ALDI und die LED-Wunderlampen

Jeweils drei Decken- und Stehleuchten mit LEDs drin bekommen Sie ab Donnerstag (25. April) als Aktionsware in Ihrer ALDI-Süd-Filiale. Was nicht in der Werbebeilage (unten ein Ausschnitt) steht: Die Leuchtmittel sind teils auswechselbar, teils integriert und überraschen trotz der günstigen Preise mit traumhaften Nennwerten bei Leistung, Lichtqualität und Lebensdauer.

Aldi-Süd-LED-Leuchten 25.4.2013

Nur knapp 40 oder 60 Euro müssen Sie für diese LED-Komplettleuchten mit nominellen Gesamt-Lichtströmen von 750, 1000 oder 1050 Lumen ausgeben – das klingt nach einem Mega-Schnäppchen. Die offiziellen Daten der ALDI-„Wunderlampen“ haben jedoch was mit den „Märchen aus 1001 Nacht“ wie beispielsweise „Aladin und die Wunderlampe“ gemeinsam: Können Sie glauben, müssen Sie aber nicht.

Tatsächlich stammen Leuchten und Lampen mit der Handelsmarke „IClite“ nicht aus den Schatzkammern des Orients, sondern vom Großhändler „EuroTechnicsTrade GmbH“ (ETT) im sauerländischen Arnsberg – der Region mit einer besonderen Häufung von Lichthändlern in Deutschland. Von dort kamen auch die zahlreichen „Casalux“-Leuchten früherer ALDI-Aktionen.

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Die drei Deckenleuchten und eine der Stehleuchten-Versionen sind mit auswechselbaren, 2,6 Watt starken GU10-Hochvolt-LED-Spots namens „Idealux“ ausgerüstet. In ihnen werkeln unter der Klarglasabdeckung rund eineinhalb Dutzend SMD-Chips, die laut ETT-Datenblatt eine „warmweiße“ Farbtemperatur von 3000 Kelvin, einen anständigen Farbwiedergabeindex von Ra >80 und einen Gesamtlichtstrom von 250 Lumen haben sollen.

Das würde mindestens der Helligkeit eines 25-Watt-Hochvolt-Halogenstrahlers entsprechen und einer Effizienz von sagenhaften 96 Lumen/Watt. Damit fallen sie laut Datenblatt in die beste EU-Energieeffizienzklasse „A++“. Die gibt’s übrigens zur Zeit für Lampen noch gar nicht, erst ab September.

Traum-Papierwerte ohne Ende

Noch mehr Traumwerte gefällig? Kein Problem: ETT verspricht mindestens 25.000 Leuchtstunden bis zur Degradation auf 80% des ursprünglichen Lichtstroms und 100.000 schadlose Schaltzyklen (seltsam, dass Aldi all diese Daten mal wieder weder im Prospekt noch auf der Website erwähnt).

Osram, Philips, LEDON, Toshiba, Verbatim und Co.: Ihr könnt einpacken – der Letzte macht das Licht aus! Keiner Eurer LED-Spots unter 20 Euro schafft auch nur annähernd solche Papierwerte. Mal angenommen, wir kalkulieren eine ALDI-Leuchte ohne Lampen mit 10 Euro. Dann wären für die Lampen in den Deckenleuchten nur knapp 30 Euro übrig: 7,50 Euro pro Stück, und dann sind das auch noch solche Hammerteile – unfassbar!

Doch ein paar Haare in der Suppe?

Einige kleine, bescheidene Einschränkungen: Die Spots sind nicht dimmbar und von der dreijährigen Garantiezeit für die Leuchten ausgenommen. Abstrahlwinkel (mutmaßlich 120 Grad – ein Drittel eines Vollkreises) und Lichtstärke werden nicht mal im ETT-Datenblatt genannt.

Außerdem würde ich wetten, dass eine Nachmessung in einem unabhängigen Labor eine kältere Farbtemperatur als 3000 K und höchstens eine Farbtreue von CRI 75 ergeben würde, falls die Lumenangabe überhaupt stimmt. Effizienzwerte von über 90 lm/W sind nämlich in dieser Discounter-Preisklasse derzeit nur durch „Lumen-Schinden“ mit Überbetonung bestimmter Teile des Farbspektrums und deutlichen Einbußen bei der Lichtqualität erklärbar.

„Lumen-Schinden“ gab’s schon früher

Wie so was aussehen kann, will ich Ihnen live und in Farbe an jenem integrierten 4,9-Watt-LED-Leuchtmittel demonstrieren, das in dreifacher Ausfertigung in zwei der ALDI-Stehleuchten strahlt. Dieses konnten Sie nämlich schon vor knapp zwei Jahren in diversen „Casalux“-Klemm- und Schraubleuchten bei ALDI kaufen. Das von „Otto Normalverbraucher“ nicht auswechselbare Modul besteht aus einem Array von vier Einzel-LED-Chips und soll 350 Lumen mit 3000 Kelvin produzieren – nominell vergleichbar mit einem 35-Watt-Halogenspot.

IClite4,9W-aus-an

Ausgeschaltet (links) sieht das noch recht gut aus, eingeschaltet (rechts) nicht so toll. Das Foto gibt die subjektive Lichtfarbe des Moduls ziemlich exakt wieder – inklusive des deutlich wahrnehmbaren Grünstichs. Das ist zufällig genau der Spektralbereich, der aus physiologischen Gründen bei der Lumen-Messung besonders reich belohnt wird. Der Farbwiedergabeindex CRI geht dabei natürlich kräftig in den Keller. Über 80? Nie im Leben!

Und jetzt stellen Sie sich diesen Eindruck drei- oder gar vierfach in einer Steh- oder Deckenleuchte vor. ALDI nennt das in der Werbebeilage „wohnliches, warmweißes Licht“. Aber wollen Sie wirklich so was in Ihrem Wohnzimmer haben? Ich nicht, selbst wenn der ganze Kram nur 39,99 bzw. 59,99 Euro kostet.

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3 Gedanken zu „ALDI und die LED-Wunderlampen

  1. Die werden trotzdem wieder ausverkauft sein.

    Ich kenn da jemanden der einen 2 Spot Deckenbalken von Aldi Nord hat… welch tolles Geschenk.

    Die Leds sind fest verbaut und die eine hat warm-gelb-grünliches Licht die andere ist kalt-blau.

    Dieser Unterschied ist so Krass und die Farbwiedergabe so katastrophal das man das Ding nur als Schrott betrachten kann.

    Die Lampen an sich sehen auch nicht so aus als würde da noch irgendwo Luft druchkommen, mit Kühlung ist da wohl nicht viel und die Led-Spots werden bei diesen Traumwerten zu dem Preis wohl ohne Kühlkörper daherkommen.

      • Die dürften dann eine ähnlich klägliche Lebenserwartungen wie die lux.pro Spots im Glasgehäuse haben, diese hier:

        http://www.ebay.de/itm/350775680154

        Nach den Ebay und Amazonbewertungen sind das die Könige der Eintagsfliegen.

        Unterm Strich kommt wohl kaum mehr als eine Lampe für 40 Euro raus für die man sich neue Leuchtmittel besorgen muss, weil die Wunderlampen ähnlich schnell dahin scheiden werden.

Kommentare sind geschlossen.