auf dem Weg von Kamera zu Monitor einiges schief gehen kann.

        In der realen Welt habe ich im Haus verschiedene Lichtquellen, und ich sehe Unterschiede an den Wänden, wenn ich meinen Blick schweifen lasse. Glühlampen, Halogenlampen, ordentliche Leuchtstofflampen mit 4000 K (830) oder 5400 K (954 Graphica Pro) mischen sich gut untereinander und mit Tageslicht, obwohl man natürlich die unterschiedliche Farbtemperatur sehen kann. Das Glühobst ist natürlich längst durch gute LEDs ersetzt worden, aber ich nehme es immer noch als Referenz, um die Farbstichigkeit eines neuen LED-Leuchtmittels festzustellen.

        Ich merke aber, dass es häufig reicht, ein neues Leuchtmittel im Flur einzuschrauben, wo man häufig aus einem Raum mit Rest-Tageslicht reinkommt bzw. aus dem dunklen kommend das Licht anschaltet. Der erste Eindruck deckt sich meist mit dem Test an der weißen Wand, wo abwechselnd eine Glühlampe und das Testobjekt leuchten dürfen (oder auch gleichzeitig nebeneinander).

        Und dann ist da noch meine Frau, die mich bei stichigem Leuchtmittel spätestens nach einem Tag fragt, was ich denn da wieder eingebaut hätte…

        • „Leuchtstofflampen mit 4000 K (830)“ – vermutlich sollte das 840 heißen, oder sind es tatsächlich 3000-K-Lampen?

          Zur Beurteilung der Lichtfarbe gibt’s in den Beiträgen ja auch immer noch das Abstrahl-Leuchtbild vor „lichtweißen“ Paneelen – ohne buntes Geraffel im Bild. Der Weißabgleich ist hier der selbe wie beim Farbtreue-Foto – also „Tageslicht“.

    • Der im Messprotokoll angegebene Farbort liegt etwas oberhalb der Planck-Kurve (delta_uv=+0.003, im Protokoll leider nicht explizit angegeben), was einem moderaten Gelbgrünstich (relativ zum Farbtemperatur-üblichen Gelbbraun-Ton) entspricht. Ein wenig kann man das auch auf dem Motorrad-Testbild (weiße Fläche) erahnen. Die Lumentrickserei macht sich also durchaus bemerkbar, aber noch verschmerzbar. Der Mangel im satten Rot dürfte sich stärker auswirken.

    • @Ingo: Die Farbort-Abweichung ist aber sehr minimal:

      Girard-Sudron-8W-Farbort

      Im Messprotokoll steht was von „Chromaticity Error 0.005“ – vielleicht ist das ja gemeint? Mir ist jedenfalls nichts Unangenehmes aufgefallen; das muss jedoch nicht für jeden gelten, weil die entsprechenden Rezeptoren im Auge (Zäpfchen) von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausfallen. Dazu kommen die jeweilige Licht-Adaption und eventuell auch Gewöhnungseffekte.

      • Ich vermute, dass der Chromaticity error die gerundete Abweichung im x,y-Raum ist (das kommt ungefähr hin), allerdings könnte da auch die Abweichung vom Binning-Wert (z.B. 2700 K Planck) mit hinein spielen. Aussagekräftiger ist die Abweichung im u,v (1960) Raum, da in diesem auch die Farbtemperatur definiert ist. Im Bereich unter 5000 K sollte dieser bei 0 liegen, oberhalb um +0.003 (entspricht Tageslicht, das gegenüber reinem Planck-Licht etwas mehr Grün enthält). Aber eine Abweichung von 0.003 ist, wie gesagt, wenig, und kann vom Auge/Gehirn leicht korrigiert werden. Übrigens hat auch die untergehende Sonne einen ähnlichen „Grünstich“, weshalb das nicht unangenehm auffallen muss, sondern manchem sogar besser gefallen mag als „perfektes“ Glühlampenlicht. Zudem spielen individuelle Unterschiede bei der Wahrnehmung sicher eine Rolle. Im direkten Vergleich (z.B. mit einer Glühlampe) sollte es aber sichtbar sein.

          • Mich überrascht ein wenig, dass dies auf dem x-y-Diagramm so aussieht. Denn rechnerisch ergibt sich bei jener Lampe ein Farbort leicht unterhalb(!) der Planckkurve (delta u,v = -0.0006, ermittelt bzgl. einer hoch aufgelösten Tabelle der Planck-u,v-Werte), bei der zweiten ebenfalls (duv = -0.0009). Beide Abweichungen sind aber so gering, dass man von praktisch Planckscher Lichtfarbe sprechen kann. Die Abweichung der hier getesteten Girard Sudron ist mit +0.003 weitaus größer.

  2. Toll – wo gibts die Wuchtbrumme denn? Würde gern mal eine zerlegen, um zu sehen wie die auf 140lm/W kommen – ist im Prinzip ja keine Hexerei und sogar unsere OSRAM-ler brüsten sich ja inzwischen mit 160lm/W (allerdings nur bei 65mA und zwar direkt am COB) aber mit nur 3% Flimmern? Schade, dass die Birne nicht im üblicheren A60-Format zu haben ist wie schon einige der LED-Filament-Retrofitlampen mit 8W (oder weniger) und immerhin ca. 800lm wie die meistgekaufte 60W-Glühbirne – gibts übrigens auch schon recht passabel herkömmlich dimmbar, allerdings leider nicht „satiniert“ aber immerhin gleichfalls mit „Milchglas“ (wenn auch noch mit kleinem Kunststoffkragen) im BKE-ebay-Shop.

  3. Danke Wolfgang für die Bezugsquellen, die ich hinter dem Weblink „Straßenpreis“ nicht auf Anhieb vermutet hatte. Hab auch gleich bestellt und bin nun gespannt auf das Innenleben des Sockels – werde berichten…

  4. So, zwei Lampen waren heute mittag schon da und eine ist bereits seziert. Die Wahl war leicht, weil eine der beiden ziemich schief im Sockel eingklebt war Interessanterweise war nach 2 Stunden Vorlauf mit gemessenen 7,6W der Sockel kaum wärmer als der Glaskolben.

    Mit einem 0,82-µF-Kondensator liess sich die Birne klaglos auf 2W runterdimmen (im Foto rechts; eine dabei aufkommende Flimmerneigung war nur im Display der DigiCam erkennbar). Weitergehende kapazitive Dimmversuche wurden mit heftigem Flackern quittiert, was schon darauf hindeutet, dass es sich nicht um ein treiberloses Versorgungskonzept handelt.

    Girard-Sudron-A70-voll-gedimmt

    Der Blick ins Innnere des Sockels offenbart ein induktives Spar-Schaltnetzteil auf der Basis eines 5-beinigen Halbleiterschaltkreises „Ba4VC“, der aber im Internet nicht identifizierbar war. Das Foto zeigt die 10 Cent große Platine aus dem Schraubsockel mit Drossel, Folko, 2 Elkos, NTC- und PTC-Widerstand (allerdings nicht die Rückseite mit Halbleitern und passiven Chipkomponenten in flacher Oberfächenmontage):

    Netzteil-Girard-Sudron-8W

    • Nur zur Klarstellung für „Normalverbraucher“ ohne Elektrotechnik-Kenntnisse: Das hier ist eine prinzipiell nicht dimmbare LED-Lampe. Wer versucht, sie mit einem handelsüblichen Dimmer zu regeln, gefährdet sowohl das Leben der Lampe als auch das des Dimmers in fahrlässiger Weise. Garantieansprüche erlöschen durch solche unsachgemäße Benutzung.

  5. Wenn ich denke was ich vermute, werden die einzelnen Led Chips nur ganz gering bestromt da es kaum Wärmeentwicklung gibt. Anders käme man kaum auf 140 Lumen/Watt. Und es dürften nicht gerade wenig LED-Emitter dort verbaut sein.

    Man sollte die Temperatur direkt an den LEDs messen wenn die Birne brennt,denn Messungen am Glaskolben oder Sockel bringen bei Filamentlampen nicht wirklich viel.

    Und wenns die Birne mit klarer Haube gäbe,kämen viele Fragen garnicht auf. Wer zerlegt so ein Teil und postet Bilder ?

    Mfg

    • Die Antwort steht bereits ein Kommentar weiter oben 😉

      Übrigens ist das mit der Temperaturmessung direkt an den LEDs bei Fadenlampen sehr schwierig, weil im luftdichten Glaskolben ein Kühlgas ist. Wenn man also die Lampe zerlegt, ist das Kühlkonzept futsch und eine Messung ziemlich praxisfremd.

      Die Anzahl der einzelnen CoB-LEDs dürfte mit sechs relativ kurzen Fäden bei insgesamt etwas über 160 liegen.

      • Natürlich könnte man den Mattlack aussen abschaben und die Filamente mit einem berührungslosen Infrarot-Thermometer anpeilen. Es gibt aber auch elegantere Methoden, nämlich die Filamente selbst als Temperatursensor zu nutzen und zwar über die Messung der Vorwärtsspannung, die nämlich proportional zur Temperatur an der Halbleiter-Grenzschicht fällt.

        Diese Aussen-„Satinierung“ ist womöglich auch der Grund, weshalb man hier eine größere Birne braucht: Der Mattlack verursacht einen Wärmestau im krassen Unterschied zu den üblicherweise innen angeätzten matten Glaskolben, mit denen allerdings die Mattierung nicht so gleichmäßig gelingt. Dafür sorgt eine Innen-Anätzung aber auch für eine bessere Rundum-Abstrahlung. Kurzum: hier waren Apachen-Ingenieure am Werk, die sich mit Bandagen um noch „more bang for bucks“ gebracht haben. Gut für die, dass Girard Surdon das nicht geblickt hat. Ich gebe dieser Lampe keine 10 000 Stunden.

        • Das mit dem „IR-Anpeilen“ der Temperatur von LED-Modulen unter einer Haube gelingt mir schon mit normalen, klaren LED-Lampen so gut wie nie, weil die Glas- bzw. Kunststoffhülle den IR-Strahl ablenkt, streut oder sonstwas anstellt. Jedenfalls kommt er erst gar nicht richtig bis hin zu den LEDs – entsprechend falsch sind die angezeigten Temperaturen.

          • Genau Wolfgang,
            deshalb sprach ich ja von einer eleganteren Methode über die „in-vito“-Messung quasi im Entstehungsherd der Wärme nämlich in der Halbleiter-Grenzschicht und zwar über die Vorwärtsspannung (funktioniert auch für Filamente). Darüber gibt es reichlich Literatur im Netz auch als Weblinks im Anhang eines einschlägigen Online-Artikels .

      • Laut der deutschen Repräsentanz von Girard Sudron sei die Lampe mit ihrer Kombination aus Saphir-Filaments, darauf rundherum angeordneten CoB-LEDs sowie einem speziellen Kühlgas besonders langlebig.

        Die Extrapolation des in der EU vorgeschriebenen 6000-Stunden-Dauertests habe sogar eine Lebensdauer von ca. 30.000 Stunden ergeben. Billige LED-Fadenlampen mit Metallfäden hätten dagegen eine viel kürzere Lebenserwartung.

        • Erstaunlich bei dem großen und trotzdem relativ heissen (überdies aussen mattlackierten) Glaskolben – muss man aber erstmal so zur Kenntnis nehmen.

          Soweit ich weiss, hat VOSLA Alu-Filamente und PLESSEY Silizium-Filamente, die allerdings noch schneller/besser die Wärme ableiten als die sonst üblichen Saphir-Filamente. Die Kühlgasfüllung haben allerdings alle anderen LED-Filamentlampen ebenso – ist also kein spezielles Merkmal, dass eine besondere Effizienz erklären würde.

          • Vermutlich hat fast jeder Hersteller sein ganz spezielles Mischungsrezept für das Kühlgas – ich würde das deshalb nicht von vornherein über einen Kamm scheren.

  6. OK hier nun das gewünschte Foto vom Teardown mit Rückspiegel und 10-Cent-Münze (Platinengröße). Erkennbar ist das freigekratzte „Satinierungs“-Fenster, durch das man 6 Filamente zählen kann (erklärt die ungewöhnlich hohe Erwärmung des Glaskolbens im Vergleich mit 8-Filament-Lampen z.B. mit dieser herkömmlich passabel dimmbaren).

    Wer die aber kapazitive Dimmung mit der Girard Sudron ausreizen möchte, kann es mit einem solchen probieren.

  7. Schwer vorstellbar, dass es da irgendwelche Geheimrezepturen für das Kühlgas gibt. Wasserstoff hat mit k=0,186 die beste Wärmeleitfähigkeit und Helium mit 0,1576 die zweitbeste. Im Vergleich zu Stickstoff wie auch Sauerstoff oder Luft mit ~0,026 dürfte es auch unter Kostengesichtspunkten relativ schnurz sein, ob und wie man die Top-Gase mischt, zumal die nächsten Alternativen eine knappe Größenordnung schlechter liegen. Die Daten sind übrigens bei Wikipedia unter „Wärmeleitfähigkeit“ zu finden. Die Physik der „Wärmeübertragung“ ist in der konkreten Anwendung natürlich komplexer als diese Parameter das suggerieren. So gibt es unter dem Stichwort auch einen Literaturverweis auf ein 766-Seiten-Werk der US-Professoren Lienhard (Vater Uni Houston / Sohn MIT), die es über den entsprechenden ersten Wikipedia-Literatur-Weblink zum kostenlosen PDF-Download anbieten (das nenne ich mal unelitäre/barrierefreie Wissenschaft).

    • Entscheidend ist bei Gasen nicht so sehr die Wärmeleitung als die Konvektion, d.h. warmes Gas steigt auf und gibt dann seine Wärme an den oben liegenden Teil des Glaskolbens ab, sinkt wieder ab, wird erneut erwärmt usw. Hier spielen noch Faktoren wie Viskosität eine Rolle; die sollte möglichst gering sein, damit die Konvektion gut in Gang kommen kann. Wärmeleitung ist dagegen bei Festkörpern entscheidend.

      • Stimmt, da wäre Wasserstoff wieder deutlich im Vorteil auch bei der spezifischen Wärme des Gases und nicht zuletzt dürfte der Austausch per Strahlungswärme bei der Entwärmung eine nicht ganz unerhebliche Rolle spielen.

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