Das gab’s meines Wissens noch nie bei Aldi Süd: Ein Sonderangebot mit neutral-weißen LED-Retrofits für Leuchtstoffröhren (Prospektausschnitt unten, gültig ab Donnerstag, 19. September). Mit maximal 2000 Lumen Lichtstrom und bis zu 95 Lumen/Watt Effizienz sind sie mehr als nur ein Verlegenheits-Ersatz.

Im Spätsommer und Herbst haben LED-Lampen Hochsaison: Neue Modelle kommen ‚raus, es gibt tolle LED-Sonderaktionen, die dunklen Stunden werden zahlreicher und verlangen nach mehr künstlichem, aber bitte auch stromsparendem Licht. Aldi Süd macht da fleißig mit und haut aktuell im Wochentakt LED-Angebote ‚raus – obwohl nicht jedes Mal was wirklich Neues dabei ist.
Das, was aber ab Donnerstag beim Discounter liegt, das gab’s dort noch nie: LED-Röhren in drei Größen mit G13-Sockel und neutral-weißer Farbtemperatur 4000 Kelvin – eigentlich ein Nischenprodukt. Auf kurze Sicht spart man mit ihnen nämlich gegenüber traditionellen Leuchtstoffröhren wenig oder gar nichts. Die im Volksmund „Neonröhren“ genannten Stäbe sind weitaus billiger; Markenprodukte schaffen immerhin rund 18.000 Leuchtstunden und sind mit rund 75 Lumen Lichtstrom pro Watt ziemlich energieeffizient.
Was können LED-Röhren besser?
Können das die Aldi-Röhren wirklich entscheidend besser? Okay, alle drei Versionen sollen 30.000 Leuchtstunden durchhalten, aber seltsamerweise nur 15.000 schadlose Schaltzyklen überstehen. Dabei sind sie nicht auf anfällige Starter/Vorschaltgeräte angewiesen, sondern beziehen Ihre 230 Volt direkt über zwei der vier Pins.
Anstelle eines vorhandenen, parallel zur Röhre geschalteten Starters müssen Sie einen mitgelieferten Blindstarter (Archiv-Beispiel links) einsetzen, der die zwei Starter-Anschlüsse überbrückt. Da die Spannung dann auf beiden Seiten einer Leuchtstoffröhrenfassung anliegt, ist es egal, wie herum Sie die LED-Röhre einsetzen.
Null Information gibt’s leider im Prospekt oder auf der Aldi-Website über den Farbwiedergabeindex der Röhren, der laut einer neuen EU-Verordnung für Innenbeleuchtung mindestens Ra 80 betragen muss. Dass die namen- und markenlosen Lampen wohl nicht dimmbar sind, wird ebenfalls nicht verraten. Zu ungenau ist auch die Aldi-Angabe „extra großer Abstrahlwinkel„ – hier braucht es zwingend genaue Zahlen. Ich vermute einen Wert zwischen 160 und 200 Grad, was für die meisten Einsatzbereiche ausreichend wäre.
In der Regel hängen diese Röhren ja in einer Decken- oder Wandleuchte, wo sie nur in drei Richtungen Licht liefern müssen. Leuchtstoffröhren strahlen zwar auch nach oben/hinten – diese Helligkeitsanteile werden aber häufig in der Leuchte von einem Reflektor in die Gegenrichtung umgeleitet, was keine sehr effiziente Methode ist und insgesamt Lichtstärke kostet.
Damit hätten wir schon einen Vorteil dieser LED-Röhren: Sie brauchen keinen Reflektor und haben kaum Lichtverlust in der Leuchte. Dazu kommt die Effizienz der LED-Technik. Die bei Aldi Süd angebotenen Stäbe haben zwischen 85 und knapp 95 Lumen pro Watt und schaffen alle drei locker das neue Öko-Label A+.
Die relativ stromsparendste Version ist jene mit 18 Watt und 1700 Lumen (etwas über der Helligkeit von zwei 60-Watt-Glühlampen). Sie kann 36-Watt-Leuchtstofflampen ersetzen, hat das beste lm/W-Verhältnis, mit 0,14 den günstigsten Energieeffizienzindex (EEI) und die erfreulichste Lumen/Euro-Relation (85). Die beiden anderen Varianten sind beim EEI mit 0,15 nicht nennenswert schlechter, müssen sich aber beim lm/€-Verhältnis geschlagen geben: 80 beim 22-Watt-Modell mit 2000 Lumen (ca. zwei 75-Watt-Glühlampen), nur 56,6 bei der 10-Watt-Röhre mit 850 lm (EU-offiziell etwas mehr als eine 60-Watt-Glühlampe).
Etwa halb so teuer wie viele Marken-LED-Röhren
Zwischen knapp 15 und 25 Euro sind angesichts der Daten wirklich sehr günstige Preise. Wenn Sie den Umstieg von Leuchtstoff- auf LED-Röhren amortisieren wollen, schaffen sie das mit solchen Sonderangeboten viel schneller als mit doppelt so teuren Markenlampen. Immer vorausgesetzt, sie leuchten bei Ihnen nicht nur 10 Minuten pro Tag und halten die versprochene Lebensdauer durch. Gewünscht hätte ich mir deshalb von Aldi Süd eine deutlich über die gesetzliche Gewährleistungsfrist hinaus verlängerte Garantiezeit.
Die besten und schnellsten Sparergebnisse erzielen Sie mit LED-Röhren selbstverständlich an Einsatzorten, wo Ihre bisherigen Leuchtstofflampen viele Stunden täglich aktiv sein müssen – etwa in einer Werkstatt oder im Büro. Dort freuen Sie sich eventuell auch über kürzere Einschaltverzögerungen, flackerfreies Licht mit ordentlicher Farbtreue und ohne „Röhrensummen“ – und haben dann nach ein paar Jahren ganz vergessen, wie „Leuchtmittel auswechseln“ geht.
Update 19.9.: Heute testweise eine 18-Watt-Röhre („Importiert durch: Müller-Licht“) gekauft. Montage problemlos: Starter ‚raus, Blindstarter ‚rein, Röhre in die Fassungen stecken, drehen, fertig. Keine merkliche Einschaltverzögerung, Helligkeit und Lichtfarbe kaum von der vorherigen, ziemlich alten und lichtschwachen 36-Watt-T8-Leuchtstoffröhre zu unterscheiden. Die nominellen 4000 Kelvin sind glaubhaft. Bei den offiziell 1700 Lumen Lichtstrom bin ich mir nicht so sicher – der Wert erscheint mir leicht übertrieben.
Der Abstrahlwinkel ist auch auf der Packung nicht zu finden, beträgt geschätzt 200 Grad und ist somit absolut ausreichend. Der Farbwiedergabeindex wird dort mit Ra >80 angegeben – nach meinem ersten Eindruck könnte das passen. Allerdings ist noch in 50 cm Distanz ein deutliches Surren hörbar, da war sogar die alte Röhre leiser. Offenbar gibt es doch Unterschiede zu den deutlich teureren Marken-LED-Modellen – die seit April im Praxistest leuchtende „LEDoptix“-Röhre ist nämlich komplett ruhig.
Auf den „Müller-Licht“-Verpackungen wird darauf hingewiesen, dass die Aldi-Röhren „nur für den Einsatz in Einzelschaltungen“ und „nicht für elektronische Vorschaltgeräte geeignet“ sind. Auch die fehlende Dimmbarkeit und Feuchtigkeitsresistenz wird grafisch verdeutlicht.
Update II: Nachträglich noch eine 22-Watt-Variante für eine andere Stelle im Haus gekauft, wo bisher ein 1,50 m/58-Watt-Leuchtstoffstab drin war. Diese LED-Röhre ist seltsamerweise still und wirkt erheblich heller als die 18-Watt-Version. Kaum zu glauben, dass das nur 300 Lumen Unterschied sein sollen. Beide Modelle zeigen sowohl beim direkten Blick als auch bei DigiCam-Aufnahmen kein störendes Flimmern.
Update 23.8.2014: Ab Montag (25.8.) gibt’s in vielen „Norma“-Filialen jede Menge LED-Lampen und -Leuchten – unter anderem offensichtlich auch die im Beitrag vorgestellten „Müller-Licht“-LED-Röhren. Bei Norma laufen sie im Prospekt unter dem Namen „i-Glow“, sind aber online als „Müller-Licht“-Produkte bestellbar – 60 cm für 14,99, 120 cm für 19,99 und 150 cm für 24,99 Euro.
Nicht nur die Preise, auch fast alle offiziellen Daten der Röhren sind mit dem Aldi-Angebot vom September 2013 identisch. Neu sind allerdings die Nennlebensdauer, die von Norma mit „bis zu 25.000 Stunden“ und „mehr als 100.000 Schaltungen“ angegeben wird, sowie der Abstrahlwinkel von offiziell 150 Grad.
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