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LED-Lampen und Dimmer: Der kleine Unterschied

Mit den relativ neuen dimmbaren LEDs ist es leider etwas komplizierter als ich es im Juni vermutet hatte. Fangen wir mit dem Einfachsten an: LED-Lampen, die nicht ausdrücklich als “dimmbar” gekennzeichnet sind, können auch nicht gedimmt werden. Wer’s dennoch versucht, muss mit der Zerstörung der teuren Lampen rechnen. An dieser Erkenntnis hat sich auch durch den rasanten technischen Fortschritt bisher nichts geändert.

Was aber ist mit den offiziell “dimmbaren LEDs”? Auch da gibt es einige, die eine Zusammenarbeit mit herkömmlichen Helligkeitsreglern mehr oder weniger konsequent verweigern. Manche flackern, manche bleiben dunkel und andere wollen ihre Helligkeit nur in einem sehr kleinen Bereich verändern. Das gilt sowohl für Hochvoltlampen (wie etwa den bekannten GU10-Spots) als auch für Niedervolt-Versionen mit eigenem Trafo. Mögliche Ursachen für Fehlfunktionen: Falscher Dimmer, altertümliches Haus-Stromnetz oder die Vorschaltelektronik in der Lampe.

Ein paar erhellende Informationen bietet dazu diese Info-Seite von Philips. Deren Ledino-Komplettlampen-Serie kann mit Phasenabschnittdimmern (mit kapazitativer [Kennzeichnung C] oder kombinierter ohmscher und kapazitativer Last [RC]) geregelt werden, aber nicht mit Phasenanschnittdimmern (Kennzeichnung R, auch als Haushalts-Universaldimmer bekannt). Nach meinen praktischen Erfahrungen trifft diese Vorgabe auch außerhalb der Philips-Welt zu - also vermutlich für die meisten dimmbaren LEDs.

Phasenabschnittdimmer, die sonst für die Regelung elektronischer Trafos verwendet werden, sind leider deutlich teurer als ihre Fast-Namensvettern und müssen für ihren Einsatz an der LED-Front noch eine weitere Bedingung erfüllen: Die Mindest-Grundlast sollte gleich oder geringer sein als die Leistungsaufnahme der dimmbaren LED-Lampen. Wenn also in einem Dimmer-Stromkreis drei LEDs à 7,5 Watt geschaltet sind (insgesamt 22,5 Watt), müsste ein Dimmer mit 20 Watt Mindestlast problemlos funktionieren.

Erfüllt ein Dimmer diese Bedingung nicht, gibt es drei Möglichkeiten: Geeigneten Dimmer kaufen, eine der LED-Lampen durch eine Halogen- oder Glühlampe ersetzen (dann wird die Mindestlast überschritten, verbraucht aber leider auch deutlich mehr Strom), oder einen Grundlastwiderstand parallel zum Dimmer-Stromkreis schalten (für Laien weniger geeignet).

Kaum eine Chance haben Sie, wenn Sie zum Beispiel stromfressende G4-Niedervolt-Halogenstifte in ihrer Dunstabzugshaube, Pendelleuchte oder Schreibtischlampe durch LEDs ersetzen wollen. Üblicherweise sind die Trafos dafür nicht geeignet (viel Spaß beim Umbau) und dimmbare G4-LEDs für Touch-Lampen gibt’s leider auch noch nicht. Ebenfalls nicht dimmbar sind bisher auch LED-Versionen der beliebten Hochvolt-G9-Lämpchen.

Tendenziell baue ich aber darauf, dass sich die LED-Technik weiterhin kräftig entwickelt, damit preisgünstiger und hoffentlich auch narrensicherer wird. Denn keine derzeit erhältliche Beleuchtungstechnik ist so effizient und energiesparend wie diese und bei größerer Akzeptanz und Verbreitung hervorragend geeignet, der Atomstrom-Lobby die Geschäftsgrundlage zu entziehen.

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48 Watt Grundlast zu verscherbeln

Seltsame Dinge sammeln sich an, wenn man mit viel Zeit und Aufwand private Praxis-Grundlagenforschung in Sachen “dimmbare LED-Lampen” betreibt. So liegen bei mir jetzt acht Grundlast-Widerstände à 6 Watt bzw. 8,2 kOhm herum, die ich versuchsweise parallel zu einem 220-Volt-Dimmer-Stromkreis geschaltet hatte, um eine flackerfreie Beleuchtung zu erhalten.
Merten Grundlast
Verkauft werden die Dinger im Handel als Sets mit jeweils vier Widerständen für rund 22,70 Euro plus Versandkosten. Wer mir zuerst eine Mail schickt, kriegt beide Sets (also acht Widerstände) für insgesamt 20 Euro plus Versand.

In meinem Anwendungsfall hat sich nämlich herausgestellt, dass ich diese Grundlast nicht mehr brauche. Stattdessen habe ich in meinem 14-Lampen-Stromkreis den vorhandenen Phasenanschnittdimmer mit rund 40 Watt Mindestlast auf gut Glück durch einen Phasenabschnittdimmer mit Mindestnennwert 20 Watt ersetzt. Damit war erfreulicherweise schon ein recht ordentliches und weitgehend flackerfreies Dimmen möglich; allerdings leuchteten die LEDs auf niedrigster Stufe noch etwas zu hell. Das versuchsweise parallele Anklemmen der in Serie geschalteten 66-kOhm-Grundlast-Armada verbesserte das erstaunlicherweise nicht.

Das beste Ergebnis erzielte ich dagegen mit dem schon vorher mal ausprobierten Trick, eine der 14 dimmbaren LED-Lampen durch einen herkömmlichen 35-Watt-Halogenstrahler zu ersetzen. Damit ist nun endlich ein absolut flackerfreies Dimmen zwischen “strahlend hell” und “Funzel” möglich.

Gedimmte LED-Strahler
Zwei dimmbare GU10-LED-Strahler im Zwillings-Downlight auf dunkelster Stufe.

Der zusätzliche Stromverbrauch durch den Halogenstrahler ist zu verschmerzen, da die Lampen ohnehin selten auf hellster Stufe laufen und die Energiebilanz gegenüber den früher verwendeten 50-Watt-Halos (bei Volllast) immer noch so aussieht:

13×4+35 = 87 Watt gegen 14×50 = 700 Watt

Die fast 88 Prozent Einsparung gelten natürlich auch bei kleineren Dimmerstufen und wären noch größer, wenn ich statt des Halo-Strahlers die Grundlast-Widerstände hätte verwenden können. Deren Ohmsche Last führt nämlich nicht zu nennenswertem Mehrverbrauch; sie werden im Gegensatz zum Strahler auch nur handwarm (leuchten tun sie natürlich auch nicht, logo).

Vielleicht haben Sie ja einen Dimmer-Stromkreis mit weniger Lampen als ich, bei denen Sie wirklich alle Stromfresser durch dimmbare LEDs ersetzen wollen, ohne sich mit ihrem alten Dimmer Flackerprobleme einzuhandeln. Dann wären die Grundlast-Widerstände wohl genau das Richtige für Sie - vorausgesetzt, Sie können diese jeweils rund neun Zentimeter langen Dinger irgendwo verstecken.

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Wie man die Breitseite der Atomkraft-Lobby kontert

“Mut und Realismus für Deutschlands Energiezukunft” ist eine doppelseitige Anzeige betitelt, die diese Woche in diversen Medien erscheint - verantwortet von einem Verein (in Gründung) namens “Energiezukunft für Deutschland“. Zu den Unterzeichnern des Appells für eine längere Laufzeit der Atomkraftwerke in Deutschland gehören die üblichen Verdächtigen wie die Chefs der Energie-Oligopole EnBW, E.On, Vattenfall, RWE und CDU-Politiker wie Dr. Michael Fuchs, aber auch branchenfremde Prominente wie DFB-Manager Oliver Bierhoff und Dr. Eckhard Cordes, Chef der Metro-Gruppe.

Vorschau Anzeige Energiezukunft
Anzeigen-Ausriss (für größere Darstellung auf’s Bild klicken)

Schön, dass man nun genau sieht, wer außer den ohnehin bekannten Protagonisten noch so alles zu den energiepolitischen Dinosauriern und Atomkraft-Hasardeuren zählt. Denn es sind natürlich viele der Mächtigen im Land, die in elitären Kreisen auskungeln, wie sie ihren Gewinn ohne Rücksicht auf das Staatswesen mehren können, sie sind aber nicht unantastbar. Schließlich sind Atomkraftgegner auch Konsumenten und können ein klein wenig Gegendruck ausüben.

Nehmen wir zum Beispiel den Metro-Konzern. Zu dem gehören der Cash & Carry-Großhandel, die Elektronikfachmarkt-Ketten Media Markt und Saturn sowie die Real-Warenhäuser. Vor allem Letztere fallen mir häufig dadurch auf, dass sie massenhaft veraltete Stromfresser verramschen wie etwa Plasma-Flachbild-Fernsehgeräte. Mit jedem verkauften Exemplar wird die Zukunft der deutschen Atomindustrie weiter gesichert. Das ist höchst effektive “Real-Politik”: Wer braucht denn so was Dubioses wie erneuerbare Energie, so lange sie bei Weitem noch nicht in der Lage ist, unseren immensen Stromverbrauch kostengünstig und umfassend zu decken? Das können halt nur Atomkraft und Kohle, suggeriert der Appell:

Ein vorzeitiger Ausstieg würde Kapital in Milliardenhöhe vernichten – zu Lasten der Umwelt, der Volkswirtschaft und der Menschen in unserem Land

Ähnlicher Meinung scheint auch der Unterzeichner Kasper Rorsted zu sein, Vorstandsvorsitzender des Henkel-Konzerns. Zu ihm gehören Marken wie Persil, Weißer Riese, Perwoll, Spee, Dixan, Vernel, Somat, Sidolin, Bref, dato, Schauma, Taft, Gliss Kur, Diadermine, Seborin, Pritt, Ponal, Pattex,Teroson und Loctite. Kann man alles kaufen, muss man aber nicht. Schließlich darf doch erlaubt sein, durch selektives Kaufverhalten zumindest symbolisch etwas ökologisches Bewusstsein zu zeigen. Weitere Ansatzpunkte aus zahlreichen Branchen lassen sich in der langen Liste der Unterstützer finden.

Vielleicht fragen Sie ja auch mal als Einkäufer oder Verbraucher Ihre Stamm-Lieferanten und -Geschäfte, wie die dazu stehen, und passen Ihr Einkaufsverhalten entsprechend an. Das Böse ist schließlich nicht überall zuhause; es gibt sogar durchaus Industrievertreter, denen der Appell des Vereins i. G. überhaupt nicht behagt. Selbst aus CDU-Kreisen ist angesichts der Unterschrift des Unions-Fraktionsvizes Fuchs vereinzelt Kritik zu hören.

Und selbstverständlich können Sie selbst durch konsequentes Energiesparen und die intelligente Auswahl Ihres Stromversorgers die Geschäftsgrundlage der Atomkraft-Lobby etwas ausdünnen. Ich bin zum Beispiel seit einiger Zeit zufriedener Kunde der Energiewerke Schönau.

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Resterampe: Song Contest, Schlingensief, Steuersünder-CD, Glühbirnen

Meine prophetischen Fähigkeiten scheinen doch etwas beschränkt zu sein: Zwar ist tatsächlich auch Berlin im Quartett der Bewerberstädte für den Lenavision Eurovision Song Contest 2011 - neben Hamburg, Düsseldorf und Lenas Heimatstadt Hannover. Das Finale wird aber nicht, wie ich’s vermutet hatte, am 21., sondern schon am 14. Mai sein. Diese Terminverschiebung der EBU (European Broadcasting Union) könnte allerdings ein Indiz dafür sein, dass letztendlich doch Berlin den Zuschlag erhält. Denn am 21. Mai 2011 hätte es eine Terminkollision mit dem DFB-Pokalfinale der Männer gegeben, das ebenfalls in der Hauptstadt gespielt wird. Am 14. wäre dagegen kein anderes Großereignis im Weg.

Der Tod von Christoph Schlingensief hat mich sehr bewegt, obwohl er über zwei Jahre nach der Lungenkrebs-Diagnose eigentlich nicht überraschen konnte. 49 Jahre alt ist der weitab vom Mainstream arbeitende Multi-Künstler geworden - kaum älter als ich, ebenfalls kräftiger Raucher. Sollte eigentlich ein Anlass sein, das potenziell tödliche Laster endlich loszuwerden, zünde mir trotzdem wieder eine an. Der Geist ist nicht willig und das Fleisch ohnehin schwach.

Mein Heimatland Baden-Württemberg weigert sich mal wieder, eine “Steuersünder-CD” zu kaufen. Offiziell ist die Rede von “rechtlichen Bedenken”. Es darf aber vermutet werden, dass der unselige Länderfinanzausgleich eine große Rolle spielt. Als Nettozahler hätte das vergleichsweise “reiche” Baden-Württemberg nämlich nur wenig von den Mehreinnahmen durch die Nachzahlungen und Bußgelder der Steuerhinterzieher, müsste aber die Kosten für Ankauf und Auswertung weitgehend selbst tragen. Also wozu der ganze Aufwand, wenn am Schluss doch nichts im Landeshaushalt bleibt?

Diverse Baumärkte und Discounter spekulieren mal wieder mit der Dummheit der Kunden und Medien. Ab morgen können Sie herkömmliche klare Glühbirnen bis 75 Watt spottbillig und in rauen Mengen hamstern. Denn mit ziemlicher Sicherheit lesen Sie kommende Woche wieder in der “Qualitätspresse”, dass dieses Glühobst ab 1. September nicht mehr verkauft werden dürfe. Das ist zwar grottenfalsch, wird aber trotzdem von vielen geglaubt. Dabei wäre auch ohne die zweite Stufe des EU-Herstellungs- und Vertriebsverbots eine Neuanschaffung dieser veralteten Leuchttechnik saudumm - egal, wie billig die “Birnen” sind.

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Sarkozy, die Roma und wir

Heute haben wieder zahlreiche Roma Frankreich in Richtung Rumänien verlassen; auf Druck der Regierung des Immigrantensohnes Nicolas Sarkozy und mit finanzieller “Rückkehrhilfe”. Das könnte man “Abschiebung” nennen, ist es aber eigentlich nicht, denn als europäische Bürger haben die Mitglieder dieser Volksgruppe automatisch Aufenthalts- und Rückkehrrecht in Frankreich.

Prominente Roma
Prominente Roma (v. l. o. nach r. u.): Grigoras Dinicu, Drafi Deutscher, Charlie Chaplin, Pantoja, Ceija Stojka, Dzej Ramadanovski, Irini Merkouri. (Fotomontage: Olahus@Wikimedia Commons)

An sich also sinnloser Aktionismus, der aber die französische Gesellschaft spaltet. Ein großer Teil begrüßt die Auflösung der illegalen Lager und die verkappte Ausweisung der Roma, andere fühlen sich an die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland und den Völkermord an den Sinti und Roma erinnert. Gestern hörte ich einen Franzosen, der sich über den Populismus des Staatspräsidenten mokierte und mutmaßte, Sarkozy sei es wohl am liebsten, er könne die “Zigeuner” nach Auschwitz-Birkenau deportieren.

Mit dieser drastischen Anspielung auf das ehemalige Vernichtungslager schließt sich die gedankliche Verbindung zwischen Sarkozy, den Franzosen, den Roma und uns Deutschen. Natürlich ist der Völkermord einerseits schon vor über sechs Jahrzehnten verübt worden und kaum einer der heutigen Deutschen kann dafür noch zur Verantwortung gezogen werden. Andererseits müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass unsere europäischen Nachbarn die deutschen Greueltaten in und außerhalb der beiden Weltkriege im vergangenen Jahrhundert nicht vergessen und teils auch nicht verziehen haben.

Sinti- und Romafrauen 1928
Sinti- und Roma-Frauen mit Kind 1928 in Deutschland - vor dem Völkermord. (Foto: Bundesarchiv@Wikimedia Commons)

Noch immer begegnen den Deutschen zahlreiche Ressentiments auf der anderen Seite des Rheins - nicht wegen einer individuellen Schuld, sondern allein wegen der Zugehörigkeit zu einem zeitweise barbarischen Volk. Die kollektive, überlieferte Erinnerung selbst jüngerer Franzosen kann dabei durchaus bis zum deutsch-französischen Krieg 1870-1871 zurückreichen; bereits hier wurden die Wunden aufgerissen, die später noch vertieft und erweitert wurden. Zwei, drei Generationen genügen hier bei Weitem nicht, um geschehenes Unrecht zu verzeihen.

Eine Rolle spielt dabei sicher auch das Verhalten einiger Deutscher, die sich nach dem 2. Weltkrieg in Frankreich immer noch fast wie eine Kolonialmacht aufführen - als Immobilienkäufer, Unternehmer oder auch nur als großkotzige Touristen und renitente Restaurantgäste.

Angesichts dessen halte ich die Entwicklung der offiziellen deutsch-französischen Beziehungen nach 1950 schon fast für ein Wunder - es hätte auch ganz anders kommen können. Schließlich gab es ja auch zahlreiche Greueltaten der Franzosen gegen Deutsche - eine meiner beiden Großmütter wurde beispielsweise nach dem 2. Weltkrieg von einem französischen Besatzungssoldaten in Baden vergewaltigt (ein Fremdenlegionär aus Nordafrika, kein Einzelschicksal), die Truppen ließen den halben Schwarzwald abholzen, um ihren Bedarf an Brennstoff und Baumaterial zu decken und natürlich gab es auch Demontage-Aktionen bei Industrieanlagen; ähnlich denen der Sowjet-Truppen in deren Besatzungszone.

Das dies alles heutzutage noch eine Rolle spielen soll, mag jungen Deutschen völlig absurd vorkommen, ist aber tatsächlich Bestandteil der aktuellen politischen Realität in Europa. So wäre eine “Abschiebung” von Roma, wie sie derzeit in Frankreich geschieht, in Deutschland völlig undenkbar. Und die Berichterstattung über strafunmündige Roma-Kinder, die offenkundig von ihren Eltern vom Elsass aus auf regelmäßige Diebstahl- und Einbruchstouren über den Rhein geschickt werden, fällt meist sehr zurückhaltend aus. So wird etwa Ulrich Heffner, der Sprecher des Landeskriminalamtes in Stuttgart, so zitiert:

Es handelt sich schon häufig um Angehörige reisender Familien aus Ost- und Südosteuropa.

Eine Zurechnung zu einer bestimmten Volksgruppe will er nicht vornehmen. Weniger zurückhaltend ist man schon ein paar Kilometer weiter im schweizerischen Basel:

Die Ermittlungen des Kriminalkommissariates, die Beobachtungen der Polizei sowie einzelne Festnahmen lassen den Verdacht zu, dass etliche dieser Taten durch Gruppierungen von Romas verübt wurden, die aus mehreren Camps im nahen Elsass stammen und gezielt nach Basel einreisen, um hier Einbrüche zu verüben.

Solche Zuordnungen würden einem deutschen Polizeibeamten in der Öffentlichkeit nie über die Lippen kommen, sähe er sich doch schnell einem Rassismusverdacht ausgesetzt. Im Übrigen gebietet der deutsche Pressekodex:

In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründeter Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber schutzbedürftigen Gruppen schüren könnte.

Zu diesen “schutzbedürftigen Gruppen” zählen bei uns natürlich auch die Sinti und Roma. Denn, seien wir mal ehrlich mit uns selbst: Haben wir nicht jede Menge Vorurteile? Haben uns nicht Eltern oder Großeltern den Begriff “Zigeuner” als negativ besetzte Bezeichnung eingebleut? Sind wir nicht auch beunruhigt, wenn “fahrendes Volk” mit Wohnwagen auf dem Festplatz unseres Ortes campiert und dunkelhäutige Kinder durch die Wohngebiete streifen? Ähnlich wie die weißen US-Amerikaner in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts “Schwarze” nur als Dienstboten, Tänzer, Komödianten, Sänger und Musiker akzeptierten, so beschränken sich unsere positiv erlebten Kontakte mit Roma meist auf musikalische Begegnungen - als Zuschauer oder in wenigen Fällen auch als Mitwirkender (been there, done that).

Alle lieben den Gypsy-Jazz von Django oder Schnuckenack Reinhardt, Biréli Lagrène, Häns’che Weiss oder Titi Winterstein, aber: “Lasst die Sippe bitte schön nicht in meiner Nachbarschaft wohnen” - das denken viele Deutsche sicherlich, denen Sinti und Roma privat völlig fremd sind. Und das liegt absurderweise auch daran, dass es wegen der Ermordung von hunderttausenden Roma nur noch wenige von ihnen gibt. Meist ist die Fremdenfeindlichkeit gegenüber einer Volksgruppe umgekehrt proportional zu ihrer Präsenz in der Gesamtbevölkerung. Sehr schön ist das bei den Neonazis zu beobachten, die vor allem in den neuen Bundesländern Zulauf haben, wo der Emigranten- bzw. Ausländeranteil weitaus geringer ist als im Westen der Republik.

Das haben wir offenbar auch mit den Franzosen gemeinsam. Die hätten an sich genug Probleme und Aufgaben mit den Millionen hoffnungslosen legalen und illegalen Emigranten in den Vorstädten, kaprizieren sich aber jetzt ausgerechnet auf die geschätzt rund 15.000 Roma - eine verschwindend geringe Minderheit im bunten, multikulturellen Frankreich, dessen Staatspräsident ungarisch-griechische Wurzeln hat und der sich offenbar von seiner sinnlosen Anti-Roma-Aktion einen politischen Vorteil verspricht. Gerade wir Deutsche sollten das nicht unkommentiert lassen.

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Fastvoice jetzt auch auf Twitter

Wenn Sie immer über die neuesten Blogeinträge hier informiert sein wollen: Das geht natürlich bequem über das Abonnieren des RSS-Feeds, aber neuerdings auch anders. Ich habe mich nämlich versuchsweise dem modischen Gezwitscher angeschlossen und kündige regelmäßig die aktuellen Beiträge an. Kann aber auch gut sein, dass dort ein wenig mehr landet als nur die Blog-Hinweise.

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Meister Lampe und die EU-Leuchtkörper-Verwirrung

Bald ist wieder September und wie schon im vergangenen Jahr häufen sich die Falschmeldungen über “Glühbirnen”-Verbote - das wird uns auch in schöner Regelmäßigkeit noch ein paar Jahre lang beschäftigen, weil für “elektrische Leuchtkörper” (EU-Bürokraten-Deutsch) jeweils im September neue Stufen der EG-Verordnung 244/2009 in Kraft treten. Um schon mal mit den größten Irrtümern aufzuräumen: Ab 1. September ist der Verkauf von Glühlampen über 60 Watt Leistung in der Europäischen Union nicht verboten und es dürfen sogar noch weitaus stromhungrigere “Birnen” hergestellt, vertrieben und verkauft werden, solche zum Beispiel:
Wolfram-Halogenlampe 105 Watt
105-Watt-Wolfram-Halogenlampe der Energieeffizienzklasse C, noch mindestens vier Jahre lang regulär im EU-Handel. (Foto: Wikimedia Commons)

Selbst die herkömmliche “Glühbirne” (übrigens heute vor 129 Jahren der große Star bei der ersten Internationalen Elektrizitätsausstellung in Paris) darf auch in Stärken über 60 Watt noch nach dem 1. September 2010 verkauft werden, verboten sind allein Herstellung und Handelsvertrieb in der EU. Wenn Ihr Baumarkt also noch genug Lagerware hat, können Sie sich problemlos auch noch im Oktober mit antiquiertem “Glühobst” versorgen, ohne dass der Verkäufer in Dunkelhaft kommt.

Ob eine Lichtquelle jetzt und künftig legal vertrieben werden darf, ist auch nicht unbedingt vom technischen Prinzip abhängig, sondern vom Lichtstrom (gemessen in Lumen), dem Verwendungszweck, dem Abstrahlwinkel, der Leistungsaufnahme, der Spannungsversorgung und hauptsächlich von der Einstufung in “Energieeffizienzklassen“. Die kennen Sie auch von Kühlschränken, Waschmaschinen, Trocknern etc. - dort sind sie auf Klebeetiketten gedruckt.

Die schlechteste Klasse bei Leuchtmitteln heißt F, die beste zur Zeit A. Künftig wären wie bei den Haushaltsgeräten auch noch die “Premium”-Klassen A+ und A++ möglich. Herkömmliche Glühlampen liegen in den Klassen D, E und F. Lampen mit mattiertem Glas mussten aber schon seit September 2009 die Klasse A haben, das war also das vorzeitige Aus für die mattierte Glühlampe. Lampen mit klarem Glas müssen diese Mindestanforderungen erfüllen:

  • seit September 2009: ab 100 Watt Energieeffizienzklasse C; darunter Energieeffizienzklasse E
  • ab September 2010: ab 75 Watt Energieeffizienzklasse C; darunter Energieeffizienzklasse E
  • ab September 2011: ab 60 Watt Energieeffizienzklasse C; darunter Energieeffizienzklasse E
  • ab September 2012: Energieeffizienzklasse C für alle
  • ab September 2016: Energieeffizienzklasse B für alle, Ausnahmen für einige Halogenlampen mit Effizienzklasse C, für die noch kein Ersatz auf dem Markt ist.

Zwischendurch, im Jahr 2014, sollen die bis dahin gewonnenen Erfahrungen und neue technische Trends ausgewertet werden, um die bestehenden Regelungen eventuell zu verändern. Möglicherweise wird man dann auch noch einige Ausnahmeregelungen auf den Prüfstand stellen. So sind Speziallampen, etwa in Kühlschränken, Backöfen oder der Medizin, von den Verboten nicht betroffen; ebenso Lampen besonders kleiner und großer Leistung (Lichtstrom unter 60 und über 12000 Lumen) sowie Lampen, die weniger als 60 Volt Spannung benötigen. Ebenfalls nicht enthalten - mangels ausreichender Alternativen - sind Reflektorlampen, die einen gebündelten Lichtstrahl abgeben.

Das alles ist schon ziemlich kompliziert, deshalb von zahlreichen Medien kaum korrekt zu vermitteln, aber noch nicht mal die halbe Wahrheit. Zur genannten EG-Verordnung gehören nämlich noch umfangreiche Regelungen für die Betriebseigenschaften der Lampen und die Produktinformationen auf Verpackungen und in Katalogen. Und weil wir bisher noch nicht von Leuchtstoff- und Hochdruckentladungslampen geredet haben: Für die gilt außerdem eine andere EG-Verordnung, deren Lektüre ebenfalls die Birne rauchen lässt.

Wer sich solche Verordnungsriemen sparen will, kann aber einfach seinen Haushalt Schritt für Schritt auf wirklich energieeffiziente Beleuchtung umstellen. Regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, dass ich mich dabei nicht mit eher fragwürdigen Leuchtstoff-”Energiesparlampen” aufhalte, sondern komplett auf LED-Technik setze, die sich in rasantem Tempo weiterentwickelt und schon weitgehend der Energieeffizienzklasse A oder besser zuzuordnen ist (obwohl LED-Lampen bisher noch nicht offiziell klassifiziert sind). Kleines Zitat aus der oben erwähnten EG-Verordnung 244/2009 vom März 2009:

Zum Zeitpunkt der Verabschiedung dieser Verordnung wiesen die besten der von ihr erfassten Lampen folgende Werte auf:
Der höchste festgestellte Lampenwirkungsgrad war 69 lm/W.

69 Lumen pro Watt - dieser Wert wird von neuen, hochwertigen LED-Lampen inzwischen klar überboten und allmählich nähern sich die Preise dieser hocheffizienten Lichtquellen auch bezahlbaren Regionen. Eine herkömmliche 60-W-”Glühbirne” zum Beispiel können Sie heutzutage problemlos durch eine 8-Watt-Bioledex-LED-Lampe mit rund 650 Lumen ersetzen. Die kostet zwar zwischen 25 und 30 Euro, spielt aber ihre Kosten innerhalb der Lebensdauer gleich mehrfach wieder ein. Diese Kosten-Nutzen-Relation wird sich mit den zukünftigen Produkten (und bei steigenden Strompreisen) noch weiter verbessern.

Nein, ich mache keine bezahlte Werbung für die LED-Industrie, bekomme keines ihrer Produkte billiger als Gegenleistung für meine Blogbeiträge. Durch den massenhaften Einsatz von LED-Lampen könnte aber der gesamte Stromverbrauch so weit reduziert werden, dass sich die unselige Debatte um die Verlängerung von AKW-Laufzeiten möglicherweise von selbst erledigt. Ich mag die Dinger nicht, habe sie noch nie gemocht und würde gerne schnellstmöglich auf sie verzichten. Dass meine persönliche Stromrechnung seit der umfassenden, privaten LED-Umrüstung schon deutlich geschrumpft ist und dass mir die monströsen EU-”Leuchtkörper”-Verordnungen total egal sein können, das sind die angenehmen Begleiterscheinungen der Aktion. Vielleicht finden Sie ja auch Gefallen an dieser Idee.

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Für dumm verkauft

Ich bin, ehrlich gesagt, heilfroh, dass ich zur Zeit nicht mehr als öffentlich-rechtlicher Radiomoderator das harte Tagesgeschäft mit der Aufarbeitung des aktuellen Geschehens vom Wochenende absolvieren muss. Es würde mir sehr schwer fallen, eine distanzierte und annähernd objektive Haltung zu wahren - etwa zur Loveparade-Katastrophe in Duisburg und zur Formel-1-Farce in Hockenheim.

Bei aller Unterschiedlichkeit der Ereignisse haben sie doch etwas gemeinsam: Die jeweils Verantwortlichen versuchen auf bizarren Pressekonferenzen, mit hanebüchenen und absurden Ausreden ihr eigenes Fehlverhalten zu beschönigen; in der Hoffnung, damit heil aus der Affäre zu kommen. Und leider zeigen Beispiele aus der Vergangenheit, dass diese Hoffnung gar nicht so unberechtigt ist.

In Duisburg erklärt der Oberbürgermeister Adolf Sauerland auf der Sonntags-PK, er sei bei der Planung der Loveparade nicht involviert gewesen. Die größte Veranstaltung in der Geschichte der Stadt fand also ohne konkrete Beteiligung des OB statt - erstaunlich.  Der kommissarische Polizeipräsident Detlef von Schmeling betont, man könne bei Weitem nicht von den vom Veranstalter Lopavent zuvor genannten 1,4 Millionen Besuchern ausgehen, er rechne eher mit rund einem Zehntel dieser Zahl. Das Veranstaltungsgelände war für 250.000 Raver ausgelegt, also aus Sicht der Genehmigungsbehörden eine völlig problemlose Angelegenheit; auch das Konzept der Zu- und Abwege über die beiden Tunnelhälften und die einzige Rampe zum Gelände sei absolut in Ordnung gewesen.

Rätselhaft, wie es da zu 19 20 21 Toten und weit über 500 Verletzten (Update Stand 28.7.) kommen konnte. OB Sauerland hatte am Samstagabend in einer ersten Erklärung sogar von einem Fehlverhalten der betroffenen Besucher gesprochen, Reichs-Obermoralistin Eva Herman sah die Schuld in der Verkommenheit der Veranstaltung, ihrer Besucher und dem unseligen Erbe der 68er-Generation. Der aktiv in die Veranstaltung eingebundene WDR pflegte nach der Katastrophe stundenlangen Betroffenheitsjournalismus mit Techno-Beats im Hintergrund; auch die geplante 1 Live-Aftershow-Party des WDR-Hörfunks fand - offenbar auf Bitte der Polizei - noch statt in der Nacht zum Sonntag. Nachher (zurecht) über die verkorkste Planung mosern, aber vorher als enger Partner der Veranstalter das Maul nicht aufmachen, wenn das Konzept, für jeden erkennbar, nicht aufgehen kann? Liebe Leute, für wie doof haltet Ihr uns?

Offenbar für strohdoof, wie am Sonntag auch beim Formel-1-Grand-Prix in Hockenheim klar wurde. Dieser - für echte Motorsportler ohnehin fragwürdige - Zirkus geriet vollends zur Farce, als die beiden führenden Ferrari in der 49. Runde erkennbar kampflos die Plätze tauschten, nachdem Renningenieur Rob Smedley per Funk Felipe Massa erklärt hatte, der hinter ihm fahrende Fernando Alonso sei schneller und ob Massa das bestätigen könne. Das tat er und führte bald darauf diese verkappte Stallorder aus, in dem er nach der Spitzkehre nur schwach beschleunigte (was durch das Data-Recording bestätigt werden wird) und damit von Alonso vor dem nächsten Rechtsknick (geht voll, weiß ich aus eigener Erfahrung) problemlos überholt werden konnte.

Erste Konsequenzen: Ein erbostes Publikum und eine von den Rennkommissaren verordnete lächerliche 100.000 US-Dollar-Strafe wegen verbotener Stallorder. Weitere Konsequenzen: Unklar, weil der Automobilsport-Weltverband FIA von Ex-Ferrari-Sportchef Jean Todt geführt wird und wahrscheinlich keine angemessene Sanktion (mindestens Disqualifikation beider Ferrari) beschließen wird.

Peinlich genug war die nachträgliche Erklärung von Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali: „Wir haben nichts gemacht. Wir haben Felipe keine Anweisung gegeben. Wir haben ihn nur über die Situation informiert.” Noch peinlicher der Einwand vom Drittplatzierten Sebastian Vettel bei der Pressekonferenz: “Das Wichtigste ist, dass du an dein Team denkst. Wir kriegen die Schecks ja von unseren Arbeitgebern und nicht von euch Journalisten”. Sorry, Herr Vettel, aber damit haben Sie meine Sympathien verspielt und sich als Ignorant geoutet.

Die Schecks für die Fahrer werden zwar von den Teams überreicht, aber - in umgekehrter Reihenfolge - von den Sponsoren, von Bernie Ecclestones Formel-1-Organisation, den übertragenden TV-Anstalten, deren Werbekunden und damit letztendlich von uns als Konsumenten der Produkte gedeckt. Ein paar Prozent kommen noch indirekt von den Renstreckenbetreibern über Eintritts- und Steuergelder dazu, also ebenfalls von uns. Wir Zuschauer und Steuerzahler sorgen also für Eure Schecks, Ihr verarscht uns nach Strich und Faden und findet es auch noch in Ordnung? Danke, damit hat sich das Thema “Formel 1″ für mich endgültig erledigt.

Dabei geht’s doch anders: Ein zwar unüberlegter und mit Kleinholz endender, aber dafür echter Kampf auf der Rennstrecke - so wie der von Vettel und Teamkollege Webber in Istanbul: Das ist Motorsport ohne Stallregie und Taktiererei, das ist glaubwürdig. Alles andere hat nur Trash-TV-Niveau und sollte nicht mehr von Werbepartnern und Politikern unterstützt werden.

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Hitze lässt Hirnschmalz schmelzen

Eigentlich wollte ich ja diese Woche hier noch so Einiges schreiben; zum Beispiel über den rätselhaften Freitod einer jungen Frau und die Berichterstattung der Bild-Zeitung dazu, über den Verkauf des Schlosshotels “Bühlerhöhe” im Schwarzwald an eine Immobiliengesellschaft mit anonymen Investoren mutmaßlich ukrainischer Herkunft und dubioser Historie, über die teils geheuchelte, teils völlig überzogene Aufregung über den Wechsel eines ZDF-Moderators auf den Chefsessel des Bundespresseamtes und, und und….

Eigentlich. Aber Temperaturen über 30 Grad und Luftfeuchtigkeitswerte um 70 Prozent machen mich irgendwie zu träge und hirnfaul, um diese sehr komplexen Themen (obwohl schon teilweise recherchiert) angemessen zu behandeln. Also lesen Sie hier nichts davon, sondern sehen heute aus Anlass des heißen französischen Nationalfeiertags nur ein kleines erfrischendes Beispiel zur Hitzebewältigung dort mit landestypischer Ignoranz behördlicher Verbote:

Brunnen in Paris
Foto: Julien Haler (Paris)@Wikimedia Commons

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TV-Tipp: “Die letzten 30 Jahre”

Nein, Sie müssen - nach der Fußball-WM und wegen des traditionell etwas kümmerlichen Fernsehprogramms in den Sommermonaten mit unzähligen Wiederholungen - nicht jeden Tag die Existenzberechtigung Ihres TV-Geräts hinterfragen. Ab und zu lohnt sich auch im Juli und August noch das Einschalten, zum Beispiel an diesem Freitag (16. Juli) ab 20.15 Uhr bei ARTE. Die Kurz-Inhaltsangabe des 88-Minuten-Films “Die letzten 30 Jahre” bei Arte.tv liest sich zwar ein wenig nüchtern…

Die bürgerliche Jurastudentin Resa verliebt sich in den linksradikalen Oskar, der allerdings seinen politischen Aktivitäten einen höheren Stellenwert beimisst als der Liebe zu Resa. 30 Jahre später stoßen beide wieder aufeinander…

…, die 2009 gedrehte und nun zum ersten Mal ausgestrahlte Produktion von ARTE, Odeon Pictures und WDR hat aber weit mehr zu bieten als Links-Nostalgie mit Klassenkampf-Phantasien. Das beginnt bei der Besetzung, vor allem mit der von mir hochgeschätzten Barbara Auer und dem Grimme-Preisträger August Zirner in den Rollen des älteren “Immer-noch-Liebespaars” Resa und Oskar, aber auch mit der hervorragenden Rosalie Thomass als junge Resa.

Barbara Auer
Spielt die ältere “Resa” in “Die letzten 30 Jahre”: Barbara Auer. (Foto: Rainer Lück@Wikimedia Commons)

Autorin Ruth Toma und Regisseur Michael Gutmann gelingt mit einer gut aufgelegten Crew und dem passenden 70er-Jahre-Soundtrack (zum Beispiel von James Brown, den Rolling Stones, Dexy’s Midnight Runners und David Bowie) ein stimmiger Spagat zwischen Anspruch und Unterhaltung, zwischen Drama und Romantik, der bei vielen Zuschauern sicher auch das eine oder andere nostalgische Gefühl aufkommen lässt - nicht nur bei Altlinken und Kommunarden. Denn natürlich gibt es da eine politische Ebene, eng verwoben mit der auch mir wohlbekannten, in den 1970ern virulenten und vorwiegend linken Oppositionshaltung der Nach-68er-Generation; viel wichtiger ist aber die von konkreten Zeitläuften völlig unabhängige persönliche Ebene.

Was bleibt nach Jahrzehnten von der Anziehungskraft zwischen zwei Menschen, wenn das frühere gemeinsame Ziel (der Feind meines Feindes ist mein Freund) bedeutungslos geworden ist? Wenn sich beide auf eigenen Wegen in unterschiedliche Richtungen weiterentwickelt haben? Wenn die Ideale der Jugend nicht mehr zählen, vielleicht sogar - gewollt oder nicht - völlig negiert werden? Diese Fragen berühren auch Menschen, die nicht in den 1960ern oder 1970ern groß geworden sind, die sich nicht politisch engagiert haben - der Einfluss von Zeit und Entwicklung auf Liebe und Leidenschaft ist universell.

Ein Klassentreffen oder eine zufällige Begegnung nach Jahrzehnten, bei der man feststellt, dass eine Jugendliebe immer noch eine überraschend mächtige Anziehungskraft hat - das sind keine Einzelfälle, das haben wohl schon viele ehemalige Paare erlebt und können sich sehr gut in die Gefühlswelt von Resa und Oskar hineinversetzen. Es dürfte ein stimmungsvoller und vielleicht auch ein wenig wehmütiger Fernsehabend werden an diesem Freitag ab 20.15 Uhr bei ARTE.

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