Casalux-LED-Leuchten: ALDI lässt Lumen-Sucher im Dunkeln

ALDI-Leuchte3Seit Montag hat ALDI Süd ein verlockendes Aktionsangebot: LED-Leuchten mit kleinem Schwanenhals – zum Klemmen, Schrauben oder direkt für die Steckdose, ideal etwa für den Schreibtisch, das Notenpult, Rednerpodium oder Regal.

Die unter dem Markennamen „Casalux“ vertriebenen Leuchten für je 16,99 Euro mit „nickel-matter“ Oberfläche und Glaseinsätzen (im Bild rechts die Variante mit Schraubfuß beim Beleuchten eines DIN A4-Manuskripthalters, Fotos: W. Messer) bieten sich als hübsche, energiesparende und punktuelle Beleuchtung an – etwa als Ersatz für einen Halogen-Spot.

Bei einer offiziellen Leistungsaufnahme von 4,9 Watt (ich habe allerdings knapp 6 Watt gemessen) und einem „warm-weißen Power-LED“-Chip kann man als einigermaßen LED-erfahrener Verbraucher eigentlich darauf hoffen, etwa die Helligkeit einer herkömmlichen 25-Watt-Halogenlampe zu erreichen. Genaueres erfährt man dazu aber weder in den ALDI-Werbeanzeigen, im Online-Angebot oder auf den Lampenverpackungen und leider auch nicht in den technischen Daten der beigelegten Gebrauchsanleitung. Nirgends findet sich eine Angabe zum Lichtstrom in Lumen, dem Abstrahlwinkel oder zur Farbtemperatur in Kelvin.

Das verwundert doch sehr, denn seit Ende 2010 gilt eine EU-Verordnung, die zumindest für Haushaltslampen die Lumen-Angabe verbindlich vorschreibt. Ohne sie hat ein „normaler“ Konsument keine objektive Vergleichsmöglichkeit für die Helligkeit verschiedener Lampentypen und -fabrikate. Also habe ich mal direkt beim deutschen Vertrieb der „Casalux“-Leuchten angerufen, der „EuroTechnicsTrade“ GmbH in Arnsberg. Die sollten das wohl wissen.

Von wegen: Ein freundlicher und geduldiger Mitarbeiter erklärte mir, er kenne den Lichtstrom der Leuchten nicht, auch Fabrikat und Typ des LED-Chips seien ihm unbekannt. Die EU-Vorschrift gelte aber ohnehin nur für Leuchtmittel (sprich „Lampen“) und nicht für komplette Leuchten. Eine regelgerechte Lumen-Messung koste für jeden Leuchtentyp und jede Variante (in diesem Fall drei) jeweils rund 2800 Euro, was sich bei der Stückzahl nicht lohnen und die Produkte unnötig verteuern würde. Er selbst schätze, dass die von mir erworbene Leuchte etwa so hell sei wie eine herkömmliche 40-Watt-Lampe (das wären rund 480 Lumen) und eine Farbtemperatur von unter 3000 Kelvin (Glühlampe: zwischen 2500 und 2700 K) habe. Im Übrigen nehme ALDI solche Leuchten erst nach eingehender Prüfung ins Sortiment, also sei alles in Ordnung.

Dazu fielen mir gleich mehrere Einwände ein. Die angebotenen „Casalux“-Leuchten haben nämlich die Besonderheit, dass sie als ein nicht auseinander zu nehmendes „Gesamtkunstwerk“ geliefert werden – mit Vorschaltelektronik im Steckernetzteil, das 12 Volt und 700 Milliampère liefert, und einem vom Kunden nicht auswechselbaren, eingelöteten LED-Chip im Lampenkopf. Die Gebrauchsanleitung erklärt dazu:

Power LED Chips sind Stand neuester Technik. Ein Austauschen moderner LED Chips ist nicht mehr vorgesehen, da diese eine enorm lange Lebensdauer haben.

Wie lange diese Lebensdauer genau ist, wird nicht erklärt. Immerhin gewährt „EuroTechnicsTrade“ drei Jahre Garantie auf das gesamte Gerät. Streng genommen ist also die Leuchte gleichzeitig das Leuchtmittel. Ich habe mal die Pressestelle der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg über das Thema informiert und warte gespannt auf deren Einschätzung, ob die EU-Verordnung in Sachen „Lumenangabe“ vielleicht einen Graubereich aufweist, der legal ausgenutzt werden kann.

LED-Stecker
Das Netzteil der „Casalux“-Leuchten mit einer 12-Volt-, 700 mA-Konstantstromquelle, produziert von „3e LED Lighting Limited“ in Hongkong. Die Vorschaltelektronik wirkt wegen des leicht milchigen Kunststoffs unscharf – nicht wegen meiner „Fotokünste“.

ALDI 2Wenn es keine offiziellen Angaben gibt, bleibt nur die eigene Erfahrung und Einschätzung. Also werfen wir mal einen genaueren Blick auf das Schnäppchen: Der Chip selbst (Bild links, im Lampenkopf, ausgeschaltet) ist – bei dem günstigen Preis auch nicht anders zu erwarten – ein schon etwas älteres und häufig verwendetes Modell ähnlich der Cree-Power-LEDs mit rund 50 Lumen pro Watt und einer Farbtemperatur von gut 3000 Kelvin.

Maximal wären also bei 4,9 Watt Leistungsaufnahme (die Differenz von rund 1 Watt zu den von mir gemessenen 6 Watt dürfte die Verlustleistung des Netzteils sein) etwa 245 Lumen möglich – das Äquivalent einer 20-Watt-Glühlampe. Der direkte optische Vergleich mit meinen zahlreichen anderen LED-Lampen (und bekannten Lumenwerten) scheint das zu bestätigen. Innerhalb des Abstrahlwinkels von gut 120 Grad wird die Fläche unter der Leuchte ordentlich erhellt, was hauptsächlich am geringen Abstand zwischen LED und Tisch liegt. Bei waagerechter Stellung des Lampenkopfes sind das bei meinem Exemplar nur 32 Zentimeter.

Das Lichtspektrum tendiert dabei ins Grünliche mit einem leichten Gelbanteil (das Bild oben mit eingeschalteter Leuchte gibt das ganz gut wieder). Unter „warm-weiß“ stellt sich der Glühlampen-Fan was anderes vor. Schrift auf Papier ist unter der Beleuchtung gut lesbar, Farben werden aber verfälscht wiedergegeben. Für den Einsatzbereich „Schreibtisch“ ist das noch okay, besser wäre dort jedoch eine weiße LED mit rund 5500 Kelvin.

Wenn Sie vorhaben, mit einer dieser ALDI-Leuchten größere Teile eines Zimmers zu erhellen – eventuell sogar indirekt, dann werden Sie möglicherweise enttäuscht: Ab etwa zwei Meter Entfernung vom Lampenkopf wird’s ziemlich schummrig (was natürlich auch seine Reize haben kann). Erwarten Sie also wirklich nicht viel mehr als von einer herkömmlichen 20-Watt-„Kerze“ mit Reflektor.

Schlecht, dass „Casalux“ und ALDI Süd hier die Kundschaft nicht durch eine Lumen-Angabe wenigstens theoretisch „vorwarnen“. Wie bei vielen anderen LED-Billigangeboten kann es so nämlich passieren, dass enttäuschte Konsumenten LED-Beleuchtung per se als untauglich ablehnen, keinen zweiten Versuch mehr mit hochwertigeren und helleren Leuchten starten und stattdessen den ineffizienten „Glühbirnen“ hinterher heulen (ja, ich weiß, so was in der Art schreibe ich wiederholt in diesem Blog – aber was soll man machen, solange Handel und Industrie nicht kapieren, dass sie damit langfristig ihr Geschäft versauen?).

Schade drum, denn das aktuelle ALDI-LED-Angebot bietet trotz aller Einschränkungen ein unschlagbares Preis/Leistungs-Verhältnis  – wenn man sich für 16,99 Euro keine unerfüllbaren Beleuchtungswunder verspricht.

Update 28.11.: Die aktuellen ALDI-Casalux-LED-Tischleuchten habe ich mir in diesem Beitrag vorgeknöpft.

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12 Gedanken zu „Casalux-LED-Leuchten: ALDI lässt Lumen-Sucher im Dunkeln

  1. Wir haben zwei Casalux-LED-Leuchten,die einen Wackelkontakt
    am Schalter haben.Die Garantie ist noch vorhanden,daher bitten
    wir sie einen Retourenaufkleber für das Paket zu senden.
    Mit freundlichen Grüßen Johann Tjart.

  2. @Johann Tjart: Sie wissen aber schon, dass das hier nicht die ALDI-Website ist und ich deshalb auch keine solchen Aufkleber habe ? 😉

  3. Kaufte im Aldi zwei schöne Deckenleuchten.
    Art. Nr. DE-Se-00608 Zusatznr. 41497
    von Euro Technics Trade GmbH.
    Leider ist mir ein Glaslampenschirm zersprungen. Benötige Ersatz.
    Bitte kontaktieren sie mich.
    Besten Dank.

    • Das hier ist ein privates Blog ohne Verbindung zu Aldi, ETT oder sonst einer Firma – siehe hier. Kontaktieren Sie also besser die Service-Adresse des Verkäufers.

  4. Ich habe zwei IC lite Sensor-Leuchten, für innen und außen,
    mit den Art. Nr. 43898 bei ALDI gekauft. Nun benötige ich noch eine.
    Kann ich bei ihnen noch eine Lampe für den ALDI Preis bekommen,
    oder soll ich es besser bei ALDI versuchen.

    Mit freundlichen GrüßenGerhard Kraus

        • Ein möglicherweise zu hartes Urteil, weil es mutmaßlich größere Teile der Bevölkerung treffen würde, als man sich vorzustellen vermag. Darauf deuten jedenfalls zahlreiche Beiträge und Kommentare in den asozialen Bereichen des Internets hin (besonders zahlreich bei Facebook).

  5. Sehr geehrter Herr Messer,
    habe bei ALDI am 30.01.2016 eine Sensor-Deckenleuchte Modell DE-LED-01000 gekauft und habe sie heute montiert. Obwohl ich exakt nach Bedienungsanleitung vorgegangen bin, funktioniert die Leuchte nicht. Am Leuchtmittel kann es nicht líegen, an anderen Leuchten funktioniert sie.
    Mir ist aufgefallen, dass die kleine grüne Diode am DIP-Schalter nicht brennt.
    Könnte das ein Hinweis auf den Fehler sein?
    Ich wäre Ihnen für einen Tipp dankbar.
    MfG: Paul Fleischmann

    • Sie kommentieren unter einem fünf Jahre alten Blogbeitrag, in dem es um eine völlig andere Leuchte geht – unter Missachtung der verbindlichen Kommentarregeln. Bitte mit solchen Fragen direkt an den Zulieferer ETT wenden (ist in einem der vorigen Kommentare hier verlinkt).

  6. Interessante Kommentare 🙂 Bei meinem Artikel von ETT war auf der Gebrauchsanleitung neben Name und Anschrift auch Telefon, Fax und die Mail-Adresse leuchtenservice@ettrade.de eingetragen. Vielleicht hilft das ja weiteren suchenden.

    Gibt es mittlerweile eigentlich eine verbindliche Vorschrift, die auch für Lampen die Lumen Angabe vorschreibt? Auch in der EU-Verordnung Nr. 874/2012 habe ich auf die schnelle dazu nichts gefunden….

Kommentare sind geschlossen.