Die LED-Herausforderung: Socken suchen das Super-Sortierlicht

Ich finde es ohnehin schon schwierig, zwei identische Socken nach der Wäsche wieder zu finden und zum idealen Paar zu vereinigen. Bei schlechtem Licht ist das aber fast unmöglich – für LED-Lampen eine echte Herausforderung.

No-Name-Socken
Ein museumsreifer „No Name“-LED-Strahler färbt auch schwarz/blaue Socken und den weißen Hintergrund grünlich. (Fotos: W. Messer, alle mit Weißabgleich „bewölkter Himmel“)

Während der Light+Buildung-Preview“ in München wurde das Thema nur kurz in einem Podiumsgespräch angesprochen – dabei ist es für viele Hausmänner und -frauen ein immer wiederkehrender, zeitraubender Ärger: Welche Einzel-Socken passen zueinander?  Okay, wer extrem unterschiedliche, knallige Teile über’s komplette Farbspektrum hinweg hat oder ausschließlich Socken mit verschiedenen Comic- und Tiermotiven trägt, der tut sich da relativ leicht.

Wenn Sie aber eher dezente Grau-, Blau- und Schwarz-Töne bevorzugen, dann kennen Sie wahrscheinlich dieses peinliche Phänomen: Sie verlassen morgens das Haus und plötzlich fällt Ihnen auf, dass zwischen Hose und Schuhen zwei unterschiedliche Farben zu sehen sind, obwohl Sie doch am Abend zuvor alle Socken sorgfältig sortiert hatten. Das natürliche Tageslicht ist da ziemlich gnadenlos.

Tageslicht-Socken
Die gleichen (unterschiedlichen) Socken bei Tageslicht …

Ursache ist die optimale Farbwiedergabe der Sonne, die selbst bei bedecktem Himmel funktioniert. Auch „warm-weiße“ Glüh- und Halogenlampen machen diesen Job ganz ordentlich. Unterschiedliche Farbtemperaturen spielen hier nämlich nur eine sekundäre Rolle, weil unser Gehirn die weitgehend automatisch korrigiert. Bei Kameras nennt sich das „Weißabgleich“. Subjektiv könnte eventuell eine „neutral-“ bis „kalt-weiße“ Lichtfarbe beim Socken-Sortieren hilfreich sein (wegen der Tageslicht-Ähnlichkeit), muss aber nicht.

Riesen-Probleme hat unser humaner Umrechnungsapparat allerdings bei schlechter Lichtqualität, wie sie beispielsweise von diversen Leuchtstoff-, Natriumdampf- oder teils auch LED-Lampen erzeugt wird. Deren „spektrale Intensitätsverteilung“ ist alles andere als gleichmäßig, lässt manche Farben verblassen, betont dafür andere zu stark und „verschiebt“ deren Darstellung ins Unnatürliche. Der Begriff „Kunstlicht“ darf bei solchen Quellen nicht falsch verstanden werden: Es taugt nämlich weder zur Beleuchtung von Kunstwerken, noch steckt eine große Kunst hinter der Lichtqualität solcher Lampen.

Delock-Socken
… unter einem älteren „Delock Lighting“-Strahler mit ca. 3000 Kelvin und mutmaßlich Ra 75 …

Wenn also beim Sortieren der Wäsche zwei ansonsten identische Socken mit einem ähnlichen Blau- Schwarz- oder Grauton auftauchen, sind sie bei schlechter Beleuchtung (zu dunkel, keine gute Farbwiedergabe) häufig nicht zu unterscheiden. Und was tun Sie mit gleich aussehenden Socken? Logisch – Sie rollen oder falten sie zu einem vermeintlich idealen Pärchen zusammen, das sich am nächsten Morgen, bei Tageslicht, überraschend als potenzieller Scheidungsfall entpuppt.

Farbwiedergabeindex Ra hilft kaum weiter

Können Sie einen derartigen Lapsus durch die Wahl eines anständigen LED-Leuchtmittels verhindern? Prinzipiell ja. Leider gibt die Pflichtangabe des „allgemeinen“ Farbwiedergabeindex‘ Ra aber nur einen ungefähren Hinweis auf die Socken-Sortier-Tauglichkeit. Ra 80 ist die Mindestanforderung, Ra 90 wäre besser, Ra 100 theoretisch ideal. In der Praxis ist jedoch nicht nur die Wiedergabe der acht (vorwiegend blassen) Ra-Messfarben entscheidend, sondern die Darstellung aller Farbtöne, die in Socken vorkommen können.

LEDON-Socken
… und einem LEDON-Spot mit 2700 Kelvin und Ra 80. Die Unterscheidung fällt hier hauptsächlich wegen der fein herausgearbeiteten Stoffstruktur-Differenzen sehr leicht.

So ein dunkles „Blau“ beispielsweise ist ja nie „sattblau“, sondern eine komplexe Mischung, die noch dazu im Lauf eines langen Sockenlebens und durch zahlreiche Waschgänge einem ständigen Wandel unterliegt. Da kommt’s beim Sortieren teils auf Nuancen an, die eventuell selbst eine Ra-90-LED-Lampe nicht genügend herausarbeitet. Deshalb gibt’s mindestens sechs weitere Farbwiedergabe-Einzelwerte (R9 bis R14, teils auch R15), die alle möglichst nahe an 100 liegen sollten, aber kaum ein Leuchtmittel-Anbieter veröffentlicht.

Vor allem die R9-Werte (sattes Rot) sind bei den handelsüblichen „weißen“ LEDs für den Retrofit-Einsatz deutlich geringer und liegen bei ja nach Qualität aktuell etwa zwischen -10 und  +65 (ja, es sind auch negative Resultate möglich). Besseres (>95) gibt’s in professionellen Leuchten für Spezialanwendungen wie Operationssäle oder Kunstgalerien. Die sind aber für Normalverbraucher viel zu teuer. Ich kann jetzt natürlich nicht ernsthaft empfehlen, zum Sockensortieren in ein Krankenhaus oder ins Museum zu marschieren, zumal Ihr eigener Balkon tagsüber mindestens genau so gut funktionieren würde.

Kein Witz: Lampentest mit Socken

Sie könnten aber beim nächsten LED-Lampenkauf zwei Ihrer besonders farbkritischen Sockenpaare verwenden und sie unter dieser Beleuchtung begutachten (dabei alle anderen Lichtquellen ausschalten oder abdecken und die Socken vorher ausziehen!). Wenn Sie dann auch sehr ähnliche Einzelexemplare problemlos unterscheiden können und diese in etwa die gleiche Farbe haben wie draußen vor der Tür, wird es wohl keine schlechte Lampe sein.

Socke-Waschmaschine

LEDs sind übrigens auch bei einem weiteren Socken-Phänomen hilfreich: Das allzu häufige Verschwinden einer Hälfte der Pärchen hat nämlich nichts mit der parawissenschaftlichen Theorie zu tun, dass Waschmaschinen und Trockner gerne Socken „fressen“. Gucken Sie einfach mal nach der nächsten Wäsche genauer in die Trommel: Im Schein einer hellen, „kalt-weißen“ LED-Taschenlampe bleibt kein „Ausreißer“ unentdeckt, wie das Bild oben beweist. 😉

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2 Gedanken zu „Die LED-Herausforderung: Socken suchen das Super-Sortierlicht

  1. Hallo Wolfgang,
    ich finde deinen Blog sehr interessant.
    Hast du vielleicht mal vor dich mit Vollspektrum Tageslicht Lampen zu befassen, also mit einem RA Wert von gr. 95?
    Diese Lampen sollen ja auch in der dunklen Jahreszeit bei Winterdepressionen helfen.
    zb. von ELV oder Reichelt oder diese (die sind wohl für Pflanzenfreunde gedacht). Das ist bestimmt für viele andere auch interessant.

    Herzliche Grüße
    Raimund

    (Bitte keine ellenlangen Links „roh“ posten, sondern im Text einbetten, wie ich es jetzt nachträglich getan habe – siehe Hinweise am Fuß der Seite – danke!/d. Red.)

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