LED-Ramsch bei „toom“: Das braucht niemand mehr in Europa

Seit gestern gelten in der EU neue Regeln für die Qualität und Kennzeichnung von LED-Lampen. Dennoch bietet die Baumarktkette „toom“ weiterhin veraltete Technik an, die den Verordnungen nicht mehr entspricht.

toom-09-13-b1-LED
Ausschnitt aus der aktuellen „toom“-Werbebeilage (gültig bis Samstag, 7. September)

Noch herrscht bei einigen Herstellern, Händlern und Fachverbänden Verwirrung, ob die neuen EU-Regeln eine Übergangsfrist für ältere LED-Lampen und -Leuchten zulassen, die unter den Mindestansprüchen liegen. Oder ob eine „Nachlabel-Pflicht“ für Leuchtmittel ohne die seit gestern geltenden Effizienzeinstufung zwischen „E“ und „A++“ existiert.

Einige limitierte Übergangsbestimmungen gibt es zwar in der „Ergänzungsregelung Nr. 874/2012 zur Direktive 2010/30/EU“, wo es um’s Energieeffizienz-Label geht. Ich habe aber in der „Verordnung Nr. 1194/2012 zur Durchführung der Richtlinie 2009/125/EG“ keine Karenzregelung für Lagerware gefunden; meines Erachtens gelten die Vorgaben für technische Mindestanforderungen und Publikationspflichten ab sofort verbindlich für alle Lampen in Verkaufsregalen und Online-Shops. Was anderes würde auch nicht der Intention dieser EU-Ökodesign-Richtlinie entsprechen, sondern dem massenhaften Missbrauch Tür und Tor öffnen.

Fastvoice-Eigenwerbung neu

Wir kennen das ja bereits von den vermeintlich „verbotenen“ Glühlampen, die Sie auch jetzt noch völlig legal als „Lagerware“ oder für „Spezialanwendungen“ in fast allen Stärken und Größen kaufen können. Keine Behörde kann flächendeckend überprüfen, ob es sich dabei eventuell doch um frisch importierte Neuproduktionen handelt.

Museumstechnik aus LED-Urzeiten

Die Baumarktkette und „Rewe Group“-Tochterfirma „toom“ hält sich mit solchen Überlegungen nicht lange auf, sondern haut auch jetzt noch gnadenlos alles ‚raus, was schon vergangenes Jahr veralteter Ramsch war.

In diesem Blog sind die vier oben abgebildeten, nicht dimmbaren LED-Spots der Eigenmarke „b1“ mit 21 LEDs (in musealer THT-Montagetechnik mit Drahtfüßchen), 2 Watt und 130 Lumen Lichtstrom schon mehrfach als „toom“-Sonderangebot aufgetaucht – zuletzt im März zum Einzelpreis von 4,99 Euro und mit einem Fünfer-Paketpreis von 3,99 Euro pro Stück.

Farbtreue vermutlich nicht ausreichend

Sie kommen von der Kölner „Centor-Warenhandels-GmbH“, einem der „Rewe Group“-Stammlieferanten. Eine Website existiert offenbar nicht, und auch im „toom“-Onlineangebot finden Sie nur die Daten, die auch in der gedruckten Beilage stehen. Deshalb lesen Sie auch nirgendwo was über Abstrahlwinkel, Lichtstärke und Farbwiedergabeindex der Spots – natürlich auch keine Öko-Label-Einstufung, obwohl das alles und noch viel mehr inzwischen veröffentlicht werden muss.

Seit dem 1. September gilt außerdem EU-weit eine Farbtreue-Mindestanforderung von Ra 80 für Beleuchtung im Innenbereich. Meiner Schätzung nach liegen die „b1“-Spots irgendwo zwischen Ra 70 und 75, dürften also nicht mehr verkauft werden.

Absurd hohe Öko-Label-Einstufung

Richtig lustig wird’s bei der Effizienz. Die liegt bei recht ordentlichen 65 Lumen/Watt – bei dieser geringen Lichtqualität ist das keine hohe Kunst. Weil aber die EU-Berechnungsformel für den Effizienzindex (EEI) leistungsschwächere Leuchtmittel bevorteilt und die Einstufung von richtstrahlenden Lampen auch noch großzügiger ist als bei Modellen mit „ungerichtetem Licht“, können die „toom“-Uralt-Spots die moderne Markenkonkurrenz weit hinter sich lassen.

Die 12-Volt/GU5.3-Version hat nach meiner Berechnung einen EEI von knapp über 0,13 und fällt damit in die „A+“-Klasse. Die anderen drei Varianten liegen bei 0,12 und schaffen sogar die Bestwertung „A++“ – absurder geht’s kaum noch. Rechtfertigt das einen Preis von 3,99 Euro? Schrauben Sie mal so ’ne Lampe bei sich zuhause ‚rein, dann wissen Sie: Effizienz ist nicht alles. Und was nützen Ihnen ein paar gesparte Euros, wenn Sie mit dem fragwürdigen Licht so einer LED-Lampe viele Jahre lang leben müssen?

Mehr zum Thema:

„toom“ verramscht LED-Spots aus Opas Abstellkammer

Die Aldi-, Penny-, Lidl und toom-LED-Parade

Was, wo und wie LED-Anbieter alles über ihre Lampen verraten müssen

Diesen Beitrag drucken

Beitrag teilen:
Facebooktwittergoogle_pluslinkedinmailFacebooktwittergoogle_pluslinkedinmail
Folge mir bei
twittergoogle_plusyoutubetwittergoogle_plusyoutube

5 Gedanken zu „LED-Ramsch bei „toom“: Das braucht niemand mehr in Europa

  1. Hallo,

    also ich kann die Bewertung der Toom B1 LED Leuchtmittel nicht nachvollziehen. Ich habe schon viele LED Leuchtmittel getestet, auch von teuren Markenherstellern bis zu 35 Euro pro Leuchtmittel!
    Die Toom LED Leuchtmittel fand ich vom Licht und der Lichtausbeute bis jetzt am besten. Weiß nicht was solch ein Beitrag bringen soll da er das Produkt absolut falsch hinstellt. Sollte jeder mal ausprobieren. Ein Leuchtmittel kostet 4,99 Euro. Selbst wenn dieses einem nicht gefällt, hat man kein Geld verloren. Aber probieren sollte jeder diese Leuchtmittel da Sie meines Erachtens nach sehr gut sind und auch die Lichtausbeute, völlig in Ordnung ist, vom Preis mal abgesehen. Das es veraltete Technik ist, ist doch nicht schlimm. Sie sparen enorm viel Strom und funktionieren einwandfrei! Dieser Beitrag ist in meinen AUgen überflüssig, sinnlos und xxxxxx (Beleidigung entfernt, bitte halten Sie sich an die Netiquette! – d. Red.)

    • Sorry, aber die Teile haben sich schon allein wegen der fehlenden Pflichtangaben disqualifiziert. Und vergleichen Sie die Lampen mal mit aktuellen Modellen (Ra 80 – 90) – wenn Ihnen da kein Licht aufgeht, haben Sie ein ernsthaftes Wahrnehmungsproblem. Außerdem sollten Sie in Ihren Kommentaren auf beleidigende persönliche Angriffe verzichten – siehe Kommentarkodex.

  2. Ich kann diese Bewertung nicht nachvollziehen. Ich habe gerade diese Leuchtmittel für 3,99 bei REWE gekauft. Die Lichtausbeute ist für 1,5 W hervorragend und der Preis ebenfalls. Für ein Schlafzimmer mit drei Fassungen absolut perfekt und tausend mal besser als Halogen, Energiespar – oder Glühlampen.

    Ihr Artikel ist überheblich und selbstanmaßend geschrieben, er spiegelt keine Sachverhalte wieder sondern ihr persönliches Empfinden. Die Tatsache das jedes Jahr eine neue LED Technik auf den Markt geworfen wird bedeutet noch lange nicht das diese Technik wirklich neu ist. Viel mehr wird das Rad aus Marketinggründen einfach neu erfunden!

    • Sind Sie sicher, dass wir über die gleichen Lampen reden? Die im Beitrag vorgestellten haben nominell 2 Watt, nicht 1,5. Und haben die aktuell bei REWE verkauften auch noch „Drahtfüßchen“ oder nicht vielleicht schon SMD-LEDs?

      Übrigens gab’s die hier vorgestellten Strahler diesen Monat mal wieder als „Sonderangebote“ bei toom – für 3,49 Euro.

  3. „Ihr Artikel ist überheblich und selbstanmaßend geschrieben, er spiegelt keine Sachverhalte wieder sondern ihr persönliches Empfinden.“

    Bei allem Respekt möchte ich dieser Aussage widersprechen. Der Beitrag ist zwar schon >15 Monate alt, aber bereits damals entsprachen Lampen mit SMD-LEDs schon lange moderner Stand der Technik. Die Lampen mit bedrahteten LEDs sind eine Generation älter.

    Für den Preis gabe es damals – und heute erst recht – LED-Lampen mit objektiv besseren Daten – oder mit überhaupt zugesicherten Eigenschaften. Damit ist Toom leider geizig.

    Bitte nicht falsch verstehen – ich möchte Ihnen jetzt Ihre Freude an Ihren Lampen nicht verderben. Unsere Meinung über das Toom-Angebot bedeutet ja nicht, daß die Lampen unbrauchbar seien, sondern nur, daß man heute für das Geld anderes bekommen kann. Wenn Sie den passenden Einsatzort dafür gefunden haben, ist das prima für Sie und natürlich auch für toom.

    Aber versuchen Sie bitte auch Herrn Messer zu verstehen. Wenn er dieses Angebot hier gepriesen hätte, würde das seiner Glaubwürdigkeit als objektivem Blogbetreiber schaden.

Kommentare sind geschlossen.