Wie man die Breitseite der Atomkraft-Lobby kontert

“Mut und Realismus für Deutschlands Energiezukunft” ist eine doppelseitige Anzeige betitelt, die diese Woche in diversen Medien erscheint – verantwortet von einem Verein (in Gründung) namens “Energiezukunft für Deutschland“. Zu den Unterzeichnern des Appells für eine längere Laufzeit der Atomkraftwerke in Deutschland gehören die üblichen Verdächtigen wie die Chefs der Energie-Oligopole EnBW, E.On, Vattenfall, RWE und CDU-Politiker wie Dr. Michael Fuchs, aber auch branchenfremde Prominente wie DFB-Manager Oliver Bierhoff und Dr. Eckhard Cordes, Chef der Metro-Gruppe.

Vorschau Anzeige Energiezukunft
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Schön, dass man nun genau sieht, wer außer den ohnehin bekannten Protagonisten noch so alles zu den energiepolitischen Dinosauriern und Atomkraft-Hasardeuren zählt. Denn es sind natürlich viele der Mächtigen im Land, die in elitären Kreisen auskungeln, wie sie ihren Gewinn ohne Rücksicht auf das Staatswesen mehren können, sie sind aber nicht unantastbar. Schließlich sind Atomkraftgegner auch Konsumenten und können ein klein wenig Gegendruck ausüben.

Nehmen wir zum Beispiel den Metro-Konzern. Zu dem gehören der Cash & Carry-Großhandel, die Elektronikfachmarkt-Ketten Media Markt und Saturn sowie die Real-Warenhäuser. Vor allem Letztere fallen mir häufig dadurch auf, dass sie massenhaft veraltete Stromfresser verramschen wie etwa Plasma-Flachbild-Fernsehgeräte. Mit jedem verkauften Exemplar wird die Zukunft der deutschen Atomindustrie weiter gesichert. Das ist höchst effektive “Real-Politik”: Wer braucht denn so was Dubioses wie erneuerbare Energie, so lange sie bei Weitem noch nicht in der Lage ist, unseren immensen Stromverbrauch kostengünstig und umfassend zu decken? Das können halt nur Atomkraft und Kohle, suggeriert der Appell:

Ein vorzeitiger Ausstieg würde Kapital in Milliardenhöhe vernichten – zu Lasten der Umwelt, der Volkswirtschaft und der Menschen in unserem Land

Ähnlicher Meinung scheint auch der Unterzeichner Kasper Rorsted zu sein, Vorstandsvorsitzender des Henkel-Konzerns. Zu ihm gehören Marken wie Persil, Weißer Riese, Perwoll, Spee, Dixan, Vernel, Somat, Sidolin, Bref, dato, Schauma, Taft, Gliss Kur, Diadermine, Seborin, Pritt, Ponal, Pattex,Teroson und Loctite. Kann man alles kaufen, muss man aber nicht. Schließlich darf doch erlaubt sein, durch selektives Kaufverhalten zumindest symbolisch etwas ökologisches Bewusstsein zu zeigen. Weitere Ansatzpunkte aus zahlreichen Branchen lassen sich in der langen Liste der Unterstützer finden.

Vielleicht fragen Sie ja auch mal als Einkäufer oder Verbraucher Ihre Stamm-Lieferanten und -Geschäfte, wie die dazu stehen, und passen Ihr Einkaufsverhalten entsprechend an. Das Böse ist schließlich nicht überall zuhause; es gibt sogar durchaus Industrievertreter, denen der Appell des Vereins i. G. überhaupt nicht behagt. Selbst aus CDU-Kreisen ist angesichts der Unterschrift des Unions-Fraktionsvizes Fuchs vereinzelt Kritik zu hören.

Und selbstverständlich können Sie selbst durch konsequentes Energiesparen und die intelligente Auswahl Ihres Stromversorgers die Geschäftsgrundlage der Atomkraft-Lobby etwas ausdünnen. Ich bin zum Beispiel seit einiger Zeit zufriedener Kunde der Elektrizitätswerke Schönau.

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4 Gedanken zu „Wie man die Breitseite der Atomkraft-Lobby kontert

  1. Zunächst möchte ich Frau Dr. Merkel zum Einstieg in den Ausstieg der Atomenergie gratulieren. Wieder einmal zeigt diese Koalition ihr Fingerspitzengefühl im Umgang mit Lobbyisten. Nicht nur unser Vizekanzler, nein auch seine Chefin kann Geschenke verteilen auch größere als der FDP Chef. Warten wir ab wer, wem als nächstes eine Wohltat zukommen lässt. Ach ja da ist doch noch die Sache mit der Endlagerung des Atommülls. Hier haben sich Merkels Vorgänger und ein ehemaliger Ministerpräsident Niedersachsens in die Geschichtsbücher dieser Republik verewigt. Morsleben, Asse II, Gorleben und Schacht KONRAD, damit sind wir bestens für die nächsten Jahrzehnte gerüstet.

    Mein Vorschlag zur Beruhigung von Volkes Wille/Stimme ein Zwischenlager für hochradioaktiven Müll neben dem Kanzleramt, damit könnte das Regierungsviertel wenn nicht ganz Berlin, Energiekosten drastisch senken. Früher oder später hätten wir ausreichend zweibeiniger Glühwürmchen. Das wäre doch toll oder? Weil ich bereits Volkes Stimme(n) erwähnt hatte, hoffentlich wird mir die Zeit bis zur nächsten Bundestagswahl nicht zu lang und hoffentlich ist das Gedächtnis des Wählers nicht wieder so kurz wie schon zu oft. Ich erinnere an 16 Jahre Dr. Helmut Kohl (kurz Birne). Keiner hatte ihn gewählt und trotzdem blieb er Bundeskanzler. Um Himmels willen keine 16 Jahre Angela vs. Guido. Denn nicht aus zu denken welche entsetzliche Änderungen wir von dieser Mannschaft noch erdulden müssen. Diese nicht zu überzeugen wollende Koalition hat max. noch zwei Jahre.

    Spätestens dann brauchen wir die nächste Bundestagswahl.

    In diesem Sinne haltet durch.

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