„Stiftung Warentest“ prüft LED-Lampen jetzt schneller, aber kaum besser

Heute schon online, ab morgen am Kiosk: Das neue „test“-Heft 04/2015 der „Stiftung Warentest“ mit 15 nicht dimmbaren E27-LED-Lampen, die 60-Watt-„Glühbirnen“ ersetzen sollen. Die Modelle sind aktueller als bei früheren Tests, weil die Dauerprüfung auf 1500 Leuchtstunden reduziert wurde.

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Eine der drei Siegerlampen im aktuellen „test“-Heft (Cover-Ausschnitt unten rechts) und eine der „Verliererinnen“: Links die superhelle „ISY LED Bulb“, rechts die früh schwächelnde Bioledex-„Araxa“ von DEL-KO. (Fotos: „Media Markt“-PR/W. Messer)

cover-test-04-15-AusschnittKlingt erstmal absurd, hat aber seine Berechtigung: Früher wurden Leuchtmittel nur selten getestet, inzwischen gibt es zahlreiche LED-Lampentests – online und gedruckt. Und seit einiger Zeit müssen sich manche dieser Checks auch noch der Kritik eines kleinen, privaten Bloggers stellen. Warum? Weil beispielsweise die teils steuerfinanzierte „Stiftung Warentest“ eine große publizistische und wirtschaftliche Macht hat, weil sie das Kaufverhalten der Kundschaft massiv beeinflussen kann.

Da ist es nur fair, wenn etwa die Ergebnisse ihrer LED-Lampentests kritisch hinterfragt und im Detail „beleuchtet“ werden. „Warentest“ lässt solche Kritik offensichtlich nicht ganz unbeeindruckt. Im aktuellen Test von 15 nicht dimmbaren, „warm-weißen“ E27-Retrofits mit nominell mindestens 800 Lumen Lichtstrom finden sich beispielsweise nach eigenen Angaben nur noch drei Modelle, die in der geprüften Variante nicht mehr auf dem Markt sind oder gerade auslaufen (Samsung „LED Classic“). Ich tippe aktuell eher auf vier bis sechs, weil teils auch von anderen Kandidaten bereits effizientere Nachfolger verkauft werden.

Weniger Leuchtstunden, kürzerer Testzeitraum

Bisher war dieser Anteil veralteter Lampen jedoch deutlich höher, weil die Probanden vor der Veröffentlichung unter anderem 6000 Leuchtstunden Dauerbelastung absolvieren mussten und der Testzeitraum entsprechend länger ausfiel. Jetzt waren es nur noch 1500 Stunden und der Bericht konnte nach „Stiftung Warentest“-Angaben ein halbes Jahr früher als gewöhnlich erscheinen.

Nachteil: Spätausfälle könnten nicht mehr erkannt werden, seien aber nach den bisherigen Erfahrungen ohnehin sehr selten. Schlechte LED- Lampen machten relativ schnell schlapp, gute hielten weit länger durch als 6000 Stunden. Besonders negativ fielen diesmal Retrofits von „XQ-Lite“ (Handelsmarke der Ranex GmbH), Bioledex und Conrad/Renkforce auf, die bereits nach 1500 Leuchtstunden statt 810 nur noch 610, 550 bzw. 500 Lumen lieferten.

„ISY LED“ rund 17% heller als angegeben

Deutlich heller als versprochen blieben nach dieser Zeit die „ISY LED“ von „Media Markt“ und Saturn (950 lm), die „E-Core LED A60“ von Toshiba (880 lm), die Megaman-„LED Classic“ (860 lm), die Paulmann-Lampe sowie die „LED Klassik“ von Hellweg/Flector (beide 840 lm). Den 25.000-Schaltzyklen-Test bestanden dagegen alle Kandidaten. Ein paar Fragen hätte ich jedoch dazu:

  • Warum wurde ausgerechnet bei der Lumen-Siegerin ISY die „Helligkeit bei hoher Temperatur“ (im 50-Grad-Klimaschrank) nur mit „befriedigend“ beurteilt? Wie dunkel wurde sie denn dort?
  • War die Toshiba tatsächlich die effizienteste Lampe im Test mit 105 Lumen/Watt, wenn doch nur ihre deklarierte Leistungsaufnahme von 9,5 Watt angegeben wird und kein nachgemessener Verbrauchswert?

Viele Lampen mit sehr engem Halbwertswinkel

Osram-LED-Star-Classic-A60-ausProjektleiter Dr. Peter Schick konnte ich bisher noch nicht erreichen, um hier Licht ins Dunkel zu bringen. Bemerkenswert erscheinen mir ebenso die erstmals auch bei LED-„Birnen“ von „Stiftung Warentest“ veröffentlichten Halbwertswinkel. Bisher gab’s das nur bei Spot-Tests. Die offiziell mit 220 Grad angegebene Osram-Lampe (Foto links: W. Messer) soll im Labor nur schlappe 120 Grad erreicht haben. Zwar ist es richtig, dass ältere Bauformen von vorgeblich „rundstrahlenden“ LED-„Birnen“ selten mehr schaffen. Inzwischen gelingt es aber mit ausgefeilten optischen Konzepten sehr häufig, diese LED-Chip-bedingte Einschränkung weitgehend zu kompensieren.

Teils leuchten dazu unter der Haube mehrere Module in unterschiedliche Richtungen, teils wird das Licht der von unten nach oben strahlenden Chips durch aufwendige Linsen und/oder die matte Abdeckung breiter gestreut. Hier haben wir bei E27-Lampen schon Halbwertswinkel bis über 290 Grad gemessen. So sah bei mir das Leuchtbild der – bis auf die geringere Helligkeit baugleichen – Osram-„LED Star Classic“ mit 6,2 Watt aus:

Osram-LED-Star-Leuchtbild

Die „Stiftung Warentest“ beurteilte die Lampe so: „Sie eignet sich vor allem für gerichtete Leuchten zum Lesen“. Wirklich? Für mich bietet die Osram in Richtung Sockel noch jede Menge Licht. Echte 120 Grad Halbwertswinkel sehen normalerweise ganz anders aus. Kleines Trostpflaster: Im Test landete die Lampe mit Gesamtnote 1,6 trotzdem ganz vorne auf Platz 1 – ebenso wie die „ISY“ und die Toshiba-„E-Core“.

Weit unter dem Nennwert blieb auch die Bioledex-„Araxa“. Statt 240° attestierten die Prüfer nur 185 Grad. So sah die Lampe vor einem Jahr bei meinem Test aus:

Araxa-810lm-Leuchtbild

Das würde ich für LED-Verhältnisse als weitgehend „rundstrahlend“ bezeichnen, wobei schon die offizielle Halbwertswinkel-Angabe irreführend sein kann. Schließlich wird hier nur der Kegelwinkel berücksichtigt, in dem mindestens die Hälfte der maximalen Lichtstärke (Candela) abgestrahlt wird. Der Wert bedeutet also keinesfalls, dass es jenseits dessen komplett dunkel bleibt.

Auch der Testsieger schaffte nur 165 Grad

Bei vielen LED-Lampen des aktuellen Testfelds fehlte diese Werksangabe – sie ist laut EU-Regelung auch nur für Leuchtmittel mit gerichtetem Licht (Akzentbeleuchtung) vorgeschrieben. Aber dort, wo dieser Wert auf einer Verpackung stand, wurde er von den „Stiftung Warentest“-Messungen fast immer weit unterboten. Selbst beim Testsieger „ISY LED Bulb“ kamen statt 280 nur 165 Grad heraus. Der praktische Nutzen der publizierten Werte erscheint mir in diesem Fall fragwürdig, bestenfalls überschaubar.

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Das gilt ebenso für die aus früheren Tests bereits bekannte Darstellung der Farbtreuewerte. Hier wird einerseits der „allgemeine Farbwiedergabeindex“ Ra/CRI genannt, der diesmal zwischen 80 und 84 lag, aber nur Pastellfarben berücksichtigt. Andererseits publiziert „Stiftung Warentest“ den Durchschnitt aus insgesamt 15 Referenzfarben, die zusätzlich auch satte Töne umfassen (plus einen Grau-Ton, der bei meinen Tests fehlt). Die gemessene Spanne hier: zwischen 74 und 79. Was lernen wir daraus? Fast nichts.

Frisches oder fahles LED-Licht?

Häufig sind nämlich selbst unterdurchschnittliche Halbleiter-Leuchtmittel in der Lage, etwa bei der Einzelfarbe R14 („Blattgrün“) Super-Werte nahe 100 zu erzielen, schaffen aber bei der für „warm-weiße“ LEDs besonders schwierigen Farbe R9 („Rot gesättigt“) noch nicht mal 20. 14 Einzelwerte veröffentliche ich bei jedem meiner Tests, sofern mir die Ergebnisse des Partnerlabors vorliegen; im „test“-Heft suchen Sie sie vergeblich. Tatsächlich kommt es aber gerade auf die Rot-Wiedergabe an, ob das Licht frisch und Glühlampen-ähnlich wirkt statt unausgewogen und fahl.

Einen großen Einfluss auf diesen Eindruck hat auch die tatsächliche Farbtemperatur. Die differierte im Test zwischen gemessenen 2650 und 3400 Kelvin – leider ohne Gegenüberstellung mit dem jeweils deklarierten Lichtfarbenwert. Das für diesen Vergleich geltende Kriterium „warm-weiß“ umfasst schließlich eine sehr große Spanne zwischen ca. 2600 und 3300 K.

Nur Bewertungen zwischen Minus und Doppel-Plus, aber keine Messwerte gab’s für die Disziplinen „Flimmern“ und „Geräusche“. Die meisten Kandidaten waren hier wohl weitgehend unauffällig, was bei nicht dimmbaren LED-Lampen auch eher zu erwarten ist als bei dimmbaren.

Amortisation teils schon nach einem halben Jahr

„Noch nie waren LED-Lampen so billig und so gut“ lautet das Resümee der Prüfer. Dabei hatten sie mit 6 bis 10 Euro weder die billigsten, noch die besten des Marktangebotes im Test. Außerdem gab’s auch früher schon sehr gute LED-Lampen – allerdings um ein Mehrfaches teurer als die aktuellen Tiefpreise. Und so stimmt ein weiteres Fazit von „Stiftung Warentest“ in jedem Fall:

„Jede LED, die an die Stelle einer 60-Watt-Glühbirne tritt, spart bei täglich drei Stunden Brenndauer etwa 15 Euro im Jahr. … So rechnet sich der Umstieg mitunter schon nach einem halben Jahr.“

Den Test gibt’s dort in Kurzversion, hier komplett als kostenpflichtigen pdf-Download, ab morgen (27.3.) auch für 5,30 Euro gedruckt beim Zeitschriftenhändler; die Testkriterien finden Sie auf dieser Seite. Den nächsten LED-Lampen-Check gibt’s bei „Stiftung Warentest“ meinen Informationen nach im Herbst. Dann geht es wohl um „Kerzen“ mit E14-Sockel – vermutlich in Heft 10/2015. Update 24.09.2015: Die Heftnummer stimmt, die Lampenauswahl ist aber eine komplett andere.

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6 Gedanken zu „„Stiftung Warentest“ prüft LED-Lampen jetzt schneller, aber kaum besser

  1. Schade, auch diesmal wurden ausschließlich „warmweiße“ Lampen getestet. Dabei gibt es inzwischen durchaus einen Markt auch für neutralweiße LEDs, an den sich sogar Obi und Conrad herantrauen. Ich hoffe, es noch einmal zu erleben, dass wenigstens auch die „neutralweiße“ oder gar „tageslichtweiße“ Klasse einmal getestet wird.

    • Angesichts von nur zwei solchen Tests pro Jahr dürfte das Interesse der Stammleserschaft an „kälteren“ Lichtfarben in der Relation einfach zu gering sein. Gilt sicher auch für den nächsten „Kerzen“-Check im Herbst. Wer braucht die schon mit 4000 Kelvin oder mehr?

      LED-Minderheiten und -„Spezialisten“ werden ja bekanntlich auch woanders bedient – in Kürze beispielsweise mit ’ner erstaunlich guten 5500-K-LED-Videoleuchte. 😉

      • So ganz mag ich der Aussage mit dem geringen Interesse nicht zustimmen. „Test“ hat öfter schon Produkte getestet, die nur für eine Minderheit interessant sind, warum nicht auch mal „Arbeitslampen“? Interessant wäre auch ein Test für Schreibtischleuchten mit integrierten LEDs.

        Wäre das Interesse an höher temperierten Lichtfarben derart gering, dass man sie geflissentlich ignorieren dürfte, würden solche Lampen auch nicht im normalen Handel angeboten. Offenbar besteht aber doch eine nicht zu ignorierende (und anscheinend sogar wachsende) Nachfrage. Selbst Ledon hat laut Blog-Kurzmeldung hier eine Lampe mit 4000-K-Modus angekündigt und bereits Spots mit weißem Licht im Angebot. Und „Chip“ hat kürzlich eine tageslichtweiße Lampe sogar zum Testsieger gekürt 🙂

        • Mein Versuch, bei Ikea Sindelfingen diese Woche eine 5000-Kelvin-Birne zu erstehen, schlug leider fehl. Die Verkäuferin hat mir auf meine unschuldige Frage nach tageslichtweißem Licht sofort bestätigt, dass es die 5000-K-Lampen dort schon gab, diese aber leider aktuell restlos ausverkauft sind. Nach Ladenhütern klingt das nicht…

  2. Schade wieso immer die billigen,
    zum beispiel die Osram LED Star Classic da sind die LED Superstar Modele oft deutlich besser dann haben die ein besseres Abstrahlverhalten und höchstwascheinlich eine deutlich hohere Lebenserwartung,
    ausserdem ich bevorzuge auch warmweisse LED 2700 bis 3000K das ist deutlich angenehmer !

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