„Downlights“: Wie viel Licht bleibt in der Leuchte?

Das US-Unternehmen Cree ist einer der LED-Weltmarktführer, produziert aber nicht nur Chips und Module, sondern auch komplette Einbau-„Downlights“. Hier kommt aktuell ein neues Modell dazu, ein anderes gibt’s jetzt in einer zusätzlichen, helleren Version. Mit 800 Lumen soll dieser LED-Strahler ein vollwertiger Ersatz für herkömmliche Glühlampen mit bis zu 90 Watt sein. Kann diese Rechnung aufgehen? Diese Frage hatte ich Cree gestern direkt via Twitter gestellt und siehe da: Ein Weltkonzern ist sich nicht zu fein, auch einem kleinen Blogger aus Deutschland zu antworten.

Cree CR6„CR6“ (PR-Bild rechts) heißt das Cree-„Downlight“ mit 6 Zoll Durchmesser (ca. 15 cm), das es schon seit rund zwei Jahren gibt – bis dato mit 575 Lumen Lichtstrom als Ersatz für einen 50-Watt-Glühlampen-Strahler. Diese Version mit 9,5 Watt Leistungsaufnahme wird auch weiterhin angeboten, künftig kommt aber ein 12W-Ableger mit 800 Lumen dazu. Gleichzeitig stellte Cree einen kleineren Strahler mit vier Zoll (rund 10 cm) Durchmesser vor (deshalb „CR4“ genannt), der seinerseits mit 9,5 Watt 575 Lumen erzeugt und damit bei Neuinstallationen als kompaktere Alternative für die bisherige „CR6“-Version dienen kann.

Allen „Downlights“ gemeinsam sind ein Halbwertswinkel von rund 40 Grad, die patentierte Cree-„TrueWhite“-Technologie mit einer Mischung aus „gelben“ und roten Einzel-LEDs, die für den sehr guten Farbwiedergabeindex von mindestens CRI 90 und die Glühlampen-ähnliche Farbtemperatur von 2700 Kelvin sorgen, die projektierte Leuchtdauer von 50.000 Stunden, die Dimmbarkeit bis auf 5% der Maximalhelligkeit und fünf Jahre Garantie.

Beworben wird das neue „CR6-800L“-„Downlight“ auf der Cree-Webseite unter anderem mit diesem Versprechen:

The new CR6 LED downlight delivers up to 800 lumens and up to 67 lumens per watt and is a direct replacement for a 90 Watt 6-inch incandescent downlight.

Diese Angabe, dass eine 800-Lumen-LED-Leuchte ein „Downlight“ mit einer 90-Watt Glühlampe ersetzen könne, hat mich ein wenig überrascht. Normalerweise erreicht nämlich Letztere weit über 1000 Lumen. Meine Frage an das Cree-Twitter-Team lautete deshalb:

Die Antwort – verteilt auf drei Reply-Tweets – ließ nicht lange auf sich warten:

 

 

Die Erklärung lautet also sinngemäß auf Deutsch: Aus den neuen „CR6“-Leuchten kommen real 800 Lumen ‚raus, während von den (ohne Gehäuse gemessenen) 1000 bis 1200 Lumen einer 90W-Glühlampe zwischen 20 und 40 Prozent sozusagen in der Leuchte verloren gehen und nicht als nutzbares Licht nach unten abgestrahlt werden können.

Immerhin brauchen herkömmliche Lampen im Gegensatz zu LEDs in der Regel Reflektoren und andere technisch-optische Hilfen, um einen gewünschten Abstrahlwinkel möglichst exakt zu erzielen. Meistens entsteht dennoch eine ganze Menge Streulicht.

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Diese Argumentation hatte ich ähnlich auch schon vom deutschen Leuchtenhersteller Steinel in Bezug auf seine LED-Außenstrahler/Fluter gehört. Dort wurde offenbar sogar mit Verlustraten bei Halogenstrahlern von über 50 Prozent kalkuliert (knapp 800 Lumen beim „XLed Home 1“ gegen rund 2400 Lumen bei einem als Äquivalent genannten 150W-Halogenfluter).

Die Gretchenfrage bleibt: Wie viel Helligkeit kommt tatsächlich unten an? Sinnvoller als die absoluten Lichtstromwerte sind bei Richtstrahlern deshalb häufig die Candela-Angaben für den „Lichtstrom pro Raumwinkeleinheit“ – „Lichtstärke“ genannt. Cree liefert die in seinem Datenblatt für die „CR6“ (pdf-Download) mit Hilfe eines Diagramms und zweier Tabellen (bitte das Kürzel „CP“ für „Candlepower“ nicht zu ernst nehmen – es ist die inzwischen veraltete Entsprechung für die SI-Einheit Candela oder cd):

CR6-Abstrahldiagramm

Beispielsweise werden also bei der „CR6-800L“ auf der 0-Grad-Linie (direkt senkrecht nach unten) 456 Candela gemessen; im Bereich von 60 Grad Raumwinkel landet mit 724 Lumen fast der gesamte Lichtstrom des LED-Strahlers. Die Werte für die Lampe alleine und die gesamte Leuchte („Fix“ für „light fixture“) sind identisch, also gibt es offensichtlich keinen Helligkeitsverlust.

Ein entsprechendes Diagramm für eine Glühlampe mit Reflektor würde deutlich „breiter“ und weniger „gerichtet“ aussehen, außerdem gäbe es einen merklichen Unterschied zwischen den „% Lamp“– und „% Fix“-Werten. Da ich aber keine wandelnde Ulbricht-Kugel mit teurer Messtechnik bin, bleiben für mich als alten Skeptiker die Fragen:

  • Lassen herkömmliche Glüh- oder Halogenlampen tatsächlich satte 20 bis 40 Prozent ihres Lichts (oder sogar mehr) im Strahlergehäuse?
  • Kann ein „CR6-800L“-Strahler – wie von Cree behauptet – tatsächlich ein „Downlight“ mit 90-Watt-Glühlampe ersetzen?

Ihre Erfahrungen und Meinungen dazu können Sie mir gerne unten in die Kommentare schreiben.

Mehr Beiträge zum Thema:

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7 Gedanken zu „„Downlights“: Wie viel Licht bleibt in der Leuchte?

  1. @ Wolfgang:
    Bei Ledon läuft 60 W schon unter 600 Lumen, bei Rundstrahlern wie von Philips & Osram haben die um 800 Lumen.
    Offenbar können diese Lumen-Werte je nach Lampenbauart beträchtlich variieren.

    Man liest auch in Kundenrezensionen immer wieder, dass die Meinungen der reinen Zahlentheoretiker mit der der LED-Rezensenten extrem unkonform geht.

    Die relativ niedrig-lumigen Philips GU10 Reflektoren wären ein typisches Beispiel dafür. Die von dir getesteten waren wegen der unterschiedlichen Lichtfarbe zu Ledon/Osram eher etwas schwer vergleichbar.
    Wenn aber Kundenrezensionen von ‚mindestens einer 35 W Halogen im direkten Vergleich entsprechend‘ berichten, dann müsste einer ja sehr lichtblind sein, wenn es nicht zumindest annähernd stimmen würde 😉
    Auch wenn der Theoretiker sagt, dass das bei nur 170 Lm gar nicht sein kann oder gar darf…

  2. @Johannes: Stimmt, ich glaub’s eigentlich erst dann, wenn ich’s selbst sehe und vergleichen kann. Manchmal bestätigt sich dann aber auch die Theorie 😉

  3. Ausrechnen lässt sich alles, auch korrekt. Sowohl der Abstrahlwinkel, das Auftreffende Licht im Zielbereich sowie der Grad der Reflektion an Oberflächen.
    Eine 60W Glühlampe kommt auf 56,5cd bei 360°, die Ledon A60 10W jedoch auf etwa 190cd bei 120°. 50% der Glühlampe gehen Richtung Wand und Decke verloren und werden dort nur zu einem Teil dorthin reflektiert, wo sie gebraucht werden.
    In der Praxis ist das im Abstrahlbereich eine effektive Steigerung von 44%, wenn eine nach unten zeigende Fassung verwendet wird.
    http://www.ledhilfe.de/viewtopic.php?t=12141#p144265

  4. @ Chris:
    Auch wenn man alles ausrechnen kann, das subjektiv-persönliche Empfinden wird denke ich immer mit reinspielen.
    Ich habe seit kurzem so eine Osram Parathom A75 (1055 Lm) im Einsatz. Zuvor war dort eine Osram Halogenbirne entsprechend 75W (840 Lm) verbaut. Subjektiv erscheint mir die 1055 Lm Osram-LED (mit der ich sonst sehr zufrieden bin), aber nicht heller, die vorherige Halogen wirkte im selben Lampenschirm heller trotz deutlich niedrigerem Lm-Wert.

    Ist vielleicht ähnlich wie bei HiFi-Geräten. Auch dort gibt es die Messwerte, aber kein Kenner wird dir empfehlen, nach Messwerten zu kaufen, sondern nur nach ausgiebigem probehören.
    Gruß Johannes

  5. @Johannes:
    Subjektiv lässt sich die gefühlte Qualität beurteilen und größere Unterschiede werden auch bemerkbar.
    Für einen genauen Vergleich empfehle ich Testfotos, denn nur so werden Unterschiede bei Helligkeit, Lichtverteilung und Farbtemperatur objektiv sichtbar.
    Idealerweise in Ergänzung mit einem Luxmeter, mit welchem dan die in der Praxis relevanten Bereiche gemessen werden können.

    Und es hängt immer von der Leuchte ab, wie groß der Unterschied ausfällt (Abstrahlwinkel…).

    Messwerte dienen auf jeden Fall gut als Orientierung und ermöglichen eine erste Einschätzung der Qualität. Ist auch bei Kameras so, dort gibts Messwerte für Bildrauschen, Farbtiefe, Dynamikumfang.

    Du kannst ja mal Aufnahmen (vorher/nachher) erstellen, damit auch die Farbtemperatur erkennbar wird. Die dazu erforderlichen Einstellungen an der Kamera kann ich dir bei Bedarf gerne mitteilen.

  6. @Johannes: Genau wegen des Aspekts „Ausprobieren“ finde ich ja dieses acht-Wochen-Rückgaberecht bei „Homesphäre“ vorbildlich.

    @alle: Meine erste Frage, ob (bei „Downlights“ und ähnlichen richtstrahlenden Leuchten) herkömmliche Glüh- oder Halogenlampen tatsächlich satte 20 bis 40 Prozent ihres Lichts (oder sogar mehr) im Strahlergehäuse lassen können, halte ich bisher noch nicht für beantwortet. Das hat ja nichts mit den unterschiedlichen Abstrahlcharakteristiken von mehr oder weniger rundstrahlenden LED-, Halogen und Glühfaden-„Birnen“ zu tun. Insofern geht die Diskussion bisher ein wenig vom Thema weg.

  7. @Wolfgang: 40% halte ich für etwas übertrieben. Aber wenn man sieht, was bei manchen „klassischen“ Downlights nach oben raus leuchtet, erscheinen mir 20% durchaus schon realistisch. Hängt halt immer von der Gehäuseform ab.

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