Im Test: Neue E27-LED-„Birne“ von LCTW – solide Mittelklasse

Ordentliche Helligkeit mit breitem, nierenförmigem Lichtkegel liefert die aktuelle LED-Retrofit-A60-„Birne“ von „LED’s change the world“ (LCTW). Mit nur rund 10 Watt kann sie locker eine herkömmliche 60-Watt-Glühlampe ersetzen.

LCTW-9,5W-Leuchtbild
Offiziell 220 Grad Halbwertswinkel hat die neue LED-„Birne“ von LCTW. Der Lichtkegel dürfte für die meisten Anwendungen rund genug sein. (Fotos: W. Messer)

LCTW-9,5-GluehlampeRegulär 9,90 Euro (morgen im Rahmen einer Zehnerpack-Sonderaktion aber erheblich weniger, siehe Testurteil unten) kostet derzeit noch die nicht dimmbare, neue A60-LED-Lampe von „LED’s change the world“ (LCTW) mit nominell 806 Lumen Lichtstrom, 2700 Kelvin Farbtemperatur („warm-weiß“) und Farbwiedergabeindex Ra/CRI 80.

Mit 6 cm Maximaldurchmesser und 11 cm Länge ist sie nur wenig größer als eine traditionelle 60-Watt-„Glühbirne“ (im Vergleichsbild rechts), wirkt aber subjektiv deutlich heller.

Dass der mittelständische LED-Spezialist aus Königswinter anständige Retrofits im Angebot hat, wissen Sie als treuer Blogleser schon seit mindestens zwei Jahren. Seither gab’s in überschaubarem Tempo immer mal wieder ein paar neue Modelle zu attraktiven Preisen. Hans-Georg_Kucharski_LCTWGeschäftsführer Hans-Georg Kucharski (PR-Foto) hat mir das so erklärt:

„Wie Sie wissen, geben wir kein Geld für Prospekte und Messen aus. Wir arbeiten auch nicht mit dem klassischen Handel. Da muss man als Anbieter auch Werbekostenbeiträge zahlen. Das sparen wir uns. Wir geben das Marketingbudget eben direkt an unsere Kunden weiter.“

Kleine Einschränkung: Das LCTW-Mini-Werbebanner rechts oben hier im Blog gab’s nicht gratis, hat aber sicher kein großes Loch in die Firmenkasse gerissen. An der Testprozedur und meiner Beurteilung der Produkte ändert diese Werbe-Partnerschaft ohnehin nichts, und Gratis-Testlampen bekomme ich auch von anderen Anbietern. Erwarten Sie also keine Bevorzugung.

Aufdrucke könnten eindeutiger sein

Dann schauen wir uns das Teil mal genauer an – links die 121 Gramm schwere Lampe, rechts die Packung mit einem Teil der wichtigsten Daten:

LCTW-9,5W-aus-Packung1

(Detailbild rechts)LCTW-A60-9,5W-Packung2Leider ist dem Sockelaufdruck (Detailbild rechts) weder das Herstellungsland noch die fehlende Dimmbarkeit zu entnehmen. Das finden Sie nur als schüchterne, kleine Angabe „Made in P. R. C.“ (Abkürzung für „Peoples Republic of China“, Volksrepublik China; Hersteller ist die Firma „Sengled“) bzw. als unauffälliges Mini-Piktogramm auf einer Packungsseite (Ausschnitt rechts unten, direkt unter der Website-Adresse, Abbildung entspricht etwa der Originalgröße).

Dabei wäre gerade dieser wichtige Hinweis in eindeutigerer, größerer Darstellung und an prominenterer Stelle besser aufgehoben. Wenn Sie nämlich so eine nicht dimmbare LED-Lampe versehentlich an einem Dimmer betreiben, können beide Geräte den Heldentod sterben.

Leichtes Stirnrunzeln verursachen auch die Angaben „sehr lange Lebensdauer: 15.000 Stunden“ und „sehr gute Farbwiedergabe der beleuchteten Umgebung CRI/Ra 80“. Beides ist für aktuelle LED-Retrofit-Verhältnisse bestenfalls Durchschnitt und keinesfalls „sehr gut“. Hier glänzen inwischen sogar manche Discounter-Sonderangebote mit mindestens 25.000 Stunden und Ra 90.

Beim Dauerbetrieb wird’s hübsch warm

Tatsächlich sind aber die LCTW-Angaben sehr konservativ und vorsichtig gesetzt. Das gilt ebenso für die Nennlebensdauer von 100.000 Schaltzyklen. Wahrscheinlich hält diese Lampe im „normalen“ Privathaushalt und in einem ordentlich durchlüfteteten Leuchtengehäuse mindestens 20 Jahre durch – bei nur geringem Helligkeitsverlust. Trotz des günstigen Preises reden wir hier nicht von einem Billigprodukt.

Sehr enge Platzverhältnisse sollten am Einbauort allerdings nicht herrschen. In meiner offenen Testfassung kletterte die Temperatur an der heißesten Gehäusestelle nämlich im Dauerbetrieb auf 76 Grad. Das liegt deutlich über dem Schnitt meiner bisherigen Testlampen, bleibt aber unkritisch, wenn es keinen Hitzestau in einer geschlossenen Leuchte gibt. Ab etwa 90 Grad würde ich mir Sorgen um die Lebensdauer machen.

Unauffällig, schnell und willig

LCTW-9,5W-anNach dem Einschalten liefert die LCTW-„Birne“ ohne nennenswerte Verzögerung sofort die volle Helligkeit (< 0,5 Sekunden), meldet sich mit einem leisen Surren, das in ruhiger Umgebung bis etwa 10 cm Distanz hörbar ist, und zieht laut meinem Amateur-Messgerät 10,4 Watt bei einem elektrischen Leistungsfaktor von 0,58. Das Profi-Labor ermittelte 9,75 W bei Faktor 0,55 – die kleinen Unterschiede spielen in der Praxis keine Rolle.

Der Lichteindruck ist beim direkten Blick auf die Lampe (Bild links) naturgemäß etwas „kälter“ als bei der indirekten Beurteilung mit angestrahlten Gegenständen. Hier erscheint mir das LED-Licht durchaus Glühlampen-ähnlich – auch bei meinem Standard-Farbtreue-Modell:

LCTW-9,5W-Farbtreue
So sieht eine sattrote Ducati 916 im Kleinformat auf weißem Untergrund im Licht der LCTW-A60-„Birne“ aus (Weißabgleich „bewölkter Himmel“, nicht nachbearbeitet).

Deutlich erkennbar ist die Gelb-/Orange-Einfärbung der Weiß-, Schwarz- und Rot-Töne. Der Tank und die Verkleidung sehen in Wirklichkeit dunkelroter und satter aus. Dieses Manko haben die meisten „Consumer“-Lampen mit ausschließlich „warm-weißen“ LED-Chips – ohne zusätzliche rote Module. Dafür fallen aber auch keine störenden Rosa-, Grün- oder Blaustiche im Licht auf. Das spricht für eine solide Luminiszenzkonversions-Beschichtung der eigentlich blauen LEDs – auch „Phosphorhaube“ genannt.

Die Messungen meines Kooperationspartners „David Communication“ bestätigten diese Beobachtungen (pdf-Download des Messprotokolls): Die Farbtemperatur beträgt 2653 Kelvin mit einer Spitze bei ca. 615 Nanometer Wellenlänge (Gelb-Orange) und der Dominante bei 585 nm (Gelb). Der allgemeine Farbwiedergabeindex von acht der 14 Messfarben (Ra) erreicht beeindruckende 85,4 – mit einer leichten Schwäche bei „Fliederviolett“ (R8 = 67,9). Die traditionell schwierigste CRI-Zusatzfarbe R9 (Rot gesättigt) wird mit 31,8 überdurchschnittlich gut präsentiert. Die meisten Ra-80-LED-Lampen liegen hier deutlich unter 25.

LCTW-9,5"-Spektrum
Das Spektraldiagramm der neuen LCTW-„Birne“ – für eine „warm-weiße“ LED-Lampe dieser Preisklasse mit nominell Ra 80 wirkt es relativ ausgeglichen.

Ebenfalls besser als offiziell angegeben ist die Farbkonsistenz. LCTW nennt eine Schwarzkörperkurve-Abweichung von weniger als sechs Stufen der MacAdam-Ellipse; das Labor konnte das auf unter vier SDCM-Stufen eingrenzen. Farbeindruck-Unterschiede bei mehreren Lampen dieser Serie dürften somit selbst bei direktem Blick kaum sichtbar sein.

Fast eine Punktlandung gelang beim Abstrahlwinkel: 220 Grad sind’s laut LCTW; rund 223 kamen im Labor ‚raus (pdf-Download der Lichtverteilungskurve). Für diese Charakteristik ist vor allem die matte Glashaube zuständig, die das Licht der im Sockel mit 115 Grad Halbwertswinkel nach oben strahlenden zwölf „Everlight“-Hochleistungs-LED-Chips breiter streut. Bis hierhin konnte also kollektiv über die Messwerte frohlockt werden.

Einen kleinen Dämpfer gab’s dann allerdings bei der Lichtstrom-Messung: Statt irgendwas über 800 sammelte die Ulbricht-Kugel nur rund 761 Lumen ein. Diese Abweichung liegt innerhalb der 10-Prozent-Toleranz der EU-Ökodesignverordnung 1194/2012 und ist zwar keine dramatische Abweichung vom Nennwert, aber ein herber Schlag für mein subjektives Beurteilungsvermögen: Ich hatte nämlich spontan auf mindestens 840 Lumen getippt, so hell kam mir die LCTW-Lampe vor. Heller als die meisten 60-Watt-Glühlampen ist sie jedenfalls auch objektiv, und am Stromsparpotenzial von knapp 84% ändert’s sowieso kaum was.

Am A+-Ökolabel wird nicht gerüttelt

LCTW-A60-9,5W-LabelAusgehend von den Labormessungen (9,75 Watt, 761 lm) ergibt sich ein Energieeffizienzindex (EEI) von rund 0,16. Damit bleibt auch das auf die Packung gedruckte EU-Ökolabel A+ korrekt (Bild rechts), weil eine Lampe erst bei 0,18 in die schlechtere A-Stufe rutschen würde.

Hier zeigt sich offensichtlich mal wieder ein direkter, reziproker Zusammenhang zwischen Lichtqualität und Effizienz: Je dichter und komplexer ein blauer LED-Chip „weiß“ beschichtet wird, desto mehr unerwünschte Farbanteile werden herausgefiltert und dringen nicht nach draußen – die Gesamthelligkeit wird also geringer. Ist mir persönlich aber lieber als hocheffiziente „Lumenschinder“-LEDs mit geringer Farbtreue und ekligen Grünstichen.

Mein Testurteil:

Wenn Sie morgen (Mittwoch, 18. Juni, zwischen 0 und 24 Uhr) einen Zehnerpack dieser A60-Lampen im LCTW-Online-Shop kaufen, kostet Sie das nur 49,99 Euro inklusive Versand. Das ist umgerechnet weniger als 5 Euro pro Stück oder etwa die Hälfte des regulären Einzelpreises – ein Hammerangebot, für das Sie ein solides, langlebiges Mittelklasseprodukt bekommen, mir dem Sie weitgehend problemlos eine herkömmliche 60-Watt-Glühlampe ersetzen können und auch noch drei Jahre Garantie bekommen.

Dass die Lampe nicht dimmbar ist, sollte allerdings deutlicher erkennbar sein. Das Kühlrippen-lose Design scheint außerdem relativ hohe Gehäusetemperaturen zu verursachen. Die Lichtstromangabe wurde im Labor nicht ganz erreicht, liegt jedoch noch innerhalb der zulässigen Toleranz. Pluspunkte gibt’s für die relativ hohe Farbtreue und Farbkonsistenz sowie für die Einhaltung der Farbtemperatur- und Abstrahlwinkel-Vorgaben. Vier Sterne wären auf meiner Bewertungsskala aktuell das Maximum für nicht dimmbare LED-Retrofits mit mindestens Ra 90 – die LCTW-Lampe schafft immerhin
drei Sterne.

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2 Gedanken zu „Im Test: Neue E27-LED-„Birne“ von LCTW – solide Mittelklasse

  1. Wird die Temperatur eigentlich immer gemessen, indem die LED „stehend“ betrieben wird (also Fassung unten)?
    Was ist denn, wenn man sie in einer Hängeleuchte betreibt. Dann steigt die Hitze doch ans andere Ende der Lampe, Richtung Elektronik.
    Aber offenbar ist der Temperaturunterschied doch nicht so groß, egal wie man die LED einschraubt?

    • Meistens messe ich sowohl stehend als auch hängend – ist aber bei meinen offenen Testfassungen weitgehend egal. Hitze steigt halt nach oben. Gilt natürlich auch für horizontale Montage, dann wird’s vorwiegend an der breitesten seitlichen (obenliegenden) Stelle der Lampe am heißesten.

      Hängend wird’s in der Praxis natürlich kritisch, wenn die Leuchtengehäuse eng und unbelüftet sind – wie teils in meinem Studio.

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