LED-Lampen: Auch Plagiate können legal sein (Update)

LED-Lampen der Firma „Paulmann“ und 199 weiterer Lizenznehmer können Technik enthalten, die auch in Philips-Lampen steckt; in mindestens einer Philips-Lampe arbeitet dagegen ein LED-Modul, das von Zumtobel/LEDON im östereichischen Jennersdorf produziert wurde; Module des US-Unternehmens „Cree“ leuchten gefühlt in jedem zweiten Fabrikat auf dem mitteleuropäischen Markt, unter anderem auch bei „LED’s change the world“ (im Folgenden als „LCTW“ abgekürzt), das seine Spot-Modelle als „baugleich mit u. a. den LEDON-Produkten“ bezeichnet; auf zahlreichen LED-Leuchtmitteln sind Namen von Firmen zu lesen, die nichts mit deren Produktion zu tun hatten – das alles katapultiert zwar die fachlich unbeleckte Kundschaft in fortgeschrittene Stadien der Verwirrung, ist aber meistens völlig legal.

LCTW/LEDON-GU10-Spots

Diesen Monat sorgten die Mitteilungen von LEDON und LCTW zu ihren nicht nur optisch sehr ähnlichen LED-Spots (links LCTW, rechts LEDON, Foto: W. Messer) für ein wenig Wirbel in den Kommentaren dieses Blogs. Während LEDON-Marketing-Chef Erik Nielsen unter anderem erklärte:

… wir unterhalten keinerlei geschäftliche Beziehung zu diesem Anbieter. Somit sind es auch keine LEDON Spots, die über diesen Kanal angeboten werden. Was wir sagen können ist, dass die Spots von außen unseren ähneln, was daran liegen kann, dass wir noch kein Designpatent auf einige unserer Produkte haben. Mehr kann ich über die angebotenen Spots aber nicht sagen, da es nicht unsere sind.

… überraschte mich LCTW-Geschäftsführer Hans-Georg Kucharski mit dieser Auskunft:

Unsere GU10 und GU5.3 sind baugleich mit u.a. den LEDON-Produkten. Sie werden diese, und andere baugleiche Produkte, im Internet finden. Nur, immer – zumindest nach unseren Recherchen – zu höheren Preisen. Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass wir preiswert sind, da wir Händlermargen ausschließen, extrem schlank aufgestellt sind und auch keine großen Investitionen in den Aufbau einer Marke investieren. Keine Kataloge, keine Messen und nur sehr eingeschränkt Werbung.

Wir setzen auf die Mundpropaganda zufriedener Kunden. Das dauert sicherlich länger als mit großem Marketingwirbel. Aber, kostet eben auch viel weniger.

Unser Antrieb ist, LED-Leuchtmittel höchster Qualität endlich erschwinglich zu machen. Die – aus unserer Sicht – übertriebenen Margen vieler beteiligter Unternehmen sind uns schon länger ein Dorn im Auge. Die Konkurrenz wird uns nicht mögen. Nur, damit werden wir umgehen können.

Diese Aussagen lösten beim damit konfrontierten LEDON-Marketing keine Aufregung aus. In einem Telefoninterview betonte Erik Nielsen, dass sein Unternehmen nichts gegen das LCTW-Angebot habe:

Es interessiert uns nicht besonders und stört uns auch nicht weiter. Marken-, Design- oder Patentrechte werden dadurch nicht verletzt. Wir verstehen allerdings sehr gut, dass Kunden dadurch verwirrt werden könnten.

Um das zu vermeiden, werde die Produktlinie aktuell auf die neue „Wellendesign“-Linie umgestellt, die dann auch rechtlich geschützt sei. Für die elektronischen Innereien sei das aber kaum möglich, weil die einzelnen Komponenten und LED-Module weltweit in einer Vielzahl von Lampen und Leuchten verschiedener Hersteller eingesetzt würden, so wie es auch mit Bauteilen in der Unterhaltungselektronik üblich sei. Hier wolle man sich durch umfassende Produktprüfungen und Zertifizierungen von der billigeren Konkurrenz abheben. Außerdem habe LEDON einen guten Ruf bei der Abwicklung von Retouren.

Selbstverständlich seien ohne die üblichen Handelsmargen weitaus günstigere Preise möglich. Bei Sonderaktionen, die man bisher mit Energieversorgern durchgeführt habe, hätten LEDON-Lampen in großer Stückzahl rund 40 Prozent billiger angeboten werden können als im normalen Einzelverkauf.

Das Vorpreschen einzelner Hersteller bei der Garantiezeit für LED-Produkte (Philips bietet neuerdings drei bis fünf Jahre) sieht man bei LEDON skeptisch. Erik Nielsen:

Wir haben zwei Jahre Garantie mit der Möglichkeit einer für Privatkunden kostenlosen Verlängerung auf drei Jahre über unseren LEDON-Club. Mehr ist bei diesem schnelllebigen Geschäft und den uns meist unbekannten Einsatzbedingungen der Produkte nicht vernünftig.

Es könne durchaus sein, dass eine LED-Lampe in einer Sauna weniger als zwei Jahre durchhalte, weil sie durch die Hitze extrem belastet werde und vorzeitig altere. Technisch bedingt könne sie dagegen in einem Kühlraum mit Temperaturen um den Gefrierpunkt zehnmal so lange leuchten. LEDON garantiert unter Normalbedingungen mindestens 25.000 Brennstunden, bis die Anfangshelligkeit auf rund 70% abgesunken ist. Selbst bei Dauerbetrieb wären das knapp drei Jahre, also etwa der Zeitraum der verlängerten Garantie.

Bei Defekten und Retouren ermögliche der gedruckte Code auf jeder Lampe die genaue Ermittlung des Produktionsdatums. So könnten das Alter und der entsprechende prüfende Rückblick auf den damaligen Fertigungsprozess zur Qualitätssicherung beitragen.

Auch die Anfang 2011 im bayerischen Feldkirchen-Westerham (Ortsteil Vagen) gegründete „LED’s change the world“ GmbH setzt auf das Qualitätsversprechen: Man beziehe die Produkte ohne Zwischenhändler direkt von einem Hersteller in China, sie seien durchweg GS- und TÜV-zertifiziert und man gewähre eine fünfjährige Garantie. Die Lampen hätten eine angenehme Farbtemperatur von echten 2725 Kelvin (mit einer Schwankungsbreite von rund 145 K nach oben und unten) und lieferten einen guten Farbwiedergabeindex von über RA 80.

Soweit die Theorie – in ein paar Tagen geht’s an die Praxis. LEDON-Spots habe ich ja bereits mehrfach getestet und seither auch teils im Praxiseinsatz, LCTW schickt mir diese Woche die ersten Lampen zum Test (übrigens auch einen dimmbaren 7-Watt-GU10-Spot, der bisher nur an gewerbliche Kunden geliefert wurde und noch nicht im Online-Shop erhältlich ist). Dann wird aufgeschraubt, ‚reingeguckt, fotografiert, wieder zusammengebaut, in die Fassungen gesteckt, getestet und verglichen, bis der Arzt kommt. Könnte spannend werden.

Update: Es ist vollbracht, der Test ist online.

Diesen Beitrag drucken

Beitrag teilen:
Facebooktwittergoogle_pluslinkedinmailFacebooktwittergoogle_pluslinkedinmail
Folge mir bei ...
twittergoogle_plusyoutubetwittergoogle_plusyoutube

8 Gedanken zu „LED-Lampen: Auch Plagiate können legal sein (Update)

  1. @ Wolfgang:
    Zu deinem bzw. von Ledon genannten Beispiel mit der evtl. eingeschränkten LED-Haltbarkeit in einer Sauna, muss man aber noch erwähnen, dass für die Philips MasterLEDs (also jene mit den 3 bis 5 Jahren Garantie) genaue Umgebungs- und Temperaturanweisungen vorgegeben werden.
    Im Garantiefall verlangt Philips ebenfalls die Einsendung der LED.

    Kann es sein, dass da von Ledon was falsch weitergegeben wurde? Wenn man zum (kostenlosen) Ledon-Club dazugeht, bekommt man 3 Jahre Garantie, also keine kostenpflichtige Garantieverlängerung laut Ledon-Onlineshop…?!

    Auf die Tests bin ich auch sehr gespannt, klar! 😉

  2. @Johannes: Danke für den Hinweis, war mein Fehler bei der Übertragung der Gesprächsnotizen. Ich habe das mit dem Club jetzt mit Link korrigiert.

  3. @ Wolfgang:
    Habe mich mal im ‚Archiv‘ umgesehen, da ist mir folgendes aufgefallen.
    Die von dir gezeigten Osram Superstar auf dem Bild:
    http://fastvoice.net/2012/03/07/led-helligkeit-lumen-sagen-nur-die-halbe-wahrheit/
    werden ja mit 35° Abstrahlwinkel angegeben, wobei mir dies im Vergleich zu 35° Osram Halogenspots bei den LEDs eher ein kleinerer Winkel scheint, was ein ELV-Rezensent bei den Superstar ebenfalls meint. Würde dasselbe dann auch für die Ledon 35° Spots gelten, diese sind im Grunde dieselbe Bauweise?
    Von daher finde ich es schade, dass keine Philips Test-GU10 zu bekommen sind, diese nutzen meist die Reflektortechnik wie bei Halos (bei den neuen Modellen noch mehr, diese Technik mit 3-4 LEDs drin scheint dort bei vielen Modellen schon wieder out zu sein – evtl. auch ein Vorteil hinsichtlich Temperaturentwicklung?)
    Könnte hinsichtlich der Lichtverteilung ein Reflektor gegenüber diesen LED-Linsen à la Osram, Ledon,… im Vorteil sein? Vor allem auch in Bezug auf Wohnraum, wo ja eher Lichtstreuung anstatt Blendung gefragt ist – bei gewünschtem Arbeitslicht würde sich das Ganze dann wieder umkehren, klar.

  4. LED-Spots haben nicht unbedingt einen kleineren Abstrahlwinkel als Halos, aber eine schärfere Hell-Dunkel-Grenze mit weniger Streulicht. Deshalb sieht das etwas enger aus. Gilt sowohl für die Osram- als auch für die LEDON-Spots – die 35-Grad-Versionen sind bei der Abstrahlcharakteristik weitgehend identisch.

    Ich habe von Philips nur zwei Ledino-Spotbalken (ohne Reflektoren), zu den Spots kann ich nichts sagen. Prinzipiell schlucken Reflektoren halt einen Teil des Lichtstroms, kommen aber eventuell der Abstrahlcharakteristik eines Halo-Spots näher (mehr Streulicht). Ich nehme allerdings nicht an, dass die Anzahl der LED-Module einen nennenswerten Einfluss auf den Temperaturhaushalt hat – die größte Hitze kommt ja meistens von der Vorschaltelektronik. Da dürfte es ziemlich egal sein, ob 3 LED-Module à 2 Watt oder eines mit 6 Watt drin sind.

  5. Nachtrag @Johannes: Es tut sich was. Die Philips-Presse folgt mir jetzt auf Twitter und hat auch schon mal in dieses Blog geguckt – mal sehen, was daraus wird 😉
    Im Übrigen habe ich ja jetzt einen dieser neuen Philips-Spots selbst gekauft und auch schon ein wenig unter die Lupe genommen. Dieses dort angewandte „teils Linse/Streuscheibe/teils Reflektor“-Prinzip mit nur einem erhöht über der Trägerplatte angebrachten LED-Modul hat tatsächlich gewisse Vorteile, siehe das aktuell nachgereichte Leuchtbild etwas weiter unten in diesem Beitrag:
    http://fastvoice.net/2012/05/27/edeka-uberrascht-mit-philips-led-neuheiten/

  6. @ Wolfgang:
    Besten Dank für Deine Bemühungen, freut mich sehr, dass sich was tut.
    Habe mit Philips im Kundenservice (über Kontaktformular) nur gute Erfahrungen: Kürzlich habe ich mich mal über die Garantieabwicklung genauer erkundigt, da bekam ich tags darauf die Antwort, und ein paar Tage später kam nochmal ein Mail mit der Frage, ob ich mit der Antwort zufrieden war (!) – selten erlebt sowas. Was da ein amazon-Rezensent schrieb mit schlechtem Kundenservice bei Philips, ich kann’s nicht nachvollziehen.
    Natürlich auch nichts gegen Osram und Ledon, zumal ich ja aus Vorarlberg komme…
    Wäre natürlich super, wenn Philips ebenfalls ein Testpaket senden würde.
    Scheint so, als würden die Hersteller langsam erkennen, dass durch Blogs, Foren usw. durchaus Kundeninteresse geweckt werden kann 😉

Kommentare sind geschlossen.