Im Test: E27/PAR-38-LED-Strahler mit Super-Farbtreue

Fast schon waffenscheinpflichtig ist ein neuer Profi-LED-Strahler meines Kooperationspartners „David Communication“. Der Halbpfünder beeindruckt mit Kaliber 120 mm, enormer Reichweite, unverwechselbarem Abstrahlbild und exzellentem Farbwiedergabeindex.

David-E27-Strahler-top
Der Blick von oben in den ausgeschalteten „David“-Strahler (links) enthüllt die Präsenz eines 16-Watt-„Chip on Board“-LED-Moduls inmitten eines stufenweise facettierten Reflektors. Eingeschaltet (rechts) sieht das ziemlich spektakulär aus. (Fotos: W. Messer)

David-E27-Strahler-ausVergessen Sie jetzt mal die üblichen LED-Strahler für den Hausgebrauch mit mageren einstelligen Wattzahlen und überschaubarem Farbwiedergabeindex Ra 80. Hier kommt was Neues für echte Profis, die richtig viel Licht aus großer Entfernung brauchen. Und das soll auch bitteschön ungefähr so farbtreu sein wie herkömmliche Glühfaden- und Halogenstrahler, also nicht viel weniger als Ra 100 haben.

„LED1x16S27S“ heißt die kryptisch klingende Lösung von „David Communication“. Mit E27-Sockel, 16 Watt Leistungsaufnahme, über 1200 Lumen Gesamt-Lichtstrom, rund 2000 Candela Lichtstärke, 12 cm Durchmesser, 13 cm Gesamtlänge und massiven 259 Gramm zeigt sie uns LED-Warmduschern, wo der wahre Hammer hängt. Natürlich passt die auch als Schlagwerkzeug einsetzbare Monsterlampe nur dort rein, wo bisher schon herkömmliche PAR-38-Scheinwerfer mit teils über 100 Watt Platz hatten.

Hier spielen die großen Jungs

Die unverbindliche Preisempfehlung von 49 Euro für den nicht dimmbaren Spot und die fehlende Bestellmöglichkeit für private Einzel-/Endkunden zeigen ebenfalls überdeutlich, dass die Zielgruppe auf dem Licht-Spielplatz für große Jungs herumtollt und nicht in der LED-„Schnäppchen-Krabbelgruppe“ (Update: Inzwischen gibt’s den Strahler auch für Endkunden – kostet 48,95 Euro). Klar, dass ich den Strahler mit gebührendem Respekt und Sonnenbrille auf der Nase in meine offene Testfassung geschraubt habe. Nicht, dass es mir vor lauter gleißender Helligkeit noch den letzten Rest intakter Netzhaut durchbrennt.

David-E27-Strahler-Daten
Der schmucklose Daten-Aufkleber auf dem schlichten Pappkarton des Strahlers verrät die wichtigsten Nennwerte und das EU-Ökolabel A.

War aber alles unspektakulärer als befürchtet: Die Lampe startete am Schalter ohne nennenswerte Verzögerung, blieb absolut geräuschlos, zog nach zwei Stunden Dauerleuchten laut meinem Amateur-Messgerät 15 Watt bei einem elektrischen Leistungsfaktor von 0,88 (Profi-Laborwerte: 16,1 W und 0,9) und wurde an der heißesten Gehäusestelle nur maximal 50 Grad warm. Beim Ausschalten glimmt das Hochleistungs-CoB-Modul noch etwa zwei Sekunden lang leicht nach.

Blendungsgefahr bestand beim Blick von der Seite überhaupt nicht – trotz des hohen Lichtstroms. Das liegt an der starken Fokussierung des Lampenreflektors, der laut Labor einen sehr engen Halbwertswinkel von nur knapp 23 Grad erzeugt (pdf-Download des Abstrahldiagramms). So viel zum Verdacht, dass „David Communication“ hier möglicherweise zu eigenen Gunsten messen könnte. Denn offiziell sollte der „made in China“-Strahler 30 Grad haben – damit legt sich der Anbieter mal eben selbst ein Kuckucksei ins Nest.

Ein Leuchtbild wie kein anderes

David-E27-Strahler-LeuchtbildIn der Praxis sind aber beide Werte nur von begrenzter Bedeutung, wie der Blick auf mein Leuchtbild (rechts) beweist. Ich musste spontan an einen Mantarochen denken, der da offenbar an meine Studiodecke projeziert wurde.

Im unteren Bereich – bis ca. einen Meter Entfernung vom Lampenkopf – scheint der schwächere Teil der Lichtkeule über 90 Grad breit zu sein, während der mittlere, hellere Kegel sehr eng gebündelt ist. Leuchtversuche im offenen Gelände ergaben eine nutzbare Reichweite von mindestens 200 Metern – nächtliche Buchlektüre ist selbst noch in 20 Metern Distanz problemlos möglich.

Leider nicht flimmerfrei

Der vermeintliche Widerspruch zwischen Nennwerten und tatsächlichem Lichteindruck wird auch von den Labormessungen des Lichtstroms gestützt. Über den Vollwinkel strahlt der „David“-Spot nämlich 1230 Lumen ab. Das entspricht etwa der Gesamthelligkeit eines 75-Watt-Hochvolt-Halogenstrahlers. Innerhalb des EU-Verordnungs-konformen Winkels von 90 Grad für die Bemessungsleistung von Spots sind’s beim LED-Strahler jedoch nur 869 lm – die Differenz fällt unter die Rubrik „Streulicht“ (pdf-Download des Messprotokolls).

Noch ’ne Merkwürdigkeit: Bei den Fotoaufnahmen fiel mir ein leichtes, hochfrequentes Flimmern des Lichts auf. Es war nicht ganz so stark wie bei den gerade getesteten IKEA-„Ledare“-Lampen, ist aber vermutlich von besonders sensiblen Menschen auch ohne technische Hilfsmittel wahrnehmbar. Dieses Phänomen hat nichts mit einem allgemein sichtbarem Flackern zu tun und tritt vorwiegend noch bei billigen dimmbaren Lampen auf – wegen der internen PWM-Helligkeitsregelung. Bei nicht dimmbaren LED-Retrofits sollte Flimmern eigentlich längst Schnee von gestern sein – in dieser Hochpreis-Liga sowieso.

Bester Rot-Wert aller Blog-Tests

Genug kritisiert – jetzt kommen wir zur echten Schokoladenseite des Strahlers: Die Lichtqualität. Hier protzt er schon mal mit einer sehr guten Farbkonsistenz von <4 Stufen der MacAdam-Ellipse. Die Chancen stehen also gut, dass mehrere Lampen aus dieser Serie subjektiv mit identischer Lichtfarbe leuchten und problemlos nebeneinander eingesetzt werden können.

Die ermittelte Farbtemperatur weicht mit 3009 Kelvin kaum vom Nennwert 3000 K ab. Und auch die offiziellen Ra/CRI >98 für den „allgemeinen Farbwiedergabeindex“ von acht Pastell-Referenzfarben haben im Labor mit gemessenen Ra 98,3 Bestand. Der für LED-Lampen besonders schwierige Zusatz-Messfarbton R9 („Rot gesättigt“) liefert mit 98,1 und einem knappem Vorsprung vor einem Megaman-GU10-Spot den höchsten Wert, den ich jemals hier im Blog melden konnte. Vergleichsweise „schwach“ ist nur R12 („Blau gesättigt“). Aber selbst hier gibt’s mit 85,9 keinen ernsthaften Ansatz für Gemecker.

Grau ist alle Theorie, schön bunt ist die Praxis

Sieht man das alles auch bei der alltäglichen Nutzung? Aber sicher. Beim Betrachten meines Referenz-Farbwiedergabe-Bilds mit einer sattroten Ducati 916 im Kleinformat auf weißem Untergrund (fotografiert mit Weißabgleich „bewölkter Himmel“, nicht nachbearbeitet) kamen mir fast schon Tränen der Rührung:

David-E27-Strahler-Farbtreue

Alle Farben kommen klar und kräftig ‚rüber – nur beeinflusst von der typischen, Halogenlampen-ähnlichen Gelb/Orange-Verschiebung „warm-weißer“ LEDs. Mehr Farbtreue geht wahrscheinlich unter diesen Voraussetzungen nicht. Das Spektraldiagramm mit der Darstellung der Strahlungsleistung (Milliwatt, vertikale Achse) über den gesamten Wellenlängen- bzw. Farbbereich des sichtbaren Lichts (Nanometer, horizontale Achse) zeigt die Ausgeglichenheit – ohne große Lücken oder Hervorhebungen im Spektrum:

David-E27-Strahler-Spektraldiagramm

Bei einer echten Fotoleuchte sollte die Farbtemperatur natürlich viel blaubetonter, „kälter“ sein und mehr dem Tageslicht entsprechen (ca. 5600 Kelvin). Und für die Ausleuchtung von Videoaufnahmen taugt die Lampe wegen des leichten Flimmerns auch nicht besonders. Bei kleineren, spontanen chirurgischen Eingriffen in häuslicher Umgebung sollte der „David“-Spot jedoch ausreichend naturgetreue Darstellungen von Haut, Fleisch und Blut liefern, wenn gerade keine OP-LED-Spezialleuchte zur Hand ist. 😉

Kunden ohne medizinische Abenteuerlust dürfen den Strahler natürlich gerne zu kosmetischen, künstlerischen oder kulinarischen Zwecken einsetzen – Friseure, Einzelhändler, Theater, Galerien, Gastronomen oder Hoteliers könnten ihre helle Freude an dem Strahler haben. Und wenn’s was Dimmbares sein soll: Auf Anfrage gibt’s auch eine regelbare Variante dieser Monsterlampe.

Eigenwerbung Juni 2014

Mein Testurteil:

So gut wie alle Papier- und Messwerte dieses E27/PAR 38-Spots für knapp 49 Euro schreien eigentlich nach der Maximalausbeute meiner fünfstufigen Bewertungsskala von vier Sternen für nicht dimmbare LED-Lampen. Auch die Nennlebensdauer von 30.000 Stunden und 25.000 Schaltzyklen ist für gewerbliche Einsätze okay. Nett wäre die Angabe einer Schutzart gewesen, um einen Anhaltspunkt für den Innen-/Außeneinsatz zu haben. Fehlt aber auf Verpackung und Website.

Über das Sparpotenzial könnte man ebenfalls noch diskutieren. Die offizielle Online-Angabe „ersetzt ca. 130 W Halogenstrahler“ bzw. den Packungsaufdruck „16 W hell wie 130 W“ halte ich nämlich selbst bei 1230 Lumen Gesamt-LED-Lichtstrom für zu optimistisch, bei einem Labor-Bemessungswert von nur 869 lm sowieso. Immerhin rund 80% Strom sollten Sie in fast jedem Fall einsparen können – das ist auch schon ’ne Hausnummer.

Weil aber der offizielle Halbwertswinkel ziemlich weit vom gemessenen abweicht, beide Werte nur wenig über die tatsächliche Lichtkeule aussagen und der Goliath-Spot von „David“ unter Umständen ein leichtes Flimmern zeigt, muss ich leider einen halben Punkt abziehen. Bleiben …
LED-Stern halbdreieinhalb Sterne.

(Offenlegung: „David Communication“ hat den Strahler gratis zur Verfügung gestellt – er bleibt zum Langzeittest bei mir.)

Mehr zum Thema:

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5 Gedanken zu „Im Test: E27/PAR-38-LED-Strahler mit Super-Farbtreue

  1. Sehr geehrter Herr Messer,
    vielen Dank für Ihre guten Ratschläge im Internet. Es ist beschämend, wie schlecht man in den Geschäften sonst beraten wird. Wir suchen dringend einen langlebigen guten Strahler aus Sicherheitsgründen für unseren Garten, wenn wir nicht zuhause sind. Wo könnten wir einen Solar- LED-Außenstrahler
    kaufen und gibt es dafür auch sinnvolle Solarflächen für die Stromgewinnung?
    Vielen Dank für Ihre Mühen.
    Mit freundlichen Grüßen Dieter Grathwohl

  2. Danke zunächst für die, auch für Laien, verständlichen Ausführungen.
    Wäre diese Lampe, würde sie die IP-Norm erfüllen, auch für die Ausleuchtung eines kleinen Sportplatzes (ca. 2000qm, 45m x 45x)? Mit wie vielen Lampen müssten dann kalkuliert werden?

    • Da kommt’s auf zwei entscheidende Parameter an: Wie weit (hoch) sind die Strahler vom Spielfeld entfernt und wie viel Lux Beleuchtungsstärke wird dort gewünscht? Zumindest näherungsweise kann man sich dann die Anzahl der Lampen selbst ausrechnen – etwa mit diesem Tool hier.

      Prinzipiell sollten die Strahler für den Zweck taugen, dann aber in einem Gehäuse mit ausreichender IP-Schutzart montiert werden. Der Anbieter kann Ihnen da sicher weitere Infos geben.

      P. S.: Habe gerade vom Anbieter diesen Hinweis bekommen:

      „Ich denke, für ein Fußballfeld sind die nicht leistungsstark genug. Da ist spezielle Beleuchtung angebracht, mit weitem Winkel, im entsprechenden Outdoor-Gehäuse mit Thermo-Management. Unsere Par 38 sind für Laden oder Präsentationen etc. gedacht.“

    • Sehr geehrter Herr Werner,
      heute haben wir Ihre Nachricht vom 8. November 2014 gesehen. Benötigen Sie noch ein Lichtkonzept für Ihren Sportplatz? Wir haben eine große Palette an LED-Produkten und haben in Hamburg einen Showroom, in dem wir Ihnen die Neuheiten nahe bringen könnten. Wir würden uns sehr über eine Kontaktaufnahme freuen oder bei Nichtinteresse über eine kurze Rückmeldung. Vielen Dank im voraus. Mit freundlichen Grüßen. Petra Paulmann (Assistenz Guntram Uhlig).

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