GU4-LED-Spots von LCTW und LEDON: Fast identische Messwerte

Zwei offensichtlich eng verwandte GU4-LED-Spots hatte ich im Dezember in getrennten Tests: Das jeweils erste Modell dieser Art von „LED’s change the world“ (LCTW) und LEDON. Jetzt liegen mir die Daten des Messlabors vor.

LCTW-LEDON-GU4
Außen durchaus unterschiedlich, innen offenbar nicht so sehr: Die neuen GU4-LED-Spots mit MR11-„Reflektor“-Kopf von LCTW (links) und LEDON mit jeweils nominell 3,7 Watt Bemessungsleistung und 184 Lumen Lichtstrom. (Fotos: W. Messer)

Vor allem Fernost-„No Name“– und Billig-Importeure tummelten sich bisher im Segment der Niedervolt-LED-Lampen mit GU4-„Bipin“-Sockel. Inzwischen haben Markenhersteller wie Osram und LEDON, aber auch der deutsche Direktanbieter „LED’s change the world“ (LCTW) dort durchaus heiße Eisen im Feuer, wie meine Testberichte aus dem Dezember zeigen.

Nach diesen Tests gingen die LCTW- und LEDON-GU4/MR11-Spots an die Licht-Messtechniker von „David Communication“ im niedersächsischen Reppenstedt, die mir seit September 2013 als anonyme Blog-Kooperationspartner gratis viele wertvolle Daten lieferten und das ab sofort ganz offiziell tun. Applaus!

Erheblich heller als angegeben

Die Ergebnisse bestätigen meine subjektiven Einschätzungen: Die Spots sind mit tatsächlichen knapp 237 (LCTW, pdf-Download des gesamten Messprotokolls) und 235 Lumen (LEDON, Messprotokoll) über den kompletten Raumwinkel gleich hell, haben mit einem „allgemeinen Farbwiedergabeindex“ Ra 82,1 bzw. 81,8 auch die gleiche Lichtqualität und übertreffen damit ihre Nennwerte (ca. 200 Lumen gesamt, davon 184 lm EU-konform innerhalb eines 90-Grad-Raumwinkels, Ra 80).

Die Daten für den erweiterten Farbwiedergabeindex mit sechs zusätzlichen Messfarben liegen für beide Lampen ebenfalls im Bereich der normalen Streuung einer LED-Serie aus der gleichen Produktion: R9 (sattes Rot) 16,8 zu 16,0; R12 (sattes Blau) 68,2 zu 67,8, R13 (Hautfarbe rosa) 82,3 zu 81,7. Das sind durchaus respektable Werte – meine Einschätzung aus dem LEDON-Test (die im Wesentlichen auch für den LCTW-Spot zutrifft) muss ich deshalb nicht korrigieren:

„Angestrahlte Gegenstände werden – wie immer bei “warm-weißen” Lichtquellen – gelb/orange eingefärbt, sind aber noch von ihren Originalfarben her erkennbar.“

Leichte Differenzen bei der Farbtemperatur

Interessant wird’s allerdings beim genauen Blick auf die Lichtfarbe. Zwar haben beide Spots ihren „Color Peak“ bei 607 Nanometer Wellenlänge sowie die Farbdominante bei 584 nm im Gelb-Orange-Bereich, weisen aber eine leicht unterschiedliche Farbtemperatur auf: Die LCTW-Lampe hatte im Labor 2718 Kelvin, die LEDON etwas „wärmere“ 2682 K. Eigentlich sollte diese Mini-Differenz kaum wahrnehmbar sein, aber ich zitiere mich mal selbst aus dem Testbericht des LCTW-Spots im Vergleich zur LEDON-Konkurrenz:

„Auch bei der Lichtfarbe konnte ich marginale Unterschiede feststellen – eventuell durch eine andere Zusammensetzung, Dicke und Verteilung der Luminiszenz-Konversionsschicht auf den Chips verursacht. Die machten sich auch bei den Fotos mit meinem Standard-Farbtreue-Modell – einer sattroten Ducati 916 Biposto im Kleinformat auf weißem Untergrund – bemerkbar. Hier wirkte der LCTW-Spot etwas “kühler” mit einer geringeren Gelb/Orange-Farbverschiebung der abgebildeten Gegenstände. Trotz der nominell fast gleichen Farbtemperatur (2725 K bei LCTW, 2700 bei LEDON) leuchtete der LEDON-Strahler beim Test vor ein paar Tagen etwas rötlicher. Das muss weder Vor- noch Nachteil sind, sondern bleibt weitgehend Geschmackssache.“

Direkt nebeneinander gestellt, unterscheiden sich die Bilder duchaus – übrigens auch bei der Helligkeit, weil der LEDON-Spot etwas breiter streut und somit weniger Maximallichtstärke hat (450 statt 600 Candela):

LCTW/LEDON-GU4-Farbtreue
Links der LCTW-GU4-Spot, rechts das LEDON-Pendant – jeweils in etwa gleicher Entfernung zu meinem Farbtreue-„Standard-Modell“.

Eine gewisse Differenz gab’s im Labor auch bei der Messung der Leistungsaufnahme: 3,8 Watt für den LCTW-Spot, 4,3 W beim LEDON. Angesichts des Stromsparpotenzials von gut 80% für beide gegenüber vergleichbar hellen GU4/MR11-Halogenspots sind diese 0,5 W Unterschied natürlich Kleinkram.

Leistungsfaktor bei Gleichspannung?

Anlass für eine Grundsatzdiskussion bietet jedoch die ziemlich sinnlose EU-Verpflichtung, dass auch bei Niedervolt-LED-Lampen ein elektrischer Leistungsfaktor angegeben werden muss. Dieses Verhältnis von Wirk- und Scheinleistung ist bei Gleichspannungs-betriebenen Geräten nämlich stets beim Idealwert 1,0 und hängt in der Praxis nur vom kundenseitig vorgeschalteten Trafo/Treiber ab, der die Wechselspannung umformt und höchstselbst eine Blind- zur Wirkleistung addiert.

Zwar gibt LEDON einen Faktor 0,8 an; LCTW nennt >0,5 – diese Werte sind aber sehr theoretisch und können je nach Einsatzbedingungen stark abweichen. In meinen Tests mit einem dimmbaren Gleichspannungs-LED-Treiber waren’s beispielsweise 0,85 und 0,86; das Messlabor verzichtete aus den genannten Gründen auf eine solche Angabe.

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Für künftige Messungen von Niedervolt-LEDs, die – wie die Testexemplare – sowohl Wechsel- als auch Gleichspannung (AC/DC) vertragen, bietet sich eventuell ein anderer Aufbau an: Man nehme als standardisiertes Vorschaltgerät einen herkömmlichen Magnetkern-Trafo ohne Gleichrichtung, wie er noch in zahlreichen Haushalts-Halogenleuchten zu finden ist.

Der versorgt dann die Testlampen mit ca. 12 Volt Wechselspannung und würde es erlauben, den Leistungsfaktor des Leuchtmittels im AC-Betrieb herauszurechnen. Damit hätte man zumindest einen relativen Vergleich verschiedener Lampenmodelle, obwohl die Aussagekraft immer noch sehr begrenzt wäre.

Mein Fazit:

Nur zur Erinnerung: Für den LCTW-Spot bezahlen Sie 6,40 Euro, für den LEDON knapp 12 Euro. Diese Differenz resultiert offensichtlich nicht aus den Leistungsdaten, sondern vor allem aus dem komplett unterschiedlichen Geschäfts- und Marketingmodell: Kleiner Direktvertrieb mit wenig Werbung und ohne Zwischenhändler contra mittelständischer Anbieter mit Werbeaktionen, aufwendiger Distribution, Außendienst und zahlreichen Händlern. Teils wird Ihre Auswahl unter den Angeboten wohl auch Geschmackssache sein, weil die Spots trotz fast gleicher Messwerte halt dennoch nicht identisch leuchten, in jedem Fall aber heller als angegeben.

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4 Gedanken zu „GU4-LED-Spots von LCTW und LEDON: Fast identische Messwerte

  1. Wieder mal ein interessanter Test!
    Womöglich haben die Ledon und LCTW Spots Verwandtschaft mit Sylvania.

    • Dass LEDON/LCTW vom selben Hersteller fertigen lassen, gilt/galt schon als ziemlich unübersehbar.
      Dass Osram/Sylvania auch Lampen fremdfertigen lässt ist auch bekannt – möglich wäre eine Verwandtschaft schon.
      Im Gegensatz dazu hat Philips seine eigene LED-Produktion (Lumileds). Man sieht auch sehr selten auffallend ähnliche ‚Philips-Lampenentwürfe‘.
      Mit der detaillierten Technik und der Qualität hat das Ganze ja nichts zu tun, ist halt ungefähr so wie wenn sich Skoda am VW-Baukasten mitbedient 😉

  2. Hallo Herr Messer,

    interessanter Blog-Beitrag – insbesondere die Bekanntgabe Ihres Blog-Kooperationspartners in Sachen Licht-Messtechnik, denn mit
    Herrn David haben wir (Homesphäre) vor 2,5 Jahren unsere erste Handelspartnerschaft für LED Leuchtmittel geschlossen um unseren Kunden qualitativ hochwertige LED-Beleuchtung nach entsprechender Beratung anbieten zu können. David Communication war bereits damals ganz weit vorne bezüglich heller dimmbarer (!) E27 LED-Lampen (60W Ersatz), die übrigens nach wie vor (über einen Busch-Jäger LED-Dimmer) unseren Esszimmertisch erhellen.

    David Communication hat sich auch uns („led-4-home.de“ als relativ kleinen Partner) gegenüber bis heute ausnahmslos als sehr verlässlicher Handels-Partner gezeigt. Ergänzend zu den Anfängen haben wir unsere Handelspartnerschaft inzwischen auf die sehr gute und überzeugende Augsburger Produktpalette von Bioledex (DEL-KO) erweitert und konzentriert, sowie eine Handelspartnerschaft mit LEDON und Signal Construct geschlossen.

    David Communication ist jedoch nach wie vor mit ihren Produkten bei uns vertreten, die wir unseren Kunden anwendungsspezifisch weiterhin empfehlen. Ich finde es ausgesprochen großzügig von Herrn David, Ihnen seine Lichtmesstechnik für Tests (eben auch für Konkurrenzprodukte – so wie der Bioledex-Test unserer LED-Strahler in einem Ihrer Blog-Beiträge) zur Verfügung zu stellen (sehr nobel, Herr David!).

    Ronald Wiggert, Homesphäre

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