„Umweltschutz“ kein Motiv für Sparlampen-Kauf?

Wer mit Öko-Argumenten für energiesparende Leuchtmittel wirbt, schreckt einen Teil der Kundschaft ab und fördert auch nicht wesentlich die Kaufbereitschaft des anderen Teils. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der „University of Pennsylvania“ in den USA.

LED-Lampen/Umwelt
Grüne Technologie? Vielen Käufern von LED-Lampen könnte der Umweltschutz-Aspekt ziemlich egal sein. (Foto: W. Messer)

Mein Kooperationspartner „Grünspar“ hat bei der Namensgebung möglicherweise die Hälfte richtig gemacht – die zweite Silbe. Denn wer seine Beleuchtung auf Kompaktleuchtstoff- oder LED-Lampen umstellen will, interessiert sich vor allem für die finanzielle Seite des Deals und weniger für die Auswirkungen auf die Umwelt. Im Gegenteil: Vor allem konservative Verbraucher werden durch Öko-Werbung („Green Marketing„) sogar abgeschreckt.

Das ergab zumindest eine Ende April veröffentlichte Studie der Wharton School of Business, Teil der University of Pennsylvania in Philadelphia, auf die mich Blogger-Kollegin Vera Bunse aufmerksam machte. Rund 660 Teilnehmer wurden dafür zuerst nach ihrer Meinung zu energieeffizienten Produkten befragt und in eine politische Präferenz („Konservative“, „Liberale“) sortiert. Anschließend sollten 210 potenzielle Käufer ihre Favoriten aus einer Reihe von Kompaktleuchstofflampen unterschiedlicher Effizienz wählen – einige davon mit „Umweltschutz“-Sticker, die anderen ohne.

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Die Ergebnisse waren teils erwartbar, teils überraschend. „Konservative“ Verbraucher bevorzugten fast durchweg die Lampen ohne „Öko“-Aufkleber. Sie hatten auch bei der vorherigen Befragung hauptsächlich Wert auf die finanziellen Einsparungen beim Betrieb der Leuchtmittel gelegt.

Offenbar wollten sie bei ihrer Kaufentscheidung nicht mit Umweltschutz-Aspekten in Verbindung gebracht werden, weil sich diese nicht mit ihrem politischen Weltbild oder ihren Vorurteilen gegenüber allem „Grünen“ deckten. Weiß ja jeder seit vielen Jahrzehnten: Öko-Zeugs ist sauteuer, funktioniert nie und bringt nichts, wird aber von den kommunistischen Diktatoren in Washington mit perfiden Gesetzen (Glühlampenverbot!) durchgeboxt.

Aber auch der aufgeschlossenere Teil der US-Probanden verließ ganz schnell die Öko-Schiene, wenn Kaufpreis und geldwerte Stromersparnis ins Spiel kamen. Der explizite Verweis auf niedrigere Kohlendioxid-Emissionen (CO2) hatte bei ihnen nur einen geringen positiven Effekt. Meist brachten sie den Umweltschutzgedanken höchstens mit individuellen gesundheitlichen Vorteilen und dem Schutz der Zukunft ihrer Familien in Verbindung. Am Ende zählten jedoch vor allem die günstigsten Einstands- und Betriebskosten.

Was bedeutet das für Europa?

Nun mögen Studien aus den USA nicht direkt auf europäische Verhältnisse übertragbar sein – vor allem in Deutschland dürfte der Anteil der offiziell „Umweltbewussten“ deutlich höher sein. Vielleicht betonen deshalb auch fast alle hiesigen LED-Hersteller und -Händler in ihren Pressemitteilungen den ökologisch positiven Aspekt ihrer jeweils neuesten Sparlampen; häufig genau beziffert mit der durchschnittlichen CO2-Ersparnis in Kilogramm über die Lebensdauer.

Meistens lasse ich diesen Teil der Jubelmeldungen bei meiner Blog-Berichterstattung über aktuelle LED-Lampen absichtlich weg, weil ich solche Zahlenspiele schon immer für sekundär bis tertiär gehalten habe. Weise Voraussicht? Kaum. Eher die unbewusste Ahnung, dass damit kein zusätzlicher Hund hinter dem Ofen hervor gelockt werden kann.

Skandal: LED-Blogger ist im Alltag eine „Umweltsau“!

Mal ehrlich: Fast jeder von uns ist in Sachen Umweltschutz ambivalent und inkonsequent – ich besonders und das sogar öffentlich. Einerseits „grün“ angehauchter LED-Blogger und Ökostrom-Bezieher mit langjähriger Ablehnung von Atomkraft, andererseits eine rauchende, fleischessende „Umweltsau“ mit höchst unökologischer Motorsport-Leidenschaft. Deshalb kann ich niemandem einen Vorwurf machen, wenn er auch beim Lampenkauf Eigennutz vor Gemeinnutz stellt.

Egal, was wir offiziell verkünden: Unsere Kaufentscheidungen sind meistens unabhängig von den Lippenbekenntnissen und finden in der Regel unterbewusst statt. Das menschliche Gehirn liebt dabei kurzfristige, simple Belohnungen und ignoriert gerne komplexe mittel- und langfristige Vorteile.

Welche Art des Marketings deshalb besonders gut für LED-Lampen und andere energiesparende neue Technologien funktioniert, kann uns die US-Studie nicht exakt verraten. Sie liefert aber einen wertvollen Anhaltspunkt: Vergesst das „Grün“, betont das „Spar“!

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7 Gedanken zu „„Umweltschutz“ kein Motiv für Sparlampen-Kauf?

  1. Sparsam ist bei den heutigen Energiepreisen wichtig das kann man auch mit den Energiesparbirnen haben was aber für die LED Beleuchtung spricht ist vorallen die qualität des Lichts es ist einfach sehr gut bei hochwertigen Produkten,
    ausserdem ist das Licht sofort da es werden keine Minuten zum ‚Vorglühen‘ gebraucht wie bei Energiesparbirnen die LED Beleuchtung macht einfach mehr spass.

    frankkl

  2. Zum Thema „Grünspar“: Wir sind fest davon überzeugt, mit der Kombination aus Grün und sparen alles richtig zu machen. Wieso? Die Hervorhebung des Einsparpotentials (zum Thema LED vs. ESL sage ich gleich was) mag ein entscheidender Faktor in der Kaufentscheidung des Kunden sein. Wir werben nicht mit der „grünen“ Seite der LED, wir weisen nur auf die Upside für die Zukunft hin. Der Hintergrund ist einfach: Bevor ich bei Grünspar angefangen habe, war bei mir die Phrase „Energie-Effizient“ oder „Energie sparen“ immer negativ assoziiert mit Verzicht. Eine LED Lampe spart viel Geld, liefert tolle Lichtqualität und schont nebenbei die Umwelt. Wir versuchen im Zuge der Aufklärung, diese negative Assoziation durch die Kombination von grünen Aspekten und echter Qualität, die Geld spart, zu widerlegen. Der grüne Faktor der LED Lampe ist dabei nur ein Nebenprodukt der echten werbewirksamen Aspekte Qualität + Geld sparen.

    Das ist das, was Grünspar ausmacht: Energie sparen ohne Verzicht. Die LED ist dabei unerlässlich.

    Was das Einsparpotential betrifft, hat die LED der ESL einiges voraus. Da auch Osram jetzt LEDs unter 10€ auf den Markt bringt, verschlechtert sich das Verhältnis zu Gunsten der LED noch drastischer. Klar, die LED spart noch mehr als eine ESL, bei einer Verbesserung von 80% auf 90% hat das aber absolut kaum einen Stellenwert. Wo sich die Spreu vom Weizen trennt sind die Anschaffungskosten. Osram wirbt unter Anderem mit einer Lebensdauer von bis zu 35 Jahren. Das macht Anschaffungskosten in Höhe von 10 – 20 Euro alle 35 Jahre. Eine Energiesparlampe kostet zwischen 5 und 10 Euro, hält im Schnitt nur 8 Jahre. Die Differenz kann sich jeder selber ausrechnen. Bei Glühbirnen á 1€, die nur 1 Jahr halten, wird der Unterschied noch klarer.

    LEDs sind in diesem Fall nicht nur Energie- sondern auch Anschaffungskosten-effizienter.
    Sparsam, besser, grüner. Ein echtes Grünspar Produkt eben. 🙂

    • Das Thema Umwelt wird viel zu einseitig auf CO² konzentriert, das ist aber nur ein Teil und nervt mich eher !

      Ich kaufe lieber hochwertige Produkte bei einen Händler, der mich auch mit Service überzeugt,
      und ob ein Händler theoretische Rechnungen zu seinen Produkten durchführen kann, ist mir egal und hält mich eher vom kauf ab, denn mit den praktischen Alltag hat das überhaupt nichts zu tun.

      frankkl

  3. Bei mir war es anfangs die Vermeidung unnötiger Abwärme im Sommer, z.B. unter der Leselampe, die mich auf das Thema LED-Beleuchtung gebracht hat. Der Energiespareffekt kam dann noch positiv hinzu, war aber nicht zentral (da ist es wichtiger, öfter mal das Auto stehen zu lassen). Heute ist es aber noch ein anderer Aspekt, nämlich die Verfügbarkeit anderer Lichtfarben als dieses konservative „Warmweiß“, das bei Glüh-/Halogenlampen noch rein physikalisch-technisch bedingt ist.

    Leider wirbt Grünspar sogar damit, ein einseitig auf diese Nostalgie-Lichtfarbe beschränktes Sortiment anzubieten. Diese selbstverordnete Eintönigkeit sehe ich als den weitaus größeren Fehler an als die Betonung der Umweltfreundlichkeit. Ich habe mehrfach erlebt, dass in meinem Familien- und Bekanntenkreis weißes Licht als Bereicherung angesehen wurde. Ich würde wetten, dass weitaus mehr Menschen weißes Licht verwenden würden, wenn sie denn wüssten, wo man solche Lampen bekommt. Aber die meisten kaufen halt im nächsten Supermarkt und glauben vermutlich, dass dieser angeblich „warme“ Gelbbraun-Ton nunmal das „Licht fürs Volk“ sei, ohne das groß zu hinterfragen.

    Diesen Schuh muss sich natürlich nicht nur Grünspar anziehen, sondern auch Hersteller wie LEDON oder LEDS CHANGE THE WORLD, die sich ebenfalls zur farblichen Monokultur bekennen, ebenso wie die LED-Sparten von Philips oder Samsung, und damit für einen Teil der ansonsten durchaus LED-interessierten Bevölkerung schlichtweg uninteressant sind, da mag der versprochene CRI noch so hoch sein.

    Werbung mit Umweltfreundlichkeit hingegen halte ich nur dann für abschreckend, wenn sie sich in den Vordergrund drängt und somit den Eindruck erweckt, dass die Sparsamkeit das einzige sei, womit die Produkte des Anbieters punkten können.

    • Ich habe den Bericht von Wolfgang jetzt eher so aufgefasst, dass man die Herstellungskosten einer LED-Lampe denen einer Halogenlampe gegenübergestellt einmal betrachten müsste, denn eine elektronische Lampe verbraucht in der Herstellung mal sicher ungleich mehr Energie – die Frage wäre also, nach wievielen Monaten, Jahren sich die LED dann tatsächlich amortisiert, oder schafft sie’s überhaupt?

      @ Ingo:
      Bezüglich deiner Kritik an warmweissen LED-Lampen:
      Ich bin da teils gleicher Meinung wie du, aber nicht voll.
      Bei Philips, zB. den MasterLED Spots gibt es sehr wohl Auswahlmöglichkeiten zwischen 2700 und 4000 K.
      Das Ganze mit der Lichtfarbe ist natürlich Geschmackssache, klar. In einer Küche scheinen mir 3000 K eigentlich auch noch gut passend, habe ich dort auch teils im Einsatz. Es kommt meiner Meinung nach stark auf den Einrichtungsstil an, in Kombination mit Holzmöbeln, Holztüren usw. (und das findet man, wenn man den ganzen Möbelangeboten folgt, doch noch recht oft im Privatbereich, auch bei Neubauten) scheint mir warmweiss 2700 K schon recht gut passend, und das Angebot am Markt wird sich wohl an den Großteil der Kunden anpassen und nicht umgekehrt, Umsatzzahlen sind für die Hersteller eine exakt lesbare Größe.
      Und noch dazu ist der Mensch ein Gewohnheitstier, klar kann ich mich an 3000 K generell im Wohnraum auch irgendwann gewöhnen, aber zunächst erscheint es vielen etwas weniger gemütlich als vorher und die Rücksendefrist beträgt meist nur 14 Tage.

      • Hallo Johannes!
        Ich habe ja nicht gegen „warmweißes“ Licht allgemein gesprochen (wer es mag, soll es natürlich auch kaufen dürfen), sondern gegen die absichtliche, meiner Empfindung nach teilweise schon wie ein Bekenntnis wirkende Beschränkung ausschließlich auf „warmweiß“. Wie schon angedeutet: Nicht nur die Nachfrage bestimmt das Angebot, sondern auch das Angebot die Nachfrage. Gekauft werden kann halt nur, was angeboten und dem Kunden kommuniziert wird. Das kann u.U. sogar zu einer Rückkopplung führen, durch die eine bestimmte Produktklasse die Dominanz über andere erfährt, selbst wenn ein großer Teil der Menschen eigentlich etwas anderes bevorzugen würde. Bestes Beispiel ist die Mode. Da kaufen die Leute auch nicht, was ihnen wirklich gefällt, sondern das, was der Gruppenzwang anordnet, sprich was „in“ ist. Anderes Beispiel z.B. der Schlankheitstrend bei Lebensmitteln.

        Dass jedenfalls 999 von 1000 Menschen (das entspricht etwa dem Verhältnis der gelben zu bläulichen Fenstern in abendlichen Straßen; halt ca. 1 bläuliches pro Stadtteil) „warmes“ Licht weißem bevorzugen, erscheint mir kaum realistisch. Dass von den 999 weitere 50-100 auch 4000-6000 K nehmen würden, aber keine Lust/Zeit haben, nach Angeboten zu suchen, oder gar nicht auf diese Idee kommen, schon eher.

        Nebenbei bemerkt erscheint mir der Unterschied zwischen 2700 und 3000 K nicht wirklich groß; beides ist weit entfernt von weiß (ca. 4000-6000). Hinsichtlich Philips bezog ich mich auf LED-Allgebrauchslampen, nicht auf Spots.

  4. Wenn ich LEDs für Endverbraucher vermarkten müßte, würde ich es derzeit nicht primär über das Thema „Sparen“ machen. Im Haushaltsgebrauch sind die Amo-Zeiten meist noch zu lang. Solche Zeitspannen wirken mindestens irrelevant, da viele Kunden innerhalb der nächsten 35 Jahre wahrscheinlich die Möblierung verändern – und damit auch die Beleuchtung.
    Ich glaube, daß das gros der Lampen, die man in 10 Jahren kaufen wird, keine E27/E14 mehr haben werden. Wahrscheinlich nicht mal mehr wechselbare Leuchtmittel. Das Thema Sparen mit LEDs wird sich in einigen Jahren von selbst erklären. Allerdings müssen sich dann die „LED-Pioniere“ von heute noch Jahrzehnte mit dann veralteten Retrofis rumschlagen – oder die heutigen Investitionen abschreiben. Die meisten werden letzteres tun. Außerdem wird beim Sparargument meist die Energiersparlampe assoziiert. Jener ungeliebte Lückenbüßer mit einem schlechten Start.
    Neben meinem technischen Interesse und meiner Eperimentierfreude, womit ich einige überschaubare unwirschaftliche Ausgaben rechtfertigen kann, gibt es für mich einige habhafte und wahrscheinlich auch übertragbare Argumente für LEDs:
    – Etliche Lampen, die an der begrenzten Wattage litten werden mit kräftigen LED-Leuchtmittel endlich hell
    – Das gelbstichige Glühlampenlicht, das bisher durch die technisch limitierte Glühtemperatur bestimmt war, kann endlich überwunden und durch Farbtemperaturen von 3600K und höher ersetzt werden. Diese bieten endlich die Chance, Farben auch so wahrzunehmen wie wir Sie im natürlichen Licht sehen. Ein Ra von 100 unterhalb von 5000K ist diesbezüglich nichtssagend bis irreführend, da er sich nicht am Sonnenlicht orientiert, sondern am Glühlicht. Und das Glühlicht hat gemessen am Sonnenlicht einen starken Farbstich. Leider wird gerade dieser unschlagbare Vorteil von der LED-Industrie derzeit verspielt.
    – Mit LEDs lassen sich sehr flexible Beleuchtungen realisieren, die bisher kaum möglich waren. Flächige bzw. Linienbeleuchtungen in einstellbaren Stimmungen seien hier genannt. Hier könnte besonders auch der weibliche Teil der Kundschaft mit dem Wort Kreativität gelockt werden.
    – LEDs haben das Potential zu hoher Schaltfestigkeit bei sofortiger Zielhelligkeit und eignen sich damit für anwesenheitsgesteuerte Beleuchtungen. Im Retrofitbereich realistisch erst mal auf ein stumpfes Ein-Ausschalten beschränkt. Die Umrüstung von Durchgangs- und Wirtschaftsräumen auf Bewegungsmelder ist ein „Quick Win“ der Hausautomatisierung. Schnell und kostengünstig realisiert und mit hervorragender Akzeptanz gesegnet.
    – Zusammen mit der prinzipiell einfachen Dimmbarkeit von Niedervoltanwendungen per PWM sind sehr angenehme bewegungsgesteuerte Leuchten mit soft-on und soft-off Funktionen und teilautomatisierten situationsabhängigen Lichtstärken möglich.
    – LED-Lampen sind gefühlt mindestens so umweltfreundlich wie Energiesparlampen. Ihre Elektronik kann weniger aufwendig gestaltet werden und man benötigt weniger Materialien wie Glas etc. Ich habe aber keine wirklche Ahnung wie umweltwirksam die LED-Herstellung im Vergleich zur Glühlampenproduktion ist.

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