Archiv der Kategorie Banken

Angela, nimm doch ihn wieder!

Preisfrage, liebe Frau Merkel: Wen hätten Sie lieber als nächsten Bundesfinanzminister? Diesen Herrn?

Thomas de Maiziere
Dr. Thomas de Maizière (CDU, Quelle: www.cducsu.de)

Oder dann doch lieber wieder diesen hier?

Peer Steinbrück
Peer Steinbrück (SPD, Quelle: www.spdfraktion.de)

Mal ehrlich, wenn dieser Herr Steinbrück nicht in der falschen Partei wäre, die so jämmerlich untergegangen ist bei der jüngsten Bundestagswahl, dann hätten Sie die Antwort doch schon ohne Zögern parat, richtig? Denn wer wäre sonst in der Lage, den Bankern zu zeigen, wo der Hammer hängt und dass sie sich nicht alles erlauben können? Das schafft doch kein Freiherr zu Guttenberg und kein Rechtswissenschaftler aus Sachsen. Da braucht es mehr als nur Sachverstand, da braucht’s auch mal klare Worte und ein kantiges Profil, das beim Bürger und bei den Multiplikatoren gut ankommt. Zum Beispiel bei den sonst so regierungskritischen Journalisten, die über Steinbrücks Abgang tieftraurig sind, wie dieser Beitrag des NDR-Medienmagazins Zapp beweist.

Ich muss offen gestehen: Auch mir wird Steinbrück fehlen - als Lieferant von knackigen Radio-O-Tönen, als einer der letzten Politiker, denen ich auch mal unbesehen was glauben kann, als einer der wenigen, die noch ansatzweise an die knorrigen Typen und Originale des letzten Jahrhunderts erinnern (etwa Wehner, Strauß, Genscher und Schmidt), und als einer, der fleißig seine Fach-Hausaufgaben macht. Dass der Mann darüber hinaus auch noch in der SPD ist, hat dagegen kaum einer gemerkt.

Wobei das mit der “falschen” Partei sowieso kein großes Problem sein müsste, denn auch der aktuelle Friedensnobelpreisträger Barack Obama hat seine Regierungsmannschaft teils mit Experten vom anderen politischen Lager bestückt. Nicht die Parteizugehörigkeit sollte also entscheiden, sondern die Befähigung für das Amt. Aber das ist natürlich ein Pragmatismus, der den deutschen Parteien wesensfremd ist. Da werden stattdessen traditionell der Staat und seine Regierungsposten als Beute genommen und “gerecht” unter den Siegern verteilt. Ackermann & Co. jubilieren: Wieder ein gleichwertiger Gegner weniger im Land.

Das Bankgeheimnis…

… war ja früher mal eine Umschreibung für die vertrauliche Behandlung der Daten von Bankkunden, heute ist es eher die Unergründlichkeit des Geschäftsgebarens der Banken - nicht erst seit der Finanzkrise. Neuestes Beispiel, heute erlebt: Wie immer Anfang eines Monats weist der Online-Banking-Kontoauszug diverse unangenehme Abbuchungen (Lastschriften) auf - Versicherungen, Altersvorsorge, GEZ und so weiter. Soweit, so schlecht, aber noch kein Bankgeheimnis. Stutzig wurde ich aber beim Vergleich zwischen Buchungstag und Tag der Wertstellung - das differierte durchweg um einen Tag.
Lastschriften-Chaos
Der teilweise gekürzte und unkenntlich gemachte Screenshot des Kontoauszuges beweist, dass die Abbuchungen (und es waren noch mehr als diese) zwar am 1.7. erfolgten, aber bereits am 30.6. dem Konto belastet, also rückdatiert wurden. Diese mir bis dahin unbekannte Praxis veranlasste mich zu Anrufen bei einigen der abbuchenden Unternehmen, zumal diese ihr Geld auch laut vorliegenden Rechnungen und Vereinbarungen immer erst am Monatsersten beanspruchen. Alle versicherten hochheilig, dass die Lastschriften per 1.7. und ohne rückdatierte Valutierung erteilt worden seien. Sie könnten sich den Vorgang deshalb nicht erklären.

Eine Online-Nachfrage bei der Bank wurde bisher nicht beantwortet, eine telefonische Auskunft war nicht mehr möglich, weil Mittwochnachmittag dort prinzipiell niemand mehr arbeitet. Zwei Szenarien wären meines Erachtens möglich: Ein Software-Fehler bei der Bank, der wahrscheinlich auch andere Kunden betreffen würde. Oder - und das wäre ein Skandal - ein systematisches Vorgehen, das ebenfalls zehntausende Konten betrifft. Denn wir kennen es ja schon von den verzögerten Wertstellungen von Gutschriften: Selbst wenige Tage bringen den Banken in der Summe satte Zinsgewinne auf Geld, das ihnen eigentlich nicht gehört, sondern nur durch’s Bankensystem wandert. Auch vermeintliches “Kleinvieh” wie 500 Euro pro Konto, die “versehentlich” einen Tag zu früh abgebucht werden, ergeben bei rund 50.000 Kunden einer kleinen Genossenschaftsbank und geschätzten 2% Verzinsung einen Zinsgewinn von rund 1.400 Euro an jedem Tag, an dem so was praktiziert wird. Falls das nur einmal pro Monat der Fall ist, dann sind das schon rund 17.000 Euro pro Jahr.

Und weil ja kaum einer so genau auf seinen Kontoauszug guckt und auch noch den Unterschied zwischen Buchungstag und Valuta kennt, wäre das wirklich mal ein tolles, neues Bankgeheimnis.

Übrigens: Bis heute nachmittag wurden nur zwei GEZ-Abbuchungen storniert und auf den korrekten Tag neu valutiert; der Rest ist noch so wie beschrieben.

Update 19.50 Uhr: Bis zum Abend wurden auch die restlichen falschen Valutierungen auf den 1.7. geändert - erstaunlich, wo doch eigentlich heute nachmittag niemand bei der Bank gearbeitet haben soll.

|