OLED goes Mainstream?

Da blättert man nichtsahnend den druckfrischen “Winterkatalog 2013″ des Elektronikversenders “ELV” durch – und was sticht einem da plötzlich ins Auge auf Seite 44? Ein “superflaches”, dimmbares OLED-Modul mit 68 Lumen Lichtstrom für 189 Euro inklusive Netzteil!

ELV-OLED

Ist es jetzt wirklich schon so weit, dass OLED-Panels Katalogware für den Massenmarkt sind? Da hatte doch erst neulich LEDON-Chef Detlef Mikulsky in einem Interview erklärt:

OLED sind auch noch recht teuer. Es dürfte fünf bis zehn Jahre dauern, bis diese LED-Technik den privaten Endverbraucher erreicht.

So schnell vergeht die Zeit: Fünf bis zehn Jahre in wenigen Wochen. Kurioserweise kommen die bei “ELV” angebotenen OLEDs vom österreichischen Unternehmen “Tridonic”, das sie wiederum von der Dresdner Firma LEDON OLED Lighting” bezieht. Und was haben die Sachsen mit “Tridonic” und dem bekannten LED-“Retrofit”-Spezialisten LEDON gemeinsam? Sind alles Tochterfirmen des Zumtobel-Konzerns im Vorarlberger Wirtschaftszentrum Dornbirn.

Sagenhafte OLED-Effizienz

Es ist also im weitesten Sinn Mikulskys Arbeitgeber, der unerwartet früh die noch ziemlich exotische OLED-Technik via Versandkatalog auf’s Volk loslässt. Und das mit einem sehr respektablen Vertreter dieser Gattung: Das “Lureon REP 10″-Modul entwickelt – mit einer für OLEDS sagenhaften Effizienz von 40 Lumen/Watt – aus 1,7 W maximal 68 lm Lichtstrom (fast so hell wie eine 10-Watt-Glühlampe) bei einer Farbtemperatur von ca. 3800 Kelvin und einem Farbwiedergabeindex von über Ra 80.

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Da sieht manches Konkurrenzprodukt alt aus, obwohl es in einer ähnlichen Preisklasse spielt. Das ebenfalls für Beleuchtungszwecke gedachte Philips-OLED-Panel “Lumiblade GL 350″ beispielsweise schafft nur eine Effizienz von knapp 17 Lumen/Watt. Allerdings bekommen Sie schon für 400 Euro aus der Aachener Produktion ein Starter-Kit mit drei Panels à 120 Lumen plus Treiber. Damit kriegen Sie immerhin insgesamt knapp die Helligkeit einer 40-Watt-Glühlampe. Ein hübsches rundes Osram-”Orbeos CDW-031″-OLED-Panel aus Regensburg mit schlappen 0,65 Watt und 15 Lumen (Effizienz 23 lm/W) bei 2800 K wird für rund 125 Euro gehandelt – ohne Vorschaltelektronik.

Mein “Experience Kit” hält mit

In etwa der gleichen Helligkeitsliga unterwegs wie ein einzelnes “Lureon REP 10″-Modul mit Treiber für 189 Euro ist mein Philips-”Lumiblade Plus 2 Experience Kit”: Die beiden dimmbaren Panels bieten zusammen maximal 83 Lumen und kosten inklusive Steuergerät 172 Euro. Sie sind allerdings mit einer Energieeffizienz von 15 bis 17 lm/W offiziell nur zum Experimentieren und nicht für echte Beleuchtungsaufgaben gedacht (müssen dennoch bei mir als “Ambient Lights” im Dauertestbetrieb arbeiten – aber das nur am Rande). Der Abstrahlwinkel liegt übrigens bei allen mir bekannten OLED-Panels bauartbedingt bei ca. 120 Grad – unabhängig vom Fabrikat.

Meine Freunde bei Osram und “Philips Lumiblade” werden jetzt empört aufschreien: “Hey, wir haben doch auch mindestens so helle und effiziente OLEDs wie diese Sachsen und Österreicher!” Ja, habt Ihr, aber noch nicht im “ELV”-Katalog – sorry. Zugegeben: Mit überschaubaren 68 Lumen für fast 190 Euro wird das “Lureon”-Panel beim Versandhändler keine schnell drehende Massenware. Ich bin dennoch sehr gespannt, wer als nächstes nachzieht. Schließlich hatte Philips-Sprecher Dietmar Thomas schon im Oktober 2011 angekündigt, dass man OLED-Beleuchtung 2012 zur “Mainstream-Technologie” machen wolle.

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3 Gedanken zu “OLED goes Mainstream?

  1. @ Wolfgang:
    Danke für die Info.
    Aber mit einer Lichtfarbe von 3850K (Code 840) ist das ganze dann doch nicht so wohnraumtauglich, oder? Auch wenn sie dimmbar sind, die Lichtfarbe ändert sich doch bekanntlich nur mit roten Zusatz-LEDs und ähnlichen Einbauten.
    Und für den Endkunden, der derzeit vielfach vor einer 30,- bis 40,- € E27 LED kapituliert, da sind knapp 200,- dann doch eine andere Nummer…also von Mainstream nur schon zu reden, aber warten wir’s ab ;-)

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