Philips-Lumileds: Zurück in die Zukunft (Update)

In etwa einem Jahr sollen Philips-Lumileds (LED-Komponenten) und die Philips-Autolicht-Sparte in einem neuen Unternehmen vereint sein. Für die Kunden wird sich dennoch wenig ändern.

Rondolat-Lesaicherre
Die Philips-Licht-Chefs: Eric Rondolat von „Philips Lighting“ und Pierre-Yves Lesaicherre von „Lumileds“ (rechts oben). Er soll auch das fusionierte LED-Komponenten-/Autolicht-Unternehmen führen. (Fotos: W. Messer/Philips-PR)

Schon im Januar konnten Sie hier lesen, dass 2014 ein Schlüsseljahr für den LED-Markt wird. Und im Mai wagte ich die naheliegegende Prophezeiung, dass bei stetig fallenden Preisen und Renditen auf Dauer nur größere, leistungsfähigere Einheiten überleben können. Das gilt nicht nur für Online-LED-Shops und Importeure, sondern im globalen Maßstab auch für die Hersteller.

FransvanHouten-kleinOsram reagierte bereits im Frühjahr auf die Herausforderung: Mit einer Spaltung des Unternehmensteil “Lamps & Components” in die Bereiche “Traditional” und “SSL” (Solid State Lighting), um künftig das Feld des Halbleiterlichts konzentrierter beackern zu können. Im April sprach Philips-Chef Frans van Houten (Bild rechts) von einem „herausfordernden Jahr 2014“ für die Nummer eins des weltweiten Lichtmarkts.

Kenner wissen, dass der knallharte Sanierer damit nicht sagen wollte: „Ich lass‘ das jetzt mal auf uns zukommen und lege die Hände in den Schoß“. Und tatsächlich: Schon Ende Juni teilten die Niederländer ziemlich überraschend mit, sie wollten innerhalb eines Jahres die „Philips Lighting“-Unternehmensteile „Lumileds“ und „Automotive“ in eine neue, eigenständige Gesellschaft zusammmenführen.

Wie mir die Philips-Presseabteilung Anfang Juli auf Nachfrage mitteilte, gibt es derzeit noch keine Entscheidung über den Namen des zukünftigen Unternehmens. Sie werde während einer Übergangszeit fallen, „wenn ein zentrales Team daran arbeiten wird, die Geschäftstätigkeiten zu vereinen und Prozesse/Verfahren usw. für das neue Unternehmen zu entwerfen“. Die bisher zu „Lumileds“ und „Philips Automotive“ gehörenden weltweiten Produktionsstätten sollen Teil der Neugründung werden – andere Standorte seien davon nicht betroffen.

Philips sucht neue Investoren

Die beiden Sparten für LED-Komponenten und Kfz-Beleuchtung haben 2013 laut offiziellem Jahresbericht zusammen rund 1,25 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Das waren etwa 15% des gesamten Philips-Licht-Umsatzes von gut 8,4 Milliarden. Die erwarteten Kosten von rund 30 Millionen Euro für die Umstrukturierung sind da nur ein Klacks. Geschäftsführer der künftigen Firma soll der bisherige „Lumileds“-Chef Pierre-Yves Lesaicherre werden. Philips will zwar Anteilseigner und Großkunde bleiben, sucht aber neue Investoren, um die Belastungen und Risiken auf mehrere Schultern zu verteilen.

Meine Frage, ob ein Börsengang geplant ist, konnte nicht konkret beantwortet werden:

„Philips untersucht strategische Möglichkeiten, um Kapital durch Drittfinanzierung zu beschaffen. Der strategische Überprüfungsprozess ist fortlaufend und zu diesem Zeitpunkt kann lediglich gesagt werden, dass wir optimale Geschäftsbedingungen für Philips und das neue, eigenständige Unternehmen suchen.“

Eigenwerbung Juni 2014

So ähnlich war das bereits im November 1999. Damals wurde „LumiLeds Lighting B. V“ als US-Halbleiterlicht-Spezialist und 50/50-Joint Venture von „Philips Lighting“ und „Agilent Technologies“ gegründet. Bis Januar 2007 übernahmen die Niederländer immer größere Unternehmensanteile, um seither Alleineigentümer der Sparte zu sein. Nun heißt es also: „Kommando zurück!“ Jeder mit genug Geld und LED-Marktfantasie darf ins Boot – natürlich auch aus Europa und Fernost, wo zahlreiche Lizenznehmer von Philips-Patenten zuhause sind und wöchentlich neue hinzu kommen.

Details über den verbleibenden Philips-Anteil konnte man mir noch nicht mitteilen, weil das Gegenstand von künftigen „Verhandlungen mit einem noch zu findenden Partner“ sein werde. Zunächst schaffe man ein eigenständiges Unternehmen innerhalb der Firmengruppe, das bilanztechnisch wie bisher unter „Philips Lighting“ konsolidiert werde. In jedem Fall solle auch später die bestehende Zusammenarbeit bei Forschung und Entwicklung fortgeführt werden.

Philips-LED-Lampen wird’s weiterhin geben

Philips selbst bleibt weiter im Geschäft für gewerblich und privat genutzte Lampen und Leuchten, vernetzte Lichtsysteme und damit verbundene Service-Leistungen. Laut Philips-Angaben sind die Bereiche „Consumer und Professional Lighting“ und damit der weitaus größte Teil des Lichtgeschäfts von der geplanten Fusion nicht betroffen. Auch die OLED-Tochterfirma „Lumiblade“ bleibt außen vor, obwohl es inzwischen auch im Kfz-Bereich Einsatzmöglichkeiten für organische Leuchtdioden gibt.

Sie werden also auch nach 2015 beispielsweise LED-Retrofits der Marke Philips finden, in denen großteils (aber nicht ausschließlich) Module und Chips von „Lumileds“ leuchten. Gleiches gilt für öffentliche oder kommerzielle Großprojekte, die weiterhin unter dem „Philips Lighting“-Label laufen, wie dieses aktuelle in Sachsen:

Luminous textile Panel Dresden
Zweimal 37 Quadratmeter misst die laut Pressemitteilung „weltgrößte Luminous-Textile-Installation“ mit digital steuerbaren Philips-RGB-LEDs und der „Soft Cells“-Technologie von Kvadrat aus Dänemark. Zu sehen sind die zwei Riesen-Paneele (das Foto zeigt nur eines davon) seit diesem Sommer über den beiden Eingängen der Dresdener „Centrum Galerie“.

Für die Kunden ändert sich oberflächlich zwar wenig durch die neue Struktur. Sie könnten allerdings von Synergie- und Einspareffekten profitieren – vermutlich vor allem im „Automotive“-Bereich, wo LEDs in absehbarer Zeit die vorherrschende Beleuchtungstechnik sein werden. Die Philips-Unternehmenskommunikation erklärte mir dazu:

„Wir werden unsere Lampen- und Mobility-Produkte für den Ersatzteilmarkt weiterhin unter der Marke Philips vertreiben. Was den OEM-Markt betrifft, so wird es ebenfalls ein langfristiges Engagement vonseiten Philips‘ geben. … Durch eine engere Verbindung von Philips Automotive und Lumileds können Automotive-Kunden zukünftig stärker von einer vollständig integrierten Forschung und Entwicklung sowie Lieferkette profitieren, die ihnen optimal bei der Umstellung auf LED-Technologie zugute kommt.“

Konzentration auf drei Sparten

Schon lange hat Philips-Lumileds auch LED-Module für den Kfz-Markt geliefert und sich ein Know-how erarbeitet, mit dem ältere, traditionelle Philips-Zulieferer nicht mithalten können. (Halogen-)Glühlampen dürften mittelfristig aus den Autos, Motorrädern und Lkw verschwinden, Standortschließungen und -konzentrationen waren und sind die Folge.

Die Fokussierung auf vermutlich gewinnbringende Zukunftstechnologien steht ohnehin auf der Philips-Agenda. Gerade erst wurde die Unterhaltungselektronik-Sparte – zwischenzeitlich als „WOOX Innovations“ ausgelagert – an den US-Instrumentenbauer und Audio-Spezialisten Gibson Brands verkauft. Neue Akquisitionen gibt’s nur noch in verbleibenden Sparten „Lighting“, „Healthcare“ (Gesundheit, Medizintechnik) und „Consumer Lifestyle“ (Körperpflege, Haushaltsgeräte), mit jeweils prognostizierten zweistelligen Wachstumsraten bis 2016.

Und wie reagiert Konkurrent Osram?

Der direkte Licht-Konkurrent Osram, mit rund 5,3 Milliarden Euro Jahresumsatz weltweit die Nummer zwei dieses Marktes, war selbst Teil eines solchen Konzentrationsprozesses. Bis zum Börsengang im Juli 2013 gehörten die Münchener zum Siemens-Konzern, der seine Geschäftsfelder ebenfalls reduzieren und renditestärker sortieren wollte. Die neu entstandene „Osram Licht AG“ hat auch ein paar kleinere Probleme mit seiner Restrukturierung in Folge der Entwicklung des LED-Marktes. Und: Es gibt eine eigene Komponenten-Sparte namens „Opto Semiconductors“ (OS).

Dazu kommen noch die 100prozentigen Tochterfirmen „Traxon Technologies“, „Radium“ und „Siteco“, die sich auf gewerblich/öffentliche Großkunden konzentrieren, sowie der US-Ableger „Osram Sylvania“. Für Autolampen ist die Sparte „Specialty Lighting“ (SP) zuständig – in diesem Segment ist Osram Weltmarktführer. Theoretisch könnten die Münchener also durchaus mit eigenen Fusionen und (teils schon erfolgten) Neuordnungen auf die Philips-Pläne reagieren.

Update 7.7.: Ich habe den Beitrag jetzt mit zusätzlichen Infos aus der Beantwortung eines Fragenkatalogs ergänzt, den ich vergangene Woche an Philips geschickt hatte.

Mehr zum Thema:

LED-Tagebuch (KW 39): … Philips-Spaltung …

Leuchtende Zukunft? Wie LED-Anbieter überleben können

Was 2014 auf dem LED-Markt passiert

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Ein Gedanke zu „Philips-Lumileds: Zurück in die Zukunft (Update)

  1. Wenig Info über den „kleinen Schichtarbeiter“, welcher schon jahrelang für das Unternehmen Philips tätig ist/war!

Kommentare sind geschlossen.