Doppeltest: Lumixon-LED-„Birne“ und -Strahler mit hoher Farbtreue

Auf hohe Farbtreue und Effizienz setzt die „LED Technics GmbH“ aus Bremen bei ihren neuesten „Lumixon“-LED-Retrofits. Stellvertretend im Test und Labor: Eine rundstrahlende E27-Lampe mit nominell 7 Watt und ein 6-W-GU10-Spot – beide „warm-weiß“, dimmbar und mit Farbwiedergabeindex Ra >90.

Lumixon-Test-Aufmacher
Die Probanden und ihre Verpackungen: Links der kompakte „Lumixon“-GU10-Strahler, rechts daneben die voluminöse und schwere E27-„Birne“ mit gelber Konversions-Phosphorschale. (Fotos: W. Messer)

Dass sich hohe Werte für den „allgemeinen Farbwiedergabeindex“ und die Lumen-/Watt-Effizienz bei LED-Lampen nicht unbedingt ausschließen, konnten Sie neulich schon beim Test der „MeLiTec“-Retrofits aus dem Aldi-Nord-Sonderangebot lesen. Umso besser, wenn dann auch noch die Preise in bezahlbaren Regionen bleiben. Theoretisch gilt das auch für das aktuelle „Lumixon“-Sortiment. So kostet beispielsweise eine dimmbare E27-„Birne“ mit offiziell 720 Lumen und Ra 93 knapp 12 Euro; ein ebenfalls dimmbarer GU10-Spot mit nominell 420 lm und Ra 90 rund 10 Euro.

Dass aber trotz des Claims „Qualität und Licht in einer Perfektion“ der eine oder andere Haken an der Sache ist, enthüllen mein ausführlicher Test sowie die Labor-Messwerte des Fastvoice-Blog-Kooperationspartners „David Communication“. Fangen wir mit dem weitaus größeren, rundstrahlenden Testkandidaten an:

Das massive „Phosphorschalen“-Effizienzwunder

Lumixon-E27-7W-ausDiese dimmbare E27-„Birne“ aus chinesischer Produktion („made in P.R.C.“) sträubt sich erkennbar gegen den aktuell vorherrschenden Schlankheits-, Glattheits- oder Schönheitswahn bei LED-Retrofits. Mit ihrem schweren Rippen-Keramik-Kühlkörper und der daraus nach oben wachsenden, teiltransparenten Haube setzt sie unübersehbar das selbstbewusste Statement: „Hier bin ich! Nimm‘ mich oder hau ab!“. Design und Dimensionen erinnern an frühere LED-Zeiten: 122 mm lang, 60 mm breit, 164 Gramm schwer.

Das hier angewendete Prinzip der Erzeugung von „warm-weißem“ LED-Licht kennen Sie beispielsweise von diversen Philips-Lampen: In der Mitte leuchten vorwiegend „königsblaue“ – hier möglicherweise auch ein paar rote – SMD-Chips von „Epistar“ aus Taiwan, darüber stülpt sich eine gelbe Luminiszenzkonversions-Haube – auch „Remote Phosphor“ genannt.

Bei den meisten anderen Lampen dieser Art geschieht die Umwandlung der Lichtfarbe dagegen direkt im „Globe Top“ der LEDs – etwa mit einem Silikontropfen. Welches Prinzip insgesamt besser ist, wird in Fachkreisen heftig diskutiert. Sicher ist: Bei mangelhafter Umsetzung funktionieren beide nicht gut.

Falsche Gleichsetzung mit einer 70-W-Glühlampe

Die „Lumixon“ soll aus 7 Watt 720 Lumen Lichtstrom produzieren, laut Packungsaufdruck (Bild unten links) eine imaginäre 70-Watt-Glühlampe ersetzen können und so satte 90% Stromsparpotenzial bieten. Lumixon-E27-7W-VergleichDas geht aber weit an den zulässigen Vergleichsoptionen vorbei, fordert doch die entsprechende EU-Verordnung mindestens 1055 lm als Äquivalent für die alten 75-W-Stromfresser und könnte der „Lumixon“-Lampe höchstens die Gleichsetzung mit einer (ebenfalls imaginären) 50-W-„Glühbirne“ zugestehen.

Lumixon-E27-7W-DatenIn Wirklichkeit fällt die Relation sogar noch etwas schlechter aus, weil der Lichtstromwert im Labor nur knapp 700 lm erreichte. Dafür fiel auch die Leistungsaufnahme mit 5,8 Watt – bei einem elektrischen Leistungsfaktor von 0,55 – geringer aus als angegeben.

Davon ausgehend, hätte die „Lumixon“-Lampe eine sagenhafte Effizienz von rund 120 Lumen/Watt, einen Energieefizienzindex von 0,10 und dürfte sich damit knapp ins allerbeste EU-Ökolabel A++ einsortieren. Auf der Verpackung prangt allerdings nur das A+-Label (Bild rechts).

Selbst diese Einstufung wäre aber schon ein echtes Wunder, wenn gleichzeitig der Ra/CRI-Wert für die Farbwiedergabe laut Anbieter „über 93“ liegen soll. Schließlich weiß man doch, dass höhere Farbtreue auch massiv Energieeffizienz kostet – nach Expertenmeinung rund 25% beim Sprung von Ra 80 auf Ra 90.

Hoher Ra-Wert trotz exzellenter Effizienz

Schummelt hier „LED Technics“ etwa? Nein – erstaunlicherweise nicht. Denn beim Nachmessen kam als Mittelwert für die ersten acht Referenzfarben Ra 93,7 ‚raus (pdf-Download des Messprotokolls), sogar eine ordentliche Performance bei der normalerweise für LEDs schwierigsten Zusatzfarbe R9 („Rot gesättigt“ = 77,1) und eine sehr gute bei „Hautfarbe Rosa“ (R13 = 97,1). Ungewöhnlich schwach dagegen der R12-Wert von nur 65,3 („Blau gesättigt“). Ein paar starke Hinweise darauf, wie sowas zustande kommt, liefert das Spektraldiagramm (Milliwatt Strahlungsleistung pro Nanometer Wellenlänge):

Lumixon-E27-7W-Spektrum

Ein extremer Rot-Peak bei ca. 628 nm, ein sehr schüchternes Blau-Spitzlein, und dazwischen ein ausgeprägter Buckel bei Grün-Gelb – so gelingt die Quadratur des Kreises aus nominell hohem Farbwiedergabeindex und sehr viel Lichtstrom. Ob das dann in der Realität auch noch gut aussieht, ist allerdings eine andere Frage. Dazu mal ein Blick auf mein Standard-Farbtreue-Modell – einer roten Ducati 916 im Kleinformat auf weißem Untergrund (Weißabgleich „bewölkter Himmel“, ohne Nachbearbeitung):

Lumixon-E27-7W-Farbtreue

Lumixon-E27-7W-Black-BodyHier wird alles heftig nach „Gelb-Grün“ verschoben; das eigentlich weiße Papier nimmt ungefähr die Farbe einer Urinprobe nach dem Genuss von grünem Spargel an – in der Realität fällt der Grünstich noch stärker auf als im Foto.

Ausnahmsweise zeige ich deshalb hier auch die „Schwarzkörperkurve“ (Grafik links), wo sich der Farbort der „Lumixon“ (Kreuz) deutlich von dem eines „planckschen Strahlers“ mit gleicher Farbtemperatur (graue Kurve) entfernt – natürlich nach oben in Richtung „Gelb-Grün“.

Punktlandung bei der Farbtemperatur

Lumixon-E27-7W-AufdruckDabei weicht diese „warm-weiße“ E27-Lampe mit gemessenen 2816 Kelvin noch nicht mal merklich von ihrem offiziellen Wert ab (siehe Haubenaufdruck rechts). Aber so was kann halt herauskommen beim „Lumen-Doping“, das hier noch weit markanter ausfällt als bei der 1055-lm-Lampe von „MeLiTec“, deren Spektraldiagramm so ähnlich aussieht.

Apropos Nennwerte: Der „Ausstrahlungswinkel“ wird von „LED Technics“ mit 300 Grad angegeben. Das wäre schon sehr rundstrahlend und Glühlampen-ähnlich. Tatsächlich schafft die „Lumixon“ sogar 306° Halbwertswinkel – mit zwei großen Haupt-Lichtkegeln links und rechts, leichter Delle nach oben sowie der üblichen Einbuchtung in Richtung Sockel (pdf-Download des Diagramms). Im Leuchtbild sieht das so aus:

Lumixon-E27-7W-Leuchtbild

Diese Abstrahlcharakteristik kann man wirklich als „rundstrahlend“ bezeichnen; offensichtlich bekommen Sie auch bei stehender Einbaulage der „Birne“ ausreichend Helligkeit nach unten.

Am Schalter flimmerfrei und leise

Im Alltagsbetrieb schlägt sich die „Lumixon“ zumindest an einem normalen Schalter sehr wacker. Sie regelt sich nach den Einschalten innerhalb einer Sekunde in mehreren Stufen auf Maximalhelligkeit hoch, zieht laut meines Hobby-Messgeräts nach zwei Stunden Dauerlauf 7,1 Watt bei einem Leistungsfaktor von 0,59, lässt nur ein leises Surren auf maximal ca. 5 cm Distanz vernehmen und zeigt sich auch im Kamera-Display flimmerfrei. Nach dem Ausschalten wird’s nach höchstens einer halben Sekunde komplett dunkel.

In meiner offenen, hängenden Testfassung habe ich dabei moderate 54 Grad an der obersten, heißesten Gehäusestelle gemessen – an der Haube waren’s maximal 25° . Offensichtlich sorgt der voluminöse Keramik-Kühlkörper wirklich für eine effektive Wärmeabfuhr.

Lumixon-E27-Flicker-Schalter-Dimmer
Der „Flicker Tester“ von „Viso Systems“ attestierte der „Lumixon“-E27-Lampe weitgehende Flimmerfreiheit – sowohl am Schalter (links), als auch am Phasenanschnittdimmer (rechts).

Dimmer-Regelung mit Verzögerung

Lumixon-E27-7W-Packung2Am justierbaren Jung-Phasenanschnittdimmer mit 20 Watt Mindestlast klappte die Helligkeitsregelung zwar nicht optimal, aber akzeptabel: Nach dem Einschalten brauchte die Lampe je nach Voreinstellung 1 bis 2 Sekunden, bis sie sich auf die gewünschte Helligkeit ‚rauf- oder ‚runtergeregelt hatte; weiteren Drehbewegungen folgte sie mit etwa einer halben Sekunde Verzögerung.

Erkennbar war eine leichte Flimmerneigung sowie eine stärkere Geräuschentwicklung. Bei dunkelster Stellung surrte der Dimmer auf bis zu 50 cm Entfernung, die Lampe bis ca. 20 cm – bei hellster Regelstufe war’s etwa halb so laut.

Die Regelspanne reichte von 2 bis 8,1 Watt Gesamtleistung (Lampe + Dimmer), was ungefähr einem Bereich zwischen 25 und 100 Prozent des maximalen Lichtstroms entspricht. Erfahrungsgemäß vergrößert sich diese Spanne deutlich, wenn mehrere Lampen im Dimmer-Stromkreis leuchten und so die Last erhöhen.

Unbeeindruckt von Phasenabschnittdimmern

Fast wirkungslos blieben meine Phasenabschnittdimmer aus dem Baumarkt („No Name“, 20 W Mindestlast) bzw. der „Conrad“-Eigenmarke „Sygonix“ (15-150 W ). Egal, ob mit oder ohne Justierschraube – die „Lumixon“ wollte ihre Helligkeit bei einem Regelbereich von 7,9 bis 8,3 Watt partout nicht verändern. Immerhin blieb sie flimmerfrei und zeigte ein ähnlich gutes Verzögerungs- und Surrverhalten wie an einem dimmerlosen Schalter.

Wirklich dimmen zwischen „sehr hell“ und „fast dunkel“ ließ sich die China-„Birne“ jedoch nur mit parallel geschalteter 60-Watt-Glühlampe. Vermutlich würde auch eine geringere Zusatzlast genügen oder der Einsatz eines Merten-„LED Universal-Drehdimmers“ mit nur 4 Watt Mindestlast; ich wollte aber noch diesen Monat mit der sowieso schon langwierigen „Versuch- und Irrtum“-Testreihe fertig werden. Wie das mit dem Dimmen bei Ihnen in der Wohnung funktioniert, ist ohnehin von Ihrer individuellen Geräte-, Lampen- und Leitungs-Konstellation abhängig.

Mein Testurteil:

Lumixon-E27-7W-anVon den Papierwerten her wäre die nominell 7 Watt starke „Lumixon“-Lampe eine klare Vier-Sterne-Kandidatin auf meiner LED-Bewertungsskala: Farbwiedergabeindex Ra >93, sehr guter R9-Zusatzwert 77, satte 30.000 Leuchtstunden bzw. 100.000 Schaltzyklen Nennlebensdauer, rund 120 Lumen/Watt gemessene Effizienz (reicht für’s beste EU-Ökolabel-A++), geringe Hitzeentwicklung, mit 11,95 Euro vernünftig eingepreist.

Die Testpraxis versetzt dieser Erwartung aber ein paar herbe Dämpfer: Völlig falsche Gleichsetzung des Anbieters mit einer 70-Watt-Glühlampe, ziemlich inhomogenes, grünstichiges Licht (ich kenne billigere Ra-80-LED-Lampen, die mir wesentlich besser gefallen), je nach Dimmertyp und Mindestlast keine oder nur eingeschränkte Regelbarkeit und leichtes Lichtstrom-Defizit. Deshalb bleiben mit viel Wohlwollen leider nur
drei Sterne.

Der flimmerfreie Reflektor-GU10-Strahler

Lumixon-GU10-6W-ausFast schon eine Schönheit gegenüber der E27-„Birne“ oben ist der ebenfalls dimmbare, rund 6 Watt starke GU10-Spot von „Lumixon“ mit offiziell 420 Lumen Lichtstrom, 2800 Kelvin Farbtemperatur, 60 Grad Halbwertswinkel, Farbwiedergabeindex Ra 90, 25.000 Leuchtstunden bzw. 100.000 Schaltzyklen Nennlebensdauer und EU-Ökolabel A+.

Das 62 mm lange (inklusive Pins) und maximal 50 mm breite Aluminium-/Kunststoffgehäuse ist zweifarbig – oben lichtgrau, unten weiß – und wiegt laut meiner Messung 59 Gramm. Viele andere LED-Spots dieser Art bauen ein paar Millimeter kürzer; dieser hier könnte also eventuell ein wenig aus einem kompakt gebauten Leuchtengehäuse herausragen.

Optisches Prinzip fast wie bei Halogenstrahlern

Die Lichtquelle ist eine einzelne „Chip-On-Board“-LED (COB) inmitten eines facettierten Reflektors – darüber eine Art Linse und als Abschluss der Optik eine klare Kunststoff-Abdeckscheibe ohne Streueffekt. Dieses Halogenspot-orientierte Prinzip sehe ich in jüngster Zeit immer häufiger:

Lumixon-GU10-top-aus-an
Der „Lumixon“-GU10-Spot von oben – links aus-, rechts eingeschaltet.

Lumixon-GU10-6W-Leuchtbild

Der Effekt ist ähnlich wie bei den alten Hitzeschleudern: Ein relativ breit aufgefächerter Lichtkegel mit viel Power in der Mitte, aber relativ sanfter Hell-Dunkel-Grenze (Leuchtbild rechts). Das Labor ermittelte mit 53,4 Grad einen etwas engeren Abstrahlwinkel als angegeben (pdf-Download des Diagramms).

Einen Candela-Wert für die maximale Lichtstärke im 0-Grad-Winkel habe ich weder auf der Verpackung, noch in den mir vorliegenden Unterlagen des Herstellers gefunden, obwohl er einer der EU-Pflichtangaben für Lampen mit Richt- bzw. Akzentwirkung wäre.

Viel weniger Lichtstrom als versprochen

Lumixon-GU10-6W-DatenSubjektiv erschien mir die Helligkeit okay. Die Messwerte sagten jedoch was anderes: Über den Vollwinkel lieferte der „Lumixon“-Spot nach zwei Stunden „Einschwingen“ aus 5,7 Watt mit einem schwachen elektrischen Leistungsfaktor von 0,56 gerade mal 392 Lumen; innerhalb des EU-konformen Bemessungswinkels von 90° waren’s sogar nur knapp 340 lm. Das sind 19% weniger als versprochen.

Der Vergleich mit einem 50-Watt-Hochvolt-Halogenstrahler (siehe Packungsaufdruck links) bleibt dennoch zulässig, weil die EU-Äquivalenztabelle 300 lm bei solchen PAR16-Lampen für ausreichend hält. Die angegebene „Licht-Effizienz“ von 70 Lumen/Watt sank jedoch in der Realität unserer Messungen auf ca. 60 lm/W. Mit einem von mir nachgerechneten Energieeffizienzindex (EEI) von 0,17 dürfte sie noch knapp das EU-Ökolabel A+ behalten.

Kein Flimmern, keine große Hitze

Ich habe mit meinen bescheidenen technischen Mitteln an einem dimmerlosen Schalter 6,3 Watt und Leistungsfaktor 0,64 gemessenen. Der Strahler blendete innerhalb rund einer halben Sekunde nach dem Einschalten auf, blieb still und weitgehend flimmerfrei (siehe Messbilder unten). Der Ausschaltvorgang war ähnlich kurz. Die Maximaltemperatur beim Dauerleuchten in einer offenen, hängenden Fassung: 58° oben am Sockel und 30° unten am Lichtaustritt – nichts zum Fürchten.

Mehr Zeit zum Erreichen der Wunschhelligkeit ließ sich der „Lumixon“ am Phasenanschnittdimmer, wenn der Regler auf „dunkel“ stand. Das entsprechende „Einfaden“ konnte bis zu zwei Sekunden dauern; dazu gab’s ein bis auf 50 cm Distanz hörbares Surren des Dimmers und ein etwas leiseres Geräusch aus der Lampe. Hat häufig was mit der elektromagnetischen Entstörung zu tun und tritt auch gerne mal mit traditionellen Glühlampen auf. Einschaltverzögerung und Lautstärke reduzierten sich aber bei helleren Voreinstellungen proportional und deutlich. Über den gesamten Dimmerweg gab’s laut des „Flicker Tester“ von „Viso Systems“ eine etwas größere Flimmer-Neigung (rechts) als am Schalter (links):

Lumixon-GU10-Flicker-Schalter-Dimmer

Sehr eingeschränkte Regelspanne

Die nutzbare Regelspanne reichte trotz Justage des Dimmers nur von 2,8 bis 7,1 Watt (Gesamtleistung Lampe + Dimmer, bester Leistungsfaktor nur 0,21). Das entspricht etwa 40 bis 100 Prozent der Maximalhelligkeit, wobei über einen weiten Bereich des Reglerwegs nur minimale Veränderungen sichtbar waren. Erst mit einer parallel geschalteten Glühlampe, mit der die 20 Watt Mindestlast des Dimmers weit überschritten wurden, gab’s eine recht gleichmäßige Regelung bis ‚runter auf etwa 20%.

Eigenwerbung Juni 2014

Dreimal dürfen Sie raten, was regeltechnisch an den beiden Test-Phasenabschnittdimmern passierte. Richtig: Das Gleiche wie mit der E27-Lampe oben, nämlich fast nichts! Nur zwischen 6,4 und 6,8 W regelbar (bester Leistungsfaktor 0,64), keine Störgeräusche, kein Flimmern, Ein- und Ausschaltverzögerungen wie am normalen Schalter – die Dimmversuche wurden hartnäckig ignoriert, weil die „Lumixon“-Elektronik offensichtlich generell sehr Mindestlast-sensibel ist.

Als einer von 14 Hochvolt-Spots in meinem Studio-Dimmerstromkreis konnte es der Strahler besser: Stufenlose, flackerfreie Helligkeitsregelung bis ‚runter auf etwa 20%, danach gab’s plötzliche Dunkelheit, während die parallel leuchtenden Konkurrenzfabrikate von Osram, LCTW, LEDON oder Verbatim noch schwach weiterglimmten. Das Verhalten des „Lumixon“ ähnelte damit sehr einem parallel betriebenen 4-Watt-„Master LEDspot“ von Philips, der ebenfalls nur begrenzt abgedunkelt werden kann.

Sanfter Hügel statt spitzem Rot-Grat

Mehr Freude bereitete mir der Testkandidat mit seiner Kernkompetenz, der Lichtqualität. Zwar liegt er mit dem gemessenen „allgemeinen Farbwiedergabeindex“ Ra 91,3 und den 54,8 für die Zusatz-Referenzfarbe „Rot gesättigt“ (R9) leicht unter den Werten der großen „Birne“ von „Lumixon“, punktet aber mit einem sehr guten R12-Wert („Blau gesättigt“) von 81,1 und einer ausgeglicheneren Spektralverteilung (pdf-Download des Messprotokolls):

Lumixon-GU10-6W-Spektrum

Hier gibt’s keinen „Buckel“ im Grünbereich oder einen schwindelerregenden Rot-Grat (die Spitze des Hügels liegt bei 620 Nanometer). Derer Kurvenverlauf ist insgesamt ziemlich sanft – abgesehen vom markanteren „Blau-Peak“ bei ca. 470 nm. Die Farbtemperatur von 2823 Kelvin entspricht dem Nennwert – wie bei der E27-Lampe, führt hier aber zu einem völlig anderen Eindruck meines Standard-Farbtreue-Motivs:

Lumixon-GU10-6W-Farbtreue

Hier bleibt das satte Rot noch erkennbar Rot und der weiße Untergrund einigermaßen neutral – abgesehen von der typischen Gelb-Orange-Verschiebung „warm-weißer“ Leuchtmittel, die mir allerdings sehr moderat vorkam. Unangenehme Farbstiche sind mir nicht aufgefallen – das Licht erschien mir absolut „sympathisch“ und dürfte auch für die Kontrolle kosmetischer und modischer Verschönerungsversuche vor dem Badezimmer- oder Garderobenspiegel taugen. Da haben wir doch wieder ein nettes Beispiel dafür, dass ein schlechterer Ra-Wert nicht automatisch auch schlechtere Lichtqualität bedeutet – manchmal kann auch das Gegenteil der Fall sein.

Mein Testurteil:

Lumixon-GU10-6W-Packung2Solange Sie darauf achten, dass die Mindestlast Ihres justierbaren (Phasenabschnitt-)Dimmers nicht unterschritten wird, können Sie an diesem „Lumixon“-GU10-Spot „made in China“ mit dem einzelnen COB-LED-Chip viel Freude haben – an einem normalen Schalter sowieso.

Für knapp 10 Euro bekommen Sie einen vernünftigen, sehr farbtreuen und flimmerfreien Ersatz für herkömmliche 50-Watt-Hochvolt-Halogenstrahler – mit einem Stromsparpotenzial von über 85%. Abstrahlcharakteristik und Lichtfarbe kommen Halogen-Fans entgegen, sind aber etwas breiter bzw. neutraler.

Ob die versprochene Lebensdauer von 25.000 Leuchtstunden eingehalten wird, kann ich natürlich nicht vorhersagen; die moderate Hitzeentwicklung spricht eigentlich dafür. Größter Wermutstropfen ist die vom Labor festgestellte, fast 20prozentige Unterschreitung des nominellen Bemessungslichstroms, was eine bessere Wertung verhindert als die hier von meiner LED-Skala spendierten
LED-Stern halbdreieinhalb Sterne.

(Offenlegung: Die beiden Lampen wurden mir gratis von der „LED Technics GmbH“ zur Verfügung gestellt und bleiben zum Praxis-Dauertest bei mir.)

Mehr zum Thema:

Blitztest: Zwei farbtreue „MeLiTec“-LED-Lampen von Aldi Nord

Im Test: Soraa-LED-Spots – extrem farbtreu, aber nicht perfekt

Doppeltest: Carus-LED-Lampen aus Hessen – teils besser als versprochen

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6 Gedanken zu „Doppeltest: Lumixon-LED-„Birne“ und -Strahler mit hoher Farbtreue

  1. Hallo Wolfgang!
    Bin gestern auf Deinen Blog gestoßen und habe mich, zum Missfallen meiner Frau :-), bis in die Nacht mit Infos vollgesaugt. Klasse Arbeit, Danke!

    Mein Problem, auch wenn es sachlich nicht hierher passt, ist:
    Bin am Umrüsten von Halogen auf LED (LEDON, 5W, GU5,3). Höhenproblem.
    Frage:
    Gibt es Stecker (bzw. Buchsen) die man direkt auf den Strahler stecken kann (auf die beiden Kontakte)? Wenn ja wo und was ist der teminus technikus dafür?

    Ich habe bei Conrad gesucht – tausende Artikel – nichts!

    Danke im Voraus!
    Gruß!
    Ingo

    • Danke für das große Lob! Leider verstehe ich die Frage nicht. Sind die LEDON-Spots zu lang oder was ist mit „Höhenproblem“ gemeint? Suchst Du Fassungen für GU5.3-Lampen – also so was? Oder geht’s um was völlig anderes?

  2. Die alten Halo-Spots sind mit diesen Schraubverklemmungen (Kunststoff, würfelförmig, innen Metallhülse mit zwei kleinen Schrauben–> wie nennen sich die Dinger? 🙁 — die an der Zuleitung z.B. Deckenleuchte sind und dann werden die Leuchenkabel darin eingeschraubt – uff – besser kann ich das nicht beschreiben).
    Also, dieses Konstrukt, Spot – Verbindungsklemme – Kabel, ist mit den neuen LED- Spots ein paar Millimeter zu lang (die Abdeckung drückt dadurch die Fassungen nach unten wieder ein Stück raus).
    Das nur noch mal zur Erklärung!
    Aber das was Du mir verlinkt hast, ist das was ich gesucht habe. „GU Fassung“ auf diesen Suchbegriff bin ich nicht gekommen!!!

    Danke Maestro!

    Gruß!
    Ingo

    • Prima, solche Konstruktionen kenne ich auch aus manchen Leuchten – dann dürften das tatsächlich GU5.3-Anschlüsse sein (für 12 Volt Wechsel- oder Gleichspannung, also sitzt irgendwo noch ein Trafo).

      Theoretisch könnte man so eine Strahler-Beleuchtung auch komplett auf GU10 umstellen, den Trafo weglassen und direkt an 230 Volt anschließen. Würde vieles vereinfachen (kein Ärger mit eventuell LED-inkompatiblem Trafo, unkompliziertere Dimmbarkeit).

  3. Hallo Wolfgang,

    Seit gestern duchstöbere und lese ich Deine Webseite mit viel Freude. Du leistest tolle Arbeit, vielen Dank.

    Ich plane derzeit die Installation von Niedervolt-LED-Spots in meiner kleinen Wohnung. Teilweise sollen es nicht mehr als 2-3 Spots sein, was die typische Mindestlast von 20W für Dimmer wohl unterschreitet.

    Du hast in Deinem Test von einem Merten-Dimmer geschrieben. Verlinkt scheint mir nur das Gehäuse ohne Dimmer zu sein – für 80€ das Stück ?! Weißt Du von brauchbaren Phasenabschnittsdimmern, die auch für Normalverbraucher bezahlbar sind? Oder ist die Technik dafür (immer noch) zu neu?

    Vielen Dank!

Kommentare sind geschlossen.