Im Test: Sigalux-„Double Click“-Lampe – darf’s ein bisschen mehr sein?

Normale LED-„Birnen“ haben eine bestimmte Lichtfarbe und lassen sich eventuell auch dimmen. Die Sigalux-„Double Click“-E27-Retrofit kann etwas mehr und braucht dazu nur einen simplen Lichtschalter. Der aktiviert – je nach Ihrem Wunsch – zwei Farbtemperatur-Stufen mit unterschiedlicher Helligkeit.

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Bei der Sigalux-„Double Click CCT DIM“-Lampe können Sie mit einem doppelten, schnellen Schalterdruck zwischen „warm-weißer“ (links) und „neutral-weißer“ Lichtfarbe wechseln. (Fotos: W. Messer)

Sigalux-12W-DC-ausDas „Double Click“-Prinzip ist natürlich keine originäre Erfindung des Kölner LED-Importeurs Sigalux oder des anonymen chinesischen Herstellers der Testlampe. LEDON nutzt beispielsweise die wiederholte, schnelle Schalterbetätigung schon lange zur Einstellung verschiedener Helligkeitsstufen einiger LED-Lampenmodelle und kündigte bereits im März zwei dimmbare E27-„Dual Color“-Varianten mit je zwei auf Knopfdruck wählbaren Farbtemperaturen an (2700/4000 Kelvin bzw. 2000/2700 K).

Bis jetzt ist mir diese Neuheit allerdings nur auf der Fachmesse „eltefa“ in Stuttgart begegnet und noch nicht im offiziellen Sortiment. Das nicht dimmbare Sigalux-Pendant (Bild rechts) gibt’s dagegen seit einiger Zeit völlig problemlos im Handel gegen aktuell rund 15 Euro Ablösesumme (UVP: 19,99 €). Was genau Sie dafür bekommen, wird beim Blick auf die Verpackung jedoch nicht in jedem Fall klar. Während Ihnen nämlich oben 806 Lumen Lichtstrom im „warm-weißen“ 2700-K-Modus versprochen werden …

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Sigalux-Pack1… können Sie auf einer Packungsseite in der englischen „Operation Instruction“ (Bedienungsanleitung, Abbildung links) ganz andere Werte lesen: 780 lm bei 2700 K und 920 lm bei 4000 K. Um es vorweg zu nehmen: Nichts davon trifft exakt die im Profi-Labor von „David Communication“ ermittelten Werte. Die Sigalux ist nämlich eine Streber-LED-Lampe, die besser sein will als ihre offiziellen Daten.

Das geht schon bei der nominellen Leistungsaufnahme von 12 Watt los. Die unterbietet sie nach zwei Stunden Dauerleuchten in beiden Modi (11,5 bei „warm-weiß“, 11,4 W bei „neutral-weiß“). Der elektrische Leistungsfaktor lag sowohl im Labor als auch laut meinem „Energy Master Profi-2″ zwischen 0,52 und 0,53. In der offenen, hängenden Testfassung zeigte das Infrarot-Thermometer an der heißesten Stelle des Gehäuses – nahe des Sockels – 72 Grad, an der Haube unten waren’s gefahrlos berührbare 32 Grad.

Schnelle Reaktion, kein Flimmern, fast lautlos

Im kalten Zustand gab es nach dem Einschalten nach maximal einer halben Sekunde volles Licht; eine merkliche Verzögerung beim Umschalten zwischen den beiden Lichtfarben müssen Sie genau so wenig befürchten. Akustisch spielt die Sigalux ebenfalls fast die Musterschülerin: Selbst in absolut stiller Umgebung ist nur ein minimales Surren bis ca. 5 cm Distanz zu hören.

Sigalux-12"-DC-Flicker-wwBei meinen Foto-Sessions zeigte das Kamera-Display keinerlei Flimmern; auch die „Flicker Tester“-App von „Viso Systems“ stellte der „Double Click“ ein sehr gutes Zeugnis aus. Die bei „warm-weißer“ Einstellung gemessenen Werte Index 0,0 und nur 3% Flimmer-Rate (Screenshot rechts) waren im „neutral-weißen“ Modus identisch.

Bis hierhin agierte die Sigalux-Lampe also vorbildlich. Wie wär’s zur Abwechslung mal mit einem kleinen Haar in der Suppe? Puh – das wird schwierig! Vielleicht finden wir das ja beim voluminösen (12 cm lang, bis 6 cm breit) und schweren (190 Gramm) weißen Metallgehäuse? Dessen Bauform mit relativ kleiner, lückenlos aufgesetzter Haube erinnert mich an leistungsstarke Osram-„LED Star Classic“-Retrofits.

Einen runden Lichtkegel kriegen Sie nicht

Nachteil dieses Designs: Die Abstrahlung kann trotz der Streuwirkung des matten Lampenglases nicht wirklich rund ausfallen. Tatsächlich ermittelte das Labor nur rund 161 Grad Halbwertswinkel (pdf-Download des Diagramms), was sich in meinem Leuchtbild so auswirkt:

Sigalux-12W-DC-Leuchtbild

Viel Lichtstärke also nach oben und zu den Seiten, aber nur wenig nach unten in Richtung Sockel. Wenn Sie diese Lampe hängend über dem Tisch leuchten lassen, kehrt sich die Wirkung natürlich um: Dort, wie Sie’s brauchen, wird’s überdurchschnittlich hell (übrigens auch deutlich heller als mit einer traditionellen 60-Watt-Glühlampe) – dagegen kriegt die Decke kaum was ab. Das war’s aber auch schon mit der Kritik an der Sigalux-„Double Click CCT DIM“ – ab jetzt wird wieder gelobhudelt.

Helleres und farbtreueres Licht als versprochen

Sigalux-Pack2Was die Ulbricht-Kugel bei beiden Farbtemperaturen an Lichtstrom einsammelte, übertraf alle Erwartungen: Gut 888 Lumen waren’s bei fast exakt 2700 Kelvin (pdf-Download des Messprotokolls) und fast 964 lm bei 3810 K (pdf-Download). Dass die zweite Lichtfarbe etwas wärmer ausfiel als die offiziellen 4000 K, fällt in der Praxis nicht groß auf. Als ziemlich neutrales Arbeitslicht – beispielsweise über’m Schreibtisch – taugt es dennoch.

Kurioserweise präsentierte sich die Sigalux im „neutral-weißen“ Modus sogar als die insgesamt bessere LED-Lampe, weil sie nicht nur deutlich heller, sondern auch farbtreuer leuchtete: Farbwiedergabeindex Ra 85 („warm-weiß“: Ra 83) – mit anständigen Werten bei den schwierigen Zusatz-Messfarben „Rot gesättigt“ (R9 = 23,2 gegen schlappe 9,7) und „Hautfarbe Rosa“ (R13 = 85,4 gegen 84,9).

In den Standard-Farbtreue-Fotos mit der roten Ducati 916 im Kleinformat auf weißem Untergrund zeigt sich das so (Weißabgleich „Tageslicht“, ohne Nachbearbeitung, links „warm-weiß“, rechts „neutral-weiß“):

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Links tendiert das Rot stark nach Orange, rechts wird es realitätsnäher abgebildet; die schwarze Sitzbank und die weiße Unterlage kommen dort erwartungsgemäß sowieso besser zur Geltung. Noch eindeutiger wird der Vorsprung der „kälteren“ Farbtemperatur, wenn das abgebildete Objekt überwiegend tiefblau ist:

Sigalux-12W-ww-nw-Farbtreue-blau

Links wird deutlich, dass die „warm-weiße“ Einstellung erhebliche Schwächen bei der Blau-Wiedergabe hat und keine annähernd realistische Darstellung der Farbe liefern kann. Die dazu gehörenden Spektraldiagramme offenbaren, dass der „neutral-weiße“ Modus insgesamt ausgeglichener erscheint und auch nach rechts in Richtung Rot nicht schwächelt. Die „Color Peaks“ liegen mit ca. 593 Nanometer (ww, erste Grafik) und rund 607 (nw, zweite Grafik) recht nahe beieinander, die „Color Dominants“ mit 580 und 585 nm noch mehr:

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Sigalux-DC-Spektrum-nw

Der Unterschied liegt hauptsächlich in der Extraportion Blau der unteren Kurve. In der „neutral-weißen“ Einstellung kriegen Sie also von fast allem mehr: Mehr Helligkeit, mehr Farbtreue, mehr Effizienz – aber nicht mehr Stromverbrauch, weil sich die Leistungsaufnahme beim Umschalten nicht nennenswert ändert.

Mein Testurteil:

Sigalux-Pack-vorneNatürlich können Sie sich fern- und variabel Farb– oder Farbtemperatur-steuerbare LED-Lampen mit gekoppelter Helligkeitsregelung kaufen, wenn sie Ihre Lichtszenarien maximal flexibel gestalten wollen. Kostet halt entsprechend Kohle.

Wenn Ihnen aber zwei weiße Lichtfarben und Helligkeitsstufen sowie eine schlichte Elektroinstallation mit Schaltern genügen, wenn Sie’s gerne einfach und übersichtlich haben wollen, dann könnten Sie mit der Sigalux-„Double Click CCT DIM“ für knapp 16 Euro glücklich werden.

Helligkeit und Farbtreue übertreffen die offiziellen Werte; die Nennlebensdauer ist mit 25.000 Leuchtstunden und 30.000 Schaltzyklen absolut okay. Einzige Einschränkung: Diese LED-Retrofit ist nicht wirklich rundstrahlend, sondern lässt den Raum unter dem E27-Schraubsockel unterbelichtet. Dafür gibt’s nach oben und seitlich mehr Schmackes – vor allem im „neutral-weißen“ Modus kann die Lampe deshalb locker eine 75-Watt-Glühlampe ersetzen. Das auf der Packung versprochene Stromsparpotenzial von ca. 85% ist also auch nicht übertrieben und die Sigalux verdient sich auf meiner strengen LED-Bewertungsskala solide
drei Sterne.

(Offenlegung: Ich habe die Lampe auf eigene Kosten regulär gekauft und werde sie künftig Alltags-dauertesten.)

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10 Gedanken zu „Im Test: Sigalux-„Double Click“-Lampe – darf’s ein bisschen mehr sein?

  1. Habe mal so ein Teil geschlachtet (partieller Tear-Down).

    – sehr schwer, CE- und GS-Zeichen (TÜV-Süd), lackiertes Vollmetallgehäuse
    – aufgeklebte Plastikhaube, sitzt aber sehr viel fester als bei Müller Licht (habe mit Gartenmesser untergehakt und gleich eine LED getötet, Schraubenzieher und mehr Geduld täten wahrscheinlich auch)
    – es sind je 14 kalt- und warmweiße LEDs verbaut mit je ca. 0,67 W, die leuchten je nach Stellung entweder oder
    – in je zwei parallelgeschalteten Strängen à 7 LEDs: 42 V, also sind das Einzel-LEDs mit 3 V, auch wenn die durch den Phosphor nach zwei Chips aussehen (oder es sind zwei Chips parallel geschaltet?!?)
    – Aluplatine ohne besondere Isolierungsmaßnahmen, drei Drähte kommen aus dem Inneren der Lampe; der gemeinsame Pol beider Stränge (WW und KW) ist sogar per metalliserter Öse für die Schraube explizit mit dem Metallgehäuse verbunden (!)
    – nach Ablöten der Drähte und Abschrauben der Platine: die drei Drähte verschwinden im Metallkern des Gehäuses, drei weitere Schrauben kommen zum Vorschein
    – normalerweise müsste man jetzt erstmal den E27-Sockel abmachen, diesen an mehreren Stellen angefräst, der hat seltsamerweise aber überall Kunststoff unter dem Blech
    – also Schrauben doch gelöst, jetzt lässt sich ein Kunststoffkern samt Schraubsockel aus dem Metallkern ziehen
    – das Netzteil ist vollvergossen (auch ungewöhnlich), ein Strommesswiderstand, wie er sonst in stationären Konstrantstromquellen zu finden ist, scheint durch die Vergussmasse erkennbar (normalerweise wird in LED-Birnen der Strom indirekt geregelt bzw. einfach der Ausgangskreis sehr hochohmig ausgelegt)
    – Wirkungsgrad gemessen, ca. 83% bei Nennlast

    Keine Ahnung, von welchem Band das Teil gepurzelt ist, aber hier wurde aus dem Vollen geschöpft…

    Was mich etwas nervös macht: die Lackierung auf dem Metallgehäuse ist zwar recht robust (Pulvereinbrennlack?), aber sicher keine vollwertige Isolierung. Ob man angesichts des absichtlich mit dem Gehäuse verbundenen Ausgangsdrahtes und des GS-Zeichens davon ausgehen, dass hier auf strenge Potentialtrennung geachtet wurde, d.h. die Birne im Prinzip trotz Metallgehäuses ohne galvanische Trennung vom Sekundärkreis das doppelte Quadrat tragen dürfte?

  2. Ach ja, habe mir gerade nochmal das Metallgehäuse angeschaut. Die Lackierung geht auch nur bis zur sichtbaren Kante. Die ca. 1 mm breite Stirnseite des Gehäuses, auf der die Kuppel aufsitzt, ist nichtmal deckend lackiert, sondern hat nur etwas Nebel abbekommen.

  3. Guten Tag,

    ich wollte fragen, ob es eine gute Alternative zu dieser Lampe gibt. Ich habe eine davon, bräuchte allerdings insgesamt 3, da sie über dem Esszimmertisch kommen sollen. Leider ist diese nicht mehr zu kaufen und gerade der Wechsel der beiden Farbwiedergaben und die doch recht brauchbare Farbtreue hatten mich eigentlich überzeugt.

    Vielen Dank für Ihren Rat und den immer wieder tollen Testberichten!

    Mit freundlichen Grüßen
    Willem

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