Schwacher Euro: Werden LED-Lampen jetzt teurer?

Rund 18 Prozent weniger wert als vor einem Jahr ist der Euro aktuell gegenüber Renmimbi/Yuan und US-Dollar. Weil ein großer Teil der LED-Lampen aus China kommt und globale Geschäfte häufig auf Dollar-Basis abgerechnet werden, müsste der schwache Kurs eigentlich die Preise bei uns hoch treiben. Tut er aber (noch) nicht – aus verschiedenen Gründen.

LED-Wechselkurs1
Kein sanftes Ruhekissen für LED-Lampenpreise: Chinesische, US-amerikanische und Euro-Geldscheine – mit teils großen Kursschwankungen. (Foto: W. Messer)

Ein Branchen-Insider erklärte mir voller Überzeugung: „So eine Discounter-Aktion mit Preisen wie Ende Januar bei Aldi Nord kann es in nächster Zeit erstmal nicht mehr geben. Dieser Deal wurde vermutlich schon im September 2014 vorbereitet, als der Euro noch stärker war.“ Denn rein mathematisch ist die Sache klar: Ein schwacher Kurs macht Exporte aus dem Euro-Raum für andere Länder billiger, aber Importe zu uns teurer.

Wer also in Mitteleuropa LED-Lampen und -Leuchten anbieten will, die beispielsweise in China produziert wurden, würde aktuell mit erheblich höheren Kosten konfrontiert und hätte kaum noch Spielraum bei der Kalkulation von attraktiven Preisen. Eine Steigerung der Produktions- bzw. Einkaufsmenge – sonst ein beliebtes Mittel zur Senkung der Stückkosten – ist in diesem Fall keine Option, weil der Markt ohnehin schon mehr als gesättigt ist und die Absatzmenge nicht beliebig erhöht werden kann.

Branche spricht von „sensiblem, heiklem“ Thema

In der Praxis ist der Zusammenhang „Devisen/Verbraucherpreise“ jedoch nicht ganz so simpel, sondern „ein „sensibles“ oder gar „heikles“ Thema, wie es ein mittelständischer Anbieter und ein großer LED-Hersteller beschrieben. Keiner meiner Gesprächspartner wollte explizit genannt werden; auch deren Firmennamen kann ich nicht verraten. Branchenprimus Philips antwortete auf meine entsprechende Anfrage überhaupt nicht; die Osram-Presseabteilung zog ein ursprünglich öffentlich sichtbares Statement nachträglich zurück.

Immerhin könnte man vermuten, dass die Nummer zwei des weltweiten Lichtmarkts mit ihren Standorten recht gut aufgestellt ist: Der Münchener Konzern produziert seine LED-Retrofits schon seit längerer Zeit nicht nur in Fernost, sondern beispielsweise auch im italienischen Treviso und im bayerischen Eichstätt, wo Dollar- oder Renmimbi-Kurse nur beim Teile-Zukauf eine Rolle spielen. Dazu kommt, dass Osram Opto Semiconductors seine LED-Komponenten und –Module unter anderem in Regensburg fertigt. Das alles federt einen Teil der aktuell ungünstigen Währungseffekte ab.

Chancen für deutsche Produktionsanlagen

Carus-Halle Fronhausen

Diverse deutsche LED-Distributoren und -Importeure schauen sich deshalb seit einiger Zeit verstärkt europäische Zulieferer an, die eventuell chinesische Hersteller ersetzen könnten. Große Chancen eröffnen sich also unter anderem für LED-Lampen-Produzenten, die ohnehin schon einen großen Teil der Wertschöpfung in Deutschland haben – etwa „Carus“ in Hessen (PR-Foto oben: Die neue Fertigungshalle in Fronhausen, siehe dazu auch dieses VDI-Video) oder „vosla“ in Sachsen.

Während Sie diesen Beitrag hier lesen, läuft in Fernost, Europa und den USA eine ausgedehnte „Reisediplomatie“ – mit harten Verhandlungsrunden, bei denen um jeden Stückkosten-Cent gefeilscht wird (aktuell etwas behindert durch die mindestens zweiwöchigen chinesischen Neujahrs-Feierlichkeiten). Dabei geht es in der Konsequenz allerdings nicht um die Ladenpreise in diesem Frühjahr, sondern vor allem um jene der nächsten „Lichtsaison“ ab Spätsommer und Herbst.

Kurzfristig werden wir LED-Verbraucher nämlich kaum was merken von den Währungs-Wirren: „Die Endpreise bleiben erstmal weitgehend gleich; einen Anstieg erwarte ich nicht“, erklärte mir der Einkäufer eines Importeurs. Allenfalls werde sich der starke Preisverfall der letzten Monate und Jahre abschwächen. Preissteigerungen seien auf dem hart umkämpften LED-Lampen-Markt derzeit ohnehin kaum durchzusetzen.

Eigenwerbung Juni 2014

Absicherung mit „Devisen-Hedging“

Dass die zeitliche Kopplung zwischen Einkaufs- und Verkaufspreisen ähnlich träge ist wie die Wendigkeit eines Ozeandampfers, liegt auch an den langfristigen Kontrakten. Häufig werden Listenpreise für ein Jahr voraus festgelegt, Komponenten schon ein halbes Jahr vor dem Verkauf finanziert und Leuchten-Deals mit Industriekunden spätestens drei Monate vor Lieferung festgeklopft. Großaufträge können zudem mit „Devisen-Hedging“ abgesichert werden, um das Risiko von Kursschwankungen langfristig auszuschalten.

Je nachdem, zu welchem Termin und bei welchem Kurs ein Einkäufer die Preise des Lieferanten fixiert oder währungstechnisch abgesichert hat, kann er selbst beim derzeit schwachen Euro prima LED-Geschäfte machen und günstige Endpreise anbieten. Möglich ist jedoch auch der umgekehrte Fall: So hatte die Fluggesellschaft Ryanair 90 Prozent des bis März 2016 benötigten Kerosins schon zu einer Zeit eingekauft, als der Ölpreis noch fast doppelt so teuer war wie im Moment. Die Folge: Der aktuelle Treibstoffpreis-Tiefflug geht fast spurlos an der Airline und ihren Passagieren vorbei – noch über ein Jahr lang.

Schweizer LED-Händler müssen massiv Preise senken

Richtig dumm läuft’s deshalb auch für viele LED-Händler in der Schweiz. Mit dem Ende des 1,20-CHF/Euro-Mindestkurses im Januar wurde der Franken plötzlich rund 20 Prozent teurer. Die heimische Kundschaft konnte also im benachbarten Euro-Ausland auf einen Schlag rechnerisch 20% billiger einkaufen als zuhause; die schweizerischen Shop-Preise wurden damit natürlich auch für deutsche, österreichische, französische oder italienische Käufer völlig unattraktiv.

Relativ gut dran ist höchstens, wer jetzt als Schweizer LED-Importeur keine langfristigen Kontrakte hat, mit dem starken Franken in Fernost ad hoc billiger einkauft als bisher und die CHF-Verkaufspreise entsprechend massiv senken kann, um einigermaßen konkurrenzfähig zu bleiben.

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3 Gedanken zu „Schwacher Euro: Werden LED-Lampen jetzt teurer?

  1. Wenn ich bedenke, dass ich 2012 für die ‚gelbe‘ Philips Master LED 12 W € 45,- bezahlt habe, für LEDON GU10 7 W (nicht dimmbar) damals € 24,- pro Stk (dafür gibt’s heute 2 Stk.) – dann wird eine mögliche Verteuerung auf Grund des schwachen Euros wohl nie die vorhergehende Verbilligung innerhalb der letzten 2 bis 3 Jahre ‚auffressen‘ können (ich kann’s mir zumindest nicht vorstellen).

    Aber was ist heute schon unmöglich? Die Sparzinsen sind schon so tief, dass man den Banken fast noch etwas zahlen muss, damit man Geld einlegen ‚darf‘ 😉 Ist aber wieder ein anderes Thema 😉

  2. Erst bekamen wir armen Sparer kaum noch Zinsen und nun wird auch noch der Euro gegenüber dem Dollar abgewertet.
    Vielen Dank auch, liebe EZB….. 🙁
    Ach ja: Tchibo hat schon eine Erhöhung der Kaffee preise ab März angekündigt, da Kaffee auch in Dollar gehandelt wird 🙁

    • Das 1:1-Verhältnis ist – historisch betrachtet – nicht sooo schlimm. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, wo wir für einen US-Dollar über 4 D-Mark hinlegen mussten.

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