Infos

Sie befinden sich in den Archiven der Kategorie Finanzen.

Mai 2012
M D M D F S S
« Apr    
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031  
Kategorien

Archiv der Kategorie Finanzen

Deutsche Solarindustrie: Abbau mit Ansage

Fast keine Woche ohne Hiobsbotschaften von Solarzellenproduzenten in Deutschland: Q-Cells, Solar Millennium, Solarhybrid, Solon und Odersun sind insolvent, Phoenix Solar fliegt aus dem TecDax und mutiert zum Penny-Stock, SolarWorld erreicht mit unter 1,70 Euro sein Aktienkurs-Allzeittief, First Solar schließt im Herbst seine beiden Werk in Frankfurt/Oder, setzt 1200 Mitarbeiter auf die Straße, will nur noch ein 25köpfiges Service-Team in Mainz beschäftigen - jedes Mal gehen zahlreiche Arbeitsplätze, die Hoffnungen auf eine prosperierende Wirtschaft in zumeist strukturschwachen Gebieten und Millionensubventionen verloren.

Solarkraftwerk Iffezheim1
Ein neues 7-Megawatt/Peak-Solarkraftwerk am Rhein beim badischen Iffezheim - geplant und gebaut von der “Tauber-Solar System GmbH” und “Würth Solar”. Raten Sie mal, in welchem Land die Solarmodule produziert wurden - die Auflösung gibt’s weiter unten. (Fotos: W. Messer)

Ist die Ursache für dieses multiple Versagen der deutschen Solarindustrie wirklich nur in der stetig gekürzten staatlichen Förderung für Solaranlagen und die Einspeisung von Solarstrom zu suchen, wie es zum Beispiel dieser Tweet nahelegt - einer von vielen mit ähnlicher Stoßrichtung?

Der vergiftete “Dank” trifft nicht den Kern des Problems. Gerade im komplexen Fall First Solar kann man der öffentlichen Hand kein mangelndes Engagement vorwerfen; im Gegenteil: Das Land Brandenburg subventionierte während der anfänglichen Solar-Euphorie in Deutschland die beiden Produktionsstätten mit insgesamt 67 Millionen Euro. Davon kann der US-Konzern voraussichtlich trotz der geplanten Werksschließungen 45 Millionen völlig legal behalten, obwohl ein großer Teil der Probleme hausgemacht war - etwa durch diverse Managementfehler und die Produktion schwacher Module, die vorzeitig ihre Leistung verloren.

Ähnliche Mängel hatte zwar anfangs auch teilweise die erheblich billigere Konkurrenz aus China. Inzwischen haben die Fernost-Solarzellen (etwa vonYingli Solar) aber enorm aufgeholt, quantitativ und qualitativ. Abzusehen war diese Entwicklung schon vor mindestens zwei Jahren, als etwa der Aktienkurs des deutschen Vorzeigeunternehmens SolarWorld wegen des Preisdrucks am Markt von ursprünglich 48 (2007) auf magere 8 Euro abgestürzt war.

Langfristige Subventionen sind kontraproduktiv

Die staatliche Milliarden-Förderung von privaten und gewerblichen Solarstromanlagen über das “Erneuerbare-Energien-Gesetz” (EEG) erwies sich schon lange als problematisch. Bereits im März 2010 berichtete der “Spiegel” über die “Solar-Absahner”, die der Ökobranche schadeten. Seither stieg die Solarzellenfläche in Deutschland unerwartet schnell und stetig weiter, obwohl die Subventionen immer wieder gekürzt wurden.

Die Gewinnspanne für Ökostrom-Erzeuger blieb trotzdem hoch, weil die Modulpreise in ungeahnte Tiefen fielen. Die EEG-Förderung macht schließlich keinen Unterschied zwischen Strom aus teuren Solarzellen deutscher Produktion und dem von billigen Modulen aus chinesischen Fabriken. Ein großer Teil des deutschen Geldes dürfte somit indirekt nach China geflossen sein, während die deutschen Produzenten in den Mond guckten.

Das ist eben die Krux mit solchen Subventionen - vor allem, wenn sie über eine Startphase hinaus zu lange gewährt werden: Sie halten häufig Wirtschaftszweige und Produktionsstandorte am Leben, die sonst im rauen Wind des globalen Marktes nicht bestehen würden, sie können eigentlich notwendige Anpassungen verhindern oder verzögern, Manager “bequem” machen, Kosten und Preise künstlich erhöhen und letztendlich komplett kontraproduktiv sein, weil das Geld in den falschen Händen landet.

Die Solar-”Subventionsnomaden”

Solche Erfahrungen hat man zum Beispiel bei der Nokia-Handy-Produktion in Bochum gemacht, wo das finnische Unternehmen eine hochsubventionierte Fabrik dicht machte, die Fertigung nach Rumänien verlagerte, dort wieder Unterstützungen kassierte und nach kurzer Zeit erneut die Reißleine zog. Analog zu den berüchtigten “Mietnomaden” kann man hier wohl von “Subventionsnomaden” reden; nichts anderes praktiziert gerade First Solar in Brandenburg und übrigens auch in Malaysia, wo mindestens vier Produktionslinien geschlossen werden: “Danke für die Geschenke, aber wir müssen jetzt wieder gehen.”

Auch China subventionierte seine Solarindustrie von Anfang an, aber anders. Dort erhalten die Unternehmen direkt billige bzw. kostenlose Grundstücke und zinsgünstige Kredite, deren Rückzahlung eher theoretisch stattfindet. Diese eher verdeckten Hilfen kommen also zwingend nur dem chinesischen Markt zugute und sorgen zusammen mit den billigen Arbeitskräften für konkurrenzlos günstige Produktionskosten.

Kein chinesischer Solar-Manager würde auf die Idee kommen, seine Fertigung komplett ins Ausland zu verlagern, kein chinesisches Solarkraftwerk entsteht nur mit Modulen aus Deutschland oder den USA. Inzwischen gilt das übrigens auch für viele deutsche Solaranlagen. Peinlicherweise gibt es sogar hiesige Großanlagenbauer, die einerseits heftig gegen die Senkung der Einspeisevergütung (als EEG-Aufschlag bezahlt von deutschen Stromverbrauchern) protestieren, andererseits aber ohne schlechtes Gewissen ihre Solarzellen ausschließlich in China kaufen.

Solarkraftwerk Iffezheim 2
Insgesamt 28.710 polykristalline Silizium-Module des chinesischen Konzerns “Trina Solar” liefern seit Ende 2011 den Strom im 12,5 Hektar großen Solarkraftwerk bei Iffezheim.

Vor Kurzem hat China immerhin etwas ähnliches wie unser EEG eingeführt. 2009 starteten mehrstufige Sondervergütungen für Strom aus Windkraft, die den Normalpreis um mindestens ein sattes Drittel erhöhen. Stromerzeugung aus Sonnenenergie wird allerdings erst seit August 2011 extra belohnt; mit umgerechnet rund 12 Eurocent pro Kilowattstunde, was etwa 45 Prozent über dem Preis für konventionell erzeugten Strom liegt. Bis dahin hatten die wenigen chinesischen Solarkraftwerksbetreiber erhebliche Rentabilitätsprobleme, weil sie völlig ohne Subventionen auskommen mussten.

Folgerichtig wurden dort zum Beispiel 2010 neue Solaranlagen mit insgesamt weniger als einem Gigawatt Nennleistung installiert, während im gleichen Zeitraum Solarmodule für über zehn Gigawatt die Fabrikhallen verließen. Dieses Verhältnis war politisch und planwirtschaftlich gewollt, denn so konnten 90 Prozent der Inlandsproduktion auf dem Weltmarkt landen und dort die Position der chinesischen Exporteure ausbauen. Der den Chinesen historisch nachgesagte Expansionsdrang ist kein Vorurteil, sondern zumindest in der globalen Wirtschaft eine gelebte Tatsache.

“Mutti” kann nichts dafür

Kein europäisches, regelgerechtes Subventionssystem wäre in der Lage, so konsequent und nachhaltig einheimische Unternehmen zu stützen und Produktionsstandorte zu erhalten, wie es in China möglich ist. Unsere Textil- und Elektronikindustrie hat das schon vor Jahrzehnten erfahren müssen.

Für deutsche Firmen bleiben allenfalls Nischen oder sehr spezielle Branchen, die sich für die Chinesen nicht lohnen. Und falls dann doch mal ein deutscher Spezialanbieter störend oder betörend genug erscheint, wird er eben gekauft - wie gerade der Aichtaler Betonpumpenhersteller Putzmeister.

Weder unsere Bundeskanzlerin noch unser Bundeswirtschaftsminister können prinzipiell und aktuell haftbar gemacht werden, wenn deutsche Solararbeitsplätze verloren gehen. Beide haben nicht die Mittel, Managementfehler von deutschen Unternehmen oder eines US-Konzerns wie First Solar zu korrigieren, die aggressive Preispolitik der Fernost-Produzenten zu konterkarieren oder gar deutsche Solarpark-Erbauer am Kauf chinesischer Module zu hindern.

Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, müssen wir uns wohl in Deutschland mittelfristig komplett von der Massenfertigung von Solarmodulen verabschieden. Höhere Einspeisevergütungen für Solarstrom könnten das nicht verhindern - im Gegenteil: Sie waren wohl zu einem guten Teil mit schuld an dieser Entwicklung.

blogoscoop Blog Top Liste - by TopBlogs.de

Ein paar Hausaufgaben für die LED-Branche (Update 21.5.)

Auch 50 Jahre nach Entwicklung der ersten Leuchtdiode hat die LED-Beleuchtung noch nicht den Weg aus der Nische geschafft: In Deutschland machte sie 2011 nur knapp zwei Prozent des Lichtmarktes aus, weltweit wurden gerade mal 10 Milliarden Euro mit LED-Lampen und -Leuchten umgesetzt. Gekauft werden sie bisher überproportional von Industrie und Gewerbe, private Verbraucher halten sich dagegen noch sehr zurück. Kein Wunder: Hochwertige LED-Produkte sind ungleich teurer als herkömmliche Leuchtmittel und häufig auf den ersten Blick nicht von minderwertigen LED-Lampen zu unterscheiden.
LED-GU10-Puzzle
Vier LED-Spots mit GU10-Sockel und ähnlichem Stromverbrauch aus zwei Preisklassen - die Markenbezeichnungen habe ich bei dieser Fotomontage entfernt. Raten Sie mal: Welcher Strahler kommt von welchem Unternehmen? (Fotos: PR)

Die Branche feiert sich zur Zeit selbst - auf der Fachmesse “light+building” in Frankfurt (Twitter-Hashtag: #lb12). Nach ersten Beobachtungen von Teilnehmern ist es aber etwas ruhiger als bei der letzten Ausgabe 2010. “Sieht so aus, als seien weniger Besucher hier”, berichtete mir ein Insider, “das hat vielleicht was mit der Wirtschafts- und Finanzkrise zu tun”. (Update 20.4.: Die Messegesellschaft schreibt in ihrer Abschlussmeldung von rund 196.000 Besuchern, das wären etwa 13.000 mehr als vor zwei Jahren. Außerdem seien 2.352 Hersteller aus 50 Ländern vertreten gewesen - im Jahr 2010 lag diese Zahl bei 2.154). Die Produzenten, Erfinder und Händler präsentieren die neuesten Entwicklungen der Licht-, und Elektrotechnik sowie der Haus- und Gebäudeautomation. Schwerpunkt der noch bis Freitag laufenden und nur für Fachbesucher zugänglichen Messe ist die Energieeffizienz.

Die sollte angesichts stetig steigender Strom-, Öl- und Gaspreise auch den durchschnittlichen Verbraucher interessieren, tut sie aber nur zum Teil. Zwar setzen derzeit zahlreiche Hausbesitzer auf teure energetische Sanierung und Solarenergie, Wohnungseigentümer und Mieter scheuen aber meist vor größeren Sparinvestitionen zurück. Leider gilt jedoch hier die alte Binse “Von nix kommt nix”. Um langfristig Kosten zu sparen, müssen Sie erstmal viel Geld in die Hand nehmen.

Allein die Umrüstung einer kompletten Wohnungsbeleuchtung auf energieeffiziente LED-Beleuchtung kann Tausende verschlingen, ohne dass ein sofort wirksamer Spareffekt eintritt. Erst bei der nächsten Jahresabrechnung Ihres Stromversorgers werden Sie bemerken, dass Sie weniger verbraucht haben und deshalb Ihre monatliche Abschlagszahlung reduzieren können. Das Belohnungszentrum im Hirn wird mit derart langfristigen Perspektiven nicht besonders glücklich - der schnelle “Kick” fällt flach.

Plagiatoren bleiben unbehelligt

Kaum jemand dürfte bei kurzfristiger Betrachtung euphorisch reagieren, wenn er für die LED-Alternative einer herkömmlichen 60-Watt-Glühlampe über 30 Euro oder für das Pendant einer 80-Watt-”Birne” sogar rund 60 Euro auf den Tisch legen muss. Bisher sind’s eher solche “Geeks” und Technik-“Nerds” wie ich, die das trotzdem tun - mit zum Teil großen finanziellen Opfern. Andere greifen lieber zu billigeren Lampen: Dem stromfressenden und veralteten “Glühobst” vom Baumarkt-Wühltisch, den so genannten “Energiesparlampen” mit giftigem Quecksilber drin oder - die ganz Mutigen - zu den “supergünstigen” LED-Sonderangeboten aus unzähligen chinesischen Hinterhofklitschen (das sind die, die mir ungefragt, täglich mehrfach per Spam-Mail von ihren tollen neuen “Strips”, “Tubes” und “Bulbs” vorschwärmen).

Letztere sehen zum Teil sogar richtig gut aus - teuren Markenprodukten zum Verwechseln ähnlich. Oder wüssten Sie auf Anhieb, welcher der oben abgebildeten vier LED-Spots der “Billigheimer” mit dem “noch nie gehört”-Namen ist? Nein? Macht nichts, die Auflösung kommt noch.

In vielen Fällen ist es für die Entwickler und Anbieter von hochwertigen LED-Leuchtmitteln gar nicht möglich, Design- oder Technikmerkmale patentrechtlich weltweit und wirksam zu schützen. Die Verfahren dafür sind bei einem sich schnell ändernden neuen Markt viel zu langwierig und die rechtliche Durchsetzung von Ansprüchen meist aussichtslos. Deshalb lässt man selbst freche Plagiatoren unbehelligt gewähren, obwohl sie mit ihren Produkten aggressive Kundenverwirrung betreiben.

Noch acht Jahre bis zum Durchbruch?

Denn natürlich dürfen Sie nicht von Vornherein erwarten, dass eine LED-Lampe zum halben Preis die gleiche Helligkeit, Lichtqualität und Lebensdauer bietet wie das teure Markenprodukt, auch wenn das die Billiganbieter behaupten. Teils merken Sie das sofort nach dem Kauf, teils aber auch erst nach Monaten und Jahren. Wenn dann die Leuchtmittel, die eigentlich 25 Jahre halten sollen, weit vor der Zeit stockdunkel werden, ist der genervte Kunde nachhaltig von der gesamten LED-Technik vergrätzt und für die Branche verloren.

So kann kein Massenmarkt entstehen. Optimistische Schätzungen - wie etwa eine Studie der McKinsey-Marktforscher - versprechen für 2020 einen Welt-Jahresumsatz von knapp 65 Milliarden Euro im Jahr 2020 oder einen LED-Anteil am gesamten Leuchtmittelmarkt von über 50 bis knapp 60 Prozent. Eine Steigerung von nur 54 Milliarden in acht Jahren? Eine steile Erfolgskurve sieht anders aus.

Philips Master-LED-Bulb 17W Wie’s besser geht? Vermutlich nicht mit den absurd teuren, neuen und leistungsstarken “Retrofit“-Lampen, die gerade auf der “light+building” vorgestellt werden und teils noch nicht mal lieferbar sind. Über 1000 Lumen Lichtstärke (etwa so hell wie eine traditionelle 75W-Glühlampe - im Bild links beispielsweise die 17W-”Master LEDbulb” von Philips) für bis zu 60 Euro? Kein Massenprodukt, sorry. Auch nicht mit den hübschen Flächenleuchten aus organischen Leuchtdioden (OLED), die bisher mit unter 20 Lumen/Watt gerade mal die Effizienz von Halogenlampen erreichen und drei- bis vierstellige Mondpreise pro Modul kosten (ja, ich weiß, dass sich das alles noch ändern soll).

Zwei Lösungsansätze

Verrückte wie mich, die ihre Wohnungen, Treppenhäuser, Außenleuchten etc. bereits komplett auf LED-Technik umgestellt haben, müssen Sie mit der Lupe suchen. “Otto Normalverbraucher” kriegt schon die Krise, wenn er für ein Leuchtmittel mehr als 10 Euro ausgeben soll und nimmt das regelmäßig zum Anlass für üble Verwünschungen der EU-Bürokraten, die ihm seine heiß geliebte “Glühbirne” verbieten. Zwei Ansätze bieten sich hier als kurzfristige Ziele für Marketing und Entwicklung an:

  • Integrierte LED-Leuchten für den kompletten Ersatz bisheriger Glühlampen- und Halogen-Beleuchtungssysteme. Hier gibt es schon zahlreiche, sehr schön gestaltete und technisch hochwertige Angebote (beispielhaft die Philips-“Ledino”-Serie oder die Osram-“Luminestra”-Leisten), die aber alle einen Fehler haben: Sie sind zu teuer, meistens sogar viel zu teuer. Ein dreiflammiger LED-Sportbalken mit insgesamt etwa 1000 Lumen (hängt bei mir in der Küche) sollte nicht über 300, sondern höchstens 100 Euro kosten. Nur so als Beispiel.

Falls an dieser Stelle Ihre Kalkulatoren laut und hysterisch lachen oder Anzeichen eines Herzinfarkts zeigen: Einfach ignorieren. “Mainstream” wird man nur mit “Mainstream”-Preisen, die anfangs sicher nicht kostendeckend sind, aber auf Dauer über die stark steigende Absatzmenge und sinkende Stückkosten dann doch die nötige Gewinnspanne bringen. Gilt natürlich nur, wenn die Produkte mit allen wichtigen Informationen (Lumen und/oder Candela, Abstrahlwinkel, Farbtemperatur, Stromverbrauch, Farbwiedergabeindex, Glühlampen/Halogen-Äquivalent, garantierte Lebensdauer) versehen sind, die Kundschaft langfristig nicht enttäuschen und von der Stiftung Warentest mindestens mit “gut” bewertet werden können.

Raus aus den Nischen, LED-Geburtstag feiern!

Marketing- und Werbeabteilungen müssen parallel daran arbeiten, das Thema “hochwertige LED-Beleuchtung” aus den Nischen der Technikexperten und Ökobewegten heraus und ins Licht der breiten Wahrnehmung und Akzeptanz zu befördern. Vor allem in den Bereichen “Social Media” und “direkte Kundenansprache” nehme ich da auf Seiten der Hersteller vor allem im deutschen Sprachraum noch erhebliche Defizite wahr - in den USA oder Großbritannien klappt’s dagegen schon sehr gut. Eine Fachmesse wie die “light+building” kann in Deutschland - klug genutzt - zwar durchaus als Verstärker dienen, entfaltet aber keine nachhaltige Massenwirkung.

Liebe Leute von der LED-Industrie, dieses Jahr feiert die 1962 erfundene Leuchtdiode 50jähriges Jubiläum! Welch ein toller Anlass, um mal richtig auf die Pauke zu hauen! Wo sind die Sonderseiten, Spezial-Apps, TV- und Radiospots, Gewinnspiele, Praxistests, Info-Kampagnen, Zeitschriftenbeilagen, Facebook-Fangruppen, Googleplus-Seiten, Presse- und Bloggerreisen zu den LED-Produktions-, Entwicklungsstätten und -Vorzeigeprojekten?

Noch nicht mal im Umfeld der Messeberichterstattung habe ich vom runden Geburtstag auch nur ein Wert gehört oder gelesen (wenn’s doch was gab und ich es übersehen habe, können Sie mir’s in den Kommentaren um die Ohren hauen). Dabei hätte die Technik wirklich mehr verdient als nur elitäre Aktionen für ein paar Spezialisten, wenn sie endlich einen breiten und schnellen Durchbruch schaffen soll.

Die Auflösung …

… des kleinen Rätsels von oben: Die zwischen 4 und 5,5 Watt starken GU10-LED-Spots in der Fotomontage sind von links oben nach links unten (im Uhrzeigersinn) ein Osram “Superstar” für rund 22 Euro, ein “LED’s change the world” für knapp 10 Euro, ein “LEDON” für rund 21 Euro und ein “GE LED”-Strahler für knapp 20 Euro. Der billigste Spot (also der rechts oben) hat übrigens mit 250 Lumen den höchsten Nenn-Lichtstrom der vier. Den können Sie glauben, müssen Sie aber nicht.

Update 21.5.: Zu den optisch gleichen Spots von LEDON und “LED’s change the world” liegen mir seit heute zwei gegensätzliche Stellungnahmen vor. LEDON-Marketing-Chef Erik Nielsen schreibt:

… wir unterhalten keinerlei geschäftliche Beziehung zu diesem Anbieter. Somit sind es auch keine LEDON Spots, die über diesen Kanal angeboten werden. Was wir sagen können ist, dass die Spots von außen unseren ähneln, was daran liegen kann, dass wir noch kein Designpatent auf einige unserer Produkte haben. Mehr kann ich über die angebotenen Spots aber nicht sagen, da es nicht unsere sind.

Wie ich Ihnen ja bereits telefonisch erläutert hatte nimmt die Problematik generell zu und daher sind wir sehr bestrebt, möglichst rasch alle unsere Lampen mit einem patentierten Design zu versehen, so wie es bereits bei der 10 Watt Lampe und den E14 Produkten geschehen ist.

“LED’s change the world”-CEO Hans-Georg Kucharski überraschte mich dagegen mit dieser Auskunft:

Unsere GU10 und GU5.3 sind baugleich mit u.a. den LEDON-Produkten. Sie werden diese, und andere baugleiche Produkte, im Internet finden. Nur, immer – zumindest nach unseren Recherchen - zu höheren Preisen. Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass wir preiswert sind, da wir Händlermargen ausschließen, extrem schlank aufgestellt sind und auch keine großen Investitionen in den Aufbau einer Marke investieren. Keine Kataloge, keine Messen und nur sehr eingeschränkt Werbung.

Wir setzen auf die Mundpropaganda zufriedener Kunden. Das dauert sicherlich länger als mit großem Marketingwirbel. Aber, kostet eben auch viel weniger.

Unser Antrieb ist, LED-Leuchtmittel höchster Qualität endlich erschwinglich zu machen. Die – aus unserer Sicht - übertriebenen Margen vieler beteiligter Unternehmen sind uns schon länger ein Dorn im Auge. Die Konkurrenz wird uns nicht mögen. Nur, damit werden wir umgehen können. Wenn wir auch nur ein kleines Stückchen zum Einsparen von Energie beitragen können, haben wir ein wichtiges Ziel erreicht.

Bitte beachten Sie auch unsere Kooperation mit OroVerde – Die Tropenwaldstiftung. Wir meinen es wirklich ernst.

Da ich bisher noch keinen “LED’s change the world”-Spot zum Testen bzw. Auseinandernehmen und Vergleichen mit den mir bekannten LEDON-Produkten hatte, lasse ich das jetzt mal unkommentiert.

blogoscoop Blog Top Liste - by TopBlogs.de