Im Test: Dimmbare vosLED-Fadenlampe – Effizienz-Wunder mit Macken

Dimmbar, besonders farbtreu und effizient sollen die „vosLED-Glühbirnen“ mit LED-Fäden sein. Mein Test und die Laborwerte zeigen, ob das stimmt und ob die hohen Preise des „vosla“-Fadenlampen-Sortiments gerechtfertigt sind.

vosLED-aus-Faeden
Die stromlose „vosLED“-Fadenlampe (links) und ein Blick auf die vier leuchtenden LED-Fäden (rechts). Sie spiegeln sich in der Glaskuppel und offenbaren eine Mischung aus „warm-weißen“ und roten Chips. Unten rechts sehen Sie das im Detaillbild eines einzelnen Fadens: Jeder fünfte Leuchtpunkt ist rot. (Fotos: W. Messer)
VosLED-Faden
Schon im März hatte ich hier eine LED-Fadenlampe aus China im Test. Die war allerdings nicht dimmbar und hatte nur einen allgemeinen Farbwiedergabeindex von Ra 81 – wie die meisten „Birnen“ dieser Art auf dem Markt. Die Firma „vosla“ aus Plauen in Sachsen entstand aus dem schon zu DDR-Zeiten bekannten Leuchtmittelhersteller Narva und positioniert sich mit ihren „vosLED-Glühbirnen“ eine Etage höher. Die Vogtländer versprechen für ihr E27/E14-Retrofit-Sortiment neuerdings Dimmbarkeit, mindestens Ra 90 sowie Glühlampen-ähnliche Lichtfarbe und Abstrahlcharakteristik.

Das schlägt sich auch in den Preisen nieder: Über 25 Euro kostet beispielsweise die klare 3,5-Watt-Testlampe mit „mindestens 370 Lumen“, deren Gesamthelligkeit laut EU-Vergleichstabelle zwischen der von 25- und 40-Watt-Glühlampen liegt. Sie hat mit knapp 11 cm Gesamtlänge, 6 cm Maximaldurchmesser und 37 Gramm Gewicht exakt die Dimensionen der im März getesteten Fadenlampe, ist somit nicht wesentlich größer als ihre stromfressenden Ahnen und auch mit matter Haube lieferbar.

VosLED-DetailIm E27-Schraubsockel verbirgt sich die Vorschaltelektronik (im Bild links beim Blick von oben teilweise zu sehen); unter der klaren Glaskuppel leuchten vier Fäden mit jeweils rund 30 Mini-CoB-LEDs, eingehüllt in ein Kühlgas, das für besonders moderate Betriebstemperaturen sorgen soll. Kühlrippen oder -öffnungen sind nicht notwendig.

Drei Fragen zu den offiziellen Daten

VosLED-DatenEin paar Fragen provozieren allerdings die Packungsangaben (Ausschnitt rechts): Kann diese Lampe tatsächlich einen perfekt runden Abstrahlwinkel von 360 Grad liefern, wo doch selbst herkömmliche Glühlampen wegen der Abschattung durch den Sockel allenfalls 320 Grad schaffen? Wieso steht da „Dimmbar: nein“, während ein Aufkleber auf der Oberseite „dimmbar“ verspricht? Und kann eine „warm-weiße“ LED-Lampe gleichzeitig eine sehr hohe Farbtreue (Ra/CRI >90) und Effizienz (ca. 106 lm/W) haben?

Die Antworten auf die Fragen 1 und 3 liefert das Lichtlabor meines Kooperationspartners „David Communication“. Es ermittelte einen Halbwertswinkel von 292,8 Grad mit nierenförmiger Charakteristik (pdf-Download des Abstrahldiagramms) – die offizielle 360-Grad-Angabe ist definitiv falsch.

Mein Leuchtbild zeigt die Auswirkungen in der Praxis: Das meiste Licht wird seitlich abgestrahlt; nach oben macht sich durch die vertikale Anordnung der LED-Fäden, in Form eines auf dem Kopf stehenden V, eine merkliche Abschattung bemerkbar; nach unten gibt’s deutlich mehr Helligkeit als bei den meisten anderen E27-LED-„Birnen“ auf dem Markt:

VosLED-Leuchtbild1

In Richtung Lampenspitze kriegen Sie also weniger Helligkeit als bei einer vergleichbaren traditionellen Lampe, in der die Glühfäden horizontal angeordnet sind. Sie sehen das beispielsweise im direkten Vergleich bei hängender Montage in einer Leuchte über’m Esstisch. Allerdings ermittelte die Ulbricht-Kugel beeindruckende 395 Lumen Lichtstrom bei einem Verbrauch von 3,37 Watt (pdf-Download des Messprotokolls). Daraus ergibt sich eine Wahnsinns-Effizienz von 117 lm/W.

VosLED-Label-LichtfarbeDas Sparpotenzial gegenüber einer ähnlich hellen „Glühbirne“ beträgt somit rund 90% – ein sehr selten erreichter Wert bei „Consumer“-LED-Lampen. Den Energieeffizienzindex (EEI) habe ich mit 0,09 berechnet – deutlich unter dem oberen Grenzwert von 0,11 für das EU-Ökolabel A++. Die Zuordnung zur besten Effizienzklasse für Lampen ist also absolut berechtigt und auch auf einer Packungsseite zu sehen – zusammen mit einer etwas kryptischen Farbtemperatur-Grafik (Bild links – keine Ahnung, was „ow“ heißen soll).

Frage 2 lässt sich nicht so einfach beantworten, weil mein Standard-Testaufbau hier teilweise versagte. Zwar startete die Lampe an einem schlichten Schalter noch ohne Verzögerung, blieb absolut still, zog nach zwei Stunden Dauerlauf laut meines Hobby-Messgeräts 3,7 Watt mit einem elektrischen Leistungsfaktor von 0,63 (exakt den gleichen Wert hatte übrigens auch das Labor ermittelt) und wurde in meiner offenen Testfassung an der heißesten Stelle nur 35 Grad warm.

Das Messgerät zeigte Phantasiewerte

Schon beim Anschluss der „vosLED“ an einen Standard-Phasenabschnittdimmer (ohne Justierschraube, 20 W Mindestlast) war der Verbrauchsanzeige aber kein realistischer Wert mehr zu entlocken – zum ersten Mal nach über 100 LED-Testlampen und -leuchten. Je nach Reglerstellung pendelte der Watt-Wert wild zwischen 0 und 1,7 – das konnte mit dem tatsächlichen Strombedarf nichts zu tun haben. Offenbar wurde das Messgerät von der „vosLED“-Vorschaltelektronik nachhaltig verwirrt. Dazu protestierte die Lampe vor allem bei tiefen Dimmer-Einstellungen mit heftigen Helligkeitssprüngen und rhythmischem Flackern.

Dennoch war im mittleren Regelbereich ein recht ordentliches, flackerfreies Dimmen möglich – geschätzt zwischen 10 und 100% des Maximal-Lichtstroms. Erheblich besser klappte das nach dem parallelen Anschluss einer 60-Watt-Glühlampe: Kein Flackern mehr und eine konstante Regelung zwischen völliger Dunkelheit und größter Helligkeit. Offensichtlich müssen Sie bei den „vosLED“-Lampen streng auf das Erreichen der Dimmer-Mindestlast achten – 3,5 Watt waren eindeutig zu wenig für das 20-315-Watt-Modell.

Eigenwerbung Juni 2014

Zum selben Schluss kam ich nach Versuchen mit einem justierbaren Jung-Phasenanschnittdimmer (20-500 Watt). Ohne zusätzliche Glühlampe blieb die „vosLED“ immer gleich hell – unabhängig von der Dimmer-Stellung. Nach dem Überschreiten der Mindestlast konnte ich den Regler immerhin so justieren, dass die Helligkeit zwischen geschätzt rund 100 und 25% gedimmt wurde. Dunklere Voreinstellungen quittierte die LED-Lampe mit Flackern.

„vosla“ empfiehlt einen Eltako-Dimmer

VosLED-dimmbarBei keinem dieser Dimmer-Versuche gab’s übrigens ein unerwünschtes Surren oder merkliche Einschaltverzögerungen – der runde „dimmbar“-Aufkleber (Bild links) hat also einen gewissen Wahrheitsgehalt, wenn auch nicht unter allen Umständen. „vosla“ selbst empfiehlt einen Eltako-Universaldimmer, der mit fast allen Lampentypen bis 400 Watt zurechtkommen soll und keine Mindestlast hat.

Ein Vertriebsmitarbeiter erklärte mir auf Anfrage, dass man sich bei den ursprünglichen Verpackungen noch nicht getraut habe, bei „Dimmbarkeit“ ein klares „Ja“ zu drucken, weil es vor allem wegen des Mindestlast-Problems bei der Kundschaft eventuell teils zu Enttäuschungen gekommen wäre. Auf den künftigen Packungen werde die Dimmbarkeit versprochen, allerdings mit einem erklärenden Kommentar und dem Verweis auf eine Dimmer-Referenzliste. Damit wäre jetzt endlich auch Frage 2 von oben beantwortet.

Der Ra-Wert liegt tatsächlich über 90

Bleibt noch die Verifizierung der überdurchschnittlichen Lichtqualität. Die wird eindeutig von den 30 roten Mini-LEDs im Verein mit den rund acht Dutzend „weißen“ Chips geprägt, wie auch das Spektraldiagramm mit der Spitze im Rot-Bereich um 640 Nanometer beweist:

VosLED-Spektraldiagramm
Die vertikale Achse beschreibt die Strahlungsleistung in Milliwatt, die horizontale die Lichtwellenlänge in Nanometer.

Bei ausschließlich „weißen“ LEDs wäre wohl nur ein allgemeiner Farbwiedergabeindex Ra von etwas über 80 möglich – in diesem Fall sind es aber gemessene 91,6. Dazu kommt ein Wert von 63,4 bei der Zusatz-Referenzfarbe „Rot gesättigt“ (R9). Hier habe ich allerdings selbst bei Discounter-LED-Lampen schon weit bessere Resultate gesehen. Mein Standard-Bild für diese Disziplin mit einer sattroten Ducati 916 im Kleinformat auf weißem Untergrund (Weißabgleich „bewölkter Himmel“, ohne Nachbearbeitung) ist jedenfalls ganz ordentlich ausgefallen, aber nicht sensationell gut:

VosLED-Farbtreue

Die gemessene Farbtemperatur von 2699 Kelvin entspricht dem Nennwert. Subjektiv scheinen sich jedoch ein paar seltsame, leichte Farbstiche einzuschmuggeln. Die machen das Licht zwar nicht wirklich unangenehm, könnten möglicherweise aber auch Laien auffallen.

Interessanterweise ergaben die Farbwiedergabe-Messungen die höchsten Werte bei den Einzelfarben „Gelbgrün“ (R3 = 97,8) und „Blattgrün“ (R14 = 97,7) – das sind genau die Bereiche, für die das menschliche Auge besonders empfindlich ist und die deshalb auch mit der besten Lumen-Ausbeute belohnt werden. Von irgendwo her muss sie ja kommen, die extrem hohe Effizienz der „vosLED“. Und wir sehen mal wieder: Messwerte liefern nur einen Teil der Wahrheit.

Hier flimmert’s leider sehr stark

Wo wir schon beim Meckern sind: Das Display der Digitalkamera zeigte bei den Aufnahmen ein starkes Lichtflimmern, das auf eine zu grobe interne Helligkeitsregelung der Lampe hinweist. Die meisten Käufer werden das mit bloßem Auge normalerweise nicht wahrnehmen – für einige besonders Flimmer-sensible Menschen und bei schnell bewegten Objekten im Lichtstrahl macht sich das jedoch als nerviger Stroboskop-Effekt bemerkbar. Mit einer besseren Glättung der Stromzufuhr kriegt man das bei LED-Lampen normalerweise gut in den Griff.

vosLED-PackungEbenfalls suboptimal erscheint mir die Verarbeitungsqualität. Zumindest bei meinem Testexemplar sitzt das Oberteil der Lampe – mit Glashaube und weißem Zwischenring – nicht exakt lotrecht auf dem Metall-Schraubsockel. Schauen Sie sich nochmal das Bild ganz oben links in diesem Beitrag an – wahrscheinlich sehen Sie’s dann auch.

Außerdem betreibt „vosla“ aktuell ein wenig Etikettenschwindel: Auf der Verpackung (Bild rechts) steht mehrfach  „German Lighting“. Tatsächlich geschieht aber der größte Teil der Wertschöpfung noch in China, wo auch die Patentrechte für das LED-Fadenlampen-Prinzip liegen, wie mir ein „vosla“-Mitarbeiter erklärte. In Deutschland werde im Moment hauptsächlich das Qualitätsmanagement der Leuchtmittel erledigt. Erst ab Spätherbst würden voraussichtlich in Plauen komplette Lampen montiert.

Die „Red Dot“-Lampe gibt’s noch nicht zu kaufen

Im vierten Quartal dürften möglicherweise auch „normale“ Kunden Zugriff auf jene neue Modellvariante haben, für die „vosla“ diesen Monat mit einer „Best of the Best“-Auszeichnung beim „Red Dot Design Award 2014“ belohnt wurde – übrigens eine Ehre, die der Gewinner selbst teuer bezahlen muss. vosLED-neuDie preisgekrönte „vosLED“ hat statt des weißen Mittelrings einen transparenten Übergang zwischen Sockel und Glashaube – sieht also der traditionellen Glühlampe noch ähnlicher (siehe „vosla“-PR-Foto).

Die Jury würdigte die LED-Fadenlampe …

„… als eine Hommage an die Glühbirne, deren Form sie nur wenig hinzufügen will. Die Gestaltung lehnt sich deshalb nah an die Form einer Glühbirne an und versieht sie mit den Möglichkeiten der LED-Technologie. Beeindruckend ist ihre minimalistische Formensprache, mit der sie sich in alle Umgebungen einfügen kann. Die Gestaltung der vosLED verwirklicht damit eine schlüssige formale Evolution der klassischen Glühbirne: Eine vertraute Tradition wird bewusst weitergeführt, um etwas Neues entstehen zu lassen.“

Das kann man im Ansatz sicher unterschreiben; es bleibt aber sicher noch jede Menge Verbesserungspotenzial bei der technischen Umsetzung.

Mein Testurteil:

Fadenlampe hin oder her – rund 25,50 Euro (siehe Update unten) sind für eine eingeschränkt dimmbare, stark flimmernde E27-LED-Lampe mit knapp 400 Lumen und gesetzlicher Gewährleistung –  ohne verlängerte Garantie – zu viel. Daran können auch die überdurchschnittliche Farbtreue, die Nennlebensdauer von 25.000 Leuchtstunden bzw. über 30.000 Schaltzyklen, die enorm hohe Effizienz und die geringe Hitzeentwicklung nichts ändern. Außerdem erwarte ich in dieser Preisklasse einwandfreie, konsistente Produktionsqualität und keine schief montierten Sockel.

Normalerweise hätte die klare 3,5-Watt-„vosLED“-Lampe locker vier Sterne von meiner neuen, strengeren LED-Bewertungsskala abräumen können – wegen der beschriebenen Macken gibt’s aber kräftige Abzüge in der B-Note und deshalb nur
drei Sterne.

Update 17.07.2015: Inzwischen – nach rund einem Jahr – kostet die Lampe nur noch 6,90 Euro. Das nenne ich mal einen kräftigen Preisverfall.

Mehr zum Thema:

Im Test: LED-Fadenlampe aus China – der filigrane Rundstrahler

Doppeltest: E27-LED-Fadenlampen von softLED und Velios mit rund 6 Watt

LED-Fadenlampen – ein Fest für Anwälte

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24 Gedanken zu „Im Test: Dimmbare vosLED-Fadenlampe – Effizienz-Wunder mit Macken

  1. Hallo! Was den Grün-Anteil angeht, kann ich Entwarnung geben. Der Grün-Offset der Farbkoordinaten im Messprotokoll, Delta_uv, ist nur +0.0006, also etwa 1/5 des Wertes für Tageslicht (+0.003; das dann allerdings bei >5000 K, was aber am Prinzip nichts ändert), und dürfte in der Praxis kaum wahrnehmbar sein. Ein hoher Farbwiedergabewert für Grün bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Grünanteil besonders hoch ist, sondern nur, dass die Spektralverteilung in diesem Bereich nah an der Planck-Kurve liegt.

  2. Erstmals: das ow in der Lichtfarbskala wird wahrscheinlich orange weiß bedeuten 😉
    Ich finde den Schriftzug „German Lighting“ für ein Produkt, dass sogar noch in China in die Verpackung gesteckt wird, nicht gerechtfertigt. Das täuscht vor, dass die Lampe in Deutschland produziert wurde. Wieder jemand, der versucht den „naiven“ Kunden zu täuschen ….

  3. Wäre es möglich, nochmal aktuelle Vosla Filament-Modelle zu testen?

    Ich habe vor einigen Wochen das Residenzschloss in Dresden besucht und war auf Anhieb beim Aufgang der englischen Treppe begeistert von den E14-Filament-LEDs dort, die sich bei näherem Hinsehen als Vosla-Typen entpuppt haben (die mit dem weissen Ring unten). Im Display meiner Kamera waren die auch bei viel ausprobieren flimmerfrei, und die Lichtgüte war sehr hoch, ein wirklich angemessenes Leuchtmittel für diese Umgebung mit vielen Weiss und Rot-Tönen. Konnte mich kaum von den Wandlampen lösen, so begeistert war ich auf Anhieb von diesen Leuchtmitteln.

    Was ich allerdings nicht verstehe, ist diese Anmerkung von Vosla zur Dimmbarkeit:

    ‚Die LED-Lampe ist uneingeschränkt (0-100%) mit Gleichspannung (DC) dimmbar.‘

    Was soll man sich darunter vorstellen?

    – Carsten

    • Welche genau? Ich erwarte bis Herbst auch neue Fadenlampen anderer Anbieter wie Osram und MeLiTec – da würde sich ein Vergleichstest anbieten. Bis dahin sind aber erstmal andere Lampentypen von anderen Herstellern auf dem Testfahrplan.

      Ich verstehe die Anmerkungen zur Dimmbarkeit so, dass die Lampen mit normalen Dimmern nicht regelbar sind. Aber das sollte man lieber Vosla direkt fragen. Ich bin ja nicht deren PR-Abteilung.

      • Ja, das wäre dann im Herbst was für einen Vergleichstest, der gezielt mal Markenware unter die Lupe nimmt und bezüglich maßgeblicher Faktoren untersucht.

        – Carsten

  4. Nebenbei, mal wieder eine technische Diskussion – üblicherweise sind Serienschaltungen von sehr vielen LEDs ja ausfallträchtig. Bei echten COBs und den Filament-LEDs wird das ja etwas entschärft dadurch, dass man hohe Übereinstimmung durch die Entnahme/Verwendung der LEDs aus gemeinsamen Substratbereichen mit überwiegend identischen Betriebsparametern erreicht.
    Darüberhinaus sind aber die Betriebsparameter wie Strom und Vorwärtsspannung bei unterschiedlichen LED-Typen (und damit meine ich auch ‚Farben‘ sehr unterschiedlich – übliche rote LEDs aus Standardfertigung haben z.B. eine sehr viel niedrigere Vorwärtsspannung als die blaue LED Basis einer weissen LED. Wie schafft es Vosla oder der dahinterherstehende ‚Chinese‘ denn, eine Serienschaltung von weissen und roten LEDs zu erreichen? Beruhen möglicherweise auch die roten LEDs tatsächlich auf der gleichen blauen LED Basis wie die weissen, nur mit einem ’sehr speziellen‘ Konversionsphosphor versehen, der rot aus blau erzeugt?

    – Carsten

      • Doch, theoretisch möglich wäre das schon, da ja die Energie von rotem Licht niedriger ist als die von blauem. So hat das Licht aus Standardphosphoren ja auch einen roten Anteil – im dümmsten Fall packt man einfach einen zusätzlichen Farbfilter auf den Phosphor. Aber das wäre sehr ineffizient. Daher werden’s wohl rote LEDs sein.

        Umgekehrt ist es unmöglich, mit einer passiven Konversionsschicht aus rotem Licht blaues zu machen, da wäre dann tatsächlich der Energieerhaltungssatz verletzt.

  5. Aber wie kriegen die dann die Betriebsparameter so abgestimmt, dass das funktioniert? Im Shop bietet Vosla nebenbei auch ‚Consumer‘ Lampen an, die einen CRI von knapp über 80 haben, da fehlen dann wohl die roten LEDs. Die sind aber nur unwesentlich günstiger als die mit CRI >90, von daher…
    Hier übrigens noch ein Video zu den Vosla Filament Leuchtmitteln.

    Irgendjemand hat hier im Blog mal behauptet, diese Leuchtmittel würden in China gefertigt und von Vosla nur noch verpackt (‚von wegen Made in Germany‘) – wie man in dem Video sieht, wird aber offenbar tatsächlich in Plauen zumindest ‚echt‘ montiert.

    Wenn bei den Vosla Lampen die Flimmerfreiheit und Haltbarkeit in Ordnung sein sollte, halte ich die bei den gegenwärtigen Preisen für sehr interessant.

    – Carsten

    (Bitte keine rohen Links posten, sondern – wie unten erklärt und von mir nachträglich getan – im Text einbetten, danke!/d. Red.)

    • Von wegen „irgendjemand hat hier behauptet“:

      Das steht detailliert oben im Beitrag und wurde mir damals (im Juli 2014) von einem Vosla-Mitarbeiter erklärt. Zitat aus dem Artikel:

      „In Deutschland werde im Moment hauptsächlich das Qualitätsmanagement der Leuchtmittel erledigt. Erst ab Spätherbst würden voraussichtlich in Plauen komplette Lampen montiert.“

      Wohlgemerkt – Spätherbst 2014! Also kann inzwischen sehr wohl dort montiert werden und ich hatte nix Falsches behauptet! Liest Du eigentlich mal die Beiträge, bevor Du kommentierst? Manchmal geht mir echt der Hut hoch …

  6. Kein Grund, in die Luft zu gehen, immerhin herrscht diesbezüglich jetzt Klarheit und ich wollte nach Ansicht des Videos lediglich auf diesen Umstand aufmerksam machen. Dass jemand, der die Artikel selbst schreibt und diesbezüglich kommuniziert hat, die Umstände noch eher präsent hat als jemand, der ein Jahr später lediglich die Kommentarfunktion nochmal aus aktuellem Anlass dazu bemüht, ist doch auch kein Wunder?

    Kühles Bierchen trinken, dann kommt bei diesen Temperaturen auch der Hut wieder runter. Schönes Wochenende…

    – Carsten

  7. @Carsten Kurz:
    Sehe das angesprochene Problem bei der Reihenschaltung der LEDs nicht.
    Schwieriger scheint auf den ersten Blick die Parallelschaltung der einzelnen Filamentreihen zu sein. Aber bei ca. 30 LEDs in Serien braucht man gar nicht viel zu selektieren. Da hilft die Mathematik, Abteilung Statistik, genauer deren zentraler Grenzwertsatz. Und da braucht man die Einzelteile gar nicht so genau zu selektieren. Schön zu sehen an diesem Applet. Auch aus einer Glleichverteilung wird eine scharfe Gaussverteilung. Überhaupt: Alles wird Gauss. Einfach die „Sample size“ auf 30 setzen und eine beliebige Grundverteilung anklicken.

  8. Dass das Matching seriell/paralleler Diodenstrukturen nicht so trivial ist, sieht man sehr schön bei diesem Video.

    100W COB LED

    Man sieht auch bei einem Überlastungstest eines Filaments in einem anderen Video zunehmend einzelne Dots ausfallen, aber das Filament leuchtet weiter, was aber auf Dauer zum Ausfall weiterer LEDs führen wird.
    Filament-Überlastung
    (ab etwa 4:50)

    Bei den abwechselnd mit roten und blauen Dots durchsetzten Filamentstreifen würde das durch unterschiedliche LED-Technologie zwischen Blau und Rot ja noch verschärft. Aber offenbar kriegen die das irgendwie hin.

    Die Filament-Lampen werden vermutlich insgesamt sehr konservativ bezüglich der Ströme ausgelegt sein, was zum einen der Lebensdauer der Filamente zu Gute kommt, zum anderen aber eben auch der Effizienz, ist ja bekannt, dass LEDs bei niedrigeren Betriebsströmen höhere Energieeffizienz erreichen. Und u.a. auch dadurch in der Folge eben die A++ für das Leuchtmittel insgesamt. Dazu kein Kühlkörper nötig. Die Filamente sind also ziemlich überdimensioniert, und wie man an den Bauformen sieht werden höhere Wattagen nicht durch höhere Ströme, sondern mehr Filamentsegmente erreicht.

    Es gibt im Übrigen in der Tat rote Konversionsleuchtstoffe, die brauchte man ja schon früher für Farb-Fernsehröhren, Leuchtstoffröhren und Kompakt-ESLs.

    Deutsche Leuchtstoffforschung für weisse LEDs

    Katalog Leuchtstoffhersteller

    Mutmaßlich sind die Konversionsbeschichtungen moderner warm-weisser LEDs sogar grundsätzlich Mischungen verschiedener Leuchtstoffe, darunter eben auch explizit roter, sonst würde man eine so breitbandige Konvertierung für ein kontinuierliches Spektrum und auch die Steuerung verschiedener Farbtemperaturen gar nicht so hinkriegen. Das ist an der Stelle mehr Chemie als Halbleitertechnologie. Wenn man sich typische LED Spektren so anschaut, dann scheint der Wirkungsgrad der blau->orange/rot Konvertierung sogar mit Abstand am größten zu sein, wie würde man sonst die V-Lambda-bedingt nötigen hohen Anteile im roten Bereich des Spektrums warm-weisser LEDs überhaupt hinkriegen?

    Ein Hersteller dieser Filamentstreifen spricht allerdings selbst explizit von blauen und roten LEDs. Also wird das in Form aufgedampfter LEDs wohl irgendwie gehen, wobei der Konversionsüberzug dann eben gleichförmig über alle Dots geht.

    Herstellerseite Filament-Streifen (der Link ist gelegentlich tot, aber da liegen, wenn der Server antwortet interessante Infos zu den Filament-Streifen)

    – Carsten

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