Archiv der Kategorie Auto & Motorrad

Der große Reibach am Ring

Nein, das geht eigentlich nicht. In Deutschland hat noch kein Rennstreckenbetreiber nennenswerte Gewinne erzielen können; im Gegenteil. Der EuroSpeedway Lausitz in Brandenburg war schon zwei Jahre nach der Eröffnung des erste Mal pleite, das Land Baden-Württemberg und die Gemeinde Hockenheim buttern seit Jahren Steuergelder in den Hockenheimring, Rheinland-Pfalz versenkte unter dubiosen Umständen hunderte Millionen in den unrentablen Nürburgring-Umbau.

Aber einer hat es möglicherweise geschafft, seinen Reibach mit dem Ring in der Eifel zu machen: Der Düsseldorfer “Projektentwickler” Kai Richter und seine GmbH Mediinvest sollen nach SWR-Informationen mit Hilfe von Steuermitteln mehrere Millionen Gewinn aus dem Projekt “Erlebniswelt Nürburgring” gezogen haben.

Nach Erkenntnissen des Landesrechnungshofs gelang dies mit direkt erhaltenen Honoraren, aber auch mit Zinsgewinnen aus “durchgeleiteten” und zeitweise “geparkten” Investitionsmitteln des Landes. Hier ist offenbar mal wieder der Traum eines jeden Abzockers wahr geworden: Verluste sozialisiert, Gewinne privatisiert.

Die ganze Geschichte gibt’s heute abend zuerst im Radio (SWR 1 Rheinland-Pfalz, “Thema heute Landespolitik”, ab 19.30 Uhr) und dann im TV (SWR-Fernsehen Rheinland-Pfalz, “Ländersache”, ab 20.15 Uhr).

Update 20.8.: Wer’s verpasst hat, kann den TV-Beitrag in der SWR-Mediathek sehen.

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Für dumm verkauft

Ich bin, ehrlich gesagt, heilfroh, dass ich zur Zeit nicht mehr als öffentlich-rechtlicher Radiomoderator das harte Tagesgeschäft mit der Aufarbeitung des aktuellen Geschehens vom Wochenende absolvieren muss. Es würde mir sehr schwer fallen, eine distanzierte und annähernd objektive Haltung zu wahren - etwa zur Loveparade-Katastrophe in Duisburg und zur Formel-1-Farce in Hockenheim.

Bei aller Unterschiedlichkeit der Ereignisse haben sie doch etwas gemeinsam: Die jeweils Verantwortlichen versuchen auf bizarren Pressekonferenzen, mit hanebüchenen und absurden Ausreden ihr eigenes Fehlverhalten zu beschönigen; in der Hoffnung, damit heil aus der Affäre zu kommen. Und leider zeigen Beispiele aus der Vergangenheit, dass diese Hoffnung gar nicht so unberechtigt ist.

In Duisburg erklärt der Oberbürgermeister Adolf Sauerland auf der Sonntags-PK, er sei bei der Planung der Loveparade nicht involviert gewesen. Die größte Veranstaltung in der Geschichte der Stadt fand also ohne konkrete Beteiligung des OB statt - erstaunlich.  Der kommissarische Polizeipräsident Detlef von Schmeling betont, man könne bei Weitem nicht von den vom Veranstalter Lopavent zuvor genannten 1,4 Millionen Besuchern ausgehen, er rechne eher mit rund einem Zehntel dieser Zahl. Das Veranstaltungsgelände war für 250.000 Raver ausgelegt, also aus Sicht der Genehmigungsbehörden eine völlig problemlose Angelegenheit; auch das Konzept der Zu- und Abwege über die beiden Tunnelhälften und die einzige Rampe zum Gelände sei absolut in Ordnung gewesen.

Rätselhaft, wie es da zu 19 20 21 Toten und weit über 500 Verletzten (Update Stand 28.7.) kommen konnte. OB Sauerland hatte am Samstagabend in einer ersten Erklärung sogar von einem Fehlverhalten der betroffenen Besucher gesprochen, Reichs-Obermoralistin Eva Herman sah die Schuld in der Verkommenheit der Veranstaltung, ihrer Besucher und dem unseligen Erbe der 68er-Generation. Der aktiv in die Veranstaltung eingebundene WDR pflegte nach der Katastrophe stundenlangen Betroffenheitsjournalismus mit Techno-Beats im Hintergrund; auch die geplante 1 Live-Aftershow-Party des WDR-Hörfunks fand - offenbar auf Bitte der Polizei - noch statt in der Nacht zum Sonntag. Nachher (zurecht) über die verkorkste Planung mosern, aber vorher als enger Partner der Veranstalter das Maul nicht aufmachen, wenn das Konzept, für jeden erkennbar, nicht aufgehen kann? Liebe Leute, für wie doof haltet Ihr uns?

Offenbar für strohdoof, wie am Sonntag auch beim Formel-1-Grand-Prix in Hockenheim klar wurde. Dieser - für echte Motorsportler ohnehin fragwürdige - Zirkus geriet vollends zur Farce, als die beiden führenden Ferrari in der 49. Runde erkennbar kampflos die Plätze tauschten, nachdem Renningenieur Rob Smedley per Funk Felipe Massa erklärt hatte, der hinter ihm fahrende Fernando Alonso sei schneller und ob Massa das bestätigen könne. Das tat er und führte bald darauf diese verkappte Stallorder aus, in dem er nach der Spitzkehre nur schwach beschleunigte (was durch das Data-Recording bestätigt werden wird) und damit von Alonso vor dem nächsten Rechtsknick (geht voll, weiß ich aus eigener Erfahrung) problemlos überholt werden konnte.

Erste Konsequenzen: Ein erbostes Publikum und eine von den Rennkommissaren verordnete lächerliche 100.000 US-Dollar-Strafe wegen verbotener Stallorder. Weitere Konsequenzen: Unklar, weil der Automobilsport-Weltverband FIA von Ex-Ferrari-Sportchef Jean Todt geführt wird und wahrscheinlich keine angemessene Sanktion (mindestens Disqualifikation beider Ferrari) beschließen wird.

Peinlich genug war die nachträgliche Erklärung von Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali: „Wir haben nichts gemacht. Wir haben Felipe keine Anweisung gegeben. Wir haben ihn nur über die Situation informiert.” Noch peinlicher der Einwand vom Drittplatzierten Sebastian Vettel bei der Pressekonferenz: “Das Wichtigste ist, dass du an dein Team denkst. Wir kriegen die Schecks ja von unseren Arbeitgebern und nicht von euch Journalisten”. Sorry, Herr Vettel, aber damit haben Sie meine Sympathien verspielt und sich als Ignorant geoutet.

Die Schecks für die Fahrer werden zwar von den Teams überreicht, aber - in umgekehrter Reihenfolge - von den Sponsoren, von Bernie Ecclestones Formel-1-Organisation, den übertragenden TV-Anstalten, deren Werbekunden und damit letztendlich von uns als Konsumenten der Produkte gedeckt. Ein paar Prozent kommen noch indirekt von den Renstreckenbetreibern über Eintritts- und Steuergelder dazu, also ebenfalls von uns. Wir Zuschauer und Steuerzahler sorgen also für Eure Schecks, Ihr verarscht uns nach Strich und Faden und findet es auch noch in Ordnung? Danke, damit hat sich das Thema “Formel 1″ für mich endgültig erledigt.

Dabei geht’s doch anders: Ein zwar unüberlegter und mit Kleinholz endender, aber dafür echter Kampf auf der Rennstrecke - so wie der von Vettel und Teamkollege Webber in Istanbul: Das ist Motorsport ohne Stallregie und Taktiererei, das ist glaubwürdig. Alles andere hat nur Trash-TV-Niveau und sollte nicht mehr von Werbepartnern und Politikern unterstützt werden.

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TV-Tipp: “betrifft: Nürburgring”

An diesem Mittwochabend ist zwischendurch mal Platz und Zeit für was Fußballfernes und sehr Empfehlenswertes im Fernsehen: Der SWR sendet in seinem “Dritten” ab 20.15 Uhr die Dokumentation “betrifft: Nürburgring“. Spätestens um 21 Uhr dürfte auch dem letzten Laien klar sein, dass der “Ring” weit mehr ist als nur eine Rennstrecke und ein Mythos - er war und ist auch Schauplatz für einen mindestens 330 Millionen Euro teuren Halbwelt-Krimi namens “Nürburgring-Affäre“, der zu einem finanziellen und politischen Debakel führte.

Nürburgring-Luftbild 2004
Der Nürburgring - wie auf diesem Luftbild liegt auch hinter den Kulissen Einiges im Halbdunkel. (Foto: Stahlkocher@WikimediasCommons)

Besonders weh tat mir diese Entwicklung in den letzten Jahren gerade auch als aktiver Motorsport-Freund; ich hatte das Vergnügen, noch vor dem monströsen Umbau zum Erlebnis- und Freizeitpark einen Tag lang auf dem Grand-Prix-Kurs herumzukurven - bei typisch wechselhaftem Eifelwetter, aber unbelästigt von der pannenträchtigen “schnellsten Achterbahn der Welt” und den zahlreichen neuen und nicht immer geschmackssicheren Gebäuden. Ich gehöre halt zu den unverbesserlichen Puristen, die eine Rennstrecke primär als Sportplatz sehen und nicht als Hallodri-Zirkus für die ganze Familie.

NSX@Nürburgring
August 2004: Der Autor dieses Blogs im Honda NSX auf dem Nürburgring-GP-Kurs. (Foto: PVW - Michael Pietsch)

Der damalige Nürburgring-GmbH-Geschäftsführer Dr. Walter Kafitz galt unter Motorsportlern bis 2009 noch als ehrenwerter, engagierter Mann, der nichts unversucht ließ, die Anlage zu vermarkten und das schon traditionelle Defizit zu minimieren. Inzwischen wurde Kafitz fristlos entlassen und soll rund 7 Millionen Euro Schadenersatz an die GmbH bezahlen. Das allein macht schon die Dimension des Debakels deutlich, ist aber nur ein kleines Puzzleteil des Skandals, in den die SPD-geführte Landesregierung ebenso verwickelt ist wie dubiose Investoren und Geschäftemacher im Halbdunkeln.

Die Finanzierung der “Erlebniswelt Nürburgring” war von Anfang an eine Luftnummer, aber alle, die den Crash hätten verhindern können, schauten weg, kassierten vielleicht sogar mit und waschen nun ihre Hände in Unschuld. Die ganze Komplexität der Ereignisse kann eine 45minütige TV-Sendung natürlich nicht beleuchten - wahrscheinlich gelingt das nicht mal den damit befassten Ermittlungsbehörden und Gerichten -, aber der Film von Christoph Würzburger gibt einen erhellenden Einblick in den unfassbaren Finanz- und Polit-Krimi rund um die “grüne Hölle”.

Gäbe es da nicht die einzigartige Nordschleife und den ebenfalls sehr unterhaltsamen Grand-Prix-Kurs, man müsste den Nürburgring in diesem Licht leider den “Ring, der nie gelungen” nennen.

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Wer ist bitte Axel Schönborn?

Als Motorsport-affiner Mensch gehört die Zeitschrift “sport auto” seit vielen Jahren zu meiner Pflichtlektüre. Ein kleines und sehr engagiertes Team bastelt in Stuttgart Monat für Monat ein Magazin mit Neuvorstellungen und Tests sportlicher Fahrzeuge und Rennwagen, mit fachspezifischen Detailthemen und Motorsport-Berichterstattung. Bei so viel Herzblut sieht man als Leser gerne mal über den einen oder anderen Tippfehler oder eine weniger gelungene pseudo-originelle Headline hinweg.

sport auto-Logo
Das verkappte Politik-Magazin aus Stuttgart.

Wenn Chefredakteur und Rennfahrer Horst von Saurma aber in seinem “Editorial” auf Seite 5 über den Tellerrand seiner Kernkompetenz hinausblickt, hört der Spaß häufig auf. Hier zieht er gerne mal über Radiosender und -Moderatoren her, die inaktuelle Verkehrsmeldungen verbreiten, über die Deutsche Bahn, über missliebige Politiker, die seines Erachtens übertriebene Umweltschützer sind und irgendwie nicht in sein konservatives Weltbild passen, oder über das deutsche “Wahlvolk”. So schreibt er in der aktuellen Ausgabe 7/2010 unter der Überschrift: “sport auto-Leser wissen, wo sie ihr Kreuzchen machen” unter anderem:

Dass die auf den Bildschirmen allseits präsenten Axel Schönborns dieser Welt immer wieder Menschen treffen, die ihnen bereitwillig Auskunft über ihr derzeitiges politisches Meinungsbild geben, ist verwunderlich genug. Noch überraschender ist, dass das von den Instituten auf der Straße angesprochene Wahlvolk sich scheinbar fast wöchentlich eine andere Meinung gönnt…

Und von diesem Ausgangspunkt leitet v. Saurma später auf die Leserwahl der sportlichsten Autos über und lobt die sport auto-Leser:

Im Unterschied zum gemeinen Wahlvolk handelt es sich bei diesen Menschen zudem um solche, die auch wirklich wissen, wovon sie reden - und warum sie wo ihr Kreuzchen machen.

Aha - die “sport auto“-Leser wissen also, wovon sie reden. Weiß das aber auch der “sport auto“-Chefredakteur? Hat Horst von Sauma wirklich Ahnung von Politik, Meinungsumfragen und Medien, wenn er uns einen “Axel Schönborn” als Meinungsforscher verkaufen will?  Sorry, aber wer nicht mal den korrekten Namen von Jörg Schönenborn kennt, der qualifiziert sich nicht als politischer Kommentator.

Will ich mir als Hobby-Motorsportler von einem Horst von Saurma erklären lassen, wie gut oder schlecht ein Porsche 911 GT3 RS auf der Rennstrecke funktioniert? Selbstverständlich, der Mann ist mit seinen “Supertests” und den Einsätzen beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring eine Instanz für so was. Will ich mir aber auch von einem Horst von Saurma erklären lassen, warum wir Radiomoderatoren nicht als Verkehrsservice-Melder taugen? Nein, denn der Mann hat keine Ahnung von den Abläufen. Und will ich mir als Wähler von einem Horst von Saurma nachsagen lassen, dass ich nicht weiß, wovon ich rede oder wo ich mein Kreuzchen mache? Nein, auch da fehlen ihm Kompetenz und Überblick.

Zwei Sprichworte fallen mir hier spontan ein: “Schuster, bleib’ bei Deinen Leisten” (Volksmund) und: “Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten” (Dieter Nuhr).

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Autobahn Nummer 5 lebt!

Ein etwas anderer Autotest

Rallyecross/Ford RS200
Das Ford-Spezialmodell Jokus RRV für den Härtetest “BAB 5“. (Foto: RX-Guru@Wikipedia)

Eigentlich hätte ja schon längst jemand darauf kommen können - Mercedes zum Beispiel oder VW; jetzt aber hat Ford das erste Spezialmodell auf den Markt gebracht, das den Abschnitt der Bundesautobahn 5 zwischen Baden-Baden und Offenburg meistern kann, ohne in Einzelteile zu zerbröseln und ohne seine Insassen zu Invaliden zu machen.

Der Ford Jokus “Rallyecross Rhine Valley (kurz RRV) ist eine Weiterentwicklung und die straßenzugelassene Quintessenz der bisher für Offroad-Wettbewerbe entwickelten Modelle der Kölner Autobauer. Ausgangspunkt für die Konstruktion waren die speziellen Herausforderungen, die die A 5 derzeit zu bieten hat: Dutzende Meter lange und bis zu einem halben Meter tiefe Schlaglöcher, die innerhalb von Minuten aufbrechen können, abrupt aufplatzende Fahrbahnnähte, Dreck und enge Fahrspuren in den Baustellenbereichen sowie heftige Slalommanöver wegen diverser überraschend auftauchender, fester oder rollender Hindernisse.

Ein stabiler Leiterrahmen bildet deshalb zusammen mit den Starrachsen das Rückgrat des Fahrwerks, ergänzt durch schluckfreudige Lindsay-Lohan-Längsblattfedern und Pamela Anderson-Doppel-Stoßdämpfer. Der Federweg wurde dem Einsatzzweck entsprechend auf 80 Zentimeter erhöht, die Wattiefe (wichtig bei Fahrbahnüberflutungen) liegt bei satten 1,20 Meter. Die Luftzufuhr für Motor und Fahrgastraum wurde dazu auf das Dach verlegt (siehe Foto oben). Felgen und Karosserie sind aus hochfestem Stahl, wie er auch in den Radkränzen des ICE-Hochgeschwindigkeitszuges zum Einsatz kommt, die Scheiben aus bruch- und rissfestem Panzerglas und die Reifen aus Kevlargewebe mit Moosgummi-Einlage aus dem Rallyesport. Platzende Pneus gehören somit der Vergangenheit an.

“Bei der Reifenprofilierung und -Mischung haben wir weniger Wert auf Trockengrip gelegt,” erklärt Entwicklungsingenieur Björn Acker, “stattdessen war uns die Traktion auf Kies, Sand, Wasser und Schlamm wichtiger und die Auflagefläche sollte natürlich mindestens viermal die Strecke Baden-Baden/Offenburg und zurück aushalten, ohne die Profilblöcke abzuwerfen”. Keine leichte Aufgabe also und tatsächlich ist der RRV auch ein wenig schwerer geraten als die üblichen Mittelklasse-Limousinen: Knapp vier Tonnen bringt er auf die Waage. Allerdings sind hier bereits die beiden transportablen zwei Meter langen Auf- und Überfahrtsrampen im üppigen Kofferraum enthalten, mit denen sonst unpassierbare Fahrbahnlücken und Schlaglöcher überwunden werden können.

Beim Fastvoice-Test konnte der Jokus RRV trotz seines hohen Gewichts mit überzeugenden Fahrleistungen glänzen: Dank des knapp 300 PS starken 4,6-Liter-V8-Motors aus dem Ford Explorer beschleunigt der RRV auch auf losem Untergrund in nur 2 Sekunden von 0 auf das Tempolimit von 40 km/h zwischen Achern und Appenweier; die Motorleistung wird durch den Allradantrieb mit starrem Durchtrieb und fester 50:50-Kraftverteilung meisterhaft in Vortrieb umgesetzt. Beeindruckend ist das Schluckvermögen der Federung: Während den bedauernswerten Insassen der Fahrzeuge neben uns ständig die Plomben aus den Zähnen fliegen, die Bandscheiben zerbröseln und die Fahrbahn von abgeschüttelten Karosserieteilen anderer Autos übersät ist, bleibt im RRV sogar die Brille auf der Nase sitzen.

Schlagloch
Schlaglöcher wie dieses schluckt der Ford Jokus RRV wie nix. (Foto: Wikimedia Commons)

Wunder sollten Sie allerdings nicht erwarten: Essen und Trinken ist während der Fahrt auf der Marterstrecke A 5 auch im RRV nicht ohne nachhaltige Verschmutzung des Innenraums und der Kleidung möglich. Aber selbst wenn es am Ziel der Reise in Offenburg innen aussehen sollte “wie Sau”: Das Fahrzeug macht außen noch einen recht propperen Eindruck, derweil die ursprünglichen Formen herkömmlicher Automodelle nach derselben Tortur nur noch ansatzweise zu erkennen sind und der Besitz eines intakten Auspufftopfs, einer ungesplitterten Windschutzscheibe, vier runder Felgen und luftgefüllter Reifen einen seltenen Luxus darstellt.

Ford empfiehlt allerdings nach jeweils 20 Kilometern auf der A 5 das Nachziehen aller Radmuttern, alle 40 km eine kleine Inspektion mit Kontrolle der tragenden Teile und alle 80 Kilometer den Ersatz der Radnaben, des vorderen “Bullenfängers” und der Außenspiegel.

Das Fazit: Ford hat erkannt, dass es bei dem maroden Zustand unseres Straßennetzes und der öffentlichen Haushalte keines tiefergelegten Supersportlers in Leichtbauweise mit teurer und ineffizienter Energiespartechnik bedarf. Hier sind andere Qualitäten gefragt und die hat Ford konsequent in seinem RRV umgesetzt und eingebaut. Klasse gemacht! Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Kunden diesen Ansatz würdigen und die Konkurrenz im üblichen deutschen Innovationstempo nachzieht - vermutlich schon in drei bis vier Jahren, wenn die A 5 zwischen Baden-Baden und Offenburg schon längst komplett saniert und auf sechs Spuren erweitert worden ist.

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“Bild” tickt aus wegen teurer Ferrari-Uhr

Tolle Geschichten müssen meistens lange recherchiert werden. Wahrscheinlich hat’s deshalb rund drei Wochen gedauert, bis Bild.de unter der Überschrift “Ticken die noch richtig? Die Ferrari-Uhr kostet mehr als der Sportwagen!” die Sensation enthüllen konnte:

Ferrari und der Uhrenbauer Cabestan (Schweiz) haben die „Scuderia Ferrari One“ entwickelt. Das limitierte Zeiteisen kostet laut t.online.de etwa 300 000 Euro – viel mehr als das aktuelle Ferrari-Topmodell!

In diesen zwei Sätzen verstecken sich leider schon drei Fehler: Die Quelle heißt t-online.de (versuchen Sie mal, eine Mail an eine t.online.de-Adresse zu verschicken), das Zeiteisen kostet je nach Quelle eine offiziell ungenannte Summe oder gerüchteweise 300.000 US-Dollar, was zur Zeit noch deutlich weniger als 300.000 Euro sind, und das derzeit teuerste Ferrari-Topmodell ist nicht der von Bild.de herangezogene 612 Scaglietti F1A für 268 300 Euro, sondern der 599 GTO (Listenpreis lt. Zeitschrift sport auto: 317.500 Euro) als straßenzugelassener Sportwagen beziehungsweise der 599XX (lt. sport auto: 1,3 Millionen Euro) für die Rennstrecke.

Ferrari 599XX
Das derzeit teuerste Ferrari-Modell: Der 599XX (hinten, Foto: Jaydec@Wikimedia Commons)

Beruhigen wir also die durch diese Bild-Meldung verunsicherten “Superreichen” (da war doch neulich was…): Die auf 60 Exemplare limitierte und Ihnen als einem der besten Ferrari-Kunden vorbehaltene Uhr kostet in jedem Fall nicht mehr als der teuerste Ferrari-Sportwagen in Ihrer 1.200-Quadratmeter-Privat-Tiefgarage. Damit ist leider die ganze schöne Schlagzeile hinfällig - und die Frage, wer da wo und in welchem Zusammenhang nicht richtig tickt, die muss wohl noch mal neu überdacht werden.

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In die Irre geführt

So ein mobiles Navigationsgerät ist eigentlich eine tolle Sache, allerdings hatte ich mich (obwohl sonst eher early adopter bei technischen Geräten) lange gegen einen Kauf gesträubt. Im Dezember vergangenen Jahres war es dann aber mit der Kaufzurückhaltung vorbei; ich habe mir spontan ein Falk F6 2nd edition als Weihnachtsgeschenk an mich selbst geleistet - leider, ohne mich vorher umfassend zu informieren. Der Verkäufer im Elektronikfachmarkt in Karlsruhe versicherte mir, ich könne auch als Mac-User innerhalb von 30 Tagen nach dem Kauf kostenlos das Kartenmaterial auf den neuesten Stand bringen - das gehe problemlos mit der mitgelieferten Software-CD und über’s Internet.

Und ab hier entfernten sich Wunschroute und Realität: Die Falk-Produkte sind nämlich prinzipiell nicht MacOS-kompatibel und offenbar war auch das aufgespielte Europa-Kartenmaterial (in diesem Fall Stand 2009-1) teilweise auf dem Stand von 2003. Verschiedene Adressen sind nicht als Ziel wählbar, weil sie für das Gerät nicht existieren, etwa die der im Oktober 2003 eingeweihten ARTE-Zentrale in Straßburg (4, quai du Chanoine Winterer, F-67080 Strasbourg Cedex).

Nachdem ich mich ein paar Monate mit diesen und anderen Fehlern herumgeärgert hatte, wollte ich diesen Sommer endlich mal “Klarschiff” machen und irgendwie versuchen, das neueste Kartenmaterial und die seit April 2009 verfügbare neue FN9-Software zu kaufen. Im Internet wäre das natürlich theoretisch gegangen mit Hilfe eines PC-Besitzers aus dem Bekanntenkreis; das scheiterte aber daran, dass Falk eine Zahlung nur über Kreditkarte (habe ich aus verschiedenen, wohlüberlegten Gründen nicht) oder ein mir unbekanntes Handy-Zahlungssystem namens Impass akzeptiert.

Eine Mail-Nachfrage bei der Presseabteilung von Falk, wie dieses Problem zu lösen sei, blieb bis heute unbeantwortet. Also schickte ich das Gerät via MediaMarkt an den Falk-Service, damit dort die entsprechende Software aufgespielt und mir anschließend bei der Abholung im Markt auch berechnet werden kann. Kurz darauf erhielt ich die Mitteilung, dass das Software-Update von FN8 auf FN9 für mich kostenlos wäre, wenn das Gerät noch innerhalb der Garantiezeit sei und ich den Kaufbeleg faxen könnte. Das Kartenmaterial könne aber nur vom Kunden direkt aktualisiert werden (also von PC-Besitzern mit Kreditkarte). Na gut, besser als nichts - also Beleg gefaxt und schon zwei Tage später war das Gerät wieder abholbereit - super, denn der MediaMarkt-Service hatte mir vorher zwei Wochen prophezeit.

Auf der “Reparaturrechnung” war nicht mal ansatzweise vermerkt, was genau getan wurde beim Falk-Service, der Betrag lautete aber auf 0,00 Euro. Und siehe da: Die Kosten entsprachen offenbar ziemlich genau der Leistung - die Software ist immer noch auf dem alten Stand und das Kartenmaterial natürlich auch:

Falk F6 2nd edition

Mein Navi nach dem “Software-Update”: Immer noch die Version 8.0

Eigentlich sollte ich mich ja nicht beklagen, denn anderen erging es (wenn man den in Internet-Foren geposteten Berichten glaubt) teils noch erheblich schlimmer. Selbst PC- und Kreditkartenbesitzer verzweifelten an der Update-Prozedur, manche Geräte versagten anschließend völlig den Dienst und wer irgendwelche Installationsprobleme hat, der darf zur Strafe noch eine Hotline für knapp 2 Euro pro Minute anrufen.

Schwer zu begreifen sind da die “Testberichte” von sogenannten “Fachzeitschriften”, die das Gerät in höchsten Tönen gelobt haben; aber das ist wohl ein ähnliches Phänomen wie bei den sattsam bekannten “Auto-Tests”.

Kleine Warnung am Rande: Wer die wichtigsten Features der neuen FN9-Software nutzen will, braucht auch mindestens das Kartenmaterial 2009-2. Wir addieren mal schnell: 19,95 Euro für das Software-Update plus 99,95 Euro für das Karten-Abo = 119,90 Euro. Dafür gibt’s mindestens auch ein gebrauchtes TomTom-Navi, das dann sogar MacOS-kompatible Software anbietet.

Punkte geplatzt

Überschriften für Agenturmeldungen zu finden ist manchmal nicht ganz einfach, zugegeben. Aber einen Bezug zum Text sollten sie schon noch haben. Wenn also zum Beispiel dem DTM-Fahrer Mattias Ekström nachträglich fünf Sekunden Zeitstrafe verpasst werden wegen Befolgens einer verbotenen Audi-Stallregie und er damit einen Platz nach hinten rutscht, dann verliert er damit laut DTM-Reglement und der korrekten dpa-Meldung zwei Punkte. Was also schreibt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Online-Ausgabe drüber?

“Teamorder kostet DTM-Pilot Ekström einen Punkt”

Nein, es kostet ihn einen Platz und zwei Punkte.

Oh, du lieber Augustin!

Die Begeisterung über die Rückkehr des Formel-1-Rentners Michael Schumacher schlägt hohe Wellen und spült offenbar auch so manche Journalisten-Sorgfalt weg. Enthusiastisch berichtet bild.de heute über die ersten Testfahrten mit einem älteren Ferrari und wie Schumacher am Vortag aus der Schweiz nach Italien befördert wurde: In einem Hubschrauber namens “Augusta 109“. Augusta?

Agusta A109
Ein Agusta A109 des französischen Rettungsdienstes (Quelle)

Jaja, eine Kleinigkeit. Aber wenn schon bei diesem Detail geschlampt wurde, wie sicher kann der Leser sein, dass der Rest des Artikels sauber recherchiert wurde? So gesehen, kann auch ein kleines Au schon wehtun.

Tri-tra-Ulla-la, der Dienstwagen ist wieder da!

Die gute Nachricht für unsere Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt: Ihr gepanzerter S-Klasse-Mercedes ist - offenbar nach einem gewaltsamen Carjacking - unbeschädigt in der Nähe ihres spanischen Urlaubsortes Alicante wieder aufgetaucht.

Gepanzerter S-Klasse-Mercedes
Quelle: Wikimedia Commons

Die schlechte Nachricht für die Ministerin: Ihre politischen Zukunftsaussichten sind trotz des überraschenden Fundes nachhaltig beschädigt; die Diskussion um die Verwendung eines Dienstwagens samt Chauffeur im Urlaub hat zu viel Staub aufgewirbelt und (teils auch geheuchelte) Empörung verursacht.

Soweit die Fakten, jetzt die munteren und bitte nicht ernstzunehmenden Spekulationen: Hat die Ärzteorganisation “Hartmannbund” den Diebstahl in Auftrag gegeben, um mit dieser “Bypass-Operation” dafür zu sorgen, dass eine unbequeme Gegnerin im Kampf um auskömmliche Honorare diskreditiert wird? War’s CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla, der um jeden Preis eine erneute große Koalition nach der Bundestagswahl verhindern will und der ja sowieso vor nix zurückschreckt? War’s ein SPD-Ministerkollege, der neidisch auf den tollen Wagen ist und selbst mal ein paar Kilometer drin fahren wollte? Nee, das kann nun nicht sein, denn diese Minister haben ebenfalls ihre B6/B7-gepanzerten Mercedes, BMW oder Audi zur Verfügung - einige davon auch im Urlaub.

Mein Verdacht: Es war zuerst ein ganz gewöhnlicher Diebstahl, wie er öfter mal der S-Klasse widerfährt, bis die Diebe entdeckten, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Limousine handelt. Die Panzerung ist nämlich von außen für Laien nicht erkennbar und die Absatzmöglichkeiten für geklaute Sonderschutzfahrzeuge sind äußerst begrenzt. Ganz zu schweigen vom Fahndungsdruck und dem Medienrummel, der bei einem Minister-Fahrzeug deutlich größer ist als bei geklauten “normalen” Luxuskarossen. Es war deshalb wohl gesünder für die Langfinger, den Wagen der Gesundheitsministerin wieder auftauchen zu lassen.