LED-Lampen aus Hessen: „Carus“ startete heute die Produktion (Update)

Seit heute gibt es einen neuen LED-Lampenhersteller in Deutschland: Die Firma „Carus“ eröffnete ihre erste Fertigungslinie im Werk Fronhausen, in dem anfangs vier Retrofit-Modelle mit E27- und E14-Schraubfassungen produziert werden.
Carus-E27-E14
Zwei der vier ersten „Carus“-LED-Lampen: Eine klare E27-„Birne“ und ein E14-„Tropfen“ mit matter Haube. (Fotos: Carus-PR)

Carus-LogoLED-Lampen „made in Germany“ sind und bleiben wohl eine Seltenheit. Es gibt aber ab diesem Herbst ein paar mehr davon als bisher. Osram startet im Oktober eine Montagelinie im bayerischen Eichstätt, „Carus“ legte im hessischen Fronhausen schon heute vormittag offiziell los. Die Firma (rechts ihr Logo, dort die Facebook-Seite) ist eine Neugründung an der Seite des Marburger Unternehmens Seidel – einem der Weltmarktführer für Designprodukte aus Aluminium und Kunststoff. In den 184 Jahren des Bestehens wurde Seidel allmählich zu einem der sagenumwobenen „Hidden Champions“ in Deutschland.

Carus-Halle Fronhausen
Im neuen Werk Fronhausen (Mittelhessen) der Schwesterfirma Seidel produziert „Carus“ seit heute offiziell LED-Lampen – weitgehend automatisiert.

Dr. Andreas RitzenhoffInhaber und Chef beider Firmen ist Dr. Andreas Ritzenhoff (PR-Bild links), der für die neue LED-Lampenproduktion einige nahe liegende Synergieeffekte nutzen kann. Er habe schon beim Besuch der Fachmesse „Light + Building“ 2012 gesehen, dass die ausgestellten Leuchtmittel noch „große Reserven in Sachen Materialeffizienz“ böten: „Ich hatte schnell die Vermutung, dass eine intelligente Entwicklung höhere Qualität mit weniger Materialeinsatz liefern könnte.“

Den Beweis will er nach zwei Jahren Forschungs-, Entwicklungsarbeit und intensiver Gespräche mit Zulieferern in der Praxis antreten. Die „Carus“-Lampen mit dem Claim „Besseres Licht“ sollen knapp 60% weniger wiegen als marktübliche LED-Retrofits und besonders preisgünstig sein. Das Bundesumweltministerium förderte deshalb die neu gebaute, ca. 15 Millionen Euro teure Fertigung und Logistik mit 5 Millionen aus dem Programm „Materialeffizienz in der Produktion“.

Dreimal dürfen Sie raten, aus was die „Carus“-LED-Lampengehäuse hauptsächlich bestehen. Richtig! „Tiefgezogenes“ (kalt gepresstes) Aluminium und thermoleitfähiger Kunststoff – gibt’s ja alles schon unter dem Seidel-Dach und muss nicht umweltschädlich weit transportiert werden. Die Materialien wurden möglichst dünnwandig gehalten – ohne Stabilitätseinbußen. Gespart wird ebenso beim Einsatz von Kupfer, Lötzinn und Klebstoff.

Carus LED Lampen
Klares, materialsparendes Design: Die E27-LED-Lampen von „Carus“ haben Retrofit-Maße und wiegen nur rund 81 Gramm.

Auch unter der Haube ist Effizienz gefragt. Schon die ersten vier Modelle sollen das EU-Ökolabel A+ tragen, sind dimmbar, haben eine „warm-weiße“ Farbtemperatur von 2700 Kelvin, einen Farbwiedergabeindex von über Ra 87, einen sehr runden Abstrahlwinkel von 240 Grad und eine Nennlebensdauer von 25.000 Leuchtstunden sowie 25.000 Schaltzyklen. Die Lampen sind maximal 10,8 cm lang und 6 cm breit und mit E27- oder E14-Schraubsockeln lieferbar. Wählen können Sie Varianten mit rund 6 Watt und 400 Lumen Lichtstrom bzw. ca. 8 W und 600 lm, sowie mit klarer oder matter Haube.

AHR-Carus-IKEAlle Modelle haben nach „Carus“-Angaben eine automatische Dimmfunktion, die die Helligkeit der LEDs bei Überhitzungsgefahr „kaum wahrnehmbar“ reduziert und dadurch für eine „extrem lange Lebensdauer“ sorgen soll. Unverbindliche Preisempfehlungen liegen mir leider noch nicht vor (siehe Update 07.12.).

In einem TV-Bericht des Hessischen Rundfunks über die offizielle Eröffnung der Produktion wurde am Abend erwähnt, dass IKEA bereits zu den Kunden von „Carus“ gehöre. Die gezeigte Lampe aus der Fertigungslinie (Mediathek-Screenshot rechts) gehört noch nicht zum aktuellen „Ledare“-Sortiment, wird aber laut Medienberichten bald dort auftauchen und zwischen 4 und 5 Euro kosten. Bis Ende des Jahres sollen in Fronhausen insgesamt rund drei Millionen LED-Lampen produziert werden – 2015 sind über 20 Millionen Stück geplant.

Die Modellpalette „made in Germany“ dürfte bereits im nächsten Jahr deutlich erweitert werden – auch integrierte LED-Leuchten könnten irgendwann mal aus Mittelhessen kommen. Der Anfang wurde jedenfalls heute schon gemacht.

Update 16.10.: Meine Bitte um Testlampen blieb bis heute leider erfolglos, obwohl sie mir eigentlich bereits im September zugesagt worden waren.

Update 07.12.: Ein Blogleser hat mich darauf hingewiesen, dass im „Carus“-Online-Shop inzwischen zwei der hier vorgestellten, dimmbaren E27-LED-Retrofits gelistet, allerdings derzeit „nicht auf Lager“ sind: Die matte 400-Lumen-„Birne“ für 5 Euro und die klare 600-lm-Variante für 7 €. Dazu kämen dann noch 5,90 € Versandkosten pro Sendung.

Update 11.12.: Diese Woche hat die Mutterfirma Seidel einen Werksverkauf direkt neben der Pforte des neuen Produktionsgeländes in Fronhausen eröffnet. Dort gibt es die „Carus“-Retrofits offenbar, wenn man dem gestellten (Werbe-)Foto im Beitrag der „Oberhessischen Presse“ glauben kann.

Update 13.12.: Jetzt sind die beiden Lampen auch im „Carus“-Webshop erhältlich – dann komme ich wohl hoffentlich auf diesem Weg zu meinen Testexemplaren. Bei meiner Bestellung (mögliche Zahlungsarten: PayPal und auf Rechnung) wurden neben den oben genannten Preisen jedoch 6 statt 5,90 Euro Versandkosten sowie eine „Steuer“ ungenannter Art und nicht zurechenbarer Höhe von 2,90 Euro ausgewiesen – das ist in dieser Form unzulässig:

Carus-AuftragKurz nach meiner Bestellung meldete sich der „Carus“-Pressesprecher und erklärte, dass ich die beiden Modelle kommende Woche als Gratismuster zum Testen bekommen werde. Die seltsame Berechnung werde man am Montag überprüfen.

Update 10.01.2015: Der Doppeltest ist jetzt online.

Update 12.01.2015: Wie ich erst heute von Inhaber Dr. Andreas Ritzenhoff erfuhr, hat “Carus” seit 1. November 2014 zwei neue Geschäftsführer: Pia Meier aus dem Seidel-Management und den niederländischen LED-Spezialist Martijn Dekker, der zuvor seit März 2013 intensiv als freier Projektentwickler an den LED-Lampen aus Hessen mitgearbeitet hatte.

Mehr zum Thema:

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14 Gedanken zu „LED-Lampen aus Hessen: „Carus“ startete heute die Produktion (Update)

  1. Sehr erfreuliche Entwicklung, für die ich persönlich auch bereit wäre (gute Testergebnisse natürlich vorausgesetzt), etwas mehr zu zahlen. Ist ähnlich wie bei Loewe + Metz Fernsehern aus deutscher Fertigung, dbzgl. steht auch ein Loewe-TV seit 2010 in meinem Wohnzimmer zur vollen Zufriedenheit. Und nicht dass jetzt wieder eine/r kommt und sagt, dass bei TVs viele Teile zugekauft werden müssen: Das weiß ich selber auch, aber auch bei einer Endmontage- und Entwicklungsabteilung am Standort Deutschland liegt einfach mehr Wertschöpfung ’näher‘ als in Fernost.

  2. Viel Glück nach Hessen! Seit der L+B 2012 sind 2 1/2 Jahre vergangen, und die Konkurrenz hat nicht (oder wenigstens nicht durchgehend…) geschlafen. Wer auf den Anblick von Politikern beim Knöpfchendrücken nicht allergisch reagiert: Hessenschau hat bei „Carus“ gefilmt, heute 19:30 Uhr.

  3. Gefällt mir ausnehmend gut: Optimierter Materialeinsatz, hochautomatisierte Fertigung, das Ende der Retrofitära vor Augen und Farbtonlampen im Visier. Das kann was werden und Ikea als Kunde ist vielversprechend.
    Mit 2700K werde ich zwar noch kein Kunde, aber dabei wird es hoffentlich nicht bleiben.

    • Ich glaube, dass die Retrofit-Ära so schnell nicht enden wird. Abgesehen von denkmalgeschützten Bauten, wo auch die inneren Leuchten unter Schutz stehen, werden nach wie vor auch teure Leuchten mit z.B. Edisongewinde verkauft. Der Retrofitmarkt wird sicher kleiner werden, aber er wird nicht ganz verschwinden. Und so schlecht finde ich das auch nicht, denn Vielfalt ist immer wünschenswert, besonders im technischen Bereich.

      Abgesehen davon sehe ich im Artikel keinen direkten Hinweis auf einen Zusammenhang der neuen Seidel-Linie mit einem nahenden Ende der Retrofit-Ära. Und was evtl. zwischen den Zeilen stehen mag, lasse ich einfach mal zwischen den Zeilen stehen.

      • Ich habe die Links verfolgt. Schau Dir mal den Bericht des HR an. Da hat sich die Firma aus meiner Sicht gut dargestellt.
        Ich mag bodenständige familiengeführte Mittelständler. Ein Chef, der eigenes Geld einsetzt, und es vermehrt oder verliert, handelt eben doch anders als ein leitender Angestellter. Und wenn es eine Nachfolgegeneration gibt umso langfristiger.

  4. Aktuell werden in Asien schon Filament-LED-Retrofits mit Ra >90 angeboten, die 1:1 wie klassische Glühlampen aussehen und dabei auch noch ohne abstrahlungseinschränkende und materialfressende Kühlkörper/-flächen wie die Carus-Lampen auskommen. Wenn die in den kommenden Monaten aus den Übersee-Containern quellen, wird es für die nicht wirklich innovativen Produkte von Carus mehr als schwierig.

    Von daher kann ich die Hurra-Berichterstattung nicht ganz nachvollziehen…

    • „Hurra-Berichterstattung“ gibt’s hier im Gegensatz zu manch anderen Website normalerweise nicht – keine Ahnung, woran Sie das festmachen wollen. Solche Kommentare finde ich deshalb echt ärgerlich.

      Und diese „Fadenlampen“ habe ich hier auch schon getestet. Manche haben keinesfalls Ra >90, andere sind zwar farbtreu, aber leider auch erheblich teurer. Angaben aus Asien würde ich erstmal prinzipiell in Frage stellen.

      • „Hurra-Berichterstattung“ bezog sich auch nicht auf das Blog hier, sondern auf die verlinkten Berichte in TV und Print.

        Bisherige Filament-LEDs waren (mit Ausnahme der VosLED) durchweg Ra80, das ist absolut richtig.

        Mir fehlt bei den Carus-Lampen halt der wirkliche Fortschritt: Ra87 ist nicht wirklich toll und die Birne ist mit fast 50% Kühlfläche nicht wirklich ansehnlich geschweige denn optimal vom Abstrahlwinkel her.

        Wenn Carus sowas mit Ra 90 gebracht hätte (aktuell noch Ra 80 mit 800 Lumen bei 8 W), hätte ich meinen Hut gezogen – auch zu Made-in-Germany-Preisen.

    • Danke für die Info, dass die Lampen nun endlich bestellbar sind. Dass sie im Webshop gelistet, aber erstmal „nicht auf Lager“ waren, stand nach einem Leserhinweis bereits als Update seit 7.12. oben im Beitrag sowie in meinem „Blog-Telegramm“ und wird morgen nochmal im „LED-Tagebuch“ zu lesen sein. Dort hatte ich am Donnerstag bereits die Info mit dem Werksverkauf ergänzt (Quelle: „Oberhessische Presse“) – das konntet Ihr natürlich noch nicht lesen. 😉

      Jetzt sind hier oben zwei neue Updates mit den aktuellen Infos.

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