LED-Tagebuch (KW 24): „Fadenlampen“ von Osram, Philips-Spots, Luxeon-Test

Immer wieder sonntags: Eine Wochen-Rückschau auf die Kurzmeldungen im „Blog-Telegramm“ und in der Google+-Community „LED-Beleuchtung“ – als LED-Tagebuch mit Updates und Ergänzungen.


LED-Fadenlampe-Detail07.06.: Einer der globalen Licht-„Supertanker“ nimmt mit der für diese Schiffsgattung üblichen Trägheit endlich Kurs auf die seit rund zwei Jahren sehr erfolgreiche LED-„Fadenlampen“– oder „Filament“-Technik (Beispielfoto rechts: W. Messer).

Wie mir Osram auf Anfrage bestätigte, sollen die ersten Modelle der Münchener zur nächsten „Lichtsaison“ auf den Markt kommen (also Spätsommer/Herbst) – zusammen mit einem umfassend erneuerten LED-Retrofit-Sortiment. Leistungsdaten oder Preise wurden mir noch nicht genannt.

In den mit einem Kühlgas gefüllten, besonders rund strahlenden „Fadenlampen“ wird eine Vielzahl von sehr kleinen “Chip on Board” (CoB)-LEDs wie auf Perlenschnüren vertikal aufgereiht und imitiert so ansatzweise die Glühfaden-Technik traditioneller Lampen. Diese zwei bis sechs „Chip-on-Cord“ (CoC)-Ketten bilden als Widerstände und Dioden auch einen großen Teil der Vorschaltelektronik, deren weitere Komponenten deshalb sehr kompakt im Schraubsockel einer E27- oder E14-Lampe versteckt werden können.

Die grundlegenden Erfindungen dazu stammen von Forschern aus der Volksrepublik China und Taiwan; derzeit gibt’s aber teils noch heftige Lizenz- oder Patent-Diskussionen unter verschiedenen Herstellern und Anbietern.


Philips-Master-LEDspot:Value-Seite09.06.: Jetzt gibt es – nach langer Wartezeit – auch von Philips besonders farbtreue GU10-LED-Spots im Retrofit-Format mit 5 cm Durchmesser und 5,7 cm Gesamtlänge. Die rund ein Dutzend neuen „Master LEDspot“-Modelle (im PR-Foto links) sind dimmbar, haben Farbwiedergabeindex Ra 90, 250 bis 392 Lumen Nennlichtstrom, 2700, 3000 oder 4000 Kelvin Farbtemperatur, 25 oder 40 Grad Halbwertswinkel, ziehen 4 bzw. 5,4 Watt und glänzen mit einer Nennlebensdauer von 50.000 Leuchtstunden und Schaltzyklen. Erhältlich sind sie teils schon zu Preisen zwischen rund 11 und 13 Euro. Die bisherigen Ra-90-GU10-Profi-Strahler von Philips waren erheblich teurer und fast 8 cm lang.

Zwischen gut 3 und 4 Euro billiger sowie ca. 20% effizienter als die „Master LEDspot“ sind die zwölf neuen, ebenfalls dimmbaren „Master LEDspot Value“-Varianten (im Bild oben rechts). Sie wurden mit Ra 80 nicht farbtreuer als die Vorgänger, jedoch mit nur 3,5 und 4,3 Watt bei 260 bis 390 lm deutlich sparsamer (EU-Ökolabel A++) und mit nominell 35.000 Leuchtstunden und 50.000 Schaltzyklen auch langlebiger. Eine kompakte Übersicht des aktuellen Philips-LED-Retrofit-Sortiments finden Sie hier als pdf-Download.


Osram-Lunis-2-Track-klein10.06.: Bis zum Herbst sollen alle städtischen Museen im südbadischen Freiburg laut Medienberichten auf farbtreue LED-Beleuchtung umgerüstet sein. Besonders aufwendig wird das im „Museum für Neue Kunst“, wo komplett neue Lichtsysteme eingebaut werden müssen – beispielsweise Stromschienen für bewegliche LED-Strahler (das PR-Foto oben zeigt einen Osram/Siteco-„Lunis 2 Track“, wie er bereits in Museen eingesetzt wird). In anderen Häusern genügt dagegen der LED-Retrofit-Austausch in vorhandenen Leuchten.

Insgesamt kostet die Aktion rund 650.000 Euro, von denen die Stadt zwar den Löwenanteil trägt, jedoch 20 bis 40% Bundeszuschüsse erhielt bzw. noch bekommen wird. Im Gegenzug rechnet das Freiburger Gebäudemanagement – unter anderem dank Präsenzmelder-Lichtsteuerung – mit bis zu 90% Stromeinsparung; das wären 150.000 kWh pro Jahr. Außerdem würden die Exponate schonender beleuchtet, weil die LED-Technik geringere UV- und Wärmeabstrahlung verursache als herkömmliches Glühlampen- bzw. Halogenlicht.


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11.06.: Für einen geplanten Blogbeitrag habe ich mal wieder eine Umfrage bei Google+ gestartet. Es geht um die Akzeptanz von „Smart Home“- bzw. „Smart Lighting“-Systemen. Bitte alle mitmachen – dankeschön!


Philips-Mini-Luma11.06.: Wie man bei der LED-Umstellung von Straßenleuchten ins Klo greifen kann, wird derzeit eindrucksvoll in Oberhausen demonstriert. Dort rüstet man laut Medienberichten seit Jahresbeginn für über 2,8 Millionen Euro 8800 Laternen mit „MiniLuma“-Köpfen von Philips aus (PR-Foto). Da sie jedoch deutlich fokussierter strahlen als die bisherigen Quecksilberdampf-„Pilzleuchten“ (HQL), bleibt es nun zwischen weiter auseinander liegenden Lichtmasten viel zu dunkel. Kein Fehler von Philips: Offenbar missachteten die mit der Umrüstung beauftragte Firma und die kommunalen „Experten“ die physikalischen Zusammenhänge zwischen Lichtstrom (Lumen), Lichtpunkthöhe, Abstrahlwinkel und Beleuchtungsstärke (Lux).

So empfiehlt Philips je nach „Luma“-Modell eine Montagehöhe zwischen 6 und 18 Meter; in Oberhausen sind es meist nur 4 m – mit entsprechend kleinerem Lichtkegel. Mögliche Abhilfe: Breitere Lichtstreuung durch geänderte Vorsatz-Optik. An der theoretisch möglichen Gesamthelligkeit würde es jedenfalls nicht hapern: Die „MiniLuma“-Leuchtköpfe holen je nach Konfiguration bis zu 11.100 Lumen aus 90 Watt – das entspricht etwa dem Lichtstrom von zehn herkömmlichen 75-W-Glühlampen. In Oberhausen wurden bisher allerdings nur 15 Watt starke Varianten mit 1500 lm montiert.


Lumileds-LUXEON-3535L12.06.: Eine extrem lange Lebensdauer bescheinigt „Lumileds“ seiner „Mid Power“-LED „Luxeon 3535L(PR-Foto). Nach 10.000 Teststunden mit 55, 85 und 105 Grad Betriebstemperatur sowie 200 Milliampère Stromversorgung habe man den Restlichtstrom nach 60.000 Stunden auf mindestens 90% des Ausgangswerts extrapoliert. Das entspreche einer Nennlebensdauer von mindestens 13 Jahren bei einer täglichen Nutzung von zwölf Stunden und sei als „Meilenstein“ einzustufen.

Der getestete SMD-LED-Typ empfiehlt sich als preisgünstiges, variantenreiches und robustes Mittelklasse-„Arbeitspferd“ für zahlreiche Lampen- und Leuchtenmodelle – auch im anspruchsvollen Gewerbebereich. „Lumileds“ war bisher eine 100prozentige Philips-LED-Komponenten-Tochter, integriert jetzt aber auch die Philips-„Automotive Lighting“-Sparte und gehört künftig zu 80,1% dem chinesischen Investment-Fonds „GO Scale Capital“ (siehe dort die Meldung vom 01.04.).


12.06.: Jetzt sind offensichtlich auch die Arbeitnehmervertreter im Osram-Aufsichtsrat mit der Verselbstständigung des „Lampengeschäfts für Allgemeinbeleuchtung“ einverstanden. Laut einer Unternehmensmitteilung von heute stimmte das Kontrollgremium „nach einem intensiven Dialog mit dem Management“ den Plänen des Vorstands zu.

Chef der neuen Einheit wird jes-munk-hansenJes Munk Hansen (PR-Foto). Er war bisher Geschäftsführer der Osram-Region „Americas“ und seit Januar 2015 zusätzlich Leiter des Geschäftsbereichs „Classic Lamps & Ballasts“ (CLB), der in die künftige Firmenkonstruktion integriert wird.

Details über die voraussichtlichen Auswirkungen der Abspaltung auf die Arbeitsplätze und Produktionsstandorte teilte Vorstandschef Olaf Berlien noch nicht mit. Sie betrifft global immerhin über 12.000 Mitarbeiter und rund 40% des aktuellen Osram-Geschäfts – vor allem das mit traditionellen Leuchtmitteln wie Glüh-, Halogen- und Kompaktleuchtstofflampen, aber auch mit einfachen LED-Retrofits ohne Konnektivität.

Nach Angaben des Vize-Aufsichtsratschefs und Gewerkschaftlers Michael Knuth sei in Abstimmung mit dem Vorstand ein „Eckpunktepapier“ mit einem „sozialen Rahmen“ geschrieben worden: „Damit haben wir eine sinnvolle und faire Grundlage aus Arbeitnehmersicht geschaffen, die es nun gilt weiter auszugestalten“, erklärte er laut Agenturberichten. Beispielsweise habe man sich darauf geeinigt, die Osram-Regeln zu Gehältern und Löhnen sowie bestehende Betriebsvereinbarungen zu behalten und die Tarifbindung auch für das neue Unternehmen gelten zu lassen.


13.06.: Innerhalb Dortmunds umgezogen ist mein Blog-Werbepartner Sebson. Sebson-Logo-kleinSeit Mai werden die LED-Lampen und -Leuchten aus der Gernotstraße versendet, wo ein größeres Lager zur Verfügung steht als bisher. Inhaber Sebastian Sonntag teilte mir auf Anfrage mit, dass sich Sebson künftig verstärkt den integrierten LED-Leuchten widmen wolle und diese „etwas sperriger“ als die Retrofit-Leuchtmittel seien.


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