Fast richtig

Wieso heißt das hier eigentlich Fastvoice-Blog? Was hat das mit schnelle Stimme zu tun? Okay, ursprünglich kam die Benennung der Homepage www.fastvoice.de von den damals neuen technischen Möglichkeiten zur Übermittlung von Sprachbeiträgen. 1994 stellte ich mein Studio auf Digitaltechnik um und schickte die Bandmaschinen auf’s Altenteil, 1996 kam die Internet-Anbindung dazu und damit die Voraussetzung, um Audio-Dateien per Mail oder File-Transfer verschicken zu können. Das war schon mal ziemlich schnell.

Ein paar Jahre später ließ ich mich von den Vorzügen eines irischen Audio-Codecs mit dem apt-x-Verfahren überzeugen, damals schweineteuer, aber es ermöglicht über zwei ISDN-B-Kanäle die direkte (Live-)Verbindung mit hunderten Studios und Sprechern weltweit. Seither kann ich mich mit dem DRT-128 „reporter“ sowohl selbst als Sprecher mit 15 kHz Bandbreite irgendwo virtuell in ein Studiomischpult schmuggeln als auch umgekehrt „unsichtbare“ Sprecher/innen zu mir ins Studio bitten; jeweils mit vollem Rückkanal für Regieanweisungen, einen netten Plausch oder sonst was Sinnvolles. Und das ist nun wirklich fast.

In jüngster Zeit hat der Begriff „schnelle Stimme“ aber noch einen weiteren, unerwarteten Aspekt bekommen: Seit März 2009 bin ich immer mal wieder als Overvoice in der deutschsprachigen Ausgabe der Nachrichtensendung ARTE Info zu hören. Die wird im elsässischen Straßburg (Strasbourg) produziert, mit französischen und deutschen Sprechern, die Beiträge aus der jeweils anderen Sprache oder sonstige fremdsprachige Töne „übersprechen“ (deshalb Overvoice). Kurioserweise macht sich hier aber ein sprachimmanenter Effekt bemerkbar: Meist sind direkt aus dem Französischen oder Englischen ins Deutsche übersetzte Texte länger als der Ursprungstext, müssen aber über denselben Filmbeitrag oder Originalton passen. Und so steht dann der verzweifelte deutsche Sprecher vor Monitor und Mikro und versucht, einen 15 Sekunden langen Satz auf 10 Sekunden zu stauchen.

Da gibt’s dann nur drei Möglichkeiten: Entweder entnervt aus dem Studio flüchten (dann entfällt das Sprecherhonorar, deshalb macht’s keiner), oder in kürzester Zeit den Text irgendwie zusammenstreichen, ohne dass der Sinn völlig verloren geht (in hektischer Absprache mit der Multilingue-Redakteurin), oder ein überirdisches Sprechtempo vorlegen (was bei zungenbrecherischen exotischen Städten, philippinischen Clans oder wissenschaftlichen Fachbegriffen einem Gemetzel gleichkommt). Meistens ist sogar eine Kombination aus den Möglichkeiten 2 und 3 notwendig, um der Lage einigermaßen Herr zu werden, bevor der Beitrag fertig sein muss. Teilweise führt das dazu, dass eine Reportage noch während der Sendung (ab 19.45 Uhr, ab 2010 dann sogar schon um 19 Uhr) fertig produziert wird oder sogar live übersprochen werden muss, natürlich abartig schnell, was sonst.

Und so hat Fastvoice nun wirklich einen realen Sinn bekommen.

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