Im Test: Philips-LED-Solarleuchte „Barley“ – Mini-Sonne für die Nacht (Update)

Mit einem neuen „my Garden Solar“-Sortiment startet Philips in den Frühling. Die hochpreisigen LED-Solarleuchten sollen mit bis zu 300 Lumen Gesamt-Lichtstrom echte Helligkeitsspender sein – keine funzligen Deko- oder Orientierungslichter, wie sie sonst billig angeboten werden.

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Die „Barley“-Wandleuchte aus der „myGarden Solar“-Serie bietet mit 280 Lumen über einen Halbwertswinkel von ca. 160 Grad mindestens die Helligkeit einer 25-Watt-Glühlampe – bei ähnlicher Lichtfarbe. Das Solar-Panel zur Stromversorgung (unten rechts) kann bis zu 7,5 Meter entfernt aufgestellt werden. (Fotos: W. Messer)

MyGarden-Panel-komplettBisher haben alle meine Test-LED-Lampen und -Leuchten teuren Haushaltsstrom gebraucht – wenn auch meistens sehr sparsam. Heute gibt’s zur Abwechslung aber mal LED-Licht zum Nulltarif – gespeist aus Sonnenenergie. Wirklich gratis ist es natürlich nicht: Die neuen Leuchten der „myGarden Solar“-Serie wurden von Philips mit satten unverbindlichen Preisempfehlungen zwischen rund 60 und 150 Euro versehen, haben teils integrierte, teils separate Solar-Panels, sind nicht dimmbar und leuchten „warm-weiß“ mit insgesamt 100, 200, 280 oder 300 (3 x 100) Lumen Gesamt-Lichtstrom.

Das alles liegt weit jenseits der üblichen Baumarkt-Billig-Solarleuchten, die um diese Jahreszeit die Werbebeilagen dominieren und die ich in diesem Blog aus guten Gründen ignoriere. Hier geht’s schließlich um „LED-Beleuchtung“, nicht um fragwürdiges Funzellicht. Und deshalb lege ich bei diesem Test die gleichen hohen Maßstäbe an, wie sie auch für 230- oder 12-Volt-Leuchtmittel im privaten Wohnbereich gelten.

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Gut 18 cm Durchmesser hat die „Barley“-LED-Solarleuchte. Oberseite und Wandausleger sind aus rostfreiem Edelstahl, die etwa 10 cm hohe, geriffelte Haube aus Kunststoff. Gesamtgewicht: Nur rund 270 Gramm.

MyGarden-Badge„Barley“ nennt sich die Edelstahl-LED-Solarleuchte „made in China“ (siehe Aufkleber) mit separatem Versorgungs-Panel, die mir gratis vom „LED-Zentrum“ als Testobjekt zur Verfügung gestellt wurde. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von rund 120 Euro wird sie so schnell in keiner Discounter-Filiale landen – Zielgruppe ist die anspruchsvolle Kundschaft mit einem Faible für unkomplizierte, effiziente Außenbeleuchtung abseits des Stromnetzes.

Entsprechend flexibel sind die fünf Montage-Möglichkeiten: Die 24 x 24 Zentimeter große Panelplatte mit polykristallinen Solarzellen (ca. 16 x 18 cm effektive Fläche, 4 Watt Peak) kann mit und ohne Verlängerungen gesteckt oder geschraubt werden – bis zu einer Gesamthöhe von rund 75 cm.

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Das Solarpanel, ein Aluguss-Stab mit Gewinde und Befestigungsplatte, zwei Stäbe zur Verlängerung und ein Erdspieß: Diese Materialsammlung dient der Stromversorgung und wird so auch mit einigen anderen „myGarden“-Leuchtenmodellen geliefert.

MyGarden-AkkuErweiterbar ist auch die Stromspeicher-Kapazität. Die Unterseite des Panels beherbergt über dem Schalter für die Leuchte ein großes Fach, das serienmäßig mit einem 7,2-Volt-/2200 Milliampère-Stunden-Akku bestückt ist (Bild links). Ein zweites Exemplar kann als Zusatzausstattung bestellt und einfach an einem weiteren Stecker angeschlossen werden –  erst dann ist der Platz voll ausgefüllt (Update: Gibt’s jetzt auch ein paar Euro billiger mit halber Größe und Kapazität).

Der im Akku gespeicherte Strom wird durch ein fünf Meter langes Kabel geleitet, das durch die Verlängerungsstäbe geführt werden kann und über eine verschraubte Kupplung mit dem 2,5-Meter-Kabel der Leuchte verbunden wird. Sie haben also etwa 7,5 Meter Spielraum, um einen möglichst sonnigen Platz für’s Panel zu finden – am besten mit Süd-Ausrichtung.

Maximal fünf Stunden sollen möglich sein

MyGarden-Packung4Offiziell brauchen Sie einen langen, optimalen Sonnentag, um die mit Dämmerungsschalter und „Softstart“ gesteuerte Leuchte nach Einbruch der Dunkelheit bis zu fünf Stunden lang in Betrieb zu halten (siehe Packungsaufdruck rechts).

Schade, dass die Standard-Stromversorgung schon rein rechnerisch diese Vorgabe nicht erfüllen kann: Die „Barley“ holt sich rund 490 Milliampère, der Akku hat nominell 2200 mAh – da wäre also selbst ohne Verlustleistung, unter optimalen Bedingungen, schon nach etwa viereinhalb Stunden Schluss mit maximaler Helligkeit. Bei solch leistungsstarken Leuchten kommt eine relativ kompakte Solarzellen-/Akku-Kombination halt sehr schnell an ihre Grenzen – selbst wenn stromsparende LEDs verwendet werden. Bei einem dreistelligen Preisniveau hätte ich hier mehr erwartet.

In südlicheren Breitengraden kriegen Sie eventuell auch einen zweiten Akku gut geladen und können die Leuchtdauer entsprechend verlängern (geht auch bei uns – siehe Update unten). Kostet aber weitere 19,99 (UVP) bzw. knapp 17 Euro. Philips garantiert mit einem Akku zwei Stunden Mindestzeit – bezogen auf einen durchschnittlichen Wintertag in Brüssel.

Bei meinen bisherigen Versuchen bei teils bedecktem Frühlingshimmel habe ich mit einer Tagesladung rund drei Stunden geschafft. Selbst nach zwei ziemlich sonnigen Tagen mit abgeschalteter Leuchte gab’s weniger als vier Stunden Licht.

Genug Licht für die Gartenparty

Insgesamt 3,5 Watt (nicht 4,5, wie’s auf der Website steht) ziehen die „Luxeon Rebel plus“-Chips der Philips-Tochter „Lumileds“ aus dem 15,84-Wattstunden-Akku und erzeugen daraus bis zu 280 Lumen Lichtstrom (Effizienz: 80 lm/W). Dieser Nennwert ist glaubhaft und genügt locker für die stimmungsvolle Beleuchtung einer kleinen nächtlichen Gartenparty auf 15 bis 20 Quadratmetern, wenn die „Barley“ in etwa 2,5 Meter Höhe darüber montiert ist. Der Füllstand der Gläser, der Garzustand des Grillsteaks oder das Lächeln der Gesprächspartnerin – alles gut erkennbar.

Gegen Ende der Akkukapazität wird’s allerdings deutlich dunkler, weil die Leistung in den letzten Leuchtminuten automatisch auf 20% reduziert wird – also knapp 60 Lumen.  An der „warm-weißen“ Lichtfarbe und der Abstrahlcharakteristik ändert das nichts.

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Hier strahlen offensichtlich keine Chips von der Oberseite aus stur nach unten – wie bei vielen ähnlichen LED-Außenleuchten. Die Lichtquelle ist stattdessen mitten unter der geriffelten Haube und verbreitet ihre Helligkeit, ohne erkennbare Einzelpunkte, ziemlich homogen im Halbkreis (siehe das Leuchtbild ganz oben). Der Eindruck erinnert an eine Glühlampen-„Kerze“ oder an meine neulich getestete LED-„Fadenlampe“. Ein Farbwiedergabeindex wird nicht angegegen und ist für diese Art von Leuchten auch nicht vorgeschrieben. „Pi mal Daumen“ tippe ich jedoch auf einen Wert von Ra >80, wie er auch für die LED-Innenbeleuchtung okay wäre.

Und wo wir schon bei diesen strengen Maßstäben sind: Die Nennlebensdauer von mindestens 15.000 Leuchtstunden und 13.000 Schaltzyklen sollte für 15 Jahre reichen – leider gibt Philips dennoch wie üblich nur zwei Jahre Garantie, obwohl die LED-Module nicht auswechselbar sind. Dabei traue ich ihnen vor allem wegen der „Softstart“-Steuerung erheblich mehr Ein-/Aus-Schaltungen zu – 13.000 ist offenbar der sehr konservative Philips-Standardwert für viele seiner integrierten LED-Leuchten.

Mein Testurteil:

MyGarden-Packung3Die „Barley“ aus der Philips-„myGarden Solar“-Modellreihe kann in gewissen Grenzen sogar die hohen Helligkeits- und Lichtqualitäts-Ansprüche erfüllen, die ich an LED-Innenbeleuchtung stelle. Theoretisch wäre sie beispielsweise ohne Abstriche als TV-Hintergrundlicht im Wohnzimmer einsetzbar – für eine Solar-Außenleuchte ein exzellentes Testergebnis. Aber wäre mir das samt Panel satte 120 Euro (oder auch nur 105) wert?

Ja, wenn die Stromerzeugungs- und Speicher-Kapazität deutlich größer wäre. Mir würde es ja schon genügen, wenn die Philips-Maximalangabe von fünf Stunden Leuchtdauer in der witterungstechnischen Realität unserer Breitengrade tatsächlich erzielt werden könnte. So aber startet die Leuchte um diese Jahreszeit mit dem Dämmerungsschalter automatisch kurz vor 21 Uhr und ist eventuell um Mitternacht schon wieder aus. Blöd, wenn die Wochenend-Gartenparty dann vorzeitig beendet werden muss.

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Eventuell würde ein zweiter Akku für eine Verlängerung des Spaßes sorgen – dann sind wir aber bei sagenhaften 140 Euro Gesamt-UVP. Zum hohen Preisniveau passt auch nicht die angegebene niedrige Schutzart IP44 (geschützt gegen feste Fremdkörper mit Durchmesser ab 1,0 mm und gegen allseitiges Spritzwasser). Andere Außenleuchten können hier mit IP56 oder mehr glänzen.

Die höchste Test-Ausbeute für nicht dimmbare Leuchtmittel wären laut meiner LED-Bewertungsskala vier Sterne. Rein lichttechnisch betrachtet, hätte das die „Barley“-Leuchte fast verdient. Auch an Optik und Verarbeitung des Packungsinhalts habe ich nichts zu mäkeln. Wegen Abzügen bei der B-Note (Leuchtdauer, Schutzart) bleibt’s aber dennoch nur bei
drei Sternen.

Update 26.4.: Der Blick auf ein aktuelles „Sonderangebot“ der „toom“-Baumärkte zeigt übrigens, dass Sie auch erheblich teurere Solar-LED-Außenleuchten kaufen können, die dennoch weit weniger Licht liefern. Wobei mir im Fall dieser Steinel-„X-Solar“ nicht ganz klar ist, wie magere 62 Lumen aus 0,5 Watt LED-Leistung zur Ausleuchtung von 30 Quadratmetern genügen sollen.

Philips-Solar-Akku-PackungUpdate 24.5.: Nach Aufrüstung des Batteriefachs mit einem zweiten, identischen Stromspeicher (Packungsfoto) bestätigte sich meine Vermutung, dass die Schwachstelle der serienmäßigen Einzelakku-Konfiguration dort zu finden ist und nicht beim Solarpanel.

Jenes kann nämlich während eines längeren Frühsommer-Sonnentags beide Stromspeicher fast komplett laden – sogar in unseren Breitengraden. Das wären dann immerhin etwa vier Ampèrestunden Kapazität. Bei meinen bisherigen Versuchen verdoppelte sich jedenfalls die maximale Leuchtdauer der „Barley“ auf rund siebeneinhalb Stunden (inklusive der 10 bis 15 Minuten mit gedimmtem Licht).

Im Sommer ginge wohl auch etwas mehr – dann sind die Nächte aber teilweise so kurz, dass der Dämmerungssensor die Solarleuchte morgens vorzeitig abschaltet. Eine gute Nachricht für alle Nonstop-Gartenparty-Freunde: Mit zwei Akkus bleibt es vermutlich immer hell genug zum Feiern.

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15 Gedanken zu „Im Test: Philips-LED-Solarleuchte „Barley“ – Mini-Sonne für die Nacht (Update)

  1. Da die Lampe kurz vor dem erlöschen automatisch gedimmt wird, gehe ich mal davon aus, dass da eine Elektronik drin ist, die keine Tiefentladung des Akkus zulässt. Das ist ja der größte Schwachpunkt bei normalen, billigen Solar-Funzeln. Da wird der Akku jede Nacht leergesaugt und tiefentladen, so dass er nicht lange hält.

  2. Immerhin ist sie im Gegensatz zu sehr vielen kompletten LED-Leuchten mal richtig ansehnlich geraten.
    Der Preis wird eine große Verbreitung wohl verhindern.

    • Da es allein in Deutschland sicher Hunderttausende gibt, für die 120 Euro nur ein kleiner Griff in die Portokasse sind, wäre ich mit solchen Vorhersagen vorsichtig. Meine Maßstäbe sind ja nicht für alle gültig. 😉

  3. Zum Solarpaneel findet man keine genaueren Angaben. Aber 4Wp für 3,5 W LED sagt ja schon was über die Praxis aus, selbst wenn man Ladeverluste etc. außer Acht lässt.

    Die Zusatzoption ist ja auch interessant. 20€ für zwei 08/15 2200mAh Yoku ICR18650C2… Die reißen mich bzgl. der Spezifikation auch nicht so vom Hocker. Oder übersehe ich da was?

    • Gut aufgepasst! Die Peak-Angabe auf dem Aufkleber war mir zuerst nicht aufgefallen – habe die Info im Beitrag ergänzt.

      Sicher könnte man aus dieser Panelfläche mehr herausholen – beispielsweise mit (teureren) monokristallinen oder amorphen Zellen. Sollte eigentlich bei diesem Preisniveau möglich sein.

  4. Hallo,

    der Test ist gut ein Jahr her und der Sommer rückt erneut an, da frage ich mich, ob es neue Empfehlungen für gute Solarleuchten gibt?

    Danke!

  5. leider gibt es offenbar aus diese hochwertigen my garden – Serie kein Modell mit einem Sensor, der die Leistung schaltet. Die Geräte arbeiten also immer mit voller Leistung oder ausgeschaltet.
    oder habe ich da etwas übersehen?

    • Doch, da gibt es inzwischen auch einige „Sensor“-Modelle, siehe hier, hier oder dort. Außerdem haben alle Modelle einen Unterspannungs-Detektor, der zum Ende der Akkukapazität und vor dem kompletten Ausschalten die Lampe stark dimmt.

  6. Ich bin immer noch unentschlossen, was es werden soll…
    nehmen sich denn die anderen Modelle der mygarden solar serie etwas oder ist die Optik der Unterschied?

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