LED-Lampen im “Stiftung Warentest”-Check: Fast alle “gut”

Unter anderem neun LED-“Retrofits” für E27-Fassungen stellten sich der ausführlichen Beurteilung von “Energiesparlampen” der “Stiftung Warentest”. Bis auf eine LG-Lampe mit “deutlich wahrnehmbaren Geräuschen” schafften alle das Testurteil “gut”. Ganz vorne landeten ein mir unbekanntes, extrem teures Produkt von “Havells Sylvania” und die inzwischen abgelöste Version der Osram “Parathom Classic A 60 Advanced” – jeweils mit Testnote 1,6.
Osram Classic A 60 advanced
Links die getestete, rechts die neue und günstigere Variante des dimmbaren Osram-LED-Äquivalents für eine traditionelle 60-Watt-Glühlampe. (Fotos: Osram-PR)

Vergleichende LED-Lampentests sind wirklich nicht einfach: Da muss man Leistungsdaten und Bilder der verschiedenen Modelle sauber auseinander halten und zuordnen, Fehlendes nachrecherchieren, nachvollziehbare Gewichtungen festlegen und dann am Besten auch noch diverse Dauer- und Belastungstests durchführen. Das kostet Mühe und nimmt teils mehr Zeit in Anspruch, als ein Produktzyklus in diesem schnelllebigen Segment dauert. Die Datenfülle kann verwirrend groß sein; das Ergebnis ist deshalb nicht immer fehlerfrei und konsistent.

Kein Wunder, dass im gerade erschienenen “test”-Heft (Ausgabe Mai 1013) einige der getesteten Lampen nicht mehr im aktuellen Sortiment der Hersteller sind. Oder dass eine LEDON-“Double Click” wegen eines vermeintlichen Problems bei der “Deklaration” im hinteren Feld statt ganz vorne landete – trotz der besten “lichttechnischen Eigenschaften”. Oder dass das Leuchtbild der “warm-weißen” 11-Watt-Philips-”Birne” (auf Seite 63 oben) eher nach weiß-blauer “Leuchtstofflampe” aussieht und dann auch noch im Bildtext fälschlicherweise als ein Foto der LEDON-Lampe ausgegeben wird.

Warentest-LED-Lampen
Das “Stiftung Warentest”-Bündel der geprüften LED-, Kompaktleuchtstoff- und Halogenlampen. (Foto: Stiftung Warentest/PR)
LEDON 10W Double Click alt/neu
Beste Lichtqualität im Test: Die frühere Version der 10-Watt-”Double Click”-Lampe von LEDON (links). Das aktuelle Design sehen Sie rechts. (Fotos: LEDON-PR)

Etwas willkürlich erscheint mir der Test-Mix aus dimmbaren und nicht dimmbaren Leuchtmitteln mit einer offiziellen Lichtstrom-Spanne zwischen 550 und 850 Lumen (gemessen waren’s dann zwischen 615 und 895 lm). Da leidet teilweise die Vergleichbarkeit, weil es bekanntermaßen vor allem bei dimmbaren LED-Lampen diverse Flacker- und Surrprobleme geben kann. Vermisst habe ich eine Messung oder Bewertung der Maximaltemperatur am Lampengehäuse sowie die Angabe des gemessenen Farbwiedergabeindexes in exakten CRI/Ra-Werten.

Die gute Nachricht: Allen Probanden wurde, trotz der aufwendigen Elektronik, die beste Gesamt-Ökobilanz gegenüber den Kompaktleuchstoff- und Halogen-”Birnen” bescheinigt – vor allem wegen der langen erwarteten Lebensdauer. Tatsächlich gab es im 6000 Stunden-/100.000 Schaltzyklen-Dauertest keinen Ausfall. LED-Lampen seien anfangs zwar teurer, rechneten sich aber langfristig wegen des niedrigen Energieverbrauchs und der langen Haltbarkeit.

Außerdem seien die LED-Leuchtmittel prima als Treppen- oder Flurlicht geeignet, weil sie im Gegensatz zu den getesteten Kompaktleuchtstofflampen sofort nach dem Einschalten mit voller Helligkeit zu Sache gingen.

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Kein Abstrahlwinkel auf der Packung

Weniger schön fanden die Tester beispielsweise, dass bei der 10-Watt-LEDON “nirgendwo” stehe, dass sie kein rundstrahlendes, sondern “gerichtetes Licht” mit einem Abstrahlwinkel von rund 165 Grad abgebe. “Nirgendwo” kann sich allerdings nur auf die Verpackung beziehen, denn auf der Website der Österreicher findet jeder Interessierte ein Datenblatt mit Lichtstärke-Verteilungsdiagramm, auf dem dieser Halbwertswinkel klar zu erkennen ist (pdf-Download).

Diese “Manko” führte jedoch zur Abwertung um eine halbe Note auf 2,0 und brachte das inzwischen nicht mehr aktuelle LEDON-Modell um den knappen Testsieg. Den teilen sich stattdessen mit 1,6 die ältere Ausführung der 12 Watt starken, dimmbaren Osram “Classic A 60 Advanced” (mittlerer Preis laut “Stifung Warentest”: 35 Euro) und die nicht dimmbare ToLEDo GLS A60 von Havells Sylvania (52 Euro, nicht zu verwechseln mit dem Osram-US-Ableger Sylvania).

Philips-Farbtreue nur “befriedigend”

Mit jeweils Note 1,7 folgen die 11-Watt-Megaman “LED dimmable Classic” (35 €), die nicht dimmbare 11-Watt-Philips-A60 (20 €) und die beim Dimmen teilweise flackernde und leise brummende 10-Watt-Samsung “LED A60″ (25 €). Die Philips war mit offiziell 20 € am günstigsten und lag erwartungsgemäß mit 2700 Kelvin einer Glühlampen-ähnlichen Farbtemperatur am nächsten, war aber bei der Farbtreue – wie die “Birnen” von Paulmann und Megaman – nur “befriedigend”. Dieses vermeintliche Paradoxon ist mir neulich erst beim Nachfolgemodell aufgefallen.

Wer’s genauer wissen will, kauft sich das aktuelle “test”-Heft für 4,90 Euro oder lädt sich den Vergleich für 2,50 € von der Website herunter. Und nehmen Sie die Testtabellen mit Vorbehalt zur Kenntnis, weil teils weder die Lampenmodelle noch die genannten “mittleren Preise” wirklich der neueste Stand sind.

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Typisch deutsche Sprachverwirrung

Kennen Sie Monaco di Baviera? Oder den “Lac de Constance”? Oder “Renania-Palatinado”? Liegt alles in Deutschland, heißt aber in Italien italienisch, in Frankreich französisch und in Spanien spanisch. Umgekehrt bemühen wir deutschen Sprecher uns meistens, den Namen von ausländischen Orten möglichst nahe am Original zu belassen und höchstens “gemäßigt” einzudeutschen. Das ist nicht immer einfach und teilweise auch inkonsistent und unlogisch.

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Hier wird offiziell bilinguales Fernsehen produziert – in Wirklichkeit hat man’s dort aber mit zahlreichen Sprachen zu tun: Die Zentrale des europäischen Kultursenders ARTE im französischen Strasbourg/Straßburg. (Foto: W. Messer)

Fragen Sie mal einen Franzosen nach einem Aussprache-Wörterbuch – so was wie der rot eingebundene Aussprache-Duden bei uns oder sein Online-Ableger. Sie werden vermutlich nur ein Schulterzucken ernten. Gibt’s dort nicht, wozu auch: Selbst französische Profi-Sprecher interessiert kaum, wie sich beispielsweise ausländische Namen oder geografische Bezeichnungen im Original aussprechen. Stattdessen werden “Frankofonisierungen” verwendet oder komplett andere, französisch klingende Wörter.

So wird der Bodensee zum “Lac de Constance”, Rheinland-Pfalz zu “Rhénanie-Palatinat” (rheinische Palatschinken?), Niedersachsen offenbar zu einem Musik-Duo (“Basse-Saxe”) oder München zu “Munich” (Mü-’nihk, Betonung auf zweiter Silbe). Ähnlich handhaben das Engländer, Italiener, Spanier etc. in ihrer Sprache. Dort haben sich fremdländische Namen dem eigenen Zungenschlag anzupassen; teils sogar unterschiedlich je nach Region. Etwa die lothringische Stadt Metz: Sie hat innerhalb Frankreichs zwei offizielle Aussprachevarianten: “Mets” (Ostfrankreich, so kennen wir es auch in Deutschland) und “Mess” (im Rest des Landes).

Für die französischen Off- und “Voice-over”-Sprecher/innen beim TV-Sender ARTE sind das annähernd paradiesische Zustände. Nur selten haben sie bei ihrer Arbeit Rückfragen, wie denn eine Stadt außerhalb Frankreichs auszusprechen sei. Im Zweifel: Französisch.

Wolfgang Messer im ARTE-Produktionsstudio
Die “schnelle Stimme” in einem der ARTE-Vorproduktionsstudios – hier überspreche ich gerade für die Nachrichtensendung um 19.10 Uhr fremdsprachige Originaltöne mit deutschem Text. (Foto: Melissa Hertzog/ARTE)

Ganz anders bei uns deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen. Da gibt’s vor der Produktion der Nachrichtenbeiträge teils umfangreiche Recherchen, wie denn dieser arabische oder afrikanische Politiker und jene syrische oder tunesische Stadt genau genannt wird. Gerade in diesem Jahrzehnt kamen durch die revolutionären Umwälzungen in Afrika und dem Nahen Osten täglich neue Namen und Bezeichnungen in die Berichterstattung, von deren Existenz zuvor höchstens langjährige Völkerkundler wussten. Ganz zu schweigen von den vielen japanischen Städten, die 2011 vom katastrophalen Erdbeben und Tsunami betroffen waren.

Erste Hilfe von der ARD-Datenbank

Erster Rettungsanker in solchen Situationen ist die vom Hessischen Rundfunk in Frankfurt betriebene Aussprachedatenbank (ADB), die für alle ARD-TV- und Radiosender verbindlich sein soll und auch vom deutschsprachigen ARTE-Programm als solche genutzt wird. Da aber dort nicht jeder fragliche Name zu finden ist, dienen Korrespondenten, Botschaften oder diverse Online-Quellen als weitere Stützen.

Die Resultate sind nicht immer konsistent und können sich im Lauf der Zeit ändern. So wurde etwa der US-Schauspieler Warren Beatty in der ARD jahrzehntelang “‘Bihti” ausgesprochen, obwohl er sich selbst “‘Bäitti” nennt. Die ADB änderte das vor rund zehn Jahren und gibt seither als Quelle “Library of Congress” an.

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Einem gewissen Wandel unterworfen war auch die syrische Schabiha-Miliz. Die hieß laut ADB zuerst ein paar Tage lang “‘Schabi-ha” (Betonung erste Silbe) und aktuell “Scha’bi-ha”. Zwei verschiedene Aussprachevarianten hört man öfter in der “Tagesschau”, wenn’s um den syrischen Staatspräsidenten Assad geht: “A’ssatt” und “‘Assat”. Letzteres ist laut ADB korrekt; das ZDF setzt dagegen konsequent auf die erste Version. Ein kleine Überraschung gibt’s bei den indischen Bundesstaaten (etwa “Madhya Pradesh”). Die heißen nicht – wie häufig in Deutschland ausgesprochen – “‘Pradesch”, sondern “Pra’dehsch”.

Äußerst vielfältig präsentiert sich die afghanische Hauptstadt Kabul. Für sie bietet die ADB drei Aussprachevarianten: “‘Kah-bul” (gemäßigte Eindeutschung), “Ka-’bul” oder “Ka-’bəl”. Nummer zwei und drei sollen die afghanische Sprechweise nachahmen, wobei andere Quellen in der Landessprache Dari eher von “‘Koh-bull” ausgehen. Kein Wunder, dass Sie in deutschen TV- und Radio-Nachrichten (oder auch im letzten “Tatort” aus Leipzig) verschiedene bunte Varianten-Mischungen vernehmen können.

Bloß nicht “Worchester-Soße” sagen!

Aber würden sich TV-Kollegen in England, Italien, Spanien oder Frankreich in solchen Detail-Diskussionen verzetteln? Kaum. Briten ist es wichtig, dass zum Beispiel ihre geliebte Original-“Worcestershiresauce” auch von Ausländern in etwa “‘Wuster-scher”-Soße ausgesprochen wird (nur die Plagiatwürzmittel heißen kurz “Worcestersauce”), Italiener legen Wert auf ein sauber dargebotenes Ghia (“Gia”, nicht “Dschia”), Katalanen möchten bitte “‘bəɾsəˈɫonə” hören, wenn von Barcelona die Rede ist, und Franzosen haben einen natürlichen Anspruch darauf, dass der alte Schwerenöter Dominique Strauss-Kahn nicht wie der Vogel Strauß heißt, sondern “Strosˈkan”.

Das machen wir deutschen Sprecher auch (fast) alles brav nach jeweiliger Landessitte. Nie würde uns einfallen, den “étang de Lacanau” in “Teich von Lacanau” oder die “Cathédrale Notre-Dame de Paris” in “Kathedrale unserer lieben Frau von Paris” einzudeutschen. Anders herum geht’s aber: Das Freiburger Münster (auch “Münster unserer lieben Frau” genannt) heißt in Frankreich mit größter Selbstverständlichkeit “Cathédrale Notre-Dame de Fribourg”.

Vergebliche Suche nach Konsistenz

Der tiefere Hintergrund dieses deutschen “Sonderwegs” ist mir nicht ganz klar. Ist es etwa das Bemühen, angesichts vergangener Großmacht-Verirrungen einen eventuellen Verdacht erneuter hegemonialer Bestrebungen schon im sprachlichen Ansatz zu zerstreuen? Toben deshalb in der deutschsprachigen Wikipedia gerade zum x-ten Mal heftige Diskussionen um die mutmaßlich korrekten Lemmata polnischer, tschechischer und slowakischer Städte? Darf es zum Beispiel wirklich “Karlsbad” heißen oder wäre nicht “Karlovy Vary” angebrachter?

Mal ehrlich: Wir Deutschen sind da ziemlich inkonsistent. Wir nennen “Nice” nicht französisch korrekt “Nihss”, sondern beim italienischen Namen Nizza. Wir sagen nicht “Pa-’rih”, sondern “Pa-’rihs”, “‘Lon-don” statt “‘Lən-den”, Mailand statt “Mi-’lano”, Rom statt “‘Ro-ma”, Genua statt “Genova” (“‘Dsche-nova”), Kopenhagen statt København” und Peking statt “Beijing” (“beɪˈdʒɪŋ”, Betonung 2. Silbe). Andererseits fällt mir auf Anhieb keine einzige US-amerikanische Stadt ein, die in Deutschland nach ADB anders ausgesprochen werden dürfte als in den USA.

Häufigkeit als Anhaltspunkt

Irgend ein global übergreifendes System erkennbar? Mir ist jedenfalls noch keins aufgefallen. In der deutschsprachigen Wikipedia orientiert man sich deshalb bei der Findung des richtigen Namens-Lemmas hauptsächlich an der Häufigkeit von Vorkommen und Verwendung der verschiedenen Varianten in unserem Sprachraum. Die kann sich allerdings mit der Zeit durchaus verändern.

Offenbar geht’s bei den deutschen Ausspracheregeln so zu wie bei unserer Grammatik: Es wimmelt von Unregelmäßigkeiten, Ausnahmen und dynamischen Entwicklungen. Und die können nicht nur den Deutsch lernenden Ausländer, sondern auch uns selbst hochgradig verwirren.

P. S.: Es gibt seit dem Jahr 2000 eine öffentlich zugängliche Aussprachedatenbank der “Voice of America” – natürlich eher für US-Sprecher gedacht.

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