Blog-Leserfrage (16): Schummeln LED-Hersteller bei den Watt-Zahlen?

Vor allem bei GU5.3- oder G4-LED-Retrofits führen die offiziellen mA-Angaben für die Stromstärke – multipliziert mit 12 Volt – zu Werten, die scheinbar viel höher liegen als die offiziellen Watt-Zahlen. Sind LED-Lampen also gar nicht so sparsam wie versprochen?

Verbatim-mA-DC:AC
Der gleiche Verbatim-GU5.3-LED-Spot, aber mit unterschiedlichen Milliampère-Messwerten an zwei verschiedenen Vorschaltgeräten/Trafos – links 544, rechts nur 503 mA. Wieso? Die Auflösung gibt’s unten im Beitrag. (Fotos: W. Messer)

Es sieht auf den ersten Blick wie ein unwiderlegbarer Beweis für eine großangelegte Verschwörung der LED-Hersteller aus, was mir Blogleser Johannes am Wochenende berichtet hat. Danach scheint es, als würden die Anbieter bei den offiziellen Watt-Zahlen ihrer Lampen gnadenlos lügen:

„Kürzlich berichteten Sie, dass es bei Netto LED – Lampen gibt. Ich brauchte 7 x GU5.3-LED-Spots. Daher schaute ich mir die Spots von Netto, Eigenmarken-Spots bei Kaufland und Spots von Philips an. Bei allen drei Spot-Herstellern ist mir aufgefallen, dass die Leistungsangaben in Watt auf der Vorderseite (also die beworbene Leistung) mit Angaben in klein zur Stromstärke auf dem Spot bzw. auf der Rückseite nicht übereinstimmen. Vielleicht mache ich auch einen Denkfehler (ich besitze nur Schul- und Bastelkenntnisse).

Bei dem Netto-Spot war die Leistung mit 4 Watt bei 230 Lumen angegeben (ca. 57 Lumen/Watt). In klein stand auf dem Spot aber auch Stromstärke 600 mA. Insofern entspricht die Leistung 600 mA * 12 V = 7,2 Watt. Damit ist die Ausbeute nur noch ca. 32lm/W und beinahe nur halb so groß. Gleiches habe ich auch bei den Spots von Kaufland und Phillips feststellen können, woraufhin ich keine Spots kaufte.

Die Spots von Kaufland waren übrigens sehr günstig (ca. 330 Lumen-GU5.3-Spot für 4,49 €). Die Leistung sollte, glaube ich, 6 Watt betragen. Die Stromstärke war dann aber ca. 730 mA und damit die Leistung 730mA * 12V = 8,76 W.

Wie gesagt, vielleicht berücksichtige ich etwas nicht, aber mir scheint es, als würden viele Hersteller keine aufrichtigen Leistungsangaben machen. Falls Sie Zeit finden, mir 2-3 Zeilen zu dem Thema zu schreiben, würde ich mich sehr freuen.“

Der vermeintliche Skandal ist keiner

Bis hierhin scheint das die Aufdeckung eines Riesen-Skandals zu sein, zumal auch andere Blogleser in den Kommentaren immer mal wieder von offenbar massiv zu niedrig beworbenen Watt-Angaben bei gekauften und nachgemessenen LED-Lampen berichten. In Wirklichkeit ist es aber eine Phantomdebatte, wie ich in meiner Antwort an Johannes zu erklären versuchte:

„Die direkte Umrechnung mA Bemessungsstromstärke x 12 Volt Nennspannung führt nicht unbedingt zur tatsächlichen Wattleistung einer Niedervolt-Lampe. Da spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: Wechsel- oder Gleichspannungs-Versorgung (VA Wechselstrom ist nicht identisch mit Watt – siehe Blindleistung), tatsächliche Spannung (eventuell unter 12 Volt). Siehe dazu beispielsweise die mA-Werte dieses LEDON-Datenblatts (unten bei „Elektrische Daten“).

Entscheidend für Ihre Stromrechnung und die lm/W-Effizienz der Lampen sind allein die gemessenen Watt-Wirkleistungswerte (wie sie auch in meinen Tests ermittelt, vom EU-Ökolabel erfasst und von den Aufsichtsbehören nachgeprüft werden). Wegen der mA-Werte keine LED-Lampen zu kaufen, ist jedenfalls Unsinn. Holen Sie sich lieber ein anständiges Verbrauchsmessgerät, das die Wirkleistung anzeigen kann. Dann werden sie sehen, dass die Angaben meistens ziemlich zutreffend sind.

Bei Niedervolt-LED-Lampen kommt es natürlich noch auf die Effizienz des externen Trafos an, der zusätzlich Leistung frisst. Das berücksichtigen die „kWh/1000 Stunden“-Verbrauchswerte im EU-Ökolabel solcher Lampen – mit einem 10prozentigen Aufschlag auf die Netto-Leistung der Lampe. Auf diesen Umstand weise ich auch immer wieder in meinen entsprechenden Tests hin.“

VA-Werte müssen mit Leistungsfaktor verrechnet werden

LED-Lampenaufdrucke-KombiTatsächlich ergeben die mA-Zahlen bei vielen meiner GU5.3-Testspots (rechts eine Auswahl verschiedener Fabrikate) bei der Multiplikation mit 12 niemals den exakten Watt-Nennwert im gleichen Aufdruck. Die Differenz des rechnerisch ermittelten VA-Wertes zum angegebenen (und meist auch tatsächlichen) Watt-Verbrauch wird vor allem durch den elektrischen Leistungsfaktor der jeweiligen Lampe bestimmt.

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Unterschiede kann’s aber auch durch die unterschiedliche Stromversorgung mit externen Trafos und ihrer Gesamtbelastung durch die angeschlossenen Lampen geben. So habe ich beispielsweise an einem LED-geeigneten, dimmbaren Osram-„Halotronic HTM 70“-Wechselspannungstrafo mit einem 6,5-Watt-Verbatim-GU5.3-Spot nur 10,4 Volt und ca. 500 mA Strom gemessen (ergibt 5,2 VA, siehe Foto ganz oben rechts).

Im Leerlauf geht die Spannung dieses Trafos sogar auf 3 Volt zurück; erst bei 20 Watt Gesamtlast (dem nominellen Mindestlastwert des „HTM 70“) klettert sie auf knapp 12 V. Übersetzt heißt das: Nur mit mindestens drei parallel angeschlossenen Verbatim-Spots können Lampen und Trafo ihre optimale Leistung zeigen.

Bei Gleichspannung ist die Rechnung einfacher

Ein Meanwell-Gleichspannungstrafo namens „LPF-60D-12“ brachte dagegen schon mit einer Lampe 12,2 Volt und gut 540 mA auf’s Display meines Messgeräts (siehe Foto ganz oben links). Das ergibt in der Multiplikation tatsächlich rund 6,6 Watt und damit weitgehend den Nennwert des Verbatim-Spots.

Merke: Bei mit Gleichspannung versorgten LED-Lampen gibt es keine Blindleistung, die einen Messwert verfälschen könnte. Hier kommt nur noch der Stromkonsum des externen Trafos hinzu und schon haben wir den exakten Watt-Gesamtverbrauch.

Zu viel Information verwirrt die Kundschaft

LEDON-MilliampereWas lernen wir daraus? Die Milliampère-Angaben sind normalerweise der vom Hersteller gemessene Wert bei optimaler Wechselspannungs-Stromversorgung (AC) – bei 230-Volt-LED-Lampen sowieso, aber offensichtlich ebenso bei Niedervolt-Retrofits (links sehen Sie auf einer LEDON-Verpackung sowohl diesen als auch die niedrigere DC-/Gleichspannungs-Stromstärke).

Zusätzlich finden Sie auf einigen Datenblättern einen „berechneten“ mA-Wert, der den elektrischen Leistungsfaktor berücksichtigt und deshalb ein gutes Stück niedriger liegt. Einen echten Informationsgewinn für die „normale“ Kundschaft bringt beides nicht – im Gegenteil: Die Zahlen tragen nur zur ohnehin verbreiteten Verwirrung der Verbraucher bei, wie auch die Blogleser-Frage hier mal wieder beweist.

Mehr zum Thema:

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14 Gedanken zu „Blog-Leserfrage (16): Schummeln LED-Hersteller bei den Watt-Zahlen?

  1. Vielen Dank für den Beitrag. VA und W werden leider viel zu häufig verwechselt.
    Billige und untauglich Energiekostenmeßgeräte sind leider sehr verbreitet. Die meisten taugen nichts und führe in die Irre. Die sind nicht nur rausgeschmissenes Geld, sondern verursachen auch noch einen riesigen volkswirtschaftlichen Schaden. Führen sie doch massenhaft zu falschen Einschätzungen von Geräten und ungerechtferigten Reklamationen, Beschwerden und Rückgaben!

    Am besten, man verwendet ein Gerät, welchen den gleichen Chip benutzt wie die „Energiezähler“, die von den EVUs zugelassen und eichbar sind. Solche Geräte sind beispielsweise ELV Energy master, die es in verschiedenen Ausführungen ab 30 EUR gibt. Hier ist die Auflösung 0,1W, so daß man man auch halbwegs brauchbare Ruheleistungsmessungen (Standby) machen kann. Ich bin sehr zufrieden mit dem Basis-Gerät und setze es auch anderweitig, z.B. zur Überprüfung des Spannungsabfalls in der Hausinstallation ein. Wer hier deutlich besseres will (0,001W), kann sich den ELV Energie-Analyser EA8000 Bausatz 140 EUR (190 EUR Fertiggerät) zulegen.

    Meine Erfahrung mit zugegeben älteren Energiemeßgeräten vom Discounter sind schlecht, ich würde da nichts mehr riskieren und auch keine Empfehlung aussprechen.

    2008 hat die ct das Thema ordentlich abgearbeitet (Zusammenfassung; Download bei Reichelt).

    Das Profitec KD302 hat eine gewisse Beliebtheit erlangt. Ob zu recht, kann ich nicht beurteilen, ich habe das Gerät nicht.

    • Moin,

      ich habe den Energy Master Profi 2 von ELV zu Hause, die Messgenaugkeit ist bis 100 W mit 1,0 % ±1 Digit angegeben. In c’t 21/2013 gabs nochmal einen Vergleichstest, dabei hat der Energy Master Profi 2 überhaupt keine messbare Abweichung zum Referenzgerät LMG 95 gezeigt. Deutlich günstiger und nach der c’t-Messung fast genausogut war das Brennenstuhl PM 231 E.

      Das Thema Wirk-, Blind- und Scheinleistung ist wirklich schwierig und man wird von einen durchschnittlichen Endverbraucher auch nicht verlangen können, dass er dies verstehen müsse 🙂

      • „man wird von einen durchschnittlichen Endverbraucher auch nicht verlangen können, dass er dies verstehen müsse.“

        Ja, das muß er auch nicht durch und durch verstehen. Was aber hängen bleiben sollte:
        Entweder
        – Man nehme
        – – eines der genannten guten Energiemeßgeräte
        – – und vergleiche nur W mit W
        Oder
        – Man lasse die Sache auf sich beruhen, mache sich keinen Kopf darüber, verbreite keine Meldungen zu dem Thema und reklamiere keine Waren weil die Leistung mutmaßlich nicht stimme.

      • Vielen Dank, kannte ich noch nicht! Energy Master Basic und Profi haben die gleichen Daten. Wer also den Komfort des Speichers etc nicht braucht, kommt mit dem Basic billiger. Der Elektrolurch hat damit das volle Programm: Leistung, Blindleistung, Scheinleistung, Energie, Kosten, Frequenz, Spannung, Strom bei guter Genauigkeit und Empfindlichkeit.
        Brennenstuhl PM231E ist bei Hornbach, amazon, Voelkner für 10 EUR zu haben und kann Wirkleistung W messen – allerdings erst ab 0,2W. Amazon Rezensionen gibt es für beide Kandidaten.
        Also es gibt keinen Grund mehr, undefinierte oder gar dubiose Geräte zu kaufen.

  2. Hier zwei c’t-Test von preiswerten Leistungsmessgeräten, leider kostenpflichtig. Vielleicht ist das eigene Gerät ja dabei. Die meisten Geräte scheinen ganz ordentlich zu sein.

    Getestet: Conrad Energy Check 3000, Pearl NC-5461, Pearl NC5550, Inter-Union EIM-812, Gembird EG-EM1, ELV Energy Master Profi 2 (Bausatz), ELV PCA 301, ELV Energy Master Basic 2, Brennenstuhl PM 231 E, Reichelt KD-302, Peaktech PeakTech 9035, Cost Control RC, Conrad Cost Control 3000, Conrad Energy Count 3000, Hama Green Eco Premium

    Getestet: Conrad (Voltcraft) Energy Check 3000, Brennenstuhl PM230, Conrad Costcontrol, Profitec KD302, Olympia EKM 2000, Bauhaus Energiemessgerät, Tchibo Energiekostenmessgerät, Clemens Hölter Energiekostenmonitor , Rossmann Energiekostenmessgerät, Aldi Stromkostenmessgerät (Globaltronics GT-PM-02)

  3. Meine GU4-LEDs von Lidl zeigen sogar zwei Wattzahlen auf der Verpackung an: 1,2, bzw. 1,5 Watt. Je nachdem, ob sie mit 12 Volt Gleichstrom oder 12 Volt Wechselstrom betrieben werden.

    PS: Wieviel verbraucht eigentlich ein Ringkerntrafo als Eigenleistung?

        • Ordentliche Ringkerntrafos können Wirkungsgrade um 95%. Der Rechengang dazu ist

          Eingangleistung x Wirkungsgrad = Ausgagsleistung

          oder rückwärts

          Ausgangsleistung durch Wirkungsgrad.

          Nehmen wir die genannten 20 Watt bei 90%, wären das also 22,2 Watt am Netz.

        • Wenn der Chinamann am Kupfer spart … : Ich habe eine Wandleuchte mit 5 x 10 Watt Halogen auf LED ungerüstet, macht 6 Watt auf der 12V-Seite.

          Die Leuchte ist ein deutsches Markenprodukt von etwa 1996, Briloner Leuchten, Rinkerntrafo 230 V 50 VA Made in China. Dank fehlender Last hängt der Kumpel recht knapp vor der magnetischen Sättigung. fabriziert Wirkverluste und brummt – habe ich in dieser Form bei einem Ringkern nie zuvor gesehen. Sobald ich Zeit habe, kommt der raus.

          • Ich hab bei meiner Leuchte auch nur 2 von den drei Halogen Birnen gegen LED getauscht.
            1.) Waren 3 GU4-LEDS zu dunkel
            2.) Hatte ich Angst, dass bei nur 3 Watt Verbrauch der Ringkerntrafo mehr als 12 Volt abgeben könnte und so den LEDS schadet. Daher werkeln da nun 2 LEDS und eine Halogen in der 3er-Leuchte

  4. „Merke: Bei mit Gleichspannung versorgten LED-Lampen gibt es keine Blindleistung, die einen Messwert verfälschen könnte“ – falsch ist das ja nicht, aber ignoriert eine weitere Falle der Messung. LED-Leuchtmittel für AC/DC haben praktisch immer einen Schaltregler, der auch an Gleichspannung keinen linearen Strom zieht. Damit sind viele Multimeter überfordert und zeigen falsche Werte an.

    Wenn es denn stimmen soll, braucht es „True-RMS“ im Meßgerät, das können diverse Digitalmultimeter um 100 Euro, aber selbst ältere Markengeräte zu deutlich höherem Preis mitunter nicht.

    • Und auch bei den True RMS Geräten gibt es Unterschiede im Frequenzbereich und dem Crest Faktor.
      Aber Kondensatoren helfen da viel.

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